Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen
Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen ist eine grenzüberschreitende normalspurige Eisenbahnstrecke in der Schweiz und in Deutschland. Sie führt vom Bahnhof Eglisau im Kanton Zürich über Hüntwangen-Wil, Rafz, die deutschen Gemeinden Lottstetten und Jestetten nach Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen. Die rund 18 Kilometer lange Strecke gehört den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und bildet einen zentralen Abschnitt der direkten Eisenbahnverbindung Zürich–Schaffhausen.
Eine Besonderheit der Strecke besteht darin, dass sie zwischen Rafz und Neuhausen über deutsches Staatsgebiet führt, ohne dort mit dem übrigen deutschen Eisenbahnnetz verbunden zu sein. Die Bahnhöfe Lottstetten und Jestetten sind somit deutsche Bahnhöfe an einer von den SBB betriebenen Strecke.
Die Linie wurde am 1. Juni 1897 von der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) eröffnet. Sie verkürzte die Eisenbahnverbindung zwischen Zürich und Schaffhausen erheblich und entwickelte sich zu einer wichtigen Achse des schweizerischen Personen- und Güterverkehrs sowie des internationalen Verkehrs in Richtung Singen (Hohentwiel) und Stuttgart.[1]
| Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen | |
|---|---|
| Streckenanfang | Eglisau |
| Streckenende | Neuhausen am Rheinfall |
| Länge | ca. 17,9 km |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Eröffnung | 1. Juni 1897 |
| Ursprüngliche Gesellschaft | Schweizerische Nordostbahn |
| Heutige Eigentümerin | SBB |
| Elektrifizierung | 15. Dezember 1928 |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Gleise | teilweise ein-, teilweise zweigleisig |
| Staaten | Schweiz, Deutschland |
Bedeutung
Die Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen ist Teil der kürzesten Schienenverbindung zwischen Zürich und Schaffhausen. Bevor sie eröffnet wurde, mussten Züge zwischen den beiden Städten über Winterthur verkehren.
Mit der neuen Verbindung über Bülach, Eglisau, Rafz und Jestetten wurde die Reise erheblich verkürzt. Gleichzeitig entstand eine leistungsfähige Nord-Süd-Achse, die Schaffhausen direkt mit Zürich verband.
Die Strecke besitzt sowohl für den schweizerischen Binnenverkehr als auch für den internationalen Verkehr eine grosse Bedeutung. Über Schaffhausen und Singen bestehen Verbindungen in Richtung Süddeutschland und Stuttgart.
Vorgeschichte
Schaffhausen erhielt bereits 1857 mit der Rheinfallbahn eine Eisenbahnverbindung nach Winterthur und damit Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz.
Für Reisen zwischen Zürich und Schaffhausen war diese Linienführung jedoch vergleichsweise umwegig. Von Zürich führte die Strecke zunächst über Zürich Oerlikon, Wallisellen und Winterthur, bevor sie über Andelfingen, Dachsen und Neuhausen am Rheinfall nach Schaffhausen gelangte.
Im 19. Jahrhundert entstanden deshalb verschiedene Pläne für eine direktere Verbindung zwischen Zürich und Schaffhausen.
Eine günstige Linienführung führte von Bülach über Eglisau und Rafz nach Neuhausen. Aufgrund der politischen Grenzen war dafür allerdings ein Abschnitt über das Gebiet des damaligen Grossherzogtums Baden notwendig.
Staatsvertrag von 1875
Damit eine schweizerische Bahnstrecke über badisches Gebiet gebaut werden konnte, war eine zwischenstaatliche Regelung notwendig.
Am 21. Mai 1875 schlossen die Schweiz und das Grossherzogtum Baden einen Staatsvertrag betreffend die Verbindung ihrer Eisenbahnen bei Schaffhausen und bei Stühlingen.[2]
Der Vertrag regelte die rechtlichen Voraussetzungen für Bau und Betrieb der grenzüberschreitenden Eisenbahnverbindungen.
