Zürich Hauptbahnhof

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Zürich Hauptbahnhof
Offizieller Name Zürich HB
Frühere Bezeichnung Bahnhof Zürich
Bahnhofstyp Kopfbahnhof mit zwei unterirdischen Durchgangsbahnhöfen und einem unterirdischen SZU-Kopfbahnhof
Ort Zürich
Stadtkreis Kreis 1
Kanton Zürich
Staat Schweiz
Koordinaten 47° 22′ 41″ N, 8° 32′ 24″ O
Höhe etwa 408 m ü. M.
Eröffnung 7. August 1847
Heutiges Hauptgebäude 1865–1871
Architekt Jakob Friedrich Wanner
Betreiber Schweizerische Bundesbahnen; Bahnhof Zürich HB SZU: Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn
Personenverkehrsgleise 26
Oberirdische Gleise 3–18
Bahnhof Löwenstrasse Gleise 31–34
Bahnhof Museumstrasse Gleise 41–44
Bahnhof Zürich HB SZU Gleise 21–22
IBNR 8503000
Betriebsabkürzung ZUE
Tarifzone ZVV 110
Reisendenfrequenz durchschnittlich 410'700 Ein- und Aussteigende je Werktag (2024)
Website sbb.ch

Der Zürich Hauptbahnhof, offiziell Zürich HB und im Alltag meist kurz HB genannt, ist der grösste Bahnhof der Schweiz und der wichtigste Eisenbahnknoten des Landes. Er liegt am nördlichen Ende der Bahnhofstrasse im Zentrum der Stadt Zürich. Der Bahnhof verbindet den nationalen und internationalen Fernverkehr mit der S-Bahn Zürich, den regionalen Bahnlinien, der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn sowie dem dichten Tram- und Busnetz der Verkehrsbetriebe Zürich.

Die Gesamtanlage besteht aus dem oberirdischen Kopfbahnhof mit den Gleisen 3 bis 18, den unterirdischen Durchgangsbahnhöfen Museumstrasse und Löwenstrasse sowie dem unterirdischen Kopfbahnhof der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn. Zusammen verfügen diese Bahnhofsteile über 26 Personenverkehrsgleise.[1]

Zürich HB gehört zu den meistfrequentierten Verkehrsanlagen Europas. Für 2024 weisen die Schweizerischen Bundesbahnen durchschnittlich 410'700 Ein- und Aussteigende pro Werktag aus.[2] Darüber hinaus durchqueren täglich zahlreiche Passantinnen und Passanten die Ladenpassagen und die Haupthalle, ohne eine Bahnreise anzutreten.

Der 1847 eröffnete Bahnhof war der Ausgangspunkt der ersten vollständig auf Schweizer Gebiet gebauten Eisenbahnstrecke, der sogenannten Spanisch-Brötli-Bahn von Zürich nach Baden. Das heutige historische Hauptgebäude wurde von 1865 bis 1871 nach Plänen des Architekten Jakob Friedrich Wanner errichtet. Zusammen mit den späteren Erweiterungen gilt die Bahnhofsanlage als bedeutendes Denkmal der schweizerischen Verkehrs-, Technik- und Architekturgeschichte.

Name

Der Bahnhof hiess ursprünglich schlicht Bahnhof Zürich. Mit der Eingemeindung zahlreicher Vororte und der Entstehung der Grossstadt Zürich erhielt er 1893 die Bezeichnung Zürich Hauptbahnhof.

Im offiziellen Fahrplan und auf den Bahnhofsschildern wird die Kurzform Zürich HB verwendet. Anders als in Deutschland und Österreich wird die Abkürzung Hauptbahnhof in der Schweiz üblicherweise als HB und nicht als Hbf geschrieben.

Zürich ist der einzige Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen, dessen offizieller Name weiterhin ausdrücklich das Wort Hauptbahnhof enthält. Andere bedeutende Schweizer Bahnhöfe tragen in der Regel lediglich den Ortsnamen, etwa Bern, Basel SBB, Luzern oder Genève-Cornavin.

Die unterirdischen Bahnhofsteile besitzen zusätzliche Bezeichnungen:

  • Zürich HB Museumstrasse für die Gleise 41 bis 44;
  • Zürich HB Löwenstrasse für die Gleise 31 bis 34;
  • Zürich HB SZU für die Gleise 21 und 22.

Diese Namen dienen der Orientierung innerhalb der weitläufigen Anlage. Auf Fahrplänen und Fahrkarten erscheinen die Züge normalerweise dennoch unter dem gemeinsamen Haltepunkt Zürich HB.

Lage

Stadtzentrum

Der Hauptbahnhof befindet sich am nordwestlichen Rand der historischen Zürcher Altstadt. Er gehört zum Quartier City im Stadtkreis 1.

An der Südostseite des Bahnhofs liegt der Bahnhofplatz. Von dort führt die Bahnhofstrasse durch das Geschäftszentrum bis zum Zürichsee. Östlich des Bahnhofs befinden sich die Limmat, das Bahnhofquai und die Bahnhofbrücke. Auf der gegenüberliegenden Seite der Limmat beginnt das Niederdorf.

Nördlich des Bahnhofs liegen das Landesmuseum Zürich, der Platzspitz und der Zusammenfluss von Sihl und Limmat. Westlich schliessen die Sihl, die Europaallee und die Quartiere Aussersihl und Gewerbeschule an.

Die zentrale Lage macht den Bahnhof zu einem wichtigen Bindeglied zwischen der Altstadt, der Bahnhofstrasse, der Europaallee, dem Langstrassenquartier und dem nördlichen Stadtzentrum.

Sihl

Die Sihl durchquert das Bahnhofgebiet von Süden nach Norden. Der Fluss verläuft unter den Perrons und Gleisen des oberirdischen Bahnhofs durch mehrere Durchlässe.

