Rafz

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Rafz

Dorfzentrum von Rafz mit der reformierten Kirche

Dorfzentrum von Rafz mit der reformierten Kirche

Wappen von Rafz

Wappen

Lage von Rafz

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Rafzerfeld

Bezirk

Bülach

BFS-Nummer

0067

Postleitzahl

8197

Koordinaten

47.6125° N, 8.540836° E

Höhe

424 m ü. M.

Fläche

10,74 km²

Einwohner

4'784
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.rafz.ch

Rafz ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie ist die grösste Gemeinde des nach ihr benannten Rafzerfelds und gehört geografisch zum Zürcher Unterland. Das Gemeindegebiet grenzt auf einer Länge von rund zehn Kilometern an Deutschland.

Rafz liegt nördlich des Rheins in einer weitgehend von deutschem Staatsgebiet und dem Kanton Schaffhausen umgebenen Ausbuchtung des Kantons Zürich. Der Ort ist traditionell von Landwirtschaft, Rebbau und dem grenzüberschreitenden Verkehr geprägt. Der historische Dorfkern mit zahlreichen Fachwerkhäusern und der reformierten Kirche ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet.

Die Gemeinde entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem regionalen Wohn-, Schul- und Gewerbezentrum. Die direkte Eisenbahnverbindung nach Bülach, Zürich und Schaffhausen förderte das Bevölkerungswachstum. Ende 2025 lebten 4'784 Einwohnerinnen und Einwohner in Rafz.[1]

Geografie

Lage

Rafz liegt im äussersten Norden des Kantons Zürich, etwa 20 Kilometer nördlich des Flughafens Zürich und rund 30 Kilometer vom Zentrum der Stadt Zürich entfernt. Schaffhausen befindet sich ungefähr 15 Kilometer nordöstlich.

Das Dorf liegt in einer offenen, leicht gewellten Landschaft auf rund 424 Metern über Meer. Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 1'074 Hektaren beziehungsweise 10,74 Quadratkilometern. Das Gelände reicht von ungefähr 399 bis 561 Metern über Meer.

Das Rafzerfeld ist durch den Rhein vom übrigen Zürcher Unterland teilweise abgetrennt. Es bildet gemeinsam mit angrenzenden Teilen des Kantons Schaffhausen eine schweizerische Ausbuchtung in deutsches Staatsgebiet. Der Grenzverlauf ist historisch entstanden und führt dazu, dass Rafz über mehrere direkte Strassenverbindungen nach Baden-Württemberg verfügt.

Nachbargemeinden sind auf Schweizer Gebiet:

Rüdlingen und Buchberg gehören zum Kanton Schaffhausen. Auf deutscher Seite grenzt Rafz an die Gemeinden:

Die deutschen Nachbargemeinden gehören zum Landkreis Waldshut im Bundesland Baden-Württemberg.

Landschaft

Die Umgebung von Rafz wird durch ausgedehnte Ackerflächen, Rebberge, Obstkulturen und Wälder geprägt. Die offenen Böden des Rafzerfelds eignen sich gut für Landwirtschaft und Weinbau. Das milde, vergleichsweise trockene Klima begünstigt den Anbau von Getreide, Gemüse, Obst und Reben.

Zu den markanten Erhebungen und Aussichtspunkten gehört der Gnal nordöstlich des Dorfes. Von den höher gelegenen Rebbergen und Feldwegen reicht der Blick über das Rafzerfeld zum Rhein, in den Schwarzwald und bei günstigen Wetterbedingungen bis zu den Alpen.

Kleinere Bäche entwässern das Gemeindegebiet in Richtung Rhein. Die offene Kulturlandschaft wird durch Hecken, Feldgehölze, Obstgärten und Waldstücke gegliedert.

Bodennutzung

Mehr als die Hälfte der Gemeindefläche wird landwirtschaftlich genutzt. Der Wald nimmt ungefähr ein Drittel des Gebiets ein.