Für die spätere Strecke Eglisau–Neuhausen war insbesondere entscheidend, dass die Schweizerische Nordostbahn ihre Linie durch die badischen Gemeinden Lottstetten und Jestetten führen konnte.
Diese politische Vereinbarung erklärt die bis heute ungewöhnliche Situation, dass sich auf deutschem Staatsgebiet eine Eisenbahnstrecke befindet, deren Infrastruktur zu den Schweizerischen Bundesbahnen gehört.
Bau
Die eigentlichen Bauarbeiten erfolgten in den 1890er-Jahren. Wegen der topografischen Verhältnisse entlang des Rheins waren mehrere anspruchsvolle Kunstbauten notwendig.
Das bedeutendste Bauwerk ist die Eisenbahnbrücke Eglisau, mit der die Strecke unmittelbar nach Eglisau den Rhein überquert.
Weiter nördlich beziehungsweise östlich mussten verschiedene Einschnitte, Tunnel und Brücken erstellt werden. Besonders anspruchsvoll war die Linienführung zwischen Jestetten und Neuhausen, wo das Gelände zum Rhein hin stark abfällt.
Die Baukosten beliefen sich auf mehrere Millionen Franken, was für eine vergleichsweise kurze Strecke einen erheblichen Betrag darstellte.
Eröffnung
Am 1. Juni 1897 nahm die Schweizerische Nordostbahn die Strecke Eglisau–Neuhausen in Betrieb.[1]
Damit war die direkte Eisenbahnverbindung Zürich–Bülach–Schaffhausen vollständig.
Der bereits 1876 eröffnete Abschnitt Bülach–Eglisau der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz wurde dadurch Teil einer bedeutenden Transitachse. Im Zusammenhang mit der neuen Verbindung wurde dieser Abschnitt leistungsfähiger ausgebaut.
Für Schaffhausen bedeutete die Eröffnung eine wesentlich direktere Anbindung an Zürich. Gleichzeitig verlor die ältere Verbindung über Winterthur einen Teil ihrer Bedeutung für den Verkehr zwischen Zürich und Schaffhausen, blieb jedoch eine wichtige regionale Strecke.
Übernahme durch die SBB
Die Schweizerische Nordostbahn gehörte zu den grossen privaten Eisenbahngesellschaften der Schweiz.
Nachdem die Schweizer Stimmberechtigten 1898 der Verstaatlichung der grossen Privatbahnen zugestimmt hatten, wurde die NOB 1902 in die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen integriert.
Damit ging auch die Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen an die SBB über.
Bis heute befinden sich auch die auf deutschem Staatsgebiet liegenden Infrastrukturteile der Strecke im Eigentum beziehungsweise in der betrieblichen Verantwortung der SBB.
Streckenverlauf
Eglisau
Die Strecke beginnt im Bahnhof Eglisau. Dort besteht die Verbindung mit der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz.
Vom Bahnhof führt die Linie zunächst nach Norden beziehungsweise Nordosten und überquert kurz darauf den Rhein.
Eisenbahnbrücke Eglisau
Hauptartikel: Eisenbahnbrücke Eglisau
Die Eisenbahnbrücke über den Rhein gehört zu den markantesten Bauwerken der Strecke.
Das insgesamt rund 440 Meter lange Bauwerk überspannt das tief eingeschnittene Rheintal. Der zentrale Stromübergang besteht aus einer grossen Stahlkonstruktion, während auf beiden Seiten gemauerte beziehungsweise steinerne Viaduktabschnitte anschliessen.
Die Brücke wurde gemeinsam mit der Bahnstrecke 1897 eröffnet und prägt bis heute das Landschaftsbild von Eglisau.
Hüntwangen-Wil und Rafz
Nach der Rheinüberquerung führt die Strecke durch das Zürcher Unterland zum Bahnhof Hüntwangen-Wil.
Der Bahnhof erschliesst die Gemeinden Hüntwangen und Wil ZH.
Anschliessend erreicht die Linie Rafz. Rafz ist der letzte Bahnhof auf schweizerischem Gebiet vor dem südlichen Grenzübertritt nach Deutschland.
