Stadler Rail
Stadler Rail ist ein international tätiger Schweizer Hersteller von Schienenfahrzeugen mit Hauptsitz in Bussnang im Kanton Thurgau. Die börsenkotierte Muttergesellschaft Stadler Rail AG entwickelt und produziert unter anderem Regional- und Fernverkehrszüge, Doppelstockzüge, Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven, Strassenbahnen, Tram-Trains, Metros sowie Spezial- und Zahnradbahnfahrzeuge. Daneben ist Stadler in den Bereichen Fahrzeugservice, Instandhaltung und Signalling tätig.
Das Unternehmen geht auf ein 1942 von Ernst Stadler gegründetes Ingenieurbüro zurück. Seit der Übernahme durch Peter Spuhler im Jahr 1989 entwickelte sich der damals kleine Ostschweizer Betrieb zu einem der bedeutenden europäischen Hersteller von Schienenfahrzeugen. Besonders bekannt sind die Fahrzeugfamilien FLIRT, KISS, SMILE, TINA, TRAMLINK und CITYLINK sowie die Lokomotivfamilien EURO9000 und EURODUAL.
Stadler beschäftigt weltweit mehr als 15'000 Mitarbeitende und verfügt über Produktions-, Engineering- und Servicestandorte in zahlreichen Ländern. Mehr als 5'000 Mitarbeitende arbeiten in der Schweiz.[1]
| Stadler Rail AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1942 |
| Gründer | Ernst Stadler |
| Sitz | Bussnang, Kanton Thurgau |
| Branche | Schienenfahrzeugbau |
| Verwaltungsratspräsident | Peter Spuhler |
| Group CEO | Markus Bernsteiner |
| Mitarbeitende | über 15'000 |
| Umsatz 2025 | ca. CHF 3,7 Mrd. |
| Auftragsbestand Ende 2025 | über CHF 32 Mrd. |
| Börse | SIX Swiss Exchange |
| Ticker | SRAIL |
| ISIN | CH0002178181 |
| Website | stadlerrail.com |
Geschichte
Gründung durch Ernst Stadler
Die Geschichte von Stadler begann während des Zweiten Weltkriegs. Ernst Stadler gründete 1942 in Zürich ein Ingenieurbüro, das sich mit der Entwicklung und dem Bau von Schienenfahrzeugen beschäftigte.[2]
Zu den frühen Produkten gehörten kleine Rangier-, Industrie- und Grubenlokomotiven. Bereits in dieser Zeit beschäftigte sich das Unternehmen mit elektrischen und batterieelektrischen Antrieben.
Die Spezialisierung auf kleinere Serien und kundenspezifische Konstruktionen wurde zu einem charakteristischen Merkmal des Unternehmens. Während grosse europäische Hersteller zunehmend standardisierte Fahrzeuge in hohen Stückzahlen bauten, konzentrierte sich Stadler zunächst auf Nischenmärkte, bei denen individuelle technische Lösungen erforderlich waren.
1962 verlegte Ernst Stadler das Unternehmen nach Bussnang im Kanton Thurgau. Der Standort entwickelte sich zum Stammwerk und später zum Hauptsitz der gesamten Stadler-Gruppe.[2]
Nach dem Tod von Ernst Stadler im Jahr 1981 übernahm seine Ehefrau Irma Stadler die Leitung des Unternehmens.
Peter Spuhler
1987 trat Peter Spuhler in das Unternehmen ein. Zwei Jahre später übernahm er Stadler.
Zum Zeitpunkt der Übernahme im Jahr 1989 beschäftigte das Unternehmen lediglich 18 Mitarbeitende und erzielte einen Jahresumsatz von rund 4,5 Millionen Franken.[3]
Unter Spuhler wurde das Unternehmen schrittweise von einem spezialisierten Kleinserienhersteller zu einem international tätigen Schienenfahrzeugkonzern ausgebaut.
Die Strategie beruhte zunächst weiterhin auf kundenspezifischen Fahrzeugen und verhältnismässig kleinen Serien. Gleichzeitig entwickelte Stadler zunehmend modulare Fahrzeugplattformen, die sich an unterschiedliche Anforderungen verschiedener Bahngesellschaften anpassen liessen.