Die Lage über der Sihl stellt hohe Anforderungen an Bau, Unterhalt und Hochwasserschutz. Bei Umbauten müssen sowohl die Tragwerke des Bahnhofs als auch der Wasserabfluss berücksichtigt werden.

Ein extremes Hochwasser der Sihl könnte erhebliche Teile des Zürcher Stadtzentrums und der unterirdischen Bahnhofanlagen gefährden. Bund, Kanton, Stadt und SBB entwickelten deshalb verschiedene Schutzmassnahmen und Notfallkonzepte.

Städtebauliche Wirkung

Der Bahnhof beeinflusste die Entwicklung Zürichs seit dem 19. Jahrhundert wesentlich. Mit seinem Bau verlagerte sich ein Teil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zentrums vom mittelalterlichen Stadtkern in Richtung Bahnhofplatz und Bahnhofstrasse.

Die Bahnhofstrasse wurde ab den 1860er-Jahren auf dem zugeschütteten Fröschengraben angelegt. Ihre Ausrichtung auf das Hauptportal des Bahnhofs schuf eine repräsentative städtische Achse.

Rund um den Bahnhof entstanden Hotels, Geschäftshäuser, Banken, Warenhäuser, Postgebäude und Verkehrsanlagen. Im Westen entwickelte sich ein ausgedehntes Bahn-, Industrie- und Arbeiterquartier.

Geschichte

Eisenbahnpläne vor 1847

Bereits in den 1830er-Jahren entstanden Pläne für Eisenbahnverbindungen zwischen Zürich, Basel und der Ostschweiz. Mehrere Vorhaben scheiterten zunächst an politischen, finanziellen und technischen Schwierigkeiten.

1845 bildete sich unter der Leitung des Zürcher Seidenindustriellen Martin Escher ein neues Eisenbahnkomitee. Daraus ging 1846 die Schweizerische Nordbahn hervor.

Als erster Abschnitt eines geplanten grösseren Netzes wurde die Strecke von Zürich durch das Limmattal nach Baden gebaut. Sie war die erste Eisenbahnstrecke, die vollständig auf dem Gebiet der Schweiz lag.

Erster Bahnhof von 1847

Der erste Zürcher Bahnhof entstand auf einem ehemaligen Schiessplatz zwischen Sihl und Limmat, ausserhalb der damaligen Stadtbefestigung. Die Bürgergemeinde Zürich stellte einen Teil des Geländes für den Bahnbau zur Verfügung.

Der Architekt Gustav Albert Wegmann entwarf das Aufnahmegebäude und die Bahnhofshallen. Die Gesamtanlage und die betrieblichen Abläufe wurden durch den Eisenbahningenieur Alois Negrelli geplant.

Der Bahnhof war eine symmetrische, spätklassizistische Anlage. Das vergleichsweise schlichte Hauptgebäude erinnerte an eine grosse Poststation. Neben den Personenanlagen bestanden Lokomotivremisen, Werkstätten, Güterschuppen und weitere Betriebsgebäude.

Am 7. August 1847 fand die feierliche Eröffnungsfahrt der Schweizerischen Nordbahn zwischen Zürich und Baden statt. Der öffentliche Fahrplanbetrieb begann zwei Tage später.[3]

Die Strecke erhielt bald den volkstümlichen Namen Spanisch-Brötli-Bahn. Der Überlieferung nach liessen wohlhabende Zürcher Familien die in Baden hergestellten Spanisch Brötli mit dem Zug nach Zürich bringen.

Nordostbahn

1853 fusionierte die Schweizerische Nordbahn mit der Zürich-Bodenseebahn zur Schweizerischen Nordostbahn. Unter der Führung von Alfred Escher entwickelte sie sich zu einer der wichtigsten privaten Eisenbahngesellschaften der Schweiz.

Das Streckennetz wuchs rasch. Von Zürich führten Bahnlinien in Richtung Winterthur, Romanshorn, Schaffhausen, Zug, Luzern, Chur und Basel.

Der kleine Bahnhof von 1847 konnte die steigenden Fahrgast- und Gütermengen bald nicht mehr bewältigen. Bereits wenige Jahre nach seiner Eröffnung begannen Planungen für einen wesentlich grösseren Neubau.

Bau des heutigen Hauptbahnhofs

Die Schweizerische Nordostbahn beauftragte ihren Chefarchitekten Jakob Friedrich Wanner mit der Planung eines neuen Bahnhofs. Die Bauarbeiten begannen 1865 und dauerten bis 1871.

Der neue Bahnhof entstand an derselben Stelle wie sein Vorgänger, war jedoch wesentlich grösser und repräsentativer. Die Anlage umfasste ein monumentales Aufnahmegebäude, eine grosse Gleishalle, Wartesäle, Restaurants, Verwaltungsräume und technische Einrichtungen.

Das Gebäude wurde im Stil der Neurenaissance und des Historismus gestaltet. Die Hauptfassade richtete sich auf den Bahnhofplatz und die neu angelegte Bahnhofstrasse aus.

Am 15. Oktober 1871 wurde der Neubau vollständig dem Verkehr übergeben. Er galt zu seiner Zeit als einer der grössten und modernsten Bahnhöfe Europas.[4]

Wachstum im späten 19. Jahrhundert

Der Bahnverkehr nahm nach 1871 stärker zu, als beim Bau vorausgesehen worden war. Neue Linien, dichtere Fahrpläne und längere Züge machten fortlaufende Erweiterungen notwendig.

Gleisanlagen, Perrons, Stellwerke und Betriebsgebäude wurden mehrfach umgebaut. Der Güterverkehr verlagerte sich zunehmend in besondere Anlagen ausserhalb des Personenbahnhofs.

