Schaffhausen
| Schaffhausen | |
|---|---|
| Schaffhausen mit dem Munot und dem Rhein | |
| Wappen der Stadt Schaffhausen | |
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Schaffhausen |
| Region | Nordostschweiz, Hochrhein |
| BFS-Nummer | 2939 |
| Höhe | 403 m ü. M. |
| Fläche | rund 41,8 km² |
| Bevölkerung | 38'982 (31. Dezember 2024) |
| Bevölkerungsdichte | rund 930 Einwohner pro km² |
| Postleitzahlen | 8200–8208, 8210, 8231 |
| Stadtpräsident | Peter Neukomm (SP) |
| Website | stadt-schaffhausen.ch |
Schaffhausen (im örtlichen Dialekt Schafuuse oder Schaffuuse) ist eine Stadt am Hochrhein und der Hauptort des gleichnamigen Kantons Schaffhausen. Sie ist mit knapp 39'000 Einwohnerinnen und Einwohnern die grösste politische Gemeinde des Kantons und das wirtschaftliche, kulturelle und verkehrstechnische Zentrum des Schaffhauserlands. Ende 2024 zählte die Stadt 38'982 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]
Schaffhausen liegt vollständig nördlich des Rheins, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. Die Stadt entstand an einer Stelle, an der die Schifffahrt wegen der Stromschnellen und des nahe gelegenen Rheinfalls unterbrochen war. Waren mussten aus den Schiffen ausgeladen und auf dem Landweg um den Wasserfall transportiert werden. Dieser Warenumschlag bildete eine der Grundlagen für die Entwicklung der mittelalterlichen Stadt.
Das weithin sichtbare Wahrzeichen Schaffhausens ist die kreisförmige Festung Munot. Die weitgehend verkehrsfreie Altstadt ist für ihre bemalten Hausfassaden, Zunfthäuser, Brunnen und zahlreichen Erker bekannt. Zu den bedeutendsten Bauwerken gehören ausserdem das Kloster Allerheiligen, das Münster, die Stadtkirche St. Johann und das Haus zum Ritter.
Name
Schaffhausen wurde 1045 in einer Urkunde als Scafhusun erstmals erwähnt. König Heinrich III. verlieh damals Graf Eberhard von Nellenburg das Münzrecht für den Ort.[2]
Die genaue Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. Eine traditionelle, bereits im Mittelalter verbreitete Deutung verbindet den Namen mit einem Schaf beziehungsweise einem Widder und einem Haus. Diese volksetymologische Erklärung führte zur Entstehung eines sogenannten redenden Wappens.
Andere sprachwissenschaftliche Deutungen bringen den Namen mit Häusern an einem mit Schilf oder Röhricht bewachsenen Ufer oder mit Gefässen und Lagerräumen für den Warenumschlag in Verbindung. Die gelegentlich vertretene Ableitung von «Schiffshäusern» gilt sprachgeschichtlich als problematisch, obwohl die Schifffahrt für die Stadtentstehung tatsächlich eine zentrale Rolle spielte.
Das Wappen der Stadt zeigt einen schwarzen Widder, der aus einem Tor beziehungsweise einem Turm springt. Das Wappen des Kantons zeigt dagegen einen frei springenden Widder. Die Trennung der beiden Wappenformen wurde nach der politischen und vermögensrechtlichen Trennung von Stadt und Kanton im 19. Jahrhundert gefestigt.
Geografie
Lage
Schaffhausen liegt im äussersten Norden der Schweiz am rechten, nördlichen Ufer des Hochrheins. Die Altstadt befindet sich in einem Talkessel zwischen dem Rhein, dem Emmersberg, dem Fäsenstaub und den Ausläufern des Randens. Der Bahnhof liegt auf ungefähr 403 Metern über Meer.
Der Rhein erreicht Schaffhausen aus östlicher Richtung. Im Stadtgebiet fliesst er vergleichsweise ruhig, bevor er westlich der Stadt bei Neuhausen am Rheinfall über den Rheinfall stürzt. Der Wasserfall liegt entgegen einer häufigen vereinfachten Zuordnung nicht auf dem Gebiet der Stadt Schaffhausen. Sein nördliches Ufer gehört zu Neuhausen am Rheinfall, das südliche zu Laufen-Uhwiesen im Kanton Zürich. Wegen seiner Nähe ist der Rheinfall dennoch eng mit Schaffhausen als Ausflugs- und Tourismusort verbunden.
