S-Bahn Zürich

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S-Bahn Zürich
Alternativbezeichnung Zürcher S-Bahn
Verkehrsgebiet Grossraum Zürich und angrenzende Regionen
Kantone und Nachbargebiete Zürich, Aargau, Glarus, Schaffhausen, Schwyz, St. Gallen, Thurgau und Zug sowie angrenzende Gebiete Deutschlands
Eröffnung 27. Mai 1990
Linien 32 im Tagesnetz, Stand Fahrplanjahr 2026
Zentrale Knoten Zürich HB, Zürich Oerlikon, Zürich Stadelhofen, Winterthur, Zürich Flughafen, Uster, Wetzikon, Rapperswil, Dietikon und Thalwil
Grundtakt Meist 30 Minuten, auf wichtigen Strecken durch Linienüberlagerung 15 Minuten oder dichter
Spurweiten 1435 mm, auf der Forchbahn 1000 mm
Stromsystem Überwiegend 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom; Forchbahn 1200 V Gleichstrom
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Marktverantwortliches Verkehrsunternehmen Schweizerische Bundesbahnen
Weitere Betreiber Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn, Thurbo, Schweizerische Südostbahn, Aargau Verkehr und Forchbahn
Website zvv.ch

Die S-Bahn Zürich, meist als Zürcher S-Bahn bezeichnet, ist das regionale Eisenbahnsystem des Grossraums Zürich. Sie bildet das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich und verbindet die Stadt Zürich mit ihren Agglomerationen, den ländlichen Regionen des Kantons sowie Städten und Gemeinden in mehreren Nachbarkantonen.

Das Netz reicht unter anderem nach Aarau, Baden, Brugg, Zug, Einsiedeln, Linthal, Wil, Weinfelden, Schaffhausen und ins deutsche Waldshut-Tiengen. Die Linien S2 bis S42 werden von mehreren Eisenbahnunternehmen betrieben, erscheinen gegenüber den Fahrgästen jedoch als zusammenhängendes System des Zürcher Verkehrsverbunds.

Die Zürcher S-Bahn wurde am 27. Mai 1990 eröffnet. Ihr Kernstück bildeten der unterirdische Bahnhof Museumstrasse im Zürcher Hauptbahnhof, der Hirschengrabentunnel, der Bahnhof Zürich Stadelhofen, der Zürichbergtunnel und der neue Bahnhof Stettbach. Gleichzeitig nahm der Zürcher Verkehrsverbund seinen Betrieb auf.[1]

Im Unterschied zu einem System mit überwiegend im Hauptbahnhof endenden Vorortszügen wurden zahlreiche Linien als Durchmesserlinien gestaltet. Sie durchqueren Zürich und verbinden zwei ausserhalb des Zentrums gelegene Korridore. Dadurch entstanden umsteigefreie Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen der Agglomeration.

Mit dem Bahnhof Löwenstrasse und der Durchmesserlinie Altstetten–Zürich HB–Oerlikon erhielt die S-Bahn ab 2014 eine zweite unterirdische Nord-Süd-Verbindung durch den Hauptbahnhof. Zusammen mit den vier Teilergänzungen ermöglichte sie eine erhebliche Ausweitung des Angebots.

Begriff und Abgrenzung

Die Bezeichnung S-Bahn Zürich umfasst nicht nur Bahnlinien innerhalb der Stadt und des Kantons Zürich. Zum Netz gehören auch Linien, deren Endpunkte weit ausserhalb des Kantons liegen.

Entscheidend ist ihre Einbindung in das Zürcher S-Bahn-Konzept. Dazu gehören:

  • eine gemeinsame Liniennummerierung;
  • abgestimmte Taktfahrpläne;
  • Anschlüsse an Bus, Tram, Schiff und Seilbahnen;
  • einheitliche Fahrgastinformation;
  • der ZVV-Zonentarif innerhalb des Verbundgebiets;
  • Z-Pass-Angebote für Fahrten über die Verbundgrenze;
  • gemeinsam koordinierte Angebots- und Infrastrukturplanung.

Einzelne Streckenabschnitte werden gleichzeitig von Fernverkehrs-, Interregio-, Regionalexpress- und S-Bahn-Zügen genutzt.

Nicht jede regionale Eisenbahnlinie im Kanton Zürich ist vollständig in das klassische normalspurige S-Bahn-System integriert. Die meterspurige Forchbahn trägt dennoch die Linienbezeichnung S18 und ist tariflich sowie verkehrlich Teil des Netzes.

Verkehrsgebiet

Das Zentrum des Netzes bildet die Stadt Zürich. Von dort führen Eisenbahnstrecken sternförmig in nahezu alle Regionen des Kantons.

Die wichtigsten Verkehrsräume sind:

  • das Limmattal;
  • das Glatttal;
  • das Furttal;
  • das Zürcher Unterland;
  • das Weinland;
  • der Raum Winterthur;
  • das Tösstal;
  • das Zürcher Oberland;
  • das rechte und linke Zürichseeufer;
  • das Knonaueramt;
  • das Sihltal;
  • die Region Zimmerberg;
  • angrenzende Gebiete der Kantone Aargau, Glarus, Schaffhausen, Schwyz, St. Gallen, Thurgau und Zug.

Einzelne Linien führen über die Landesgrenze nach Deutschland. Die S36 verbindet Bülach mit Waldshut.

Das Netz erschliesst sowohl dicht bebaute Agglomerationsräume als auch ländliche Gebiete, Bergtäler und touristische Ziele.

Liniennetz

Im Fahrplanjahr 2026 umfasst das Tagesnetz 32 nummerierte Linien. Einige Linien verkehren ganztägig, andere nur während der Hauptverkehrszeiten oder auf einzelnen Streckenabschnitten.

Die Linienwege können aufgrund von Bauarbeiten, Fahrplanänderungen oder betrieblichen Massnahmen zeitweise abweichen.

