Bahnhof Andelfingen

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Bahnhof Andelfingen
Ort Andelfingen
Bezirk Andelfingen
Kanton Zürich
Lage im Netz Zwischen- und Kreuzungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Eröffnung 16. April 1857
Anlage am heutigen Standort seit 1870
Bahnsteiggleise 2
Bahnsteige 1 Hausperron
1 Aussenperron
Perronlänge je 225 m
Perronhöhe 55 cm
Spurweite 1435 mm
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Höhe 402 m ü. M.
Abkürzung AN
IBNR 8506047
Bahnstrecke Rheinfallbahn
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 161
Eigentümerin SBB
Personenverkehr S-Bahn Zürich, Linien S12, S24 und S33
Nacht-S-Bahn SN3
Anschlussverkehr Buslinien 605, 612 und 677
Nachtbuslinien N60 und N65
Website sbb.ch

Der Bahnhof Andelfingen ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen in der Gemeinde Andelfingen im Zürcher Weinland. Er liegt an der Rheinfallbahn zwischen Winterthur und Schaffhausen und ist der wichtigste öffentliche Verkehrsknoten des mittleren Weinlands.

Der Bahnhof wird von den Linien S12, S24 und S33 der S-Bahn Zürich bedient. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach Winterthur, Schaffhausen, Zürich, zum Flughafen Zürich, nach Brugg, Zug und Thayngen. Mehrere regionale Buslinien erschliessen Kleinandelfingen, Ossingen, das Stammertal, Rheinau, Flaach, Dinhard und Seuzach.[1]

Der erste Bahnhof wurde 1857 zusammen mit der Rheinfallbahn eröffnet. Die ursprüngliche provisorische Station lag rund 200 Meter westlich der heutigen Anlage. Das bestehende Bahnhofensemble entstand um 1870 und gehört zu den ältesten weitgehend erhaltenen Stationsanlagen der ehemaligen Schweizerischen Nordostbahn. Aufnahmegebäude, Güterschuppen, WC-Häuschen und Waaghäuschen sind als Kulturgüter von regionaler Bedeutung geschützt.

Lage

Der Bahnhof liegt am westlichen Rand des historischen Zentrums von Andelfingen zwischen der Bahnhofstrasse, der Alten Landstrasse und dem Übergang zur offenen Landschaft des Thurtals.

Der Ortskern mit Schloss, Kirche, Gemeindehaus und verschiedenen Geschäften ist in wenigen Gehminuten erreichbar. Nördlich des Bahnhofs führt die Bahnstrecke über die Thur nach Kleinandelfingen. Südlich verläuft sie über Henggart und Hettlingen nach Winterthur.

Das Bahnhofareal befindet sich auf der Südseite der Thur. Für Kleinandelfingen besitzt der Bahnhof dennoch grosse Bedeutung, da der südwestliche Teil der Ortschaft über die Weinlandbrücke und lokale Fuss- und Busverbindungen erreichbar ist.

In unmittelbarer Umgebung befinden sich:

  • das Zentrum von Andelfingen;
  • die Gemeindeverwaltung;
  • das Schloss Andelfingen;
  • das regionale Gesundheitszentrum;
  • Schulen und Sportanlagen;
  • Wohn- und Gewerbegebiete;
  • der Thurweg;
  • Parkplätze und Veloabstellanlagen.

Der Bahnhof liegt an einer Schnittstelle zwischen dem Siedlungsgebiet und der landwirtschaftlich geprägten Landschaft des Zürcher Weinlands.

Bahnhofanlage

Gleise und Perrons

Der Bahnhof besitzt zwei durchgehende Gleise. Sie dienen sowohl dem Personenverkehr als auch Zugskreuzungen auf der weitgehend eingleisigen Rheinfallbahn.

Gleis 1 liegt am Hausperron unmittelbar beim Aufnahmegebäude. Gleis 2 wird über einen Aussenperron erschlossen. Beide Perrons sind 225 Meter lang und weisen eine Höhe von 55 Zentimetern auf.

