Bahnhof Turgi

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Bahnhof Turgi
Bahnhof Turgi
Stadt Baden
Ortsteil Turgi
Bezirk Baden
Kanton Aargau
Staat Schweiz
Betriebliche Art Trennungsbahnhof
Eigentümerin SBB
Infrastrukturbetreiberin SBB Infrastruktur
Bahnstrecken Bahnstrecke Baden–Aarau
Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut
Linien RE12, S12, S19, S23, S27, S29 und SN1
Buslinie 357
Perrongleise 4
Eröffnung 29. September 1856
Abzweigbahnhof seit 18. August 1859
Elektrifizierung 1925 beziehungsweise 1944
Grosser Umbau 1994–1997
Höhenlage 342 m ü. M.
Tarifverbund A-Welle
DiDok-Nummer 3503
UIC-Nummer 8503503
Betriebsstellenkürzel TG
Nachbarbahnhöfe Baden, Brugg AG und Siggenthal-Würenlingen

Der Bahnhof Turgi ist ein Trennungsbahnhof im Badener Ortsteil Turgi im Kanton Aargau. Er liegt an der Bahnstrecke zwischen Baden, Brugg und Aarau. Unmittelbar westlich der Perronanlagen zweigt die Strecke durch das untere Aaretal über Döttingen und Koblenz nach Waldshut beziehungsweise Bad Zurzach ab.

Die Station gehört zu den bedeutenden regionalen Eisenbahnknoten im östlichen Aargau. Sie wird von Linien der S-Bahn Aargau und der S-Bahn Zürich sowie von einem RegioExpress bedient. Direkte Zugverbindungen bestehen unter anderem nach Baden, Zürich, Winterthur, Schaffhausen, Wil SG, Brugg, Aarau, Olten, Langenthal, Sursee, Koblenz, Bad Zurzach und Waldshut.

Seit der Fusion der früheren Einwohnergemeinde Turgi mit der Stadt Baden am 1. Januar 2024 liegt der Bahnhof innerhalb des Badener Stadtgebiets.[1] Er ist der wichtigste Zugang zum öffentlichen Verkehr im Ortsteil Turgi und dient zugleich den angrenzenden Gebieten von Gebenstorf, Vogelsang, Untersiggenthal und dem unteren Aaretal.

Lage

Der Bahnhof befindet sich südlich des Ortszentrums von Turgi zwischen der Bahnhofstrasse und den höher gelegenen Wohngebieten Gehling und Wil. Die historische Industrie- und Wohnsiedlung an der Limmat liegt nordöstlich der Bahnanlagen.

Die Bahnstrecke Baden–Brugg verläuft im Bahnhofbereich ungefähr von Südosten nach Westen. Die Strecke nach Koblenz verlässt den Bahnhof in nordwestlicher Richtung und überquert wenig später die Limmat.

Westlich von Turgi führt die Hauptstrecke über die denkmalgeschützte SBB-Reussbrücke nach Brugg. Die 1856 eröffnete Steinbogenbrücke gehört zu den ältesten noch im regulären Eisenbahnbetrieb stehenden Bahnbrücken der Schweiz.

Der Bahnhof liegt auf einer Höhe von rund 342 Metern über Meer. Seine geografischen Koordinaten betragen ungefähr 47,4918 Grad nördlicher Breite und 8,2535 Grad östlicher Länge.

Das Bahnhofareal liegt in einem Übergangsbereich zwischen dem historischen Dorfzentrum, den ehemaligen Industriegebieten und neueren Wohnquartieren. Die Stadt Baden betrachtet das Umfeld der Station als bedeutenden Schwerpunkt der künftigen Siedlungsentwicklung.[2]

Bahnhofanlage

Gleise und Perrons

Der Bahnhof besitzt vier Perrongleise. Die Gleise 1 und 4 liegen an Aussenperrons, während die Gleise 2 und 3 durch einen Mittelperron erschlossen werden.

Gleisbereich Betriebliche Verwendung
Gleis 1 vor allem Züge zwischen Baden und dem unteren Aaretal
Gleise 2 und 3 Züge in Richtung Baden, Koblenz, Brugg, Aarau und Olten
Gleis 4 vor allem Züge der S12 in Richtung Brugg beziehungsweise Baden und Zürich

Die tatsächliche Gleisbelegung kann je nach Fahrplan, Zuglauf, Bauarbeiten und Betriebslage abweichen. Massgebend sind die elektronischen Anzeigen und Lautsprecherdurchsagen.

