Bahnhof Sirnach
| Bahnhof Sirnach | |
|---|---|
| Gemeinde | Sirnach |
| Bezirk | Münchwilen |
| Kanton | Thurgau |
| Staat | Schweiz |
| Betriebliche Art | Durchgangsbahnhof |
| Eigentümerin | SBB |
| Infrastrukturbetreiberin | SBB Infrastruktur |
| Bahnverkehr | SBB und Thurbo |
| Bahnstrecke | Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur |
| Bahnlinien | S12, S35 und SN22 |
| Buslinien | 734, 735 und 739 |
| Gleise | 2 |
| Perrongleise | 2 |
| Eröffnung | 14. Oktober 1855 |
| Elektrifizierung | 15. Mai 1927 |
| Höhenlage | 549 m ü. M. |
| Tarifzone | 915 (OSTWIND) |
| DiDok-Nummer | 6010 |
| UIC-Nummer | 8506010 |
| Betriebsstellenkürzel | SIR |
| Nachbarstationen | Eschlikon und Wil SG |
Der Bahnhof Sirnach ist ein Bahnhof in der politischen Gemeinde Sirnach im Bezirk Münchwilen des Kantons Thurgau. Er liegt an der Bahnstrecke Winterthur–Wil–St. Gallen und bildet den wichtigsten Knoten des öffentlichen Verkehrs in Sirnach und den umliegenden Ortschaften des Hinterthurgaus.
Der Bahnhof wird im Fahrplanjahr 2026 von der S12 und der S35 bedient. Beide Linien verkehren zwischen Winterthur und Wil zeitlich versetzt, sodass während des grössten Teils des Tages ein Halbstundentakt besteht. Die S12 fährt über Winterthur, Zürich und Baden weiter bis Brugg AG, während die S35 als Regionalverbindung zwischen Winterthur und Wil verkehrt. In den Wochenendnächten wird das Angebot durch die Nacht-S-Bahn SN22 ergänzt.[1]
Auf der Nordseite des Bahnhofs befindet sich ein regionaler Bushof. Von dort verkehren Buslinien nach Wil, Münchwilen, Fischingen, Bichelsee und in verschiedene Sirnacher Ortsteile. Das Bahnhofareal wurde 2004 sowie erneut 2019 umfassend modernisiert und hindernisfrei ausgebaut.
Der Bahnhof wurde am 14. Oktober 1855 gemeinsam mit der Bahnlinie zwischen Winterthur und Wil eröffnet. Der Anschluss an die Eisenbahn beeinflusste die wirtschaftliche und bauliche Entwicklung Sirnachs wesentlich. Rund um die Station entstanden Gewerbebetriebe, Gasthäuser, Wohnhäuser und später öffentliche Dienstleistungen.
Lage
Der Bahnhof befindet sich südlich des historischen Sirnacher Dorfzentrums zwischen der Wilerstrasse, der Bahnhofstrasse und der Fabrikstrasse. Das Gemeindezentrum mit Gemeindeverwaltung, Kirchen, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten ist zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar.
Die Bahnstrecke verläuft im Bahnhofbereich ungefähr von Nordwesten nach Südosten. In Richtung Nordwesten folgt der Bahnhof Eschlikon, in Richtung Südosten der Bahnhof Wil SG.
Sirnach liegt nur wenige Kilometer westlich von Wil und nahe der Kantonsgrenze zwischen Thurgau und St. Gallen. Der Bahnhof ist deshalb sowohl auf den Wirtschaftsraum Wil als auch auf Winterthur und Zürich ausgerichtet.
Die Station liegt auf einer Höhe von 549 Metern über Meer. Ihre geografischen Koordinaten betragen 47,461997 Grad nördlicher Breite und 9,000474 Grad östlicher Länge.
Die Bahnlinie trennt das Sirnacher Siedlungsgebiet in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Eine Personenunterführung verbindet beide Bahnhofseiten und dient gleichzeitig als Zugang zu den Perrons. Für den Fuss- und Veloverkehr besitzt die Unterführung daher auch ausserhalb des eigentlichen Bahnverkehrs eine wichtige Funktion.
