Zürcher Weinland

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Zürcher Weinland
Lage des Zürcher Weinlands im Kanton Zürich
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Raumplanungsregion Weinland
Politische Zuordnung weitgehend Bezirk Andelfingen
Regionales Zentrum Andelfingen
Fläche rund 166,7 km²
Gemeinden 20
Wichtige Gewässer Rhein, Thur, Töss
Landschaftsräume Flaachtal, Stammertal, Cholfirst, Irchel
Mundartliche Bezeichnung Wyland

Das Zürcher Weinland, in der einheimischen Mundart meist Wyland genannt, ist eine Kultur-, Landschafts- und Planungsregion im Norden des Kantons Zürich in der Schweiz. Es umfasst im Wesentlichen den Bezirk Andelfingen und erstreckt sich zwischen dem Rhein, der Thur, dem Irchel, dem Cholfirst und der Grenze zum Kanton Thurgau. Regionales Zentrum und Bezirkshauptort ist Andelfingen.

Das Zürcher Weinland ist keine eigenständige politische Körperschaft. Als Raumplanungsregion wird es durch die Zürcher Planungsgruppe Weinland vertreten, der die 20 politischen Gemeinden des Bezirks Andelfingen angehören. Die Region umfasst rund 166,7 km² und gehört zu den am dünnsten besiedelten Gebieten des Kantons Zürich.[1]

Der Name der Region verweist auf den seit Jahrhunderten betriebenen Weinbau. Mit rund 220 Hektaren Rebfläche bildet das Zürcher Weinland das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet des Kantons Zürich. Neben Rebhängen prägen Ackerflächen, Obstgärten, Wälder, Flussauen und gut erhaltene Dörfer mit zahlreichen Riegelbauten das Landschaftsbild.

Abgrenzung

Die Bezeichnung Zürcher Weinland wird sowohl landschaftlich und kulturell als auch für die regionale Zusammenarbeit verwendet. Eine vollständig eindeutige naturräumliche Grenze besteht nicht. In der heutigen Raumplanung und Standortförderung entspricht das Weinland jedoch weitgehend dem Bezirk Andelfingen.

Im Norden und Nordwesten wird die Region vom Rhein und vom Kanton Schaffhausen begrenzt. Im Osten schliesst der Kanton Thurgau an. Im Süden bilden der Irchel, das untere Tösstal und der Übergang zur Region Winterthur die ungefähre landschaftliche Grenze. Im Westen grenzt das Weinland an das Zürcher Unterland sowie an die Schaffhauser Gemeinden Rüdlingen und Buchberg.

Die regionale Planungsorganisation umfasst ein Gebiet von rund 16'667 Hektaren. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon ist überbaut. Landwirtschaftsflächen und Wälder nehmen den grössten Anteil des Bodens ein.[1]

Gemeinden

Seit den Gemeindefusionen von 2019 und 2023 besteht das Zürcher Weinland aus 20 politischen Gemeinden.[2]

Nr. Gemeinde Nr. Gemeinde
1 Andelfingen 11 Kleinandelfingen
2 Benken 12 Laufen-Uhwiesen
3 Berg am Irchel 13 Marthalen
4 Buch am Irchel 14 Ossingen
5 Dachsen 15 Rheinau
6 Dorf 16 Stammheim
7 Feuerthalen 17 Thalheim an der Thur
8 Flaach 18 Trüllikon
9 Flurlingen 19 Truttikon
10 Henggart 20 Volken

Die heutige Gemeinde Stammheim entstand 2019 durch den Zusammenschluss von Oberstammheim, Unterstammheim und Waltalingen. Auf den 1. Januar 2023 vereinigten sich Adlikon, Andelfingen und Humlikon zur neuen Gemeinde Andelfingen. Vor diesen beiden Fusionen umfasste der Bezirk beziehungsweise die Region 24 politische Gemeinden.

Zu verschiedenen Gemeinden gehören weitere Dörfer und Weiler. Beispiele sind Rudolfingen und Wildensbuch in Trüllikon, Ellikon am Rhein in Marthalen, Alten in Kleinandelfingen, Oerlingen in Andelfingen, Guntalingen und Waltalingen in Stammheim sowie Langwiesen in Feuerthalen.