GTW und Beginn des starken Wachstums
Einen wichtigen Wachstumsschub brachte in den 1990er-Jahren der Gelenktriebwagen GTW.
Das Konzept bestand aus Fahrgastmodulen und einem kompakten Antriebsmodul. Dadurch konnte ein grosser Teil des Fahrgastraums niederflurig ausgeführt werden.
GTW-Triebzüge wurden von zahlreichen Bahnunternehmen in der Schweiz und im Ausland bestellt. Sie kamen unter anderem bei Regionalbahnen in der Schweiz, Deutschland, Italien, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten zum Einsatz.
Der Erfolg des GTW ermöglichte Stadler einen deutlichen Ausbau der Produktionskapazitäten.
Übernahme des Werks Altenrhein
1997 übernahm Stadler das frühere Werk der Schindler Waggon Altenrhein in Altenrhein.
Das traditionsreiche Werk wäre andernfalls von der Schliessung bedroht gewesen. Stadler übernahm gleichzeitig 67 Mitarbeitende.[4]
Altenrhein entwickelte sich innerhalb des Konzerns insbesondere zu einem Kompetenzzentrum für Doppelstockfahrzeuge und Spezialfahrzeuge.
Der Standort war historisch bereits eng mit dem Schweizer Eisenbahnfahrzeugbau verbunden. Unter anderem wurden dort über Jahrzehnte zahlreiche Fahrzeuge für die Rhätische Bahn hergestellt.
Internationale Expansion
In den folgenden Jahren expandierte Stadler sowohl durch Unternehmensübernahmen als auch durch den Aufbau eigener Werke.
Zu wichtigen Produktionsstandorten ausserhalb der Schweiz entwickelten sich unter anderem:
- Berlin in Deutschland;
- Siedlce in Polen;
- Valencia in Spanien;
- Salt Lake City in den Vereinigten Staaten;
- Astana in Kasachstan.
Daneben besitzt die Gruppe Komponenten-, Entwicklungs- und Servicestandorte in zahlreichen weiteren Ländern.[1]
Die internationale Expansion war auch eine Reaktion auf die Besonderheiten des Schienenfahrzeugmarktes. Bei grossen öffentlichen Ausschreibungen verlangen Auftraggeber teilweise eine lokale Produktion oder einen hohen Anteil regionaler Wertschöpfung.
Valencia
Einen wichtigen Schritt in den Lokomotivmarkt machte Stadler mit der Übernahme des Eisenbahnfahrzeuggeschäfts von Vossloh in Valencia.
Die Transaktion wurde 2015 vereinbart. Das Werk wurde anschliessend als Stadler Rail Valencia in den Konzern integriert.
Damit erhielt Stadler Zugang zu leistungsfähigen Streckenlokomotiven sowie zu den Fahrzeugfamilien CITYLINK und TRAMLINK.
In Valencia werden heute insbesondere Lokomotiven, Stadtbahnfahrzeuge und andere Schienenfahrzeuge entwickelt und gefertigt.
Werk St. Margrethen
Für die Schweizer Produktion errichtete Stadler in St. Margrethen ein modernes neues Werk.
Die Anlage ersetzte einen erheblichen Teil der bisherigen Produktion in Altenrhein. Die Verlagerung war notwendig, weil die historischen Hallen in Altenrhein für die Fertigung immer längerer und breiterer Fahrzeuge nur eingeschränkt geeignet waren.
Das Werk in St. Margrethen wurde ab 2019 beziehungsweise 2020 schrittweise in Betrieb genommen. Es verfügt über lange Produktionshallen, moderne Logistikanlagen und direkte Eisenbahnanschlüsse.
Der Standort bildet zusammen mit Bussnang einen der wichtigsten Produktionsschwerpunkte von Stadler in der Schweiz.
Börsengang
Am 12. April 2019 wurden die Aktien der Stadler Rail AG erstmals an der SIX Swiss Exchange gehandelt.
Das Börsenkürzel lautet SRAIL.[5]
Der Börsengang war ein bedeutender Schritt in der Unternehmensentwicklung. Peter Spuhler blieb auch nach dem Börsengang der wichtigste Einzelaktionär und Verwaltungsratspräsident.