Die Perrons ermöglichen bei geeigneten Fahrzeugen einen weitgehend stufenfreien Einstieg. Die genaue Einstiegssituation hängt von der eingesetzten Fahrzeugbauart und der Position der Niederflurtüren ab.

Andelfingen übernimmt eine wichtige betriebliche Funktion als Kreuzungsstation. Die fahrplanmässige Abwicklung der S-Bahn-Linien zwischen Winterthur und Schaffhausen ist auf mehrere Kreuzungsstellen entlang der eingleisigen Strecke abgestimmt.

Unterführungen

Der Hausperron und der Aussenperron sind durch Personenunterführungen miteinander verbunden. Dadurch ist der Zugang zu Gleis 2 auch möglich, wenn der Bahnübergang an der Alten Landstrasse geschlossen ist.

Die westliche Unterführung entstand im Rahmen des Bahnhofumbaus von 2004. Sie ersetzte den früheren Niveauübergang beim Altweg und verbesserte die Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger.

Die Zugänge sind über Treppen und Rampen erreichbar. Neben der Erschliessung der Bahnsteige dienen die Unterführungen als lokale Verbindungen zwischen den Gebieten auf beiden Seiten der Gleise.

Bahnübergang

Am östlichen Ende des Bahnhofs kreuzt die Alte Landstrasse die Bahnlinie. Der Übergang ist mit Schranken und Lichtsignalen gesichert.

Wegen des dichten Bahnverkehrs kann die Strasse während Zugskreuzungen und mehrerer unmittelbar aufeinanderfolgender Fahrten längere Zeit geschlossen sein. Die Personenunterführung ermöglicht in dieser Zeit weiterhin die Querung der Gleise zu Fuss.

Perrondächer

Die Bahnsteige besitzen teilweise überdachte Wartebereiche. Die SBB erneuerten die Perrondächer zwischen Juli und Dezember 2025.

Die Arbeiten umfassten die Sanierung beziehungsweise den Ersatz von Bauteilen, damit die Anlagen weiterhin einen zuverlässigen Wetterschutz bieten. Ein Teil der Arbeiten musste nachts bei ausgeschalteter Fahrleitung ausgeführt werden. Der fahrplanmässige Zugverkehr wurde durch das Projekt nicht eingeschränkt.[2]

Aufnahmegebäude

Das Aufnahmegebäude ist ein zweigeschossiger Massivbau unter einem Satteldach. Es entspricht einer frühen Normalbauart der Schweizerischen Nordostbahn, die in unterschiedlichen Varianten an mehreren Strecken der Gesellschaft eingesetzt wurde.

Die Längsfassaden besitzen drei, die Schmalseiten zwei Fensterachsen. Die regelmässige Fassadengliederung, das verhältnismässig steile Dach und die zurückhaltende Gestaltung sind typisch für Stationsbauten aus der frühen Epoche der Schweizer Eisenbahnen.

Das Gebäude enthielt ursprünglich:

  • einen Wartsaal;
  • einen Billettschalter;
  • ein Stationsbüro;
  • Räume für Gepäck und Post;
  • eine Wohnung für den Bahnhofvorstand;
  • weitere Dienst- und Nebenräume.

Auf der Seite des Bahnhofplatzes wurde später ein eingeschossiger Pavillon angebaut. Davor befinden sich die Haltekanten des regionalen Busverkehrs.

Der Bahnhof war während längerer Zeit die einzige Station der Rheinfallbahn zwischen Winterthur und Schaffhausen mit einem geöffneten Billettschalter. Das klassische SBB-Reisezentrum wurde später durch eine regionale Verkaufsstelle ersetzt. Billette und Beratungsleistungen werden in Andelfingen weiterhin über eine bediente ZVV-Verkaufsstelle angeboten.[3]

Im Bahnhofgebäude beziehungsweise im unmittelbaren Stationsbereich befindet sich zudem ein Avec-Verkaufsgeschäft.[4]

Historische Nebengebäude

Güterschuppen

Der freistehende Güterschuppen gehört zum historischen Bahnhofensemble. Er diente ursprünglich dem Stückgutverkehr und besass eine Rampe zur Be- und Entladung von Güterwagen und Strassenfahrzeugen.