Bahnhofanlage
Der Bahnhof besitzt zwei durchgehende Hauptgleise. Beide sind mit Perronkanten ausgestattet und werden vom regulären Personenverkehr benutzt.
| Gleis | Übliche Fahrtrichtung | Linien |
|---|---|---|
| 1 | Wil SG | S12 und S35 |
| 2 | Eschlikon, Winterthur, Zürich und Brugg AG | S12 und S35 |
Die tatsächliche Gleisbenutzung kann aus betrieblichen Gründen abweichen. Massgebend sind die elektronischen Anzeigen und Lautsprecherdurchsagen.
Die beiden Aussenperrons sind durch eine Personenunterführung miteinander verbunden. Der Zugang zur nördlichen Bahnhofseite befindet sich beim Aufnahmegebäude und beim Bushof. Der südliche Ausgang erschliesst die Wohn- und Gewerbegebiete südlich der Bahnstrecke.
Die Perronkanten besitzen eine Höhe von 55 Zentimetern über der Schienenoberkante. Dadurch ist bei den eingesetzten Niederflurtriebzügen ein weitgehend stufenfreier Einstieg möglich. Die erhöhten Perronbereiche wurden Mitte der 2000er-Jahre eingerichtet und waren insbesondere für die damals neuen Gelenktriebwagen von Thurbo erforderlich.[2]
Der Bahnhof wird ferngesteuert. Weichen, Signale und Sicherungsanlagen werden nicht mehr durch örtliches Personal bedient. Beide Hauptgleise gehören zur durchgehend doppelspurigen Strecke zwischen Aadorf und Wil.
Früher bestanden zusätzliche Güter-, Lade- und Abstellgleise. Ein ehemaliger Güterschuppen erinnert an die frühere Bedeutung des örtlichen Güterverkehrs.
Aufnahmegebäude
Das Aufnahmegebäude steht nördlich der Gleise an der Bahnhofstrasse. Es handelt sich um einen verputzten, mehrgeschossigen Bau mit Satteldach. Das Gebäude wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgebaut und erweitert.
Im Erdgeschoss befanden sich ursprünglich der Wartesaal, Diensträume, die Gepäckabfertigung und der Billettschalter. In den oberen Geschossen waren teilweise Wohnungen für Bahnpersonal untergebracht.
Im Rahmen der Bahnhofmodernisierung von 2004 wurde der Kiosk in den ehemaligen Wartesaal verlegt und deutlich vergrössert. Gleichzeitig entstand am Gleis 1 ein offener, teilweise verglaster Kunden- und Wartebereich mit Billettautomat und Fahrgastinformationen.[3]
Im Aufnahmegebäude befindet sich heute ein Avec-Geschäft. Es bietet Lebensmittel, Getränke, Reisebedarf und weitere Waren des täglichen Bedarfs an. Die Verkaufsstelle ist täglich geöffnet.[4]
Perrons und Personenunterführung
Die Personenunterführung stellt die Verbindung zwischen den beiden Perrons und den nördlich und südlich gelegenen Siedlungsgebieten her.
Der südliche Zugang wurde bereits 2001 mit finanzieller Beteiligung der Gemeinde offener gestaltet. Zusätzlich entstand ein Fussweg, der die Quartiere im Oberdorf sicherer mit dem Bahnhof und dem Ortszentrum verbindet.
Während der Modernisierung von 2004 wurde die Unterführung erneuert, heller beleuchtet und mit farbigen Wandbildern versehen. Ziel war es, den zuvor eher dunklen Durchgang freundlicher und sicherer zu gestalten.[3]
Die Perrondächer erhielten gleichzeitig einen neuen Anstrich und neue Beleuchtungskörper. Auch die nicht vollständig überdachten Perronabschnitte wurden mit zusätzlichen Leuchten ausgestattet.
Die Beleuchtung war besonders wichtig, weil längere Zugskompositionen einen grossen Teil der Perronlänge beanspruchen. Zudem wird der Perronbereich teilweise als Fussweg entlang der Bahnstrecke genutzt.
Ausstattung und Dienstleistungen
Der Bahnhof wird im Selbstbedienungsbetrieb geführt. Ein bedientes SBB-Reisezentrum besteht nicht.
Zur Ausstattung gehören:
- Billettautomaten,
- elektronische Abfahrtsanzeigen,
- Lautsprecheranlagen,
- gedeckte Wartebereiche,
- Sitzgelegenheiten,
- öffentliche Toiletten,
- überdachte Veloabstellplätze,
- P+Rail-Parkplätze,
- Kurzzeitparkplätze,
- ein Parkplatz für Menschen mit Behinderung,
- ein Mobility-Carsharing-Standort,
- eine Ladestation für Elektrofahrzeuge,
- ein Avec-Geschäft.
