Bad Zurzach

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Bad Zurzach
Kanton Aargau
Bezirk Zurzach
Gemeinde Zurzach
Postleitzahl 5330
Höhe ca. 340 m ü. M.
Frühere BFS-Nr. 4323
Status Ortschaft, bis 2021 politische Gemeinde
Gemeindefusion 1. Januar 2022
Website zurzach.ch

Bad Zurzach ist eine Ortschaft der politischen Gemeinde Zurzach im Bezirk Zurzach des Kantons Aargau. Sie liegt am linken Ufer des Rheins unmittelbar an der Grenze zu Deutschland und bildet das historische, administrative und touristische Zentrum der heutigen Gemeinde Zurzach.

Der Ort war bis Ende 2021 eine selbstständige politische Gemeinde. Am 1. Januar 2022 schlossen sich Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen zur neuen Gemeinde Zurzach zusammen.[1]

Bad Zurzach ist vor allem als Thermal- und Gesundheitsort bekannt. Die heute als Therme Zurzach betriebene Anlage nutzt eine Glaubersalzquelle, deren fast 40 °C warmes Thermalwasser aus einer Tiefe von rund 430 Metern gefördert wird.[2]

Daneben besitzt Bad Zurzach eine aussergewöhnlich lange Geschichte. Bereits in römischer Zeit bestand hier unter dem Namen Tenedo eine bedeutende Siedlung am Rheinübergang. Im Mittelalter entwickelte sich Zurzach zu einem europaweit bekannten Wallfahrts- und Messeort rund um das Grab der heiligen Verena.

Geografie

Bad Zurzach liegt im Nordosten des Kantons Aargau am Hochrhein. Auf der gegenüberliegenden deutschen Rheinseite befindet sich Rheinheim, ein Ortsteil der Gemeinde Küssaberg im Landkreis Waldshut.

Der Rhein bildet hier gleichzeitig:

  • die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland;
  • die Kantonsgrenze des Aargaus;
  • einen prägenden Bestandteil der Landschaft des Zurzibiets.

Das Siedlungsgebiet liegt überwiegend auf einer flachen Rheinterrasse. Südlich und südwestlich steigt das Gelände zu bewaldeten Höhen und landwirtschaftlich genutzten Flächen an.

Bad Zurzach gehört zur Region Zurzibiet, die den nordöstlichen Teil des Kantons Aargau umfasst.

Name

Der Ort war während Jahrhunderten unter dem Namen Zurzach bekannt.

Der Name geht auf die römische beziehungsweise spätantike Siedlungstradition zurück und ist in mittelalterlichen Quellen in unterschiedlichen Formen überliefert.

Mit Wirkung vom 1. Dezember 2006 änderte die damalige politische Gemeinde ihren amtlichen Namen von Zurzach in Bad Zurzach.[3]

Die Ergänzung «Bad» unterstrich die Bedeutung des Ortes als Thermal-, Gesundheits- und Kurort.

Mit der Gemeindefusion zum 1. Januar 2022 erhielt die neue politische Gemeinde wieder den Namen Zurzach. Bad Zurzach blieb als Name der Ortschaft bestehen.[1]

Geschichte

= Vorgeschichte

Das Gebiet von Bad Zurzach war bereits lange vor der römischen Zeit besiedelt.

Archäologische Funde belegen menschliche Aktivitäten vom Neolithikum bis in spätere vorgeschichtliche Epochen.

Mehrere archäologische Fundstellen im heutigen Ortsgebiet gehören zu den Kulturgütern von nationaler Bedeutung.

Besonders bedeutend ist das Gebiet «Uf Rainen / Himmelrych», in dem sowohl vorgeschichtliche Siedlungsspuren als auch Überreste des römischen Vicus Tenedo nachgewiesen wurden.[4]

= Tenedo in römischer Zeit

Während der Römerzeit lag beim heutigen Bad Zurzach die Siedlung Tenedo.

Ihre Lage am Rhein und an wichtigen Verkehrsverbindungen verlieh ihr strategische Bedeutung.