Stadler verfügt über 100 Millionen Namenaktien mit einem Nominalwert von je 0,20 Franken.
Unternehmensleitung
Peter Spuhler leitete Stadler von 1989 bis Ende 2017 als Group CEO.
Nach einer zwischenzeitlichen Führung durch Thomas Ahlburg übernahm Spuhler 2020 erneut interimistisch die operative Konzernleitung.
Am 1. Januar 2023 wurde Markus Bernsteiner Group CEO. Bernsteiner arbeitet seit 1999 bei Stadler und hatte zuvor verschiedene Führungsfunktionen in Produktion und Schweizer Division übernommen.
Peter Spuhler blieb Verwaltungsratspräsident.
An der Generalversammlung vom 5. Mai 2026 wurde Spuhler erneut zum Präsidenten des Verwaltungsrats gewählt.[6]
Geschäftsbereiche
Stadler gliedert seine Aktivitäten in drei wesentliche Bereiche:
- Rolling Stock
- Service & Components
- Signalling
Der Fahrzeugbau stellt weiterhin den grössten Teil des Geschäfts dar.
Rolling Stock
Der Bereich Rolling Stock umfasst Entwicklung, Konstruktion und Produktion von Schienenfahrzeugen.
Das Sortiment reicht von kleinen Spezialfahrzeugen für Bergbahnen bis zu Hochgeschwindigkeitszügen und schweren Streckenlokomotiven.[7]
Stadler unterscheidet mehrere Fahrzeugkategorien:
Mainline
Zum Hauptbahnprogramm gehören unter anderem:
- FLIRT
- KISS
- SMILE
- RS ZERO
Diese Fahrzeuge werden im Regional-, Vororts-, Intercity- und teilweise Hochgeschwindigkeitsverkehr eingesetzt.
Urban
Für den städtischen Verkehr bietet Stadler unter anderem:
- CITYLINK
- TRAMLINK
- TINA
- METRO
an.
Lokomotiven
Das Lokomotivprogramm umfasst verschiedene elektrische und hybride Streckenlokomotiven sowie Rangierlokomotiven.
Zu den bekanntesten Typen gehören:
- EURO9000
- EURODUAL
- EURO6000
- EURO4001
- Class 99
- EUROLIGHT
Die Lokomotiven werden überwiegend im Werk Valencia entwickelt und hergestellt.
Tailor Made
Der Bereich Tailor Made setzt die ursprüngliche Tradition Stadlers fort.
Hier entstehen Fahrzeuge, die nicht sinnvoll aus einer grossen Standardplattform abgeleitet werden können.
Dazu gehören unter anderem:
- schmalspurige Triebzüge;
- Zahnradbahnfahrzeuge;
- Speziallokomotiven;
- Spezialfahrzeuge;
- Fahrzeuge für besondere Strom- oder Lichtraumprofile.
Dieser Bereich ist insbesondere für den Schweizer Markt mit seinen zahlreichen Meter-, Schmalspur- und Zahnradbahnen von Bedeutung.
FLIRT
Der FLIRT ist die kommerziell erfolgreichste Fahrzeugfamilie von Stadler.
Die Abkürzung stand ursprünglich für Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug. Später wurde die Fahrzeugplattform auch für Intercity-Verkehr und andere Einsatzgebiete weiterentwickelt.
Die Erfolgsgeschichte begann 2002, als die SBB zwölf Fahrzeuge für die S-Bahn Zug und weitere 30 Fahrzeuge für die S-Bahn Basel bestellten.[8]
Die ersten Fahrzeuge gingen etwa zwei Jahre später in Betrieb.
Der FLIRT besitzt einen hohen Niederfluranteil und ein modulares Fahrzeugkonzept. Länge, Anzahl Wagen, Leistung, Innenraumgestaltung und Stromsystem können je nach Auftrag angepasst werden.
Neben rein elektrischen Varianten entwickelte Stadler:
- FLIRT Diesel;
- FLIRT Akku;
- FLIRT H2 mit Wasserstoffantrieb;
- Hybridvarianten.
