Winterthur
| Winterthur | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Winterthur |
| BFS-Nummer | 0230 |
| Postleitzahlen | 8400–8409 |
| Koordinaten | 47° 30′ N, 8° 44′ O |
| Höhe | 439 m ü. M. |
| Fläche | 68,07 km² |
| Einwohner | 122'758 (31. Dezember 2025) |
| Einwohnerbezeichnung | Winterthurer, Winterthurerin |
| Stadtpräsident | Stefan Fritschi (FDP) |
| Stadtgliederung | 7 Stadtkreise und 42 Quartiere |
| Website | stadt.winterthur.ch |
Winterthur ist eine politische Gemeinde und Stadt im Kanton Zürich. Sie ist Hauptort des gleichnamigen Bezirks Winterthur, die zweitgrösste Stadt des Kantons und gemessen an der Einwohnerzahl eine der grössten Städte der Schweiz. Ende 2025 waren bei der städtischen Einwohnerkontrolle 122'758 Personen gemeldet.[1]
Die Stadt liegt rund 20 Kilometer nordöstlich von Zürich in einem von bewaldeten Hügeln umgebenen Becken. Sie wird von der Eulach durchflossen, die im Stadtkreis Wülflingen in die Töss mündet. Winterthur bildet das Zentrum einer eigenständigen Stadtregion und gehört gleichzeitig zum Wirtschafts- und Lebensraum der Metropolregion Zürich.
Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich Winterthur zu einem der bedeutendsten Industriezentren der Schweiz. Unternehmen wie Sulzer, Rieter und die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik prägten Wirtschaft, Stadtbild und Bevölkerung. Seit dem industriellen Strukturwandel wandelten sich ehemalige Fabrikareale in Wohn-, Bildungs-, Kultur- und Dienstleistungsquartiere.
Heute ist Winterthur ein bedeutender Standort für Maschinenbau, Technologie, Versicherungen, Bildung und Kultur. Mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, dem Swiss Science Center Technorama, dem Kunst Museum Winterthur, der Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» und dem Fotozentrum besitzt die Stadt Einrichtungen von nationaler und internationaler Bedeutung.
Winterthur wird wegen der Eulach auch als Eulachstadt bezeichnet. Die ausgedehnten Wälder, Grünanlagen, Gartenstadtsiedlungen und traditionellen Pünten führten ausserdem zur Bezeichnung Gartenstadt.
Name
Der römische Name der Siedlung im heutigen Oberwinterthur lautete Vitudurum. Die Bezeichnung ist unter anderem durch eine römische Inschrift aus dem Jahr 294 überliefert. Eine direkte sprachliche Entwicklung von Vitudurum zum heutigen Namen Winterthur lässt sich jedoch nicht eindeutig nachweisen.
Im Früh- und Hochmittelalter erscheinen unterschiedliche Namensformen. Der moderne Name entwickelte sich wahrscheinlich aus einer mittelalterlichen Ortsbezeichnung, die mit dem römischen Siedlungsnamen zusammenhing.
In der schweizerdeutschen Mundart wird Winterthur meist Winti genannt. Die Kurzform ist im Alltag, in Vereinsnamen, bei Veranstaltungen und in der lokalen Kultur weit verbreitet.
Geografie
Lage
Winterthur liegt im nordöstlichen Teil des Kantons Zürich zwischen dem Zürcher Oberland, dem Zürcher Weinland und dem unteren Tösstal. Die Entfernung zum Zentrum der Stadt Zürich beträgt in der Luftlinie ungefähr 20 Kilometer.
Der historische Stadtkern befindet sich im Winterthurer Becken an der Eulach. Das Becken wird von mehreren bewaldeten Hügelzügen umgeben. Im Süden liegt der Eschenberg, im Norden erheben sich Lindberg, Wolfensberg und weitere Höhen.
Das Gemeindegebiet umfasst 68,07 Quadratkilometer. Trotz der dichten Bebauung besitzt Winterthur ausgedehnte Waldflächen, Landwirtschaftsgebiete, Bäche und Grünräume. Die Stadt bezeichnet sich aufgrund ihres umfangreichen Waldbesitzes als besonders waldreiche Schweizer Stadt.[2]
Winterthur grenzt an die Gemeinden Brütten, Lindau, Illnau-Effretikon, Kyburg, Zell, Schlatt, Elsau, Wiesendangen, Rickenbach, Seuzach, Dinhard, Neftenbach und Pfungen.
Gewässer
Die Eulach durchquert das Stadtgebiet von Osten nach Westen. Sie entspringt im Gebiet von Elsau und fliesst über Hegi, Oberwinterthur und das Stadtzentrum nach Wülflingen. Dort mündet sie in die Töss.
Im Zentrum wurde die Eulach im 19. und 20. Jahrhundert auf langen Abschnitten eingedolt. Einzelne Teile wurden später wieder geöffnet oder stärker in die Gestaltung des öffentlichen Raums einbezogen.
Die Töss berührt beziehungsweise durchfliesst den westlichen und südwestlichen Teil des Gemeindegebiets. Ihre Ufer sind wichtige Naherholungsräume und dienen als ökologische Verbindung zwischen dem Tösstal und dem Rheingebiet.
Weitere Gewässer sind der Mattenbach, der Riedbach, der Hegibach und zahlreiche kleinere Waldbäche. Natürliche grössere Seen fehlen. Der Schützenweiher, der Dättnauer Weiher und weitere kleinere Gewässer entstanden teilweise durch menschliche Eingriffe.
