Rheinfall

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Rheinfall
Der Rheinfall von der Zürcher Seite
Gewässer Rhein (Hochrhein)
Lage Neuhausen am Rheinfall und Laufen-Uhwiesen
Kantone Schaffhausen und Zürich
Koordinaten 47° 40′ 38″ N, 8° 36′ 57″ E
Breite etwa 150 m
Fallhöhe 23 m
Mittlerer Abfluss etwa 364 m³/s
Entstehung gegen Ende der letzten Eiszeit
Schutzstatus BLN-Objekt Nr. 1412

Der Rheinfall ist ein Wasserfall des Rheins zwischen den Gemeinden Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen und Laufen-Uhwiesen im Kanton Zürich. Er liegt rund vier Kilometer südwestlich der Stadt Schaffhausen am Hochrhein. Im Schweizerdeutschen wird er meist Rhyfall genannt; eine ältere Bezeichnung lautet Grosser Laufen.

Mit einer Breite von rund 150 Metern und einer Fallhöhe von 23 Metern gehört der Rheinfall zu den mächtigsten Wasserfällen Europas. Gemessen an der durchschnittlichen Wassermenge gilt er als grösster Wasserfall Europas. Diese Bezeichnung bezieht sich auf seine Wasserführung und nicht auf seine Höhe. Über die breite Felsschwelle stürzen im Winter durchschnittlich etwa 250 Kubikmeter und im Frühsommer mehr als 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.[1]

Der Wasserfall, das bewaldete Rheinfallbecken, die markanten Felsen im Fluss und die historischen Bauwerke an beiden Ufern bilden eine der bekanntesten Landschaften der Schweiz. Der Rheinfall ist zugleich ein Naturdenkmal, ein bedeutender Ort der schweizerischen Industriegeschichte und eines der meistbesuchten Ausflugsziele des Landes.

Name

Das Wort Laufen wurde im süddeutschen und alemannischen Sprachraum früher für Stromschnellen, Wasserfälle oder stark fliessende Flussabschnitte verwendet. Der Rheinfall wurde deshalb lange als Grosser Laufen bezeichnet. Der Name unterschied ihn von kleineren Stromschnellen des Rheins in der Umgebung von Schaffhausen.

Eine frühe schriftliche Erwähnung findet sich im Mittelalter in der Lebensbeschreibung des Konstanzer Bischofs Konrad, der Vita Chuonradi Constantiensis episcopi. Darin erscheint der Ort als Loufen. Um 1600 sind die Bezeichnungen Gross Loufen und Fal des Rhins belegt.[2]

Lage und Landschaft

Der Rheinfall liegt an der Grenze der Kantone Schaffhausen und Zürich. Das rechte, nördliche Ufer gehört zu Neuhausen am Rheinfall, während das linke, südliche Ufer auf dem Gebiet der Gemeinde Laufen-Uhwiesen liegt. Auch Dachsen und Flurlingen befinden sich in unmittelbarer Nähe.

Oberhalb des Wasserfalls fliesst der Rhein vergleichsweise breit über eine felsige Flussschwelle. Anschliessend stürzt er in das tiefer gelegene Rheinfallbecken. Mehrere widerstandsfähige Felsköpfe teilen die Wassermassen in einzelne Ströme. Der grösste dieser Felsen, der Rheinfallfelsen, erhebt sich unmittelbar in der Mitte des Wasserfalls. Er trägt eine kleine Aussichtsplattform und eine Schweizer Fahne und kann während der Schifffahrtssaison mit Ausflugsbooten erreicht werden.

Das Rheinfallbecken wird von steilen, teilweise bewaldeten Hängen eingerahmt. Am linken Ufer steht das Schloss Laufen hoch über dem Wasserfall. Am Ausgang des Beckens befindet sich auf einer kleinen Felseninsel das Schlössli Wörth. Oberhalb des Falls überspannt die Rheinfallbrücke den Rhein. Die Eisenbahnlinie führt unmittelbar nach der Brücke durch einen Tunnel unter dem Schloss Laufen.

Der mittlere Felsen des Wasserfalls bildet einen Teil der Kantonsgrenze. Dadurch gehört der Rheinfall nicht ausschliesslich zu einem einzelnen Kanton, sondern ist ein gemeinsames Landschaftselement der Kantone Zürich und Schaffhausen.

