Stettbach
| Stettbach | |
|---|---|
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Uster |
| Gemeinde | Dübendorf |
| Postleitzahl | 8600 |
| Höhe | 453 m ü. M. |
| Koordinaten | 47.3941° N, 8.5936° E |
Stettbach ist ein Ortsteil der Stadt Dübendorf im Bezirk Uster des Kantons Zürich. Der historische Weiler liegt am Fuss des Zürichbergs unmittelbar an der westlichen Gemeindegrenze zu Zürich und grenzt dort an den Stadtteil Schwamendingen.[1]
Der Name Stettbach ist heute vor allem durch den Bahnhof Stettbach bekannt. Dieser liegt rund 300 Meter nördlich des alten Weilerkerns im Grenzgebiet zwischen Dübendorf und Zürich und entwickelte sich seit der Eröffnung der S-Bahn Zürich im Jahr 1990 zu einem bedeutenden Verkehrsknoten. Der historische Weiler selbst hat dagegen seinen vergleichsweise kleinen und dörflichen Charakter weitgehend bewahrt.
Geographie
Stettbach liegt am nordöstlichen Fuss des Zürichbergs am Übergang zwischen den bewaldeten Hängen des Zürichbergs und des Adlisbergs sowie der Ebene des Glattals.
Der historische Siedlungskern befindet sich westlich des eigentlichen Stadtgebiets von Dübendorf und unmittelbar östlich der Zürcher Stadtgrenze.
Durch den Weiler fliesst der Sagentobelbach. Dieser entspringt im Gebiet des Zürichbergs beziehungsweise Adlisbergs und führt in Richtung Glattal.
Stettbach liegt auf ungefähr 453 m ü. M.
Ortsbild
Der historische Weiler Stettbach besteht aus ungefähr drei Dutzend Wohnbauten.[1]
Im Gegensatz zu den dicht bebauten Gebieten von Schwamendingen, Hochbord und Dübendorf blieb der alte Ortskern lange vergleichsweise klein.
Dies hängt unter anderem mit der Entwicklung der Verkehrsachsen zusammen. Die moderne Hauptverkehrsstrasse zwischen Schwamendingen und Dübendorf wurde nördlich des historischen Weilers geführt. Dadurch blieb der ursprüngliche Siedlungskern weitgehend ausserhalb der stärksten baulichen Entwicklung.[1]
Heute bilden der historische Weiler und das moderne Gebiet rund um den Bahnhof Stettbach zwei räumlich deutlich voneinander getrennte Bereiche.
Geschichte
Frühzeit und Römerzeit
Das Gebiet um Stettbach war bereits in früher Zeit verkehrlich von Bedeutung.
Archäologische Hinweise zeigen, dass während der Römerzeit eine Verkehrsverbindung von Stettbach über Wil und Hermikon nach Uster führte.[2]
Diese Route verband das Gebiet am Zürichberg mit dem oberen Glattal und dem Zürcher Oberland.
Auch an anderen Orten des heutigen Dübendorfer Gemeindegebiets wurden römische Funde entdeckt.
Mittelalter
Im Mittelalter lag Stettbach an einer wichtigen Strassenverbindung zwischen der Stadt Zürich und dem Zürcher Oberland.[1]
Die Route führte von Zürich über den Zürichberg beziehungsweise Schwamendingen in Richtung Dübendorf und weiter nach Uster.
Stettbach blieb dennoch eine kleine bäuerliche Siedlung und entwickelte sich nicht zu einem grösseren Dorf.
Die politische und grundherrschaftliche Geschichte des Weilers war eng mit jener Dübendorfs verbunden.
Zivilgemeinde Berg
Im 19. Jahrhundert gehörte Stettbach zusammen mit Kämmaten, Geeren und Dübelstein zur Zivilgemeinde Berg.[2]
Zivilgemeinden waren im Kanton Zürich lokale Körperschaften, die innerhalb einer politischen Gemeinde bestimmte Aufgaben wahrnahmen.
Die Zivilgemeinde Berg wurde 1921 aufgehoben. Ihre Aufgaben und Vermögenswerte gingen an die politische Gemeinde Dübendorf über.[2]
Stettbach war damit vollständig in die Gemeindestrukturen Dübendorfs integriert.