Linie Linienweg im Fahrplanjahr 2026 Charakter
S2 Zürich Flughafen–Zürich HB–Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke Schnelle Durchmesserlinie über das linke Zürichseeufer
S3 Wetzikon–Effretikon–Zürich Stadelhofen–Zürich HB–Zürich Hardbrücke, einzelne Verbindungen bis Bülach Tangentiale Verbindung Zürcher Oberland–Glattal–Zürich
S4 Zürich HB–Adliswil–Langnau-Gattikon–Sihlwald Sihltalbahn der SZU
S5 Zug–Affoltern am Albis–Zürich HB–Uster–Pfäffikon SZ Lange Durchmesserlinie zwischen Zug und Obersee
S6 Baden–Regensdorf-Watt–Zürich Oerlikon–Zürich HB–Uetikon Verbindung von Furttal, Zürich und rechtem Seeufer
S7 Winterthur–Zürich Oerlikon–Zürich HB–Zürich Stadelhofen–Meilen–Rapperswil Schnelle Verbindung zwischen Winterthur und rechtem Zürichseeufer
S8 Winterthur–Wallisellen–Zürich HB–Thalwil–Pfäffikon SZ Durchmesserlinie über Glattal und linkes Seeufer
S9 Schaffhausen beziehungsweise Rafz–Zürich HB–Stettbach–Uster Verbindung des Zürcher Unterlands und Weinlands mit dem Oberland
S10 Zürich HB–Triemli–Uitikon Waldegg–Uetliberg Uetlibergbahn der SZU
S11 Wila beziehungsweise Sennhof-Kyburg oder Seuzach–Winterthur–Zürich Stadelhofen–Zürich HB–Dietikon beziehungsweise Aarau Hauptverkehrszeit- und Verstärkungslinie
S12 Schaffhausen beziehungsweise Wil–Winterthur–Zürich Stadelhofen–Zürich HB–Brugg Schnelle Ost-West-Durchmesserlinie
S13 Wädenswil–Einsiedeln Regionallinie der Schweizerischen Südostbahn
S14 Affoltern am Albis–Zürich Altstetten–Zürich HB–Zürich Oerlikon–Hinwil Durchmesserlinie zwischen Knonaueramt und Zürcher Oberland
S15 Rapperswil–Uster–Zürich HB–Oberglatt–Niederweningen Lange Durchmesserlinie vom Zürcher Oberland ins Wehntal
S16 Zürich Flughafen–Zürich HB–Herrliberg-Feldmeilen, einzelne Verbindungen bis Meilen Flughafenlinie zum rechten Zürichseeufer
S17 Dietikon–Bremgarten–Wohlen Meterspurige Bremgarten-Dietikon-Bahn von Aargau Verkehr
S18 Zürich Stadelhofen–Forch–Esslingen Meterspurige Forchbahn
S19 Koblenz–Dietikon–Zürich HB–Zürich Oerlikon–Pfäffikon ZH Hauptverkehrszeitlinie mit abschnittsweisem Betrieb
S20 Uerikon–Meilen–Zürich Stadelhofen–Zürich HB–Zürich Hardbrücke Hauptverkehrszeitlinie am rechten Zürichseeufer
S21 Regensdorf-Watt–Zürich Oerlikon–Zürich HB Hauptverkehrszeitlinie im Furttal
S23 Zürich HB–Zürich Stadelhofen–Winterthur Schnelle Verstärkungslinie in der Hauptverkehrszeit
S24 Zug–Zürich HB–Zürich Wipkingen–Zürich Flughafen–Winterthur–Schaffhausen beziehungsweise Weinfelden Durchmesserlinie über Wipkingen und Flughafen
S25 Zürich HB–Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke–Glarus–Linthal Schnelle Verbindung ins Glarnerland
S26 Winterthur–Bauma–Rüti ZH Regionallinie durch das Tösstal
S29 Winterthur–Stein am Rhein Regionallinie im Zürcher Weinland
S30 Winterthur–Frauenfeld–Weinfelden Verbindung Winterthur–Thurgau
S33 Winterthur–Schaffhausen Regionale Direktverbindung
S35 Winterthur–Wil SG Regionallinie über das Eulachtal
S36 Bülach–Waldshut Grenzüberschreitende Regionallinie
S40 Rapperswil–Pfäffikon SZ–Einsiedeln Regionallinie der Schweizerischen Südostbahn
S41 Winterthur–Bülach Regionale Querverbindung
S42 Zürich HB–Othmarsingen–Muri AG Hauptverkehrszeit- und Direktverbindung in den Kanton Aargau

Die Linienübersicht entspricht dem vom ZVV veröffentlichten Netz für das Fahrplanjahr 2026.[2]

Angebotskonzept

Taktfahrplan

Die meisten Linien verkehren grundsätzlich im Halbstundentakt. Durch die Überlagerung mehrerer Linien entsteht auf den stärker belasteten Strecken ein Viertelstundentakt oder ein noch dichteres Angebot.

Typische Angebotsformen sind:

  • halbstündliche Grundlinien;
  • zusätzliche Hauptverkehrszeitlinien;
  • schnellere Linien mit wenigen Zwischenhalten;
  • Regionalzüge mit Halt an allen Stationen;
  • städtische Streckenabschnitte mit mehreren überlagerten Linien.

Auf einzelnen Aussenästen besteht nur ein Stundentakt. Am Abend, am frühen Morgen und am Wochenende kann das Angebot vom Werktagsfahrplan abweichen.

Durchmesserlinien

Ein zentrales Merkmal sind die Durchmesserlinien. Sie enden nicht im Zürcher Hauptbahnhof, sondern fahren durch die Stadt weiter.

Beispiele sind:

  • S5 von Zug über Zürich nach Pfäffikon SZ;
  • S6 von Baden über Zürich nach Uetikon;
  • S7 von Winterthur über Zürich nach Rapperswil;
  • S8 von Winterthur über Zürich nach Pfäffikon SZ;
  • S12 von Brugg über Zürich und Winterthur nach Schaffhausen oder Wil;
  • S14 von Affoltern am Albis über Zürich nach Hinwil;
  • S15 von Niederweningen über Zürich und Uster nach Rapperswil.

Die Durchbindung vermindert die Zahl der wendenden Züge im Hauptbahnhof und schafft direkte Verbindungen zwischen den Regionen.

Schnell- und Regionalverbindungen

Auf mehreren Korridoren verkehren parallel langsamere und schnellere S-Bahn-Linien.

