S4 (S-Bahn Zürich)
| S4 | |
|---|---|
| Ein Zug der S4 in Adliswil | |
| System | S-Bahn Zürich |
| Bezeichnung | Sihltalbahn |
| Betreiberin | Sihltal Zürich Uetliberg Bahn |
| Eigentümerin | Sihltal Zürich Uetliberg Bahn |
| Strecke | Sihltalbahn |
| Nördlicher Endpunkt | Zürich Hauptbahnhof |
| Südliche Endpunkte | Langnau-Gattikon und Sihlwald |
| Wichtige Zwischenstationen | Zürich Selnau, Zürich Saalsporthalle, Adliswil |
| Stationen | 13 |
| Betriebslänge | 14,46 km |
| Fahrzeit | rund 25 Minuten bis Sihlwald |
| Grundtakt | 20 Minuten bis Langnau-Gattikon 60 Minuten bis Sihlwald |
| Verdichtung | bis zu 10 Minuten auf dem Kernabschnitt |
| Eröffnung der Sihltalbahn | 3. August 1892 |
| Elektrifizierung | 1924 |
| Bezeichnung S4 | seit 27. Mai 1990 |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Rollmaterial | Pendelzüge mit Re 450 und Re 456 |
Die S4 ist eine Linie der S-Bahn Zürich. Sie verbindet den unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU über Zürich Selnau, Zürich Saalsporthalle, Zürich Leimbach und Adliswil mit Langnau-Gattikon und Sihlwald. Die Linie wird von der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) betrieben und entspricht dem Personenverkehr auf der historischen Sihltalbahn.
Die Betriebslänge zwischen Zürich Hauptbahnhof und Sihlwald beträgt 14,46 Kilometer. Die S4 bedient 13 Stationen und benötigt für die gesamte Strecke fahrplanmässig rund 25 Minuten.[1]
Zwischen Zürich und Adliswil besitzt die S4 den Charakter einer städtischen Schnellbahn. Die dicht aufeinanderfolgenden Stationen erschliessen Wohnquartiere, Arbeitsplatzgebiete, das Einkaufs- und Freizeitzentrum Sihlcity und verschiedene Umsteigepunkte. Südlich von Adliswil führt die Bahn durch das zunehmend ländlich geprägte Sihltal nach Langnau-Gattikon und Sihlwald.
Während des grössten Teils des Tages verkehren die Züge alle 20 Minuten bis Langnau-Gattikon. Während der Hauptverkehrszeiten wird das Angebot auf dem Kernabschnitt durch zusätzliche Züge verdichtet. Sihlwald wird grundsätzlich stündlich bedient.[2]
Linienführung
Die S4 bedient im regulären Fahrplan folgende Stationen:
| Nr. | Station | Gemeinde | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 | Zürich HB SZU | Zürich | Unterirdlicher Endbahnhof und Anschluss an den Fern- und Regionalverkehr |
| 2 | Zürich Selnau | Zürich | Unterirdische Station im Stadtzentrum |
| 3 | Zürich Giesshübel | Zürich | Sitz, Betriebszentrum und Werkstätte der SZU |
| 4 | Zürich Saalsporthalle | Zürich | Zugang zu Sihlcity und zum Sportzentrum |
| 5 | Zürich Brunau | Zürich | Erschliessung der Allmend Brunau |
| 6 | Zürich Manegg | Zürich | Erschliessung des Entwicklungsgebiets Greencity |
| 7 | Zürich Leimbach | Zürich | Quartierstation |
| 8 | Sood-Oberleimbach | Adliswil | Erschliessung von Sood und Oberleimbach |
| 9 | Adliswil | Adliswil | Regionaler Verkehrs- und Busknoten |
| 10 | Sihlau | Adliswil | Wohn- und Gewerbegebiet im südlichen Adliswil |
| 11 | Wildpark-Höfli | Langnau am Albis | Zugang zum Tierpark Langenberg |
| 12 | Langnau-Gattikon | Langnau am Albis | Endpunkt zahlreicher Züge und regionaler Busknoten |
| 13 | Sihlwald | Horgen | Zugang zum Wildnispark Zürich und südlicher Endpunkt |
Streckenabschnitte
Zürich Hauptbahnhof–Zürich Selnau
Die S4 beginnt im unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU unter dem Bahnhofplatz. Die beiden Gleise und der Mittelperron werden gemeinsam mit der S10 der Uetlibergbahn benutzt.