1893 erhielt die Station im Zusammenhang mit der ersten grossen Zürcher Eingemeindung den Namen Zürich Hauptbahnhof.

Auf dem Bahnhofplatz wurde 1889 das von Richard Kissling geschaffene Alfred-Escher-Denkmal eingeweiht. Es erinnert an den Politiker, Unternehmer und Eisenbahnpionier, der die Entwicklung der Nordostbahn und des schweizerischen Eisenbahnnetzes entscheidend geprägt hatte.

Übergang an die SBB

Die Schweizerische Nordostbahn wurde 1902 verstaatlicht und in die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen eingegliedert.

Zürich HB entwickelte sich zum wichtigsten Knotenpunkt des staatlichen Bahnnetzes. Der Bahnhof verband die Ostschweiz, die Nordwestschweiz, die Zentralschweiz und das Mittelland.

Mit der Elektrifizierung der Zufahrtsstrecken verschwanden die Dampflokomotiven schrittweise aus dem Bahnhof. Die Umstellung verringerte Rauch und Russ, erforderte jedoch den Einbau von Fahrleitungen und neuen technischen Anlagen.

Ausbau der Perronanlagen

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Vorschläge für eine vollständige Neuordnung des Bahnhofs diskutiert. Dazu gehörten Durchgangsbahnhöfe, Hochbahnen, Tunnelstrecken und eine Verlegung der Anlage.

Letztlich wurde der bestehende Kopfbahnhof erweitert. 1930 nahm die neue Perronhalle westlich der historischen Haupthalle ihren Betrieb auf.[4]

Die Gleise wurden verlängert und die betrieblichen Einrichtungen modernisiert. Die historische Haupthalle verlor allmählich ihre ursprüngliche Funktion als eigentliche Gleishalle.

Die neue Perronhalle prägte den Bahnhof während des weiteren 20. Jahrhunderts. Sie wurde später mehrfach erneuert und an längere Züge sowie veränderte Sicherheits- und Komfortanforderungen angepasst.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Fahrgastzahlen und der Pendlerverkehr stark an. Zürich wuchs zu einem bedeutenden internationalen Wirtschafts- und Finanzzentrum.

Der Hauptbahnhof wurde laufend modernisiert. Personenunterführungen, Rolltreppen, Informationsanlagen und neue Verkaufsflächen sollten die steigenden Passantenströme bewältigen.

Gleichzeitig entstanden Pläne, Teile des historischen Hauptgebäudes abzubrechen und durch einen modernen Neubau zu ersetzen. Der zunehmende denkmalpflegerische Wert des Wanner-Baus und der öffentliche Widerstand verhinderten jedoch einen vollständigen Ersatz.

ShopVille

1970 wurde unter dem Bahnhofplatz das Einkaufs- und Passagensystem ShopVille eröffnet. Es verband den Bahnhof mit der Bahnhofstrasse, dem Bahnhofquai und mehreren Tramhaltestellen.

Die unterirdische Anlage war zugleich Teil eines Verkehrskonzepts, das Fussgängerinnen und Fussgänger von den stark befahrenen Strassen und Tramgleisen trennen sollte.

In den folgenden Jahrzehnten wurde ShopVille mehrfach erweitert. Heute umfasst das unterirdische Netz zahlreiche Ladenpassagen, Restaurants, Dienstleistungsbetriebe und Zugänge zu den verschiedenen Bahnhofsteilen.

Zürcher S-Bahn

Die Inbetriebnahme der S-Bahn Zürich im Mai 1990 veränderte den Hauptbahnhof grundlegend. Kernstück des neuen Systems war eine unterirdische Durchmesserlinie von Zürich HB über Stadelhofen nach Stettbach und in das Glattal.

Unter der Museumstrasse entstand der viergleisige Durchgangsbahnhof Museumstrasse. Von dort führt der Hirschengrabentunnel zum Bahnhof Stadelhofen. Anschliessend verläuft die Strecke durch den Zürichbergtunnel nach Stettbach.[5]

Mit der neuen Verbindung konnten viele S-Bahn-Züge den Hauptbahnhof durchfahren, anstatt dort wenden zu müssen. Dies erhöhte die Kapazität und verkürzte die Reisezeiten im regionalen Verkehr.

Gleichzeitig wurde die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn vom alten Bahnhof Selnau durch einen neuen Tunnel bis zum Hauptbahnhof verlängert. Unter dem Bahnhofplatz entstand der SZU-Bahnhof mit den Gleisen 21 und 22.

Die Gleise in der historischen Haupthalle wurden entfernt. Die grosse Halle entwickelte sich zu einem öffentlichen Begegnungs- und Veranstaltungsraum.

Durchmesserlinie Altstetten–Zürich HB–Oerlikon

Trotz des Erfolgs der ersten S-Bahn-Durchmesserlinie blieb der Zürcher Bahnknoten stark ausgelastet. Besonders die Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Oerlikon entwickelte sich zu einem Engpass.

Als zweite Durchmesserlinie entstand die Verbindung von Altstetten über Zürich HB nach Oerlikon. Ihr Herzstück ist der unterirdische Bahnhof Löwenstrasse mit den Gleisen 31 bis 34.

Vom Hauptbahnhof führt der Weinbergtunnel unter der Limmat, dem Hochschulquartier und dem Zürichberg nach Oerlikon. Westlich schliesst die Strecke über neue Brückenbauwerke an den Bahnhof Altstetten an.