Die schnelleren Linien halten nur an bedeutenden Stationen. Die anderen bedienen sämtliche oder die meisten Zwischenhalte.

Dieses Prinzip erhöht die Reichweite des Systems und ermöglicht kürzere Reisezeiten aus weiter entfernten Regionen.

Zentrale Bahnhöfe

Zürich Hauptbahnhof

Der Zürich Hauptbahnhof ist der wichtigste Knoten des Netzes.

Die S-Bahn nutzt mehrere Bahnhofsteile:

Bahnhofsteil Lage und Funktion
Bahnhof Museumstrasse Unterirdischer Durchgangsbahnhof der ersten S-Bahn-Stammstrecke
Bahnhof Löwenstrasse Unterirdischer Durchgangsbahnhof der Durchmesserlinie
Oberirdische Gleise Endende S-Bahn-, Regional- und Fernverkehrszüge
SZU-Bahnhof Unterirdischer Kopfbahnhof für S4 und S10

Der Hauptbahnhof bietet Anschlüsse an Fernverkehr, Tram, Bus, Sihlquai-Busbahnhof und zahlreiche innerstädtische Fussverbindungen.

Zürich Stadelhofen

Der Bahnhof Zürich Stadelhofen ist einer der am stärksten belasteten Bahnhöfe der Schweiz.

Er verbindet die Stammstrecke aus dem Hirschengrabentunnel mit den Linien zum rechten Zürichseeufer und durch den Zürichbergtunnel nach Stettbach.

Der Bahnhof besitzt nur drei Gleise. Wegen der dichten Zugfolge gilt er als einer der wichtigsten Engpässe des Netzes.

Ein viertes Gleis und ein zusätzlicher Tunnel sollen die Kapazität erhöhen.

Zürich Oerlikon

Zürich Oerlikon ist der wichtigste Bahnknoten im Norden der Stadt.

Hier treffen Strecken aus Richtung:

  • Zürich Hauptbahnhof;
  • Zürich Flughafen;
  • Wallisellen;
  • Kloten;
  • Bülach;
  • Winterthur;
  • Regensdorf

aufeinander.

Der Bahnhof wurde im Zusammenhang mit der Durchmesserlinie erweitert und auf acht Gleise ausgebaut.

Winterthur

Der Bahnhof Winterthur ist das zweite grosse Zentrum der Zürcher S-Bahn.

Von Winterthur führen Linien in Richtung:

  • Zürich;
  • Flughafen;
  • Bülach;
  • Schaffhausen;
  • Stein am Rhein;
  • Frauenfeld;
  • Weinfelden;
  • Wil;
  • Tösstal.

Der Bahnhof dient zugleich dem nationalen Fernverkehr.

Zürich Flughafen

Der Bahnhof Zürich Flughafen liegt unter dem Flughafengebäude.

Er wird von mehreren S-Bahn- und Fernverkehrslinien bedient und verbindet den Flughafen direkt mit Zürich, Winterthur, Zug, Schaffhausen und weiteren Regionen.

Weitere Knoten

Weitere bedeutende Umsteigebahnhöfe sind:

  • Altstetten;
  • Hardbrücke;
  • Dietikon;
  • Thalwil;
  • Wädenswil;
  • Pfäffikon SZ;
  • Rapperswil;
  • Uster;
  • Wetzikon;
  • Effretikon;
  • Bülach;
  • Oberglatt;
  • Baden;
  • Brugg;
  • Schaffhausen;
  • Zug.

Stammstrecken und Tunnel

Erste Stammstrecke

Das Kernstück der 1990 eröffneten S-Bahn führt vom Hauptbahnhof durch den Hirschengrabentunnel nach Stadelhofen.

Von dort verzweigen sich die Linien:

  • entlang des rechten Zürichseeufers;
  • durch den Zürichbergtunnel nach Stettbach und weiter ins Glattal beziehungsweise Zürcher Oberland.

Der Bahnhof Museumstrasse liegt quer unter den oberirdischen Gleisen des Hauptbahnhofs.

Hirschengrabentunnel

Der Hirschengrabentunnel verbindet Zürich Hauptbahnhof mit Stadelhofen.

Vor seiner Eröffnung mussten Züge vom rechten Zürichseeufer im Kopfbahnhof Stadelhofen enden oder über eine längere Strecke fahren.

Der Tunnel ermöglichte erstmals eine direkte Verbindung des rechten Seeufers mit dem Hauptbahnhof und den westlichen Bahnstrecken.

Zürichbergtunnel

Der Zürichbergtunnel führt von Stadelhofen nach Stettbach.

Er schuf eine leistungsfähige Direktverbindung zwischen der Zürcher Innenstadt, dem Glattal und dem Zürcher Oberland.

Der Bahnhof Stettbach liegt teilweise unterirdisch am östlichen Tunnelportal.

Durchmesserlinie

Die Durchmesserlinie verbindet Altstetten, den Hauptbahnhof und Oerlikon.

Zu ihren wichtigsten Bauwerken gehören:

  • Bahnhof Löwenstrasse;
  • Weinbergtunnel;
  • Letzigrabenbrücke;
  • Kohlendreieckbrücke;
  • Ausbauten im Bahnhof Oerlikon.

Der Weinbergtunnel ist rund 4,8 Kilometer lang und verbindet den unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse mit Oerlikon.[3]

Die ersten S-Bahn-Züge befuhren die neue Strecke ab Juni 2014. Seit Dezember 2015 wird sie auch vom Fernverkehr vollständig genutzt.

Durch den Bahnhof Löwenstrasse verkehren täglich mehrere hundert Züge. Die Durchmesserlinie entlastet die älteren Gleisanlagen des Hauptbahnhofs und verbessert die betriebliche Stabilität des gesamten schweizerischen Bahnnetzes.

Wipkingerlinie

Die Strecke Zürich Hauptbahnhof–Wipkingen–Oerlikon war vor der Eröffnung des Weinbergtunnels die wichtigste Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Oerlikon.

Sie wird weiterhin von der S24 und weiteren Zügen genutzt. Der Bahnhof Zürich Wipkingen ist damit direkt an die S-Bahn angeschlossen.

Betreiber und Organisation

Zürcher Verkehrsverbund

Der ZVV plant und finanziert das Gesamtangebot des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich.