Landschaft und Grünräume
Winterthur besitzt einen hohen Anteil an Wald- und Grünflächen. Besonders der Eschenbergwald südlich der Stadt ist ein bedeutendes Erholungsgebiet. Dort befinden sich der Wildpark Bruderhaus, Wanderwege, Aussichtspunkte und die Sternwarte Eschenberg.
Der Eulachpark in Oberwinterthur entstand im Zusammenhang mit der Entwicklung des neuen Stadtgebiets Neuhegi. Er verbindet Hochwasserschutz, Erholung und ökologische Aufwertung.
Weitere bedeutende Grünräume sind der Stadtgarten, der Lindengutpark, der Rosengarten am Heiligberg, der Goldenberg, der Schützenweiher und die Tössufer.
Eine Winterthurer Besonderheit sind die zahlreichen Pünten. Dabei handelt es sich um kleine Gartenparzellen, die von Privatpersonen bewirtschaftet werden. Sie besitzen eine lange soziale und städtebauliche Tradition und tragen zum Charakter der Gartenstadt bei.
Klima
Winterthur besitzt ein gemässigtes mitteleuropäisches Klima. Die Lage in einem Becken kann bei windschwachen Wetterlagen zu Nebel und zur Ansammlung kühler Luft führen.
Die Sommer sind überwiegend warm und niederschlagsreich, die Winter kühl. Schnee fällt regelmässig, bleibt in den tieferen Lagen jedoch häufig nur kurze Zeit liegen.
Mit der städtischen Verdichtung nimmt die sommerliche Wärmebelastung zu. Die Stadtplanung misst deshalb Bäumen, unversiegelten Flächen, Frischluftkorridoren, Gewässern und gut erreichbaren Grünräumen eine zunehmende Bedeutung bei.[3]
Stadtgliederung
Winterthur ist in sieben Stadtkreise gegliedert, die zusammen 42 statistische Quartiere umfassen. Fünf Stadtkreise gehen auf ehemalige selbstständige Gemeinden zurück, die 1922 eingemeindet wurden.
Der Stadtkreis Mattenbach entstand 1973 aus Teilen der Kreise Stadt, Seen und Oberwinterthur.
| Nummer | Stadtkreis | Entstehung und Charakter |
|---|---|---|
| 1 | Stadt | Historische Kernstadt mit Altstadt, Hauptbahnhof, Neuwiesen, Tössfeld und Heiligberg |
| 2 | Oberwinterthur | Ehemalige Gemeinde; umfasst unter anderem Oberwinterthur, Hegi, Reutlingen, Ricketwil und das Entwicklungsgebiet Neuhegi |
| 3 | Seen | Ehemalige Gemeinde im Südosten mit Seen, Oberseen, Gotzenwil, Eidberg, Iberg und Sennhof |
| 4 | Töss | Ehemalige Industrie- und Arbeitergemeinde an der Töss; umfasst auch Dättnau und Rossberg |
| 5 | Veltheim | Ehemalige Gemeinde nordwestlich der Innenstadt mit Rosenberg und Blumenau |
| 6 | Wülflingen | Ehemalige Gemeinde im Westen mit Lindenplatz, Oberfeld, Niederfeld, Neuburg und Taggenberg |
| 7 | Mattenbach | 1973 gebildeter Stadtkreis mit Deutweg, Gutschick und Endliker |
Die früheren Dorfkerne von Oberwinterthur, Seen, Töss, Veltheim und Wülflingen sind im Stadtbild weiterhin erkennbar. Quartiervereine, lokale Feste, Kirchen und Schulen tragen zu einer ausgeprägten Identität der einzelnen Stadtkreise bei.
Bevölkerung
Winterthur wuchs im 19. Jahrhundert infolge der Industrialisierung und des Eisenbahnbaus besonders rasch. Arbeiterinnen und Arbeiter aus den umliegenden Kantonen, aus anderen Teilen der Schweiz und später aus dem Ausland zogen in die Stadt und ihre Vororte.
Mit der Eingemeindung von Oberwinterthur, Seen, Töss, Veltheim und Wülflingen am 1. Januar 1922 stieg die Einwohnerzahl auf ungefähr 50'000.[4]
Nach starkem Wachstum in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Bevölkerungszahl zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren vorübergehend zurück. Seit den 1990er-Jahren wächst Winterthur wieder kontinuierlich.
Am 3. Juli 2008 wurde die hunderttausendste Einwohnerin der Stadt registriert. Ende 2025 lebten 122'758 Menschen in Winterthur. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einer Zunahme um 292 Personen beziehungsweise 0,2 Prozent.[1]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1850 | 13'651 |
| 1900 | 40'961 |
| 1930 | 53'925 |
| 1950 | 66'925 |
| 1970 | 92'722 |
| 1980 | 87'885 |
| 2000 | 91'172 |
| 2010 | 103'259 |
| 2020 | 116'404 |
| 2023 | 121'652 |
| 2024 | 122'466 |
| 2025 | 122'758 |
Die Bevölkerung ist sprachlich, kulturell und religiös vielfältig. Neben Deutsch werden unter anderem Italienisch, Albanisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch und Sprachen aus dem südslawischen Raum gesprochen.
Ende 2025 besassen 72,9 Prozent der registrierten Bevölkerung das Schweizer Bürgerrecht. Das Durchschnittsalter betrug 40,6 Jahre.[1]
Geschichte
Vorgeschichte und römische Zeit
Das Gebiet von Winterthur war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde stammen unter anderem aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit.
