Bahnstrecke Oerlikon–Bülach
Die Bahnstrecke Oerlikon–Bülach ist eine normalspurige, elektrifizierte Eisenbahnstrecke im Kanton Zürich. Sie führt vom Bahnhof Zürich Oerlikon über Glattbrugg, Rümlang, Oberglatt, Niederglatt und Höri nach Bülach. Die rund 15,5 Kilometer lange Strecke wurde 1865 von der Bülach-Regensberg-Bahn eröffnet und gehört heute zum Netz der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).
Die Strecke bildet eine wichtige Eisenbahnachse zwischen der Stadt Zürich und dem Zürcher Unterland. Über Bülach bestehen weiterführende Verbindungen in Richtung Schaffhausen, Winterthur, Koblenz und Waldshut. In Oberglatt zweigt die Wehntalbahn nach Niederweningen ab.
| Bahnstrecke Oerlikon–Bülach | |
|---|---|
| Streckenanfang | Zürich Oerlikon |
| Streckenende | Bülach |
| Länge | ca. 15,5 km |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Gleise | 2 |
| Eröffnung | 1. Mai 1865 |
| Erbauer | Bülach-Regensberg-Bahn |
| Eigentümer | SBB |
| Streckennummer | 760 |
Bedeutung
Die Bahnstrecke Oerlikon–Bülach gehört zu den wichtigsten Verbindungen des öffentlichen Verkehrs im Zürcher Unterland. Sie erschliesst die dicht besiedelten Gemeinden nördlich von Zürich und verbindet sie unmittelbar mit dem Eisenbahnknoten Zürich Oerlikon sowie mit dem Zürcher Hauptbahnhof.
Ihre Bedeutung geht über den Regionalverkehr hinaus. Über Bülach setzt sich die Verbindung nach Eglisau, Rafz und Schaffhausen fort. Weitere Strecken führen von Bülach nach Winterthur sowie über Bad Zurzach in Richtung Koblenz und Waldshut.
Auf dem Abschnitt Oerlikon–Oberglatt verkehren zudem Züge in Richtung Wehntal. Damit bündelt die Strecke verschiedene Verkehrsströme aus dem nördlichen Teil des Kantons Zürich.
Streckenverlauf
Die Strecke beginnt im Bahnhof Zürich Oerlikon, einem der grössten Eisenbahnknoten der Schweiz. Oerlikon besitzt zahlreiche Verbindungen zum Zürcher Hauptbahnhof, nach Winterthur, zum Flughafen Zürich sowie in weitere Teile des S-Bahn-Netzes.
Vom Bahnhof Oerlikon führt die Strecke nordwärts durch das dicht bebaute Gebiet von Zürich-Nord. Im Bereich Oberhauserriet liegt ein komplexes System verschiedener Bahnlinien. Neben der historischen Strecke nach Glattbrugg verlaufen hier unter anderem die Zufahrten zum Flughafen Zürich und weitere Verbindungsgleise.
Nach rund zweieinhalb Kilometern erreicht die Strecke Glattbrugg in der Stadt Opfikon. Glattbrugg ist ein wichtiger Umsteigepunkt zwischen Bahn, Glattalbahn und regionalen Buslinien.
Von Glattbrugg führt die Strecke nordwestwärts nach Rümlang. Dabei verlässt sie die dicht bebaute Zürcher Agglomeration schrittweise und erreicht das Zürcher Unterland.
Über Rümlang gelangt die Bahn nach Oberglatt. Dort zweigt die Wehntalbahn über Niederhasli und Dielsdorf nach Niederweningen ab.
Die Hauptstrecke führt von Oberglatt weiter nach Niederglatt. Danach folgt sie weitgehend dem Talraum der Glatt über Höri nach Bülach.
Im Bahnhof Bülach endet die historische Strecke der Bülach-Regensberg-Bahn. Die Gleise setzen sich jedoch über andere Bahnstrecken in mehrere Richtungen fort.
Bahnhöfe und Haltestellen
An der Strecke liegen heute folgende für den Personenverkehr genutzte Stationen:
Nicht alle Züge halten an sämtlichen Stationen. Die verschiedenen Linien der S-Bahn Zürich übernehmen sowohl schnelle regionale Verbindungen als auch die Feinerschliessung.