2023 meldete Stadler den Verkauf des 2500. FLIRT.[8]
FLIRT Evo für die Schweiz
2022 unterzeichneten SBB, Thurbo und RegionAlps mit Stadler einen Rahmenvertrag über bis zu 510 FLIRT-Triebzüge.
Die erste verbindliche Bestellung umfasste 286 Fahrzeuge mit einem Wert von rund zwei Milliarden Franken.[9]
Das Projekt gehört zu den grössten Fahrzeugbeschaffungen in der Geschichte des Schweizer Regionalverkehrs.
Die Fahrzeuge werden häufig als FLIRT Evo bezeichnet und sollen ältere Regionalzüge verschiedener Baureihen ersetzen.
KISS
Der KISS ist ein doppelstöckiger elektrischer Triebzug.
Die Bezeichnung ist ursprünglich eine Abkürzung für komfortabler innovativer spurtstarker S-Bahn-Zug.
Die erste Bestellung erfolgte 2008 durch die SBB. Die Fahrzeuge wurden für die S-Bahn Zürich entwickelt.[10]
Der KISS ermöglicht aufgrund seiner zwei Fahrgastebenen eine hohe Kapazität bei begrenzter Zuglänge.
Neben den SBB bestellten zahlreiche weitere Betreiber KISS-Züge, darunter:
- BLS;
- WESTbahn;
- Deutsche Bahn;
- CFL;
- verschiedene deutsche Regionalbahnen;
- Eisenbahnunternehmen in weiteren europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten.
KISS-Züge können je nach Ausführung für S-Bahn-, Regional- oder Intercity-Verkehr konfiguriert werden.
SMILE und Giruno
Mit dem SMILE stieg Stadler in das Segment schneller internationaler Fernverkehrszüge ein.
Bekannteste Ausführung ist der Giruno der SBB.
Die SBB bestellten ursprünglich 29 Einheiten für den internationalen Verkehr auf der Gotthardbahn und durch den Gotthard-Basistunnel.
Die Züge sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ausgelegt und können unter verschiedenen europäischen Strom- und Sicherungssystemen verkehren.
Giruno-Züge werden unter anderem im Verkehr zwischen der Schweiz und Italien eingesetzt.
Später bestellten die SBB weitere Fahrzeuge dieser Baureihe.
TINA
TINA ist eine neuere Niederflur-Strassenbahnplattform von Stadler.
Die Abkürzung steht für Total Integrierter Niederflur-Antrieb.
Das Fahrzeug wurde für einen weitgehend stufenfreien Innenraum und hohe Fahrgastkapazität entwickelt.
Zu den Kunden gehören beziehungsweise gehören Projekte für Verkehrsunternehmen in:
- Basel-Landschaft;
- Darmstadt;
- Rostock;
- Halle;
- Den Haag.
TINA gehört zu den zentralen Plattformen für das zukünftige Tramgeschäft von Stadler.
TRAMLINK
Der TRAMLINK ist eine weitere Niederflur-Strassenbahnplattform.
Fahrzeuge dieses Typs werden in verschiedenen europäischen Städten eingesetzt.
Je nach Auftrag können Fahrzeuglänge, Spurweite, Türanordnung und Innenraum angepasst werden.
TRAMLINK-Fahrzeuge werden insbesondere am spanischen Standort Valencia entwickelt beziehungsweise produziert.
CITYLINK
Der CITYLINK ist ein Tram-Train.
Solche Fahrzeuge können sowohl auf klassischen innerstädtischen Strassenbahnnetzen als auch auf Eisenbahnstrecken verkehren.
Dafür müssen teilweise unterschiedliche technische Normen, Stromsysteme, Bahnsteighöhen und Sicherungssysteme berücksichtigt werden.
Stadler erhielt unter anderem einen grossen Rahmenauftrag im Rahmen des deutsch-österreichischen Projekts VDV Tram-Train.
Lokomotiven
Durch die Integration des Werks Valencia entwickelte sich Stadler zu einem bedeutenden Hersteller moderner Streckenlokomotiven.
EURO9000
Die EURO9000 ist eine leistungsstarke sechsachsige elektrische Lokomotive.