Um die Zeitenwende entstand auf dem Kirchhügel von Oberwinterthur eine römische Siedlung. Sie trug den Namen Vitudurum und lag an einer Verkehrsverbindung zwischen dem Gebiet des heutigen Zürich, dem Bodenseeraum und dem Rhein.
Im Jahr 294 wurde die Siedlung befestigt. Eine erhaltene Inschrift berichtet vom Bau einer Mauer durch die Bevölkerung von Vitudurum. Teile der römischen Anlage wurden archäologisch untersucht und im Ortsmuseum Oberwinterthur dokumentiert.[5]
Nach dem Rückzug der römischen Verwaltung blieb das Gebiet besiedelt. Im Frühmittelalter entstanden alemannische Siedlungen und Höfe.
Kyburger und Habsburger
Im Hochmittelalter gehörte die Region zum Herrschaftsgebiet der Grafen von Kyburg. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich westlich von Oberwinterthur eine befestigte Marktstadt.
Nach dem Tod des letzten Kyburger Grafen Hartmann IV. im Jahr 1264 gingen grosse Teile des Erbes an Rudolf von Habsburg. Er stellte den Winterthurern am 22. Juni 1264 eine Stadtrechtsurkunde aus. Darin wurden bestehende Rechte, Freiheiten und Gerichtsregelungen schriftlich festgehalten.[5]
Die Stadtrechtsurkunde von 1264 gilt als einer der wichtigsten Bezugspunkte der Winterthurer Geschichte. Die Stadt blieb während des späten Mittelalters eng mit dem Haus Habsburg verbunden.
Winterthur besass Märkte, eine Stadtmauer, Tore, Zünfte und eine begrenzte kommunale Selbstverwaltung. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten Handwerk, Handel, Weinbau und die Versorgung der umliegenden Landschaft.
Herrschaft der Stadt Zürich
1467 verpfändete beziehungsweise verkaufte Herzog Sigismund von Österreich Winterthur für 10'000 Gulden an die Stadt Zürich. Winterthur wurde damit eine Zürcher Untertanenstadt, behielt jedoch zahlreiche städtische Rechte und eine eigene Verwaltung.
Das Verhältnis zu Zürich blieb ambivalent. Einerseits profitierte Winterthur vom Zugang zum Zürcher Wirtschaftsraum, andererseits waren seine politische und wirtschaftliche Selbstständigkeit eingeschränkt.
Im Zuge der Reformation wurde Winterthur in den 1520er-Jahren evangelisch-reformiert. Klösterliche und kirchliche Besitzverhältnisse wurden neu geordnet, und die Stadtkirche wurde zum Mittelpunkt der reformierten Gemeinde.
Während des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelten sich Textilhandel, Handwerk und kaufmännische Tätigkeiten. Wohlhabende Familien bauten internationale Handelsbeziehungen auf und legten damit Grundlagen für die spätere Industrialisierung.
Helvetik und Regeneration
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik endete 1798 die politische Unterordnung unter die Stadt Zürich.
Nach der Mediationszeit wurde Winterthur zu einer politischen Gemeinde des Kantons Zürich. Liberale und demokratische Bewegungen gewannen im 19. Jahrhundert grossen Einfluss.
Winterthur wurde zu einem Zentrum der demokratischen Bewegung im Kanton. Diese verlangte eine stärkere politische Beteiligung der Landbevölkerung, direktdemokratische Rechte und eine Begrenzung der Vorherrschaft der Stadt Zürich. Die Bewegung trug wesentlich zur Zürcher Kantonsverfassung von 1869 bei.
Industrialisierung
Die Industrialisierung veränderte Winterthur grundlegend. Bereits im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert entstanden mechanische Spinnereien, Textilbetriebe und Maschinenwerkstätten.
Die Firma Rieter geht auf ein 1795 gegründetes Handelshaus zurück. 1834 entstand die Giesserei der Gebrüder Sulzer, aus der sich ein international tätiger Maschinenbaukonzern entwickelte.
1871 wurde die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik gegründet. Sie produzierte Lokomotiven, Triebwagen und Maschinen für Bahngesellschaften in der Schweiz und im Ausland.
Weitere bedeutende Unternehmen und Institutionen waren die Handelsgesellschaft Gebrüder Volkart, die Bank in Winterthur und die Schweizerische Unfallversicherungs-Aktiengesellschaft. Aus Letzterer entwickelte sich die heutige AXA Schweiz.
Die Fabriken benötigten grosse Mengen an Arbeitskräften. Neue Wohnquartiere, Schulen, Strassen, Versorgungsbetriebe und soziale Einrichtungen entstanden. Unternehmerfamilien förderten Kunst, Musik, Wissenschaft und Bildung.
Der Ausbau der Eisenbahn verstärkte das Wachstum. 1855 erhielt Winterthur Verbindungen nach Zürich und Romanshorn. Weitere Strecken nach Schaffhausen, St. Gallen, ins Tösstal und in andere Regionen machten die Stadt zu einem wichtigen Eisenbahnknoten.
Gross-Winterthur
Die Kernstadt und ihre Vororte wuchsen während der Industrialisierung zunehmend zusammen. Töss, Veltheim und Oberwinterthur entwickelten sich ebenfalls zu bedeutenden Industriestandorten.