Von Brugg aus können sämtliche vier Perrongleise erreicht werden. Die Verbindung zur Strecke nach Koblenz ist mit den drei nördlichen Gleisen verknüpft.

Westlich der Perrons befinden sich mehrere Abstell- und Dienstgleise. Sie werden insbesondere für Bau-, Unterhalts- und Infrastrukturfahrzeuge verwendet. Ein regelmässiger lokaler Güterumschlag findet nicht mehr statt.

Zugänge

Die Perrons sind über Personenunterführungen miteinander und mit den angrenzenden Quartieren verbunden. Treppen und Rampen ermöglichen den Zugang von beiden Seiten der Bahnstrecke.

Eine Passerelle verbindet das höher gelegene Wohngebiet Gehling mit dem Dorfzentrum und dem Bahnhof. Dadurch wurde die zuvor durch die breite Bahnanlage erschwerte Fussverbindung deutlich verkürzt.

Die Perrons verfügen über Dächer, Sitzgelegenheiten, Beleuchtung, elektronische Fahrgastinformationen und Lautsprecheranlagen. Der Einstieg ist bei den überwiegend eingesetzten Niederflurfahrzeugen weitgehend stufenfrei möglich.

Stationsgebäude

Das heutige Stationsgebäude besitzt einen auffälligen runden Grundriss. Es befindet sich zwischen dem südlichen Bahnhofvorplatz und den Perronanlagen.

Das Gebäude wurde während des grossen Bahnhofumbaus in den 1990er-Jahren errichtet. Es entstand 1995 zunächst nördlich der noch bestehenden Gleisanlagen. Nach dem Abbruch des alten Inselbahnhofs wurde der Neubau 1997 an seinen heutigen Standort verschoben.

Im Gebäude befinden beziehungsweise befanden sich Räume für:

  • Verkauf und Dienstleistungen,
  • technische Einrichtungen,
  • Personal- und Betriebsräume,
  • ein Bahnhofgeschäft,
  • öffentliche und gewerbliche Nutzungen.

Der bediente SBB-Schalter wurde 2018 geschlossen. Billette können seither an Automaten, über SBB Mobile, auf der Website der SBB und an anderen Verkaufsstellen erworben werden.

Im Bahnhofsgebäude befindet sich ein Avec-Geschäft. Es bietet Lebensmittel, Getränke, Presseerzeugnisse und Reisebedarf an und ist an allen Wochentagen geöffnet.[3]

Ausstattung und Mobilität

Der Bahnhof besitzt eine umfangreiche Infrastruktur für die kombinierte Mobilität.

Zur Ausstattung gehören:

  • Billettautomaten,
  • elektronische Abfahrtsanzeigen,
  • gedeckte Wartebereiche,
  • 292 gedeckte Veloabstellplätze,
  • eine P+Rail-Anlage,
  • ein Parkplatz für Menschen mit Behinderung,
  • Kurzzeitparkplätze,
  • ein Mobility-Carsharing-Standort,
  • ein Bahnhofgeschäft.

Die P+Rail-Anlage umfasst nach Angaben der SBB 142 Parkplätze. Sie gehört damit zu den grösseren Park-and-Ride-Anlagen an einem Regionalbahnhof im östlichen Aargau.[3]

Die zahlreichen Veloabstellplätze werden von Reisenden aus dem Dorfzentrum, den Quartieren Gehling und Wil sowie aus benachbarten Siedlungsgebieten genutzt.

Bahnverkehr

Im Fahrplanjahr 2026 wird Turgi von mehreren Regional- und S-Bahn-Linien bedient. Die Überlagerung der verschiedenen Angebote führt zu einem dichten Zugverkehr in Richtung Baden, Brugg und Aarau.[4]

RE12

Der RE12 verkehrt stündlich zwischen Wettingen, Turgi, Brugg, Wildegg, Aarau und Olten.

  • RE12: Wettingen – Baden AG – Turgi – Brugg AG – Schinznach Bad – Wildegg – Lenzburg – Rupperswil – Aarau – Olten

Die Linie ergänzt die S-Bahn-Verbindungen und bietet eine beschleunigte Verbindung nach Aarau und Olten. In Olten bestehen Anschlüsse an den nationalen Fernverkehr in Richtung Bern, Basel, Luzern und Solothurn.