Sie ist vor allem für den schweren europäischen Güterverkehr bestimmt und kann verschiedene Strom- und Sicherungssysteme unterstützen.
Je nach Konfiguration können zusätzliche Diesel- oder andere Antriebsmodule eingebaut werden, um Rangierbewegungen und Fahrten auf nicht elektrifizierten Abschnitten zu ermöglichen.
EURODUAL
Die EURODUAL kombiniert elektrischen Hauptbahnbetrieb mit einem leistungsfähigen Dieselmotor.
Dadurch kann dieselbe Lokomotive sowohl auf elektrifizierten als auch auf nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt werden.
Das Konzept ist besonders für Güterverkehrsunternehmen interessant, die Lokwechsel vermeiden möchten.
Zahnradbahnfahrzeuge
Stadler besitzt eine besondere Stellung im weltweiten Markt für Zahnradbahnfahrzeuge.
Die Schweiz verfügt über zahlreiche Zahnradbahnen mit unterschiedlichen Spurweiten, Stromsystemen und Zahnstangensystemen.
Stadler entwickelt dafür kundenspezifische Triebzüge, Lokomotiven und Personenwagen.
Zu den Schweizer Kunden gehören beziehungsweise gehörten unter anderem:
- Matterhorn-Gotthard-Bahn;
- Zentralbahn;
- Appenzeller Bahnen;
- Berner Oberland-Bahnen;
- Jungfraubahn;
- Wengernalpbahn.
Das Unternehmen bezeichnet sich als weltweit führenden Hersteller von Zahnradbahnfahrzeugen.
Rhätische Bahn
Stadler besitzt eine besonders enge Beziehung zur Rhätischen Bahn (RhB).
Für die RhB wurden zahlreiche Lokomotiven, Triebzüge und Reisezugwagen entwickelt.
Zu den bekanntesten neueren Fahrzeugen gehört der Capricorn.
Die vierteiligen elektrischen Triebzüge wurden im Rahmen einer grossen Flottenerneuerung beschafft und ermöglichen auf verschiedenen RhB-Linien einen effizienteren Betrieb mit Flügelzügen.
Im Oktober 2022 stellte die Rhätische Bahn mit 25 miteinander gekuppelten Capricorn-Triebzügen einen Weltrekord für den längsten Reisezug auf.
Schweizerische Bundesbahnen
Die SBB gehören zu den wichtigsten Kunden von Stadler.
Neben FLIRT und KISS liefert Stadler unter anderem Giruno-Hochgeschwindigkeitszüge.
Die Zusammenarbeit mit den SBB war wesentlich für die Entwicklung mehrerer später international erfolgreicher Plattformen.
Der erste FLIRT wurde Anfang der 2000er-Jahre für Schweizer Anwendungen entwickelt. Der erste KISS-Auftrag kam ebenfalls von den SBB beziehungsweise für die Zürcher S-Bahn.
Weitere Schweizer Kunden
Stadler liefert Fahrzeuge an zahlreiche Schweizer Eisenbahn- und Verkehrsunternehmen.
Dazu gehören unter anderem:
- BLS AG;
- Schweizerische Südostbahn;
- Rhätische Bahn;
- Matterhorn-Gotthard-Bahn;
- Thurbo;
- RegionAlps;
- Zentralbahn;
- Appenzeller Bahnen;
- Aargau Verkehr;
- Baselland Transport;
- Forchbahn;
- Montreux-Berner Oberland-Bahn;
- Transports publics fribourgeois;
- Transports publics du Chablais.
Aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Spurweiten und technischen Systeme des Schweizer Bahnnetzes spielt der Bereich Tailor Made dabei eine wichtige Rolle.
Produktionsstandorte in der Schweiz
Die Schweiz bleibt trotz der internationalen Expansion ein bedeutender Produktions- und Entwicklungsstandort.
Zu den wichtigsten Standorten gehören:
Bussnang
Bussnang ist Hauptsitz und historisches Stammwerk.
Hier befinden sich zentrale Funktionen der Unternehmensleitung, Entwicklung und Produktion.
Der Standort ist insbesondere für Regional-, Intercity-, Schmalspur- und Spezialfahrzeuge bedeutend.