Bodennutzung in Rafz
Nutzungsart Anteil
Landwirtschaft 52 %
Wald 33 %
Siedlungsflächen 11 %
Verkehrsflächen 4 %

Die Siedlungsfläche konzentriert sich hauptsächlich auf den historischen Dorfkern, die angrenzenden Wohnquartiere und das Gewerbegebiet beim Bahnhof. Trotz des starken Bevölkerungswachstums blieb ein grosser Teil der umgebenden Landschaft unbebaut.[1]

Ortsteile und Flurnamen

Der Hauptteil der Bevölkerung lebt im zusammenhängenden Dorf Rafz. Zum Gemeindegebiet gehören ausserdem einzelne Höfe, Häusergruppen und Fluren. Bekannte Bezeichnungen sind unter anderem Solgen, Schluchenberg, Bleiki, Gnal, Pfrüender und Hüslihof.

Solgen und Schluchenberg liegen nahe der deutschen Grenze. Mehrere alte Verkehrswege führten von dort nach Lottstetten und in die benachbarten deutschen Dörfer.

Ortsname

Der Ortsname ist in einer auf das Jahr 870 datierten Urkunde als Rafsa überliefert. Bei diesem Dokument handelt es sich um eine im 10. Jahrhundert angefertigte Urkundenfälschung, die vermutlich ältere Besitzverhältnisse festhalten sollte. Eine weitere Nennung von Rafsa stammt aus dem Jahr 1096.[2]

Die sprachliche Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. In historischen Dokumenten erscheinen unterschiedliche Schreibweisen. Die heutige Form Rafz setzte sich im Verlauf des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit durch.

Der mundartliche Ortsname lautet ebenfalls Rafz. Ältere lokale Formen waren Afs und Afzg.

Geschichte

Frühgeschichte und römische Zeit

Das Rafzerfeld war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde aus der näheren Umgebung weisen auf menschliche Aktivitäten während der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit hin. Die fruchtbaren Böden und die Nähe zum Rhein boten günstige Voraussetzungen für Landwirtschaft und Verkehr.

In römischer Zeit gehörte das Gebiet zum nördlichen Hinterland der römischen Siedlungen am Hochrhein. Verkehrswege verbanden die Region mit dem römischen Vicus von Juliomagus bei Schleitheim, mit Vindonissa und mit den Siedlungen am Zürichsee.

Ein dichtes römisches Siedlungszentrum ist für Rafz nicht nachgewiesen. Einzelne Münzen, Gebäudereste und weitere Funde im Rafzerfeld belegen jedoch eine landwirtschaftliche Nutzung und die Einbindung in das römische Verkehrs- und Wirtschaftsnetz.

Nach dem Ende der römischen Herrschaft wurde die Region zunehmend von alemannischsprachigen Bevölkerungsgruppen besiedelt.

Frühmittelalter

Eine auf 870 datierte Schenkungsurkunde berichtet, dass der ostfränkische König Ludwig der Deutsche Besitz eines Mannes namens Odilloz in Rafz an das Kloster Rheinau übertrug. Die Urkunde wurde erst im 10. Jahrhundert hergestellt, dürfte aber tatsächliche ältere Besitzansprüche des Klosters wiedergeben.[2]

Das Kloster Rheinau gehörte im Mittelalter zu den wichtigsten Grundbesitzern der Region. Daneben verfügten weitere geistliche Institutionen, Adelsfamilien und lokale Grundherren über Güter und Rechte in Rafz.

Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht, Waldnutzung und Weinbau. Das Dorf entwickelte sich entlang der Verkehrswege zwischen Rhein, Klettgau und Zürich.

Mittelalterliche Herrschaftsverhältnisse

Im Hoch- und Spätmittelalter bestanden in Rafz unterschiedliche Besitz- und Herrschaftsrechte nebeneinander. Die niedere Gerichtsbarkeit und die hohe Gerichtsbarkeit lagen zeitweise bei verschiedenen Herren.

Zu den bedeutenden Herrschaftsträgern gehörten die Freiherren von Tengen und später die Grafen von Sulz. Diese besassen umfangreiche Rechte im Klettgau und im Rafzerfeld.

Rafz war kirchlich ursprünglich mit dem benachbarten Lottstetten verbunden. Die dortige Pfarrkirche lag ausserhalb des späteren schweizerischen Staatsgebiets. In Rafz selbst bestand eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kapelle.