S12

Die S12 der S-Bahn Zürich verkehrt grundsätzlich im Halbstundentakt zwischen Brugg und Winterthur:

  • S12: Brugg AG – Turgi – Baden AG – Wettingen – Neuenhof – Killwangen-Spreitenbach – Dietikon – Glanzenberg – Schlieren – Zürich Altstetten – Zürich Hardbrücke – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Stadelhofen – Stettbach – Winterthur

Östlich von Winterthur fährt jeweils ein Zug pro Stunde über das Zürcher Weinland nach Schaffhausen. Der andere Stundentakt führt über Elgg und Aadorf nach Wil SG.[5]

Die S12 stellt die wichtigste direkte Verbindung von Turgi nach Zürich dar. Die Fahrt zum Zürcher Hauptbahnhof dauert rund 35 Minuten.

Auf der Linie verkehren hauptsächlich Doppelstocktriebzüge des Typs RABe 511 Regio-Dosto.

S19

Die S19 ist eine Verstärkungslinie der S-Bahn Zürich und verkehrt während der Hauptverkehrszeiten:

  • S19: Koblenz – Klingnau – Döttingen – Siggenthal-Würenlingen – Turgi – Baden AG – Wettingen – Dietikon – Zürich Altstetten – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Oerlikon – Wallisellen – Dietlikon – Effretikon – Illnau – Fehraltorf – Pfäffikon ZH

Sie bietet dem unteren Aaretal zusätzliche Direktverbindungen nach Zürich und ins Zürcher Oberland. Zwischen Turgi und Zürich hält die S19 an weniger Stationen als die S12.[6]

S23

Die S23 der S-Bahn Aargau verbindet Baden über Turgi, Brugg, Lenzburg, Aarau und Olten mit Langenthal:

  • S23: Baden AG – Turgi – Brugg AG – Birr – Lupfig – Mägenwil – Othmarsingen – Lenzburg – Rupperswil – Aarau – Schönenwerd – Däniken – Dulliken – Olten – Aarburg-Oftringen – Rothrist – Murgenthal – Langenthal

Die Linie verkehrt grundsätzlich stündlich. Sie schafft eine direkte Verbindung von Turgi zu den Arbeitsplatz- und Bildungsstandorten in Brugg, Lenzburg, Aarau, Olten und Langenthal.

S27

Die S27 verbindet Baden mit dem unteren Aaretal:

  • S27: Baden AG – Turgi – Siggenthal-Würenlingen – Döttingen – Klingnau – Koblenz – Waldshut beziehungsweise Bad Zurzach

Zwischen Baden und Koblenz besteht grundsätzlich ein Halbstundentakt. Ab Koblenz fährt jeweils eine Verbindung pro Stunde nach Waldshut und eine nach Bad Zurzach.

Die Züge nach Waldshut überschreiten bei Koblenz die Landesgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Der kurze internationale Streckenabschnitt gehört zu den ältesten grenzüberschreitenden Eisenbahnverbindungen Europas.

S29

Die S29 beginnt in Turgi und verkehrt über Brugg, Aarau und Zofingen in Richtung Sursee:

  • S29: Turgi – Brugg AG – Schinznach Bad – Wildegg – Rupperswil – Aarau – Schönenwerd – Däniken – Dulliken – Olten – Aarburg-Oftringen – Zofingen – Reiden – Dagmersellen – Nebikon – Wauwil – Sursee

Auf dem Kernabschnitt von Turgi nach Aarau besteht grundsätzlich ein Halbstundentakt. Ein Teil der Züge endet früher, während regelmässige Verbindungen bis Sursee weitergeführt werden.

Die S29 stellt für Turgi eine direkte Verbindung zu den Zentren Brugg, Aarau, Olten und Zofingen her.

Nachtverkehr

In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag wird der Bahnhof von der Nacht-S-Bahn SN1 bedient:

  • SN1: Winterthur – Zürich Stadelhofen – Zürich Hauptbahnhof – Dietikon – Baden AG – Turgi – Brugg AG – Lenzburg – Aarau

Die Nachtlinie ermöglicht eine späte Rückreise aus Zürich und Baden. Für ihre Benutzung ist seit 2021 kein besonderer Nachtzuschlag mehr erforderlich; ein gültiger Fahrausweis für die befahrene Strecke genügt.

Busverkehr

Der Bushof befindet sich auf der nördlichen Seite der Bahnstrecke unmittelbar beim Bahnhof.

Im Fahrplanjahr 2026 wird er von der Postautolinie 357 bedient. Die Linie verbindet Turgi mit Gebenstorf, Vogelsang, Untersiggenthal, Siggenthal-Würenlingen, Würenlingen und zeitweise mit dem Paul-Scherrer-Institut in Villigen.