Die Vorortgemeinden mussten kostspielige Infrastruktur für die stark wachsende Bevölkerung bereitstellen, verfügten jedoch teilweise nur über begrenzte finanzielle Mittel. Nach langen politischen Verhandlungen wurden Töss, Wülflingen, Veltheim, Oberwinterthur und Seen am 1. Januar 1922 nach Winterthur eingemeindet.[4]
Aus der bisherigen Stadt wurde Gross-Winterthur mit rund 50'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Eingemeindung schuf die Grundlage für eine gemeinsame Stadtplanung, Verkehrsversorgung und Verwaltung.
Der Stadtplaner Albert Bodmer entwickelte 1926 einen Nutzungszonen- und Besiedlungsplan. Er griff Gedanken der Gartenstadtbewegung auf und beeinflusste die räumliche Entwicklung Winterthurs über Jahrzehnte.[6]
20. Jahrhundert
Während der beiden Weltkriege war die stark exportorientierte Industrie von Rohstoffmangel, wirtschaftlichen Schwankungen und eingeschränkten Absatzmärkten betroffen. Gleichzeitig blieb Winterthur ein wichtiger Produktionsstandort.
Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine Phase starken Wachstums. Neue Wohnsiedlungen entstanden unter anderem in Mattenbach, Oberwinterthur, Seen und Wülflingen.
Der zunehmende motorisierte Verkehr führte zum Ausbau von Hauptstrassen, Parkplätzen und Umfahrungen. Gleichzeitig wurde das Netz des öffentlichen Verkehrs weiterentwickelt.
Ab den 1970er-Jahren geriet die traditionelle Maschinenindustrie unter starken internationalen Konkurrenz- und Anpassungsdruck. Betriebe bauten Arbeitsplätze ab, verkauften Unternehmensteile oder verlagerten Produktionsbereiche.
Der Strukturwandel erreichte in den 1980er- und 1990er-Jahren seinen Höhepunkt. Die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik verlor ihre Selbstständigkeit, und auch Sulzer verkleinerte seine Industrieflächen deutlich.
Wandel zur Bildungs- und Kulturstadt
Ehemalige Industrieareale wurden schrittweise umgenutzt. Besonders das Sulzerareal Stadtmitte entwickelte sich zu einem gemischten Quartier mit Wohnungen, Hochschulgebäuden, Büros, Gewerbe, Gastronomie und Kulturangeboten.
Die frühere Industriearchitektur blieb in vielen Bereichen erhalten. Backsteinfassaden, Hallen, Kranbahnen und Fabrikstrassen erinnern an die industrielle Vergangenheit.[7]
Mit dem Ausbau der Fachhochschule, der Museen und der Dienstleistungswirtschaft gewann Winterthur eine neue Rolle als Bildungs-, Forschungs- und Kulturstadt.
Im Osten entstand mit Neuhegi-Grüze ein zweites grosses Stadtentwicklungsgebiet. Auf früheren und weiterhin genutzten Industrieflächen werden neue Wohnungen, Arbeitsplätze, Parks und Verkehrsanlagen geschaffen.
Politik
Winterthur ist als politische Gemeinde nach dem Recht des Kantons Zürich organisiert. Die Stimmberechtigten wählen die städtischen Behörden und entscheiden an der Urne über kommunale Vorlagen.
Stadtrat
Der Stadtrat bildet die Exekutive. Er besteht aus sieben Mitgliedern, die alle vier Jahre durch die Stimmberechtigten gewählt werden. Jedes Mitglied leitet eines der sieben Departemente der Stadtverwaltung.[8]
Seit dem 1. Juli 2026 ist Stefan Fritschi von der FDP Stadtpräsident. Er wurde am 10. Mai 2026 im zweiten Wahlgang gewählt und folgte auf Michael Künzle von der Mitte, der das Amt seit 2012 ausgeübt hatte.[9]
Die sieben Departemente sind:
- Präsidiales;
- Finanzen;
- Bau und Mobilität;
- Sicherheit und Umwelt;
- Schule und Sport;
- Soziales;
- Technische Betriebe.
Stadtparlament
Die Legislative ist das Stadtparlament. Es zählt 60 Mitglieder, die im Proporzverfahren für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt werden.[10]
Das Parlament beschliesst kommunale Erlasse, Budgets, Rechnungen und grössere Ausgaben. Es überwacht den Stadtrat und die Stadtverwaltung. Gegen bestimmte Beschlüsse kann das fakultative Referendum ergriffen werden.
Die Parteienlandschaft umfasst unter anderem SP, SVP, FDP, Grüne, Grünliberale, Mitte, EVP und weitere politische Gruppierungen.
Direkte Demokratie
Die Stimmberechtigten wählen nicht nur Parlament und Regierung, sondern entscheiden auch über Sachvorlagen. Für grössere Ausgaben, Änderungen der Gemeindeordnung und bestimmte politische Beschlüsse sind obligatorische oder fakultative Volksabstimmungen vorgesehen.
Volksinitiativen ermöglichen es den Stimmberechtigten, Änderungen kommunaler Regelungen oder neue politische Massnahmen vorzuschlagen.
Wappen
Das Wappen zeigt in Silber einen roten Schrägbalken, der von zwei schreitenden roten Löwen begleitet wird.
Es geht auf das Wappen der Grafen von Kyburg zurück. Die Kyburger führten auf schwarzem Grund einen goldenen Schrägbalken mit zwei goldenen Löwen. Die Stadt übernahm das Motiv in den Farben Rot und Weiss.
Das Wappen gehört zu den bekanntesten städtischen Hoheitszeichen der Schweiz. Es erscheint auf öffentlichen Gebäuden, Fahrzeugen, Fahnen, Publikationen und städtischen Orientierungssystemen.