Der Bahnhof Löwenstrasse und der Weinbergtunnel wurden am 15. Juni 2014 für den S-Bahn-Verkehr eröffnet.[6]

Seit Dezember 2015 nutzen auch zahlreiche Fernverkehrszüge die vollständige Ost-West-Verbindung. Der neue Durchgangsbahnhof entlastete den oberirdischen Kopfbahnhof und machte das zeitaufwendige Wenden verschiedener Züge überflüssig.[7]

Sanierung des Südtrakts

Von 2018 bis 2023 liessen die SBB den historischen Südtrakt umfassend sanieren. Das denkmalgeschützte Gebäude erhielt neue technische Anlagen, ein zusätzliches Dachgeschoss und erneuerte Geschäfts- und Gastronomieräume.

Fassaden, Dächer, Fenster, Stuckarbeiten und historische Innenräume wurden restauriert. Nach Angaben der SBB wurden unter anderem etwa 300 Deckenkassetten, 500 Stuckrosetten, 180 Torbögen sowie zahlreiche Figuren erneuert oder instand gesetzt.

Die Kosten betrugen rund 175 Millionen Franken. Der sanierte Südtrakt wurde im Herbst 2023 wieder vollständig für das Publikum geöffnet.[4]

Bahnhofsteile

Übersicht

Bahnhofsteil Gleise Bauform Hauptnutzung Inbetriebnahme
Oberirdischer Kopfbahnhof 3–18 Kopfbahnhof Nationaler und internationaler Fernverkehr, Interregio- und einzelne S-Bahn-Verbindungen heutige Grundanlage 1871; Perronhalle 1930
Bahnhof Zürich HB SZU 21–22 Unterirdischer Kopfbahnhof Sihltalbahn und Uetlibergbahn 1990
Bahnhof Löwenstrasse 31–34 Unterirdischer Durchgangsbahnhof S-Bahn und Fernverkehr auf der Durchmesserlinie Altstetten–Oerlikon 2014
Bahnhof Museumstrasse 41–44 Unterirdischer Durchgangsbahnhof S-Bahn-Verkehr über Stadelhofen 1990

Oberirdischer Kopfbahnhof

Der oberirdische Bahnhof besitzt die Gleise 3 bis 18. Die Gleise enden an Prellböcken in der Querhalle und sind von langen Perrons erschlossen.

Dieser Bahnhofsteil wird vor allem vom nationalen und internationalen Fernverkehr genutzt. Auch Interregio-, Regional- und einzelne S-Bahn-Züge verkehren hier.

Die sechzehn Gleise liegen unter einer grossen Perronhalle. Die Perrons sind über die Querhalle, mehrere Unterführungen und die Passage Sihlquai erreichbar.

Weil es sich um einen Kopfbahnhof handelt, müssen durchgehende Züge entweder die Fahrtrichtung wechseln oder auf einen der unterirdischen Durchgangsbahnhöfe ausweichen.

Bahnhof Museumstrasse

Der Bahnhof Museumstrasse liegt nördlich der historischen Haupthalle unter der Museumstrasse und dem Bereich beim Landesmuseum.

Er besitzt zwei Mittelperrons mit den Gleisen 41 bis 44. Über Rolltreppen, Treppen und Lifte ist er mit der Haupthalle, den Ladenpassagen und dem oberirdischen Bahnhof verbunden.

Die Züge fahren in östlicher Richtung durch den Hirschengrabentunnel nach Stadelhofen. Von dort führen die Strecken entlang des Zürichsees sowie durch den Zürichbergtunnel in das Glattal und das Zürcher Oberland.

In westlicher Richtung bestehen Verbindungen nach Hardbrücke, Altstetten und in das Limmattal.

Der Bahnhof Museumstrasse war der erste unterirdische Durchgangsbahnhof des Zürcher Hauptbahnhofs und bildete das zentrale Bauwerk der 1990 eröffneten S-Bahn.

Bahnhof Löwenstrasse

Der Bahnhof Löwenstrasse liegt unter dem südwestlichen Teil der Gesamtanlage. Er befindet sich rund 16 Meter unter dem oberirdischen Gleisfeld.

Die vier Gleise 31 bis 34 liegen an zwei breiten Mittelperrons. Grosszügige Treppen, Rolltreppen und Lifte verbinden sie mit den Passagen Gessnerallee und Sihlquai sowie den übrigen Bahnhofsteilen.

Östlich führt die Strecke durch den Weinbergtunnel nach Oerlikon. Westlich steigt sie über Rampen und Brücken zum Gleisfeld in Richtung Altstetten an.

Die leicht geneigte Gleislage unterstützt das Abbremsen einfahrender und die Beschleunigung ausfahrender Züge. Architektur, Beleuchtung und Materialwahl vermitteln einen einheitlichen, modernen Raumeindruck.

Der Bahnhof wird sowohl von S-Bahn- als auch von Fernverkehrszügen genutzt. Durchgehende Fernverkehrsverbindungen auf der Ost-West-Achse müssen dadurch im Hauptbahnhof nicht mehr die Fahrtrichtung wechseln.

Bahnhof Zürich HB SZU

Der unterirdische Bahnhof der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn liegt unter dem Bahnhofplatz. Er besitzt die Gleise 21 und 22.

Von hier verkehren die Züge der Sihltalbahn über Zürich Selnau und Zürich Giesshübel nach Langnau-Gattikon und weiter in Richtung Sihlwald. Die Uetlibergbahn führt über Zürich Binz, Triemli und Uitikon Waldegg auf den Uetliberg.

Der SZU-Bahnhof ist als Kopfbahnhof angelegt. Beide Linien verlassen die Station durch einen Tunnel in südwestlicher Richtung.

Die Integration der SZU in den Hauptbahnhof verbesserte 1990 die Umsteigemöglichkeiten wesentlich. Zuvor endeten die Züge im alten Bahnhof Selnau.

Architektur

Wanner-Bau

Das historische Hauptgebäude wurde von Jakob Friedrich Wanner als monumentaler Repräsentationsbau entworfen. Es gehört zu den bedeutendsten Bahnhofsgebäuden des schweizerischen Historismus.

