Bahnhof Niederglatt

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Bahnhof Niederglatt
Bahnhof Niederglatt
Offizielle Bezeichnung Niederglatt ZH
Gemeinde Niederglatt
Kanton Zürich
Bezirk Dielsdorf
Bauform Durchgangsbahnhof, ehemaliger Abzweigbahnhof
Perrongleise 2
Abkürzung NG
IBNR 8503313
Höhe 424 m ü. M.
Eröffnung 1. Mai 1865
Stationsgebäude 1903–1904
Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen
Strecke Bahnstrecke Oerlikon–Bülach
Ehemalige Strecke Niederglatt–Otelfingen
Tarifzone 112 (ZVV)
Linien S9, SN9
Koordinaten 47,48742° N, 8,50364° E

Der Bahnhof Niederglatt, in den Fahrplänen als Niederglatt ZH bezeichnet, ist ein Bahnhof in der politischen Gemeinde Niederglatt im Bezirk Dielsdorf des Kantons Zürich. Er liegt an der Bahnstrecke Oerlikon–Bülach zwischen den Bahnhöfen Oberglatt ZH und Bülach.

Die Station wurde 1865 von der Bülach-Regensberg-Bahn eröffnet. Von 1877 bis 1937 war Niederglatt zudem Ausgangspunkt der Bahnstrecke über Buchs ZH und Otelfingen in Richtung Wettingen. Heute wird der Bahnhof von der Linie S9 der S-Bahn Zürich bedient. Die historischen Stationsbauten aus den Jahren 1864 bis 1904 gehören zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen des privaten Eisenbahnbaus im Zürcher Unterland.

Lage

Der Bahnhof befindet sich am südöstlichen Rand des Siedlungsgebiets von Niederglatt auf 424 Metern über Meer. Die Bahnstrecke verläuft hier ungefähr in Nord-Süd-Richtung. Das Stationsgebäude, der Bahnhofplatz und die Parkierungsanlagen liegen westlich der Gleise.

Das historische Dorfzentrum mit der reformierten Kirche, dem Gemeindehaus und verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten liegt nordwestlich der Station. Zwischen Bahnhof und Dorfzentrum entstanden im Verlauf des 20. Jahrhunderts Wohnquartiere. Südlich und östlich der Bahnanlagen befinden sich Gewerbe- und Industriegebiete.

Zur Eröffnungszeit stand der Bahnhof noch weitgehend ausserhalb des bebauten Dorfes. Ab 1939 siedelte sich in der Umgebung das Aluminium-Recyclingunternehmen Refonda der Alusuisse an. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten weitere Industrie- und Gewerbebetriebe.[1]

Der Bahnhof gehört zur Tarifzone 112 des Zürcher Verkehrsverbunds.[2]

Geschichte

Bülach-Regensberg-Bahn

Die Bülach-Regensberg-Bahn wurde gegründet, um das Zürcher Unterland mit Zürich zu verbinden. Ihre Hauptstrecke führte von Oerlikon über Glattbrugg, Rümlang, Oberglatt und Niederglatt nach Bülach. In Oberglatt zweigte eine Nebenstrecke nach Dielsdorf ab.

Am 1. Mai 1865 nahmen beide Strecken den fahrplanmässigen Betrieb auf. Gleichzeitig wurde der Bahnhof Niederglatt eröffnet. Die Y-förmige Anlage der Gesellschaft wurde im Volksmund als Gabeleisenbahn bezeichnet. Wegen des bedeutenden Transports landwirtschaftlicher Erzeugnisse war auch der Name Herdöpfelbahn verbreitet.

Da die wirtschaftliche Rentabilität der Bahn noch unsicher war, errichtete die Gesellschaft in Niederglatt zunächst nur ein provisorisches Aufnahmegebäude aus Holz. Vergleichbare Bauten entstanden in Niederhasli und Dielsdorf. Das Gebäude diente sowohl dem Personen- als auch dem Güterverkehr.[1]

Zur ersten Bahnhofanlage gehörten ein Wartsaal, ein Stationsbüro, Einrichtungen für die Gepäck- und Güterabfertigung, Ladeflächen und Nebengleise. Das Bahnpersonal bestand zeitweise aus einem Stationsvorstand, einem Gehilfen und zwei Stationswärtern. Eine Glocke am Gebäude forderte die Reisenden zum Einsteigen auf.[3]

Am 1. Januar 1877 übernahm die Schweizerische Nordostbahn die Bülach-Regensberg-Bahn. Der Bahnhof Niederglatt gelangte damit in das Netz einer der grössten privaten Eisenbahngesellschaften der Schweiz.