Der Bahnhof ist sowohl von der nördlichen als auch von der südlichen Seite zugänglich. Die wichtigsten Busanschlüsse, Kurzzeitparkplätze und Dienstleistungen befinden sich auf der Nordseite.
Die P+Rail-Anlage richtet sich vor allem an Pendlerinnen und Pendler aus den umliegenden Dörfern. Ein bedeutender Teil der Fahrgäste erreicht den Bahnhof jedoch zu Fuss, mit dem Velo oder mit einem der regionalen Busse.
Bahnverkehr
S12
Die S12 der S-Bahn Zürich verbindet Sirnach direkt mit Winterthur, Zürich, dem Limmattal und dem Kanton Aargau. Östlich von Winterthur wird die Linie in zwei stündlich bediente Äste aufgeteilt. Einer führt nach Schaffhausen, der andere über Elgg und Sirnach nach Wil SG.
Die Sirnach bedienenden Züge verkehren auf folgender Relation:
- S12: Brugg AG – Turgi – Baden AG – Wettingen – Neuenhof – Killwangen-Spreitenbach – Dietikon – Glanzenberg – Schlieren – Zürich Altstetten – Zürich Hardbrücke – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Stadelhofen – Stettbach – Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Hegi – Räterschen – Schottikon – Elgg – Aadorf – Guntershausen – Eschlikon TG – Sirnach – Wil SG
Die S12 hält in Sirnach grundsätzlich einmal pro Stunde. Die Fahrt nach Winterthur dauert ungefähr 30 Minuten, jene nach Zürich Hauptbahnhof rund eine Stunde. Wil wird in wenigen Minuten erreicht.[1]
Auf der S12 werden hauptsächlich Doppelstocktriebzüge des Typs RABe 511 Regio-Dosto eingesetzt. Die sechsteiligen Fahrzeuge verfügen über Niederflureinstiege, eine erste und zweite Klasse, Mehrzweckbereiche und eine rollstuhlgängige Toilette.
Sirnach ist die vorletzte Station der S12 vor Wil. Im Bahnhof Wil bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr nach St. Gallen, Zürich, Chur und in die Zentralschweiz sowie an die Regionalbahnen ins Toggenburg und nach Frauenfeld.
S35
Die S35 verbindet Winterthur und Wil und bedient sämtliche Zwischenstationen:
- S35: Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Hegi – Räterschen – Schottikon – Elgg – Aadorf – Guntershausen – Eschlikon TG – Sirnach – Wil SG
Die Linie verkehrt grundsätzlich einmal pro Stunde. Zusammen mit der S12 entsteht zwischen Winterthur, Sirnach und Wil ein Halbstundentakt.
Die S35 wird von der Regionalbahngesellschaft Thurbo betrieben. Zum Einsatz kommen überwiegend elektrische Niederflurtriebzüge. Die Fahrzeuge besitzen eine hohe Beschleunigung und eignen sich deshalb besonders für den Regionalverkehr mit kurzen Haltestellenabständen.[5]
Grundangebot
| Verbindung | Grundangebot | Direkte Linien |
|---|---|---|
| Sirnach–Wil SG | zwei Züge pro Stunde | S12 und S35 |
| Sirnach–Winterthur | zwei Züge pro Stunde | S12 und S35 |
| Sirnach–Zürich | ein direkter Zug pro Stunde | S12 |
| Sirnach–Baden–Brugg | ein direkter Zug pro Stunde | S12 |
Die Abfahrten von S12 und S35 sind zeitlich versetzt. Dadurch ergibt sich während des grössten Teils des Tages ein annähernder Halbstundentakt.
In den frühen Morgen- und späten Abendstunden können einzelne Züge nur auf Teilstrecken verkehren. Bei Bauarbeiten sind Ersatzbusse oder geänderte Abfahrtszeiten möglich.
Nachtverkehr
In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag wird der Bahnhof von der Nacht-S-Bahn SN22 bedient.
Die SN22 verbindet Sirnach über Eschlikon, Aadorf und Elgg mit Winterthur. Dort bestehen Anschlüsse an weitere Nacht-S-Bahn- und Nachtbuslinien des Zürcher Verkehrsverbunds und des Tarifverbunds OSTWIND.[1]
Der Nachtverkehr ermöglicht insbesondere die späte Rückreise aus Winterthur. Für einzelne Verbindungen kann ein Zuschlag oder ein besonderes Nachtangebot gelten, abhängig vom jeweils gültigen Tarifsystem.