Linie Wichtige Verbindungen Betreiberin
357 Gebenstorf – Turgi – Untersiggenthal – Siggenthal-Würenlingen – Würenlingen – Villigen PSI PostAuto Schweiz

Nicht alle Kurse befahren die gesamte Strecke. Auf dem Abschnitt zwischen Gebenstorf, Turgi und Untersiggenthal verkehren während stark nachgefragter Zeiten zusätzliche Fahrten.[7]

Langfristig soll der Bahnhof zusätzlich an das Netz der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen angeschlossen werden. Vorgesehen ist eine Verlängerung der Buslinie 4 vom Badener Kappelerhof über Turgi Dorf zum Bahnhof. Die Einführung ist nach Abschluss der Sanierung der Landstrasse frühestens gegen Ende 2029 vorgesehen.[8]

Tarif

Der Bahnhof liegt im Gebiet des Tarifverbunds A-Welle. Innerhalb der gelösten Zonen können die Bahn- und Buslinien des Verbunds benutzt werden.

Für Fahrten in den Zürcher Verkehrsverbund stehen Z-Pass-Fahrausweise sowie Billette des nationalen Direkten Verkehrs zur Verfügung.

Das Generalabonnement und das Halbtax werden auf sämtlichen regulären Bahn- und Busverbindungen anerkannt.

Geschichte

Planung und Eröffnung

Die erste Schweizer Bahnstrecke von Zürich nach Baden wurde 1847 eröffnet. Bereits damals bestanden Pläne für eine Verlängerung über Turgi nach Brugg, Aarau und Basel.

Die Schweizerische Nordostbahn baute die Strecke von Baden entlang der Limmat nach Turgi und über die Reuss nach Brugg. Der Abschnitt Baden–Brugg wurde am 29. September 1856 eröffnet.[9]

In Turgi entstand zunächst ein provisorisches Stationsgebäude. Die Nordostbahn erwartete, dass der Ort bald zum Ausgangspunkt einer weiteren Strecke werden würde.

Strecke nach Waldshut

Am 18. August 1859 wurde die Bahnstrecke von Turgi über Koblenz nach Waldshut eröffnet. Sie stellte die erste durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen dem schweizerischen und dem deutschen Bahnnetz her.[10]

Mit der Eröffnung der neuen Strecke wurde Turgi zum Abzweig- und Umsteigebahnhof. Die Gleise nach Koblenz wurden nördlich des neuen Aufnahmegebäudes angelegt, während die Hauptstrecke Baden–Brugg südlich daran vorbeiführte.

Das Gebäude lag dadurch wie eine Insel zwischen den beiden Streckenästen. Der Bahnhof behielt diese besondere Bauform während rund 135 Jahren.

Inselbahnhof

Das historische Aufnahmegebäude wurde nach einem Entwurf des Nordostbahn-Architekten Jakob Friedrich Wanner errichtet. Es bestand aus zwei zweigeschossigen Endbauten, die durch einen niedrigeren Mitteltrakt verbunden waren.

Im Gebäude befanden sich:

  • Wartesäle verschiedener Wagenklassen,
  • Diensträume,
  • Billett- und Gepäckschalter,
  • Wohnungen für Bahnpersonal,
  • ein Bahnhofbuffet.

Das Buffet besass ursprünglich getrennte Räume für Reisende der zweiten und dritten Klasse. Die grosszügige Ausstattung unterstrich die Bedeutung Turgis als Umsteigebahnhof.

Der Zugang zum Gebäude erfolgte über eine zwischen die Gleise führende Bahnhofstrasse. Reisende und Strassenfahrzeuge mussten dadurch in den zentralen Bereich der Bahnanlage gelangen.

Ausbau zum Eisenbahnknoten

Der Bahnhof entwickelte sich zu einem bedeutenden Betriebsstandort. In seiner grössten Ausdehnung besass er neun nebeneinanderliegende Bahnhofsgleise.

Zur Anlage gehörten ausserdem:

  • ein zweigleisiger Lokomotivschuppen,
  • zwei Wagenremisen,
  • mehrere Güterschuppen,
  • Ladegleise und Rampen,
  • eine Drehscheibe,
  • Werkstatt- und Dienstgebäude.

Der Bahnhof war für den Personen-, Güter- und Rangierverkehr von grosser Bedeutung. Industriebetriebe in Turgi, Vogelsang und im unteren Aaretal nutzten die Bahn für den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren.