Das Gemeindegebiet umfasst neben der dicht bebauten Kernstadt ausgedehnte Wälder, Landwirtschaftsflächen und ehemalige Dörfer. Im Norden reicht es auf die Höhen des Randens. Der 2009 eingemeindete Ort Hemmental liegt in einem Tal nördlich der Kernstadt und hat seinen dörflichen Charakter weitgehend bewahrt.
Schaffhausen grenzt an mehrere Gemeinden des Kantons Schaffhausen, an Gemeinden des Zürcher Weinlands und mittelbar an das deutsche Grenzgebiet. Die deutsche Exklave Büsingen am Hochrhein liegt östlich der Stadt und ist wirtschaftlich sowie verkehrstechnisch eng mit der Agglomeration Schaffhausen verbunden.
Stadtgliederung
Die Stadt besteht aus der historischen Altstadt und mehreren Quartieren, deren Entwicklung unterschiedliche Phasen des städtischen Wachstums widerspiegelt. Zu den bekannten Quartieren und Stadtteilen gehören:
- Altstadt;
- Breite;
- Emmersberg;
- Geissberg und Hochstrasse;
- Gruben;
- Niklausen;
- Buchthalen;
- Herblingen;
- Ebnat;
- Mühlental;
- Hemmental.
Buchthalen war ursprünglich ein selbstständiges Bauern- und Winzerdorf und wurde 1947 eingemeindet. Herblingen folgte 1964. Durch die Eingemeindung von Hemmental im Jahr 2009 vergrösserte sich das Gemeindegebiet deutlich.
Die Altstadt bildet das historische und kommerzielle Zentrum. Auf der Breite, am Emmersberg, auf dem Geissberg und in Buchthalen dominieren Wohngebiete. Ebnat und Herblingertal sind wichtige Gewerbe- und Industriegebiete. Im Herblingertal befinden sich zudem grössere Einkaufs-, Sport- und Freizeitanlagen.
Landschaft und Geologie
Schaffhausen liegt im Übergangsgebiet zwischen dem Tafeljura, dem Randen und dem Hochrheintal. Der Randen besteht überwiegend aus Kalkgesteinen des Juras. Trockene Böden, bewaldete Höhenzüge, Felder und Rebberge prägen die Umgebung.
Der Rhein hat sich in die Kalk- und Schotterlandschaft eingeschnitten. Flussterrassen und ehemalige Schmelzwasserläufe zeugen von den Eiszeiten. In der näheren Umgebung befinden sich bedeutende prähistorische Fundstellen, darunter das Schweizersbild, ein Felsdach, das während der späten Altsteinzeit als Aufenthaltsort genutzt wurde.
Wälder nehmen einen beträchtlichen Teil des Stadtgebiets ein. Sie erfüllen Funktionen für Naturschutz, Erholung, Holzproduktion, Grundwasserschutz und Klimaregulation.
Klima
Schaffhausen besitzt ein gemässigtes mitteleuropäisches Klima. Aufgrund der Lage im Regenschatten des Schwarzwalds und des Randens gehört die Region zu den vergleichsweise trockenen Gebieten der Nordschweiz. Die Sommer sind meist warm, die Winter kühl und zeitweise neblig.
Die klimatischen und geologischen Bedingungen begünstigen den Weinbau. An sonnenexponierten Hängen im Stadtgebiet und in der Umgebung wird vor allem Blauburgunder angebaut. Reben wachsen unter anderem am Munot, in Buchthalen und an weiteren Südhängen über dem Rhein.
Geschichte
Vorgeschichte und frühe Besiedlung
Menschen hielten sich bereits am Ende der letzten Eiszeit im Gebiet des heutigen Schaffhausen auf. Besonders bekannt ist die Fundstelle Schweizersbild, die als saisonaler Lagerplatz eiszeitlicher Jäger und Sammler diente.
Um das Jahr 600 entstand am Ausgang des Merishausertals das alemannische Dorf Berslingen. Die Siedlung wurde im Hochmittelalter aufgegeben. Im Bereich der späteren Altstadt entwickelte sich um das Jahr 1000 eine Siedlung an einer Furt und einem Umschlagplatz am Rhein. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste nachgewiesene Vorgängerkirche der heutigen Stadtkirche St. Johann.
Nellenburger und Kloster Allerheiligen
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1045, als König Heinrich III. Graf Eberhard von Nellenburg das Münzrecht für Schaffhausen verlieh. Das Münzrecht war ein wesentliches Merkmal der entstehenden mittelalterlichen Stadt.