St. Margrethen
Das Werk St. Margrethen gehört zu den modernsten Stadler-Fabriken.
Dort werden insbesondere grosse Serien von Vollbahnfahrzeugen produziert.
Altenrhein
Der historische Standort Altenrhein bleibt Teil der Schweizer Stadler-Struktur.
Er besitzt eine lange Tradition im Schienenfahrzeugbau.
Winterthur
In Winterthur produziert Stadler insbesondere Drehgestelle und andere wichtige Fahrzeugkomponenten.
Drehgestelle gehören zu den technisch anspruchsvollsten Komponenten eines Eisenbahnfahrzeugs und beeinflussen Fahrkomfort, Verschleiss, Laufruhe und zulässige Geschwindigkeit.
Biel
Auch in Biel/Bienne bestehen Aktivitäten im Komponentenbereich.
Erlen
In Erlen werden Anlagen unter anderem für Inbetriebnahmen, Tests und Fahrzeugarbeiten genutzt.
Service
Mit der wachsenden Zahl ausgelieferter Fahrzeuge gewann der Servicebereich stark an Bedeutung.
Stadler übernimmt je nach Vertrag:
- Wartung;
- Reparaturen;
- Ersatzteilversorgung;
- Modernisierung;
- Revisionen;
- Flottenmanagement;
- langfristige Full-Service-Verträge.
Serviceverträge können Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten besitzen.
Dadurch erzielt Stadler einen Teil seiner Einnahmen auch lange nach der eigentlichen Fahrzeuglieferung.
Weltweit verfügt der Konzern über mehr als 80 Servicestandorte.[1]
Signalling
Neben dem Fahrzeugbau entwickelte Stadler einen eigenen Geschäftsbereich für Eisenbahnsicherungstechnik.
Das Angebot umfasst unter anderem:
- ETCS;
- automatische Zugbeeinflussung;
- CBTC für Metro- und Stadtbahnsysteme;
- automatische Zugsteuerung;
- Stellwerkstechnik;
- streckenseitige Sicherungssysteme;
- Fahrerassistenzsysteme;
- Fahrgastinformationssysteme.
Ein wichtiges Produkt ist die ETCS-Lösung GUARDIA.
Stadler kann dadurch Fahrzeug und Teile der Sicherungstechnik aus einer Hand anbieten.
Alternative Antriebe
Ein wichtiger Entwicklungsbereich sind Schienenfahrzeuge für nicht oder nur teilweise elektrifizierte Strecken.
Stadler verfolgt dabei verschiedene Technologien.
FLIRT Akku
Der FLIRT Akku besitzt Batterien, die während der Fahrt unter einer Fahrleitung oder beim Bremsen geladen werden können.
Auf nicht elektrifizierten Abschnitten fährt der Zug mit Energie aus den Batterien.
Ende 2021 stellte ein FLIRT Akku bei winterlichen Bedingungen eine dokumentierte Reichweite von 224 Kilometern im reinen Batteriebetrieb auf.
Batteriezüge können insbesondere dort eine Alternative zur vollständigen Elektrifizierung einer Bahnstrecke darstellen, wo nur einzelne Abschnitte ohne Fahrleitung bestehen.
FLIRT H2
Der FLIRT H2 verwendet Wasserstoff-Brennstoffzellen und Batterien.
Die Brennstoffzellen erzeugen elektrische Energie aus Wasserstoff. Batterien dienen zur Zwischenspeicherung und zur Abdeckung von Leistungsspitzen.
Die ersten Fahrzeuge wurden für den Einsatz in Kalifornien entwickelt.
Mit Wasserstoff- und Batteriefahrzeugen versucht Stadler insbesondere Dieselfahrzeuge auf nicht elektrifizierten Strecken zu ersetzen.
Innovation und Digitalisierung
Moderne Schienenfahrzeuge bestehen nicht mehr nur aus mechanischen und elektrischen Komponenten.