Zu seinen Aufgaben gehören:

  • strategische Angebotsplanung;
  • Tarifgestaltung;
  • Finanzierung;
  • Bestellung von Verkehrsleistungen;
  • Marketing;
  • Fahrgastinformation;
  • Qualitätskontrolle;
  • Koordination der Verkehrsunternehmen.

Der ZVV betreibt selbst keine Züge. Die Fahrleistungen werden von Eisenbahnunternehmen erbracht.

Schweizerische Bundesbahnen

Die SBB betreiben den grössten Teil der Zürcher S-Bahn und sind das marktverantwortliche Verkehrsunternehmen für das S-Bahn-System.

Sie sind unter anderem zuständig für:

  • Zugbetrieb auf den meisten Hauptlinien;
  • Lokomotiv- und Zugpersonal;
  • Fahrzeugunterhalt;
  • Betriebsführung;
  • Fahrgastinformation;
  • Zusammenarbeit mit Infrastruktur und Verkehrsleitung.

Der Kanton Zürich, der Bund und acht weitere Bestellerkantone schliessen mit der SBB Zielvereinbarungen über Qualität, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Fahrgastinformation ab.[4]

Weitere Eisenbahnunternehmen

Unternehmen Bedeutende Linien
Schweizerische Bundesbahnen Grosser Teil des normalspurigen Hauptnetzes
Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn S4 und S10
Thurbo Vor allem Regionallinien im Raum Winterthur, Weinland und Thurgau
Schweizerische Südostbahn S13 und S40
Aargau Verkehr S17
Forchbahn S18

Auf einzelnen Linien und Abschnitten können Fahrzeuge oder Personal verschiedener Unternehmen eingesetzt werden.

Tarif

Innerhalb des Zürcher Verkehrsverbunds gilt ein Zonentarif.

Der Fahrpreis richtet sich nicht nach einer einzelnen Bahnstrecke, sondern nach der Zahl der durchfahrenen Tarifzonen.

Ein ZVV-Billett gilt innerhalb der gelösten Zonen und seiner zeitlichen Gültigkeit grundsätzlich für:

  • S-Bahn;
  • Tram;
  • Bus;
  • Schiff;
  • Seilbahnen und weitere Verbundverkehrsmittel.

Die Stadtzonen 110 für Zürich und 120 für Winterthur zählen wegen ihres dichten Verkehrsangebots tariflich jeweils als zwei Zonen.[5]

Für Fahrten in angrenzende Tarifverbünde bestehen Z-Pass-Angebote. Sie verbinden den ZVV mit Nachbarverbünden in den Kantonen Aargau, Schwyz, Zug, Schaffhausen, St. Gallen und Thurgau.

Auf Strecken ausserhalb der Verbund- und Z-Pass-Gebiete gelten die nationalen Tarife des direkten Verkehrs.

Geschichte

Eisenbahnen vor der S-Bahn

Zürich entwickelte sich bereits im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten.

1847 wurde die Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Zürich und Baden eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten entstanden Strecken:

  • nach Winterthur;
  • ins Zürcher Oberland;
  • entlang beider Zürichseeufer;
  • nach Zug und Luzern;
  • durch das Limmattal;
  • ins Knonaueramt;
  • ins Sihltal;
  • durch das Tösstal;
  • nach Schaffhausen.

Die Bahnlinien wurden zunächst von verschiedenen privaten Gesellschaften gebaut und betrieben.

Mit dem Wachstum von Stadt und Agglomeration nahm der Pendlerverkehr stark zu. Der Zürcher Hauptbahnhof blieb jedoch ein Kopfbahnhof, in dem zahlreiche Regionalzüge endeten und die Fahrtrichtung wechseln mussten.

Vorläuferangebote

Vor 1990 bestanden bereits regelmässige Vorortszüge und dichte Regionalverbindungen.

Einzelne Strecken wurden elektrifiziert, mit zusätzlichen Gleisen ausgebaut und im Taktfahrplan betrieben.

Ein einheitliches Liniennetz, ein gemeinsamer Tarif und systematische Durchmesserlinien fehlten jedoch.

Planung

Seit den 1960er-Jahren wurden verschiedene Konzepte für den öffentlichen Verkehr im Grossraum Zürich untersucht.

Zur Diskussion standen:

  • eine U-Bahn;
  • der Ausbau des Tramnetzes;
  • neue Vorortsbahnen;
  • eine Kombination aus S-Bahn und Feinverteiler.

1973 lehnten die Stimmberechtigten von Kanton und Stadt Zürich ein umfassendes U- und S-Bahn-Projekt ab.

Danach wurde ein stärker auf den bestehenden Eisenbahnstrecken beruhendes S-Bahn-Konzept ausgearbeitet.

Die Planung sah einen neuen unterirdischen Durchgangsbahnhof im Hauptbahnhof, Tunnel nach Stadelhofen und Stettbach sowie abgestimmte Bus- und Bahnangebote vor.

Die Zürcher Stimmberechtigten genehmigten 1981 den kantonalen Kredit für das S-Bahn-Projekt.

Bau des Kernnetzes

Die Bauarbeiten dauerten rund neun Jahre.

Zu den bedeutendsten Projekten gehörten:

  • Bahnhof Museumstrasse;
  • Hirschengrabentunnel;
  • Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen;
  • Zürichbergtunnel;
  • Bahnhof Stettbach;
  • Doppelspurausbauten;
  • neue Stellwerke;
  • Verlängerung der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn zum Hauptbahnhof.

Der Kanton Zürich investierte rund 700 Millionen Franken in das Kernprojekt.[1]

Eröffnung 1990

Am 27. Mai 1990 nahm die Zürcher S-Bahn den fahrplanmässigen Betrieb auf.

Gleichzeitig wurde der Zürcher Verkehrsverbund aktiv. Er war der erste umfassende Verkehrsverbund der Schweiz.

Mit einem Billett konnten fortan Bahn, Tram, Bus und weitere öffentliche Verkehrsmittel innerhalb der gelösten Zonen genutzt werden.

Die S-Bahn führte ein leicht verständliches System nummerierter Linien ein. Zahlreiche Regionalzüge wurden durch den Hauptbahnhof hindurchgeführt.