Geographie

Landschaft

Das Zürcher Weinland liegt im nördlichen Teil des Schweizer Mittellands. Die Landschaft wurde wesentlich durch die Gletscher und Schmelzwasserströme der Eiszeiten geformt. Moränenzüge, Schotterebenen, sanfte Hügel und eingeschnittene Flusstäler wechseln sich auf engem Raum ab.

Im Zentrum liegt das breite Thurtal mit Andelfingen und Kleinandelfingen. Nördlich davon folgen die Hügellandschaften um Marthalen, Benken und Trüllikon. Im Nordosten erhebt sich der bewaldete Cholfirst zwischen dem Weinland und dem Raum Schaffhausen. Das Stammertal bildet einen offenen Landschaftsraum an der Grenze zum Kanton Thurgau.

Der südwestliche Teil wird durch das Flaachtal und den Irchel geprägt. Der Irchel ist ein bewaldeter Höhenzug zwischen der Thur, der Töss und dem Zürcher Unterland. Seine sonnigen Hänge werden teilweise für den Rebbau genutzt. Von den Höhen öffnen sich Ausblicke über das Weinland bis zum Randen, zum Schwarzwald und bei klarer Sicht zu den Alpen.

Charakteristisch sind die zahlreichen kompakten Bauerndörfer. Besonders in Marthalen, Benken, Stammheim, Trüllikon und den umliegenden Ortschaften haben sich geschlossene Dorfkerne mit traditionellen Riegelhäusern, grossen Scheunen und ehemaligen Trotten erhalten.

Gewässer

Der Rhein bildet das wichtigste übergeordnete Gewässer der Region. Er durchfliesst beziehungsweise begrenzt das Weinland vom Rheinfall über Rheinau bis in den Raum Flaach und Ellikon am Rhein. Der Fluss besitzt sowohl als Naturraum als auch für Tourismus, Energiegewinnung und Naherholung grosse Bedeutung.

Die Thur durchquert das Weinland von Osten nach Westen. Sie fliesst über Thalheim an der Thur, Andelfingen und das Flaachtal und mündet bei Ellikon am Rhein in den Rhein. Ihr Unterlauf wird von einer ausgedehnten Auenlandschaft begleitet.

Die Töss berührt die Region im Südwesten. Sie mündet bei der Tössegg, unmittelbar ausserhalb des Bezirksgebiets, in den Rhein. Daneben bestehen zahlreiche kleinere Bäche, darunter der Mülibach in Andelfingen, der Mederbach, der Geisslibach und verschiedene Dorfbäche.

Der Husemersee bei Ossingen ist der bekannteste natürliche See des Weinlands. Er liegt in einem geschützten Feuchtgebiet und ist von Wald, Riedflächen und Verlandungszonen umgeben. Weitere Kleingewässer, Weiher und ehemalige Kiesgruben bilden wichtige Lebensräume für Amphibien und Wasservögel.

Klima

Das Klima ist für schweizerische Verhältnisse gemässigt. Rhein, Thur und die geschützten Talräume mildern örtlich die Temperaturschwankungen. Sonnige Südhänge bieten günstige Bedingungen für Wein- und Obstbau.

Zwischen den einzelnen Teilräumen bestehen dennoch deutliche Unterschiede. Nebel tritt besonders in den Flussniederungen und während des Winterhalbjahrs auf. Die höher gelegenen Hänge am Irchel, Stammerberg und Cholfirst können gleichzeitig sonnig sein.

Die Rebberge befinden sich überwiegend auf gut besonnten, nach Süden oder Südwesten ausgerichteten Hängen. Unterschiedliche Böden aus Moränenmaterial, Kalk, Molasse, Lehm und Flussschotter tragen zur Vielfalt der erzeugten Weine bei.

Geschichte

Vorgeschichte und Römerzeit

Das Gebiet zwischen Rhein und Thur gehört zu den alten Siedlungslandschaften der Schweiz. Archäologische Funde belegen eine menschliche Anwesenheit seit der Jungsteinzeit. Aus der Bronze- und Eisenzeit stammen Siedlungsplätze, Grabhügel, Befestigungsanlagen und einzelne bedeutende Grabfunde.