Eberhard von Nellenburg und seine Frau Ita gründeten um 1049 das Benediktinerkloster Allerheiligen. Die erste Klosteranlage wurde 1064 geweiht. 1080 übertrug Burkhard von Nellenburg, ein Sohn des Gründers, die Stadt mit ihren Rechten dem Kloster. Der Abt von Allerheiligen wurde damit zum Stadtherrn.
Das heutige romanische Münster entstand zu Beginn des 12. Jahrhunderts und wurde 1103 oder 1104 geweiht. Das Kloster entwickelte sich zu einem religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum. Seine Grundherrschaft reichte weit über die unmittelbare Umgebung der Stadt hinaus.
Reichsstadt und habsburgische Herrschaft
1218 erhob Kaiser Friedrich II. das Kloster Allerheiligen zum Reichskloster. Schaffhausen entwickelte sich damit zu einer reichsfreien Stadt. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts ging die politische Führung zunehmend vom Kloster auf den städtischen Adel und wohlhabende Kaufleute über. Ein städtischer Rat ist erstmals 1272 belegt.
1330 wurde Schaffhausen von König Ludwig dem Bayern an die Habsburger verpfändet und verlor vorübergehend seine Reichsfreiheit. Ein grosser Stadtbrand zerstörte 1372 weite Teile der Bebauung.
1411 wurde eine Zunftverfassung eingeführt. Zehn Handwerkerzünfte sowie die Gesellschaften der Herren und der Kaufleute bestimmten fortan das politische und wirtschaftliche Leben. Die Zünfte blieben bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft von grosser Bedeutung.
Nach der Ächtung Herzog Friedrichs IV. von Österreich im Jahr 1415 konnte Schaffhausen seine Reichsfreiheit zurückgewinnen. Zur Sicherung seiner Stellung suchte die Stadt Bündnisse mit benachbarten Städten und Territorien.
Anschluss an die Eidgenossenschaft
1454 schloss Schaffhausen ein erstes Bündnis mit mehreren eidgenössischen Orten und wurde ein zugewandter Ort der Alten Eidgenossenschaft. Im Schwabenkrieg von 1499 kämpften Schaffhauser Truppen auf eidgenössischer Seite.
1501 wurde Schaffhausen zusammen mit Basel als zwölfter Ort vollwertiges Mitglied der Eidgenossenschaft.[2] Die Aufnahme stärkte die militärische und politische Sicherheit der Stadt gegenüber den habsburgischen und süddeutschen Nachbargebieten.
Im Lauf der frühen Neuzeit erwarb Schaffhausen verschiedene Herrschaftsrechte über die umliegende Landschaft. Daraus entwickelte sich das Territorium des späteren Kantons.
Reformation und Munot
1529 führte Schaffhausen die Reformation ein. Die Klöster wurden aufgehoben und ihr Besitz verstaatlicht. Das Münster Allerheiligen und die Stadtkirche St. Johann wurden reformierte Kirchen. Die Reformation veränderte das kirchliche, soziale und politische Leben grundlegend.
Nach dem Beitritt zur Eidgenossenschaft und der Reformation verstärkte die Stadt ihre Befestigungen. Zwischen 1564 und 1589 wurde auf dem Emmersberg der Munot errichtet. Der kreisförmige Artilleriebau sollte die Stadt vor Angriffen schützen und zugleich ihren politischen Anspruch und wirtschaftlichen Wohlstand sichtbar machen.[3]
Obwohl die Festung bereits während ihrer Bauzeit nicht mehr dem modernsten Stand der Militärtechnik entsprach, wurde sie zum wichtigsten Wahrzeichen Schaffhausens. Ein grosser Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen. Neben dem Munot blieben unter anderem das Schwabentor, das Obertorturm- beziehungsweise Obertor-Areal und Teile der Flankenmauern erhalten.
Helvetik und moderne Stadtgemeinde
1798 brach unter dem Druck der französischen Besetzung die alte politische Ordnung zusammen. Stadt und Landschaft wurden formal gleichgestellt. Die vollständige politische Gleichberechtigung der ländlichen Kantonsbevölkerung wurde jedoch erst in den folgenden Jahrzehnten erreicht.
Während des Zweiten Koalitionskriegs war die Region Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen. Die 1757 bis 1759 von Hans Ulrich Grubenmann errichtete hölzerne Rheinbrücke wurde 1799 von abziehenden französischen Truppen in Brand gesetzt.
1831 wurden das Vermögen des Kantons und jenes der Stadt getrennt. Schaffhausen konstituierte sich mit der Verfassung vom 29. Oktober 1831 als moderne politische Gemeinde.