Geschichte
Vorgeschichte
Mitte des 19. Jahrhunderts verfügten Zürich und Winterthur bereits über Eisenbahnanschlüsse, während grosse Teile des Zürcher Unterlands noch nicht an das neue Verkehrsmittel angeschlossen waren.
1860 bildeten sich in den damaligen Bezirken Bülach und Regensberg Komitees, die eine Eisenbahnverbindung ihrer Regionen mit Oerlikon anstrebten. Oerlikon war bereits seit 1855 durch die Strecke der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) nach Winterthur und seit 1856 direkt mit Zürich verbunden.
Das Projekt sah eine Y-förmige Bahn vor. Von Oerlikon sollte die Strecke zunächst über Glattbrugg und Rümlang nach Oberglatt führen. Dort sollte sie sich teilen:
- ein Ast nach Bülach;
- ein Ast nach Dielsdorf.
Der Ast Oberglatt–Dielsdorf bildet heute den westlichen Anfang der Wehntalbahn.
Bülach-Regensberg-Bahn
Für den Bau wurde die Bülach-Regensberg-Bahn (BR) gegründet. Der Zürcher Kantonsrat erteilte 1863 die Konzession für die Strecke.
Die Finanzierung wurde im Wesentlichen von drei Seiten getragen: vom Kanton Zürich, den beteiligten Gemeinden und der Nordostbahn.
Die Bauarbeiten begannen 1864. Finanzielle Schwierigkeiten einzelner Bauunternehmen führten zwischenzeitlich zu Problemen, weshalb die Nordostbahn stärker in die Fertigstellung eingreifen musste.
Die Strecke war ursprünglich vollständig einspurig und erforderte aufgrund des relativ flachen Geländes nur wenige grössere Kunstbauten.
Am 30. April 1865 fand die offizielle Eröffnungsfeier statt. Ein Festzug fuhr zunächst von Oerlikon nach Bülach und anschliessend über Oberglatt nach Dielsdorf.
Der fahrplanmässige Betrieb begann am 1. Mai 1865.[1]
Die «Herdöpfelbahn»
Die Bülach-Regensberg-Bahn erhielt im Volksmund den Namen Herdöpfelbahn. «Herdöpfel» ist die zürichdeutsche Bezeichnung für Kartoffeln.
Der Name bezog sich auf die grosse Bedeutung landwirtschaftlicher Güter für den Güterverkehr. Das Zürcher Unterland und insbesondere das Gebiet um Bülach und das Wehntal waren stark landwirtschaftlich geprägt. Kartoffeln und andere Agrarprodukte gehörten zu den Gütern, die mit der Bahn in Richtung Zürich transportiert wurden.
Daneben entwickelte sich die Bahn zunehmend zu einem wichtigen Verkehrsmittel für Pendler und Reisende.
Früher Betrieb
Nach der Eröffnung verkehrten täglich mehrere Zugpaare zwischen Bülach beziehungsweise Dielsdorf und Zürich.
Die Züge der beiden Äste trafen sich in Oberglatt. Von dort führte die gemeinsame Strecke über Rümlang und Glattbrugg nach Oerlikon und weiter nach Zürich.
Ein grosser Teil der Reisenden benutzte die damalige dritte Wagenklasse. Der Betrieb erfolgte zunächst mit Dampflokomotiven.
In Bülach und Dielsdorf bestanden kleine Lokomotivremisen. In Bülach wurde ausserdem eine Drehscheibe angelegt.
Entwicklung des Bahnhofs Bülach
Bei der Eröffnung 1865 war Bülach zunächst Endstation. Der erste Bahnhof befand sich nicht exakt am Standort der heutigen Anlage.
Die Situation änderte sich mit dem Bau der Bahnlinie Winterthur–Koblenz. Die neue Verbindung wurde am 1. August 1876 eröffnet. In diesem Zusammenhang entstand der heutige Bahnhof Bülach als Keilbahnhof.[2]
Bülach wurde damit vom Endbahnhof zu einem Eisenbahnknoten.
Später kam die Verbindung von Bülach über Eglisau nach Schaffhausen hinzu. Dadurch gewann die Strecke Oerlikon–Bülach zusätzlich an überregionaler Bedeutung.
Übernahme durch die Nordostbahn
Die Bülach-Regensberg-Bahn blieb nur knapp zwölf Jahre als eigenständiges Unternehmen bestehen.