Die Strecke führt durch den Sihltunnel zur unterirdischen Station Zürich Selnau. Dieser Abschnitt wurde am 5. Mai 1990 eröffnet. Bis dahin endeten die Züge der Sihltalbahn im oberirdischen Kopfbahnhof Selnau am Rand der Zürcher Innenstadt.
Der Tiefbahnhof Zürich HB SZU war ursprünglich als Teil der in den 1970er-Jahren geplanten Zürcher U-Bahn vorgesehen. Nach der Ablehnung des U-Bahn-Projekts in der Volksabstimmung von 1973 wurden bereits errichtete Anlageteile für die Verlängerung der Sihltal- und Uetlibergbahn verwendet.[3]
Im Hauptbahnhof bestehen Anschlüsse an den nationalen und internationalen Fernverkehr, an die übrigen Linien der Zürcher S-Bahn sowie an das Tram- und Busnetz der Verkehrsbetriebe Zürich.
Zürich Selnau–Zürich Giesshübel
Die Station Zürich Selnau befindet sich unter dem Flussbett der Sihl. Südlich der Station führt der Sihltunnel zum Bahnhof Zürich Giesshübel.
Giesshübel ist der betriebliche Mittelpunkt der SZU. Beim Bahnhof befinden sich der Unternehmenssitz, Werkstätten, Abstellanlagen und technische Einrichtungen. Hier verzweigen sich die Sihltalbahn nach Süden und die Uetlibergbahn nach Südwesten.
S4 und S10 benutzen zwischen Zürich Hauptbahnhof und Giesshübel teilweise gemeinsame Gleisanlagen. Seit der Umstellung der Uetlibergbahn auf Wechselstrom im Jahr 2022 verwenden beide Linien dasselbe Stromsystem, wodurch die Gleise flexibler genutzt werden können.
Zürich Giesshübel–Zürich Saalsporthalle
Südlich von Giesshübel folgt die S4 dem Lauf der Sihl. Nach kurzer Fahrt erreicht sie die Station Zürich Saalsporthalle.
Die Haltestelle wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Einkaufs-, Freizeit- und Wohnkomplexes Sihlcity umfassend erneuert. Der Abschnitt Giesshübel–Saalsporthalle wurde auf Doppelspur ausgebaut. Die neue Anlage nahm 2007 den Betrieb auf.[4]
Die Station erschliesst neben Sihlcity die Saalsporthalle, die Sportanlagen und die umliegenden Wohn- und Arbeitsgebiete. Anschlüsse bestehen an mehrere Tram- und Buslinien.
Zürich Saalsporthalle–Zürich Brunau
Zwischen Saalsporthalle und Brunau verläuft die Bahn durch die Zürcher Allmend. Die Strecke liegt weitgehend parallel zur Sihl, zur Allmendstrasse und zur Autobahn A3.
Der Bahnhof Zürich Brunau erschliesst die Allmend Brunau, Sportanlagen, Freizeitflächen und Teile des Quartiers Wollishofen. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Talstation der nicht, während die Station vor allem als Zugang zum Naherholungsgebiet entlang der Sihl dient.
Im Bereich Brunau bestehen zusätzliche Gleisanlagen für betriebliche Zwecke und den Güterverkehr. Die SZU plant langfristig, einen noch eingleisigen Abschnitt zwischen Brunau und der Höcklerbrücke auf Doppelspur auszubauen.[5]
Zürich Brunau–Zürich Manegg
Südlich von Brunau führt die Strecke entlang der Sihl nach Manegg. Das Gebiet war früher von Industrie- und Gewerbebetrieben geprägt und wurde seit Beginn des 21. Jahrhunderts stark umgestaltet.
Die Station Zürich Manegg erschliesst das neue Stadtquartier Greencity mit Wohnungen, Büros, Schulen, Geschäften und Gastronomiebetrieben. Die S4 stellt die wichtigste Bahnverbindung des Quartiers zum Zürcher Stadtzentrum dar.