Die Flüsse dienten bereits in vorgeschichtlicher Zeit als Verkehrswege. Übergänge über Rhein und Thur verbanden das Schweizer Mittelland mit dem heutigen Süddeutschland und dem Bodenseeraum.

Während der Römerzeit entstanden Gutshöfe, Strassen und kleinere Siedlungen. Die fruchtbaren Böden wurden für Ackerbau und Viehhaltung genutzt. An sonnigen Hängen dürfte bereits damals Wein angebaut worden sein. Archäologische Funde aus verschiedenen Gemeinden weisen auf ein dichtes Netz ländlicher Betriebe hin.[3]

Mittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen in der Region nieder. Zahlreiche Ortsnamen mit den Endungen «-ingen», «-ikon» und «-heim» erinnern an diese Besiedlungsphase.

Andelfingen wurde um 759 oder 760 erstmals schriftlich erwähnt. Auch mehrere andere Orte des Weinlands erscheinen bereits in frühmittelalterlichen Urkunden. Klöster, Adelsfamilien und geistliche Institutionen verfügten über umfangreiche Güter und Rechte.

Im Hochmittelalter gehörten grosse Teile des Weinlands zum Einflussbereich der Grafen von Kyburg. Nach deren Aussterben 1264 gingen zahlreiche Herrschaftsrechte an die Habsburger über. Daneben besassen das Kloster Rheinau, das Kloster St. Gallen, das Bistum Konstanz und verschiedene lokale Adelsgeschlechter Grundbesitz, Gerichtsrechte und Zehnten.

Die politische Landschaft blieb stark zersplittert. Dörfer, Höfe und Gerichte konnten unterschiedlichen weltlichen und geistlichen Herrschaften unterstehen. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts gelangten grosse Teile der Region schrittweise unter die Herrschaft der Stadt Zürich.

Das Kloster Rheinau nahm eine Sonderstellung ein. Die auf einer Rheininsel gelegene Benediktinerabtei entwickelte sich zu einem bedeutenden geistlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Ihr Besitz erstreckte sich weit über die unmittelbare Umgebung hinaus.

Frühe Neuzeit

Mit der Zürcher Reformation im 16. Jahrhundert wurden die meisten Kirchgemeinden des Weinlands reformiert. Das Kloster Rheinau blieb dagegen katholisch und bestand bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1862.

Die Bevölkerung lebte vor allem von Landwirtschaft, Viehhaltung, Weinbau und Handwerk. In den Dörfern bestanden Mühlen, Schmieden, Trotten und kleine Gewerbebetriebe. Der Rhein und die Thur wurden für Fischerei, Mühlen, Warentransporte und den Betrieb von Fähren genutzt.

Kriege, Seuchen, Missernten und Hochwasser belasteten die Bevölkerung wiederholt. Die Lage an wichtigen Verkehrswegen führte während militärischer Konflikte zu Einquartierungen und Truppendurchzügen.

Der Weinbau nahm eine bedeutende wirtschaftliche Stellung ein. Zahlreiche Bauern bewirtschafteten neben Äckern und Wiesen auch kleinere Rebparzellen. In den Dorfkernen entstanden grosse Trottengebäude zur Verarbeitung der Trauben.

Moderne Entwicklung

Mit der Helvetischen Republik von 1798 wurden die alten Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse aufgehoben. Im 19. Jahrhundert entstand die moderne Bezirks- und Gemeindestruktur des Kantons Zürich. Andelfingen wurde zum Hauptort des gleichnamigen Bezirks.