Geologische Entstehung

Die Entstehung des Rheinfalls ist eng mit den wiederholten Vergletscherungen des Eiszeitalters verbunden. Der ursprüngliche Rhein verlief während älterer Abschnitte des Eiszeitalters nördlich an Schaffhausen vorbei durch das heutige Klettgau. Frühere Gletschervorstösse füllten dieses Tal teilweise mit Moränen, Schottern und Seeablagerungen auf.

Während der sogenannten Beringen-Eiszeit vor ungefähr 180'000 bis 130'000 Jahren wurde der damalige Flusslauf blockiert. Der Rhein musste sich einen neuen Weg suchen und wurde in eine weiter südlich gelegene Rinne abgelenkt, die unter dem heutigen Siedlungsgebiet von Neuhausen zum Rheinfallbecken führte.

Beim letzten grossen Vorstoss des Rheingletschers vor etwa 24'000 bis 22'000 Jahren wurde die Landschaft erneut von Eis und mächtigen Lockergesteinsablagerungen bedeckt. Nach dem Rückzug des Gletschers begann der Rhein, sich wieder in diese Ablagerungen einzuschneiden. Er fand seine frühere Flussrinne jedoch nicht vollständig wieder. Stattdessen floss er bei Neuhausen über den Rand des alten Tales und stiess auf besonders harte Kalksteinschichten.[3]

Vor rund 18'000 Jahren erreichte der Fluss erneut die mit Schottern gefüllte alte Rheinschlucht. An der Grenze zwischen dem widerstandsfähigen Kalkstein und den leichter abtragbaren Ablagerungen entstand eine Gefällstufe. Innerhalb mehrerer Jahrtausende formte die Erosion daraus den heutigen Rheinfall. Seine wesentliche Gestalt bildete sich wahrscheinlich zwischen ungefähr 18'000 und 14'000 Jahren vor heute aus.

Die Felsstufe besteht hauptsächlich aus Kalksteinen des oberen Juras, die vor rund 150 bis 140 Millionen Jahren in einem tropischen Meer entstanden. Im unmittelbaren Fallbereich tritt besonders harter sogenannter Massenkalk auf. Dieser bildete sich ursprünglich aus Schwammriffen und widersteht der Erosion besser als die umliegenden Gesteine.

Die im Wasserfall aufragenden Felszähne sind Reste der früheren südlichen Talflanke. Ohne die Widerstandsfähigkeit dieses Kalksteins wären sie durch die Kraft des Wassers längst abgetragen worden. Klüfte im Gestein, Frostverwitterung und die dauernde Belastung durch die Strömung führen dennoch zu einer langsamen natürlichen Veränderung der Felsformationen.

Hydrologie

Die Wassermenge des Rheinfalls wird wesentlich durch Niederschläge, Schneeschmelze und die Wasserführung der Zuflüsse im Einzugsgebiet des Bodensees beeinflusst. Der Bodensee wirkt dabei als natürlicher Ausgleichsspeicher, weshalb die Schwankungen des Rheins geringer ausfallen als bei vielen unregulierten Gebirgsflüssen.

An der Messstation Rhein – Neuhausen, Flurlingerbrücke wird der Abfluss unmittelbar oberhalb des Wasserfalls erfasst. Für die Messperiode von 1959 bis 2025 ergibt sich ein langjähriger Mittelwert von rund 364 Kubikmetern pro Sekunde. Die höchsten durchschnittlichen Abflüsse treten gewöhnlich im Juni und Juli auf, die tiefsten im Winter.[4]

Mittlere monatliche Abflussmenge an der Messstation Neuhausen, Flurlingerbrücke, 1959–2025
Monat Mittlerer Abfluss
Januar 257 m³/s
Februar 255 m³/s
März 264 m³/s
April 315 m³/s
Mai 433 m³/s
Juni 559 m³/s
Juli 536 m³/s
August 459 m³/s
September 398 m³/s
Oktober 335 m³/s
November 288 m³/s
Dezember 275 m³/s

Bei Hochwasser kann sich die Wasserführung innerhalb kurzer Zeit stark erhöhen. Im Mai 1999 wurde an der Messstation ein maximaler Wert von mehr als 1'170 Kubikmetern pro Sekunde registriert. Bei solchen Abflussmengen verschwinden Teile der Felsstufe unter den Wassermassen, während die Strömung im Rheinfallbecken besonders kräftig und unberechenbar wird.

