S12 (S-Bahn Zürich)

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S12
Ein Doppelstocktriebzug des Typs RABe 511 als S12
System S-Bahn Zürich
Betreiberin SBB
Betriebsaufnahme 27. Mai 1990
Westlicher Endpunkt Brugg AG
Östliche Endpunkte Schaffhausen und Wil SG
Zentrale Knoten Baden, Dietikon, Zürich Hauptbahnhof, Zürich Stadelhofen, Winterthur
Grundtakt 30 Minuten Brugg–Winterthur
60 Minuten je Aussenast
Stationen 23 über Schaffhausen
25 über Wil SG
Verkehrte Kantone Aargau, Zürich, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen
Spurweite 1435 mm
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Hauptsächliches Rollmaterial RABe 511 Regio-Dosto

Die S12 ist eine Linie der S-Bahn Zürich. Sie verbindet Brugg im Kanton Aargau über Baden, Dietikon, Zürich und Winterthur abwechselnd mit Schaffhausen und Wil.

Auf dem gemeinsamen Abschnitt zwischen Brugg und Winterthur verkehrt die S12 grundsätzlich im Halbstundentakt. Östlich von Winterthur wird die Linie in zwei Äste aufgeteilt: Ein Zug pro Stunde fährt über Andelfingen und den Rheinfall nach Schaffhausen, der andere über Elgg und Aadorf nach Wil. Dadurch verbindet die S12 fünf Kantone und gehört zu den geografisch weitreichendsten Linien des Zürcher S-Bahn-Netzes.[1]

Die S12 wird von den Schweizerischen Bundesbahnen betrieben. Im regulären Verkehr kommen vor allem sechsteilige Doppelstocktriebzüge des Typs RABe 511 zum Einsatz.

Linienführung

Die S12 besitzt einen gemeinsamen Hauptabschnitt zwischen Brugg und Winterthur sowie zwei östliche Linienäste.

Gemeinsamer Abschnitt Brugg–Winterthur

Die Züge bedienen zwischen Brugg und Winterthur folgende Stationen:

Zwischen Brugg und Zürich verläuft die S12 über die historische Hauptstrecke Baden–Zürich. Sie bedient sämtliche Regionalverkehrshalte zwischen Brugg und Dietikon sowie die dicht besiedelten Gemeinden des Limmattals.

Im Zürcher Hauptbahnhof fährt die Linie durch den unterirdischen Bahnhof Museumstrasse. Von dort führt sie durch den Hirschengrabentunnel zum Bahnhof Zürich Stadelhofen und anschliessend durch den Zürichbergtunnel nach Stettbach.

Zwischen Stettbach und Winterthur verkehrt die S12 als schnelle S-Bahn ohne Zwischenhalt. Die Züge durchfahren dabei den Raum Dietlikon, Effretikon und Kemptthal. Die Reisezeit zwischen Zürich Hauptbahnhof und Winterthur beträgt rund 26 Minuten.[1]

Ast nach Schaffhausen

Jede zweite S12 fährt ab Winterthur über die Bahnstrecke Winterthur–Schaffhausen weiter:

Der Abschnitt erschliesst das Zürcher Weinland und den Raum am Rheinfall. Zwischen Winterthur und Schaffhausen ergänzt die S12 die S33 und weitere Regional- und Fernverkehrsverbindungen.

Die Station Schloss Laufen am Rheinfall dient insbesondere dem Freizeit- und Tourismusverkehr. Von dort bestehen direkte Zugänge zum Schloss Laufen und zu den Aussichtsplattformen auf der südlichen Seite des Rheinfalls.

Die Fahrzeit zwischen Winterthur und Schaffhausen beträgt ungefähr 31 Minuten. Für die gesamte Strecke von Brugg nach Schaffhausen benötigt die S12 etwas mehr als zwei Stunden.[1]

Ast nach Wil

Die übrigen Züge fahren ab Winterthur über die Hauptstrecke Winterthur–Wil weiter:

Dieser Ast erschliesst die östlichen Winterthurer Stadtteile, das Eulachtal und Gemeinden in den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Zwischen Winterthur und Wil bedient die S12 sämtliche Stationen.