Zwischen der Station und den umliegenden Quartieren bestehen Anschlüsse an Stadtbuslinien. Fuss- und Velowege führen entlang der Sihl nach Leimbach und in die Allmend.
Zürich Manegg–Zürich Leimbach
Die Strecke führt weiter durch das schmale Tal zwischen dem Uetliberg und dem Zimmerberg. Der Bahnhof Zürich Leimbach liegt im Zentrum des gleichnamigen Zürcher Quartiers.
Leimbach entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg von einer ländlichen Siedlung zu einem dicht bebauten Wohnquartier. Die Bahnverbindung trug wesentlich zu dieser Entwicklung bei.
Der Bahnhof dient als Umsteigepunkt zu lokalen Buslinien. In der Umgebung befinden sich Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Wohngebiete an den Hängen beider Talseiten.
Zürich Leimbach–Sood-Oberleimbach
Südlich von Leimbach überschreitet die Strecke die Stadtgrenze zwischen Zürich und Adliswil. Die Station Sood-Oberleimbach liegt zwischen den Ortsteilen Sood und Oberleimbach.
Das Gebiet besitzt eine Mischung aus Wohnquartieren, Gewerbebetrieben und Sportanlagen. Die S4 bietet direkte Verbindungen nach Adliswil und in das Zürcher Stadtzentrum.
Die Station wurde im Rahmen des Ausbaus der Sihltalbahn modernisiert und weitgehend hindernisfrei gestaltet.
Sood-Oberleimbach–Adliswil
Der Bahnhof Adliswil ist der bedeutendste Zwischenbahnhof der S4. Zahlreiche Verstärkungszüge enden oder beginnen dort. Die Anlage verfügt über mehrere Gleise, Kreuzungs- und Wendemöglichkeiten sowie einen unmittelbar angeschlossenen Busbahnhof.
Adliswil ist ein wichtiger regionaler Arbeitsplatz-, Wohn- und Schulstandort. Vom Bahnhof verkehren Buslinien in die verschiedenen Stadtquartiere, nach Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil, Langnau am Albis und in weitere Gemeinden.
In der Nähe des Bahnhofs befindet sich die Talstation der Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg. Die Seilbahn führt auf die Felsenegg am Albisgrat und wird ebenfalls von der SZU betrieben.
Adliswil–Sihlau
Südlich von Adliswil folgt die S4 weiterhin der Sihl. Der Bahnhof Sihlau erschliesst Wohngebiete und Gewerbebetriebe am südlichen Stadtrand.
Die Strecke ist in diesem Abschnitt grösstenteils eingleisig. Die Fahrplangestaltung hängt deshalb von den vorhandenen Kreuzungsstellen ab.
Sihlau besitzt zwei Perrongleise und ermöglicht Zugskreuzungen. Die Station wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach erneuert und an die Anforderungen des S-Bahn-Betriebs angepasst.
Sihlau–Wildpark-Höfli
Die Haltestelle Wildpark-Höfli liegt nahe der Gemeindegrenze zwischen Adliswil und Langnau am Albis. Sie dient insbesondere dem Zugang zum Tierpark Langenberg, der zum Wildnispark Zürich gehört.
Die bestehende Haltestelle und der umliegende Streckenabschnitt sollen vollständig erneuert werden. Geplant sind eine zusätzliche Doppelspur, zwei hindernisfreie Aussenperrons, neue Perrondächer und eine neue Personenunterführung.
Der Ausbau ist eine Voraussetzung für den künftig vorgesehenen 15-Minuten-Takt zwischen Adliswil und Langnau-Gattikon sowie den 7,5-Minuten-Takt im Kernnetz.[6]
Wildpark-Höfli–Langnau-Gattikon
Der Bahnhof Langnau-Gattikon ist der südliche Endpunkt eines grossen Teils der S4-Züge. Er liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Langnau am Albis nahe dem zur Gemeinde Thalwil gehörenden Ortsteil Gattikon.
Die Station verfügt über mehrere Gleise, Perrons, Abstellanlagen und einen Busbahnhof. Sie besitzt deshalb sowohl als Kreuzungs- und Wendebahnhof als auch als regionaler Verkehrsknoten grosse Bedeutung.