Der Gebäudekomplex besteht aus dem Südtrakt am Bahnhofplatz, seitlichen Flügelbauten und der grossen Haupthalle. Die Fassaden sind symmetrisch gegliedert und mit Rundbogenöffnungen, Säulen, Pilastern, Gesimsen und Skulpturen geschmückt.

Als Baumaterial wurde unter anderem Sandstein aus der Region des oberen Zürichsees verwendet. Die repräsentative Gestaltung sollte die wirtschaftliche und technische Bedeutung der Nordostbahn zum Ausdruck bringen.

Das grosse Portal am Bahnhofplatz bildet den städtebaulichen Abschluss der Bahnhofstrasse. Oberhalb des Portals befinden sich eine Uhr und eine plastisch gestaltete Figurengruppe.

Südtrakt

Der Südtrakt ist der repräsentativste Teil des Bahnhofs. Er enthält die Verbindung zwischen Bahnhofplatz, Wannerhalle, Querhalle und Bahnhofstrasse.

Historisch befanden sich hier Wartesäle, Restaurants, Schalterhallen und Gesellschaftsräume verschiedener Wagenklassen. Die Ausstattung sollte den Reisenden Komfort bieten und zugleich die Stellung der Nordostbahn demonstrieren.

Durch zahlreiche Umbauten gingen Teile der ursprünglichen Gestaltung verloren. Die Generalsanierung von 2018 bis 2023 stellte viele historische Raumwirkungen und dekorative Elemente wieder her.

Heute befinden sich im Südtrakt unter anderem Gastronomie-, Verkaufs-, Gesundheits-, Dienstleistungs- und Büroräume.

Haupthalle

Die Haupthalle, auch Wannerhalle oder Bahnhofhalle genannt, war ursprünglich die eigentliche Gleishalle. Die Züge fuhren bis in den historischen Gebäudeteil ein.

Nach der Verlegung und Verlängerung der Perronanlagen wurde die Halle schrittweise von den Gleisen befreit. Heute ist sie ein grosser öffentlicher Innenraum.

Die Halle dient als Verbindung zwischen Bahnhofplatz, Bahnhofquai, Landesmuseum, Querhalle und den unterirdischen Passagen. Zugleich finden darin Märkte, Ausstellungen, Sportveranstaltungen, Feste und andere Grossanlässe statt.

Seit 1997 hängt unter dem Hallendach die farbige Skulptur L’Ange protecteur der französisch-schweizerischen Künstlerin Niki de Saint Phalle. Der schwebende Schutzengel gehört zu den bekanntesten Kunstwerken im Zürcher Hauptbahnhof.

Querhalle

Die Querhalle liegt zwischen der historischen Haupthalle und den oberirdischen Perrons. Sie ist eine der wichtigsten Verteilerflächen des Bahnhofs.

Von hier aus erreichen Reisende die Gleise 3 bis 18, die Unterführungen, die Passagen und verschiedene Dienstleistungsangebote.

Anzeigetafeln, Wegweiser und Zugangsanzeiger informieren über Abfahrten, Gleisänderungen und Anschlüsse. Wegen der hohen Fahrgastfrequenz muss der Raum grosse Personenströme aufnehmen können.

Perronhalle

Die Perronhalle überspannt die oberirdischen Gleise und Perrons. Ihre Grundform entstand beim Ausbau um 1930 und wurde später mehrfach verändert.

Die Stahlkonstruktion schützt Reisende vor Niederschlag und ermöglicht zugleich die Belüftung des grossen Gleisraums. Oberlichter und seitliche Öffnungen führen Tageslicht in die Halle.

Die Fahrleitungen, Signale, Informationssysteme und Sicherheitseinrichtungen wurden im Lauf der Zeit wiederholt modernisiert.

Denkmalpflege

Der historische Hauptbahnhof und bedeutende Erweiterungsbauten des 20. Jahrhunderts stehen unter Denkmalschutz. Die Anlage gilt als hochrangiges Zeugnis der schweizerischen Eisenbahn- und Stadtentwicklung.

Denkmalpflegerisch bedeutsam sind nicht nur die Fassaden, sondern auch Raumfolgen, Tragwerke, Innenausstattungen und technische Bauteile.

Umbauten müssen die Anforderungen eines stark frequentierten modernen Bahnhofs mit dem Schutz der historischen Substanz verbinden. Dies führt häufig zu aufwendigen Sonderlösungen.

Bahnbetrieb

Bedeutung im Schweizer Bahnnetz

Zürich HB ist der zentrale Knoten des Schweizer Eisenbahnnetzes. Ein grosser Teil der wichtigsten nationalen Fernverkehrslinien führt über den Bahnhof.

Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach:

  • Basel;
  • Bern;
  • Genf und Lausanne;
  • Luzern;
  • Zug;
  • Chur;
  • St. Gallen;
  • Schaffhausen;
  • Winterthur;
  • Biel;
  • Brig;
  • Interlaken;
  • Lugano;
  • Romanshorn.

Der Taktfahrplan ist so organisiert, dass zahlreiche Fern- und Regionalzüge ungefähr zur gleichen Zeit eintreffen und kurz darauf wieder abfahren. Dadurch entstehen Anschlüsse zwischen verschiedenen Landesteilen.

Verspätungen oder Störungen in Zürich können sich wegen der zentralen Stellung des Bahnhofs auf grosse Teile des schweizerischen Bahnnetzes auswirken.

Internationaler Verkehr

Zürich HB ist ein bedeutender internationaler Bahnhof. Regelmässige Direktverbindungen führen nach Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich.