Wirtschaft
Industrielle Tradition
Winterthur war während mehr als eines Jahrhunderts eines der wichtigsten Zentren des schweizerischen Maschinenbaus. Die Namen Sulzer, Rieter und SLM wurden weltweit mit Pumpen, Textilmaschinen, Motoren, Turbinen, Kompressoren und Lokomotiven verbunden.
Die Industrie schuf nicht nur Arbeitsplätze, sondern prägte auch Wohnungsbau, Sozialwesen, Berufsbildung und Kultur. Unternehmen errichteten Arbeiterhäuser, unterstützten Schulen und gründeten Pensions- sowie Krankenkassen.
Die internationale Handelstätigkeit der Winterthurer Unternehmen führte zu engen Beziehungen nach Europa, Asien, Afrika und Amerika. Gleichzeitig war sie Teil einer globalen Wirtschaftsordnung, die auch durch koloniale Machtverhältnisse geprägt wurde.
Gegenwärtige Wirtschaftsstruktur
Heute wird die Wirtschaft stärker vom Dienstleistungssektor geprägt. Bedeutende Bereiche sind:
- Maschinen- und Anlagenbau;
- Versicherungen;
- Medizinaltechnik;
- Fahrzeug- und Textilzulieferindustrie;
- Forschung und Entwicklung;
- Bildung;
- Gesundheitswesen;
- Informatik;
- Handel und Logistik;
- öffentliche Dienstleistungen;
- Kultur- und Kreativwirtschaft.
In Winterthur befinden sich weiterhin die Hauptsitze oder wichtige Standorte von Unternehmen wie Sulzer, Rieter, AXA Schweiz, Autoneum und Burckhardt Compression. Mehrere weitere Technologiefirmen entstanden aus früheren Unternehmensbereichen der Maschinenindustrie.
Der Technopark Winterthur unterstützt technologieorientierte Unternehmen und den Austausch zwischen Wirtschaft, Forschung und Hochschule.
Die städtische Wirtschaftsstrategie legt einen Schwerpunkt auf Innovation, Fachkräfte, attraktive Gewerbeflächen und die Zusammenarbeit von Unternehmen, Hochschule und öffentlicher Hand.[11]
Sulzerareal
Das Sulzerareal westlich und südlich des Hauptbahnhofs gehört zu den bedeutendsten Umnutzungsgebieten der Schweiz.
Zahlreiche Fabrikhallen und Verwaltungsgebäude wurden erhalten und neuen Nutzungen zugeführt. Auf dem Areal befinden sich Hochschulgebäude, die ZHAW-Hochschulbibliothek, Wohnungen, Geschäfte, Restaurants, Büros und Veranstaltungsräume.
Der sogenannte Superblock beherbergt einen grossen Teil der Stadtverwaltung. Die Verbindung aus historischer Industriearchitektur und moderner Verdichtung prägt das heutige Stadtbild.
Neuhegi-Grüze
Neuhegi und Grüze bilden den grössten Entwicklungsschwerpunkt im Osten der Stadt. Das Gebiet umfasst Industrie- und Gewerbebetriebe, Wohnsiedlungen, Einkaufsangebote, Schulen und den Eulachpark.
Die Stadt verfolgt das Ziel, Neuhegi-Grüze zu einem zweiten urbanen Zentrum mit leistungsfähigem öffentlichem Verkehr und hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln.
Verkehr
= Eisenbahn
Der Bahnhof Winterthur ist einer der wichtigsten Eisenbahnknoten der Ostschweiz. Hier treffen Bahnlinien aus Zürich, Schaffhausen, Frauenfeld, St. Gallen, dem Zürcher Oberland und dem Tösstal zusammen.
Direkte Fernverkehrsverbindungen bestehen unter anderem nach Zürich, Bern, Basel, St. Gallen, Romanshorn, Konstanz, Schaffhausen und zum Flughafen Zürich.
Winterthur ist ein zentraler Knoten der S-Bahn Zürich. Mehrere Linien verbinden die Stadt mit Zürich und den umliegenden Gemeinden. Auf der Strecke zwischen Zürich und Winterthur verkehren während der Hauptverkehrszeiten zahlreiche Fern- und Regionalzüge.
Das Projekt MehrSpur Zürich–Winterthur mit dem Brüttenertunnel soll langfristig zusätzliche Kapazitäten schaffen. Geplant sind ein dichteres S-Bahn-Angebot und kürzere Fahrzeiten im Fernverkehr.[12]
Neben dem Hauptbahnhof befinden sich auf Stadtgebiet mehrere weitere Bahnhöfe und Haltestellen:
- Winterthur Grüze;
- Winterthur Oberwinterthur;
- Winterthur Seen;
- Winterthur Töss;
- Winterthur Wülflingen;
- Winterthur Hegi;
- Winterthur Wallrüti;
- Reutlingen;
- Sennhof-Kyburg.
Stadtbus
Der öffentliche Nahverkehr wird hauptsächlich von Stadtbus Winterthur betrieben. Das Unternehmen gehört zur Stadt und ist in den Zürcher Verkehrsverbund eingebunden.
Die erste städtische Strassenbahn nahm 1898 den Betrieb auf. Später wurden die Tramlinien durch Trolleybusse und Autobusse ersetzt. Das heutige Netz verbindet den Hauptbahnhof mit allen Stadtkreisen und mehreren Nachbargemeinden.
Trolleybusse bilden das Rückgrat der stark nachgefragten Hauptlinien. Ergänzt werden sie durch Autobus- und Nachtlinien.