Software, Kommunikationstechnik, Diagnosesysteme und automatisierte Betriebsfunktionen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Stadler entwickelt deshalb unter anderem:
- digitale Fahrzeugdiagnose;
- vorausschauende Wartung;
- Energieoptimierung;
- Fahrerassistenz;
- ETCS-Bordrechner;
- automatisierte Zugsteuerung.
Die Kombination von Fahrzeugbau, Service und Signalling soll ermöglichen, komplette technische Systeme für Bahnunternehmen anzubieten.
Geschäftszahlen
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Stadler einen Umsatz von rund 3,7 Milliarden Franken. Der EBIT betrug 160,6 Millionen Franken, entsprechend einer EBIT-Marge von 4,4 Prozent.[11]
Der Auftragseingang erreichte rund 6,1 Milliarden Franken. Der Auftragsbestand stieg auf mehr als 32 Milliarden Franken.[11]
| Kennzahl | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Umsatz | ca. CHF 3,3 Mrd. | ca. CHF 3,7 Mrd. |
| EBIT | CHF 100,5 Mio. | CHF 160,6 Mio. |
| EBIT-Marge | 3,1 % | 4,4 % |
| Auftragseingang | ca. CHF 6,4 Mrd. | ca. CHF 6,1 Mrd. |
| Auftragsbestand | CHF 29,2 Mrd. | über CHF 32 Mrd. |
Der hohe Auftragsbestand sorgt für eine langfristige Auslastung, stellt das Unternehmen gleichzeitig aber vor die Aufgabe, zahlreiche grosse Projekte parallel zu produzieren und termingerecht auszuliefern.
Überschwemmung in Valencia
Im Herbst 2024 wurde die Region Valencia von schweren Überschwemmungen getroffen.
Auch das Stadler-Werk war von den Folgen der Naturkatastrophe betroffen. Produktionsausfälle und Schäden wirkten sich noch auf das Geschäftsergebnis 2025 aus.[11]
Stadler reagierte mit einer Verlagerung beziehungsweise Neuorganisation einzelner Produktionsschritte und Massnahmen zur Wiederherstellung der Kapazität.
Das Ereignis zeigte zugleich die Risiken einer international verteilten industriellen Liefer- und Produktionskette.
Bedeutung für die Schweizer Industrie
Stadler gehört zu den international bekanntesten Schweizer Industrieunternehmen im Bereich Verkehrstechnik.
Die Schweiz hatte im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche bedeutende Hersteller von Schienenfahrzeugen und Bahntechnik, darunter:
- Schweizerische Industrie-Gesellschaft;
- Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik;
- Maschinenfabrik Oerlikon;
- Brown, Boveri & Cie.;
- Schindler Waggon;
- Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein.
Durch Fusionen, Übernahmen und die Internationalisierung der Bahnindustrie verschwanden viele dieser traditionellen Namen als eigenständige Hersteller.
Stadler entwickelte sich dagegen ab den 1990er-Jahren stark und wurde zu einem international tätigen Konzern mit weiterhin bedeutender Produktion in der Schweiz.
Kundenspezifische Produktion
Ein wesentliches Merkmal des Geschäftsmodells ist die Anpassung von Fahrzeugen an Kundenanforderungen.
Eisenbahnnetze unterscheiden sich unter anderem bei:
- Spurweite;
- Stromsystem;
- Lichtraumprofil;
- Bahnsteighöhe;
- Sicherungssystem;
- maximaler Achslast;
- Kupplungssystem;
- klimatischen Bedingungen.
Stadler kombiniert deshalb modulare Plattformen mit kundenspezifischen Anpassungen.
Dieser Ansatz ermöglicht die Produktion sowohl grosser Serien als auch kleinerer Spezialserien.
Internationaler Wettbewerb
Stadler steht im internationalen Schienenfahrzeugmarkt im Wettbewerb mit grossen Konzernen wie:
Im Vergleich zu einigen Wettbewerbern konzentriert sich Stadler stark auf Schienenfahrzeuge und bahnbezogene Systeme.
Besondere Marktpositionen besitzt das Unternehmen unter anderem bei Regionaltriebzügen, Doppelstockzügen, alternativen Antrieben, Tram-Trains und Zahnradbahnfahrzeugen.