Am 1. Januar 1877 wurde sie von der Nordostbahn übernommen.[3]
Damit wurden die Strecke Oerlikon–Bülach und der Ast Oberglatt–Dielsdorf Bestandteil des umfangreichen NOB-Netzes.
Die Nordostbahn verlängerte die Strecke von Dielsdorf später durch das Wehntal. 1891 wurde die Verbindung bis Niederweningen eröffnet.
Übergang an die SBB
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die grossen Privatbahnen der Schweiz verstaatlicht.
1902 ging die Nordostbahn in den neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen auf. Damit übernahmen die SBB auch die Strecke Oerlikon–Bülach.
Unter den SBB wurden die Anlagen schrittweise modernisiert und später elektrifiziert sowie vollständig auf Doppelspur ausgebaut.
Elektrifizierung
Der elektrische Betrieb auf der Strecke Oerlikon–Bülach wurde am 15. Dezember 1928 aufgenommen.[4]
Die Strecke erhielt das bei den SBB übliche Stromsystem mit 15 Kilovolt Einphasen-Wechselstrom. Die Frequenz beträgt heute 16,7 Hertz.
Durch die Elektrifizierung konnten die Dampflokomotiven im regulären Betrieb ersetzt werden. Elektrische Triebfahrzeuge ermöglichten eine bessere Beschleunigung und waren besonders für den zunehmend wichtigen Vorortsverkehr von Vorteil.
Ausbau auf Doppelspur
Die ursprünglich einspurige Strecke wurde erst im späten 20. Jahrhundert vollständig zweigleisig.
Der Ausbau erfolgte abschnittsweise:
| Abschnitt | Inbetriebnahme der Doppelspur |
|---|---|
| Oerlikon–Glattbrugg | 30. September 1979 |
| Niederglatt–Bülach | 1. Juni 1980 |
| Oberglatt–Niederglatt | 25. September 1983 |
| Glattbrugg–Rümlang | 28. August 1984 |
| Rümlang–Oberglatt | 3. April 1985 |
Seit 1985 ist die Verbindung Oerlikon–Bülach durchgehend zweigleisig.[4]
Der Doppelspurausbau war eine wichtige Voraussetzung für die spätere Verdichtung des Personenverkehrs und die Einführung der Zürcher S-Bahn.
Umbau im Oberhauserriet
Besonders umfangreich waren die Veränderungen im Gebiet zwischen Oerlikon und Glattbrugg in den 1970er-Jahren.
Hier bestanden mehrere historisch entstandene Bahnverbindungen dicht nebeneinander. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke zum Flughafen Zürich wurde das gesamte Gleissystem neu organisiert.
Die neue Flughafenlinie wurde 1980 eröffnet und führt von Oerlikon über den unterirdischen Bahnhof Zürich Flughafen nach Bassersdorf.
Im Raum Oberhauserriet entstanden mehrere parallel verlaufende Gleise. Dadurch können die Züge der Strecke nach Bülach, der Flughafenlinie und weiterer Verbindungen weitgehend unabhängig voneinander verkehren.
Die Verbindung Oerlikon–Glattbrugg erhielt im Rahmen dieser Arbeiten ebenfalls ihre Doppelspur.
Glattbrugg und Opfikon
Der Bahnhof Glattbrugg liegt auf dem Gebiet der Stadt Opfikon und ist ein wichtiger Verkehrsknoten im Glatttal.
Die Eisenbahnstrecke Oerlikon–Bülach führt durch Glattbrugg. Davon zu unterscheiden ist der Bahnhof Opfikon, der an einer benachbarten Bahnverbindung liegt.
Seit dem Ausbau der Glattalbahn besteht in Glattbrugg zudem Anschluss an das moderne Tramnetz des Glatttals. Dadurch entstand eine bedeutende Verknüpfung zwischen S-Bahn, Tram und Bus.
Rümlang
Rümlang erhielt bereits mit der Eröffnung der Bülach-Regensberg-Bahn 1865 einen Bahnhof.
Die Gemeinde entwickelte sich im 20. Jahrhundert stark. Neben dem Bahnanschluss beeinflusste auch die Nähe zum Flughafen Zürich die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung.