Die Strecke besitzt in diesem Abschnitt sowohl regionale als auch überregionale Bedeutung. Neben S-Bahn-Zügen verkehren hier Fernverkehrs- und Güterzüge zwischen Zürich und Schaffhausen.
Deutscher Streckenabschnitt
Nördlich von Rafz überschreitet die Bahnstrecke die Staatsgrenze und erreicht Baden-Württemberg.
Der deutsche Abschnitt führt durch den Landkreis Waldshut und umfasst die Gemeinden Lottstetten und Jestetten.
Die Strecke stellt dort eine verkehrliche Besonderheit dar: Sie gehört zum schweizerischen Bahnnetz und besitzt keine Gleisverbindung zum übrigen deutschen Eisenbahnnetz.
Lottstetten
Der Bahnhof Lottstetten wurde zusammen mit der Strecke 1897 eröffnet.
Er liegt innerhalb der deutschen Gemeinde Lottstetten, wird jedoch von Zügen des schweizerischen Regionalverkehrs bedient.
Die Strecke zwischen Rafz, Lottstetten und Jestetten ist zugleich Bestandteil der direkten Verbindung zwischen dem Zürcher Unterland und Schaffhausen.
Jestetten
Der Bahnhof Jestetten ist die wichtigste Station des deutschen Streckenabschnitts.
Jestetten wird sowohl von der Zürcher S-Bahn als auch von der S-Bahn Schaffhausen erschlossen. Damit bestehen direkte Bahnverbindungen nach Schaffhausen und Zürich.
Obwohl der Bahnhof in Deutschland liegt, ist er betrieblich eng in das schweizerische Bahnnetz integriert.
Ehemaliger Bahnhof Altenburg-Rheinau
Zwischen Jestetten und der Schweizer Grenze bestand ursprünglich der Bahnhof Altenburg-Rheinau.
Er erschloss einerseits den deutschen Ort Altenburg, andererseits war er auch für Reisende aus der schweizerischen Gemeinde Rheinau ZH von Bedeutung.
Wegen geringer Fahrgastzahlen wurde der Personenverkehr am Bahnhof im Dezember 2010 eingestellt.
Die Station wurde danach als regulärer Personenbahnhof aufgegeben. Teile der früheren Anlagen wurden zurückgebaut.
Rückkehr in die Schweiz
Nordöstlich von Jestetten verlässt die Strecke Deutschland erneut und erreicht den Kanton Schaffhausen.
In diesem landschaftlich anspruchsvollen Abschnitt verläuft sie oberhalb des Rheins und des Rheinfalls.
Mehrere Tunnel und Brücken waren notwendig, um die Strecke durch das steile Gelände nach Neuhausen zu führen.
Zu den historischen Kunstbauten gehören der Fischerhölzli-Tunnel, die Brücken Schweizerhof I und Schweizerhof II sowie der Neuhausen-Tunnel.
Neuhausen Rheinfall
Im Dezember 2015 wurde die neue Haltestelle Neuhausen Rheinfall in Betrieb genommen.[3]
Die Station befindet sich nahe dem Zentrum von Neuhausen am Rheinfall und erschliesst zugleich eine der wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten der Schweiz.
Über Liftanlagen besteht ein direkter Zugang in Richtung Rheinfallbecken. Dadurch wurde die Erreichbarkeit des Rheinfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln wesentlich verbessert.
Die feierliche Eröffnung fand am 28. November 2015 statt; mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wurde die Haltestelle in den regulären Betrieb aufgenommen.[4]
Neuhausen
Nach der Haltestelle Neuhausen Rheinfall erreicht die Strecke den Bahnhof Neuhausen.
Im Raum Neuhausen trifft die Verbindung aus Eglisau auf die ältere Rheinfallbahn aus Richtung Winterthur. Beide Linien führen anschliessend weiter nach Schaffhausen.
Neuhausen ist deshalb ein wichtiger Verknüpfungspunkt zwischen den beiden grossen Eisenbahnverbindungen von Zürich nach Schaffhausen.