Die Dorfgemeinschaft organisierte die gemeinsame Nutzung von Feldern, Wald, Weiden und Wegen. Gewählte oder von den Herrschaftsträgern eingesetzte Amtsträger vertraten das Dorf in lokalen Angelegenheiten.

Übergang an Zürich

Im Jahr 1496 erwarb die Stadt Zürich die niedere Gerichtsbarkeit über Rafz und weitere Teile des Rafzerfelds. Die Verwaltung wurde dem Zürcher Landvogt in Eglisau übertragen.

Die hohe Gerichtsbarkeit verblieb zunächst bei den Grafen von Sulz. Dadurch bestand während mehr als 150 Jahren eine geteilte Herrschaft: Zürich war für zahlreiche lokale Angelegenheiten zuständig, während die Grafen von Sulz weiterhin die hohe Gerichtsbarkeit ausübten.

Die finanziell belasteten Grafen verkauften 1651 auch die hohe Gerichtsbarkeit über das Rafzerfeld an Zürich. Damit wurde das Gebiet vollständig in den Zürcher Herrschaftsverband aufgenommen.[3]

Die territoriale Zugehörigkeit unterschied Rafz zunehmend von den nördlich angrenzenden Gebieten, die später zu Baden beziehungsweise Württemberg und damit zu Deutschland gehörten.

Reformation

Nach der Einführung der Reformation in Zürich im Jahr 1523 wurde auch Rafz reformiert. Die kirchliche Verbindung mit dem katholisch gebliebenen Lottstetten wurde gelöst.

Rafz erhielt eine eigenständige reformierte Kirchgemeinde. Die mittelalterliche Nikolauskapelle wurde zunächst weitergenutzt. Im Jahr 1585 entstand an ihrer Stelle eine neue Kirche.

Die Reformation veränderte das kirchliche und gesellschaftliche Leben. Gottesdienst, Schule, Armenfürsorge und örtliche Sittenaufsicht wurden stärker von den Zürcher Behörden und der reformierten Kirche geprägt.

Frühe Neuzeit

Landwirtschaft und Rebbau blieben die wichtigsten Erwerbszweige. Die Ackerflächen wurden im System der Dreifelderwirtschaft bewirtschaftet, während die Rebberge an sonnenexponierten Hängen lagen.

Rafz war wegen seiner Grenzlage eng mit den benachbarten Dörfern verbunden. Familienbeziehungen, Märkte und wirtschaftliche Kontakte reichten über die späteren Staatsgrenzen hinweg.

Der Dreissigjährige Krieg von 1618 bis 1648 berührte das schweizerische Rafzerfeld nicht unmittelbar als Kriegsschauplatz. Die Nähe zu den umkämpften süddeutschen Gebieten führte jedoch zu Unsicherheit, Flüchtlingsbewegungen, Einquartierungen und wirtschaftlichen Belastungen.

Im Jahr 1634 lebten 412 Personen in Rafz. Bis 1722 verdoppelte sich die Bevölkerung auf 827 Einwohnerinnen und Einwohner.

Helvetik und Mediation

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Errichtung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurde die Zürcher Landvogtei Eglisau aufgehoben.

Rafz wurde zu einer politischen Gemeinde nach helvetischem Recht. Die bisherigen Untertanenverhältnisse und ständischen Vorrechte wurden abgeschafft. Die Einwohner erhielten grundsätzlich gleiche politische und rechtliche Stellung.

Die zentralistische Helvetische Republik blieb politisch instabil. Nach der Mediationsakte von 1803 wurde der Kanton Zürich wiederhergestellt und Rafz einer neuen kantonalen Verwaltungsordnung unterstellt.

Seit der Neuordnung von 1831 gehört die Gemeinde zum Bezirk Bülach.

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert blieb Rafz zunächst ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Der Ackerbau wurde modernisiert, die Viehwirtschaft nahm zu und neue landwirtschaftliche Geräte kamen zum Einsatz.

Die Aufhebung traditioneller Flurzwänge und die Neuordnung der Grundstücke ermöglichten eine individuellere Bewirtschaftung. Gleichzeitig wurden gemeinschaftliche Nutzungsrechte und Allmenden schrittweise verändert.