Der Bahnhof Rümlang wird heute von mehreren S-Bahn-Verbindungen bedient und ist ein wichtiger Zugang zum öffentlichen Verkehr für die Gemeinde.
Oberglatt als Verzweigungsbahnhof
Der Bahnhof Oberglatt besitzt seit der Eröffnung der Bahn eine besondere betriebliche Bedeutung.
Hier teilt sich die historische Y-förmige Bülach-Regensberg-Bahn. Die Hauptstrecke führt nach Nordosten über Niederglatt nach Bülach, während die zweite Strecke nach Westen über Niederhasli und Dielsdorf ins Wehntal führt.
Der ursprüngliche Endpunkt dieses Astes war Dielsdorf. 1891 verlängerte die Nordostbahn die Strecke bis Niederweningen.
Heute zweigen in Oberglatt die Züge der S-Bahn-Linie S15 in Richtung Niederhasli und Niederweningen ab.
Niederglatt
Niederglatt erhielt ebenfalls 1865 einen Bahnanschluss.
1877 wurde eine zusätzliche Bahnstrecke zwischen Niederglatt und Otelfingen eröffnet. Sie entstand im Zusammenhang mit der Konkurrenz zwischen der Nordostbahn und der Schweizerischen Nationalbahn.
Diese Verbindung wurde später wieder stillgelegt. Die Hauptstrecke Oerlikon–Bülach blieb dagegen eine wichtige Verkehrsachse.
Heute besitzt Niederglatt insbesondere Bedeutung für den regionalen Pendlerverkehr.
Höri
Zwischen Niederglatt und Bülach liegt die Gemeinde Höri.
Die Bahnstrecke folgt hier dem Talraum der Glatt. Die Haltestelle Höri dient der lokalen Erschliessung und wird von Regionalzügen der Zürcher S-Bahn bedient.
Der Abschnitt gehört zum vollständig zweigleisigen Teil der Strecke und führt unmittelbar weiter zum Eisenbahnknoten Bülach.
Bahnhof Bülach
Der Bahnhof Bülach gehört zu den wichtigsten Bahnhöfen des Zürcher Unterlands.
Mehrere Bahnstrecken treffen hier zusammen:
- die Strecke von Zürich Oerlikon über Oberglatt;
- die Strecke nach Eglisau und Schaffhausen;
- die Strecke nach Winterthur;
- die Strecke über Glattfelden und Bad Zurzach nach Koblenz.
Dadurch können Reisende in Bülach zwischen mehreren regionalen und überregionalen Verbindungen umsteigen.
Die starke Entwicklung der Stadt Bülach im 20. und 21. Jahrhundert erhöhte gleichzeitig die Bedeutung des Bahnhofs für den Pendlerverkehr.
Einführung der S-Bahn Zürich
Am 27. Mai 1990 wurde die S-Bahn Zürich eröffnet.
Die Strecke Oerlikon–Bülach wurde vollständig in das neue S-Bahn-System integriert. Das Angebot wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert und verändert.
Die direkte Verbindung zum Zürcher Hauptbahnhof ist für die Entwicklung der Gemeinden im Zürcher Unterland als Wohn- und Arbeitsstandorte von grosser Bedeutung.
Heute verkehren auf der Strecke verschiedene S-Bahn-Linien, wobei sich deren Laufwege mit den Fahrplanperioden ändern können.
S3
Im Fahrplanjahr 2026 verkehrt die S3 von Bülach über Glattbrugg, Zürich Oerlikon, Zürich Hardbrücke, Zürich HB und Zürich Stadelhofen nach Effretikon und Wetzikon.[5]
Sie befährt damit die gesamte Strecke zwischen Bülach und Oerlikon.
Die S3 übernimmt sowohl eine Verbindung in die Zürcher Innenstadt als auch eine Durchmesserfunktion zwischen dem Zürcher Unterland und dem östlichen Teil des Kantons.
S9
Die S9 verbindet im Fahrplanjahr 2026 Schaffhausen über Rafz, Bülach, Zürich Oerlikon und Zürich HB mit Stettbach und Uster.[6]
Zwischen Bülach und Oerlikon benutzt sie ebenfalls die historische Strecke der Bülach-Regensberg-Bahn.
Nördlich von Bülach fährt die S9 weiter über Eglisau und Rafz nach Schaffhausen.