Elektrifizierung
Am 15. Dezember 1928 wurde der elektrische Betrieb auf der Verbindung Zürich–Schaffhausen über Eglisau aufgenommen.[5]
Die Strecke wurde mit dem bei den SBB üblichen Stromsystem von 15'000 Volt Wechselstrom elektrifiziert. Heute beträgt die nominelle Frequenz 16,7 Hertz.
Die frühe Elektrifizierung unterstreicht die Bedeutung der Verbindung. Zahlreiche weniger stark belastete Nebenstrecken der SBB wurden erst während oder nach dem Zweiten Weltkrieg elektrifiziert.
Mit der Elektrifizierung verschwanden die Dampflokomotiven schrittweise aus dem regulären Betrieb zwischen Zürich und Schaffhausen.
Doppelspurausbau
Die Strecke wurde ursprünglich weitgehend eingleisig gebaut. Mit dem starken Wachstum des Personen- und Güterverkehrs entwickelte sich diese Infrastruktur zunehmend zu einem Kapazitätsengpass.
Daher wurden seit Beginn des 21. Jahrhunderts mehrere Abschnitte zweigleisig ausgebaut.
Zwischen Hüntwangen-Wil und Rafz begannen 2009 Arbeiten für einen Doppelspurausbau. Die neue Infrastruktur wurde 2010 in Betrieb genommen.
Ein weiterer Doppelspurabschnitt entstand zwischen Jestetten und dem Gebiet Fischerhölzli in Richtung Neuhausen.
Die zusätzlichen Gleise verbessern die Möglichkeiten für Zugkreuzungen und erhöhen sowohl die Fahrplanstabilität als auch die Kapazität der Strecke.
Ausbau Lottstetten–Jestetten
Im Rahmen des Ausbauschritts 2035 der schweizerischen Bahninfrastruktur ist ein weiterer Doppelspurausbau zwischen Lottstetten und Jestetten vorgesehen.[6]
Geplant ist ein rund 3,8 Kilometer langer Doppelspurabschnitt. Damit sollen sich Züge künftig flexibler kreuzen können.
Das Projekt umfasst unter anderem:
- den Doppelspurausbau zwischen Lottstetten und Jestetten,
- den Umbau des Bahnhofs Lottstetten,
- neue hindernisfreie Perronzugänge,
- Anpassungen an Brücken und Strassenüberführungen sowie
- zusätzliche Lärmschutzmassnahmen.
Die SBB rechnen mit Gesamtkosten von rund 180 Millionen Franken.[6]
Da ein grosser Teil des Projekts auf deutschem Staatsgebiet liegt, sind sowohl schweizerische als auch deutsche Behörden in die Genehmigungsverfahren einbezogen.
Nach Angaben der SBB hat sich der ursprünglich vorgesehene Baubeginn wegen des laufenden Genehmigungsverfahrens verzögert. Mit dem Bau wird nach aktuellem Planungsstand erst gegen Ende der 2020er- beziehungsweise Anfang der 2030er-Jahre gerechnet.[6]
S-Bahn Zürich
Seit der Eröffnung der S-Bahn Zürich 1990 gehört die Verbindung über Eglisau und Rafz zum Zürcher S-Bahn-Netz.
Im Fahrplanjahr 2026 wird die gesamte Strecke von der Linie S9 bedient.
| Linie | Verbindung | Wichtige Halte auf der Strecke |
|---|---|---|
| S9 | Schaffhausen–Zürich HB–Stettbach–Uster | Neuhausen – Neuhausen Rheinfall – Jestetten – Lottstetten – Rafz – Hüntwangen-Wil – Eglisau |
Die S9 stellt eine direkte Verbindung von Schaffhausen über das deutsche Grenzgebiet, das Zürcher Unterland und Zürich Hauptbahnhof bis nach Uster her.[7]
Damit besitzen auch Lottstetten und Jestetten direkte Verbindungen nach Zürich.
S-Bahn Schaffhausen
Der deutsche Abschnitt der Strecke ist zusätzlich in die S-Bahn Schaffhausen eingebunden.