Industrialisierung
Die wirtschaftliche Entwicklung des 19. Jahrhunderts wurde wesentlich durch die Wasserkraft des Rheins geprägt. Johann Conrad Fischer gründete 1802 im Mühlental eine kleine Giesserei, aus der der internationale Industriekonzern Georg Fischer hervorging.[4]
1857 wurde die Rheinfallbahn nach Winterthur eröffnet. Weitere Bahnverbindungen nach Konstanz, Basel, Zürich und Süddeutschland folgten. Der Unternehmer Heinrich Moser liess zwischen 1863 und 1866 einen Damm und ein Wasserkraftwerk im Rhein errichten. Die verfügbare Energie erleichterte die Ansiedlung neuer Industriebetriebe.
1868 gründete der amerikanische Uhrmacher Florentine Ariosto Jones die International Watch Company, IWC. Er verband industrielle Fertigungsmethoden mit der schweizerischen Uhrmachertradition.[5]
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchsen Metallverarbeitung, Maschinenbau, Uhrenindustrie, Textilindustrie und weitere Gewerbezweige. Neue Wohnquartiere entstanden ausserhalb der früheren Stadtmauern.
20. und 21. Jahrhundert
Am 1. April 1944 wurde Schaffhausen während des Zweiten Weltkriegs irrtümlich von amerikanischen Flugzeugen bombardiert. 40 Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verletzt oder obdachlos. Industrieanlagen, Wohnhäuser und Teile des Museums zu Allerheiligen wurden schwer beschädigt. Der Luftangriff gehört zu den folgenreichsten Bombardierungen schweizerischen Gebiets während des Zweiten Weltkriegs.
Nach dem Krieg wuchsen Stadt und Industrie weiter. Buchthalen wurde 1947, Herblingen 1964 und Hemmental 2009 eingemeindet. In den 1960er-Jahren erreichte die Einwohnerzahl einen ersten Höchststand. Die Industriekrise der 1970er-Jahre führte zu Arbeitsplatzverlusten und einem deutlichen Bevölkerungsrückgang.
Seit den 1990er-Jahren nimmt die Bevölkerung wieder zu. Alte Industrieareale wie die Kammgarn und Teile des Mühlentals wurden neuen kulturellen, gewerblichen und wohnwirtschaftlichen Nutzungen zugeführt. Gleichzeitig entstanden im Herblingertal neue Gewerbe-, Einkaufs- und Wohngebiete.
Bevölkerung
Schaffhausen entwickelte sich von einer kleinen mittelalterlichen Handelsstadt zu einem regionalen Industrie- und Dienstleistungszentrum. Besonders stark wuchs die Bevölkerung während der Industrialisierung und in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.
| Jahr | Bevölkerung |
|---|---|
| 1850 | 7'700 |
| 1900 | 15'275 |
| 1920 | 20'064 |
| 1950 | 27'261 |
| 1960 | 32'840 |
| 1970 | 37'035 |
| 1980 | 34'250 |
| 2000 | 33'072 |
| 2010 | 35'045 |
| 2020 | 36'971 |
| 2024 | 38'982 |
Die Vergleichbarkeit der historischen Zahlen ist durch die Eingemeindungen von Buchthalen, Herblingen und Hemmental eingeschränkt. Ende 1969 hatte die Stadt mit 38'580 Einwohnerinnen und Einwohnern einen damaligen Rekord erreicht. Dieser Wert wurde 2023 erstmals übertroffen.[6]
Die Bevölkerung ist durch Zuwanderung aus anderen Schweizer Regionen und aus dem Ausland vielfältiger geworden. Schaffhausen ist zugleich Zentrum einer grenzüberschreitenden Agglomeration, die Gemeinden des Kantons Zürich, den thurgauischen Raum um Diessenhofen und deutsche Grenzgemeinden einschliesst.
Sprache und Religion
Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend der Schaffhauser Dialekt gesprochen, eine hochalemannische Mundart des Schweizerdeutschen. Wegen der Grenzlage bestehen sprachliche Gemeinsamkeiten mit den Dialekten des Zürcher Weinlands, des Klettgaus, des Hegaus und des südlichen Baden-Württembergs.
Die Stadt war seit der Reformation von 1529 mehrheitlich evangelisch-reformiert. Das Münster Allerheiligen und die Stadtkirche St. Johann gehören zu den wichtigsten reformierten Kirchenbauten.