Der Ort befand sich an einer wichtigen Route zwischen dem Schweizer Mittelland, Vindonissa und den Gebieten nördlich des Rheins.

In der Umgebung bestanden Strassen, Siedlungsanlagen und militärisch relevante Einrichtungen.

Der Rhein bildete insbesondere in der Spätantike einen wichtigen Abschnitt der römischen Reichsgrenze.

Archäologische Befunde zeigen, dass im Gebiet von Bad Zurzach Anlagen zur spätrömischen Rheinbefestigung bestanden.[4]

Der römische Name Tenedo blieb in historischen und archäologischen Zusammenhängen mit Zurzach verbunden.

= Spätantike und Verena

Die Geschichte Zurzachs ist eng mit der heiligen Verena verbunden.

Nach der christlichen Überlieferung lebte Verena im 4. Jahrhundert zeitweise in Zurzach und starb dort.

Über ihrem Grab entstand eine religiöse Kultstätte, die sich im Mittelalter zu einem bedeutenden Wallfahrtsziel entwickelte.

Die Verehrung der heiligen Verena verbreitete sich über die Region hinaus. Sie gilt als eine der wichtigen frühchristlichen Heiligen der Schweiz.

Die heutige Stiftskirche St. Verena steht in dieser jahrhundertealten Tradition.

= Früh- und Hochmittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft blieb der Ort aufgrund des Rheinübergangs und der Verehrung der heiligen Verena von Bedeutung.

Rund um die Grabkirche entstand eine geistliche Gemeinschaft, aus der sich das Stift Zurzach entwickelte.

Das Stift verfügte über Besitz und Rechte in der Umgebung und war über Jahrhunderte ein wichtiger wirtschaftlicher und religiöser Faktor.

Die Wallfahrt führte Pilgerinnen und Pilger aus verschiedenen Teilen Europas nach Zurzach.

Gleichzeitig entwickelte sich der Ort zunehmend zu einem Handelszentrum.

= Zurzacher Messen

Besonders berühmt wurde Zurzach durch seine grossen Jahrmärkte beziehungsweise Messen.

Seit dem Mittelalter fanden regelmässig Handelsmessen statt, die eng mit den kirchlichen Festtagen der heiligen Verena verbunden waren.

Die Zurzacher Messen gehörten zeitweise zu den bedeutendsten Handelsveranstaltungen im Gebiet der heutigen Schweiz.

Kaufleute reisten unter anderem aus:

  • Süddeutschland;
  • der Eidgenossenschaft;
  • dem Elsass;
  • Italien;
  • Frankreich;
  • den Niederlanden

nach Zurzach.

Gehandelt wurden unter anderem:

  • Textilien;
  • Leder;
  • Vieh;
  • Salz;
  • Wein;
  • Metallwaren;
  • Gewürze;
  • Haushaltswaren.

Die Messewirtschaft prägte die bauliche Entwicklung des Ortes. Zahlreiche grosse Gasthäuser, Lagergebäude und Handelshäuser entstanden.

Zurzach besass dadurch trotz seiner vergleichsweise geringen ständigen Einwohnerzahl zeitweise eine weit überregionale wirtschaftliche Bedeutung.

= Politische Zugehörigkeit

Im Mittelalter wechselten die Herrschaftsrechte über Zurzach mehrfach.

Die Region stand zeitweise unter dem Einfluss der Habsburger.

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 gehörte Zurzach zur Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft.

Die eidgenössischen Orte verwalteten das Gebiet gemeinsam durch Landvögte.

Diese politische Ordnung bestand bis zum Ende des Ancien Régime 1798.

= Helvetik und Kanton Aargau

Mit dem Einmarsch französischer Truppen 1798 und der Gründung der Helvetischen Republik endete die alte Herrschaftsordnung.

Zurzach wurde zunächst Teil des Kantons Baden.

Durch die Mediationsakte von 1803 entstand der heutige Kanton Aargau. Zurzach wurde diesem neuen Kanton zugeteilt und zum Hauptort des Bezirks Zurzach.

Diese Funktion besitzt der Ort bis heute.