Im Fahrplanjahr 2026 verkehrt die Linie S65 zwischen Jestetten und Schaffhausen.[8]
Die S65 ergänzt insbesondere auf dem nördlichen Abschnitt das Angebot der S9 und verbessert die Verbindungen von Jestetten und Neuhausen nach Schaffhausen.
Regional- und Fernverkehr
Neben den S-Bahn-Zügen wird die Strecke von schnellen Regional- und Fernverkehrszügen benutzt.
Im Fahrplanjahr 2026 verkehrt der RE48 zwischen Zürich und Schaffhausen über Bülach und Eglisau.[9]
Auch die InterCity-Verbindungen zwischen Zürich, Schaffhausen, Singen und Stuttgart benutzen die Strecke.[10]
Die Strecke übernimmt dadurch gleichzeitig Aufgaben des:
- Zürcher Agglomerationsverkehrs,
- Schaffhauser Regionalverkehrs,
- schweizerischen Fernverkehrs,
- internationalen Personenverkehrs und
- Güterverkehrs.
Diese Mischung unterschiedlicher Zugarten stellt hohe Anforderungen an die verfügbare Streckenkapazität.
Güterverkehr
Die Achse Zürich–Bülach–Schaffhausen ist auch für den Güterverkehr von Bedeutung.
Güterzüge nutzen die Verbindung zwischen dem Wirtschaftsraum Zürich und Schaffhausen beziehungsweise den Anschlüssen in Richtung Deutschland.
Da ein erheblicher Teil der Strecke lange eingleisig war, müssen Personen- und Güterverkehr eng aufeinander abgestimmt werden.
Der geplante Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten soll daher nicht nur den regionalen Personenverkehr verbessern, sondern auch zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr schaffen.[6]
Grenzüberschreitender Sonderfall
Die Streckenführung macht die Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen zu einem besonderen Fall im europäischen Eisenbahnnetz.
Ein Zug von Zürich nach Schaffhausen verlässt nach Rafz die Schweiz, fährt über Lottstetten und Jestetten durch Deutschland und erreicht vor Neuhausen erneut Schweizer Gebiet.
Für eine Reise zwischen Zürich und Schaffhausen bedeutet dies, dass eine schweizerische Binnenverbindung über ausländisches Staatsgebiet führt.
Gleichzeitig befinden sich mit Lottstetten und Jestetten regulär bediente Bahnhöfe in Deutschland an einer Infrastruktur der Schweizerischen Bundesbahnen.
Die besondere rechtliche Situation hat ihren Ursprung im Staatsvertrag von 1875.[2]
Eisenbahnunfall von Rafz 2015
Am Morgen des 20. Februar 2015 ereignete sich im Bahnhof Rafz eine seitliche Kollision zwischen einem S-Bahn-Zug und einem InterRegio-Zug.
Der Unfall geschah kurz nach 06:40 Uhr bei der Ausfahrt in Richtung Schaffhausen.[11]
Mehrere Personen wurden verletzt. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle untersuchte den Unfall und veröffentlichte anschliessend verschiedene Sicherheitsempfehlungen.
Touristische Bedeutung
Die Strecke besitzt auch touristische Bedeutung.
Bereits nach ihrer Eröffnung 1897 verbesserte sie die Erreichbarkeit des Rheinfalls von Zürich aus.[12]
Heute liegt die Haltestelle Neuhausen Rheinfall unmittelbar oberhalb des Rheinfallbeckens. Reisende können von dort über Liftanlagen und Fusswege direkt zum Rheinfall gelangen.
Auch die Fahrt über die Eisenbahnbrücke bei Eglisau und der Streckenabschnitt entlang des Rheins bieten charakteristische Ausblicke auf die Landschaft der Region.
Bedeutung für das Zürcher Unterland
Für das Zürcher Unterland ist die Bahnstrecke eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen.
Eglisau, Hüntwangen-Wil und Rafz sind über die S-Bahn direkt mit Zürich verbunden. Gleichzeitig bestehen schnelle Verbindungen nach Schaffhausen.