Durch Zuwanderung nahm seit dem 19. Jahrhundert der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung zu. Im 20. und 21. Jahrhundert entstanden weitere christliche, islamische und andersreligiöse Gemeinschaften. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Menschen ohne Konfessionszugehörigkeit.
Politik
Stadtrat
Der Stadtrat bildet die fünfköpfige Exekutive der Stadt. Seine Mitglieder werden von den Stimmberechtigten im Majorzverfahren gewählt und führen jeweils ein Referat der Stadtverwaltung. Der Stadtpräsident wird separat gewählt.
Für die Amtsperiode 2025–2028 besteht der Stadtrat aus Peter Neukomm, Christine Thommen, Marco Planas, Daniel Preisig und Katrin Bernath. Peter Neukomm wurde 2024 als Stadtpräsident wiedergewählt.[7]
Grosser Stadtrat
Die Legislative ist der Grosse Stadtrat. Das Stadtparlament besteht aus 36 Mitgliedern, die alle vier Jahre im Proporzverfahren gewählt werden. Es übt die Oberaufsicht über den Stadtrat und die Stadtverwaltung aus, genehmigt Budget und Rechnung und entscheidet über städtische Erlasse, Investitionen und Sachgeschäfte.[8]
Nach den Wahlen vom 24. November 2024 verteilen sich die Sitze für die Amtsperiode 2025–2028 wie folgt:[9]
| Partei oder Liste | Sitze |
|---|---|
| SP | 10 |
| SVP | 8 |
| FDP | 6 |
| GLP | 4 |
| Grüne | 2 |
| Junge Grüne | 1 |
| EDU | 1 |
| Die Mitte | 1 |
| EVP | 1 |
| JUSO | 1 |
| PUSH | 1 |
| Gesamt | 36 |
Neben den parlamentarischen Entscheidungen verfügen die Stimmberechtigten über die in der Schweiz üblichen direktdemokratischen Instrumente, darunter Initiative und Referendum. In Schaffhausen besteht ausserdem die Möglichkeit von Volksmotionen und Volkspostulaten.
Städtepartnerschaften
Schaffhausen unterhält Städtepartnerschaften mit:
- Sindelfingen in Baden-Württemberg, Deutschland;
- Varaždin in Kroatien.
Die Partnerschaft mit Sindelfingen besteht seit 1952 und gehört zu den frühen deutsch-schweizerischen Städtepartnerschaften nach dem Zweiten Weltkrieg.[10]
Wirtschaft
Schaffhausen ist das wirtschaftliche Zentrum des Kantons und eines grenzüberschreitenden Arbeitsmarkts. Die Stadt besitzt eine für ihre Grösse vielfältige Wirtschaftsstruktur mit Industrie, Gewerbe, Handel, öffentlichen Dienstleistungen, Finanzwirtschaft, Gesundheitswesen und Tourismus.
Die Industrialisierung beruhte zunächst auf der Nutzung der Wasserkraft des Rheins. Metallverarbeitung, Maschinenbau, Uhrenherstellung und Textilindustrie wurden zu bedeutenden Wirtschaftszweigen. Die Stadt bezeichnet Georg Fischer und IWC als zwei bis heute prägende international tätige Unternehmen.[11]
Zu den bekannten Unternehmen und Marken mit engem Bezug zu Schaffhausen gehören:
- Georg Fischer, gegründet 1802;
- IWC Schaffhausen, gegründet 1868;
- das Pharmaunternehmen Cilag;
- die Brauerei Falken;
- verschiedene Unternehmen der Maschinen-, Elektro-, Medizintechnik- und Kunststoffindustrie.
Neben der Industrie gewann der Dienstleistungssektor an Bedeutung. Die Stadt ist Sitz kantonaler Behörden, von Banken, Versicherungen, Bildungsinstitutionen und Gesundheitsbetrieben. Der Einkaufstourismus und die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem benachbarten Deutschland spielen wegen der Grenzlage eine wichtige Rolle.
Industrie- und Gewerbeflächen konzentrieren sich vor allem auf Ebnat, Mühlental und Herblingertal. Ehemalige Industriegebäude in Innenstadtnähe werden zunehmend für Wohnen, Dienstleistungen und Kultur genutzt.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Schaffhausen ist ein bedeutender schweizerisch-deutscher Eisenbahnknoten. Er wird von den Schweizerischen Bundesbahnen, der Deutschen Bahn und regionalen Verkehrsunternehmen bedient.