Im Güterschuppen wurden unter anderem landwirtschaftliche Erzeugnisse, Maschinen, Baustoffe, Brennstoffe und Waren des örtlichen Handels umgeschlagen.

Nach der Einstellung des örtlichen Güterverkehrs wurde das Gebäude zu einer gedeckten Veloabstellanlage umgenutzt. Es ist im lokalen Sprachgebrauch auch als Veloschopf bekannt.

WC-Häuschen

Das historische WC-Gebäude steht getrennt vom Aufnahmegebäude. Eine solche Anordnung war bei frühen Bahnhöfen üblich, da die Toiletten zunächst nicht an eine Kanalisation angeschlossen waren.

Die räumliche Trennung sollte Geruchsbelästigungen im Aufnahmegebäude verhindern. Das kleine Nebengebäude ist ein selten erhaltenes Beispiel der frühen Bahnhofsinfrastruktur.

Waaghäuschen

Das Waaghäuschen wurde 1902 errichtet. Es gehörte zu einer Brückenwaage, mit der beladene Fuhrwerke und später Motorfahrzeuge gewogen werden konnten.

Solche Anlagen waren für den Güterumschlag von Bedeutung. Das Gewicht einer Ladung konnte bestimmt werden, ohne die einzelnen Warenstücke abzuladen.

Das Gebäude ist trotz seines kleinen Volumens ein wichtiger Bestandteil des historischen Ensembles und dokumentiert die frühere wirtschaftliche Funktion des Bahnhofs.

Denkmalschutz

Das Bahnhofensemble ist als Kulturgut von regionaler Bedeutung inventarisiert. Es wird im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter unter der Nummer 7387 geführt.

Zum geschützten Bestand gehören:

  • das Aufnahmegebäude;
  • der Güterschuppen;
  • das freistehende WC-Gebäude;
  • das Waaghäuschen.

Die Anlage besitzt einen hohen eisenbahn- und architekturgeschichtlichen Wert. Sie zeigt die funktionale Gliederung eines Landbahnhofs des 19. Jahrhunderts mit voneinander getrennten Gebäuden für Personenverkehr, Güterumschlag und sanitäre Einrichtungen.

Das Ensemble ist besonders bemerkenswert, weil die meisten vergleichbaren Bahnhofanlagen durch Umbauten, Neubauten oder den Abbruch ihrer Nebengebäude stark verändert wurden.

Ausstattung

Der Bahnhof verfügt über Billettautomaten, digitale Abfahrtsanzeigen, Lautsprecheranlagen, Sitzgelegenheiten und gedeckte Wartebereiche.

Nach Angaben der SBB stehen 98 gedeckte Veloabstellplätze sowie 15 weitere gedeckte Abstellplätze für Zweiräder zur Verfügung.

Die P+Rail-Anlage umfasst 70 reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung. Zusätzlich bestehen Carsharing-Angebote von Mobility und Enterprise Go.[4]

Zu den Angeboten am Bahnhof gehören:

  • bediente ZVV-Verkaufsstelle;
  • Avec-Verkaufsgeschäft;
  • Billettautomaten;
  • Fahrgastinformationen;
  • gedeckte Wartebereiche;
  • Veloabstellanlagen;
  • P+Rail;
  • Carsharing;
  • Bushaltestellen;
  • Fusswegverbindungen zum Dorfzentrum.