Erste Teilergänzungen

Die Nachfrage übertraf die ursprünglichen Erwartungen.

Das Netz wurde deshalb in mehreren Teilergänzungen ausgebaut.

Zu den Massnahmen gehörten:

  • neue S-Bahn-Linien;
  • zusätzliche Züge in den Hauptverkehrszeiten;
  • Doppelspurausbauten;
  • verlängerte Perrons;
  • neue Bahnhöfe und Haltestellen;
  • dichtere Takte;
  • Ausbau von Park-and-Ride- und Bike-and-Ride-Anlagen;
  • bessere Busanschlüsse.

Nachtnetz

2002 nahm das ZVV-Nachtnetz seinen Betrieb auf.

In den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag verkehren Nacht-S-Bahnen und Nachtbusse. Das Angebot wird zusätzlich in Nächten vor bestimmten Feiertagen und bei Grossveranstaltungen geführt.

Seit 2021 ist kein besonderer Nachtzuschlag mehr erforderlich. Ein gewöhnlicher gültiger Fahrausweis genügt.[6]

Neue Fahrzeuggenerationen

Ab der Eröffnung setzte die SBB doppelstöckige Pendelzüge mit Lokomotiven der Reihe Re 450 ein.

Ab Mitte der 2000er-Jahre folgten die doppelstöckigen Triebzüge RABe 514.

Seit 2012 ergänzen Regio-Dosto-Züge des Typs RABe 511 die Flotte.

Die älteren Doppelstockpendelzüge wurden modernisiert und mit Niederflur-Zwischenwagen ergänzt.

Durchmesserlinie und vierte Teilergänzungen

2001 stimmte die Zürcher Bevölkerung dem kantonalen Beitrag zur Durchmesserlinie mit einer deutlichen Mehrheit zu.

Die Planungsarbeiten begannen 2002. Der Bahnhof Löwenstrasse und der Weinbergtunnel wurden im Juni 2014 für erste S-Bahn-Linien eröffnet.

Im Dezember 2015 ging die Durchmesserlinie vollständig in Betrieb.

Die vierte Teilergänzung wurde zwischen 2014 und 2018 in drei Etappen umgesetzt. Sie brachte den grössten Angebotsausbau seit der Eröffnung der S-Bahn.

Das Angebot wurde um rund 25 Prozent erweitert. Linien wurden neu verknüpft, verlängert oder in den Hauptverkehrszeiten verdichtet.[7]

Bis 2010 war die Zahl der S-Bahn-Fahrgäste gegenüber 1990 bereits um rund 150 Prozent gestiegen.

Fahrzeuge

Auf der Zürcher S-Bahn verkehren unterschiedliche Fahrzeugtypen.

Doppelstockpendelzug

Die klassischen Doppelstockpendelzüge, abgekürzt DPZ, wurden für die Eröffnung von 1990 beschafft.

Eine Einheit besteht beziehungsweise bestand typischerweise aus:

  • Lokomotive Re 450;
  • mehreren Doppelstockwagen;
  • Steuerwagen.

Insgesamt wurden 115 Einheiten gebaut. Die SBB setzen den grössten Teil ein, zwei Einheiten gehören der SZU.

Bei der Modernisierung erhielt jeder Zug einen neuen Doppelstock-Zwischenwagen mit Niederflureinstieg. Ältere Wagen wurden zu Hauptverkehrszeit-Doppelstockzügen zusammengestellt.

Die DPZ erreichen in den 2030er-Jahren das Ende ihrer vorgesehenen Lebensdauer.[8]

Doppelstocktriebzug RABe 514

Die SBB beschafften zwischen 2005 und 2009 insgesamt 61 Doppelstocktriebzüge des Typs RABe 514.

Die vierteiligen Fahrzeuge werden als DTZ bezeichnet.

Sie besitzen:

  • elektrische Antriebe über den gesamten Zug verteilt;
  • schnelle Beschleunigung;
  • breite Türen;
  • Niederflureinstiege;
  • Klimaanlage;
  • Fahrgastinformationssysteme.

DTZ können zu längeren Zugverbänden gekuppelt werden.

Regio-Dosto RABe 511

Seit 2012 verkehren Regio-Dosto-Züge des Typs RABe 511 von Stadler Rail.

Die SBB beschafften für die Zürcher S-Bahn zunächst 50 dieser Züge. Weitere Einheiten werden im übrigen Regionalverkehr eingesetzt.

Die RABe 511 besitzen:

  • vollständig niederflurige Einstiege;
  • hohe Beschleunigung;
  • breite Türen;
  • klimatisierte Fahrgasträume;
  • Mehrzweckbereiche;
  • moderne Fahrgastinformation.

Die Fahrzeuge werden vor allem auf langen und stark ausgelasteten Linien eingesetzt.

Einstöckige Fahrzeuge

Auf regionalen Aussenlinien verkehren auch einstöckige Triebzüge.

Dazu gehören:

  • Thurbo-Gelenktriebwagen;
  • FLIRT-Züge der Schweizerischen Südostbahn;
  • Fahrzeuge der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn;
  • meterspurige Triebzüge von Aargau Verkehr;
  • Forchbahnfahrzeuge.

Die unterschiedlichen Fahrzeugtypen sind an die Anforderungen ihrer Strecken angepasst.

Neue Fahrzeuggeneration

Die SBB planen eine neue Generation von Doppelstockzügen für die Zürcher S-Bahn.

Sie soll in den 2030er-Jahren ältere DPZ- und Hauptverkehrszeit-Züge ersetzen.

Bei der Beschaffung stehen insbesondere im Vordergrund:

  • hohe Kapazität;
  • schneller Fahrgastwechsel;
  • barrierefreier Einstieg;
  • energieeffizienter Betrieb;
  • zuverlässige Technik;
  • ausreichend Mehrzweckflächen;
  • Einsatz in langen Zugverbänden.

Barrierefreiheit

Die S-Bahn verkehrt auf fast allen Linien zumindest teilweise mit niederflurigen Fahrzeugen oder Niederflur-Zwischenwagen.

Die tatsächliche Zugänglichkeit hängt jedoch sowohl vom Fahrzeug als auch vom Bahnhof ab.