Die Bevölkerung stieg von 837 Personen um 1800 auf 1'583 Einwohner im Jahr 1850. Danach verlangsamte sich das Wachstum. Viele Menschen verliessen die Gemeinde, um in den Industrieorten des Kantons Zürich, in Schaffhausen oder im Ausland Arbeit zu suchen.

Handwerker, kleinere Gewerbebetriebe und Gastwirtschaften ergänzten die Landwirtschaft. Die Grenzlage förderte Handel und Verkehr, machte die Region jedoch auch für Schmuggel und die Umgehung von Zollvorschriften attraktiv.

Eisenbahnanschluss

Die Eisenbahn erreichte Rafz im Jahr 1897 mit der Eröffnung der Strecke Eglisau–Neuhausen. Sie war Teil einer neuen Verbindung zwischen Zürich und Schaffhausen.

Der Bahnhof wurde ausserhalb des damaligen Dorfkerns angelegt. In seiner Umgebung entstanden später Gewerbebetriebe, Lagerhäuser und Wohnquartiere.

Die Bahn erleichterte den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse und verbesserte die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze in Bülach, Zürich und Schaffhausen. Sie war eine wichtige Voraussetzung für das spätere Bevölkerungswachstum.

20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb die Landwirtschaft von grosser Bedeutung. Der Einsatz von Maschinen, Kunstdünger und neuen Anbaumethoden erhöhte die Produktivität. Gleichzeitig nahm die Zahl der direkt in der Landwirtschaft beschäftigten Personen ab.

Die Elektrifizierung, der Ausbau der Wasserversorgung, bessere Strassen und neue öffentliche Gebäude veränderten das Dorf. Gewerbe und Dienstleistungen gewannen an Bedeutung.

Während des Ersten Weltkriegs führte die Grenzlage zu einer verstärkten militärischen Überwachung. Lebensmittelknappheit, Rationierung und die Mobilmachung belasteten die Bevölkerung.

Bombardierung von Rafz

Am 22. Februar 1945, wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde Rafz irrtümlich von Flugzeugen der United States Army Air Forces bombardiert.

Die amerikanischen Verbände hatten Ziele im süddeutschen Raum angreifen sollen. Wegen Navigationsfehlern, schlechter Sicht und der unmittelbaren Nähe zur Grenze wurden Bomben über schweizerischem Gebiet abgeworfen.

Mehrere Gebäude in Rafz wurden zerstört oder schwer beschädigt. Acht Menschen kamen ums Leben. Unter den Opfern befanden sich der Organist der reformierten Kirche und Mitglieder seiner Familie.[4]

Die Bombardierung war Teil einer Reihe irrtümlicher alliierter Luftangriffe auf Schweizer Orte während des Zweiten Weltkriegs. Auch Schaffhausen, Stein am Rhein, Zürich, Basel und weitere Gemeinden waren betroffen.

Gedenkveranstaltungen und lokale Publikationen erinnern an die Opfer und an die Zerstörungen des Jahres 1945.

Wachstum nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich Rafz von einem Bauern- und Weinbaudorf zu einer Wohn- und Gewerbegemeinde.

Neue Wohnquartiere entstanden am Rand des historischen Dorfes und in Richtung Bahnhof. Die verbesserte Bahnverbindung machte Rafz für Pendlerinnen und Pendler attraktiv.

Seit den 1980er-Jahren beschleunigte sich das Wachstum. Die Bevölkerung stieg von 2'325 Personen im Jahr 1980 auf mehr als 4'000 im Jahr 2010. Innerhalb von drei Jahrzehnten nahm die Einwohnerzahl um rund 70 Prozent zu.[3]

Trotz des Wachstums blieben die Landwirtschaft, die Rebberge und der historische Dorfkern wichtige Bestandteile der örtlichen Identität.

Eisenbahnunfall von 2015

Am Morgen des 20. Februar 2015 kam es beim Bahnhof Rafz zu einem Zusammenstoss zweier Züge. Ein Interregiozug kollidierte seitlich mit einer S-Bahn, die bei einem Halt zeigenden Signal abgefahren war.

Mehrere Personen wurden verletzt, darunter ein Lokomotivführer schwer. Der Unfall führte zu Untersuchungen der Signalbeachtung und der technischen Zugsicherung.