Entwicklung im 20. Jahrhundert
Während Dübendorf nach dem Zweiten Weltkrieg sehr stark wuchs, blieb der alte Weiler Stettbach weitgehend von grossflächiger Überbauung verschont.
Dübendorf entwickelte sich insbesondere seit den 1950er-Jahren zu einer dicht besiedelten Agglomerationsstadt. Zwischen 1957 und 1970 verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Gemeinde ungefähr von 10'000 auf 20'000 Personen.[3]
Die stärkste Bautätigkeit konzentrierte sich jedoch auf andere Gebiete.
Nordwestlich von Stettbach entwickelte sich Schwamendingen auf Zürcher Stadtgebiet stark, während östlich davon später das Gebiet Hochbord zu einem bedeutenden Wohn- und Arbeitsplatzgebiet wurde.
Bahnhof Stettbach
Der Bahnhof Stettbach liegt nördlich des historischen Weilers im Grenzgebiet zwischen der Stadt Zürich und der Stadt Dübendorf.
Der Bahnhof wurde eigens für die neue S-Bahn Zürich errichtet und am 27. Mai 1990 zusammen mit dem neuen Zürcher S-Bahn-Kernnetz eröffnet.[4]
Er ist Teil der Strecke durch den Zürichbergtunnel zwischen Zürich Stadelhofen und dem Glattal.
Der Bahnhof liegt teilweise unterirdisch. Die Bahnsteige befinden sich unmittelbar am nordöstlichen Portal des Zürichbergtunnels.
Obwohl der Bahnhof den Namen Stettbach trägt, liegen grosse Teile der Anlage auf dem Gebiet der Stadt Zürich.
S-Bahn Zürich
Der Bahnhof Stettbach gehört zu den wichtigsten Stationen der S-Bahn Zürich östlich des Stadtzentrums.
Mit der Eröffnung der S-Bahn im Jahr 1990 entstand erstmals eine direkte schnelle Bahnverbindung von Stettbach durch den Zürichbergtunnel nach Zürich Stadelhofen und weiter zum Zürich Hauptbahnhof.
Der Zürichbergtunnel, der Bahnhof Stettbach, der Hirschengrabentunnel und der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen gehörten zu den zentralen Infrastrukturprojekten der ersten Zürcher S-Bahn.[4]
Von Stettbach bestehen direkte Bahnverbindungen in verschiedene Teile des Kantons Zürich und des Zürcher Oberlands.
Tramverkehr
Bereits vor der Eröffnung des S-Bahnhofs wurde das Gebiet an das Zürcher Tramnetz angeschlossen.
1986 wurde die Tramstrecke von Schwamendingen bis Stettbach verlängert.
Die Tramendstation befindet sich unmittelbar oberhalb beziehungsweise neben dem heutigen Bahnhof.
Damit entstand ein wichtiger Umsteigepunkt zwischen S-Bahn und dem städtischen öffentlichen Verkehr Zürichs.
Später wurde die Anlage im Zusammenhang mit der Entwicklung des Glattals weiter ausgebaut.
Glattalbahn
Seit Dezember 2010 ist Stettbach auch Endpunkt einer Strecke der Glattalbahn.
Die Linie verbindet Stettbach über Wallisellen mit dem Gebiet von Zürich Oerlikon beziehungsweise weiteren Teilen des Glattals.
Damit erhielt der Bahnhof eine zusätzliche Funktion als Umsteigeknoten zwischen Eisenbahn, Tram und Bus.
Die Glattalbahn trug wesentlich dazu bei, den Bahnhof Stettbach stärker mit den Arbeitsplatz- und Siedlungsgebieten im Glattal zu verbinden.
Busverkehr
Am Bahnhof Stettbach halten mehrere regionale und städtische Buslinien.
Sie verbinden den Verkehrsknoten unter anderem mit:
- Dübendorf;
- Schwamendingen;
- Gockhausen;
- Fällanden;
- weiteren Gemeinden und Quartieren der Umgebung.