Bis zur Eröffnung des Rangierbahnhofs Limmattal im Jahr 1970 besass Turgi zudem eine bedeutende Funktion im regionalen Güter- und Rangierverkehr.[11]

Übergang an die SBB

Die Schweizerische Nordostbahn wurde 1902 verstaatlicht. Der Bahnhof und die beiden Bahnstrecken gingen an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.

Die SBB bauten die Anlagen weiter aus und modernisierten die Sicherungstechnik. Im Jahr 1911 erhielt der Bahnhof ein mechanisches Stellwerk des Typs Bruchsal mit einem zentralen Freigabewerk und zwei erhöhten Wärterstellwerken.

Die Hauptstrecke Baden–Turgi–Brugg wurde 1925 elektrifiziert. Der elektrische Betrieb auf der Strecke von Turgi nach Koblenz begann 1944. Der Abschnitt von Koblenz über die Rheinbrücke nach Waldshut erhielt erst 1999 eine Fahrleitung.

Denkmallokomotive «Molly»

1967 wurde beim Bahnhof eine kleine Dampflokomotive als Denkmal aufgestellt. Sie erhielt den Namen «Molly» und erinnerte an die Epoche des Dampfbetriebs.

Die 1944 gebaute Lokomotive musste dem Bahnhofumbau der 1990er-Jahre weichen. Sie wurde 1994 der Schinznacher Baumschulbahn übergeben, restauriert und 1999 wieder in Betrieb genommen.

Umbau von 1994 bis 1997

Die historische Anlage entsprach gegen Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr den Anforderungen eines modernen S-Bahn-Knotens. Die weit auseinanderliegenden Perrons, der niveaugleiche Zugang und die Insellage des Aufnahmegebäudes erschwerten den Betrieb und die Orientierung.

Zwischen 1994 und 1997 wurde der Bahnhof für rund 30 Millionen Franken grundlegend umgebaut. Die Arbeiten umfassten:

  • Neuordnung und Reduktion der Gleisanlagen,
  • Bau moderner Perrons,
  • neue Personenunterführungen,
  • bessere Zugänge zu den Quartieren,
  • Bau eines neuen Stationsgebäudes,
  • Ersatz des mechanischen Stellwerks,
  • Neugestaltung der Bahnhofvorplätze.

Das alte Aufnahmegebäude wurde 1996 abgebrochen. Fotografien und Unterlagen zum Abbruch befinden sich im Archiv von SBB Historic.[12]

Das mechanische Stellwerk wurde durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt. Die Anlage wird heute von der SBB-Betriebszentrale Ost beim Flughafen Zürich ferngesteuert.

Entwicklung des Bahnangebots

Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich im Mai 1990 wurde Turgi in das Zürcher S-Bahn-Netz eingebunden. Die S12 stellte fortan regelmässige Direktverbindungen nach Zürich und Winterthur her.

Der Aufbau der S-Bahn Aargau führte zu weiteren Liniennummern und einem dichteren Regionalverkehr. Die Verbindungen ins untere Aaretal, nach Aarau und nach Olten wurden schrittweise ausgebaut.

Im Fahrplanjahr 2026 wird Turgi von sechs regelmässigen beziehungsweise zeitweise verkehrenden Bahnlinien sowie einer Nacht-S-Bahn bedient.

Bahnhofgebiet und Stadtentwicklung

Das Gebiet rund um den Bahnhof gehört zu den wichtigsten Entwicklungsflächen des Ortsteils Turgi.

Der Kanton Aargau weist das Areal als Wohnschwerpunkt aus. Die Stadt Baden verfolgt eine gemischte Entwicklung mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, Dienstleistungen und öffentlichen Nutzungen.

Der Entwicklungsrichtplan für das Bahnhofgebiet umfasst insbesondere:

  • das nördliche Bahnhofsareal,
  • das Gebiet Weichlen,
  • neue Fuss- und Veloverbindungen,
  • öffentliche Freiräume,
  • verdichtete Wohn- und Gewerbenutzungen,
  • eine bessere Verknüpfung mit dem Dorfzentrum,
  • abgestimmte Etappen für die langfristige Bebauung.

Die günstige Erschliessung durch S-Bahn, RegioExpress und Bus macht das Gebiet für eine verkehrsarme Siedlungsentwicklung geeignet.