Buslinien verbinden den Bahnhof mit Langnau, Gattikon, Thalwil, Adliswil, dem Albispass und Hausen am Albis. Die SZU und die Gemeinde Langnau planen eine umfassende Erneuerung des Bahnhofareals und eine Verbesserung der Umsteigebeziehungen.[5]
Langnau-Gattikon–Sihlwald
Südlich von Langnau-Gattikon überquert die Bahn die Sihl und führt durch den Gattikontunnel. Anschliessend folgt sie dem Fluss durch die bewaldete Landschaft des unteren Sihltals.
Der Streckenabschnitt ist eingleisig und wird grundsätzlich stündlich bedient. Der Bahnhof Sihlwald bildet den südlichen Endpunkt des fahrplanmässigen Personenverkehrs.
Die Station erschliesst das Besucherzentrum Sihlwald, den Naturerlebnispark, das Museum und zahlreiche Wanderwege. Das Gebiet gehört zum Wildnispark Zürich und umfasst einen der grössten naturnahen Laubmischwälder des Schweizer Mittellands.
Betrieb
Taktangebot
Das Grundangebot der S4 besteht aus einem 20-Minuten-Takt zwischen Zürich Hauptbahnhof und Langnau-Gattikon. Zwischen Langnau-Gattikon und Sihlwald verkehrt in der Regel ein Zug pro Stunde.
Während der Hauptverkehrszeiten wird der Abschnitt zwischen Zürich und Adliswil durch zusätzliche Züge auf einen Zehnminutentakt verdichtet. Einzelne Verstärkungszüge beginnen oder enden in Zürich Saalsporthalle.
| Abschnitt | Grundangebot | Verdichtung |
|---|---|---|
| Zürich HB–Adliswil | alle 20 Minuten | während der Hauptverkehrszeiten bis zu alle 10 Minuten |
| Adliswil–Langnau-Gattikon | alle 20 Minuten | einzelne zusätzliche Verbindungen |
| Langnau-Gattikon–Sihlwald | grundsätzlich stündlich | keine regelmässige Verdichtung |
An Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen besteht während eines grossen Teils des Tages ein durchgehender 20-Minuten-Takt bis Langnau-Gattikon. Ein Zug pro Stunde fährt weiter nach Sihlwald.[2]
Fahrzeiten
Die fahrplanmässigen Fahrzeiten betragen ungefähr:
| Verbindung | Fahrzeit |
|---|---|
| Zürich HB–Zürich Selnau | 1 Minute |
| Zürich HB–Zürich Saalsporthalle | 5 Minuten |
| Zürich HB–Zürich Leimbach | 10 Minuten |
| Zürich HB–Adliswil | 15 Minuten |
| Zürich HB–Langnau-Gattikon | 22 Minuten |
| Zürich HB–Sihlwald | 25 Minuten |
Die genaue Fahrzeit kann je nach Fahrtrichtung, Tageszeit und Zuglauf geringfügig abweichen.
Nachtverkehr
In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag wird die S4 durch die Nacht-S-Bahn SN4 ergänzt.
Die SN4 verkehrt zwischen Zürich Hauptbahnhof und Langnau-Gattikon und hält grundsätzlich an denselben Stationen wie die S4. Sihlwald wird durch die Nachtlinie nicht bedient.[7]
Tarif
Auf der gesamten Linie gilt der Zonentarif des Zürcher Verkehrsverbunds. Innerhalb der gelösten Zonen dürfen Bahn, Bus, Tram, Schiff und weitere Verbundverkehrsmittel benutzt werden.
Die Stadt Zürich gehört zur Tarifzone 110, die wegen des besonders dichten öffentlichen Verkehrsangebots tariflich als zwei Zonen zählt. Für Fahrten nach Adliswil, Langnau-Gattikon und Sihlwald sind zusätzliche Zonen erforderlich.
Das Generalabonnement, das Halbtax und die üblichen nationalen Fahrausweise werden anerkannt.