Ein vollständig niveaugleicher Einstieg erfordert:

  • geeignete Perronhöhe;
  • ausreichende Perronlänge;
  • stufenfreie Zugänge;
  • passende Fahrzeugtüren;
  • geringe Spaltbreite zwischen Zug und Perron.

Zahlreiche Bahnhöfe wurden im Rahmen des Behindertengleichstellungsgesetzes umgebaut.

Massnahmen umfassen:

  • höhere Perrons;
  • Rampen und Lifte;
  • taktile Leitlinien;
  • bessere Beleuchtung;
  • akustische und optische Fahrgastinformation;
  • hindernisfreie Billettautomaten.

Auf einzelnen Linien oder Stationen bleibt Unterstützung durch das Fahrpersonal oder eine Voranmeldung erforderlich.[9]

Betrieb

Offenes System

Die S-Bahn besitzt grundsätzlich keine Zugangssperren oder Drehkreuze.

Fahrgäste müssen vor der Abfahrt über einen gültigen Fahrausweis verfügen. Kontrollen finden in den Zügen und Bahnhöfen statt.

Zuglängen

Auf stark belasteten Linien verkehren während der Hauptverkehrszeiten lange Doppelstockzüge.

Je nach Fahrzeugtyp können mehrere Einheiten gekuppelt werden. Die maximale Zuglänge wird durch Perrons, Signalabstände und betriebliche Anforderungen begrenzt.

Pünktlichkeit

Die hohe Zugdichte stellt grosse Anforderungen an die Betriebsführung.

Verspätungen können sich insbesondere an folgenden Engpässen auf weitere Linien übertragen:

  • Bahnhof Stadelhofen;
  • Zürich Hauptbahnhof;
  • Zürich Oerlikon;
  • Strecke Zürich–Winterthur;
  • Bahnhof Winterthur;
  • eingleisige Abschnitte in den Aussenregionen.

Die SBB-Züge der Zürcher S-Bahn erreichten 2025 nach Angaben des ZVV eine hohe Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Aufgrund der Zielvereinbarung erhielt die SBB einen Qualitätsbonus.[4]

Betriebssteuerung

Der Bahnverkehr im Kernnetz der Zürcher S-Bahn wird von der SBB-Betriebszentrale am Flughafen Zürich gesteuert.

Die Betriebszentrale überwacht:

  • Zugfahrten;
  • Weichen und Signale;
  • Anschlüsse;
  • Störungen;
  • Bauarbeiten;
  • Fahrgastinformation;
  • Disposition von Fahrzeugen und Personal.

Bei grösseren Störungen werden Züge umgeleitet, vorzeitig gewendet oder durch Busse ersetzt.

Nachtnetz

Das Nachtangebot besteht aus Nacht-S-Bahnen mit Linienbezeichnungen wie SN1, SN5, SN7 oder SN11 sowie anschliessenden Nachtbuslinien.

Es verkehrt normalerweise in den Nächten:

  • Freitag auf Samstag;
  • Samstag auf Sonntag;
  • vor ausgewählten Feiertagen;
  • bei bestimmten Grossanlässen.

Die Linien sind auf Anschlüsse an zentralen Bahnhöfen ausgerichtet.

Wichtige Knoten des Nachtnetzes sind:

  • Zürich Hauptbahnhof;
  • Winterthur;
  • Stadelhofen;
  • Oerlikon;
  • Uster;
  • Wetzikon;
  • Dietikon;
  • Thalwil;
  • Pfäffikon SZ;
  • Bülach.

Bedeutung für Raum und Siedlung

Die Zürcher S-Bahn beeinflusste die Entwicklung des Kantons wesentlich.

Viele Gemeinden wurden zu attraktiven Wohnorten für Personen, die in Zürich, Winterthur oder anderen Zentren arbeiten.

Rund um Bahnhöfe entstanden:

  • Wohnquartiere;
  • Bürogebäude;
  • Einkaufszentren;
  • Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen;
  • Umsteigeanlagen;
  • Veloabstellplätze.

Die kantonale Raumplanung verfolgt das Ziel, einen grossen Teil des Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstums an gut erschlossenen Standorten aufzunehmen.

Die S-Bahn ermöglicht eine höhere Siedlungsdichte, ohne dass der gesamte zusätzliche Verkehr über das Strassennetz geführt werden muss.

Gleichzeitig kann eine bessere Erschliessung den Baudruck auf kleinere Gemeinden und Landschaftsräume erhöhen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die S-Bahn verbindet einen der grössten Arbeitsmärkte der Schweiz.

Sie ermöglicht tägliche Pendlerbewegungen zwischen Wohn-, Arbeits- und Bildungsorten.

Besonders wichtig ist sie für:

  • Zürcher Innenstadt;
  • Zürich West;
  • Oerlikon;
  • Flughafenregion;
  • Glattal;
  • Winterthur;
  • Limmattal;
  • Zürichseeufer;
  • Zürcher Oberland;
  • Hochschulen und Spitäler.

Unternehmen profitieren von einem grossen Einzugsgebiet für Arbeitskräfte.

Für zahlreiche Haushalte ermöglicht das dichte Angebot ein Leben ohne eigenes Auto oder mit geringerem Autogebrauch.

Umwelt und Energie

Der Schienenverkehr benötigt pro beförderter Person vergleichsweise wenig Fläche.

Nach Angaben des ZVV wird die Zürcher S-Bahn zu rund 90 Prozent mit Strom betrieben, der aus Wasserkraft stammt.[10]

Die tatsächliche Umweltwirkung hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Auslastung der Züge;
  • Herkunft des Bahnstroms;
  • Energieverbrauch der Fahrzeuge;
  • Bau und Unterhalt der Infrastruktur;
  • Verlagerung von Autofahrten auf den öffentlichen Verkehr;
  • Siedlungsentwicklung im Umfeld der Stationen.

Doppelstockzüge bieten auf begrenzter Zuglänge eine hohe Kapazität.

Bei der Modernisierung und Beschaffung neuer Fahrzeuge werden Bremsenergierückgewinnung, geringeres Gewicht und energieeffiziente Nebenanlagen berücksichtigt.

Veloverkehr

Viele Bahnhöfe besitzen Veloabstellanlagen und Velostationen.