Bahnverkehr

S-Bahn Zürich

Im Jahresfahrplan 2026 wird Andelfingen von drei Linien der S-Bahn Zürich bedient:[1]

Linie Streckenführung über Andelfingen Funktion
S12 Schaffhausen – Andelfingen – Winterthur – Zürich Stadelhofen – Zürich HB – Dietikon – Brugg AG direkte Verbindung nach Zürich und ins Limmattal
S24 Thayngen – Schaffhausen – Andelfingen – Winterthur – Zürich Flughafen – Zürich HB – Thalwil – Zug beschleunigte Verbindung zum Flughafen und nach Zürich
S33 Schaffhausen – Andelfingen – Hettlingen – Winterthur regionale Bedienung der Rheinfallbahn

Die S12 besitzt nördlich beziehungsweise östlich von Winterthur verschiedene Linienäste. Der in Andelfingen verkehrende Ast verbindet Schaffhausen über Winterthur und Zürich mit Brugg.

Die S24 hält zwischen Winterthur und Schaffhausen nur an ausgewählten Stationen. Andelfingen ist neben Neuhausen einer ihrer wichtigsten Zwischenhalte im Weinland. Die Linie bietet eine direkte Verbindung zum Flughafen Zürich und zum Zürcher Hauptbahnhof.

Die S33 bedient die regionalen Stationen zwischen Winterthur und Schaffhausen und ergänzt die durchgehenden Linien.

Durch die Überlagerung der drei Angebote bestehen während eines grossen Teils des Tages mehrere Verbindungen je Stunde nach Winterthur und Schaffhausen.

Nachtverkehr

In den Nächten vor Samstagen und Sonntagen hält die Nacht-S-Bahn SN3 in Andelfingen.

Sie verbindet Winterthur über Andelfingen mit Schaffhausen und wird auf einzelnen Fahrten beziehungsweise Linienabschnitten bis Stein am Rhein geführt.[1]

Fahrzeiten

Die ungefähren Fahrzeiten betragen:

Ziel Ungefähre Fahrzeit
Winterthur 15 bis 20 Minuten
Schaffhausen 15 bis 20 Minuten
Zürich Flughafen rund 35 Minuten
Zürich Hauptbahnhof rund 45 bis 55 Minuten

Die tatsächliche Fahrzeit hängt von der gewählten Linie und der Zahl der Zwischenhalte ab.

Busverkehr

Die Bushaltestelle Andelfingen, Bahnhof liegt unmittelbar vor dem Aufnahmegebäude. Sie ist der wichtigste regionale Busknoten des mittleren Zürcher Weinlands.

Im Jahresfahrplan 2026 wird sie durch folgende Linien bedient:[1]

Linie Streckenführung beziehungsweise Hauptfunktion
605 Andelfingen – Kleinandelfingen – Ossingen – Stammheim – Oberstammheim
612 Andelfingen – Gütighausen – Dinhard – Seuzach
677 Andelfingen – Flaach – Hettlingen
N60 Nachtverbindung Andelfingen – Rheinau
N65 Nachtverbindung Andelfingen – Stammertal – Oberstammheim

Die Linie 605 stellt die wichtigste Verbindung zwischen dem Bezirkszentrum Andelfingen und dem Stammertal her. Sie erschliesst unter anderem Kleinandelfingen, Ossingen und Stammheim.

Die Linie 612 verbindet den Bahnhof über Gütighausen und Dinhard mit Seuzach. Dort bestehen weitere Anschlüsse an die S-Bahn und an das regionale Busnetz.

Die Linie 677 erschliesst Flaach und weitere Ortschaften zwischen dem Thur- und dem unteren Tösstal.

Die Nachtbuslinien ergänzen die SN3 und ermöglichen Verbindungen in Ortschaften ohne nächtlichen Bahnanschluss.

Geschichte

Rheinfallbahn

Die Planungen für eine Bahnverbindung zwischen Winterthur und Schaffhausen begannen in der ersten Hälfte der 1850er-Jahre.

Die Strecke sollte Winterthur mit dem Rheinfallgebiet und dem Bahnhof Schaffhausen verbinden. Wegen der topografischen Verhältnisse waren insbesondere der Bau der Thurbrücke und die Streckenführung in der Nähe des Rheinfalls anspruchsvoll.

Die zunächst eigenständige Rheinfallbahn-Gesellschaft wurde noch vor der Eröffnung von der Schweizerischen Nordostbahn übernommen. Die NOB nahm die Strecke Winterthur–Andelfingen–Schaffhausen am 16. April 1857 in Betrieb.