Busverkehr
Der Bushof liegt unmittelbar beim Aufnahmegebäude auf der Nordseite der Bahnstrecke. Er verfügt über vier hindernisfrei ausgebaute Haltekanten.
Im Fahrplanjahr 2026 verkehren am Bahnhof Sirnach die Linien 734, 735 und 739:
| Linie | Verbindung | Funktion |
|---|---|---|
| 734 | Wil SG – Sirnach – Dussnang – Fischingen | Erschliessung des Murgtals und der Gemeinde Fischingen |
| 735 | Wil SG – Sirnach – Eschlikon – Balterswil – Bichelsee | Verbindung nach Eschlikon und in die Gemeinde Bichelsee-Balterswil |
| 739 | Münchwilen TG – Sirnach – Ebnet | Lokale und regionale Erschliessung im Raum Münchwilen–Sirnach |
Die Linie 734 verbindet Sirnach über Wiezikon und Dussnang mit dem Klosterdorf Fischingen. In Richtung Wil erschliesst sie Busswil und verschiedene Arbeitsplatz- und Schulstandorte.
Die Linie 735 führt von Wil über Sirnach, Eschlikon, Wallenwil und Balterswil nach Bichelsee. Sie bedient innerhalb Sirnachs unter anderem Gloten, Kläffler, Breite, Kett, Hofen und Rosenberg.[6]
Die Linie 739 stellt Verbindungen zum Bahnhof Münchwilen und zum Einkaufs- und Gewerbegebiet Ebnet her. Sie verkehrt auf Teilstrecken in einem dichteren Takt als die beiden regionalen Linien.
Die Fahrpläne der Buslinien sind auf die Züge in Richtung Winterthur und Wil abgestimmt. Wegen unterschiedlicher Verkehrsverhältnisse und teilweise kurzer Umsteigezeiten können die Anschlüsse jedoch nicht in jedem Fall garantiert werden.
Tarif
Der Bahnhof liegt in der Tarifzone 915 des Tarifverbunds OSTWIND. Innerhalb der gelösten Zonen können die Züge und Busse des Verbundgebiets benutzt werden.
Für Fahrten in den Zürcher Verkehrsverbund werden verbundübergreifende Fahrausweise oder Billette des nationalen Direkten Verkehrs angeboten. Das Generalabonnement und das Halbtax werden auf sämtlichen regulären Bahn- und Busverbindungen anerkannt.
Für Fahrten nach Wil kann je nach Reiseziel mehr als eine Tarifzone erforderlich sein. Reisende müssen deshalb bei Billettautomaten und digitalen Verkaufsstellen das tatsächliche Ziel und nicht nur die Anzahl der befahrenen Bahnstationen angeben.
Geschichte
Planung der Bahnstrecke
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Sirnach ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf an der Strassenverbindung zwischen Winterthur und Wil. Die Industrialisierung der Ostschweiz führte zu einem steigenden Bedarf an leistungsfähigen Transportwegen.
In den 1840er- und 1850er-Jahren entstanden verschiedene Projekte für eine Eisenbahn von Winterthur nach St. Gallen und zum Bodensee. Die Strecke sollte die Textil- und Maschinenindustrie der Ostschweiz mit Zürich und den übrigen Landesteilen verbinden.
Die Sankt Gallisch-Appenzellische Eisenbahn erhielt die Konzession für die Verbindung von Winterthur über Wil nach St. Gallen und Rorschach. Der Bau begann in den frühen 1850er-Jahren.
Die Linienführung durch Sirnach war wegen der Lage zwischen den Hügelzügen des Hinterthurgaus günstiger als alternative Varianten. Dennoch waren mehrere Dämme, Einschnitte, Brücken und Entwässerungsanlagen erforderlich.
Eröffnung 1855
Der Abschnitt Winterthur–Wil wurde am 14. Oktober 1855 eröffnet. Sirnach erhielt dabei eine eigene Station.
Der erste Bahnhof bestand aus einem Aufnahmegebäude, dem Hausperron, einem Kreuzungsgleis und Einrichtungen für den Güterverkehr. Zur Anlage gehörten ausserdem ein Güterschuppen, Ladeplätze und Nebenbauten.