Damit gehört sie zu den wichtigsten direkten Bahnverbindungen zwischen Zürich und dem Kanton Schaffhausen.
S15
Die S15 verkehrt im Fahrplanjahr 2026 von Rapperswil über Uster, Zürich HB und Zürich Oerlikon nach Niederweningen.[7]
Sie benutzt die Bahnstrecke Oerlikon–Bülach zwischen Oerlikon und Oberglatt.
In Oberglatt verlässt die S15 die Hauptstrecke und fährt über die Wehntalbahn weiter nach Niederhasli, Dielsdorf, Steinmaur und Niederweningen.
Dadurch nutzt die S15 noch heute die ursprüngliche Y-Struktur der 1865 eröffneten Bülach-Regensberg-Bahn.
Nachtverkehr
Auch im Zürcher Nachtnetz spielt die Strecke eine Rolle.
An Wochenendnächten verkehren Nacht-S-Bahn-Verbindungen zwischen Zürich und dem Zürcher Unterland. Das konkrete Angebot wird vom Zürcher Verkehrsverbund festgelegt und kann sich mit Fahrplanwechseln ändern.
Der Nachtverkehr ergänzt die regulären S-Bahn-Verbindungen und ermöglicht insbesondere an Wochenenden durchgehende Verbindungen zwischen der Stadt Zürich und Bülach.
Güterverkehr
Die Bahnstrecke wurde von Anfang an auch für den Güterverkehr gebaut.
Im 19. Jahrhundert hatten landwirtschaftliche Produkte aus dem Zürcher Unterland besondere Bedeutung. Die Bezeichnung «Herdöpfelbahn» erinnert an diese Epoche.
Mit der Industrialisierung kamen weitere Güter hinzu. Bülach entwickelte sich zu einem regionalen Industrie- und Gewerbestandort.
Heute ist der lokale Schienengüterverkehr gegenüber früher deutlich weniger bedeutend. Die Strecke bleibt jedoch Bestandteil des für Güterzüge nutzbaren SBB-Netzes.
Besonders im Raum Oerlikon und Glattbrugg bestehen Verbindungen zu weiteren wichtigen Bahnstrecken des Grossraums Zürich.
Einfluss auf die Siedlungsentwicklung
Der Bau der Bahn veränderte das Zürcher Unterland grundlegend.
Vor 1865 waren die Gemeinden vor allem über Strassen mit Zürich verbunden. Mit der Bahn konnten Personen und Waren wesentlich schneller transportiert werden.
Die Bahnhöfe entwickelten sich häufig zu neuen Siedlungsschwerpunkten. Besonders stark zeigte sich dies im 20. Jahrhundert, als der Pendlerverkehr nach Zürich immer wichtiger wurde.
Rümlang, Oberglatt, Niederglatt und Bülach wuchsen zu Bestandteilen der erweiterten Zürcher Agglomeration beziehungsweise des metropolitanen Verkehrsraums Zürich.
In Niederhasli führte die Eröffnung der Bülach-Regensberg-Bahn 1865 ebenfalls zu einer Verbesserung der regionalen Verkehrsverbindungen.[8]
Verhältnis zur Flughafenlinie
Die Bahnstrecke Oerlikon–Bülach darf nicht mit der Eisenbahnstrecke über den Flughafen Zürich verwechselt werden.
Züge der historischen Bülach-Linie fahren von Oerlikon über Glattbrugg und Rümlang nach Oberglatt.
Die Flughafenlinie führt dagegen von Oerlikon zum unterirdischen Bahnhof Zürich Flughafen und anschliessend über Bassersdorf in Richtung Winterthur.
Beide Strecken verlaufen im Raum Oerlikon und Opfikon teilweise nahe beieinander, besitzen jedoch unterschiedliche Trassen.
Der Bau der Flughafenlinie führte in den 1970er-Jahren zu einer grundlegenden Neuordnung der Bahnanlagen zwischen Oerlikon und Opfikon.
Verhältnis zur Wehntalbahn
Die Wehntalbahn ist historisch eng mit der Strecke Oerlikon–Bülach verbunden.
Beide entstanden gleichzeitig als Bülach-Regensberg-Bahn. Die Anlage hatte die Form eines Y:
Oerlikon–Oberglatt–Bülach bildete den längeren Ast, während Oberglatt–Dielsdorf den zweiten Ast darstellte.