Abzweig der Schwenkelbergbahn

Am 1. Oktober 1877 eröffnete die Nordostbahn eine Verbindung von Niederglatt über Oberhasli, Buchs ZH und Otelfingen nach Wettingen. Die Strecke wurde als Bülach-Baden-Bahn, Schwenkelbergbahn oder im Volksmund als Schipkapass-Bahn bezeichnet.

Die Bahn sollte eine besonders kurze Güterverkehrsverbindung zwischen Winterthur, Bülach und Baden schaffen und die gleichzeitig entstehende Strecke der Schweizerischen Nationalbahn durch das Furttal konkurrenzieren. Niederglatt wurde dadurch zu einem Abzweigbahnhof.

Nach der Übernahme der Nationalbahn durch die Nordostbahn verlor die Verbindung rasch an Bedeutung. Bereits 1882 wurde der parallele Abschnitt zwischen Otelfingen und Wettingen entfernt. Auf der verbliebenen Strecke Niederglatt–Otelfingen blieb das Verkehrsaufkommen gering.

Die SBB stellten den regulären Betrieb 1937 ein. Die endgültige Aufhebung der Strecke erfolgte 1969; ein grosser Teil der Gleisanlagen wurde anschliessend abgebrochen.[4]

Teile des ehemaligen Trassees im Raum Niederglatt und Niederhasli blieben als Industrie- und Anschlussgleise erhalten. Die frühere Abzweigung ist dadurch bis heute in der Gleisanlage und im Landschaftsbild teilweise erkennbar.

Neues Stationsgebäude

Das hölzerne Provisorium von 1864/65 genügte den wachsenden Anforderungen bald nicht mehr. In den Jahren 1903 und 1904 liess die Nordostbahn beziehungsweise die inzwischen gegründete SBB ein neues gemauertes Aufnahmegebäude errichten. Es wurde unmittelbar an die ältere hölzerne Güterstation angebaut.

Der zweigeschossige Putzbau orientiert sich an einem von Gustav Wülfke in den 1890er-Jahren für die Nordostbahn entwickelten Bahnhofstyp. Ähnliche Stationsgebäude entstanden unter anderem in Hüntwangen-Wil und Rafz.

Das ältere Holzgebäude wurde fortan vorwiegend als Güterschuppen genutzt. Dadurch blieb das ursprüngliche Bahnprovisorium erhalten. Es gehört heute zu den ältesten noch bestehenden Stationsbauten dieser Art im Kanton Zürich.[1]

Im Jahr 1909 wurde ein neues Stellwerk gebaut. Dabei konnten verschiedene Bauteile der älteren Anlage wiederverwendet werden. Eine öffentliche Toilettenanlage entstand 1929.[3]

Übergang an die SBB und Elektrifizierung

Mit der Verstaatlichung der Nordostbahn ging der Bahnhof 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) über.

Der elektrische Betrieb zwischen Zürich Oerlikon, Bülach und Schaffhausen wurde am 15. Dezember 1928 aufgenommen. Seither wird die Strecke mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom betrieben.[5]

Die Elektrifizierung ersetzte die Dampflokomotiven durch elektrische Lokomotiven und Triebwagen. Sie ermöglichte kürzere Fahrzeiten und einen leistungsfähigeren Regional- und Güterverkehr.

Doppelspurausbau

Die Strecke Oerlikon–Bülach war ursprünglich vollständig einspurig. Wegen des wachsenden Vororts-, Fern- und Güterverkehrs begannen die SBB in den 1970er-Jahren mit dem schrittweisen Doppelspurausbau.