Der Bahnanschluss verkürzte die Reisezeiten nach Winterthur und Wil erheblich. Personen, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Textilien, Holz, Brennstoffe und andere Waren konnten nun schneller transportiert werden.
Die Station lag damals ausserhalb des dicht bebauten Dorfkerns. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Siedlung jedoch in Richtung Bahnhof.
Vereinigte Schweizerbahnen
Die Sankt Gallisch-Appenzellische Eisenbahn ging 1857 gemeinsam mit weiteren Gesellschaften in den Vereinigten Schweizerbahnen auf.
Diese betrieben die Strecke zwischen Winterthur, Wil und St. Gallen während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sirnach entwickelte sich zu einem wichtigen regionalen Zwischenbahnhof.
Neben dem Personenverkehr besass der Güterverkehr eine erhebliche Bedeutung. Verladen wurden unter anderem:
- landwirtschaftliche Erzeugnisse,
- Holz und Baustoffe,
- Kohle und andere Brennstoffe,
- Textilien und Maschinen,
- Stückgut für lokale Gewerbebetriebe.
Mit dem Bahnhof entstanden in seiner Umgebung Gasthäuser, Lagerhäuser und industrielle Betriebe. Der Bahnhofbereich entwickelte sich damit zu einem zweiten wirtschaftlichen Schwerpunkt neben dem historischen Dorfzentrum.
Übergang an die SBB
Im Zuge der Verstaatlichung der grossen Schweizer Privatbahnen gingen die Vereinigten Schweizerbahnen 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.
Die SBB erweiterten den Bahnhof und passten ihn an das zunehmende Verkehrsaufkommen an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden zusätzliche Gleise, verbesserte Perronanlagen und neue Sicherungseinrichtungen.
Der Bahnhof war mit Personal besetzt. Zu dessen Aufgaben gehörten:
- Verkauf von Billetten,
- Abfertigung von Gepäck und Gütern,
- Bedienung der Weichen und Signale,
- Überwachung der Zugfahrten,
- Annahme und Ausgabe von Stückgut,
- Betreuung der Reisenden.
Doppelspurausbau
Die steigende Zahl von Personen-, Schnell- und Güterzügen führte zu einem schrittweisen Doppelspurausbau der Hauptstrecke.
Der Abschnitt Wil–Aadorf und damit auch der Bahnhofbereich Sirnach wurden zwischen 1911 und 1913 auf Doppelspur ausgebaut. Im Zusammenhang mit den Arbeiten entstanden neue Unterführungen, Durchlässe und Entwässerungsanlagen.[7]
Der Doppelspurausbau erhöhte die Leistungsfähigkeit der Strecke. Züge konnten sich nun unabhängig von den Bahnhofsgleisen begegnen, und die Fahrplanstabilität verbesserte sich.
Elektrifizierung
Am 15. Mai 1927 nahmen die SBB den elektrischen Betrieb auf der Strecke Winterthur–Wil–St. Gallen auf.
Die Fahrleitung wurde mit 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16⅔ Hertz gespeist. Die Frequenz wurde später auf die heutige Nennfrequenz von 16,7 Hertz vereinheitlicht.
Mit der Elektrifizierung endete der reguläre Dampfbetrieb. Elektrische Lokomotiven und Triebwagen ermöglichten:
- kürzere Fahrzeiten,
- bessere Beschleunigung,
- höhere Zuggewichte,
- einen wirtschaftlicheren Betrieb,
- weniger Rauch und Russ im Bahnhofbereich.
Modernisierung des Betriebs
Während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die mechanischen Sicherungsanlagen schrittweise durch elektrische Stellwerke ersetzt.
Mit der Einführung der Fernsteuerung entfiel die ständige örtliche Bedienung von Weichen und Signalen. Gleichzeitig wurden Billettverkauf, Gepäckabfertigung und Güterverkehr reduziert.
Der lokale Güterverkehr verlor durch den zunehmenden Strassentransport an Bedeutung. Mehrere Lade- und Abstellgleise wurden stillgelegt oder zurückgebaut. Der Personenverkehr nahm dagegen aufgrund des wachsenden Pendlerverkehrs weiter zu.
Integration in die regionalen Verkehrsnetze
Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich im Jahr 1990 und dem späteren Aufbau der S-Bahn St. Gallen wurden die Regionalzüge auf der Strecke Winterthur–Wil in neue Linienkonzepte integriert.
