Tourismus in der Schweiz

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Tourismus in der Schweiz umfasst den inländischen und grenzüberschreitenden Reiseverkehr sowie die damit verbundenen Dienstleistungen in den Bereichen Beherbergung, Gastronomie, Personenverkehr, Freizeit, Kultur und Unterhaltung. Er gehört zu den international bekanntesten Wirtschaftszweigen des Landes und prägt besonders die Alpenregionen, zahlreiche Seegebiete und Städte. Das touristische Bild der Schweiz wird vor allem von den Alpen, einer vielfältigen Kulturlandschaft, historischen Städten, Seen, Wintersportorten und einem dichten öffentlichen Verkehrsnetz bestimmt.

Tourismus beschränkt sich nicht auf Ferienreisen aus dem Ausland. Er umfasst auch Reisen der Schweizer Wohnbevölkerung innerhalb des Landes, Geschäftsreisen, Tagesausflüge, Kur- und Gesundheitsaufenthalte, Kongresse sowie den Besuch von kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen. Da touristische Leistungen in verschiedenen Wirtschaftszweigen erbracht werden, wird ihre volkswirtschaftliche Bedeutung mit einem eigenen Satellitenkonto Tourismus erfasst.

Im Jahr 2025 registrierten die Schweizer Hotels und Kurbetriebe 43,9 Millionen Logiernächte. Damit wurde zum dritten Mal in Folge ein neuer Höchststand erreicht. 21,1 Millionen Logiernächte entfielen auf Gäste aus der Schweiz und 22,8 Millionen auf Gäste aus dem Ausland.[1]

Begriff und statistische Abgrenzung

Als Touristin oder Tourist gilt im statistischen Sinn eine Person, die sich ausserhalb ihrer gewohnten Umgebung bewegt. Der Reisezweck kann Erholung, der Besuch von Verwandten und Bekannten, Bildung, Gesundheit, Religion oder eine geschäftliche Tätigkeit sein. Entscheidend ist, dass am Zielort keine dauerhafte Niederlassung und keine reguläre Beschäftigung bei einem dort ansässigen Unternehmen erfolgt.

Das Bundesamt für Statistik unterscheidet bei der touristischen Beherbergung zwischen der Hotellerie und der Parahotellerie. Zur Hotellerie gehören Hotels und Kurbetriebe. Die Parahotellerie umfasst kommerziell bewirtschaftete Ferienwohnungen, Kollektivunterkünfte und Campingplätze. Übernachtungen in eigenen Zweitwohnungen sowie unentgeltliche Aufenthalte bei Verwandten oder Bekannten sind in der Beherbergungsstatistik nicht vollständig enthalten.

Eine Logiernacht bezeichnet die Übernachtung einer Person in einem Beherbergungsbetrieb. Sie darf nicht mit der Zahl der Ankünfte gleichgesetzt werden: Ein Gast kann während eines Aufenthalts mehrere Logiernächte erzeugen. Auch Tagesgäste erscheinen nicht in der Logiernächtezahl, obwohl sie für Verkehrsbetriebe, Gastronomie, Detailhandel, Museen und Ausflugsziele wirtschaftlich bedeutsam sein können.

Natürliche und kulturelle Grundlagen

Die touristische Attraktivität der Schweiz beruht wesentlich auf der Vielfalt ihrer Landschaften auf relativ kleinem Raum. Die drei geographischen Grossräume Jura, Mittelland und Alpen ermöglichen unterschiedliche Reiseformen. Hinzu kommen zahlreiche Seen, Flüsse, Gletscher, Bergpässe, historische Ortsbilder und ländliche Kulturlandschaften.

Die Alpen sind das international am stärksten wahrgenommene Landschaftselement. Berge wie das Matterhorn, die Jungfrau, der Eiger, der Pilatus und die Rigi sowie Gebiete wie das Engadin, das Berner Oberland, das Wallis und das Bündnerland wurden zu Symbolen des Schweizer Tourismus. Sie bilden die Grundlage für Bergsteigen, Wandern, Schneesport, Naturbeobachtung und den Ausflugstourismus.

Auch die Seen gehören zu den wichtigsten Reiseräumen. Der Genfersee, der Bodensee, der Vierwaldstättersee, der Zürichsee, der Luganersee, der Lago Maggiore, der Thunersee und der Brienzersee verbinden Landschaftserlebnis, Schifffahrt, Badebetrieb, Kultur und städtischen Tourismus.

Die Mehrsprachigkeit des Landes erweitert das kulturelle Angebot. Deutschsprachige, französischsprachige, italienischsprachige und rätoromanische Regionen besitzen unterschiedliche Bautraditionen, Küchen, Feste und Alltagskulturen. Die Schweiz verfügt über 13 Stätten des UNESCO-Welterbes, davon neun Kultur- und vier Naturerbestätten.[2] Dazu gehören unter anderem die Altstadt von Bern, der Stiftsbezirk St. Gallen, die Burgen von Bellinzona, die Weinbergterrassen des Lavaux, die Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina und die Region Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.

Geschichte

Vorläufer und Grand Tour

Reisende durchquerten das Gebiet der heutigen Schweiz bereits im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Kaufleute, Pilger, Diplomaten, Studenten und Soldaten nutzten Alpenpässe wie den Gotthardpass, den Simplonpass und den Grossen St. Bernhard. Diese Reisen waren jedoch noch kein Tourismus im modernen Sinn.

