Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen
Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke in der Ostschweiz. Sie verbindet Winterthur im Kanton Zürich über Aadorf, Wil, Uzwil, Flawil und Gossau mit St. Gallen. Die rund 57 Kilometer lange Strecke gehört heute den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und bildet einen zentralen Abschnitt der schweizerischen West-Ost-Achse zwischen Zürich und der Ostschweiz.
Die Strecke wurde 1855 und 1856 in mehreren Etappen von der St. Gallisch-Appenzellischen Eisenbahn eröffnet. Bereits 1857 ging sie in den Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) auf. Mit der Verstaatlichung der VSB kam sie 1902 zu den SBB.[1]
| Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen | |
|---|---|
| Streckenanfang | Bahnhof Winterthur |
| Streckenende | Bahnhof St. Gallen |
| Länge | ca. 57,1 km |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Gleise | 2 |
| Fahrplanfeld | 850 |
| Eröffnung | 1855–1856 |
| Ursprüngliche Gesellschaft | St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn |
| Betreiber | SBB |
| Kantone | Zürich, Thurgau, St. Gallen |
Die Strecke ist nicht nur für den Regionalverkehr von Bedeutung. Sie wird auch von InterCity-, InterRegio- und internationalen Zügen genutzt und gehört damit zu den wichtigsten Eisenbahnverbindungen der Ostschweiz.
Geschichte
Planung einer Verbindung zwischen Winterthur und St. Gallen
Mit dem Beginn des Eisenbahnzeitalters in der Schweiz entstand in der Ostschweiz früh der Wunsch nach einer leistungsfähigen Bahnverbindung zwischen Zürich, Winterthur und St. Gallen.
Winterthur entwickelte sich in den 1850er Jahren zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten. Gleichzeitig bestand in der Region St. Gallen ein starkes wirtschaftliches Interesse an einer Verbindung zum entstehenden schweizerischen Eisenbahnnetz.
Die Linienführung war politisch nicht selbstverständlich. Insbesondere der Kanton Thurgau hatte eigene Interessen, da die Schweizerische Nordostbahn eine Verbindung von Winterthur über Frauenfeld nach Romanshorn errichtete. Die Strecke nach St. Gallen berührte zwischen Elgg und Wil ebenfalls thurgauisches Gebiet.
Schliesslich konnte die St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn die Verbindung über Wil, Flawil und Gossau nach St. Gallen verwirklichen.
Eröffnung in mehreren Etappen
Die Strecke wurde nicht an einem einzigen Tag eröffnet, sondern zwischen Oktober 1855 und März 1856 abschnittsweise in Betrieb genommen.[2]
Der Abschnitt Winterthur–Wil wurde am 14. Oktober 1855 eröffnet. Damit erhielt Wil erstmals eine Eisenbahnverbindung nach Winterthur und über die dort anschliessenden Strecken weiter in Richtung Zürich.
Am 25. Dezember 1855 folgte die Verlängerung von Wil nach Flawil.
Für den weiteren Bau mussten grössere Geländehindernisse überwunden werden. Nach Fertigstellung der Brücke über die Glatt wurde der Betrieb am 15. Februar 1856 bis Gossau aufgenommen.
Der letzte Abschnitt zwischen Gossau und St. Gallen folgte am 24. März 1856. Besonders anspruchsvoll war dabei die Querung des tief eingeschnittenen Sittertals westlich von St. Gallen.
Mit der Fertigstellung bestand erstmals eine durchgehende Eisenbahnverbindung von Winterthur nach St. Gallen.
St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn
Bauherrin der Strecke war die St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn. Sie gehörte zu den zahlreichen privaten Eisenbahngesellschaften, die während der ersten grossen Phase des schweizerischen Bahnbaus entstanden.
Die Gesellschaft bestand jedoch nur kurze Zeit als eigenständiges Unternehmen.
1857 fusionierte sie mit weiteren Bahngesellschaften zu den Vereinigten Schweizerbahnen (VSB).[1] Die Strecke Winterthur–St. Gallen wurde damit Teil eines grösseren Netzes, das sich von der Ostschweiz bis in das Alpenrheintal erstreckte.