Provisorischer Bahnhof

Der erste Bahnhof von Andelfingen lag ungefähr 200 Meter westlich der heutigen Station. Es handelte sich um eine provisorische Anlage, die für die Aufnahme des Bahnbetriebs genügte, jedoch nicht als dauerhafte Lösung vorgesehen war.

Die heutige Anlage wurde um 1870 errichtet. Der neue Standort bot bessere Bedingungen für die Gleisanlagen, den Güterverkehr und den Zugang aus dem Dorf.

Das Aufnahmegebäude und die zugehörigen Nebengebäude wurden nach den Normalbaugrundsätzen der Nordostbahn angelegt.

Nicht verwirklichte Strecke nach Singen

Im 19. Jahrhundert bestanden Pläne für eine zusätzliche Bahnstrecke von Andelfingen über Ossingen und Stein am Rhein nach Singen.

Der Kanton Zürich erteilte 1870 eine Konzession für den Abschnitt bis zur Grenze des Kantons Thurgau. Das Projekt wurde jedoch nicht verwirklicht.

Die Nordostbahn zeigte wenig Interesse an einer zweiten Verbindung nach Deutschland. Gleichzeitig plante die Schweizerische Nationalbahn ihre eigene Strecke von Winterthur über Seuzach, Ossingen und Etzwilen.

Andelfingen blieb deshalb ein Zwischenbahnhof an der Rheinfallbahn und wurde nicht zum Abzweigbahnhof.

Verstaatlichung

Die Schweizerische Nordostbahn wurde 1902 verstaatlicht. Der Bahnhof Andelfingen ging damit in das Eigentum der neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.

Die SBB führten den Personen- und Güterverkehr weiter und modernisierten die Infrastruktur schrittweise.

Das im selben Jahr errichtete Waaghäuschen zeigt, dass der Güterverkehr auch nach der Übernahme durch die Bundesbahnen eine wichtige Rolle spielte.

Elektrifizierung

Der elektrische Betrieb auf der Rheinfallbahn wurde am 10. April 1943 aufgenommen.

Für die Fahrleitung kamen unter anderem Betonmasten zum Einsatz. Wegen des kriegsbedingten Materialmangels wurden einzelne Nebengleise mit eisernen statt kupfernen Fahrdrähten überspannt.

Die Elektrifizierung beschleunigte den Bahnverkehr und beendete den regulären Einsatz von Dampflokomotiven. Elektrische Lokomotiven und Triebwagen ermöglichten einen leistungsfähigeren und wirtschaftlicheren Betrieb.

Modernisierung der Sicherungsanlagen

Die mechanischen Formsignale wurden nach der Elektrifizierung durch Lichtsignale ersetzt.

Zu Beginn der 1950er-Jahre ging ein elektromechanisches Integra-Schalterstellwerk in Betrieb. Es steuerte die Weichen, Signale und Fahrstrassen des Bahnhofs.

Beim Umbau von 2004 wurde das Stellwerk ausser Betrieb genommen. Andelfingen wurde an das elektronische Stellwerk in Henggart angeschlossen und fortan von Winterthur aus ferngesteuert.

Der Bahnhof gehörte zu den ersten Stationen, an denen EuroSignum-Balisen anstelle der früheren Gleismagnete verwendet wurden.

Güterverkehr

Der Bahnhof war während eines grossen Teils seiner Geschichte ein regionaler Umschlagpunkt für das Zürcher Weinland.

Zu den transportierten Gütern gehörten:

  • Getreide;
  • Kartoffeln und weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse;
  • Milch;
  • Vieh;
  • Holz;
  • Kohle und Brennstoffe;
  • Dünger;
  • Baumaterialien;
  • Maschinen;
  • Stückgut für Handel und Gewerbe.

Andelfingen war während längerer Zeit Standort einer Rangierlokomotive. Diese bediente auch Güterkunden in Henggart und Hettlingen.