Bei ausgeprägtem Niedrigwasser werden dagegen grössere Teile des Kalkuntergrundes sichtbar. Auch dann bleibt der Rheinfall ein breiter, in mehrere Arme gegliederter Wasserfall. Eine vollständige Vereisung ist aufgrund der Wassermenge und der Strömung ausserordentlich selten.

Felsen und Erosion

Der Rheinfallfelsen und die kleineren Felszähne sind einer starken Belastung durch Wasser, mitgeführtes Geschiebe, Temperaturwechsel und Frost ausgesetzt. Die Felsen bestehen zwar aus widerstandsfähigem Kalkstein, werden jedoch von zahlreichen natürlichen Klüften durchzogen.

Ein kleiner Felszahn im Zürcher Teil des Wasserfalls wurde bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch Mauerwerk gestützt. Der grosse Rheinfallfelsen wurde im Winter 1984/85 mit Injektionen und einem Spritzbetonmantel gesichert. Diese Eingriffe sollten verhindern, dass Wasser in bestehende Klüfte eindringt und die Stabilität des Felsens vermindert.

Seit den 1980er-Jahren wird der Zustand des Felsens regelmässig untersucht. Neben klassischen geologischen Kontrollen werden auch geophysikalische Messungen eingesetzt. Dabei können Veränderungen im Schwingungsverhalten des Felsens Hinweise auf mögliche strukturelle Veränderungen geben.

Pflanzen- und Tierwelt

Der Rheinfall schafft durch die hohe Luftfeuchtigkeit, den Sprühnebel und die stark wechselnden Wasserstände besondere Lebensräume. Die ständig feuchten Kalkfelsen und Uferzonen beherbergen eine vielfältige Flora aus Algen, Moosen und anderen Kryptogamen.

In der Gischtzone kommen spezialisierte und teilweise stark gefährdete Moosarten vor. Dazu gehört das Grossblättrige Spaltzahnmoos (Fissidens grandifrons), das an dauerhaft überrieselte Kalkfelsen angepasst ist. An den schattigen Hängen unterhalb des Wasserfalls wachsen feuchte Buchenwaldgesellschaften, während an wärmeren Stellen trockenheitsliebende Pflanzen vorkommen.

Eine Höhle beim Rheinfall dient Wasserfledermäusen als Wochenstube. Zeitweise können sich dort bis zu 250 Tiere aufhalten. Die bewaldeten Hänge des Rheinfallbeckens bilden zugleich Jagdgebiete für mehrere weitere Fledermausarten.[1]

Der frei fliessende Rheinabschnitt oberhalb des Wasserfalls ist Lebensraum verschiedener Fischarten und wirbelloser Wassertiere. Für die Äsche besitzt der Hochrhein zwischen Rheinfall und Untersee eine besondere Bedeutung als Laich- und Jungfischgebiet. Für wandernde Fische stellt der Wasserfall jedoch ein natürliches Hindernis dar.

Bis zum Bau der grossen Rheinkraftwerke im 20. Jahrhundert war das Rheinfallbecken für seine Lachsfischerei bekannt. Der Atlantische Lachs wanderte damals vom Meer über den Rhein bis zum Wasserfall, konnte diesen jedoch nicht überwinden.

Geschichte

Verkehr und Handel

Der Rheinfall unterbrach seit jeher die durchgehende Schifffahrt zwischen dem Bodensee und Basel. Schiffe und Flösse konnten die Stromschnelle nicht passieren. Waren mussten deshalb in Schaffhausen oder beim Schlössli Wörth ausgeladen, auf dem Landweg am Wasserfall vorbeigebracht und unterhalb des Falls erneut verladen werden.