Die Bahn hat damit grossen Einfluss auf die Entwicklung der Gemeinden als Wohn- und Pendlerorte.
Insbesondere seit der Einführung und dem Ausbau der S-Bahn Zürich nahm die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs in der Region weiter zu.
Bedeutung für Schaffhausen
Für den Kanton Schaffhausen bildet die Verbindung über Eglisau zusammen mit der älteren Rheinfallbahn eine von zwei wichtigen Eisenbahnachsen in Richtung Zürich.
Die Linie über Eglisau ist wegen ihrer kürzeren Streckenführung besonders für schnelle Verbindungen zwischen Schaffhausen und Zürich von Bedeutung.
Fernverkehrszüge benutzen deshalb normalerweise diese Route, während die Verbindung über Winterthur stärker dem Regionalverkehr und den Beziehungen zwischen Schaffhausen und der Region Winterthur dient.
Durch diese beiden Achsen ist Schaffhausen aus unterschiedlichen Richtungen an das Zürcher Eisenbahnnetz angebunden.
Siehe auch
- Bahnstrecke Zürich–Schaffhausen
- Rheinfallbahn
- Bahnstrecke Winterthur–Koblenz
- Bahnhof Eglisau
- Bahnhof Hüntwangen-Wil
- Bahnhof Rafz
- Bahnhof Neuhausen Rheinfall
- Bahnhof Neuhausen
- Bahnhof Schaffhausen
- Eisenbahnbrücke Eglisau
- Schweizerische Nordostbahn
- Schweizerische Bundesbahnen
- S-Bahn Zürich
- S-Bahn Schaffhausen
- Schienenverkehr im Kanton Zürich
- Schienenverkehr im Kanton Schaffhausen
Literatur
- Hans Bölsterli, Bertram Brogle, Walter Frauenfelder: Brückenschlag. 100 Jahre Bahnlinie Eglisau–Neuhausen am Rheinfall 1897–1997. Zürich 1997.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Franz Lamprecht, Mario König: Eglisau. Geschichte der Brückenstadt am Rhein. Zürich.
Weblinks
- Schweizerische Bundesbahnen
- Zürcher Verkehrsverbund
- Staatsvertrag zwischen der Schweiz und dem Grossherzogtum Baden vom 21. Mai 1875
- SBB – Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Staatsarchiv Schaffhausen: Strassenbahn- und Eisenbahnpläne, Informationen zur Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Schweizerische Eidgenossenschaft: Staatsvertrag zwischen der Schweiz und dem Grossherzogtum Baden betreffend die Verbindung der beiderseitigen Eisenbahnen bei Schaffhausen und bei Stühlingen vom 21. Mai 1875, Fedlex.
- ↑ Kanton Schaffhausen: Neubau Bahnhof Neuhausen Rheinfall, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Gemeinde Neuhausen am Rheinfall: S-Bahnhaltestelle Neuhausen Rheinfall, Informationen zur Inbetriebnahme im Dezember 2015.
- ↑ Kanton Zürich, kantonale Denkmalpflege: Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung – Eglisau, 2021; Angaben zur Elektrifizierung der Linie Zürich–Schaffhausen 1928.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 SBB: Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: S9 – Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ OSTWIND Tarifverbund: Zürcher S-Bahn / S-Bahn St. Gallen / S-Bahn Schaffhausen / S-Bahn Bodensee, Liniennetzplan 2026.
- ↑ SBB: Direktverbindungen Fernverkehr ab Zürich HB, Angaben zum RE48 Richtung Schaffhausen, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ SBB: IC Stuttgart–Zürich, aktualisiert am 23. Februar 2026.
- ↑ Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST: Schlussbericht über die Kollision zweier Reisezüge vom 20. Februar 2015 in Rafz.
- ↑ Bundesamt für Kultur: Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz – Schloss Laufen, Angaben zur touristischen Wirkung der 1897 eröffneten Bahnlinie Eglisau–Neuhausen.
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