Die Strecke nach Dielsdorf wurde 1891 bis Niederweningen verlängert.
Heute werden die beiden Linien im Bahnhof Oberglatt getrennt. Züge nach Bülach fahren nordostwärts, Züge der S15 nach Niederweningen westwärts ins Wehntal.
Technische Merkmale
Die Strecke besitzt die schweizerische Normalspur von 1435 Millimetern.
Sie ist vollständig zweigleisig und mit 15 kV bei 16,7 Hz Wechselstrom elektrifiziert.
Die ursprüngliche Trassierung wurde für die vergleichsweise flache Landschaft des Zürcher Unterlands angelegt. Die maximale Steigung ist daher deutlich geringer als bei zahlreichen Schweizer Gebirgsbahnen.
Da die Strecke heute stark vom S-Bahn-Verkehr genutzt wird, sind kurze Zugfolgezeiten und leistungsfähige Sicherungsanlagen von besonderer Bedeutung.
Zukunft und Ausbau
Das Zürcher Unterland gehört zu den Regionen des Kantons Zürich mit starkem Bevölkerungswachstum. Entsprechend nimmt auch die Nachfrage im öffentlichen Verkehr zu.
Der Zürcher Verkehrsverbund und die SBB planen langfristig eine weitere Entwicklung des S-Bahn-Systems. Mit dem Konzept der S-Bahn 2G soll die Kapazität des Zürcher Schienennetzes langfristig deutlich erhöht werden.[9]
Auch der Korridor Zürich–Bülach gehört zu den wichtigen radialen S-Bahn-Achsen der Agglomeration. Künftige Angebotsausbauten stehen dabei in engem Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit der Bahnknoten Zürich HB, Oerlikon und Bülach.
Verkehrsgeschichtliche Bedeutung
Die Bahnstrecke Oerlikon–Bülach ist ein Beispiel für die zahlreichen regionalen Privatbahnprojekte, die während der ersten grossen Phase des schweizerischen Eisenbahnbaus entstanden.
Die Bülach-Regensberg-Bahn erschloss 1865 ein zuvor bahnloses Gebiet und verband gleichzeitig zwei Regionen mit dem bereits vorhandenen Netz der Nordostbahn.
Nur zwölf Jahre später wurde die Gesellschaft von der NOB übernommen. Nach deren Verstaatlichung gelangte die Strecke 1902 zu den SBB.
Elektrifizierung, Doppelspurausbau und die Integration in die Zürcher S-Bahn verwandelten die ursprünglich ländlich geprägte «Herdöpfelbahn» schrittweise in eine leistungsfähige Vororts- und Regionalverkehrsachse.
Damit spiegelt die Geschichte der Strecke zugleich den Wandel des Zürcher Unterlands von einer landwirtschaftlich geprägten Region zu einem wichtigen Wohn-, Wirtschafts- und Verkehrsraum der Agglomeration Zürich wider.
Siehe auch
- Bülach-Regensberg-Bahn
- Wehntalbahn
- S-Bahn Zürich
- Schweizerische Bundesbahnen
- Schweizerische Nordostbahn
- Bahnhof Zürich Oerlikon
- Bahnhof Glattbrugg
- Bahnhof Rümlang
- Bahnhof Oberglatt
- Bahnhof Niederglatt
- Bahnhof Bülach
- Bahnstrecke Winterthur–Koblenz
- Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen
- Flughafen Zürich
- Zürcher Unterland
Literatur
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Rainer Siegenthaler: Die Bülach-Regensbergerbahn (B.R.). In: Eisenbahn Amateur, 2015.
- 3 × 50 Jahre. Schweizerische Eisenbahnen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Pharos-Verlag, Basel 1997.
Weblinks
- Schweizerische Bundesbahnen
- Zürcher Verkehrsverbund
- SBB Historic
- Bülach im Historischen Lexikon der Schweiz
- Niederhasli im Historischen Lexikon der Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Bülach, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010.
- ↑ SBB Historic: Archivbestände zur Bülach-Regensberg-Bahn, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: S3 – Jahresfahrplan 2026, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: S9 – Jahresfahrplan 2026, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: S15 – Jahresfahrplan 2026, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Niederhasli, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: S-Bahn 2G, abgerufen am 9. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Bahnstrecke Oerlikon–Bülach