Die Eröffnung der Rheinfallbahn zwischen Winterthur und Schaffhausen im Jahr 1857 verbesserte die Verkehrsverbindungen erheblich. Später kamen weitere Bahnstrecken durch das Thurtal und das Stammertal hinzu. Landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten dadurch leichter in die Städte geliefert werden.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderten zahlreiche Menschen aus wirtschaftlichen Gründen ab. Die Industrialisierung konzentrierte sich vor allem auf Winterthur und Schaffhausen, während das Weinland weitgehend landwirtschaftlich geprägt blieb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten Mechanisierung, Güterzusammenlegungen und die Spezialisierung der Landwirtschaft das Landschaftsbild. Die Zahl der Bauernbetriebe sank, während die durchschnittliche Betriebsfläche zunahm. Gleichzeitig entwickelten sich mehrere Gemeinden zu Wohnorten für Pendlerinnen und Pendler.

Seit dem späten 20. Jahrhundert gewannen Landschaftsschutz, regionale Zusammenarbeit, Tourismus und die Vermarktung lokaler Produkte an Bedeutung. Im Weinbau setzte eine Qualitätsorientierung ein, die zu neuen Rebsorten, moderner Kellertechnik und einer stärkeren Direktvermarktung führte.

Bevölkerung und Siedlung

Im Zürcher Weinland leben rund 34'000 Menschen. Damit weist die Region eine wesentlich geringere Bevölkerungsdichte auf als der kantonale Durchschnitt. Der Bezirk Andelfingen gehört zu den ländlichsten Bezirken des Kantons Zürich.[4]

Die grössten Siedlungen befinden sich in Feuerthalen, Andelfingen, Kleinandelfingen, Marthalen, Dachsen und Stammheim. Feuerthalen und Flurlingen sind eng mit der benachbarten Stadt Schaffhausen verbunden. Andelfingen erfüllt als Bezirkshauptort zentrale Funktionen für Verwaltung, Bildung, Gesundheitsversorgung, Handel und Dienstleistungen.

Die meisten übrigen Gemeinden bestehen aus kleinen Dörfern und Weilern. Viele historische Ortskerne sind kompakt gebaut und von Landwirtschaftsflächen umgeben. Neubaugebiete entstanden seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem an den Dorfrändern und in der Nähe der Bahnhöfe.

Die Bevölkerung wächst langsamer als in den stark verstädterten Regionen des Kantons. Dennoch steigt der Druck auf Wohnraum und Bauland. Die Raumplanung verfolgt deshalb das Ziel, neue Wohnungen möglichst innerhalb der bestehenden Siedlungsgebiete zu schaffen und die offene Kulturlandschaft zu erhalten.

Wirtschaft

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft prägt Wirtschaft, Landschaft und Selbstverständnis des Weinlands. Angebaut werden unter anderem Getreide, Mais, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse und Futterpflanzen. Hinzu kommen Milch- und Viehwirtschaft, Geflügelhaltung, Obstbau und spezialisierte Kulturen.

Das Zürcher Weinland weist im Verhältnis zur Bevölkerung einen besonders hohen Nutztierbestand auf. Der ländliche Charakter ist damit stärker ausgeprägt als in fast allen anderen Bezirken des Kantons Zürich.[4]

Regionale Spezialitäten sind Spargeln, Kürbisse, Beeren, Kirschen, Äpfel, Birnen und verschiedene Gemüsearten. Im Stammertal wird Hopfen angebaut. Er dient unter anderem der Herstellung regionaler Biere. Auch exotischere Kulturen werden von einzelnen innovativen Betrieben erprobt.

Hofläden, Wochenmärkte, Selbstbedienungsstände und gastronomische Betriebe ermöglichen eine direkte Vermarktung. Die regionale Standortförderung unterstützt Produkte, die im Weinland erzeugt oder verarbeitet werden.

Weinbau

Der Weinbau ist das bekannteste wirtschaftliche und kulturelle Merkmal der Region. Rund 220 Hektaren sind mit Reben bestockt. Damit bildet das Zürcher Weinland das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet des Kantons Zürich.[5]

Bedeutende Rebgebiete befinden sich in Benken, Dachsen, Laufen-Uhwiesen, Rheinau, Trüllikon, Rudolfingen, Stammheim, Waltalingen, Andelfingen, Kleinandelfingen und am Irchel. Die Rebberge liegen meist an sonnigen Hängen oberhalb der Dörfer und Flusstäler.