Industrialisierung

Im 19. Jahrhundert verlor die traditionelle Messewirtschaft zunehmend an Bedeutung.

Neue Verkehrswege, Eisenbahnen und moderne Handelsstrukturen führten dazu, dass grosse periodische Warenmessen ihre frühere Funktion verloren.

Gleichzeitig begann sich in Zurzach Industrie anzusiedeln.

Von besonderer Bedeutung war die Textilindustrie.

1872 gründete der Unternehmer Jakob Zuberbühler in Zurzach die Firma Zuberbühler & Cie., die in der Stickerei- und Wäscheproduktion tätig war. Das Unternehmen beschäftigte um 1900 rund 1000 Personen und gehörte zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region.

Später wurde das Fabrikareal unter anderem von Triumph International genutzt.

1933 errichtete Triumph in der ehemaligen Stickereifabrik Zuberbühler seine erste Auslandsniederlassung. Seit 1977 befand sich die Konzernholding von Triumph International in Bad Zurzach; die lokale Produktion wurde in den 1990er-Jahren aufgegeben.[5]

Entdeckung des Thermalwassers

Die heutige Bedeutung Bad Zurzachs als Kur- und Gesundheitsort begann im 20. Jahrhundert.

1914 wurde bei Bohrungen nach Salz zufällig Thermalwasser entdeckt.[6]

Da die damaligen Arbeiten auf die Salzgewinnung ausgerichtet waren, wurde die Thermalquelle zunächst wieder verschlossen.

Erst Jahrzehnte später wurde das Potenzial des warmen Mineralwassers wieder aufgegriffen.

Eine entscheidende Rolle spielte der Arzt Dr. Martin Erb, der sich in den 1950er-Jahren für eine erneute Erschliessung der Quelle einsetzte.[6]

Am 5. September 1955 wurde in rund 430 Metern Tiefe erfolgreich Thermalwasser erschlossen. Das Wasser trat mit einer Temperatur von etwa 39,9 °C und einer Schüttung von rund 500 Litern pro Minute an die Oberfläche.[7]

Nur wenige Wochen später konnten erste Gäste in einer einfachen Badeanlage mit 14 Wannen baden.[7]

Therme Zurzach

Aus den provisorischen Badeanlagen entwickelte sich schrittweise eines der bekanntesten Thermalbäder der Schweiz.

1963 wurde ein markanter Bohrturm errichtet, der eine gleichmässige Verteilung des Thermalwassers ermöglichte.[7]

Am 5. Juli 1966 wurde die Thermalbad Zurzach AG gegründet.

1967 begannen die Bauarbeiten für ein neues Thermalbad, das 1970 eröffnet wurde.[7]

Die Anlage wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert.

Heute wird sie unter der Bezeichnung Therme Zurzach betrieben.

Das Thermalwasser stammt aus der Glaubersalzquelle und wird aus einer Tiefe von rund 430 Metern gefördert. Es besitzt eine Temperatur von fast 40 °C.[2]

Zur Anlage gehören unter anderem:

  • Innen- und Aussenbecken;
  • Thermalwasserbecken;
  • Soleangebote;
  • Saunaanlagen;
  • Ruhebereiche;
  • Fitnessangebote;
  • Spa- und Wellnessbereiche;
  • Gastronomie.

Die Therme ist ganzjährig geöffnet und bildet einen der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte des Zurzibiets.

Gesundheitsstandort

Parallel zum Thermalbad entwickelte sich Bad Zurzach zu einem bedeutenden Gesundheits- und Rehabilitationsstandort.

Die Nutzung des Thermalwassers wurde mit medizinischen und therapeutischen Angeboten verbunden.

Heute befinden sich im Ort verschiedene Einrichtungen in den Bereichen:

  • Rehabilitation;
  • Physiotherapie;
  • Prävention;
  • Wellness;
  • medizinische Trainingstherapie;
  • Gesundheitsförderung.

Damit ist der Gesundheitssektor neben Tourismus und Dienstleistungen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Der Begriff «Bad Zurzach» wurde über Jahrzehnte stark mit Rehabilitation, Thermalwasser und Gesundheitsangeboten verbunden.