Die VSB standen insbesondere im Raum Winterthur in Konkurrenz zur Schweizerischen Nordostbahn (NOB), die unter anderem die Verbindung über Frauenfeld nach Romanshorn betrieb.[1]
Übergang an die SBB
Die Vereinigten Schweizerbahnen gehörten zu den grossen Privatbahnen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstaatlicht wurden.
1902 gingen die VSB und damit auch die Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen in den Besitz der neu geschaffenen Schweizerischen Bundesbahnen über.[1]
Unter den SBB wurde die Strecke schrittweise modernisiert und den steigenden Anforderungen des Personen- und Güterverkehrs angepasst.
Doppelspurausbau
Die ursprünglich weitgehend eingleisige Strecke wurde im frühen 20. Jahrhundert abschnittsweise auf Doppelspur ausgebaut. Der Ausbau erfolgte über mehrere Jahre und war eine Voraussetzung für die steigende Zahl von Zügen auf der wichtigen Ost-West-Verbindung.
Zu den frühen Doppelspurabschnitten gehörten Teile der Strecke zwischen Wil und St. Gallen. Weitere Abschnitte folgten schrittweise.
Der Doppelspurausbau verbesserte die Kapazität erheblich, da sich entgegenkommende Züge nicht mehr an Bahnhöfen oder besonderen Kreuzungsstellen abwarten mussten.
Heute ist die Strecke zwischen Winterthur und St. Gallen durchgehend zweigleisig.
Elektrifizierung
Wie grosse Teile des schweizerischen Hauptbahnnetzes wurde die Strecke in den 1920er Jahren elektrifiziert.
Der elektrische Betrieb zwischen Winterthur und St. Gallen wurde 1927 aufgenommen.[2] Zum Einsatz kam das bei den SBB übliche System mit 15 Kilovolt Wechselspannung und einer Frequenz, die heute mit 16,7 Hertz angegeben wird.
Die Elektrifizierung bedeutete einen grundlegenden Wandel des Betriebs. Dampflokomotiven konnten im regulären Hauptverkehr zunehmend durch elektrische Lokomotiven und Triebwagen ersetzt werden.
Elektrische Züge ermöglichten insbesondere auf den Steigungsabschnitten vor St. Gallen einen leistungsfähigeren und wirtschaftlicheren Betrieb.
Streckenverlauf
Die Strecke beginnt im Bahnhof Winterthur, einem der wichtigsten Eisenbahnknoten im Kanton Zürich.
Von Winterthur führt sie zunächst in östlicher Richtung durch das Stadtgebiet. Bei Winterthur Grüze bestehen Verbindungen zu weiteren Strecken des Winterthurer Eisenbahnnetzes.
Über Winterthur Hegi erreicht die Linie das Gebiet der Gemeinde Elsau. Sie führt über Räterschen und Schottikon weiter nach Elgg.
Kurz nach Elgg überschreitet die Strecke die Kantonsgrenze zum Kanton Thurgau.
Abschnitt durch den Thurgau
Im Thurgau führt die Bahn über Aadorf, Guntershausen, Eschlikon und Sirnach nach Wil.
Die Strecke durchquert dabei nur den südlichen Teil des Kantons Thurgau. Dennoch besitzt sie für mehrere Gemeinden des Hinterthurgaus eine grosse Bedeutung im Pendlerverkehr nach Winterthur, Zürich, Wil und St. Gallen.
In Wil erreicht die Strecke wieder den Kanton St. Gallen.
Wil ist ein bedeutender Eisenbahnknoten. Hier bestehen unter anderem Anschlüsse an die Strecke nach Weinfelden sowie an die schmalspurige Frauenfeld-Wil-Bahn.
Wil–Uzwil
Östlich von Wil führt die Strecke zunächst über die Thur.
Die Bahn erreicht anschliessend Schwarzenbach SG und Algetshausen-Henau sowie danach Uzwil.