Öffentlicher Verkehr und Klimapolitik
Der weltweite Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist ein wichtiger Faktor für die Nachfrage nach Schienenfahrzeugen.
Viele Staaten und Regionen investieren in:
- Elektrifizierung;
- Regionalbahnen;
- S-Bahn-Systeme;
- Stadtbahnen;
- emissionsarme Antriebe;
- Modernisierung alter Fahrzeugflotten.
Stadler profitiert insbesondere von der Nachfrage nach elektrischen, batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen.
Gleichzeitig sind Eisenbahnprojekte häufig von staatlichen Budgets und politischen Entscheidungen abhängig.
Stellung in der Ostschweiz
Für den Kanton Thurgau und die Ostschweiz besitzt Stadler eine besondere wirtschaftliche Bedeutung.
Der Hauptsitz in Bussnang liegt in einer ländlich geprägten Gemeinde, entwickelte sich jedoch zu einem international bedeutenden Zentrum des Schienenfahrzeugbaus.
Auch die Standorte St. Margrethen und Altenrhein machen Stadler zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Ostschweiz.
Zahlreiche Schweizer Zulieferunternehmen sind in die Produktionsketten eingebunden.
Ausbildung
Stadler bildet in der Schweiz zahlreiche Lernende in technischen und kaufmännischen Berufen aus.
2023 eröffnete das Unternehmen in Bussnang das Ausbildungszentrum Stadler LAB.
Damit sollen insbesondere Fachkräfte für industrielle Berufe wie Konstruktion, Automation, Mechanik und Fahrzeugbau ausgebildet werden.
Der Fachkräftemangel gehört zu den langfristigen Herausforderungen der Schweizer Industrie.
Unternehmensname
Der Name des Unternehmens geht auf den Gründer Ernst Stadler zurück.
Die Dachgesellschaft trägt die Bezeichnung Stadler Rail AG.
Im öffentlichen Sprachgebrauch wird meist einfach Stadler oder Stadler Rail verwendet.
Der Unternehmensname ist nicht mit einem bestimmten Fahrzeugtyp verbunden, sondern umfasst heute die gesamte internationale Gruppe.
Siehe auch
- Peter Spuhler
- Stadler FLIRT
- Stadler KISS
- Schweizerische Bundesbahnen
- Schienenverkehr in der Schweiz
- Schienenfahrzeug
- Rhätische Bahn
- Thurbo
- SIX Swiss Exchange
- Bussnang
- St. Margrethen
- Altenrhein
- Eisenbahnindustrie in der Schweiz
Literatur
- Philipp Landmark: Stadler – von Bussnang in die Welt. Geschichten eines aussergewöhnlichen Industrieunternehmens. NZZ Libro, Basel 2022, ISBN 978-3-907291-96-2.
- Theo Weiss: Stadler – von der Stollenlokomotive zum Doppelstockzug. Minirex, Luzern 2010, ISBN 978-3-907014-33-2.
Weblinks
- Offizielle Website von Stadler Rail
- Geschichte von Stadler
- Standorte von Stadler
- Schienenfahrzeuge von Stadler
- Investor Relations
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Stadler Rail: Standorte, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Stadler Rail: Geschichte von Stadler, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Stadler Rail: Stadler celebrates its first 75 years, Medienmitteilung vom 7. Juni 2017.
- ↑ Stadler Rail: Medienmitteilungen und Unternehmensgeschichte zum Standort Altenrhein, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Stadler Rail: Geschäftsberichte und Investor Relations; Stadler Rail AG ist seit dem 12. April 2019 an der SIX Swiss Exchange kotiert.
- ↑ Stadler Rail: Annual General Meeting 2026, 5. Mai 2026.
- ↑ Stadler Rail: Rolling Stock, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 8,0 8,1 Stadler Rail: Medienmitteilung vom 16. Juni 2023 zum 2500. verkauften FLIRT, 16. Juni 2023.
- ↑ Stadler Rail: Medienmitteilung «Stadler to deliver up to 510 FLIRT trains for Switzerland», 31. Mai 2022.
- ↑ Stadler Rail: KISS, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 11,0 11,1 11,2 Stadler Rail: Stadler increases profitability and sales, 18. März 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Stadler Rail