Zwischen 1975 und 1980 wurde auch der Bahnhof Niederglatt umfassend erweitert. Die Arbeiten umfassten einen eingeschossigen Neubau mit Gepäcklokal, Schalterhalle, Wartsaal, Stationsbüro, Kiosk und Toiletten. Zudem entstanden ein neues Perrondach, eine Wartehalle und eine Personenunterführung. Architekt des Neubaus war Ulrich J. Baumgartner aus Winterthur.[1]

Der doppelspurige Abschnitt Niederglatt–Bülach ging am 1. Juni 1980 in Betrieb. Am 25. September 1983 folgte die Doppelspur zwischen Oberglatt und Niederglatt. Seit April 1985 ist die gesamte Bahnstrecke zwischen Zürich Oerlikon und Bülach doppelspurig befahrbar.[5]

Im Jahr 1980 wurde in Niederglatt ein elektrisches Stellwerk der Bauform Integra Domino 67 in Betrieb genommen. Seit 2012 wird es von der Betriebszentrale Ost der SBB ferngesteuert.[6]

Zürcher S-Bahn

Mit der Eröffnung der Zürcher S-Bahn am 27. Mai 1990 wurde der Regionalverkehr durch Niederglatt in das Linien- und Tarifsystem des Zürcher Verkehrsverbunds integriert.

Die Linienführung änderte sich in den folgenden Jahrzehnten mehrmals. Seit der Neuordnung des S-Bahn-Netzes wird Niederglatt durch die S9 bedient. Diese verbindet das Zürcher Unterland über Zürich mit dem Glattal und dem Raum Uster.

Die S15 verkehrt zwischen Zürich und Oberglatt auf derselben Strecke wie die S9, zweigt dort jedoch in Richtung Niederhasli und Niederweningen ab. Sie berührt den Bahnhof Niederglatt deshalb nicht.

Gebäude und Denkmalschutz

Die historischen Stationsbauten bestehen aus drei deutlich unterscheidbaren Teilen:

  • der hölzernen Güterstation beziehungsweise dem ersten Stationsgebäude von 1864/65,
  • dem zweigeschossigen gemauerten Aufnahmegebäude von 1903/04,
  • dem eingeschossigen Erweiterungsbau von 1975 bis 1980.

Das Aufnahmegebäude ist ein zweigeschossiger Putzbau mit geradem Satteldach. Die Fassaden werden durch regelmässige Fensterachsen, einen Kalksteinsockel und betonte Gebäudeecken gegliedert.

Der angebaute Güterschuppen ist als Holzskelettbau mit Satteldach ausgeführt. Seine Längsfassaden sind im unteren Bereich waagrecht und darüber senkrecht mit Brettern verkleidet. Eine gemauerte Laderampe erinnert an die frühere Güterabfertigung.

Das Ensemble ist im Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung des Kantons Zürich als Objekt von regionaler Bedeutung eingetragen. Besonders hervorgehoben wird der Güterschuppen als eines der ältesten erhaltenen Bahnprovisorien im Kanton.[1]

Die Fassaden der historischen Bauten wurden 2013 und 2014 renoviert. Die Farbgebung orientierte sich an baugeschichtlichen Untersuchungen.

Anlagen

Der Bahnhof liegt an einer doppelspurigen, normalspurigen und elektrifizierten Hauptstrecke. Für den Personenverkehr stehen zwei Perrongleise zur Verfügung. Die Perrons sind über eine Unterführung miteinander und mit dem Bahnhofplatz verbunden.

Die Publikumsanlagen umfassen:

  • überdachte Wartebereiche,
  • Sitzgelegenheiten,
  • elektronische und statische Fahrgastinformationen,
  • Billettautomaten,
  • Veloabstellanlagen,
  • eine öffentliche Toilette,
  • eine P+Rail-Anlage.

Ein bedienter SBB-Billettschalter besteht nicht mehr. Teile der Gebäude werden gewerblich genutzt. Im Bahnhofskomplex befindet sich unter anderem ein Verkaufsgeschäft.

Nach Angaben der SBB umfasst die P+Rail-Anlage 53 reguläre Parkplätze und zwei Parkplätze für Menschen mit Behinderung.[7]

Die betriebliche Abkürzung lautet NG. Die internationale Betriebsstellennummer beziehungsweise IBNR ist 8503313. Der Bahnhof verfügt über zwei Perrongleise.[8]

Bahnverkehr

Im Fahrplanjahr 2026 wird Niederglatt durch die Linie S9 der Zürcher S-Bahn bedient:

Die S9 verkehrt grundsätzlich im Halbstundentakt. Ein Teil der Züge endet in Rafz, während andere Verbindungen bis Schaffhausen führen. Zwischen Niederglatt, Bülach, Zürich und Uster bestehen damit regelmässige Direktverbindungen.[9]

In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag hält zusätzlich die Nacht-S-Bahn SN9:

  • SN9: Bülach – Niederglatt ZH – Oberglatt ZH – Rümlang – Glattbrugg – Zürich Oerlikon – Zürich Hardbrücke – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Stadelhofen – Stettbach – Dübendorf – Schwerzenbach ZH – Nänikon-Greifensee – Uster

[10]

Neben den haltenden S-Bahn-Zügen passieren Fernverkehrs-, Güter-, Dienst- und Leerzüge den Bahnhof ohne Halt. Die Strecke gehört zur internationalen Verbindung zwischen Zürich, Schaffhausen und Süddeutschland.