Im Mai 1959 wurde der Transport von Milchkannen mit der Bahn eingestellt. Die Milchsammeltransporte nach Zürich wurden danach mit Strassenfahrzeugen durchgeführt.

Der Bahnhof wurde 1997 für den regulären Güterverkehr geschlossen. Nicht mehr benötigte Lade- und Abstellgleise wurden in den folgenden Jahren entfernt.

Der frühere Güterschuppen blieb erhalten und wurde zu einer gedeckten Veloanlage umgenutzt.

Umbau von 2004

Zwischen April und Dezember 2004 wurde der Bahnhof umfassend modernisiert. Die Baukosten betrugen rund 10,8 Millionen Franken.

Zu den Arbeiten gehörten:

  • die Aufhebung des Niveauübergangs Altweg;
  • der Bau einer neuen Personenunterführung;
  • die Verlängerung des Hausperrons;
  • der Bau eines zusätzlichen Aussenperrons;
  • die Verlängerung von Gleis 2;
  • der Abbruch der früheren Laderampe;
  • die Erneuerung der Sicherungsanlagen;
  • die Integration in das elektronische Stellwerk Henggart;
  • neue Signale und Zugbeeinflussungsanlagen;
  • Verbesserungen der Fahrgastinformation.

Der Umbau erhöhte die Sicherheit und schuf die Voraussetzungen für längere S-Bahn-Züge.

Im Jahr 2009 wurde ein nicht mehr benötigtes Stumpfgleis entfernt. Es war eines der letzten Abstellgleise entlang der Rheinfallbahn.

Entwicklung des Bahnangebots

Vor der Einführung der S-Bahn Zürich verkehrten Regional- und Schnellzüge zwischen Winterthur und Schaffhausen. Einzelne Verbindungen wurden über Winterthur hinaus nach Zürich geführt.

Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich am 27. Mai 1990 wurde die Rheinfallbahn in das systematische Zürcher Liniennetz aufgenommen.

Ab Dezember 2006 verkehrte die damalige Linie S16 stündlich von Thayngen über Schaffhausen, Andelfingen, Winterthur und den Flughafen Zürich zum Zürcher Hauptbahnhof und weiter nach Herrliberg-Feldmeilen.

Die zunächst eingesetzten dreiteiligen Kompositionen der Baureihe RABDe 12/12 waren länger als die vorhandenen Perrons. Die Bahnsteige mussten deshalb vorübergehend mit Holzkonstruktionen verlängert werden.

Im Rahmen späterer Änderungen des S-Bahn-Netzes übernahm die S24 die direkte Verbindung über den Flughafen. Die S12 und S33 ergänzen heute das Angebot auf der Rheinfallbahn.

Geplanter Angebotsausbau

Im Ausbauschritt 2035 des Strategischen Entwicklungsprogramms Bahninfrastruktur ist eine deutliche Verbesserung des Angebots zwischen Winterthur und Schaffhausen vorgesehen.

Nach dem Planungsstand des Kantons Zürich sollen künftig zwei S-Bahn-Linien jeweils im exakten Halbstundentakt verkehren und in Winterthur nach Zürich durchgebunden werden.

Eine beschleunigte Linie soll ähnlich wie die heutige S24 nur in Andelfingen und Neuhausen halten und über den Flughafen Zürich geführt werden. Eine zweite Linie soll alle Stationen bedienen und ab Winterthur über den Brüttenertunnel und Zürich Stadelhofen nach Zürich verkehren.

Für den Ausbau müssen die Perrons entlang der Strecke voraussichtlich auf eine Nutzlänge von 320 Metern verlängert werden. Zusätzliche Doppelspurabschnitte gelten nach dem bisherigen Planungsstand für dieses Angebotskonzept nicht als zwingend erforderlich.[5]

Das genaue Angebotskonzept kann sich im Rahmen der nationalen Konsolidierung der Bahnprojekte noch verändern.

Verbindung nach Ossingen

Die Idee einer direkten Bahnverbindung von Andelfingen nach Ossingen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneut untersucht.