Strassenverkehr
Winterthur liegt an der Autobahn A1 zwischen Zürich und St. Gallen. Die A4 verbindet die Stadt mit Schaffhausen und dem deutschen Grenzraum.
Mehrere Autobahnanschlüsse erschliessen die Stadt. Der regionale und innerstädtische Verkehr konzentriert sich auf wenige Hauptachsen, was während der Hauptverkehrszeiten zu hoher Belastung führt.
Die Stadt verfolgt das Ziel, einen grösseren Anteil des Verkehrs mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuss und mit dem Velo abzuwickeln.
Fuss- und Veloverkehr
Winterthur besitzt ein ausgedehntes Netz von Velowegen und signalisierten Velorouten. Die vergleichsweise kurzen Entfernungen zwischen den Stadtteilen begünstigen den Veloverkehr.
Entlang der Eulach und der Töss verlaufen wichtige Freizeit- und Alltagsverbindungen. Neue Veloquerungen und Abstellanlagen sind Bestandteil mehrerer Stadtentwicklungs- und Bahnhofsprojekte.
Bildung und Forschung
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Winterthur ist der Hauptstandort der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Hochschule ging unter anderem aus dem 1874 gegründeten Technikum Winterthur hervor.
In Winterthur befinden sich insbesondere folgende Departemente beziehungsweise Hochschulen:
- School of Engineering;
- School of Management and Law;
- Departement Angewandte Linguistik;
- Departement Gesundheit;
- Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen.
Die Hochschulgebäude verteilen sich auf mehrere Standorte in der Innenstadt und im Sulzerareal. Die ZHAW verbindet praxisorientierte Ausbildung mit angewandter Forschung und Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheitswesen.[13]
Die ZHAW-Hochschulbibliothek im ehemaligen Sulzerareal besitzt eine Nutzfläche von mehr als 6'000 Quadratmetern und zählt zu den grössten Fachhochschulbibliotheken im deutschsprachigen Raum.[14]
Schulen
Die Stadt führt zahlreiche Kindergärten, Primarschulen und Sekundarschulen. Wegen des Bevölkerungswachstums werden bestehende Schulanlagen erweitert und neue Schulhäuser gebaut.
Auf kantonaler Ebene bestehen drei bedeutende Mittelschulen:
- Kantonsschule Büelrain;
- Kantonsschule Im Lee;
- Kantonsschule Rychenberg.
Winterthur ist ausserdem ein wichtiger Standort der Berufsbildung. Gewerbliche, technische, kaufmännische, gesundheitliche und soziale Berufe werden an verschiedenen Berufsfachschulen unterrichtet.
Kultur
Winterthur besitzt ein für seine Grösse aussergewöhnlich umfangreiches Kulturangebot. Die Tradition privater Kunstförderung durch Kaufmanns- und Industriellenfamilien trug wesentlich zur Entstehung der Museen und Sammlungen bei.
Kunstmuseen
Das Kunst Museum Winterthur umfasst mehrere Standorte:
- Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus;
- Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten;
- Kunst Museum Winterthur | Villa Flora.
Die Sammlungen enthalten Werke vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Besonders bedeutend sind französische Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Schweizer Kunst und internationale moderne Kunst.
Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» befindet sich in der ehemaligen Villa des Sammlers Oskar Reinhart. Sie gehört dem Bund und zeigt Werke europäischer Künstler, darunter Gemälde von Cranach, Goya, Delacroix, Manet, Renoir, Cézanne und van Gogh.
Fotografie
Das Fotomuseum Winterthur widmet sich der künstlerischen, dokumentarischen und angewandten Fotografie sowie der visuellen Kultur.
Gemeinsam mit der Fotostiftung Schweiz bildet es das Fotozentrum Winterthur. Dieses besitzt nationale und internationale Bedeutung für Ausstellungen, Sammlungen, Forschung und die Erhaltung fotografischer Bestände.[15]
Weitere Museen
Zu den weiteren Museen und Ausstellungshäusern gehören:
- Swiss Science Center Technorama;
- Gewerbemuseum Winterthur;
- Naturmuseum Winterthur;
- Münzkabinett und Antikensammlung;
- Museum Lindengut;
- Museum Schaffen;
- Uhrenmuseum Winterthur;
- Schloss Hegi;
- Museum Schloss Mörsburg.
Das Technorama ermöglicht Besucherinnen und Besuchern, naturwissenschaftliche und technische Phänomene durch Experimente selbst zu untersuchen. Es gehört zu den meistbesuchten Wissenschaftsmuseen der Schweiz.
Musik und Theater
Das 1629 gegründete Musikkollegium Winterthur gehört zu den traditionsreichsten Musikinstitutionen Europas. Sein Orchester veranstaltet Sinfonie-, Kammer- und Sonderkonzerte.
Das Stadthaus dient als zentraler Konzertort. Das Gebäude wurde von Gottfried Semper entworfen und zwischen 1865 und 1869 errichtet.
Das Theater Winterthur ist ein bedeutendes Gastspielhaus. Es bietet Schauspiel, Oper, Musiktheater, Tanz sowie Kinder- und Jugendproduktionen.
Das Casinotheater ist vor allem für Kabarett, Comedy und Kleinkunst bekannt.
Festivals und Veranstaltungen
Zu den bekannten regelmässigen Veranstaltungen gehören:
- Winterthurer Musikfestwochen;
- Albanifest;
- Afro-Pfingsten;
- Internationale Kurzfilmtage Winterthur;
- Winterthurer Fasnacht;
- Literaturtage;
- zahlreiche Quartier- und Dorffeste.