Das Schlössli Wörth entwickelte sich dadurch zu einem bedeutenden Warenumschlagsplatz und zeitweise auch zu einer Zollstation. Der Umgehungsweg zwischen Schaffhausen, Neuhausen und Wörth blieb bis ins 19. Jahrhundert für den regionalen Handel wichtig. Ein Teil dieser Verbindung ist heute als historischer Verkehrsweg von nationaler Bedeutung inventarisiert.

Die Notwendigkeit des Umladens förderte die wirtschaftliche Entwicklung Schaffhausens. Kaufleute, Fuhrleute, Lagerhalter und Wirte profitierten vom Verkehrshindernis, das der Rheinfall für den Warenhandel darstellte.

Nutzung der Wasserkraft

Die Kraft des Wassers wurde am rechten Ufer wahrscheinlich bereits seit dem 11. oder 12. Jahrhundert genutzt. Zunächst trieb das Wasser Getreidemühlen und Schleifwerkstätten an. Seit dem 15. Jahrhundert bestanden am Rheinfall Eisenschmieden. Im 17. Jahrhundert wurde ein Hochofen errichtet, in dem Bohnerz aus dem Gebiet des Südrandens verarbeitet wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts leitete Johann Georg Neher mit seinen Eisenwerken eine neue Phase der Industrialisierung ein. Die vorhandene Wasserkraft und die Nähe zu Schaffhausen machten Neuhausen zu einem wichtigen Industriestandort.

Im Jahr 1853 wurde die Schweizerische Industrie-Gesellschaft gegründet, die später insbesondere durch die Herstellung von Eisenbahnwagen, Waffen und Verpackungssystemen bekannt wurde. 1888 nahm die Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft in Neuhausen den Betrieb auf. Aus ihr entwickelte sich später der international tätige Aluminiumkonzern Alusuisse.[5]

Zwischen 1948 und 1951 entstand das Rheinkraftwerk Neuhausen. Die industrielle Nutzung der Wasserkraft führte wiederholt zu Konflikten zwischen wirtschaftlichen Interessen, Landschaftsschutz und Tourismus. Projekte für eine stärkere energetische Nutzung des Rheinfalls wurden deshalb immer wieder kontrovers diskutiert.

Tourismus

Der älteste bekannte Reisebericht über den Rheinfall stammt vom Florentiner Humanisten Poggio Bracciolini, der den Wasserfall 1416 besuchte. Eine der frühesten gedruckten Abbildungen erschien 1544 als Holzschnitt in der Cosmographia von Sebastian Münster.

Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Rheinfall zu einer wichtigen Station der europäischen Bildungsreise, der sogenannten Grand Tour. Zu den bekannten Besuchern gehörten Kaiser Joseph II., der russische Zar Alexander I. und Johann Wolfgang von Goethe. Der Wasserfall wurde in Reisebeschreibungen häufig als Beispiel für die Erhabenheit und Kraft der Natur dargestellt.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich am Rheinfall eine eigentliche touristische Infrastruktur. Gasthäuser und Hotels entstanden, Wege wurden ausgebaut und Aussichtsplätze eingerichtet. Besonders bekannt wurden die Landschaftsdarstellungen der Bleuler-Malschule auf Schloss Laufen. Ihre Veduten und Druckgrafiken verbreiteten das Bild des Rheinfalls in ganz Europa.

Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Winterthur–Schaffhausen im Jahr 1857 erleichterte die Anreise erheblich. Die Strecke führt über die Rheinfallbrücke und anschliessend durch einen Tunnel unter dem Schloss Laufen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden mehrere grosse Hotels, die internationale Gäste beherbergten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Rheinfall vom Ziel wohlhabender Reisender zu einem Ausflugsort für breite Bevölkerungsschichten. Heute besuchen jährlich rund zwei Millionen Menschen die Umgebung des Wasserfalls. Damit gehört der Rheinfall zu den bedeutendsten Tourismusdestinationen der Schweiz. In den Jahren 2024 und 2025 wurden jeweils ungefähr zwei Millionen Besucherinnen und Besucher gezählt.[6][7]

Schloss Laufen und Schlössli Wörth

Das Schloss Laufen steht auf einem Kalkfelsen unmittelbar über dem südlichen Teil des Wasserfalls. Die Schlossanlage geht auf das Mittelalter zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Im Jahr 1544 erwarb der Stand Zürich die Herrschaft Laufen und richtete dort eine Obervogtei ein, die bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 bestand.