Dadurch besitzt Stettbach eine wichtige Verteilerfunktion für den öffentlichen Verkehr im westlichen Teil Dübendorfs.
Entwicklung rund um den Bahnhof
Bei der Planung des Bahnhofs Stettbach Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre war die Umgebung noch wesentlich weniger dicht bebaut als heute.
Seit der Eröffnung der S-Bahn entwickelte sich das Gebiet jedoch stark.
Vor allem östlich des Bahnhofs entstand im Dübendorfer Gebiet Hochbord ein dicht bebautes Quartier mit Wohnungen, Büros, Dienstleistungsbetrieben und Veranstaltungsgebäuden.
Die Stadt Dübendorf bezeichnete das Hochbord bereits Ende der 2010er-Jahre als stark wachsendes Entwicklungsgebiet. Ende 2013 lebten dort rund 230 Personen, Ende 2016 rund 620 und Ende 2018 bereits etwa 1040 Einwohner.[5]
Auch auf Zürcher Stadtgebiet entstanden in der Umgebung des Bahnhofs neue Wohn- und Gewerbebauten.
Hochbord
Das Gebiet Hochbord liegt östlich und nordöstlich des Bahnhofs Stettbach auf Dübendorfer Gemeindegebiet.
Es war lange vor allem von Gewerbe- und Industriebauten geprägt. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts wird das Gebiet zunehmend zu einem gemischt genutzten Stadtquartier umgestaltet.
Neue Hochhäuser, Wohnüberbauungen und Bürogebäude veränderten das Erscheinungsbild grundlegend.
Die gute Erschliessung durch den Bahnhof Stettbach ist einer der wichtigsten Gründe für die hohe bauliche Dichte des Quartiers.
JaBee Tower
Zu den auffälligsten Bauwerken im Umfeld von Stettbach gehört der JaBee Tower im Hochbord.
Das Wohnhochhaus prägt zusammen mit weiteren Hochhäusern die moderne Silhouette des Gebiets östlich des Bahnhofs.
Bei seiner Fertigstellung gehörte es zu den höchsten reinen Wohnhochhäusern der Schweiz.
Der starke Gegensatz zwischen dem modernen Hochhausquartier und dem nur wenige hundert Meter entfernten historischen Weiler ist charakteristisch für Stettbach.
The Hall
Unmittelbar beim Bahnhof befindet sich die Veranstaltungsstätte The Hall.
Sie wurde 2017 eröffnet und trug zunächst den Namen Samsung Hall.
Die Halle wird für Konzerte, Shows, Kongresse, Firmenveranstaltungen und weitere Grossanlässe genutzt.
Durch ihre Lage unmittelbar am Bahnhof ist sie sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.
Kiesgrube Stettbach
Nordwestlich des historischen Weilers befindet sich die ehemalige beziehungsweise teilweise naturnah entwickelte Kiesgrube Stettbach.
Das Gebiet besitzt Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Kiesgruben können insbesondere für Amphibien, Insekten und Pionierpflanzen wichtige Ersatzlebensräume bilden, da offene Kies- und Sandflächen in der intensiv genutzten Landschaft selten geworden sind.
Die Kiesgrube bildet einen naturnahen Bereich zwischen dem Siedlungsraum und den Hängen des Zürichbergs.
Sagentobelbach
Der Sagentobelbach durchquert den historischen Weiler Stettbach.
Sein Einzugsgebiet liegt an den Hängen von Zürichberg und Adlisberg.
Der Bach prägt den kleinen Dorfkern und bildet eines der wichtigsten natürlichen Landschaftselemente von Stettbach.
Im Zuge der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung wurden Teile des Bachsystems in der Umgebung verändert beziehungsweise neu geführt.
Zürichberg und Adlisberg
Südwestlich von Stettbach steigen die bewaldeten Hänge von Zürichberg und Adlisberg an.
Die Wälder bilden ein bedeutendes Naherholungsgebiet zwischen Zürich und Dübendorf.
Von Stettbach aus führen Fuss- und Wanderwege in Richtung:
- Zoo Zürich;
- Adlisberg;
- Zürichberg;
- Dübelstein;
- Gockhausen.