Infrastruktur
Spurweite und Stromsystem
Die Sihltalbahn ist normalspurig und besitzt eine Spurweite von 1435 Millimetern. Die Strecke wird mit 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16,7 Hertz elektrifiziert.
Die Stromversorgung erfolgt über das SBB-Unterwerk Sihlbrugg.[1]
Das Bahnstromsystem entspricht dem Standard der meisten Schweizer Vollbahnen. Dadurch können grundsätzlich auch Fahrzeuge anderer normalspuriger Eisenbahnunternehmen auf der Sihltalbahn eingesetzt werden, sofern sie die betrieblichen Anforderungen erfüllen.
Ein- und Doppelspur
Die Strecke besteht aus einer Folge von ein- und doppelspurigen Abschnitten. Im dicht befahrenen Kerngebiet zwischen Zürich und Adliswil wurden verschiedene Abschnitte auf Doppelspur ausgebaut.
Mehrere südliche Abschnitte sind weiterhin eingleisig. Zugskreuzungen erfolgen in entsprechend ausgebauten Bahnhöfen und Kreuzungsstellen. Der heutige Fahrplan nutzt die vorhandene Infrastruktur stark aus.
Die geringe zeitliche Reserve führt dazu, dass sich Verspätungen entgegenkommender Züge gegenseitig übertragen können. Die SZU plant deshalb zusätzliche Doppelspuren und modernisierte Kreuzungsstellen.
Güterverkehr
Die Sihltalbahn wurde historisch nicht nur für den Personenverkehr, sondern auch für den Transport von Holz, Brennstoffen, Baumaterialien und Industriegütern gebaut.
Im Raum Brunau und Giesshübel bestehen weiterhin Gleisanlagen für den Güterverkehr und betriebliche Zwecke. Die SZU wickelt einzelne Gütertransporte auf ihrem Netz ab und stellt Infrastruktur für Baustellen- und Materialtransporte bereit.
Während des Baus des Hochwasser-Entlastungsstollens Sihl–Zürichsee wurde Ausbruchmaterial vom Installationsplatz im Sihlwald mit Güterzügen abtransportiert. Dafür war der Personenverkehr zwischen Langnau-Gattikon und Sihlwald während eines grossen Teils des Jahres 2024 eingestellt.[8]
Rollmaterial
Auf der S4 verkehren im Jahr 2026 überwiegend lokomotivbespannte Pendelzüge. Der Fahrzeugpark umfasst hauptsächlich Doppelstock- und einstöckige Reisezugwagen mit Lokomotiven der Typen Re 450 und Re 456.
Re 456 und Regionalpendelzüge
Die Lokomotiven der Baureihe Re 456 wurden Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre gebaut. Sie besitzen eine Leistung von 3200 Kilowatt und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.
Sie werden mit einstöckigen und doppelstöckigen Zwischenwagen sowie Steuerwagen zu Regionalpendelzügen zusammengestellt. Die Zugskompositionen können ihre Fahrtrichtung wechseln, ohne dass die Lokomotive umgesetzt werden muss.
Doppelstock-Pendelzüge
Ein Teil der Leistungen wird mit Doppelstock-Pendelzügen gefahren. Diese bestehen aus einer Lokomotive des Typs Re 450, Doppelstockwagen und einem Steuerwagen.
Die Fahrzeuge ähneln den klassischen Doppelstockzügen der Zürcher S-Bahn. Die SZU übernahm verschiedene Wagen und Lokomotiven von den SBB beziehungsweise passte sie für den eigenen Betrieb an.
Niederflurige Zwischenwagen ermöglichen an entsprechend ausgebauten Perrons einen erleichterten Einstieg. Wegen des gemischten Fahrzeugparks ist die vollständige Hindernisfreiheit jedoch nicht bei allen Zugskompositionen gleich ausgeprägt.
Beschaffung neuer Flirt-Züge
Die SZU bestellte 2024 bei Stadler Rail 17 einstöckige Triebzüge des Typs Flirt. Sie sollen die acht überwiegend doppelstöckigen, teilweise mehr als 30 Jahre alten Zugskompositionen ersetzen.