Busverkehr

Direkt auf dem Bahnhofplatz halten im Fahrplanjahr 2026 keine regulären Buslinien. Die nächstgelegenen Bushaltestellen befinden sich wenige Gehminuten entfernt im Dorfzentrum und beim Alten Schulhaus.

Dort verkehren folgende Linien:

  • 510: Zürich Flughafen, Bahnhof – Kloten Balsberg – Rümlang – Oberglatt ZH – Niederglatt ZH – Neerach – Stadel – Weiach – Kaiserstuhl AG, Bahnhof
  • 525: Oberglatt ZH, Bahnhof – Niederglatt ZH – Höri – Bülach, Bahnhof
  • N50: Oberglatt ZH, Bahnhof – Niederglatt ZH – Neerach – Stadel – Bachs, Neu-Bachs

Die Buslinien erschliessen insbesondere das Dorfzentrum, den Ortsteil Nöschikon und die Gemeinden westlich und nördlich von Niederglatt.[11]

Güterverkehr

Der Güterverkehr spielte seit der Eröffnung eine wichtige Rolle. Zu den transportierten Waren gehörten landwirtschaftliche Erzeugnisse, Vieh, Holz, Kohle, Baustoffe und Stückgüter.

Mit der Industrialisierung des Bahnhofsumfelds kamen Transporte für Metall-, Recycling-, Lager- und Mineralölbetriebe hinzu. Der Bahnhof verfügte deshalb über Güter-, Lade-, Rangier- und Anschlussgleise.

Die klassische örtliche Güterabfertigung verlor in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Einzelne Gleisanlagen und der frühere Ast der Schwenkelbergbahn dienen jedoch weiterhin betrieblichen und industriellen Zwecken.

Bedeutung

Der Bahnhof ist der wichtigste Zugang Niederglatts zum regionalen öffentlichen Verkehr. Er bietet direkte Verbindungen nach Bülach, Zürich, Uster, Rafz und Schaffhausen.

Die Eisenbahn beeinflusste die räumliche Entwicklung der Gemeinde wesentlich. Während die Station bei ihrer Eröffnung ausserhalb des Dorfes lag, entstanden später Wohnquartiere, Industriebetriebe und Gewerbebauten in ihrer Umgebung.

Die gute Erreichbarkeit und die vorhandenen Bahnflächen machen das Bahnhofsumfeld zu einem Schwerpunkt der künftigen Siedlungsentwicklung. Geplant und realisiert werden verdichtete Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen mit kurzen Wegen zur S-Bahn.

Der Bahnhof ist zudem Ausgangspunkt für Spaziergänge und Velotouren entlang der Glatt, durch das Neeracherried sowie in Richtung Höri, Neerach, Niederhasli und Oberglatt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Bahnhof Niederglatt. In: Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Hrsg.: Kanton Zürich, Baudirektion, kantonale Denkmalpflege. 2021-05-27(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  2. Regionalnetz-Pläne des ZVV-Gebiets. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  3. 3,0 3,1 Bahnhof Niederglatt. In: Fotoalbum der Gemeinde Niederglatt. Hrsg.: Gemeinde Niederglatt(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  4. Niederglatt–Otelfingen (Schipkapass). In: Eingestellte Bahnen der Schweiz(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  5. 5,0 5,1 Bahnstrecke Zürich–Schaffhausen. In: Schienenverkehr Schweiz(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  6. Niederglatt. In: Stellwerksdatenbank(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  7. Bahnhof Niederglatt ZH. In: Schweizerische Bundesbahnen(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  8. Niederglatt railway station. In: Wikidata(en). Abgerufen am 2026-08-04.
  9. Linienfahrplan S9. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  10. Linienfahrplan SN9. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  11. Haltestellen- und Linienfahrpläne Niederglatt ZH. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.

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