Seit dem 19. Jahrhundert dient das Schloss verstärkt touristischen Zwecken. Der Kanton Zürich übernahm die Anlage im 20. Jahrhundert und liess sie in mehreren Etappen restaurieren. Heute befinden sich dort ein Besucherzentrum, eine Ausstellung zur Geschichte des Rheinfalls, gastronomische Einrichtungen und der Zugang zu mehreren Aussichtsplattformen.[8]

Das Schlössli Wörth liegt auf einer kleinen Insel am Ausgang des Rheinfallbeckens. Seine Lage steht in engem Zusammenhang mit der historischen Schifffahrt und dem Warenumschlag. Heute befinden sich beim Schlössli eine Schiffsanlegestelle und gastronomische Angebote.

Besuch und Erschliessung

Der Rheinfall kann von beiden Ufern aus besichtigt werden. Die beiden Seiten bieten unterschiedliche Perspektiven auf den Wasserfall.

Auf der Zürcher Seite führt der Zugang durch das Areal von Schloss Laufen. Ein Panoramaweg, Treppen, ein Lift und mehrere Plattformen reichen bis nahe an die stürzenden Wassermassen heran. Der Zugang zu den unmittelbar am Wasserfall gelegenen Plattformen ist kostenpflichtig.

Auf der Schaffhauser Seite führen Wege von Neuhausen zum Rheinfallbecken und zum Schlössli Wörth. Der allgemeine Zugang zum Becken ist dort kostenlos. Von verschiedenen Aussichtspunkten eröffnet sich ein weiter Blick auf die gesamte Breite des Wasserfalls und auf Schloss Laufen.

Während der wärmeren Jahreszeit verkehren Ausflugsboote im Rheinfallbecken. Einige Fahrten führen nahe an den Wasserfall, andere zum mittleren Rheinfallfelsen. Wegen der starken Strömung dürfen die unmittelbaren Bereiche des Wasserfalls nur von zugelassenen Schiffsunternehmen befahren werden.

Der Rheinfall ist grundsätzlich während des ganzen Jahres zugänglich. Die Stärke und das Erscheinungsbild des Wasserfalls verändern sich im Verlauf der Jahreszeiten. Im Frühsommer ist die Wasserführung gewöhnlich besonders hoch, während bei winterlichem Niedrigwasser die geologische Struktur der Felsschwelle besser sichtbar wird.[9]

Für die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr stehen die Bahnhöfe Neuhausen Rheinfall, Neuhausen und Schloss Laufen am Rheinfall zur Verfügung. Zusätzlich verbinden Buslinien den Rheinfall mit Schaffhausen und Neuhausen. Wander- und Velowege führen an beiden Rheinufern entlang.

Landschafts- und Naturschutz

Die aussergewöhnliche Landschaft des Rheinfalls war im 20. Jahrhundert wiederholt durch Kraftwerks-, Industrie- und Verkehrsprojekte gefährdet. Im Jahr 1951 entstand das Überparteiliche Komitee zum Schutz der Stromlandschaft Rheinfall–Rheinau, aus dem später der Rheinaubund hervorging.

Der Rheinfall und seine Umgebung sind als Objekt Nr. 1412 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet. Das Inventargebiet umfasst rund 164 Hektaren in den Kantonen Zürich und Schaffhausen.

Zu den wichtigsten Schutzzielen gehören die Erhaltung des Wasserfalls und seines natürlichen Durchflusses, der geomorphologischen Strukturen, der weitgehend unverbauten Uferbereiche sowie der durch Wasser und Gischt geprägten Lebensräume. Auch das Ensemble von Schloss Laufen, das Schlössli Wörth und die historischen Verkehrswege sind Teil der schützenswerten Kulturlandschaft.[1]

Der Schutzstatus schliesst bauliche Eingriffe nicht grundsätzlich aus, verlangt jedoch eine sorgfältige Prüfung ihrer Auswirkungen. Besonders Projekte zur zusätzlichen Nutzung der Wasserkraft stehen im Spannungsfeld zwischen Energiegewinnung, Denkmalschutz, Ökologie und touristischer Bedeutung.