Der Gemeinderat wollte damit die östlichen Gemeinden des Bezirks besser an den Bezirkshauptort anschliessen. Gleichzeitig hätte eine Verbindung zwischen der Rheinfallbahn und der Strecke Winterthur–Etzwilen entstehen können.

Die SBB lehnten das Vorhaben aus betrieblichen und wirtschaftlichen Gründen ab. Eine Zusammenführung der Züge aus Schaffhausen und Etzwilen hätte die eingleisige Strecke zwischen Andelfingen und Winterthur stark belastet.

Auch spätere Untersuchungen kamen zum Schluss, dass eine Verbindungsschlaufe und eine neue Station in Kleinandelfingen ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen würden. Der Kanton Zürich bezifferte die möglichen Gesamtkosten 2023 auf ungefähr 500 Millionen Franken.[5]

Die direkte Verbindung zwischen Andelfingen, Ossingen und dem Stammertal wird deshalb weiterhin durch die Buslinie 605 hergestellt.

Bedeutung

Der Bahnhof Andelfingen ist der zentrale öffentliche Verkehrsknoten des Bezirks und des mittleren Zürcher Weinlands.

Seine Bedeutung beruht auf:

  • den direkten S-Bahn-Verbindungen nach Winterthur, Schaffhausen und Zürich;
  • der Verbindung zum Flughafen Zürich;
  • dem regionalen Busnetz;
  • seiner Funktion als Kreuzungsbahnhof;
  • der Erschliessung des Bezirkszentrums;
  • den Park-and-Ride- und Bike-and-Ride-Anlagen;
  • dem denkmalgeschützten historischen Bahnhofensemble.

Für viele Pendlerinnen und Pendler aus Andelfingen, Kleinandelfingen und den umliegenden Gemeinden ist der Bahnhof der Ausgangspunkt des täglichen Arbeits- und Ausbildungswegs.

Gleichzeitig verbindet der Busbahnhof kleinere Ortschaften ohne eigenen Bahnanschluss mit der Rheinfallbahn.

Freizeitverkehr

Der Bahnhof ist ein Ausgangspunkt für Ausflüge im Zürcher Weinland und entlang der Thur.

Zu den Zielen in der Umgebung gehören:

  • das historische Zentrum von Andelfingen;
  • das Schloss Andelfingen;
  • die gedeckte Holzbrücke über die Thur;
  • der Thurweg;
  • das Naturzentrum Thurauen bei Flaach;
  • das Kloster Rheinau;
  • die Weinbaudörfer des Zürcher Weinlands;
  • das Stammertal;
  • der Cholfirst;
  • die Rheinuferwege bei Rheinau und Schaffhausen.

Die Bahn- und Busverbindungen ermöglichen Wanderungen und Velotouren mit unterschiedlichen Ausgangs- und Endpunkten.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Peter Bärtschi: «Geschichte und Bauten des Eisenbahnknotenpunktes Winterthur». In: Eisenbahn Amateur, Nr. 4, 1994.
  • Christian Ammann: «Neubaulinie Andelfingen–Ossingen noch immer aktuell». In: Eisenbahn Amateur, Nr. 4, 1994, S. 653–657.
  • 150 Jahre Rheinfallbahn. In: Eisenbahn Amateur, Nr. 4, 2007, S. 203–209.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  • Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Andelfingen. Modernisierung der Publikums- und Sicherungsanlagen. Zürich 2004.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Andelfingen und Andelfingen, Bahnhof, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan vom 14. Dezember 2025 bis zum 12. Dezember 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Sanierung Perrondächer am Bahnhof Andelfingen, Gemeinde Andelfingen und Schweizerische Bundesbahnen, 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Verkaufsstellen im ZVV-Gebiet, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 3. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Bahnhof Andelfingen, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Ausbau der Weinländer Bahnlinien, Bericht und Antrag des Regierungsrates des Kantons Zürich, 19. April 2023, abgerufen am 3. August 2026.

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