In Wil bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr nach St. Gallen, Zürich und in die Zentralschweiz sowie an die regionalen Bahn- und Buslinien des Tarifverbunds OSTWIND.

Die Fahrzeit zwischen Winterthur und Wil beträgt ungefähr 31 Minuten. Eine durchgehende Fahrt von Brugg nach Wil dauert rund zwei Stunden und sechs Minuten.[1]

Betrieb

Takt und Linienverknüpfung

Zwischen Brugg und Winterthur wird während des grössten Teils des Tages ein Halbstundentakt angeboten. Die beiden östlichen Äste werden grundsätzlich stündlich bedient:

Abschnitt Grundtakt Bemerkung
Brugg–Zürich–Winterthur 30 Minuten Gemeinsamer Hauptabschnitt
Winterthur–Schaffhausen 60 Minuten Abwechselnd mit dem Ast nach Wil
Winterthur–Wil 60 Minuten Abwechselnd mit dem Ast nach Schaffhausen

In den Randstunden enden einzelne Züge bereits in Winterthur oder verkehren nur auf Teilabschnitten. Zusätzliche Abweichungen können an Wochenenden, Feiertagen und während Bauarbeiten auftreten.[1]

Die wechselnden östlichen Endpunkte werden an den Fahrzeugen und auf den Abfahrtsanzeigen angegeben. Reisende über Winterthur hinaus müssen deshalb auf die angeschriebene Destination Schaffhausen oder Wil SG achten.

Fahrzeiten

Die S12 verbindet zahlreiche regionale Zentren ohne Umsteigen. Die planmässigen Fahrzeiten betragen ungefähr:

Verbindung Fahrzeit
Brugg–Baden 11 Minuten
Brugg–Zürich Hauptbahnhof 39 Minuten
Dietikon–Zürich Hauptbahnhof 15 Minuten
Zürich Hauptbahnhof–Winterthur 26 Minuten
Winterthur–Schaffhausen 31 Minuten
Winterthur–Wil 31 Minuten
Brugg–Schaffhausen rund 2 Stunden 7 Minuten
Brugg–Wil rund 2 Stunden 6 Minuten

Die genauen Fahrzeiten können je nach Tageszeit und Fahrtrichtung geringfügig abweichen.

Tarif

Die Linie durchquert die Gebiete mehrerer Tarifverbünde. Innerhalb des Kantons Zürich gilt grundsätzlich der Zonentarif des Zürcher Verkehrsverbunds.

Auf dem westlichen Abschnitt im Kanton Aargau gelten der Tarifverbund A-Welle und die entsprechenden Übergangstarife. Auf den östlichen Abschnitten ausserhalb des ZVV-Gebiets kommen der Tarifverbund OSTWIND, regionale Übergangsangebote und der nationale Direkte Verkehr zur Anwendung.

Für Fahrten über mehrere Verbundgebiete werden unter anderem Z-Pass-Fahrausweise oder Billette des nationalen Tarifs angeboten. Generalabonnement und Halbtax werden auf der gesamten Linie anerkannt.

Rollmaterial

Auf der S12 verkehren hauptsächlich Doppelstocktriebzüge des Typs RABe 511, die von Stadler Rail für den Regionalverkehr gebaut wurden. Die SBB bezeichnen diese Fahrzeuge als Regio-Dosto.[2]

Die sechsteiligen Züge verfügen über:

  • Abteile der ersten und zweiten Klasse,
  • Niederflureinstiege,
  • Mehrzweckbereiche für Velos und Kinderwagen,
  • eine behindertengerechte Toilette,
  • Klimaanlagen,
  • elektronische Fahrgastinformationen.