Wappen

Die Blasonierung lautet:

In Silber eine grüne Leiste, oben ein roter Pflug mit blauen Eisenteilen, unten drei verkürzte rote Spitzen.

Der Pflug verweist auf die grosse Bedeutung der Landwirtschaft. Die drei roten Spitzen gehen auf das Wappen der Grafen von Sulz zurück, welche bis 1651 die hohe Gerichtsbarkeit über das Rafzerfeld besassen.

Die grüne waagrechte Leiste trennt die beiden Motive und kann zugleich als Hinweis auf die fruchtbare Landschaft verstanden werden. Das Gemeindewappen verbindet damit Landwirtschaft und historische Herrschaftsverhältnisse.

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl nahm besonders seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert stark zu. Gründe waren die gute Verkehrsanbindung, neue Wohnquartiere und die Nähe zu den Arbeitszentren Zürich, Flughafen, Bülach und Schaffhausen.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1634 412
1722 827
1800 837
1850 1'583
1900 1'436
1950 1'690
1980 2'325
1990 2'599
2000 3'369
2010 4'025
2015 4'341
2020 4'624
2025 4'784

Ende 2025 besassen 3'658 Einwohnerinnen und Einwohner das Schweizer Bürgerrecht, während 1'126 ausländische Staatsangehörige waren. Der Ausländeranteil betrug damit rund 23,5 Prozent.[1]

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend Zürichdeutsch gesprochen. Durch die Zuwanderung aus anderen Ländern und Regionen werden zahlreiche weitere Sprachen verwendet.

Religion

Rafz war seit der Reformation mehrheitlich evangelisch-reformiert. Seit dem 20. Jahrhundert wurde die konfessionelle Zusammensetzung vielfältiger.

In der Gemeinde bestehen mehrere christliche Gemeinschaften:

  • die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rafz;
  • die römisch-katholische Pfarrei mit der Kirche St. Maria Magdalena;
  • die Evangelische Freikirche Rafz;
  • die Gemeinde für Christus.

Der Anteil der Personen ohne Zugehörigkeit zu einer Landeskirche ist seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert deutlich gestiegen.

Politik und Verwaltung

Rafz ist als Versammlungsgemeinde organisiert. Die Gemeindeversammlung bildet das oberste Organ der politischen Gemeinde. Sie besteht aus den in Rafz wohnhaften stimmberechtigten Schweizer Bürgerinnen und Bürgern.

In der Regel finden jährlich zwei ordentliche Gemeindeversammlungen statt:

  • die Rechnungsgemeindeversammlung im Juni;
  • die Budgetgemeindeversammlung im November oder Dezember.

Die Gemeindeversammlung entscheidet unter anderem über Budget, Steuerfuss, Jahresrechnung, kommunale Erlasse und grössere Ausgaben.[5]

Gemeinderat

Der Gemeinderat ist die oberste leitende und vollziehende Behörde. Rafz ist eine Einheitsgemeinde, in der die politische Gemeinde auch die Aufgaben der Volksschule wahrnimmt.

Der Gemeinderat besteht aus fünf Mitgliedern. Vier Mitglieder einschliesslich des Gemeindepräsidiums werden an der Urne gewählt. Das fünfte Mitglied gehört dem Rat als Präsidentin oder Präsident der Schulpflege von Amtes wegen an.[6]

Der Gemeinderat führt die Verwaltung, plant die Gemeindeentwicklung, vollzieht übergeordnetes Recht und vertritt Rafz nach aussen.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Dorfstrasse 7 im historischen Zentrum.

Wirtschaft

Rafz besitzt eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Landwirtschaft und Weinbau sind weiterhin sichtbar, während Gewerbe, Handel, Gartenbau, Bauwirtschaft und Dienstleistungen einen wachsenden Anteil der Arbeitsplätze stellen.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln nach Bülach, zum Flughafen Zürich, nach Zürich, Winterthur oder Schaffhausen. Gleichzeitig ist Rafz ein Arbeitsplatz für Beschäftigte aus den umliegenden Schweizer und deutschen Gemeinden.

Im Dorf bestehen Detailhandelsgeschäfte, Restaurants, Handwerksbetriebe, Beratungsunternehmen und Betriebe des Bau- und Transportgewerbes.