Die neuen Fahrzeuge sind rund 63 Meter lang. Während stark nachgefragter Zeiten sollen jeweils zwei Züge zu einer rund 130 Meter langen Doppelkomposition gekuppelt werden. In den Randzeiten können einzelne Triebzüge eingesetzt werden.
Die SZU entschied sich bewusst für einstöckige Fahrzeuge. Wegen der kurzen Stationsabstände ermöglichen sie einen schnelleren Fahrgastwechsel als Doppelstockzüge. Die ersten neuen Züge sollen voraussichtlich ab Frühsommer 2028 im regulären Betrieb eingesetzt werden.[9]
Geschichte
Frühe Bahnprojekte
Bereits 1857 entstand ein erstes Projekt für eine Eisenbahn durch das Sihltal. Spätere Pläne sahen eine Verbindung von Zürich über das Sihltal und Zug zur Gotthardbahn vor.
Ein Projekt von 1875 plante eine Strecke Zürich–Zug mit einer Trajektfähre über den Zugersee. Die grossräumigen Vorhaben konnten wegen technischer, finanzieller und politischer Schwierigkeiten nicht verwirklicht werden.
In den 1880er-Jahren konzentrierten sich die Initianten deshalb auf eine lokale Bahn von Zürich nach Sihlwald. Sie sollte sowohl dem Personenverkehr als auch dem Transport von Holz aus den Wäldern der Stadt Zürich dienen.[10]
Eröffnung der Sihltalbahn
Die Strecke von Zürich Selnau nach Sihlwald wurde am 3. August 1892 eröffnet. Zwischen Zürich Selnau und Zürich Giesshübel benutzte die neue Sihltalbahn die bereits bestehende Trasse der Uetlibergbahn.
Die Züge wurden zunächst von Dampflokomotiven geführt. Zur Erstausstattung gehörten Personenwagen, Güterwagen und spezielle Fahrzeuge für den Holztransport.
Die Bahn verbesserte die Erreichbarkeit von Adliswil, Langnau am Albis und dem Sihlwald erheblich. Sie unterstützte zugleich die Entwicklung des Sihltals als Industrie- und Wohnregion.
Verlängerung nach Sihlbrugg
Am 1. Juni 1897 wurde die Strecke von Sihlwald nach Sihlbrugg verlängert. Dort entstand ein Anschluss an die Bahnlinie Thalwil–Zug der damaligen Schweizerischen Nordostbahn.
Die erhoffte Entwicklung zu einer bedeutenden Transitstrecke zwischen Zürich und der Zentralschweiz trat nicht ein. Der Abschnitt Sihlwald–Sihlbrugg blieb überwiegend eine schwach ausgelastete Regionalverbindung.
Trotzdem ermöglichte er durchgehende Fahrten nach Sihlbrugg und den Anschluss an Züge in Richtung Zug und Luzern.
Elektrifizierung
Die Sihltalbahn wurde 1924 mit 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16⅔ Hertz elektrifiziert, der später auf die heutige Nennfrequenz von 16,7 Hertz vereinheitlicht wurde.
Mit der Elektrifizierung endete der reguläre Dampfbetrieb. Elektrische Triebfahrzeuge ermöglichten kürzere Fahrzeiten, bessere Beschleunigung und einen wirtschaftlicheren Betrieb.[10]
Zusammenarbeit mit der Uetlibergbahn
Im Jahr 1932 übernahm die Sihltalbahn die Verwaltung und Betriebsführung der Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg. Beide Unternehmen blieben zunächst rechtlich selbstständig.
Die gemeinsame Führung ermöglichte eine engere Zusammenarbeit in Verwaltung, Werkstätten und Personalwesen. Die unterschiedlichen Stromsysteme blieben jedoch bestehen: Die Sihltalbahn benutzte Wechselstrom, die Uetlibergbahn Gleichstrom.
1973 fusionierten beide Gesellschaften zur heutigen Sihltal Zürich Uetliberg Bahn.
Verlängerung zum Zürcher Hauptbahnhof
Bis 1990 endeten die Züge im oberirdischen Bahnhof Zürich Selnau. Dieser bot nur eingeschränkte Anschlüsse an das übrige Eisenbahnnetz.