Liniennummern, Endpunkte und Betreiber wechselten im Verlauf der Fahrplanperioden mehrfach. Thurbo übernahm einen zunehmenden Teil der Regionalverkehrsleistungen.
Seit der Neuordnung des Zürcher S-Bahn-Netzes im Dezember 2018 fährt die S12 stündlich über Winterthur hinaus nach Wil. Gemeinsam mit der S35 entsteht dadurch ein Halbstundentakt.
Die direkte S12-Verbindung nach Zürich, Baden und Brugg stärkte die Bedeutung des Bahnhofs für den überregionalen Pendlerverkehr.
Modernisierung 2004 und 2005
Zu Beginn der 2000er-Jahre wurde der Bahnhof im Rahmen des SBB-Programms «Facelifting Stationen» umfassend erneuert. Mit diesem Programm modernisierten die SBB schweizweit rund 620 Regionalbahnhöfe.[3]
Die Arbeiten in Sirnach umfassten:
- Verlegung und Vergrösserung des Kiosks,
- Einrichtung eines neuen Kunden- und Wartebereichs,
- neue Fahrgastinformationen,
- Erneuerung der Perrondächer,
- Verbesserung der Beleuchtung,
- Neugestaltung der Personenunterführung,
- Verbesserung der südlichen Fusswegverbindung,
- Erhöhung der Perrons auf 55 Zentimeter.
Die gesamte Bausumme des ersten Modernisierungspakets belief sich auf rund 1,2 Millionen Franken.
Die Gemeinde Sirnach beteiligte sich an der Perronerhöhung. An der Gemeindeversammlung von 2003 wurde dafür ein Kredit von 260'000 Franken bewilligt. Die Arbeiten wurden 2005 abgeschlossen; die tatsächlichen Gemeindekosten lagen bei rund 244'000 Franken.[8]
Die erhöhten Perrons waren auf die Einführung der Thurbo-Gelenktriebwagen ausgerichtet. Sie verbesserten zugleich den Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sowie für Reisende mit Kinderwagen oder Gepäck.
Umbau des Bushofs 2019
Die Umgebung auf der Nordseite des Bahnhofs genügte vor dem Umbau nicht mehr den Anforderungen eines regionalen Umsteigeknotens.
Die Gemeinde liess deshalb 2019 den Bushof und die angrenzenden Verkehrsflächen für rund 500'000 Franken erneuern. Das Projekt war Bestandteil des Agglomerationsprogramms Wil und wurde von Bund und Kanton mitfinanziert.[9]
Zu den Massnahmen gehörten:
- vier neue hindernisfreie Bushaltekanten,
- zwei als Kapphaltestellen angeordnete Buskanten,
- eine sicherere Fussgängerquerung,
- ein neuer gedeckter Wartebereich,
- eine öffentliche Toilette,
- vier Kurzzeitparkplätze,
- ein Parkplatz für Menschen mit Behinderung,
- ein Mobility-Standplatz mit Ladestation,
- zusätzliche und erneuerte Veloabstellplätze,
- neue Beleuchtung und Entwässerung.
Die Kapphaltestellen vermindern die Fahrbahnbreite während eines Busaufenthalts und erhöhen dadurch die Sicherheit des querenden Fussverkehrs.
Die Neugestaltung verbesserte die Umsteigebeziehungen zwischen Bahn und Bus. Gleichzeitig entstand ein übersichtlicherer Bahnhofplatz mit klar getrennten Flächen für Busse, Autos, Velos und zu Fuss Gehende.
Entwicklung des nördlichen Bahnhofareals
Die Gemeinde beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der langfristigen Entwicklung des Gebiets nördlich des Bahnhofs.
Mit dem Gestaltungsplan «Bahnhof Nord» sollen die bauliche Nutzung, Verkehrserschliessung, Freiräume und Verbindungen zum Ortszentrum koordiniert werden. Der Perimeter umfasst Flächen zwischen Bahnhof, Wilerstrasse und angrenzenden Grundstücken.[10]
Ziel ist eine verdichtete, dem zentralen Standort entsprechende Entwicklung. Gleichzeitig sollen die Funktion des Bahnhofplatzes und sichere Verbindungen für den Fuss- und Veloverkehr erhalten beziehungsweise verbessert werden.
Das Vorhaben befand sich 2026 weiterhin in der planerischen Bearbeitung.
Bedeutung
Der Bahnhof ist der wichtigste öffentliche Verkehrsknoten der Gemeinde Sirnach und besitzt eine regionale Ausstrahlung in den Hinterthurgau.