Ein überregional bekannter Betrieb ist das Gartencenter Hauenstein mit einem grossen Schaugarten. Rafz besitzt zudem mehrere Gärtnereien und Betriebe, die von den günstigen klimatischen Bedingungen der Region profitieren.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft nutzt rund 52 Prozent der Gemeindefläche. Zu den wichtigsten Betriebszweigen gehören:

  • Getreidebau;
  • Gemüsebau;
  • Kartoffel- und Zuckerrübenanbau;
  • Obstbau;
  • Milchwirtschaft;
  • Viehhaltung;
  • Weinbau.

Die offenen und fruchtbaren Böden des Rafzerfelds gehören zu den bedeutenden Landwirtschaftsgebieten im Norden des Kantons Zürich.

Mehrere Betriebe vermarkten ihre Produkte direkt über Hofläden, Wochenmärkte oder regionale Verkaufsstellen.

Weinbau

Der Weinbau besitzt in Rafz eine jahrhundertealte Tradition. Ungefähr 20 Hektaren des Gemeindegebiets sind mit Reben bestockt.[3]

Die Rebberge liegen hauptsächlich an sonnigen Hängen nördlich und östlich des Dorfes. Angebaut werden sowohl rote als auch weisse Rebsorten. Besonders verbreitet sind Blauburgunder und Riesling-Silvaner.

Die Rafzer Weine werden von privaten Weingütern und landwirtschaftlichen Betrieben ausgebaut und direkt verkauft. Der Rebbau prägt das Landschaftsbild und ist ein wichtiger Bestandteil des örtlichen Tourismus.

Wanderwege führen durch die Rebberge und informieren teilweise über Weinbau, Landschaft und Dorfgeschichte.

Verkehr

Eisenbahn

Rafz besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen. Er wird von der Linie S9 der S-Bahn Zürich bedient.

Die S9 verbindet Rafz direkt mit:

  • Schaffhausen;
  • Jestetten und Lottstetten in Deutschland;
  • Eglisau;
  • Bülach;
  • Zürich Oerlikon;
  • Zürich Hauptbahnhof;
  • Stettbach;
  • Dübendorf;
  • Uster.

Die internationale Führung der Strecke durch deutsches Gebiet ist eine Besonderheit. Die Züge verkehren zwischen Rafz und Schaffhausen über Lottstetten und Jestetten, ohne das schweizerische Bahnnetz zu verlassen.[7]

Der Bahnhof besitzt Anlagen für Personen- und Güterverkehr. In der Umgebung befinden sich Gewerbebetriebe und grössere Entwicklungsflächen.

Busverkehr

Postautolinien verbinden den Bahnhof Rafz mit den umliegenden Gemeinden.

Die Linie 545 führt über Wil und Hüntwangen zum Bahnhof Hüntwangen-Wil. Die Linie 675 verbindet Rafz über Rüdlingen, Buchberg, Flaach, Volken und Humlikon mit dem Bahnhof Henggart.[8]

In den Nächten am Wochenende bestehen zusätzliche Nachtverbindungen in Richtung Bülach und Schaffhausen.

Strassenverkehr

Regionale Hauptstrassen führen von Rafz nach Eglisau, Wil, Rüdlingen und zu den deutschen Nachbargemeinden.

Grenzübergänge befinden sich unter anderem:

  • an der Verbindung Rafz–Lottstetten;
  • bei Solgen;
  • bei Schluchenberg in Richtung Dettighofen.

Die Grenzübergänge sind für den lokalen Pendler-, Einkaufs- und Landwirtschaftsverkehr wichtig. Wegen der offenen Grenzen innerhalb des Schengen-Raums finden in der Regel keine dauernden Personenkontrollen statt. Waren unterliegen jedoch weiterhin den schweizerischen und europäischen Zollbestimmungen.

Die Strassenverbindung nach Zürich führt über Eglisau und Bülach. Die Rheinquerung bei Eglisau bildet einen regionalen Verkehrsknoten und ist zu den Hauptverkehrszeiten häufig stark belastet.

Bildung

Rafz ist eine Einheitsgemeinde und führt die kommunale Volksschule innerhalb der politischen Gemeinde.