Die wichtigste rote Rebsorte ist der Blauburgunder beziehungsweise Pinot noir. Bei den weissen Sorten sind Müller-Thurgau, in der Schweiz häufig Riesling-Silvaner genannt, sowie Räuschling verbreitet. Daneben werden unter anderem Chardonnay, Sauvignon blanc, Pinot gris, Gewürztraminer und verschiedene pilzwiderstandsfähige Sorten angebaut.

Während früher vor allem einfache Alltagsweine erzeugt wurden, konzentrieren sich die Betriebe heute stärker auf Qualität und eigenständige Herkunftsprofile. Viele Weingüter keltern ihre Trauben selbst und bieten Degustationen, Kellerführungen oder Direktverkauf an.

Der Weinbau trägt auch zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei. Rebberge, Trockenmauern, Böschungen und Waldränder bilden wertvolle Lebensräume für wärmeliebende Pflanzen, Reptilien und Insekten.

Gewerbe und Dienstleistungen

Neben Landwirtschaft und Weinbau bestehen zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen. Wichtige Bereiche sind Baugewerbe, Holzverarbeitung, Metallbau, Lebensmittelproduktion, Handel, Logistik, Gastronomie und persönliche Dienstleistungen.

Grössere Arbeitsplatzgebiete befinden sich vor allem in Andelfingen, Kleinandelfingen, Marthalen und Feuerthalen. Viele Erwerbstätige pendeln nach Winterthur, Schaffhausen, Zürich oder in den Kanton Thurgau.

Der Tourismus erzeugt zusätzliche Wertschöpfung für Gastronomie, Beherbergung, Weinbaubetriebe, Hofläden und Freizeitangebote. Die Region wird zudem im Rahmen der Neuen Regionalpolitik von Bund und Kanton bei der Entwicklung innovativer und nachhaltiger Projekte unterstützt.

Natur und Landschaftsschutz

Thurauen

Die Thurauen bei Flaach und der Thurmündung gehören zu den bedeutendsten Naturräumen des Kantons Zürich. Sie umfassen nahezu 400 Hektaren und bilden das grösste Auengebiet des Schweizer Mittellands.[6]

Zwischen 2008 und 2017 wurde der zuvor stark eingeengte Unterlauf der Thur teilweise renaturiert. Der Fluss erhielt wieder mehr Raum, um Kiesbänke, Seitenarme, Steilufer und zeitweise überschwemmte Flächen zu bilden. Gleichzeitig wurden der Hochwasserschutz und die ökologische Qualität des Gebiets verbessert.

Die dynamische Auenlandschaft bietet Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Dazu gehören Eisvogel, Pirol, Biber, Gelbbauchunke, Laubfrosch und verschiedene Libellenarten. Das Naturzentrum Thurauen bei Flaach informiert über den Lebensraum und bietet Ausstellungen, Führungen und Bildungsprogramme an.

Rheinlandschaft

Der Rhein bildet eine abwechslungsreiche Flusslandschaft mit bewaldeten Ufern, Inseln, Kiesbänken und steilen Hängen. Besonders eindrücklich sind die Abschnitte beim Rheinfall, bei Rheinau und an der Mündung der Thur.

Die Flussschleife von Rheinau umgibt die Klosterinsel und den historischen Ort nahezu vollständig. Weiter westlich liegen ruhige Uferabschnitte, Auenwälder und Landwirtschaftsflächen.

Der Rhein dient zugleich der Energiegewinnung und Naherholung. Mehrere Kraftwerke und Stauanlagen haben den natürlichen Flusslauf verändert. Schutzgebiete und Renaturierungsmassnahmen sollen wertvolle Lebensräume erhalten oder wiederherstellen.

Weitere Schutzgebiete

Der Husemersee bei Ossingen ist von einem geschützten Moor- und Waldgebiet umgeben. Seine Verlandungszonen bieten Lebensraum für Amphibien, Libellen, Wasservögel und seltene Pflanzen.

Weitere wertvolle Lebensräume befinden sich am Irchel, am Cholfirst, im Stammertal und entlang kleinerer Bäche. Trockenwiesen, Rebberge, lichte Wälder, Hochstammobstgärten und Hecken tragen zur landschaftlichen Vielfalt bei.