Direkte oder umsteigefreie Verbindungen bestehen unter anderem nach:
- Zürich;
- Winterthur;
- Zürich Flughafen;
- Stein am Rhein;
- Kreuzlingen;
- Singen (Hohentwiel);
- Stuttgart;
- Waldshut-Tiengen;
- Basel.
Die Bahnstrecke zwischen Basel und Schaffhausen verläuft über weite Abschnitte durch deutsches Gebiet. Der internationale Fernverkehr zwischen Zürich und Stuttgart führt ebenfalls über Schaffhausen.
Weitere Haltestellen auf Stadtgebiet sind unter anderem Herblingen und verschiedene Stationen im näheren Agglomerationsraum. Die S-Bahn Zürich und die S-Bahn Schaffhausen verbinden die Stadt mit dem Zürcher Weinland und den umliegenden Gemeinden.
Strassenverkehr
Die Autobahn A4 verbindet Schaffhausen über Winterthur mit Zürich und über Thayngen mit der deutschen Autobahn A81 in Richtung Singen und Stuttgart. Die Innenstadt wird durch den Fäsenstaubtunnel umfahren.
Weitere Hauptstrassen führen nach Neuhausen am Rheinfall, Stein am Rhein, Kreuzlingen, Bargen, Feuerthalen und in den deutschen Klettgau. Mehrere Rheinbrücken verbinden Schaffhausen mit dem Kanton Zürich.
Die Grenzlage führt zu starkem Pendler-, Einkaufs- und Transitverkehr. Massnahmen zur Verkehrsberuhigung, zur Förderung des Veloverkehrs und zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs sind deshalb wichtige Themen der Stadtentwicklung.
Öffentlicher Nahverkehr
Die Verkehrsbetriebe Schaffhausen betreiben ein Netz aus Trolleybus- und Autobuslinien. Es erschliesst die Stadtquartiere sowie Gemeinden der Agglomeration. Die zentrale Trolleybuslinie verbindet Neuhausen am Rheinfall über den Bahnhof und die Innenstadt mit Herbstäcker im Stadtteil Herblingen.
Der Bahnhof dient als wichtigster Umsteigepunkt zwischen Bahn, Stadtbus und Regionalbus.
Schifffahrt
Von der Schifflände in Schaffhausen verkehren Kursschiffe rheinaufwärts über Diessenhofen und Stein am Rhein bis zum Untersee und nach Kreuzlingen beziehungsweise Konstanz. Die Strecke gehört wegen der Flusslandschaft, historischen Orte und Brücken zu den bekannten touristischen Schifffahrtsrouten der Schweiz.
Eine durchgehende Schifffahrt flussabwärts ist wegen des Rheinfalls nicht möglich. Dieser Umstand war entscheidend für die Entstehung Schaffhausens als Umschlagplatz.
Bildung
Die Stadt führt zahlreiche Kindergärten, Primar- und Sekundarschulen. Zu den grösseren Schulstandorten gehören Breite, Emmersberg, Gräfler, Steig, Bach, Buchthalen, Herblingen und Hohberg.
Kantonale Bildungsinstitutionen in Schaffhausen sind unter anderem:
- die Kantonsschule Schaffhausen;
- das Berufsbildungszentrum des Kantons Schaffhausen;
- die Pädagogische Hochschule Schaffhausen;
- verschiedene Berufs-, Fach- und Weiterbildungsschulen.
Die Pädagogische Hochschule bildet Lehrpersonen aus und arbeitet mit Hochschulen in anderen Kantonen und im Bodenseeraum zusammen. Aufgrund der geringen Grösse des Kantons bestehen in Bildung und Forschung zahlreiche interkantonale und grenzüberschreitende Kooperationen.
Kultur
Museum zu Allerheiligen
Das Museum zu Allerheiligen befindet sich in der ehemaligen Benediktinerabtei. Es verbindet Archäologie, Geschichte, Kunst und Naturkunde unter einem Dach. Zum Museumskomplex gehören das Münster, der Kreuzgang, der Kräutergarten und verschiedene historische Räume.
Die Sammlung dokumentiert die Geschichte der Stadt und des Kantons von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Bedeutend sind unter anderem Werke des Schaffhauser Renaissancekünstlers Tobias Stimmer. Ein Teil der Sammlung wurde beim amerikanischen Luftangriff vom 1. April 1944 zerstört.
Theater und Musik
Das Stadttheater Schaffhausen ist ein Gastspielhaus mit Schauspiel, Musiktheater, Tanz, Konzerten und Angeboten für Kinder und Jugendliche. Weitere Kulturorte sind die Kammgarn, das Haberhaus, die Fassbühne und verschiedene kleinere Bühnen.