Gemeindefusion 2022

Im 21. Jahrhundert wurde eine umfassende Gemeindefusion im östlichen Zurzibiet vorbereitet.

Am 1. Januar 2022 wurden die bisherigen politischen Gemeinden

  • Bad Zurzach;
  • Baldingen;
  • Böbikon;
  • Kaiserstuhl;
  • Rekingen;
  • Rietheim;
  • Rümikon;
  • Wislikofen

aufgehoben und zur neuen politischen Gemeinde Zurzach zusammengeschlossen.[1]

Bad Zurzach verlor dadurch seinen Status als politische Gemeinde, blieb aber als Ortschaft und wichtigste Zentrumsfunktion der neuen Gemeinde bestehen.

Die neue Gemeinde erhielt die BFS-Nummer 4324.

Bad Zurzach ist weiterhin:

  • Hauptort des Bezirks Zurzach;
  • Sitz der Gemeindeverwaltung;
  • bedeutendster Dienstleistungsstandort der Gemeinde;
  • wichtigster Gesundheits- und Tourismusstandort;
  • zentraler Verkehrsknoten.

Ortsbild

Bad Zurzach besitzt ein historisch gewachsenes Ortszentrum.

Das Ortsbild wurde stark durch die frühere Funktion als Messe- und Wallfahrtsort geprägt.

Charakteristisch sind:

  • breite historische Strassenräume;
  • ehemalige Gasthäuser;
  • Bürgerhäuser;
  • kirchliche Gebäude;
  • Handelshäuser;
  • Plätze und Gassen.

Zahlreiche Gebäude erinnern an die Zeit, als während der Zurzacher Messen grosse Mengen von Händlern, Pilgern und Gästen aufgenommen werden mussten.

Das historische Zentrum bildet einen deutlichen Kontrast zu den modernen Gesundheits- und Thermalbauten im westlichen und südlichen Teil der Ortschaft.

Stiftskirche St. Verena

Die Stiftskirche St. Verena gehört zu den wichtigsten Sakralbauten des Ortes.

Sie steht über beziehungsweise in unmittelbarer Nähe der traditionellen Grabstätte der heiligen Verena.

Der Kirchenstandort reicht bis in die frühchristliche beziehungsweise frühmittelalterliche Zeit zurück.

Das heutige Gebäude entstand durch mehrere Bauphasen.

Die Kirche war über Jahrhunderte Mittelpunkt der Wallfahrt nach Zurzach.

In der Krypta befindet sich das verehrte Grab der heiligen Verena.

Die Kirche und die zugehörigen ehemaligen Stiftsgebäude gehören zu den bedeutendsten historischen Sehenswürdigkeiten Bad Zurzachs.

Obere Kirche

Neben der Stiftskirche besitzt Bad Zurzach mit der Oberen Kirche einen weiteren historischen Sakralbau.

Die Kirche liegt erhöht über dem Ortszentrum.

Sie steht in engem Zusammenhang mit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kirchengeschichte Zurzachs.

Zusammen mit Stiftskirche, Verenamünster und den erhaltenen historischen Gebäuden prägt sie das religiöse Kulturerbe des Ortes.

Schloss Zurzach

Das Schloss Zurzach gehört zu den markanten historischen Gebäuden der Ortschaft.

Es erinnert an die politische und wirtschaftliche Bedeutung Zurzachs in der frühen Neuzeit.

Das Bauwerk und seine Umgebung bilden einen Bestandteil des historisch wertvollen Ortsbildes.

Historische Gasthäuser

Aufgrund der grossen Messen entstanden in Zurzach zahlreiche Gasthäuser und Herbergen.

Sie mussten während der Messezeiten grosse Zahlen von Kaufleuten und Reisenden aufnehmen.

Mehrere dieser historischen Gasthäuser haben sich zumindest baulich erhalten.

Zu den bekannten historischen Gebäuden gehört das Haus «zum Löwen» an der Pfauengasse, das im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung aufgeführt wird.[4]

Diese Häuser dokumentieren die frühere wirtschaftliche Bedeutung des Fleckens.