Am 5. Mai 1990 wurde die unterirdische Verlängerung von Selnau zum Zürcher Hauptbahnhof eröffnet. Der bisherige Bahnhof Selnau wurde geschlossen und durch die neue unterirdische Station ersetzt.
Mit dem Fahrplanwechsel vom 27. Mai 1990 wurde die Sihltalbahn unter der Linienbezeichnung S4 in die neu eröffnete S-Bahn Zürich und den Zürcher Verkehrsverbund integriert.[10]
Die direkte Anbindung an den Hauptbahnhof führte zu einem starken Wachstum der Fahrgastzahlen und machte die S4 zu einer wichtigen Pendlerlinie innerhalb der Zürcher Agglomeration.
Einführung des 20-Minuten-Takts
Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2006 wurde zwischen Zürich und Sihlwald beziehungsweise Langnau-Gattikon ein neues Betriebskonzept eingeführt.
Die Züge verkehrten nun während des Tages im durchgehenden 20-Minuten-Takt bis Langnau-Gattikon. Während der Hauptverkehrszeiten wurden zusätzliche Verbindungen angeboten, die auf dem Kernabschnitt einen Zehnminutentakt ermöglichten.
Für den Ausbau des Angebots wurden zusätzliche Fahrzeuge benötigt. Deshalb stellte die SZU gleichzeitig den fahrplanmässigen Personenverkehr zwischen Sihlwald und Sihlbrugg ein.[4]
Einstellung des Personenverkehrs nach Sihlbrugg
Bis Dezember 2006 verkehrten einzelne S4-Züge über Sihlwald hinaus nach Sihlbrugg. Zuletzt wurden auf dem 4,2 Kilometer langen Abschnitt nur noch acht Personenzüge pro Tag angeboten.
Die Verbindung wurde eingestellt, damit das Rollmaterial für die Verdichtung des Angebots zwischen Zürich, Adliswil und Langnau-Gattikon eingesetzt werden konnte.
Die Strecke blieb betriebsfähig. Sie wird von Sonderzügen, Bau- und Güterzügen sowie von den historischen Zügen der Zürcher Museums-Bahn befahren.[4]
Umbau des Bahnhofs Zürich HB 2026
Die SZU erneuert und erweitert den unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU. Das Projekt umfasst breitere Perrons, neue Fahrtreppen, modernisierte technische Anlagen und eine verbesserte Fahrgastinformation.
Für die Hauptarbeiten ist die Strecke zwischen Zürich Hauptbahnhof und Zürich Selnau vom 29. April bis zum 18. Oktober 2026 vollständig gesperrt. Die regulären S4-Züge enden während dieser Zeit in Zürich Selnau. Verstärkungszüge während der Hauptverkehrszeiten verkehren teilweise nur bis Zürich Saalsporthalle.[11]
Zwischen dem Hauptbahnhof und Selnau beziehungsweise Saalsporthalle müssen Reisende Tram, Bus oder Fusswege benutzen. Der Onlinefahrplan wurde für die Sperrperiode angepasst.
Nach Abschluss der Hauptarbeiten soll die S4 wieder bis Zürich Hauptbahnhof verkehren.
Künftiger Ausbau
Die SZU erwartet auf der S4 in den kommenden Jahrzehnten ein weiteres starkes Wachstum der Fahrgastzahlen. Bund, Kanton und Unternehmen investieren deshalb in neue Züge, modernisierte Bahnhöfe und zusätzliche Doppelspurabschnitte.
Zu den wichtigsten Projekten gehören:
- der Ausbau des Bahnhofs Zürich HB SZU,
- der Bau der Doppelspur Wildpark-Höfli,
- der Neubau der Haltestelle Wildpark-Höfli,
- der Doppelspurausbau Brunau–Höcklerbrücke,
- der Ausbau im Raum Leimbach,
- die Modernisierung der Sicherungsanlagen,
- die Erneuerung des Bahnhofs Sihlwald,
- die Neugestaltung des Bahnhofareals Langnau-Gattikon,
- die Beschaffung von 17 neuen Flirt-Triebzügen.