Das Albanifest erinnert an den heiligen Alban, einen früheren Stadtpatron. Es entwickelte sich zu einem der grössten jährlich stattfindenden Stadtfeste der Schweiz.
Sehenswürdigkeiten
Altstadt
Die weitgehend verkehrsberuhigte Altstadt bildet das historische und kommerzielle Zentrum. Marktgasse, Steinberggasse, Obertor und Untertor werden von Bürgerhäusern, Geschäften, Restaurants und kulturellen Einrichtungen geprägt.
Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind nur wenige sichtbare Reste erhalten. Die Mauern und Tore wurden im 19. Jahrhundert weitgehend abgebrochen, um Raum für die wachsende Stadt zu schaffen.
Stadtkirche
Die reformierte Stadtkirche St. Laurentius steht im Zentrum der Altstadt. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück.
Die beiden Türme prägen die Silhouette der Stadt. Das Innere enthält unter anderem monumentale Wandmalereien aus dem 20. Jahrhundert.
Stadthaus
Das von Gottfried Semper entworfene Stadthaus ist ein bedeutender Bau des Historismus. Seine Tempelfront und die Freitreppe verleihen dem Gebäude ein repräsentatives Erscheinungsbild.
Das Stadthaus wird hauptsächlich als Konzert- und Veranstaltungsort genutzt.
Rathaus
Das Rathaus an der Marktgasse entstand in mehreren Bauphasen. Es war über Jahrhunderte Sitz der städtischen Behörden.
Der historische Gebäudekomplex und der angrenzende Innenhof gehören zu den wichtigsten Profanbauten der Altstadt.
Sulzerareal
Das Sulzerareal zeigt den Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensstadt. Erhaltene Fabrikhallen, Backsteinbauten und technische Elemente wurden in die neue Nutzung integriert.
Zu den markanten Bereichen gehören der Katharina-Sulzer-Platz, die Lokstadt, der Lagerplatz und die ehemalige Kesselschmiede.
Schloss Hegi
Schloss Hegi ist eine mittelalterliche Burganlage im Stadtkreis Oberwinterthur. Das Schloss wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und dient heute als Museum und Veranstaltungsort.
Der historische Dorfkern von Hegi besitzt trotz der starken baulichen Entwicklung der Umgebung weiterhin einen eigenständigen Charakter.
Mörsburg
Die Mörsburg liegt auf einem Hügelzug nordöstlich des Stadtzentrums. Sie wird 1241 erstmals als Besitz der Grafen von Kyburg erwähnt.
Die Burg beherbergt ein Museum mit historischen Möbeln, Waffen, Keramik und weiteren Gegenständen.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Weitere bemerkenswerte Orte sind:
- Villa Flora;
- Villa und Park Lindengut;
- Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz»;
- Rosengarten am Heiligberg;
- Wildpark Bruderhaus;
- Eulachpark;
- Schützenweiher;
- Sternwarte Eschenberg;
- Schloss Wülflingen;
- historische Arbeiter- und Gartenstadtsiedlungen.
Religion
Winterthur war seit der Reformation überwiegend evangelisch-reformiert. Die Stadtkirche bildete während Jahrhunderten das religiöse Zentrum.
Durch die Industrialisierung zogen zahlreiche römisch-katholische Arbeitskräfte in die Stadt. Die katholische Kirche St. Peter und Paul wurde im 19. Jahrhundert errichtet und war die erste neu gebaute katholische Kirche im Kanton Zürich nach der Reformation.
Heute bestehen reformierte, römisch-katholische, christlich-orthodoxe, freikirchliche, muslimische, jüdische, hinduistische, buddhistische und weitere religiöse Gemeinschaften.
Wie in anderen Schweizer Städten wächst der Anteil der Bevölkerung, der keiner Landeskirche angehört.
Sport
Der bekannteste Sportverein der Stadt ist der FC Winterthur. Der 1896 gegründete Fussballclub trägt seine Heimspiele im Stadion Schützenwiese aus. Er gewann zu Beginn des 20. Jahrhunderts dreimal die Schweizer Meisterschaft und spielt im schweizerischen Profifussball.
Der Handballverein Pfadi Winterthur gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Vereinen seiner Sportart. Seine Heimspiele finden in der AXA Arena statt.
Der HC Rychenberg ist im Unihockey aktiv und gewann mehrere nationale Titel. Weitere bekannte Vereine sind der EHC Winterthur und die American-Football-Mannschaft Winterthur Warriors.
Die Sportanlage Deutweg umfasst Leichtathletik-, Fussball- und Eissportanlagen. Daneben bestehen Hallen- und Freibäder, Tennisanlagen, Velorouten und zahlreiche Vereinssportplätze.
Stadtentwicklung
Winterthur gehört zu den am stärksten wachsenden Städten der Schweiz. Die Entwicklung muss innerhalb eines begrenzten Siedlungsgebiets erfolgen, da grosse Wald- und Landwirtschaftsflächen erhalten werden sollen.
Die Stadt setzt deshalb auf bauliche Verdichtung, Umnutzung ehemaliger Industrieflächen und eine bessere Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr.
Wichtige Entwicklungsräume sind:
- Neuhegi-Grüze;
- Sulzerareal und Lokstadt;
- Bahnhofsumfeld;
- Dättnau;
- Oberwinterthur;
- Rosenberg;
- Gebiete entlang wichtiger Verkehrsachsen.