Bedeutung

Der Rheinfall besitzt für die Kantone Schaffhausen und Zürich eine herausragende landschaftliche, historische und wirtschaftliche Bedeutung. Für Schaffhausen und Neuhausen ist er ein zentrales Identifikationsmerkmal und ein international bekanntes Wahrzeichen.

Seine Geschichte verbindet mehrere zentrale Themen der schweizerischen Entwicklung: die Entstehung der Landschaft während der Eiszeiten, die mittelalterliche Schifffahrt, die frühe Nutzung der Wasserkraft, die Industrialisierung, die Entwicklung des Tourismus und den modernen Natur- und Heimatschutz.

Das Nebeneinander von Naturdenkmal, historischen Schlossanlagen, Eisenbahn, Industriearchitektur und touristischer Infrastruktur macht den Rheinfall zu einer aussergewöhnlichen Kulturlandschaft. Trotz der starken menschlichen Nutzung sind der Wasserfall und ein Teil des umliegenden Hochrheins bis heute durch eine weitgehend natürliche Flussdynamik geprägt.

Rheinfall in Kunst und Kultur

Seit der frühen Neuzeit wurde der Rheinfall in Gemälden, Zeichnungen, Stichen und Reiseberichten dargestellt. Besonders im Zeitalter der Romantik galt er als Sinnbild einer mächtigen und unbezähmbaren Natur.

Die Künstlerfamilie Bleuler betrieb im 19. Jahrhundert auf Schloss Laufen eine bedeutende Werkstatt für Landschaftsbilder. Ihre Aquarelle, Gouachen und Druckgrafiken wurden an Reisende verkauft und trugen entscheidend zur internationalen Bekanntheit des Rheinfalls bei.

Auch in der modernen Werbung, Fotografie und Filmproduktion wird der Wasserfall häufig als Symbol für die natürliche Kraft und landschaftliche Vielfalt der Schweiz verwendet. Die nächtliche Beleuchtung des Rheinfalls hat ebenfalls eine lange Tradition. Eine der ersten sicher belegten Beleuchtungen fand 1857 anlässlich der Eröffnung der Rheinfallbahn statt.[10]

Literatur

  • Walter Ulrich Guyan: Der Rheinfall. Schaffhausen 1958.
  • Robert Pfaff: Der Tourismus am Rheinfall im Wandel der Zeiten. Schaffhausen 1976, 2. Auflage 1994.
  • Rolf Schlatter u. a.: Der Rheinfall. Schaffhausen 1986.
  • Roger Fayet (Hrsg.): Der Rheinfall. Baden 2006.
  • Hans Georg Butz: Sie waren am Rheinfall. Schaffhausen 2009.
  • Thomas Bolliger: Der Rheinfall – Wie die Eiszeiten einen Flusslauf steuern. In: Geologische Naturdenkmäler im Kanton Zürich. Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, 2023, S. 23–30.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Bundesamt für Umwelt: BLN 1412 Rheinfall, Objektblatt des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Historisches Lexikon der Schweiz: Rheinfall, Version vom 23. November 2010, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Thomas Bolliger: Der Rheinfall – Wie die Eiszeiten einen Flusslauf steuern, in: Naturforschende Gesellschaft in Zürich: Geologische Naturdenkmäler im Kanton Zürich, Neujahrsblatt 2023, S. 23–30.
  4. Bundesamt für Umwelt: Rhein – Neuhausen, Flurlingerbrücke, Station 2288, hydrologische Kennzahlen, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Gemeinde Neuhausen am Rheinfall: Siedlungsgeschichte, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Kanton Schaffhausen: Rheinfall-Sommer 2024, Medienmitteilung vom 11. Dezember 2024.
  7. Kanton Schaffhausen: Rheinfall-Saison 2025, Medienmitteilung vom 23. Oktober 2025.
  8. Schloss Laufen am Rheinfall: Schlossgeschichte, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Offizielle Destination Rheinfall: Anreise und Zugänglichkeit, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. Gemeinde Neuhausen am Rheinfall: Der Rheinfall, abgerufen am 23. Juli 2026.