Zum internationalen Angebot gehören je nach Fahrplan:

  • EuroCity-Züge nach Mailand, Bologna, Venedig oder Genua;
  • InterCity- und EuroCity-Verbindungen nach Stuttgart und München;
  • ICE-Verbindungen nach Basel, Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main, Hamburg oder Berlin;
  • TGV-Lyria-Verbindungen nach Paris;
  • Railjet- und EuroCity-Verbindungen nach Innsbruck, Salzburg, Wien oder Graz;
  • internationale Nachtzüge in verschiedene europäische Städte.

Das genaue Angebot verändert sich mit den jährlichen Fahrplanwechseln, Bauarbeiten und der Entwicklung des europäischen Nachtzugnetzes.

S-Bahn

Zürich HB ist das Zentrum der S-Bahn Zürich. Die meisten Linien des Netzes bedienen einen der vier Bahnhofsteile.

Die unterirdischen Durchgangsbahnhöfe ermöglichen direkte Verbindungen durch das Stadtzentrum. Dadurch müssen viele Züge nicht mehr im Hauptbahnhof wenden.

Die erste S-Bahn-Durchmesserlinie führt über den Bahnhof Museumstrasse und Stadelhofen. Die zweite verläuft über den Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel.

Einzelne S-Bahn-Linien beginnen oder enden weiterhin an den oberirdischen Gleisen.

Betriebsführung

Die Steuerung von Weichen, Signalen und Zugfahrten erfolgt durch elektronische Stellwerke und Betriebszentralen.

Wegen der dichten Zugfolge müssen Fahrpläne, Perronbelegungen und Rangierbewegungen präzise aufeinander abgestimmt werden.

Für Unterhalt und Erneuerung stehen nur begrenzte Zeitfenster zur Verfügung. Viele Arbeiten finden nachts oder bei laufendem Betrieb statt.

Störungen an Weichen, Signalen, Fahrleitungen oder Zügen können wegen der hohen Auslastung rasch zu Verspätungen und Gleisänderungen führen.

Anschlüsse an den Stadtverkehr

Der Hauptbahnhof ist von mehreren Tram- und Bushaltestellen umgeben. Dazu gehören:

  • Bahnhofplatz/HB;
  • Bahnhofstrasse/HB;
  • Bahnhofquai/HB;
  • Sihlquai/HB;
  • Sihlpost/HB;
  • Landesmuseum.

Von diesen Haltestellen führen Verbindungen in nahezu alle Stadtteile. Besonders wichtige Ziele sind Central, Bellevue, Paradeplatz, Stadelhofen, Oerlikon, Altstetten, Wiedikon, Enge, das Hochschulquartier und der Flughafen.

Die Haltestellen sind über oberirdische Fusswege und unterirdische Passagen mit dem Bahnhof verbunden. Die Verteilung auf mehrere Seiten der Anlage verringert die Konzentration der Fahrgäste an einem einzigen Ort.

Am Sihlquai befindet sich ausserdem eine Busstation für Fern- und Reisebusse.

ShopVille und Dienstleistungen

Einkaufszentrum

Unter dem Bahnhof und dem Bahnhofplatz liegt das Einkaufszentrum ShopVille. Es ist mit den Passagen Bahnhofstrasse, Gessnerallee, Löwenstrasse und Sihlquai verbunden.

Zum Angebot gehören Lebensmittelgeschäfte, Mode- und Fachgeschäfte, Apotheken, Bäckereien, Restaurants, Take-aways und zahlreiche Dienstleistungsbetriebe.

Weil Bahnhöfe besonderen Ladenöffnungsbestimmungen unterliegen, sind viele Geschäfte auch sonntags und an Feiertagen geöffnet. ShopVille ist deshalb nicht nur für Reisende, sondern auch für die Bevölkerung der Stadt und der Agglomeration von Bedeutung.[8]

Reiseangebote

Im Hauptbahnhof befinden sich ein SBB-Reisezentrum, Billettautomaten, Informationsstellen und Angebote des Zürcher Verkehrsverbunds.

Reisende können nationale und internationale Billette erwerben, Reservationen vornehmen und Auskünfte zu Fahrplänen, Abonnementen und Reisen erhalten.

Digitale Anzeigetafeln und die Bahnhofbeschilderung weisen den Weg zu den verschiedenen Gleisen, Ausgängen und Verkehrsmitteln.

Weitere Einrichtungen

Zum Dienstleistungsangebot gehören unter anderem:

  • Schliessfächer und Gepäckdienste;
  • Toiletten und Duschen;
  • Bahnhofapotheke und medizinische Einrichtungen;
  • Bankautomaten und Geldwechsel;
  • Tourist Information;
  • Polizei- und Sicherheitsstellen;
  • Velostationen und Veloverleih;
  • Restaurants und Veranstaltungsräume;
  • eine Bahnhofkirche.

Die Bahnhofkirche bietet einen Raum der Stille, Gespräche und seelsorgerische Unterstützung. Sie richtet sich an Menschen verschiedener religiöser und weltanschaulicher Hintergründe.

Barrierefreiheit

Die meisten öffentlichen Bereiche des Hauptbahnhofs sind über Lifte, Rampen oder Rolltreppen erreichbar.

Die unterirdischen Bahnhöfe verfügen über stufenlose Zugänge zu den Perrons. Auch zahlreiche oberirdische Perrons sind durch Lifte mit den Unterführungen verbunden.

Taktil-visuelle Markierungen, akustische Informationen und kontrastreiche Beschilderungen unterstützen Reisende mit Seh- oder Hörbehinderungen.

Wegen der historischen Bausubstanz und der komplexen räumlichen Struktur sind jedoch nicht alle Wege gleich direkt. Reisende mit eingeschränkter Mobilität sollten für Umstiege zwischen weit auseinanderliegenden Bahnhofsteilen genügend Zeit einplanen.