Im Jahr 2026 bestimmte der Kanton Aargau ein Grundstück beim Bahnhof Turgi als künftigen Standort einer kantonalen Berufsfachschule Gesundheit und Soziales. Die Nähe zum Bahnhof war ein wesentliches Kriterium für die Standortwahl.[13]

Bedeutung

Der Bahnhof Turgi besitzt sowohl lokale als auch überregionale Bedeutung.

Für die Bevölkerung des Ortsteils bietet er direkte Verbindungen nach Baden, Brugg, Aarau, Zürich und in das untere Aaretal. Die dichte Zugfolge macht den Bahnhof auch für Reisende aus benachbarten Gemeinden attraktiv.

Als Trennungsbahnhof verknüpft Turgi drei wichtige Verkehrsrichtungen:

  • Baden und Zürich,
  • Brugg, Aarau und Olten,
  • das untere Aaretal, Bad Zurzach und Waldshut.

Der Bahnhof ist zudem für den Ausbildungsverkehr zu Schulen und Hochschulen in Baden, Brugg, Aarau und Zürich von Bedeutung.

Die direkte Verbindung nach Waldshut stärkt die grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen dem Aargau und dem südlichen Baden-Württemberg.

Historisch förderte die Eisenbahn die Entwicklung Turgis von einer kleinen Industriesiedlung zu einem regionalen Wohn- und Arbeitsort. Auch die Bahnhofstrasse mit ihren Geschäften und Gaststätten entstand in enger Verbindung mit dem früheren Inselbahnhof.

Freizeitverkehr

Der Bahnhof eignet sich als Ausgangspunkt für Wanderungen und Velotouren im Gebiet des sogenannten Schweizer Wasserschlosses, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen.

Zu den Zielen in der Umgebung gehören:

  • der Limmatspitz,
  • die Auenlandschaften an Aare und Limmat,
  • die historische Industriesiedlung Turgi,
  • die SBB-Reussbrücke,
  • die Ruine Freudenau,
  • das Gebenstorfer Horn,
  • Wanderwege nach Baden, Brugg und Untersiggenthal.

Die nationalen und regionalen Velorouten entlang der Limmat und der Aare verlaufen in der Nähe des Bahnhofs.

Siehe auch

Literatur

  • Ruedi Wanner, Stephan Frei: 150 Jahre Turgi–Koblenz–Aarau. In: Eisenbahn Amateur, Heft 7/2009.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.
  • Stadt Baden: Städtebauliches Konzept Bahnhofsgebiet Turgi. Baden 2017.
  • Stadt Baden: Entwicklungsrichtplan Bahnhofgebiet Turgi. Baden 2023.

Einzelnachweise

  1. Zusammenschluss der Einwohnergemeinden Baden und Turgi. Hrsg.: Kanton Aargau. 2024-01-01. Abgerufen am 2026-08-04.
  2. Entwicklungsrichtplan Bahnhof Turgi. Hrsg.: Stadt Baden. Abgerufen am 2026-08-04.
  3. 3,0 3,1 Bahnhof Turgi. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-04.
  4. S-Bahnen Aargau, Liniennetzplan 2026. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. 2025-12. Abgerufen am 2026-08-04.
  5. S12 Brugg–Zürich HB–Winterthur–Schaffhausen/Wil SG. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
  6. S19 Koblenz–Zürich HB–Pfäffikon ZH. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
  7. Netzplan Region Brugg 2026. Hrsg.: PostAuto Schweiz. 2025-12. Abgerufen am 2026-08-04.
  8. Stadtrat legt Entscheide zur öV-Studie Baden–Turgi–Gebenstorf fest. Hrsg.: Stadt Baden. 2025-12-11. Abgerufen am 2026-08-04.
  9. 100 Jahre Eisenbahn Zürich–Baden. Hrsg.: Statistisches Amt der Stadt Zürich. 1947. Abgerufen am 2026-08-04.
  10. 150 Jahre Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut. Hrsg.: Schweizer Radio und Fernsehen. 2009. Abgerufen am 2026-08-04.
  11. Turgi bewahrte seine Einkaufsmeile. Hrsg.: Stadt Baden und Gemeinde Turgi. 2022-05-14. Abgerufen am 2026-08-04.
  12. Umbau Bahnhof Turgi, altes Bahnhofsgebäude vor dem Abbruch. Hrsg.: SBB Historic. 1996-04. Abgerufen am 2026-08-04.
  13. Suhr, Baden-Turgi und Aarau als künftige Standorte der kantonalen Gesundheits- und Sozialschulen. Hrsg.: Kanton Aargau. 2026-05-22. Abgerufen am 2026-08-04.

47,49183° N, 8,25345° E

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