Das Bildungsangebot umfasst:

  • Kindergarten;
  • Primarschule;
  • Sekundarschule;
  • schulergänzende Betreuung;
  • Musik- und Freizeitangebote.

Die Schulanlagen befinden sich an mehreren Standorten im Dorf. Wegen des Bevölkerungswachstums wurden bestehende Gebäude erweitert und neue Schulräume geplant.

Ab dem Schuljahr 2026/27 übernimmt die Schule Rafz zusätzlich Sekundarschülerinnen und Sekundarschüler aus Gemeinden des unteren Rafzerfelds.[9]

Weiterführende Mittelschulen und Berufsbildungsangebote befinden sich insbesondere in Bülach, Winterthur, Zürich und Schaffhausen.

Kultur und Gesellschaft

Rafz besitzt ein ausgeprägtes Vereinsleben. Rund 40 Vereine und Organisationen sind in den Bereichen Sport, Musik, Kultur, Gesellschaft, Natur und Politik tätig.[10]

Zu den kulturellen und gesellschaftlichen Einrichtungen gehören:

  • das Ortsmuseum;
  • die Gemeindebibliothek;
  • das Zentrum Tannewäg;
  • Sportanlagen;
  • das Freibad Rafzerfeld;
  • Vereins- und Mehrzweckräume.

Die Gemeinde veröffentlicht die lokale Informationsschrift Rafzer Weibel. Sie enthält amtliche Mitteilungen, Vereinsnachrichten, historische Beiträge und Informationen über das Dorfleben.

Herbstmesse

Die Rafzer Herbstmesse ist eine der bedeutendsten regionalen Veranstaltungen im Zürcher Unterland. Sie findet üblicherweise alle drei Jahre statt.

Während der Messe präsentieren Vereine, Gewerbebetriebe, Landwirtschaft und Weinproduzenten ihre Angebote. Marktstände, Festwirtschaften, kulturelle Darbietungen und Ausstellungen ziehen Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region an.

Organisiert wird die Herbstmesse von der Vereinigung Pro Rafz, der zahlreiche Dorfvereine und Organisationen angehören.[11]

Sehenswürdigkeiten

Historischer Dorfkern

Der historische Dorfkern erstreckt sich vor allem entlang der Dorfstrasse, der Märktgass, des Oberdorfs und der Chilegass.

Zahlreiche Fachwerkhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert sind erhalten. Die Gebäude dienten ursprünglich als Bauern-, Handwerker- und Wohnhäuser. Viele besitzen grosse Scheunentore, vorkragende Obergeschosse und reich gegliederte Holzfassaden.

Das Ortsbild von Rafz ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung eingetragen.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche steht im Zentrum des historischen Dorfes. Sie wurde 1585 anstelle einer spätmittelalterlichen Nikolauskapelle errichtet und gehört zusammen mit der Kirche von Rorbas zu den ersten nachreformatorischen Kirchenbauten auf der Zürcher Landschaft.

Das Gotteshaus ist als Saalkirche mit polygonalem Chor gestaltet. Spätgotische Masswerkfenster erinnern an die Bautradition vor der Reformation.

Im Jahr 1708 wurde das Kirchenschiff erweitert. Der ältere Dachreiter wurde 1910 abgebrochen und durch den heutigen Turm mit hohem Spitzhelm ersetzt.

Die Innenausstattung wurde 1942 und 1943 durch das Zürcher Architekturbüro Haefeli Moser Steiger neu gestaltet. Eine umfassende Restaurierung erfolgte 1984 und 1985.[12]

Katholische Kirche

Die katholische Auferstehungskirche St. Maria Magdalena wurde 1994 eingeweiht. Sie befindet sich an der Badener-Landstrasse.

Die künstlerische Gestaltung stammt von Alois Spichtig. Sie verbindet den Aussenraum, das Kirchengebäude und den Altarraum zu einem Gesamtkunstwerk.

Ortsmuseum

Das Ortsmuseum Rafz befindet sich in einem historischen Gebäude im Oberdorf. Es dokumentiert die Geschichte der Gemeinde und des Rafzerfelds.