Die Fahrzeuge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und besitzen eine hohe Beschleunigungsleistung. Dies ist besonders auf der S12 mit ihren unterschiedlichen Betriebsformen wichtig: Im Limmattal und auf den Aussenästen liegen die Haltestellen teilweise dicht beieinander, während die Züge zwischen Stettbach und Winterthur längere Abschnitte ohne Halt zurücklegen.

Vor der Einführung der RABe 511 wurden auf der S12 hauptsächlich lokomotivbespannte Doppelstock-Pendelzüge mit Lokomotiven der Baureihe Re 450 eingesetzt. Diese Fahrzeuge waren seit der Eröffnung der Zürcher S-Bahn prägend für die Linie.

Geschichte

Einführung der Zürcher S-Bahn

Die S12 wurde am 27. Mai 1990 mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich und der Gründung des Zürcher Verkehrsverbunds eingeführt. Der gemeinsame Zonentarif ermöglichte erstmals die Nutzung von Bahn, Bus, Tram, Schiff und Seilbahn mit einem einheitlichen Fahrausweis.[3]

Die neue Linie verband Brugg über Baden, Dietikon, Zürich und Winterthur mit den Winterthurer Ästen nach Seuzach und Winterthur Seen. Auf dem westlichen Abschnitt entstand eine umsteigefreie Verbindung aus dem Raum Brugg und Baden durch das Zürcher Stadtzentrum nach Winterthur.

Die S12 gehörte von Anfang an zu den Durchmesserlinien, die den Zürcher Hauptbahnhof nicht als Endstation benutzten. Der neue unterirdische Bahnhof Museumstrasse und der Hirschengrabentunnel ermöglichten die direkte Weiterfahrt nach Zürich Stadelhofen und in Richtung Winterthur.

Ursprüngliche Äste nach Seuzach und Seen

Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 führte die S12 ab Winterthur abwechselnd nach Seuzach und Winterthur Seen. Der Ast nach Seuzach erschloss Reutlingen und Seuzach, während der andere über Winterthur Grüze nach Winterthur Seen führte.

Die Verbindung Brugg–Winterthur verkehrte bereits im Halbstundentakt. Auf den beiden Endästen bestand grundsätzlich ein Stundentakt.

Die Verlängerung nach Seen wurde zeitweise über Sennhof-Kyburg bis ins Tösstal weitergeführt. Die genaue Linienführung und der Umfang dieser Zusatzverbindungen änderten sich im Laufe der Fahrplanperioden mehrfach.

Vierte Teilergänzungen

Wegen des starken Nachfragewachstums beschlossen der Kanton Zürich, der Bund und die SBB die sogenannten vierten Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn. Das Ausbauprogramm umfasste neue Doppelspurabschnitte, zusätzliche Perrons, leistungsfähigere Bahnanlagen und eine Neuordnung mehrerer S-Bahn-Linien.

Die dritte Etappe wurde im Dezember 2018 umgesetzt. Dabei wurde die S12 ab Winterthur stündlich nach Schaffhausen und stündlich nach Wil verlängert. Die bisherigen Äste nach Seuzach und Winterthur Seen beziehungsweise ins Tösstal wurden weitgehend von der ganztägig verkehrenden S11 übernommen.[4]

Durch die Verlängerung entstanden neue Direktverbindungen:

  • vom Zürcher Weinland und Schaffhausen nach Zürich, Baden und Brugg,
  • von Elgg, Aadorf, Sirnach und Wil nach Zürich und ins Limmattal,
  • zwischen den östlichen Aussenästen und den Arbeitsgebieten in Zürich Altstetten und an der Hardbrücke.

Die Änderung machte die S12 zu einer interkantonalen Linie, die je nach Linienast fünf Kantone berührt.