Das Internationale Bachfest Schaffhausen widmet sich dem Werk Johann Sebastian Bachs und der europäischen Musiktradition. Das Schaffhauser Jazzfestival präsentiert vor allem zeitgenössischen Schweizer Jazz. Daneben finden Stadtfeste, Konzerte, Theaterproduktionen und Veranstaltungen auf dem Munot statt.
Bibliotheken und Archive
Die Stadtbibliothek Schaffhausen besitzt historische Buchbestände und eine moderne öffentliche Ausleihbibliothek. Das Stadtarchiv bewahrt Urkunden, Akten, Karten, Fotografien und weitere Dokumente zur Geschichte der Stadt auf. Das Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen ergänzt diese Bestände.
Sehenswürdigkeiten
Munot
Der Munot wurde zwischen 1564 und 1589 als Artilleriefestung errichtet. Das annähernd kreisförmige Bauwerk steht auf dem Emmersberg über der Altstadt. Eine spiralförmige Rampe führt durch die Kasematte zur offenen Plattform.
Vom Munot bietet sich ein weiter Blick über die Stadt, den Rhein, das Zürcher Weinland und den Randen. Im Munotgraben leben Damhirsche. Der Turmwächter läutet jeden Abend um 21 Uhr das Munotglöcklein von Hand. Diese Tradition erinnert an die frühere Schliessung der Stadttore.
Der Munotverein, gegründet 1839, setzt sich für den Erhalt des Bauwerks ein und organisiert kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen.
Altstadt
Die weitgehend verkehrsfreie Altstadt ist durch mittelalterliche Gassen, Plätze, Zunfthäuser, Fassadenmalereien und zahlreiche Erker geprägt. Schaffhausen wird touristisch als «Stadt der 171 Erker» bezeichnet.[12]
Der Fronwagplatz bildet einen zentralen Platz der Altstadt. Dort stehen der Fronwagturm und zwei historische Brunnen mit farbig gefassten Figuren. Der Herrenacker ist der grösste Platz der Innenstadt und wird für Märkte, Feste und kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Zu den bekannten Bürgerhäusern gehören:
- das Haus zum Ritter mit Renaissancefassaden;
- das Haus zum Goldenen Ochsen;
- das Haus zum Grossen Käfig;
- das Haus zum Steinbock;
- verschiedene ehemalige Zunfthäuser.
Von den mittelalterlichen Stadttoren sind besonders das Schwabentor und der Obertorturm bekannt. Die Inschrift am Schwabentor «Lappi tue d'Augen uf» ist zu einem volkstümlichen Schaffhauser Spruch geworden.
Kloster Allerheiligen
Die ehemalige Benediktinerabtei Allerheiligen gehört zu den bedeutendsten romanischen Klosteranlagen der Schweiz. Das Münster wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts geweiht. Der Kreuzgang ist einer der grössten öffentlich zugänglichen Kreuzgänge der Schweiz.
Zum Ensemble gehören der Münsterbezirk, der Kreuzgang, die ehemalige Klosteranlage, der Kräutergarten und die sogenannte Schillerglocke. Die 1486 gegossene Glocke soll Friedrich Schiller zu seinem Gedicht Das Lied von der Glocke angeregt haben; diese Verbindung gehört allerdings vor allem zur späteren Überlieferung.
Stadtkirche St. Johann
Die Stadtkirche St. Johann geht auf einen Vorgängerbau aus der Zeit um das Jahr 1000 zurück. Sie wurde im Mittelalter mehrfach erweitert und besitzt ein aussergewöhnlich breites Kirchenschiff. Nach der Reformation diente sie als Hauptkirche der reformierten Stadtgemeinde.
Rhein und Rheinfall
Die Rheinpromenade und das Lindli sind beliebte Erholungsgebiete. Flussaufwärts führen Spazier- und Velowege in Richtung Büsingen, Diessenhofen und Stein am Rhein.
Der etwa vier Kilometer westlich des Stadtzentrums gelegene Rheinfall ist die bekannteste Natursehenswürdigkeit der Region. Der Wasserfall ist rund 150 Meter breit und 23 Meter hoch. Aussichtspunkte, Schifffahrten und Wanderwege erschliessen das Gebiet auf beiden Seiten des Rheins.