Der Velotransport im Zug ist grundsätzlich möglich, kann jedoch während der Hauptverkehrszeiten eingeschränkt sein.

Auf den SBB-Doppelstocktriebzügen, Regio-Dosto, Thurbo-Fahrzeugen und FLIRT-Zügen befinden sich gekennzeichnete Mehrzweckbereiche.

Auf dem Abschnitt Uitikon Waldegg–Uetliberg der S10 ist der Velotransport nicht gestattet.[11]

Die Verbindung von Velo und S-Bahn besitzt insbesondere für Wege zwischen Wohnort und Bahnhof grosse Bedeutung.

Fahrgastentwicklung

Die Nachfrage stieg seit der Eröffnung stark.

Bis 2010 nahm die Zahl der S-Bahn-Fahrgäste gegenüber 1990 um rund 150 Prozent zu.[7]

Auch nach der COVID-19-Pandemie erreichte die Nachfrage wieder neue Höchststände. Im gesamten Zürcher Verkehrsverbund wurden 2025 rund 687 Millionen Fahrgäste gezählt. Damit verzeichnete der ZVV die höchste Fahrgastzahl seiner Geschichte.[12]

Die S-Bahn gehört zu den Bereichen mit besonders starkem Wachstum.

Die hohe Nachfrage führt während der Hauptverkehrszeiten auf mehreren Linien zu stark ausgelasteten Zügen.

Ausbauprojekte

S-Bahn 2G

Der ZVV und die SBB entwickeln unter der Bezeichnung S-Bahn 2G ein langfristiges Angebotskonzept für die zweite Generation der Zürcher S-Bahn.

Das Konzept unterscheidet zwei sich ergänzende Systeme:

  • eine innere S-Bahn;
  • eine Express-S-Bahn.

Die innere S-Bahn soll Zürich und den engeren Agglomerationsgürtel mindestens im Viertelstundentakt erschliessen. Ihre Fahrzeuge sollen auf kurze Wege und schnellen Fahrgastwechsel ausgerichtet sein.

Die Express-S-Bahn soll weiter entfernte Regionen mit weniger Zwischenhalten und kurzen Reisezeiten an die Zentren anbinden.[13]

Das Konzept kann nur schrittweise umgesetzt werden, da mehrere zentrale Bahnstrecken bereits vollständig ausgelastet sind.

Ausbau Bahnhof Stadelhofen

Der Bahnhof Stadelhofen soll ein viertes Gleis erhalten.

Vorgesehen sind unter anderem:

  • ein zusätzlicher unterirdischer Bahnhofsteil;
  • ein neuer Tunnel in Richtung Tiefenbrunnen;
  • neue Perron- und Zugangsanlagen;
  • Anpassungen an bestehenden Gleisen.

Der Ausbau soll die Kapazität und Stabilität des gesamten östlichen S-Bahn-Netzes verbessern.

MehrSpur Zürich–Winterthur

Die Strecke zwischen Zürich und Winterthur gehört zu den am stärksten belasteten Eisenbahnverbindungen der Schweiz.

Das Projekt MehrSpur Zürich–Winterthur umfasst insbesondere:

  • Brüttenertunnel;
  • zusätzliche Gleise und Verbindungen;
  • Ausbauten bei Dietlikon, Bassersdorf und Winterthur;
  • neue oder erweiterte Bahnhöfe;
  • Anpassungen für S-Bahn und Fernverkehr.

Der Brüttenertunnel soll zusätzliche Kapazität zwischen Zürich und Winterthur schaffen und die bestehenden Strecken entlasten.

STEP 2035

Der Ausbauschritt 2035 des Bundes enthält mehrere Projekte im Grossraum Zürich.

Dazu gehören:

  • Bahnhof Stadelhofen;
  • Brüttenertunnel;
  • Ausbauten im Raum Winterthur;
  • Verbesserungen auf weiteren Zufahrtsstrecken;
  • längere Perrons und zusätzliche Gleise.

Ob und in welchem Umfang das geplante S-Bahn-Angebot umgesetzt werden kann, hängt von den weiteren Beschlüssen des Bundes, den Projektierungen und der Finanzierung ab.[14]

Zimmerberg-Basistunnel 2

Der geplante zweite Zimmerberg-Basistunnel soll die Strecke südlich von Zürich entlasten.

Er ist vor allem für den Fernverkehr vorgesehen, kann aber indirekt zusätzliche Kapazitäten für die S-Bahn auf den bestehenden Strecken schaffen.

Serviceanlagen

Mit einer wachsenden Flotte steigt der Bedarf an Abstell-, Reinigungs- und Unterhaltsanlagen.

Die SBB und der Kanton Zürich prüfen langfristig zusätzliche Serviceanlagen. Als möglicher Standort im Zeithorizont bis 2050 wurde unter anderem Hinwil untersucht.

Herausforderungen

Kapazitätsengpässe

Mehrere Strecken und Bahnhöfe sind während der Hauptverkehrszeiten vollständig ausgelastet.

Zu den grössten Engpässen gehören:

  • Stadelhofen;
  • Zürich–Winterthur;
  • Zürich Hauptbahnhof;
  • Oerlikon;
  • einzelne Abschnitte am Zürichsee;
  • eingleisige Regionalstrecken.

Bis zur Fertigstellung grosser Ausbauprojekte sind nur begrenzte zusätzliche Angebote möglich.

Überfüllte Züge

Besonders stark belastet sind Verbindungen in den morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeiten.

Längere Züge können nur eingesetzt werden, wenn Perrons, Abstellanlagen und Stromversorgung dafür geeignet sind.

Doppelstockzüge erhöhen die Kapazität, benötigen beim Ein- und Aussteigen jedoch teilweise mehr Zeit als stark türbetonte einstöckige Fahrzeuge.

Zuverlässigkeit

Das dichte Netz besitzt nur geringe zeitliche Reserven.

Eine Störung an einem zentralen Ort kann zahlreiche Linien und auch den Fernverkehr betreffen.

Bauarbeiten müssen häufig nachts, an Wochenenden oder während mehrwöchiger Streckensperren ausgeführt werden.