Kunst und öffentlicher Raum

Alfred-Escher-Denkmal

Vor dem Hauptportal steht das Alfred-Escher-Denkmal. Der Bildhauer Richard Kissling schuf es zu Ehren des Zürcher Politikers und Eisenbahnunternehmers Alfred Escher.

Das 1889 eingeweihte Denkmal zeigt Escher auf einem hohen Sockel. Weitere Figuren verweisen auf Eisenbahnwesen, Wirtschaft und technische Entwicklung.

Die Statue bildet den Mittelpunkt des Bahnhofplatzes und steht in der Sichtachse der Bahnhofstrasse.

Schutzengel

Der Schutzengel von Niki de Saint Phalle schwebt über der historischen Haupthalle. Die farbenfrohe, rund elf Meter hohe Figur wurde 1997 installiert.

Das Kunstwerk stellt einen deutlichen Kontrast zur historistischen Architektur des 19. Jahrhunderts dar. Es entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt und Erkennungszeichen des Bahnhofs.

Veranstaltungen

Die ehemalige Gleishalle wird regelmässig für öffentliche Veranstaltungen genutzt. Dazu zählen Märkte, Ausstellungen, Sportanlässe, kulturelle Präsentationen und saisonale Veranstaltungen.

Die zentrale Lage und die aussergewöhnliche Raumgrösse machen die Halle zu einem der meistfrequentierten Veranstaltungsorte der Schweiz.[9]

Die Nutzung als Veranstaltungsraum wird teilweise kontrovers beurteilt. Während Veranstaltungen die Halle beleben, können Aufbauten und grosse Besucherzahlen die Wege der Reisenden einschränken.

Bahnhof und Stadtentwicklung

Bahnhofstrasse

Die Entwicklung des Hauptbahnhofs ist eng mit der Geschichte der Bahnhofstrasse verbunden. Die neue Strasse schuf im 19. Jahrhundert eine direkte Verbindung vom Bahnhof zum Bürkliplatz und zum Zürichsee.

Entlang der Strasse entstanden Banken, Hotels, Warenhäuser und repräsentative Geschäftshäuser. Die Bahnhofstrasse entwickelte sich zu einer der bekanntesten Einkaufsstrassen der Schweiz.

Der Bahnhof fungiert bis heute als nördlicher Ausgangspunkt dieser städtischen Hauptachse.

Industrie- und Arbeiterquartiere

Westlich des Bahnhofs entstanden im 19. Jahrhundert Gleisanlagen, Werkstätten, Lagerhäuser und Industriebetriebe. In ihrer Nähe entwickelten sich dicht bebaute Wohnquartiere für Eisenbahn- und Industriearbeiter.

Die Eisenbahn trug wesentlich zum Wachstum von Aussersihl, Wiedikon, Industriequartier und Wipkingen bei. Diese Gemeinden wurden 1893 in die Stadt Zürich eingemeindet.

Die Trennung durch das grosse Gleisfeld beeinflusst die Stadtstruktur bis heute. Brücken, Unterführungen und neue Fuss- und Veloverbindungen sollen die Quartiere beidseits der Bahnanlagen besser miteinander verbinden.

Europaallee

Auf ehemaligen Bahn- und Postflächen südwestlich des Hauptbahnhofs entstand im frühen 21. Jahrhundert die Europaallee.

Das neue Stadtquartier umfasst Wohnungen, Büros, Läden, Gastronomie, Bildungsinstitutionen und öffentliche Plätze.

Die Europaallee erweiterte das Stadtzentrum westlich der Sihl und schuf neue Zugänge zum Hauptbahnhof. Zugleich wurde die grossflächige und hochpreisige Bebauung städtebaulich und gesellschaftlich kontrovers diskutiert.

Sicherheit

Der Zürcher Hauptbahnhof wird von der Transportpolizei, der Kantonspolizei, privaten Sicherheitsdiensten und Mitarbeitenden der SBB überwacht.

Videoanlagen, Notrufeinrichtungen, Brandmelder und Evakuationssysteme dienen dem Schutz der Reisenden und der Infrastruktur.

Besondere Herausforderungen entstehen durch die hohe Personendichte, die weitläufigen unterirdischen Anlagen, den dichten Zugverkehr und die Lage über beziehungsweise neben der Sihl.

Für medizinische Notfälle, Brände, technische Störungen und Evakuationen bestehen abgestimmte Einsatzpläne zwischen SBB, Polizei, Schutz und Rettung Zürich sowie weiteren Stellen.

Hochwasserschutz

Die Sihl besitzt ein grosses Einzugsgebiet und kann bei extremen Niederschlägen stark anschwellen.

Da der Fluss unter den Perrons des Hauptbahnhofs hindurchfliesst, besteht die Gefahr, dass Schwemmholz oder ungenügende Abflusskapazitäten einen Rückstau verursachen.

Ein schweres Hochwasser könnte nicht nur die oberirdischen Gleise, sondern auch ShopVille, die Durchgangsbahnhöfe und weitere Teile des Zürcher Untergrunds überfluten.

Der Kanton Zürich und seine Partner setzen deshalb auf Hochwasserprognosen, organisatorische Schutzmassnahmen und bauliche Projekte zur Verringerung des Risikos.

Bedeutung als Baudenkmal

Der Hauptbahnhof dokumentiert mehrere zentrale Phasen der schweizerischen Eisenbahngeschichte:

  • die Anfänge des Eisenbahnverkehrs ab 1847;
  • den Aufstieg der privaten Nordostbahn;
  • die repräsentative Bahnhofsarchitektur des 19. Jahrhunderts;
  • die Verstaatlichung der grossen Bahngesellschaften;
  • den Ausbau des elektrischen Bahnverkehrs;
  • die Entwicklung der Zürcher S-Bahn;
  • den Bau moderner unterirdischer Durchmesserlinien.