Sport und Freizeit
Zu den bekanntesten Sportvereinen gehören die Kadetten Schaffhausen, die zu den erfolgreichsten Schweizer Handballvereinen zählen, und der FC Schaffhausen. Die Kadetten tragen ihre Heimspiele in der BBC Arena aus. Der FC Schaffhausen spielt im Fussballstadion im Herblingertal.
Das Rheinbad, im örtlichen Sprachgebrauch Rhybadi genannt, wurde 1870 errichtet. Es ist ein historisches Kastenbad im Rhein und gehört zu den charakteristischen Freizeitanlagen der Stadt.
Wälder, Randenhöhen und Rheinufer bieten zahlreiche Wander-, Lauf- und Velorouten. Der nationale Rhein-Veloweg führt durch Schaffhausen. Weitere Sportanlagen befinden sich auf der Breite, im Herblingertal und in den verschiedenen Quartieren.
Weinbau und Gastronomie
Schaffhausen liegt in einer der wichtigsten Weinbauregionen der Deutschschweiz. Die dominierende Rebsorte ist Blauburgunder, regional oft auch als Pinot noir bezeichnet. Kleinere Rebflächen befinden sich unmittelbar im Stadtgebiet, besonders unterhalb des Munots und in Buchthalen.
Der Weinbau prägt Landschaft, Kultur und Gastronomie. Regionale Weine werden in Restaurants, Weinkellern und an Herbstfesten angeboten. Zu den traditionellen Erzeugnissen der Stadt gehört auch das Bier der seit 1799 bestehenden Brauerei Falken.
Persönlichkeiten
Zu den bekannten Persönlichkeiten mit Bezug zu Schaffhausen gehören:
- Tobias Stimmer (1539–1584), Maler und Zeichner;
- Johann Jakob Wepfer (1620–1695), Arzt und Anatom;
- Johannes von Müller (1752–1809), Historiker;
- Johann Conrad Fischer (1773–1854), Metallurg und Unternehmer;
- Heinrich Moser (1805–1874), Unternehmer und Industriepionier;
- Florentine Ariosto Jones (1841–1916), Gründer von IWC;
- Carl August Bächtold (1838–1921), Pfarrer und Historiker;
- Albert Bächtold (1891–1981), Schriftsteller;
- Beat Furrer (* 1954), Komponist und Dirigent;
- Niki Reiser (* 1958), Filmkomponist.
Siehe auch
- Kanton Schaffhausen
- Geschichte des Kantons Schaffhausen
- Rheinfall
- Hochrhein
- Munot
- Kloster Allerheiligen (Schaffhausen)
- Liste der Städte in der Schweiz
- Liste der Kulturgüter in Schaffhausen
- Schaffhauserland
- Büsingen am Hochrhein
Literatur
- Historischer Verein des Kantons Schaffhausen (Hrsg.): Schaffhauser Kantonsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 3 Bände, Schaffhausen 2001–2002.
- Karl Schib: Geschichte der Stadt Schaffhausen. Thayngen 1945.
- Reinhard Frauenfelder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schaffhausen. Bände 1–3, Birkhäuser, Basel 1951–1960.
- Stadtarchiv Schaffhausen (Hrsg.): Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Verschiedene Jahrgänge.
- Museum zu Allerheiligen (Hrsg.): Schaffhausen – Geschichte einer Stadt. Schaffhausen.
- Historisches Lexikon der Schweiz: Schaffhausen (Gemeinde). Bern.
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Schaffhausen
- Schaffhausen im Historischen Lexikon der Schweiz
- Schaffhauserland Tourismus
- Munotverein Schaffhausen
- Museum zu Allerheiligen
- Stadtarchiv Schaffhausen
Einzelnachweise
- ↑ Stadt Schaffhausen: Stadt Schaffhausen – Erstmals mehr als 39'000 Einwohner, 23. Januar 2025, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Stadt Schaffhausen: Die Geschichte der Stadt Schaffhausen, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Munotverein Schaffhausen: Historie des Munots, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Georg Fischer: History – Laying the foundations in Schaffhausen, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ IWC Schaffhausen: Our Story, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schaffhausen: Die Stadt zählt so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie noch nie, 18. Januar 2024, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schaffhausen: Marco Planas neu im Stadtrat, 18. August 2024, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schaffhausen: Grosser Stadtrat, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schaffhausen: Resultate Wahlen Grosser Stadtrat Schaffhausen und Stadtschulrat, 24. November 2024, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schaffhausen: Städtepartnerschaften, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schaffhausen: Arbeit und Wirtschaft, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Schaffhauserland Tourismus: Stadt Schaffhausen, abgerufen am 22. Juli 2026.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Schaffhausen