Rheinbrücke

Bad Zurzach ist über eine Strassenbrücke mit dem deutschen Rheinheim verbunden.

Die Brücke stellt eine direkte grenzüberschreitende Verbindung zwischen dem Kanton Aargau und Baden-Württemberg her.

Bereits vor dem Bau moderner Brücken war der Rheinübergang für Zurzach von grosser Bedeutung.

Jakob Zuberbühler gehörte im 19. Jahrhundert zu den Förderern einer Rheinbrücke zwischen Zurzach und Rheinheim.

Heute besitzt die Verbindung sowohl für den lokalen Grenzverkehr als auch für Pendler und Einkaufstourismus Bedeutung.

Verkehr

= Eisenbahn

Bad Zurzach besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke entlang des Hochrheins.

Der Bahnhof Bad Zurzach wird durch Regionalzüge der S-Bahn Aargau beziehungsweise des regionalen Bahnverkehrs bedient.

Direkte oder umsteigefreie Verbindungen bestehen unter anderem in Richtung:

  • Baden;
  • Koblenz;
  • Waldshut;
  • Bülach beziehungsweise Winterthur je nach Verbindung.

Der Bahnhof liegt nahe dem Ortszentrum und den Thermal- und Gesundheitseinrichtungen.

Die Eisenbahn besitzt für Pendler und Tourismus grosse Bedeutung.

= Busverkehr

Mehrere Postauto- und Regionalbuslinien verbinden Bad Zurzach mit umliegenden Gemeinden des Zurzibiets.

Verbindungen bestehen unter anderem in Richtung:

  • Döttingen;
  • Endingen;
  • Kaiserstuhl;
  • Rekingen;
  • Baldingen;
  • Wislikofen;
  • umliegende Gemeinden.

Bad Zurzach bildet damit einen regionalen Umsteigepunkt des öffentlichen Verkehrs.

= Strassenverkehr

Bad Zurzach liegt an wichtigen regionalen Strassenverbindungen entlang des Rheins und in Richtung Baden, Döttingen und des Zürcher Unterlands.

Über die Rheinbrücke besteht eine direkte Verbindung nach Deutschland.

Die Lage unmittelbar an der Landesgrenze führt zu einem erheblichen grenzüberschreitenden Alltagsverkehr.

Wirtschaft

Die Wirtschaftsstruktur Bad Zurzachs hat sich im Verlauf der vergangenen zwei Jahrhunderte grundlegend verändert.

Historisch waren Handel und die Zurzacher Messen besonders wichtig.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gewann die Industrie an Bedeutung, insbesondere die Textilindustrie.

Heute dominieren Dienstleistungen.

Zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen gehören:

  • Gesundheitswesen;
  • Rehabilitation;
  • Tourismus;
  • Wellness;
  • Hotellerie;
  • Gastronomie;
  • Detailhandel;
  • öffentliche Verwaltung;
  • Gewerbe.

Die Therme Zurzach besitzt dabei eine besondere wirtschaftliche und touristische Bedeutung.

Triumph International

Bad Zurzach ist eng mit der Geschichte des Textilunternehmens Triumph International verbunden.

1933 eröffnete das ursprünglich deutsche Unternehmen in der ehemaligen Stickereifabrik Zuberbühler seine erste Niederlassung ausserhalb Deutschlands.[5]

Die Expansion von Bad Zurzach aus trug zur Entwicklung des Unternehmens zu einem internationalen Textilkonzern bei.

Seit 1977 befand sich die Konzernholding in Bad Zurzach.

Die industrielle Produktion vor Ort wurde in den 1990er-Jahren aufgegeben.[5]

Die Geschichte von Triumph erinnert an die frühere Bedeutung der Textilindustrie im Zurzibiet.

Tourismus

Der Tourismus konzentriert sich vor allem auf:

  • Thermalbad und Wellness;
  • Gesundheit;
  • historische Altstadt;
  • Stiftskirche St. Verena;
  • Rheinlandschaft;
  • Velotourismus;
  • Wandern;
  • grenzüberschreitende Ausflüge.