Die intensive Landwirtschaft, der Siedlungsdruck, Verkehrswege und Freizeitaktivitäten stellen die Natur vor Herausforderungen. Regionale und kantonale Projekte fördern deshalb die ökologische Vernetzung, die Aufwertung von Gewässern und den Erhalt traditioneller Kulturlandschaften.

Verkehr

Das Zürcher Weinland liegt zwischen den Verkehrszentren Winterthur und Schaffhausen. Die wichtigste Bahnstrecke führt von Winterthur über Henggart, Andelfingen, Marthalen und Dachsen nach Schaffhausen. Sie erschliesst das zentrale und nördliche Weinland.

Eine weitere Bahnlinie verbindet Winterthur über das Thurtal mit Ossingen, Stammheim und dem thurgauischen Etzwilen. Feuerthalen und der Ortsteil Langwiesen sind ebenfalls an das Bahnnetz des Raums Schaffhausen angeschlossen.

Regionale Buslinien verbinden die Bahnhöfe mit kleineren Gemeinden und Weilern. Wichtige Umsteigepunkte befinden sich in Andelfingen, Henggart, Marthalen, Stammheim, Feuerthalen und Schaffhausen.

Die Autobahn A4 durchquert die Region in Nord-Süd-Richtung und verbindet Winterthur mit Schaffhausen. Daneben besteht ein dichtes Netz von Kantons- und Gemeindestrassen.

Für den Freizeitverkehr ist das Weinland besonders als Velo- und Wanderregion bekannt. Nationale und regionale Routen führen entlang von Rhein und Thur, durch das Stammertal sowie über die Rebberge und bewaldeten Höhenzüge.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Klosterinsel Rheinau

Die Klosterinsel Rheinau gehört zu den bedeutendsten historischen Anlagen der Region. Das ehemalige Benediktinerkloster liegt auf einer Rheininsel innerhalb einer engen Flussschleife. Die barocke Klosterkirche, die Konventsgebäude und die umgebende Kulturlandschaft bilden ein Bauensemble von nationaler Bedeutung.

Das Kloster wurde 1862 aufgehoben. Die Gebäude dienten später unter anderem als psychiatrische Klinik. Heute werden Teile der Anlage für kulturelle, soziale, gastronomische und wirtschaftliche Zwecke genutzt.

Rheinfall und Schloss Laufen

Der Rheinfall liegt am nordöstlichen Rand des Zürcher Weinlands. Das südliche Ufer mit Schloss Laufen gehört zur Gemeinde Laufen-Uhwiesen im Kanton Zürich. Aussichtskanzeln und Wege ermöglichen einen unmittelbaren Blick auf den Wasserfall.

Der Rheinfall gehört zu den meistbesuchten Natursehenswürdigkeiten der Schweiz. Der Bahnhof Schloss Laufen am Rheinfall und regionale Wanderwege erschliessen die Zürcher Seite.

Andelfingen

Andelfingen besitzt einen gut erhaltenen historischen Ortskern. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Kirche, das Schloss Andelfingen mit seinem öffentlich zugänglichen Park, historische Mühlen und die alte Brücke über die Thur.

Der Mülibach durchfliesst den Dorfkern und speiste früher mehrere Gewerbebetriebe. Ein Themenweg dokumentiert die Geschichte der Mühlen und des örtlichen Kanalsystems.

Riegeldörfer

Mehrere Ortschaften sind für ihre gut erhaltenen Riegelhäuser bekannt. Marthalen wird wegen seines geschlossenen Ortsbilds gelegentlich als eines der schönsten Riegeldörfer des Kantons bezeichnet. Auch Benken, Stammheim, Trüllikon, Rudolfingen und Waltalingen besitzen bedeutende historische Dorfkerne.

Die traditionellen Gebäude vereinen häufig Wohnteil, Stall und Scheune unter einem grossen Dach. Farbige Holzbalken, verputzte Gefache und mächtige Scheunentore prägen das Erscheinungsbild.