Damit befindet sich der Ort trotz seiner unmittelbaren Nähe zur dicht bebauten Agglomeration am Rand eines grossen zusammenhängenden Waldgebiets.
Verkehrsgeschichte
Die verkehrliche Bedeutung Stettbachs reicht wesentlich weiter zurück als der heutige Bahnhof.
Bereits die römische Verkehrsverbindung nach Uster und die mittelalterliche Strasse zwischen Zürich und dem Zürcher Oberland verliefen durch den Raum Stettbach.[2][1]
Mit dem Ausbau moderner Strassen verlagerte sich der Durchgangsverkehr später vom alten Weiler weg.
Seit den 1980er-Jahren entwickelte sich Stettbach erneut zu einem bedeutenden Verkehrsort, diesmal aufgrund des öffentlichen Verkehrs.
Die Abfolge:
- römischer Verkehrsweg;
- mittelalterliche Landstrasse;
- moderne Hauptstrasse;
- Tramanschluss 1986;
- S-Bahn-Anschluss 1990;
- Ausbau zum Tram-, Bahn- und Busknoten;
zeigt die langfristige Bedeutung der Lage am Übergang zwischen Zürichberg und Glattal.
Verhältnis zu Zürich
Stettbach gehört politisch zur Stadt Dübendorf, liegt aber unmittelbar an Zürich.
Diese Grenzlage ist insbesondere beim Bahnhof sichtbar.
Der historische Weiler befindet sich auf Dübendorfer Gebiet, während der grösste Teil der Perronanlagen des Bahnhofs und Teile der Tramhaltestellen auf dem Gebiet der Stadt Zürich liegen.
Trotz dieser Lage trägt die Station keinen Namenszusatz «Zürich», sondern heisst schlicht Stettbach.
Im Alltag ist das Gebiet funktional eng mit Schwamendingen und dem übrigen Zürich verbunden.
Charakter des Ortsteils
Stettbach weist heute zwei sehr unterschiedliche Siedlungsformen auf.
Der historische Weiler besteht aus wenigen Gebäuden am Fuss des Zürichbergs und besitzt einen weitgehend ländlichen Charakter.
Nur wenige hundert Meter entfernt befindet sich dagegen einer der bedeutenden öffentlichen Verkehrsknoten der Region mit dichter städtischer Bebauung.
Diese ungewöhnliche Kombination führte dazu, dass der Name Stettbach heute weit über Dübendorf hinaus bekannt ist, obwohl der eigentliche Weiler weiterhin sehr klein ist.
Bedeutung
Stettbach besitzt innerhalb der Stadt Dübendorf eine besondere Stellung.
Historisch handelt es sich um eine kleine Hof- und Weilersiedlung am alten Verkehrsweg zwischen Zürich und dem Zürcher Oberland.
Heute ist der Name dagegen in erster Linie mit dem Bahnhof und dem öffentlichen Verkehr verbunden.
Die Eröffnung der S-Bahn Zürich 1990 veränderte die Bedeutung des Gebiets grundlegend. Rund um den Bahnhof entstanden Arbeitsplätze, Wohnungen, Veranstaltungsorte und neue städtische Quartiere.
Damit entwickelte sich der Raum Stettbach zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen:
- der Stadt Zürich;
- Dübendorf;
- dem Glattal;
- dem Zürcher Oberland.
Der historische Weiler blieb gleichzeitig als eigenständiger kleiner Siedlungskern erhalten.
Siehe auch
- Dübendorf
- Bahnhof Stettbach
- S-Bahn Zürich
- Zürichbergtunnel
- Glattalbahn
- Schwamendingen
- Hochbord
- Zürichberg
- Adlisberg
- Gockhausen
- Bezirk Uster
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Ortsteil Stettbach. Hrsg.: Stadt Dübendorf. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Ueli Müller: Dübendorf. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
- ↑ Wissenswertes über Dübendorf. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 4,0 4,1 Geschichte des Zürcher Verkehrsverbunds. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Aufwertung des Zugangs Bahnhof Stettbach Nord. Hrsg.: Stadt Dübendorf. 2019-11-07. Abgerufen am 2026-08-25.