Bad Zurzach ist weniger durch klassischen Massentourismus als durch Tagesgäste, Gesundheitsaufenthalte und Kurzferien geprägt.

Die Nähe zu Deutschland erweitert das touristische Einzugsgebiet erheblich.

Rheinlandschaft und Freizeit

Der Rhein ist ein wichtiger Naherholungsraum.

Entlang des Flusses bestehen Fuss- und Velowege, die Bad Zurzach mit weiteren Orten des Hochrheins verbinden.

Die flache Flusslandschaft eignet sich besonders für längere Velotouren.

Über die Rheinbrücke lassen sich schweizerische und deutsche Routen miteinander kombinieren.

Weitere Naherholungsgebiete befinden sich in den bewaldeten Höhen südlich des Orts.

Regibad

Neben der Therme besitzt Zurzach mit dem Regibad ein kommunales Freibad.

Das Regibad wurde 1969 eröffnet.[8]

Es dient vor allem der lokalen und regionalen Bevölkerung und ergänzt das touristisch und gesundheitlich ausgerichtete Angebot der Therme.

Aufgrund seines Alters wurde in den 2020er-Jahren eine umfassende Sanierung geplant.

Bildung

Bad Zurzach erfüllt für die umliegende Region wichtige Bildungsfunktionen.

Neben Kindergärten und Volksschulen bestehen verschiedene regionale Bildungsangebote.

Aufgrund seiner Funktion als Bezirkshauptort und regionales Zentrum besuchen auch Schülerinnen und Schüler aus umliegenden Ortschaften Einrichtungen in Zurzach.

In der Region befinden sich zudem Ausbildungsangebote in den Bereichen Gesundheit und Therapie.

Religion

Die religiöse Geschichte des Ortes wird vor allem durch die Verehrung der heiligen Verena geprägt.

Zurzach war während des Mittelalters ein bedeutender Wallfahrtsort.

Die katholische Tradition blieb auch nach der Reformation bestehen.

Heute bestehen katholische und reformierte Kirchgemeinden.

Die Stiftskirche St. Verena besitzt jedoch aufgrund ihrer Geschichte eine Bedeutung, die weit über die lokale Kirchengemeinde hinausgeht.

Verena von Zurzach

Verena von Zurzach ist die bekannteste historische beziehungsweise legendäre Persönlichkeit des Ortes.

Nach der Überlieferung stammte sie aus Ägypten und gelangte im Umfeld der Thebäischen Legion in das Gebiet der heutigen Schweiz.

Später soll sie in der Region Solothurn und schliesslich in Zurzach gelebt haben.

Sie wurde besonders für Krankenpflege, Armenfürsorge und christliche Wohltätigkeit verehrt.

In Darstellungen trägt Verena häufig einen Krug und einen Kamm.

Ihr Grab in Zurzach entwickelte sich zu einer wichtigen Pilgerstätte.

Der Verenakult war ein wesentlicher Grund dafür, dass sich Zurzach im Mittelalter zu einem überregional bekannten Ort entwickeln konnte.

Zurzacher Messe in der Gegenwart

Die historische Messewirtschaft verschwand mit der Entwicklung moderner Handelsformen.

Die Erinnerung daran bleibt jedoch Teil der lokalen Identität.

Historische Gebäude, Strassennamen und Veranstaltungen erinnern an die Zeit der grossen Zurzacher Messen.

Die Messegeschichte ist auch für die Ortsentwicklung von Bedeutung, da zahlreiche ungewöhnlich grosse Gasthäuser und Bürgerhäuser auf die zeitweise enorme Zahl von Gästen zurückzuführen sind.

Ortsname und Identität nach der Fusion

Die Gemeindefusion von 2022 führte zu einer besonderen Namenssituation.

Die neue politische Gemeinde trägt den Namen Zurzach, während der historische Hauptort weiterhin Bad Zurzach heisst.

Dadurch bezeichnet «Zurzach» heute sowohl:

  • die politische Gemeinde mit acht Ortschaften;
  • die historische Region beziehungsweise den Bezirk;
  • in älteren Quellen den heutigen Ort Bad Zurzach.