Museen und Kulturangebote

In der Region bestehen mehrere Orts-, Weinbau- und Heimatmuseen. Das Weinbaumuseum im Stammertal dokumentiert die Entwicklung des Rebaus, der Kellertechnik und des bäuerlichen Lebens.

Weitere kulturelle Angebote widmen sich der Ortsgeschichte, Landwirtschaft, Mühlen, traditionellen Handwerken und Archäologie. Musikgesellschaften, Theatergruppen, Chöre und Kulturvereine tragen zu einem vielfältigen regionalen Kulturleben bei.[7]

Tourismus und Freizeit

Das Zürcher Weinland ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Räume Zürich, Winterthur und Schaffhausen. Die Region wird vor allem zu Fuss und mit dem Velo besucht. Das weitgehend sanfte Gelände eignet sich auch für Familien und weniger geübte Freizeitaktive.

Weinwanderwege führen durch Rebberge und historische Dörfer. Verschiedene Angebote verbinden Wanderungen mit Degustationen und regionalen Speisen. Zahlreiche Winzerinnen und Winzer öffnen ihre Keller zu festgelegten Terminen oder nach Vereinbarung.

Beliebte Ausflugsziele sind die Thurauen, der Husemersee, der Rheinfall, die Klosterinsel Rheinau, der Irchel, der Cholfirst und die historischen Ortskerne. Am Rhein und an der Thur bestehen Bade-, Picknick- und Feuerstellen, wobei in Schutzgebieten besondere Verhaltensregeln gelten.

Der ländliche Tourismus umfasst Gasthöfe, Besenbeizen, Ferienwohnungen, Campingplätze und Übernachtungsmöglichkeiten auf Bauernhöfen. Hofläden und regionale Veranstaltungen vermitteln landwirtschaftliche Produkte und Traditionen.[8]

Regionale Zusammenarbeit

Die Zürcher Planungsgruppe Weinland ist für die überkommunale Raumplanung zuständig. Sie koordiniert unter anderem Fragen der Siedlungsentwicklung, Landschaft, Verkehrsinfrastruktur, Versorgung und öffentlichen Bauten.

Der Verein Standortförderung Zürcher Weinland engagiert sich in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Regionalprodukte, Energie, Bildung und Kultur. Er wird von allen 20 Gemeinden sowie von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen getragen.[9]

Der Verein wurde 2008 unter dem Namen ProWeinland gegründet. Seit 2020 ist er auch für die regionale Umsetzung der Neuen Regionalpolitik verantwortlich. Zu den Zielen gehören die Stärkung der regionalen Identität, die Förderung nachhaltiger Wirtschaftsprojekte und die Erhaltung der Natur- und Kulturwerte.

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, wirtschaftliche Entwicklung, bezahlbaren Wohnraum, Verkehr, Landwirtschaft und Landschaftsschutz miteinander zu verbinden. Der regionale Richtplan legt dafür behördenverbindliche Grundsätze und räumliche Festlegungen fest.

Siehe auch

Literatur

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1938.
  • Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VIII: Der Bezirk Winterthur. Nördlicher Teil. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1986.
  • Zürcher Planungsgruppe Weinland: Regionaler Richtplan Zürcher Weinland. Festsetzung 2025.
  • Standortförderung Zürcher Weinland: Strategie und Leitbild für das Zürcher Weinland. Andelfingen.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Zürcher Weinland

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Regionaler Richtplan Zürcher Weinland, Zürcher Planungsgruppe Weinland und Kanton Zürich, Festsetzung 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. «Mitgliedsgemeinden», Zürcher Planungsgruppe Weinland, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. «Geführte Streifzüge durch die Zürcher Kulturlandschaft», Kanton Zürich, 15. April 2008, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 «Bezirke», Kanton Zürich, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. «Zürcher Weinland», Gemeinde Feuerthalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. «Auenlandschaft Thurmündung», Kanton Zürich, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. «Kultur im Zürcher Weinland», Standortförderung Zürcher Weinland, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. «Zürcher Weinland», Schweiz Tourismus, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. «Verein», Standortförderung Zürcher Weinland, abgerufen am 24. Juli 2026.