Die räumliche Entwicklungsperspektive Winterthur 2040 sieht eine Stadt der kurzen Wege mit mehreren urbanen Zentren, leistungsfähigem öffentlichem Verkehr und gut zugänglichen Grünräumen vor.[16]
Zu den Herausforderungen gehören steigende Wohnkosten, Schulraumbedarf, Verkehrsbelastung, Klimaanpassung und die Finanzierung der wachsenden städtischen Infrastruktur.
Städtepartnerschaften
Winterthur unterhält bilaterale Partnerschaften mit mehreren Städten:
| Stadt | Staat | Beginn beziehungsweise Hintergrund |
|---|---|---|
| Hall in Tirol | Österreich | Entstand aus Winterthurer Wiederaufbauhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg |
| Yverdon-les-Bains | Schweiz | Partnerschaft seit 1969 |
| La Chaux-de-Fonds | Schweiz | Partnerschaft seit 1981 zur Förderung des Austauschs zwischen deutscher und französischer Schweiz |
| Pilsen | Tschechien | Kontakte seit 1991, Partnerschaftsvertrag seit 1994 |
Die Partnerschaften umfassen kulturellen, schulischen, sportlichen, wirtschaftlichen und behördlichen Austausch.[17]
Persönlichkeiten
Mit Winterthur verbunden sind unter anderem:
- Johann Georg Sulzer (1720–1779), Philosoph und Ästhetiker;
- Jonas Furrer (1805–1861), erster Bundespräsident der Schweiz;
- Johann Jakob Sulzer (1821–1897), Politiker und Stadtpräsident;
- Theodor Ziegler (1832–1917), Politiker und Journalist;
- Oskar Reinhart (1885–1965), Kunstsammler und Mäzen;
- Max Bill (1908–1994), Architekt, Künstler und Designer;
- Richard R. Ernst (1933–2021), Chemiker und Nobelpreisträger;
- Niklaus Wirth (1934–2024), Informatiker und Entwickler der Programmiersprache Pascal;
- Viktor Giacobbo (* 1952), Kabarettist, Schauspieler und Moderator;
- Reto Parolari (1952–2019), Dirigent;
- Volker Biesenbender (* 1950), Violinist und Musikpädagoge.
Bedeutung und Wahrnehmung
Winterthur wird häufig als Beispiel für den erfolgreichen Wandel einer traditionellen Industriestadt bezeichnet. Die industrielle Vergangenheit ist weiterhin sichtbar, bestimmt jedoch nicht mehr allein die wirtschaftliche und kulturelle Identität.
Die Stadt verbindet die Nähe zu Zürich mit einer eigenständigen Innenstadt, eigenen Kulturinstitutionen, einer grossen Hochschule und ausgeprägten Quartierstrukturen.
In der öffentlichen Wahrnehmung stehen besonders die Begriffe Maschinenstadt, Kulturstadt, Museumsstadt und Gartenstadt für unterschiedliche Phasen und Eigenschaften Winterthurs.
Literatur
- Erwin Eugster: Winterthur und seine Geschichte. Von den Anfängen bis 1798. Winterthur.
- Peter Niederhäuser: Winterthur im Mittelalter. Chronos Verlag, Zürich.
- Peter Niederhäuser, Werner Huber und weitere: Geburtsstunde einer Grossstadt. Hundert Jahre Winterthurer Eingemeindung. 360. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Winterthur 2023.
- Hans-Peter Bärtschi: Industriekultur in Winterthur. Winterthur.
- Stadt Winterthur: Winterthurer Planungsgeschichte – Zonenplanung von der Eingemeindung bis heute. Winterthur.
- Kunstverein Winterthur: Kunst und Mäzenatentum in Winterthur. Winterthur.
- Stadtarchiv Winterthur: Neujahrsblätter der Stadtbibliothek Winterthur. Winterthur.
Siehe auch
- Kanton Zürich
- Bezirk Winterthur
- Geschichte der Stadt Winterthur
- Vitudurum
- Bahnhof Winterthur
- Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
- Sulzer AG
- Rieter (Unternehmen)
- Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik
- FC Winterthur
- Töss (Fluss)
- Eulach
- Liste der Städte in der Schweiz
- Liste der Kulturgüter in Winterthur
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Winterthur
- Stadtgeschichte Winterthur
- Statistik und Daten der Stadt Winterthur
- House of Winterthur – Tourismus und Standortförderung
- Kunst Museum Winterthur
- Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz»
- Fotomuseum Winterthur
- Swiss Science Center Technorama
- Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
- Bilder und Mediendateien zu Winterthur
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Stadt Winterthur: Geringes Bevölkerungswachstum im Jahr 2025, 19. Februar 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Technische Betriebe und Stadtgrün, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Freiraumstrategie Winterthur, 3. Oktober 2025, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Stadt Winterthur: Die Geburtsstunde einer Grossstadt, 6. September 2022, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Stadt Winterthur: Stadtgeschichte – kurz und bündig, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Winterthurer Planungsgeschichte, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Transformation des Sulzerareals, 19. März 2024, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Stadtrat, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Stefan Fritschi als neuer Stadtpräsident gewählt, 10. Mai 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Stadtparlament, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Neue Wirtschaftsstrategie für Winterthur, 8. Mai 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Schweizerische Bundesbahnen: Nutzen des Projekts MehrSpur Zürich–Winterthur, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ ZHAW: Hochschule und Standorte, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ ZHAW: Standorte und Infrastruktur in Winterthur, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Beiträge für das Fotozentrum, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Räumliche Entwicklungsperspektive Winterthur 2040, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Winterthur: Städtepartnerschaften, abgerufen am 23. Juli 2026.