Bei historischen Angaben muss deshalb zwischen der ehemaligen Gemeinde Zurzach beziehungsweise Bad Zurzach und der seit 2022 bestehenden Gemeinde Zurzach unterschieden werden.

Bedeutung als regionales Zentrum

Bad Zurzach übernimmt innerhalb des Zurzibiets zahlreiche Zentrumsfunktionen.

Hier befinden sich unter anderem:

  • Teile der Gemeindeverwaltung;
  • Bezirksbehörden;
  • Gesundheitsangebote;
  • Einkaufsmöglichkeiten;
  • Schulen;
  • Bahnhof und Busverbindungen;
  • touristische Einrichtungen.

Der Ort ist zugleich Hauptort des Bezirks Zurzach.

Die neue politische Gemeinde Zurzach wird vom Kanton Aargau dem Raumtyp «Ländliches Zentrum» zugeordnet.[9]

Bad Zurzach bildet innerhalb dieses Gemeindegebiets den mit Abstand wichtigsten urbanen und wirtschaftlichen Schwerpunkt.

Sehenswürdigkeiten

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bad Zurzachs gehören:

  • Stiftskirche St. Verena;
  • historische Kirchen und ehemalige Stiftsgebäude;
  • historischer Ortskern;
  • ehemalige Messe- und Gasthäuser;
  • Therme Zurzach;
  • Rhein und Rheinbrücke;
  • archäologische Fundstellen des römischen Tenedo;
  • historische Gebäude der früheren Textilindustrie.

Archäologie

Bad Zurzach gehört zu den bedeutenden archäologischen Fundorten im Nordosten des Kantons Aargau.

Die jahrtausendelange Nutzung des Rheinübergangs führte zu Funden aus verschiedenen Epochen.

Besonders wichtig sind:

  • vorgeschichtliche Siedlungsspuren;
  • römischer Vicus Tenedo;
  • spätrömische Befestigungsanlagen;
  • frühchristliche und mittelalterliche Befunde rund um St. Verena.

Das Gebiet «Uf Rainen / Himmelrych» mit der neolithischen bis neuzeitlichen Siedlung und dem römischen Vicus Tenedo wird im Kulturgüterschutzinventar als Objekt von nationaler Bedeutung geführt.[4]

Auch Teile der spätrömischen Rheinbefestigung im Oberfeld besitzen nationale Bedeutung.[4]

Grenzlage

Die direkte Lage an Deutschland prägt Bad Zurzach bis heute.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner der Region überqueren die Grenze regelmässig zum Arbeiten, Einkaufen oder für Freizeitaktivitäten.

Umgekehrt besuchen zahlreiche Gäste aus dem süddeutschen Raum die Therme und weitere Angebote in Bad Zurzach.

Die grenzüberschreitenden Verbindungen sind damit ein wichtiger Teil des wirtschaftlichen und sozialen Alltags.

Bad Zurzach liegt nur wenige Kilometer von Waldshut-Tiengen entfernt und gehört zum eng verflochtenen schweizerisch-deutschen Lebensraum am Hochrhein.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Gemeindefusion Zurzach, Mutation Nr. 3959, Bundesamt für Statistik, in Kraft seit 1. Januar 2022, abgerufen am 25. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Das Bad der Therme Zurzach, Therme Zurzach, abgerufen am 25. August 2026.
  3. Mutationsmeldungen zur ehemaligen Gemeinde Bad Zurzach, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 25. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Schweizerisches Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung – Kanton Aargau, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 25. August 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 Triumph International, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.
  6. 6,0 6,1 Über uns – Geschichte, Therme Zurzach, abgerufen am 25. August 2026.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Jahresbericht 2012, Thermalbad Zurzach AG, abgerufen am 25. August 2026.
  8. Budget 2025 und Gemeindeversammlung, Gemeinde Zurzach, Angaben zum Regibad, abgerufen am 25. August 2026.
  9. Raumbeobachtung 2022, Kanton Aargau, abgerufen am 25. August 2026.

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