Barrierefreiheit

Trotz grosser Fortschritte sind noch nicht alle Bahnhöfe und Fahrzeuge vollständig stufenfrei.

Historische Bahnhöfe, enge Platzverhältnisse und unterschiedliche Perronhöhen erschweren den Umbau.

Finanzierung

Der Betrieb und Ausbau werden durch Fahrgasteinnahmen sowie Beiträge von Bund, Kantonen und Gemeinden finanziert.

Grosse Infrastrukturprojekte benötigen lange Planungszeiten und politische Beschlüsse auf mehreren Ebenen.

Wachstum und Raumplanung

Eine bessere Bahnverbindung kann zusätzliche Siedlungsentwicklung auslösen.

Die Raumplanung muss deshalb Verkehr, Wohnungsbau, Landschaftsschutz und Infrastruktur aufeinander abstimmen.

Bedeutung

Die S-Bahn Zürich gilt als eines der erfolgreichsten integrierten Nahverkehrssysteme Europas.

Ihre Bedeutung beruht auf:

  • dem dichten Taktangebot;
  • den zahlreichen Durchmesserlinien;
  • der Verbindung von Stadt und Land;
  • dem gemeinsamen Tarif für verschiedene Verkehrsmittel;
  • den abgestimmten Anschlüssen;
  • der hohen Kapazität der Doppelstockzüge;
  • der Einbindung mehrerer Kantone;
  • ihrer Funktion als Grundlage der regionalen Siedlungsentwicklung.

Das System wurde zum Vorbild für weitere S-Bahn-Netze in der Schweiz.

Die Verbindung von leistungsfähigem Regionalverkehr und Verkehrsverbund beeinflusste insbesondere die Entwicklung der S-Bahnen in Bern, Basel, Luzern, St. Gallen und anderen Regionen.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1847 Eröffnung der Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Zürich und Baden
19. Jahrhundert Entstehung der meisten radialen Eisenbahnstrecken des späteren S-Bahn-Netzes
1960er-Jahre Beginn umfassender Planungen für den öffentlichen Verkehr im Grossraum Zürich
1973 Ablehnung eines kombinierten U- und S-Bahn-Projekts
1981 Zustimmung der Zürcher Stimmberechtigten zum kantonalen S-Bahn-Kredit
1981–1990 Bau von Bahnhof Museumstrasse, Hirschengraben- und Zürichbergtunnel sowie weiteren Anlagen
27. Mai 1990 Eröffnung der S-Bahn Zürich und Betriebsbeginn des Zürcher Verkehrsverbunds
1990er-Jahre Erste Ausbauten, neue Linien und Angebotsverdichtungen
2001 Zustimmung zum kantonalen Beitrag für die Durchmesserlinie
2002 Einführung des ZVV-Nachtnetzes
Ab 2005 Einsatz der Doppelstocktriebzüge RABe 514
2007–2008 Umsetzung weiterer Teilergänzungen und Angebotsausbauten
Ab 2012 Einsatz der Regio-Dosto-Züge RABe 511
Juni 2014 Eröffnung von Bahnhof Löwenstrasse und Weinbergtunnel für erste S-Bahn-Linien
Dezember 2015 Vollständige Inbetriebnahme der Durchmesserlinie
2014–2018 Umsetzung der vierten Teilergänzungen
Dezember 2018 Abschluss des grössten Angebotsausbaus seit 1990
2021 Abschaffung des besonderen Nachtzuschlags
Dezember 2022 Umstellung der Uetlibergbahn auf das übliche Wechselstromsystem
Dezember 2024 Wiederaufnahme des durchgehenden Betriebs der S24 über Wipkingen
2024 Ausschreibung einer neuen Doppelstock-Fahrzeuggeneration durch die SBB
2025 Erneuter Fahrgastrekord im Zürcher Verkehrsverbund
2026 Weiterführung der Planungen für S-Bahn 2G, Stadelhofen und MehrSpur Zürich–Winterthur
2030er-Jahre Vorgesehener Ersatz älterer Doppelstockpendelzüge und Umsetzung grosser Infrastrukturprojekte

Siehe auch

Literatur

  • Zürcher Verkehrsverbund: Die Zürcher S-Bahn. Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Zürich.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
  • Martin Bütikofer: Zürcher S-Bahn – Eine Idee setzt sich durch. Zürich.
  • Schweizerische Bundesbahnen und Kanton Zürich: Durchmesserlinie Zürich. Zürich.
  • Zürcher Verkehrsverbund: Vierte Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn. Zürich.
  • Zürcher Verkehrsverbund und Schweizerische Bundesbahnen: S-Bahn 2G – Die zweite Generation der Zürcher S-Bahn. Zürich.
  • Kanton Zürich: Strategieberichte des Zürcher Verkehrsverbunds. Zürich.
  • Schweizerische Bundesbahnen: Fahrzeuge der Zürcher S-Bahn. Bern.
  • Zürcher Verkehrsverbund: Geschäftsberichte. Zürich.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Zürcher Verkehrsverbund: Geschichte des ZVV, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Zürcher Verkehrsverbund: Linien der Zürcher S-Bahn, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Zürcher Verkehrsverbund: Durchmesserlinie, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Zürcher Verkehrsverbund: Zürcher S-Bahn 2025: pünktlich und zuverlässig, 2. März 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Zürcher Verkehrsverbund: Zonen- und Netzpläne, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Zürcher Verkehrsverbund: Nachtnetz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 Zürcher Verkehrsverbund: Vierte Teilergänzungen, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Schweizerische Bundesbahnen: SBB schreibt neue Doppelstockzüge aus, 12. Juni 2024, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Zürcher Verkehrsverbund: Stufenfreiheit bei der S-Bahn, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. Zürcher Verkehrsverbund: Klimafreundliche Mobilität, abgerufen am 23. Juli 2026.
  11. Zürcher Verkehrsverbund: Velo-Tickets und Velotransport, abgerufen am 23. Juli 2026.
  12. Zürcher Verkehrsverbund: Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 23. Juli 2026.
  13. Zürcher Verkehrsverbund: S-Bahn 2G, abgerufen am 23. Juli 2026.
  14. Zürcher Verkehrsverbund: Ausbauschritt 2035 im ZVV-Gebiet, abgerufen am 23. Juli 2026.