Die Linienführung bei Uzwil wird durch eine markante Kurve am Vogelsberg geprägt. Bereits während der Planung im 19. Jahrhundert war die genaue Linienführung in diesem Gebiet umstritten. Eine möglichst direkte Strecke hätte Uzwil ungünstig erschlossen, weshalb eine näher am Siedlungsgebiet verlaufende Trasse gewählt wurde.[2]
Die vergleichsweise enge Linienführung begrenzt bis heute die Geschwindigkeit auf diesem Streckenabschnitt.
Uzwil–Flawil–Gossau
Von Uzwil steigt die Strecke in Richtung Flawil an.
Zwischen Flawil und Gossau muss das Tal der Glatt überwunden werden. Bereits für die Eröffnung des Abschnitts im Jahr 1856 war deshalb der Bau einer grossen Eisenbahnbrücke erforderlich.
Am 15. Februar 1856 konnte der Verkehr bis Gossau aufgenommen werden, nachdem die Glattquerung fertiggestellt worden war.[3]
Der Bahnhof Gossau SG entwickelte sich später zu einem wichtigen Abzweig- und Umsteigebahnhof.
Seit 1876 führt von Gossau eine normalspurige Strecke über Bischofszell nach Sulgen. Seit 1913 besteht ausserdem die meterspurige Verbindung der Appenzeller Bahnen von Gossau über Herisau nach Appenzell und Wasserauen.
Gossau–St. Gallen
Der östliche Abschnitt zwischen Gossau und St. Gallen gehört topografisch zu den anspruchsvollsten Teilen der Strecke.
Von Gossau führt die Bahn in Richtung des westlichen Stadtgebiets von St. Gallen. Dabei erreicht sie St. Gallen Bruggen und muss kurz vor der Stadt das tief eingeschnittene Sittertal überqueren.
Die Sitterquerung stellte beim Bau der Strecke eine grosse ingenieurtechnische Herausforderung dar.
Nach dem Viadukt steigt die Strecke weiter in Richtung St. Gallen an. Der Bahnhof St. Gallen liegt auf rund 670 Metern über Meer und damit deutlich höher als Winterthur.
St. Gallen bildet den östlichen Endpunkt der hier beschriebenen Strecke. Die Bahnlinie wird jedoch betrieblich über weitere Strecken nach Rorschach, ins St. Galler Rheintal und in andere Teile der Ostschweiz fortgesetzt.
Sitterviadukt
Zu den bedeutendsten Kunstbauten der Bahnstrecke gehört der Sitterviadukt zwischen St. Gallen Bruggen und dem westlichen Teil der Stadt St. Gallen.
Bereits beim Bau der ersten Bahnverbindung musste das tiefe Sittertal mit einer grossen Brückenkonstruktion überwunden werden. Der ursprüngliche Viadukt gehörte zu den bemerkenswerten Eisenbahnbauten der frühen Schweizer Eisenbahngeschichte.
Die Konstruktionen wurden im Verlauf der Jahrzehnte den wachsenden Belastungen und dem Doppelspurbetrieb angepasst beziehungsweise ergänzt.
Der Übergang über die Sitter ist bis heute ein prägender Abschnitt der Bahnzufahrt nach St. Gallen.