Entwicklung des Angebots

Seit 2018 blieb die grundlegende Linienstruktur Brugg–Winterthur–Schaffhausen/Wil erhalten. Einzelne Fahrplanlagen, Randstundenverbindungen und Haltemuster wurden jedoch angepasst.

Die S12 bildet gemeinsam mit der S11 eine schnelle Verbindung zwischen Zürich Stadelhofen und Winterthur. Durch die zeitlich versetzten Abfahrten entsteht auf diesem stark nachgefragten Korridor während eines grossen Teils des Tages ein annähernder Viertelstundentakt.

Auf den Abschnitten Winterthur–Schaffhausen und Winterthur–Wil ergänzt die S12 die dortigen Regional- und Fernverkehrslinien. Dadurch konnte das Angebot im Zürcher Weinland sowie im Eulachtal verdichtet werden.

Infrastruktur

Die S12 benutzt mehrere bedeutende Strecken und Kunstbauten des schweizerischen Eisenbahnnetzes:

Abschnitt Bahnstrecke beziehungsweise Infrastruktur
Brugg–Baden–Dietikon–Zürich Hauptstrecke Zürich–Baden–Brugg
Zürich Hauptbahnhof–Zürich Stadelhofen Bahnhof Museumstrasse und Hirschengrabentunnel
Zürich Stadelhofen–Stettbach Zürichbergtunnel
Stettbach–Winterthur Hauptstrecke Zürich–Winterthur
Winterthur–Schaffhausen Rheinfallbahn
Winterthur–Wil Hauptstrecke Winterthur–St. Gallen

Der Abschnitt Zürich–Winterthur gehört zu den am stärksten belasteten Bahnstrecken der Schweiz. Die S12 teilt ihn mit Fernverkehrs-, Regionalverkehrs- und Güterzügen.

Auch der unterirdische Bahnhof Zürich Stadelhofen stellt einen bedeutenden Engpass dar. Die Anlage besitzt nur drei Perrongleise und wird von zahlreichen S-Bahn-Linien befahren. Bund, Kanton und SBB planen deshalb langfristig einen Ausbau mit einem vierten Gleis und einem zusätzlichen Tunnel.

Bedeutung

Die S12 erfüllt mehrere unterschiedliche Verkehrsaufgaben. Im Limmattal dient sie als Regionalverbindung zwischen Brugg, Baden, Dietikon und Zürich. Zwischen Zürich und Winterthur übernimmt sie die Funktion einer schnellen S-Bahn mit nur zwei Zwischenhalten.

Östlich von Winterthur erschliesst sie ländliche und kleinstädtische Regionen. Der Schaffhauser Ast verbindet das Zürcher Weinland und den Rheinfall direkt mit Zürich und dem Aargau. Der Wiler Ast schafft direkte Verbindungen aus dem Eulachtal und dem südlichen Thurgau nach Winterthur und Zürich.

Zu den wichtigsten durch die Linie erschlossenen Arbeitsplatzgebieten gehören Baden, Dietikon, Zürich Altstetten, Zürich Hardbrücke, das Zürcher Stadtzentrum, Stettbach und Winterthur. Gleichzeitig besitzt die S12 Bedeutung für den Freizeitverkehr zum Rheinfall, in das Zürcher Weinland und in die historischen Städte Baden, Winterthur, Schaffhausen und Wil.

Durch ihre Länge, die beiden östlichen Endpunkte und die unterschiedlichen Haltemuster verbindet die S12 Merkmale einer städtischen S-Bahn, eines Regionalzugs und einer interkantonalen Durchmesserlinie.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Fahrplanjahr 2026: Zürcher S-Bahn S12. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
  2. Regio-Dosto: der Regionalverkehr-Doppelstockzug. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-04.
  3. Geschichte des Zürcher Verkehrsverbunds. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
  4. Vierte Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn. Hrsg.: Regierungsrat des Kantons Zürich. 2013-07-03. Abgerufen am 2026-08-04.