Die verschiedenen Gebäudeteile bilden kein einheitliches Bauwerk aus einer einzigen Epoche. Vielmehr entstand ein komplexes Ensemble aus historischen Fassaden, Hallen, Perrons, Brücken, Unterführungen, Tunneln und Ladenpassagen.

Gerade diese Überlagerung unterschiedlicher Bauphasen macht den Hauptbahnhof zu einem bedeutenden Zeugnis der technischen und städtebaulichen Entwicklung Zürichs.

Bedeutung für die Schweiz

Zürich HB ist weit mehr als ein lokaler Stadtbahnhof. Als wichtigster Umsteigeknoten verbindet er nahezu alle Regionen der Schweiz.

Der Bahnhof ermöglicht schnelle Reiseketten zwischen Ost- und Westschweiz, dem Tessin, der Zentralschweiz und dem Mittelland. Internationale Verbindungen binden die Schweiz an das europäische Bahnnetz an.

Für den Wirtschaftsraum Zürich besitzt der Bahnhof eine zentrale Bedeutung. Hunderttausende Pendlerinnen und Pendler erreichen über ihn täglich Arbeitsplätze, Bildungsinstitutionen, Einkaufs- und Freizeitangebote.

Der Hauptbahnhof ist zugleich Eingangstor zur Stadt, Einkaufszentrum, Treffpunkt, Veranstaltungsort und Baudenkmal. Kaum ein anderer Ort in der Schweiz verbindet Verkehr, Handel, Architektur und öffentliches Leben in vergleichbarer Weise.

Herausforderungen

Die hohe Auslastung des Hauptbahnhofs stellt Bahnunternehmen und Behörden vor dauerhafte Aufgaben.

Zu den wichtigsten Herausforderungen gehören:

  • weiteres Wachstum der Fahrgastzahlen;
  • knappe Kapazitäten auf den Zufahrtsstrecken;
  • kurze Umsteigezeiten zwischen weit auseinanderliegenden Gleisen;
  • Unterhalt bei laufendem Betrieb;
  • Schutz der historischen Bausubstanz;
  • Hochwasser- und Brandschutz;
  • Barrierefreiheit;
  • Steuerung grosser Personenströme;
  • Sicherheit und Aufenthaltsqualität;
  • Abstimmung zwischen Bahn-, Tram-, Bus-, Fuss- und Veloverkehr.

Der Ausbau einzelner Bahnhofsteile allein genügt nicht, da auch die anschliessenden Strecken, Knoten und Bahnhöfe genügend Kapazität besitzen müssen.

Besondere Bedeutung haben deshalb die langfristige Entwicklung des Bahnknotens Zürich, der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen sowie zusätzliche Kapazitäten zwischen Zürich und Winterthur.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1846 Gründung der Schweizerischen Nordbahn
7. August 1847 Feierliche Eröffnung des ersten Zürcher Bahnhofs und der Strecke Zürich–Baden
1853 Übergang des Bahnhofs an die Schweizerische Nordostbahn
1865 Beginn des Baus des heutigen Hauptgebäudes
15. Oktober 1871 Vollständige Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs von Jakob Friedrich Wanner
1889 Einweihung des Alfred-Escher-Denkmals auf dem Bahnhofplatz
1893 Umbenennung von Bahnhof Zürich in Zürich Hauptbahnhof
1902 Übergang an die Schweizerischen Bundesbahnen
1930 Inbetriebnahme der neuen Perronhalle
1970 Eröffnung von ShopVille unter dem Bahnhofplatz
Mai 1990 Eröffnung der S-Bahn Zürich und des Bahnhofs Museumstrasse
1990 Verlängerung der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn zum Hauptbahnhof
1997 Installation des Schutzengels von Niki de Saint Phalle
15. Juni 2014 Eröffnung des Bahnhofs Löwenstrasse und des Weinbergtunnels für die S-Bahn
Dezember 2015 Vollständige Inbetriebnahme der Durchmesserlinie für S-Bahn und Fernverkehr
2018–2023 Generalsanierung des historischen Südtrakts

Siehe auch

Literatur

  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.
  • Martin Heller, Barbara Jäggi: Zürich HB. Eine Geschichte des Hauptbahnhofs. Zürich.
  • Hans-Peter Bärtschi: Industriekultur im Kanton Zürich. Unterwegs zu 222 Schauplätzen des produktiven Schaffens. Rotpunktverlag, Zürich 2009.
  • Paul Fischer, Otto Businger: Spanischbrötlibahn. Baden–Zürich, 1847–1997. Baden-Verlag, Baden 1996.
  • Schweizerische Bundesbahnen: Veröffentlichungen zur Geschichte und Entwicklung des Bahnknotens Zürich.
  • Jakob Friedrich Wanner: Pläne und Entwürfe für den Bahnhof Zürich, 1865–1871.
  • Stadt Zürich: Spezialinventar der SBB-Bauten und -Anlagen in der Stadt Zürich.

Einzelnachweise

  1. Bahnhofplan Zürich HB. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Ein- und Aussteigende an Bahnhöfen. In: SBB Open Data. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. 175 Jahre Eisenbahn. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. 4,0 4,1 4,2 Zürich HB – Südtrakt: Die historische Pracht ist zurück. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. 2023-10-30. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Geschichte des Zürcher Verkehrsverbunds. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Durchmesserlinie Zürich: SBB gibt dem neuen Bahnhof den letzten Schliff. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Durchmesserlinie. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. ShopVille-Zürich Hauptbahnhof. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-07-23.
  9. Events im Zürich Hauptbahnhof. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-07-23.

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