Bahnhöfe und Haltestellen
Zu den heutigen wichtigen Bahnhöfen und Haltestellen entlang der Strecke gehören:
| Bahnhof oder Haltestelle | Kanton | Bedeutung |
|---|---|---|
| Winterthur | Zürich | Grosser Eisenbahnknoten und westlicher Endpunkt |
| Winterthur Grüze | Zürich | Verknüpfung mit weiteren Winterthurer Bahnstrecken |
| Winterthur Hegi | Zürich | S-Bahn-Haltestelle im Entwicklungsgebiet Neuhegi |
| Räterschen | Zürich | Regionalverkehr |
| Schottikon | Zürich | Regionalverkehr |
| Elgg | Zürich | Regionaler Bahnhof |
| Aadorf | Thurgau | Bedeutender Regionalbahnhof |
| Guntershausen | Thurgau | S-Bahn-Haltestelle |
| Eschlikon | Thurgau | Regionalverkehr |
| Sirnach | Thurgau | Regionalverkehr |
| Wil SG | St. Gallen | Bahnknoten und Übergang zur Frauenfeld-Wil-Bahn |
| Schwarzenbach SG | St. Gallen | Regionalverkehr |
| Algetshausen-Henau | St. Gallen | Regionalverkehr |
| Uzwil | St. Gallen | Wichtiger Regionalbahnhof |
| Flawil | St. Gallen | Regionalbahnhof |
| Gossau SG | St. Gallen | Bahnknoten Richtung Bischofszell und Appenzellerland |
| St. Gallen Bruggen | St. Gallen | Stadtbahnhof im Westen St. Gallens |
| St. Gallen | St. Gallen | Grosser Eisenbahnknoten und östlicher Endpunkt |
Nicht alle Fernverkehrszüge halten an sämtlichen Stationen. Die kleineren Haltestellen werden hauptsächlich durch Züge der Zürcher S-Bahn beziehungsweise der S-Bahn St. Gallen bedient.
Winterthur Hegi
Eine vergleichsweise junge Haltestelle ist Winterthur Hegi. Sie wurde im Dezember 2006 eröffnet und dient insbesondere der Erschliessung des stark gewachsenen Stadtgebiets Neuhegi.
Die Haltestelle verdeutlicht, dass die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Hauptstrecke auch im 21. Jahrhundert weiterhin an neue Siedlungs- und Verkehrsbedürfnisse angepasst wird.
St. Gallen Winkeln
Zwischen Gossau und St. Gallen Bruggen bestand früher der Bahnhof beziehungsweise die Haltestelle St. Gallen Winkeln.
Der Personenverkehr wurde dort im Zusammenhang mit der Neuorganisation des regionalen Bahnangebots eingestellt. Das Gebiet wird heute vor allem über andere öffentliche Verkehrsmittel erschlossen.
Die ehemalige Station bleibt jedoch für die Geschichte des Abschnitts Gossau–St. Gallen von Bedeutung.
Fernverkehr
Die Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen gehört zu den wichtigsten Fernverkehrsachsen der SBB.
Im Fahrplan 2026 verkehren auf der Strecke unter anderem Züge der Linien IC1, IC5 und IR13. Hinzu kommen einzelne internationale EuroCity-Verbindungen.[4]
Der IC1 verbindet St. Gallen über Winterthur, Flughafen Zürich und Zürich HB mit weiteren Teilen der Schweiz.
Der IC5 stellt ebenfalls schnelle Verbindungen zwischen St. Gallen, Winterthur, Zürich Flughafen und Zürich her und wird je nach Fahrplanlage in Richtung Westschweiz beziehungsweise nach Rorschach weitergeführt.[4]
Der IR13 verbindet die Ostschweiz über St. Gallen, Wil und Winterthur mit Zürich und führt in der Gegenrichtung über St. Gallen weiter in Richtung Sargans.[4]
Internationale Züge zwischen Zürich und München benutzen ebenfalls den Korridor zwischen Winterthur und St. Gallen.
S-Bahn-Verkehr
Neben dem Fernverkehr besitzt die Strecke eine wichtige Funktion für zwei S-Bahn-Systeme.
Westlich von Wil verkehren Linien der S-Bahn Zürich. Im Fahrplan 2026 bedienen insbesondere die Linien S12 und S35 Teile des Abschnitts Winterthur–Wil.[5]
Die S12 verbindet unter anderem Zürich und Winterthur mit Wil, während die S35 zwischen Winterthur und Wil verkehrt.[5]
Östlich von Wil bildet die Strecke einen zentralen Abschnitt der S-Bahn St. Gallen.
Die S1 verkehrt über Wil, Gossau und St. Gallen und wird über Romanshorn bis in Richtung Schaffhausen geführt.[5]
Auf dem Abschnitt zwischen Gossau und St. Gallen verkehren zusätzlich Züge der S5, die aus Richtung Weinfelden über Bischofszell und Gossau kommen und über St. Gallen weiter nach St. Margrethen fahren.[5]
Durch die Kombination von Fern- und Regionalverkehr entsteht insbesondere zwischen Wil, Gossau und St. Gallen ein dichtes Zugangebot.