Er verbindet Sirnach direkt mit:
- Wil SG,
- Winterthur,
- Zürich,
- Baden,
- Brugg,
- Eschlikon,
- Aadorf,
- dem Murgtal,
- Fischingen,
- Bichelsee und Balterswil,
- Münchwilen.
Für Berufspendlerinnen und Berufspendler bietet die Bahn eine schnelle Verbindung zu den Arbeitsplatzgebieten in Wil, Winterthur und Zürich. Die direkte S12 erspart bei Fahrten nach Zürich und ins Limmattal einen Umstieg in Winterthur.
Auch für den Ausbildungsverkehr besitzt der Bahnhof grosse Bedeutung. Schulen, Berufsbildungszentren und Hochschulen in Wil, Winterthur und Zürich sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Die Buslinien erweitern das Einzugsgebiet auf zahlreiche Dörfer und Weiler ohne eigenen Bahnanschluss. Besonders die Verbindungen nach Fischingen und Bichelsee machen Sirnach zu einem Umsteigeknoten zwischen Bahn und regionalem Busnetz.
Der Bahnhof förderte seit seiner Eröffnung die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde. Die gute Verkehrslage begünstigte die Ansiedlung von Gewerbe, Industrie, Handel und Dienstleistungen.
Kombinierte Mobilität
Der Bahnhof ist auf die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel ausgerichtet.
Überdachte Veloabstellplätze ermöglichen die Kombination von Velo und Bahn. Sie werden besonders von Personen aus den Sirnacher Wohnquartieren und den nahe gelegenen Weilern genutzt.
Die P+Rail-Plätze dienen Fahrgästen aus Gebieten, die nur eingeschränkt mit dem Bus erschlossen sind. Kurzzeitparkplätze ermöglichen das Bringen und Abholen von Reisenden.
Der Mobility-Standort ergänzt das Angebot durch Carsharing. Die Ladestation ermöglicht den Betrieb eines Elektrofahrzeugs und kann je nach Ausführung auch von einem weiteren Elektroauto genutzt werden.
Die kurzen Wege zwischen Perrons, Bushof, Veloabstellplätzen und Parkmöglichkeiten unterstützen ein rasches Umsteigen.
Siehe auch
- Sirnach
- Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur
- S12 (S-Bahn Zürich)
- S-Bahn Zürich
- S-Bahn St. Gallen
- Thurbo
- Bahnhof Eschlikon
- Bahnhof Aadorf
- Bahnhof Wil
- Tarifverbund Ostwind
Literatur
- Politische Gemeinde Sirnach: Chronik der Gemeinde Sirnach. Sirnach.
- Politische Gemeinde Sirnach: Sanierung des Bahnhofs Sirnach. Sirnach 2004.
- Politische Gemeinde Sirnach: Neugestaltung Bushof Sirnach. Sirnach 2018.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
- Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.
Weblinks
- Bahnhof Sirnach auf der Website der SBB
- Linienfahrpläne ab Sirnach beim Zürcher Verkehrsverbund
- Fahrplan und Liniennetz bei Thurbo
- Linien und Fahrpläne bei WilMobil
- Website der Gemeinde Sirnach
- Website des Tarifverbunds OSTWIND
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Haltestellen- und Linienfahrpläne Sirnach, Fahrplanjahr 2026. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Perronerhöhung auf P55 am Bahnhof Sirnach. Hrsg.: Politische Gemeinde Sirnach. 2003-05-26. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Sanierung des Bahnhofs Sirnach. Hrsg.: Politische Gemeinde Sirnach. 2004-06-02. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Bahnhof Sirnach. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Fahrplan und Liniennetz von Thurbo. Hrsg.: Thurbo. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Linie 735 Wil SG–Sirnach–Bichelsee. Hrsg.: WilMobil. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Zweites Gleis Wil SG–Aadorf und Unterführungen in Sirnach. Hrsg.: SBB Historic. 1911–1913. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Bauabrechnung Perronerhöhung Bahnhof Sirnach. Hrsg.: Politische Gemeinde Sirnach. 2006-06-14. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Umbau Bahnhof Sirnach. Hrsg.: bhateam ingenieure ag. 2019. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Gestaltungsplan Bahnhof Nord. Hrsg.: Politische Gemeinde Sirnach. 2025-04-30. Abgerufen am 2026-08-04.
Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Sirnach