Langfristig ist auf dem Kernabschnitt ein 7,5-Minuten-Takt vorgesehen. Zwischen Adliswil und Langnau-Gattikon soll ein durchgehender 15-Minuten-Takt entstehen. Die Umsetzung ist für die Zeit um 2031 vorgesehen.[5]
Bedeutung
Die S4 ist die wichtigste Bahnlinie des unteren Sihltals. Sie verbindet die Städte Zürich und Adliswil sowie die Gemeinden Langnau am Albis und Horgen mit dem Zürcher Hauptbahnhof.
Im Stadtgebiet erschliesst sie stark wachsende Wohn- und Arbeitsplatzgebiete wie Sihlcity und Greencity. Für Adliswil und Langnau bildet sie die schnellste öffentliche Verbindung ins Zürcher Zentrum.
Die Linie übernimmt zudem eine wichtige Zubringerfunktion zum regionalen Busnetz. Bedeutende Umsteigepunkte befinden sich in Adliswil und Langnau-Gattikon.
Für den Freizeitverkehr erschliesst die S4 die Allmend Brunau, die Sihlwege, den Tierpark Langenberg und den Wildnispark Zürich Sihlwald. In Adliswil besteht ein Anschluss an die Felseneggbahn.
Die Verbindung aus dichter städtischer Erschliessung, regionalem Pendlerverkehr und Zugang zu bedeutenden Naherholungsgebieten verleiht der S4 innerhalb des Zürcher S-Bahn-Netzes eine besondere Stellung.
Freizeitverkehr
Entlang der S4 befinden sich zahlreiche Ausflugs- und Freizeitziele:
- Sihlcity und die Saalsporthalle,
- die Allmend Brunau,
- Wander- und Velowege entlang der Sihl,
- die Felseneggbahn in Adliswil,
- der Tierpark Langenberg,
- der Wildnispark Zürich Sihlwald,
- Wanderwege auf den Albis,
- das Besucherzentrum Sihlwald,
- die historische Strecke nach Sihlbrugg.
Von Sihlwald führen Wanderwege durch den Naturerlebnispark und entlang der Sihl nach Sihlbrugg. Rundwanderungen lassen sich mit den regionalen Buslinien und der Felseneggbahn kombinieren.
Siehe auch
- S-Bahn Zürich
- Sihltalbahn
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
- S10 (S-Bahn Zürich)
- SN4 (S-Bahn Zürich)
- Bahnhof Zürich Selnau
- Bahnhof Adliswil
- Bahnhof Langnau-Gattikon
- Bahnhof Sihlwald
- Zürcher Museums-Bahn
- Wildnispark Zürich Sihlwald
Literatur
- Hans Waldburger, Hans Tempelmann: Die Sihltalbahn. 100 Jahre von der Dampfbahn zur modernen S-Bahn-Linie. Minirex, Luzern 1992, ISBN 3-907014-06-5.
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: 125 Jahre Sihltalbahn 1892–2017. Zürich 2017.
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Unter der Sihl ins Zentrum. Die Geschichte der SZU. Zürich.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
Weblinks
- Sihltalbahn S4 auf der Website der SZU
- Linienfahrplan der S4 beim Zürcher Verkehrsverbund
- Jahresfahrplan 2026 der S4 beim Zürcher Verkehrsverbund
- Geschichte der SZU und der Sihltalbahn
- Modernisierungsprogramm SZU 4.0
- Informationen zur Streckensperrung Zürich HB–Selnau 2026
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Sihltalbahn und Uetlibergbahn. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 2,0 2,1 Fahrplanjahr 2026: S4 Zürich HB–Adliswil–Langnau-Gattikon–Sihlwald. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Wie die SZU an den Hauptbahnhof kam. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 125 Jahre Sihltalbahn 1892–2017. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. 2017. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Modernisierungsprogramm SZU 4.0. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Doppelspurausbau Wildpark-Höfli. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ SN4 Zürich HB–Adliswil–Langnau-Gattikon. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Bahnersatzverkehr zwischen Langnau-Gattikon und Sihlwald. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Geschäftsbericht 2024: Neue Züge für die Sihltalbahn. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 10,0 10,1 10,2 Die Geschichte der SZU. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Sihltalbahn S4: Streckensperrung Zürich HB–Selnau. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu S4 (S-Bahn Zürich)