Bedeutung für den Güterverkehr
Die Strecke hatte von Beginn an auch grosse Bedeutung für den Güterverkehr.
Die Industrialisierung der Regionen Winterthur, Wil, Uzwil, Flawil und St. Gallen wurde durch leistungsfähige Eisenbahnverbindungen unterstützt. Rohstoffe und Fertigwaren konnten wesentlich schneller und in grösseren Mengen transportiert werden als zuvor auf der Strasse.
Besonders die Textilindustrie der Ostschweiz und verschiedene Maschinenbauunternehmen profitierten vom Eisenbahnanschluss.
Auch heute wird die Strecke von Güterzügen genutzt. Ihre Bedeutung ergibt sich insbesondere aus ihrer Funktion als Verbindung zwischen dem Wirtschaftsraum Zürich und der Ostschweiz.
Bedeutung für Uzwil
Die Eisenbahn spielte eine wichtige Rolle bei der industriellen Entwicklung Uzwils.
Der Bahnhof ermöglichte Unternehmen der Region einen leistungsfähigen Zugang zum nationalen und internationalen Verkehrsnetz. Die Industrialisierung führte gleichzeitig zu einem starken Wachstum der Siedlungen entlang der Bahnstrecke.
Der Verlauf der Strecke durch Uzwil ist bis heute durch die bei der Planung gewählte kurvenreiche Linienführung geprägt.
Bedeutung für Gossau
Auch Gossau veränderte sich durch die Eisenbahn grundlegend. Der erste Bahnhof wurde 1856 eröffnet und lag beim heutigen Marktplatz.[3]
Mit der späteren Eröffnung der Strecke nach Sulgen sowie der Verbindung der Appenzeller Bahn entwickelte sich Gossau zu einem wichtigen regionalen Verkehrsknoten.
1913 wurde der Bahnhof an seinen heutigen Standort verlegt. Dadurch änderte sich auch die Linienführung im unmittelbaren Stadtgebiet.
Bedeutung für St. Gallen
Für St. Gallen war die Bahnverbindung nach Winterthur von ausserordentlicher wirtschaftlicher Bedeutung.
Die Stadt erhielt damit eine leistungsfähige Verkehrsverbindung nach Zürich und in die westlichen Teile der Schweiz. Dies war insbesondere während der Hochphase der St. Galler Textil- und Stickereiindustrie von grossem Wert.
Der Bahnhof St. Gallen entwickelte sich später zum Mittelpunkt eines weit verzweigten Eisenbahnnetzes mit Strecken nach Rorschach, Romanshorn, Wattwil, Appenzell und ins Rheintal.
Die Strecke aus Winterthur bildet bis heute die wichtigste direkte Eisenbahnzufahrt aus Richtung Zürich.
Tarifverbünde
Im Regionalverkehr durchquert die Strecke die Gebiete zweier grosser Tarifverbünde.
Der westliche Teil ist in den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) eingebunden. Im Raum Wil und in der Ostschweiz gilt der Tarifverbund OSTWIND.
Für Fahrten über Verbundgrenzen hinweg gelten die entsprechenden schweizerischen Tarife beziehungsweise durchgehende Billette.
Bedeutung im schweizerischen Eisenbahnnetz
Die Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen ist Teil einer der wichtigsten West-Ost-Verbindungen der Schweiz.
Gemeinsam mit den Strecken Zürich–Winterthur und St. Gallen–Rorschach beziehungsweise den anschliessenden Linien ins Rheintal verbindet sie den Wirtschaftsraum Zürich mit den Zentren der Ostschweiz.
Die Verbindung dient gleichzeitig mehreren Verkehrsarten:
- dem nationalen Fernverkehr zwischen der Ostschweiz, Zürich und der übrigen Schweiz;
- dem internationalen Verkehr zwischen der Schweiz und Süddeutschland;
- dem regionalen Pendlerverkehr;
- dem Verkehr der Zürcher S-Bahn;
- der S-Bahn St. Gallen;
- dem Güterverkehr.