Die Sammlung umfasst Gegenstände und Dokumente zu:

  • Landwirtschaft und Rebbau;
  • Handwerk;
  • Wohnen und Haushalt;
  • Schule und Kirche;
  • Vereinsleben;
  • Grenzgeschichte;
  • Bombardierung von 1945.

Sonderausstellungen widmen sich regelmässig einzelnen Aspekten der Ortsgeschichte.

Dorfbrunnen und Fachwerkhäuser

Mehrere historische Brunnen gehörten zur früheren Wasserversorgung und dienten als Tränken für das Vieh. Sie bilden zusammen mit den Fachwerkhäusern und der Kirche wichtige Elemente des Ortsbilds.

Besonders markante Gebäude befinden sich im Oberdorf, an der Märktgass und rund um den Kirchplatz.

Gnal

Der Gnal ist ein Aussichtspunkt in den Rebbergen oberhalb von Rafz. Er ist über Spazier- und Wanderwege erreichbar.

Von dort reicht der Blick über das Dorf, die Felder des Rafzerfelds, die deutschen Nachbargemeinden und den Schwarzwald. Der Gnal ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänge und Velotouren.

Natur und Freizeit

Das Rafzerfeld bietet ein dichtes Netz von Wander-, Spazier- und Velowegen. Routen führen durch Rebberge, Landwirtschaftsflächen und Wälder sowie zu den Nachbargemeinden beidseits der Staatsgrenze.

Das Freibad Rafzerfeld wird gemeinsam von Rafz und umliegenden Gemeinden genutzt. Es besitzt Schwimm-, Nichtschwimmer- und Kinderbereiche sowie Sport- und Liegewiesen.

Weitere Freizeitmöglichkeiten bieten Sportplätze, Turnhallen, Schiessanlagen, Spielplätze und Vereinsräume.

Die Nähe zu Rhein, Thurauen und Schwarzwald erweitert das regionale Erholungsangebot.

Gemeindepartnerschaft

Rafz unterhält seit 1995 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Hetvehely im Südwesten Ungarns.

Die Partnerschaft entstand nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs. Der Zürcher Regierungsrat hatte die Gemeinden des Kantons dazu aufgerufen, junge Demokratien in Mittel- und Osteuropa zu unterstützen.

Hetvehely liegt in der Nähe der Stadt Pécs. Rafz unterstützte dort unter anderem die Sanierung öffentlicher Einrichtungen und den Aufbau kommunaler Infrastruktur. Seither bestehen persönliche, schulische und kulturelle Kontakte zwischen den beiden Gemeinden.[13]

Persönlichkeiten

In Rafz geboren

Mit Rafz verbunden

Zahlreiche lokale Persönlichkeiten wirkten in Landwirtschaft, Weinbau, Politik, Schule und Vereinswesen. Ihre Tätigkeiten werden unter anderem im Ortsmuseum und in der Gemeindeschrift Rafzer Weibel dokumentiert.

Siehe auch

Literatur

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1943, S. 70–72.
  • Hans Rutschmann: Rafz. Geschichte eines Zürcher Grenzdorfes. Rafz.
  • Gemeinde Rafz (Hrsg.): Rafzer Weibel. Rafz, seit 1972.
  • Ortsmuseum Rafz: Publikationen und Dokumentationen zur Ortsgeschichte.
  • Ueli Müller: «Rafz». In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Gemeinde Rafz: Statistik, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Ueli Müller: Rafz. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Gemeinde Rafz: Portrait und Geschichte, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. Tödlicher Irrtum: Die Bombardierung von Rafz am 22. Februar 1945, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. Gemeinde Rafz: Gemeindeversammlungen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. Gemeinde Rafz: Gemeinderat, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Zürcher Verkehrsverbund: Linie S9, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Zürcher Verkehrsverbund: Haltestelle Rafz, Bahnhof, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. Gemeinde Rafz: Schulraum für die Schule Unteres Rafzerfeld, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. Gemeinde Rafz: Kultur und Freizeit, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. Gemeinde Rafz: Vereinigung Pro Rafz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  12. Kanton Zürich: Inventarblatt der reformierten Kirche Rafz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  13. Gemeinde Rafz: Partnergemeinde Hetvehely, abgerufen am 24. Juli 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Rafz