Diese intensive Mehrfachnutzung stellt hohe Anforderungen an Fahrplan, Infrastruktur und Betriebsstabilität.
Ausbau und Modernisierung
Die Strecke wurde seit ihrer Eröffnung laufend modernisiert. Neben Doppelspurausbau und Elektrifizierung wurden Bahnhöfe erneuert, Sicherungsanlagen modernisiert, Perrons angepasst und verschiedene Streckenabschnitte für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut.
Ein Ziel moderner Ausbauprojekte auf dem Korridor Zürich–Winterthur–St. Gallen ist die Verbesserung von Kapazität und Fahrzeit.
Die Entwicklung der Strecke hängt dabei auch mit dem Ausbau des stark belasteten Abschnitts zwischen Zürich und Winterthur zusammen. Zusätzliche Kapazitäten westlich von Winterthur können langfristig auch Auswirkungen auf das Zugangebot in Richtung Wil und St. Gallen haben.
Gleichzeitig werden entlang der Strecke einzelne Bahnhöfe und Haltestellen auf ihre zukünftige Funktion im regionalen Bahnverkehr überprüft.
Historische Bedeutung
Die Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen gehört zu den frühen Hauptbahnen der Schweiz. Ihre vollständige Inbetriebnahme im Jahr 1856 erfolgte weniger als zehn Jahre nach der Eröffnung der Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Zürich und Baden.
Sie war ein wesentlicher Bestandteil der ersten grossen Ausbauphase des schweizerischen Eisenbahnnetzes und trug dazu bei, die Ostschweiz enger mit Zürich und dem Mittelland zu verbinden.
Die Geschichte der Strecke spiegelt zugleich wichtige Phasen der Schweizer Eisenbahngeschichte wider: den Bau durch private Bahngesellschaften, die Fusion zu grösseren Unternehmen, die Verstaatlichung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, den Doppelspurausbau, die Elektrifizierung und schliesslich die Entwicklung eines dichten Taktfahrplans.
Mehr als 170 Jahre nach der Eröffnung bildet die Strecke weiterhin das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs zwischen Winterthur, Wil und St. Gallen.
Siehe auch
- Bahnhof Winterthur
- Bahnhof Wil SG
- Bahnhof Uzwil
- Bahnhof Flawil
- Bahnhof Gossau SG
- Bahnhof St. Gallen
- Schweizerische Bundesbahnen
- Vereinigte Schweizerbahnen
- S-Bahn Zürich
- S-Bahn St. Gallen
- Bahnstrecke Zürich–Winterthur
- Bahnstrecke Sulgen–Gossau
- Eisenbahnverkehr in der Schweiz
Literatur
- Anton Heer: Rorschach–St. Gallen–Winterthur. Zwischen 170-jähriger Eisenbahngeschichte und Zukunft. Sabon-Verlag, St. Gallen 2006.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 1998.
- Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
- Historisches Lexikon der Schweiz: Artikel «Vereinigte Schweizerbahnen (VSB)».
Weblinks
- Schweizerische Bundesbahnen
- Tarifverbund OSTWIND
- Zürcher Verkehrsverbund
- Fahrplaninformationen des öffentlichen Verkehrs Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Historisches Lexikon der Schweiz: «Vereinigte Schweizerbahnen (VSB)», abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Anton Heer: Rorschach–St. Gallen–Winterthur. Zwischen 170-jähriger Eisenbahngeschichte und Zukunft. Sabon-Verlag, St. Gallen 2006.
- ↑ 3,0 3,1 Stadt Gossau: Die Eisenbahn kommt, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 SBB: Direktverbindungen Fernverkehr, Fahrplaninformationen 2026, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 SBB/OSTWIND: Liniennetzplan Zürcher S-Bahn/S-Bahn St. Gallen/S-Bahn Schaffhausen/S-Bahn Bodensee, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 9. August 2026.
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