Der eigentliche Schweizer Tourismus entwickelte sich im 18. Jahrhundert im Umfeld der europäischen Grand Tour. Angehörige wohlhabender Familien, Gelehrte, Künstler und Schriftsteller bereisten die Schweiz auf dem Weg nach Italien oder als eigenständiges Reiseziel. Das neue Interesse an ursprünglicher Natur und erhabenen Gebirgslandschaften veränderte die Wahrnehmung der zuvor oft als bedrohlich geltenden Alpen.

Reiseberichte, Gemälde, Stiche und literarische Werke trugen zur Verbreitung eines idealisierten Schweizbildes bei. Besonders häufig besucht wurden der Genfersee, das Berner Oberland, die Zentralschweiz und das Wallis. Autoren wie Johann Wolfgang von Goethe und Lord Byron verstärkten das Interesse an diesen Landschaften.[3]

Ausbau im 19. Jahrhundert

Ab etwa 1830 beschleunigten bessere Strassen, Dampfschiffe und Eisenbahnen die touristische Erschliessung. Zunächst brachten ausländische Eisenbahnen Reisende bis an die Schweizer Grenze, wo sie auf Postkutschen und Schiffe umstiegen. Der Aufbau des schweizerischen Bahnnetzes verkürzte die Reisezeiten weiter und machte zuvor abgelegene Gebiete zugänglich.

Reiseführer der Verlage Murray, Baedeker und Joanne halfen bei der Planung von Routen und machten Hotels, Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten international bekannt. 1863 organisierte der britische Reiseunternehmer Thomas Cook erstmals eine Gruppenreise durch die Schweiz. Damit begann die Entwicklung standardisierter Pauschalreisen mit kombinierten Leistungen für Fahrt, Unterkunft und Besichtigungen.[3]

Gleichzeitig gewann der Alpinismus an Bedeutung. Britische Bergsteiger, einheimische Bergführer und wissenschaftlich interessierte Reisende erschlossen zahlreiche Gipfel. Die Gründung des Schweizer Alpen-Clubs im Jahr 1863 förderte den Bau von Berghütten, die Kartierung der Alpen und die Ausbildung des Bergführerwesens.

Mit den steigenden Besucherzahlen entstanden neue Hotels. Sie wurden bevorzugt bei Bahnhöfen, Schiffstationen, Kurorten und Aussichtslagen gebaut. Neben einfachen Gasthäusern entstanden repräsentative Grandhotels, die einer wohlhabenden internationalen Kundschaft Komfort, gesellschaftliche Veranstaltungen und medizinische Anwendungen anboten.

Blütezeit der Belle Époque

Die Jahrzehnte zwischen 1880 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs gelten als erste grosse Blütezeit des Schweizer Tourismus. Der 1882 eröffnete Gotthardtunnel erleichterte die Anreise aus Nord- und Südeuropa. Zahnradbahnen, Standseilbahnen und später Luftseilbahnen brachten Gäste zu Aussichtspunkten und auf Berge.

Zwischen 1888 und 1914 wurden nach Angaben des Historischen Lexikons der Schweiz 40 Seilbahnen und 13 Zahnradbahnen errichtet. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Hotels von rund 1700 auf mehr als 3500.[3] Zu international bekannten Ferienorten entwickelten sich unter anderem Luzern, Montreux, Interlaken, Zermatt, Davos und St. Moritz.

Neben dem Landschaftserlebnis entstanden Kurhäuser, Sanatorien, Casinos, Theater, Promenaden und grosszügige Quai-Anlagen. Bergsteigen, Wandern, Schlitteln, Eislaufen und Skifahren wurden Teil des touristischen Angebots. Die zunächst vorwiegend sommerliche Reisesaison wurde schrittweise auf den Winter ausgeweitet.

Die Tourismuswirtschaft professionalisierte sich. Verkehrsvereine warben für Städte und Ferienorte, Hotels bildeten Fachpersonal aus und Eisenbahngesellschaften eröffneten Vertretungen im Ausland. Die 1893 gegründete Hotelfachschule in Lausanne entwickelte sich zu einer international bekannten Ausbildungsstätte.

Krisenzeit von 1914 bis 1950

Der Erste Weltkrieg beendete die Belle Époque abrupt. Internationale Reisebeschränkungen, wirtschaftliche Krisen, ungünstige Wechselkurse und politische Unsicherheit belasteten die Branche. Viele grosse Hotels verloren ihre traditionelle ausländische Kundschaft und gerieten in finanzielle Schwierigkeiten.

1917 wurde die Schweizerische Verkehrszentrale gegründet, aus der später Schweiz Tourismus hervorging. Ihre Aufgabe bestand darin, das Reiseland Schweiz gemeinsam im Ausland zu vermarkten. Der Bund unterstützte die Hotellerie mit Krediten und beteiligte sich stärker an der Tourismusförderung. 1933 vereinigte der Schweizer Tourismusverband zahlreiche Branchen- und Regionalorganisationen.[3]

Trotz der Krisen gewann der Wintersport in der Zwischenkriegszeit an Bedeutung. Skifahren, Eishockey, Bobfahren und Eiskunstlauf verlängerten die Saison vieler Bergorte. Während des Zweiten Weltkriegs brach der internationale Reiseverkehr erneut weitgehend zusammen.

Massentourismus nach 1950

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg leitete eine neue Wachstumsphase ein. Bezahlte Ferien, steigende Einkommen, der Ausbau des Strassennetzes und die Verbreitung des Privatautos machten Reisen für grössere Bevölkerungsschichten erschwinglich. Gleichzeitig förderte die zivile Luftfahrt den Besuch aus Übersee.

In den Bergregionen wurden Skilifte, Sesselbahnen und Luftseilbahnen gebaut. Neue Ferienwohnungen und Zweitwohnungen vergrösserten die Beherbergungskapazität. Die Parahotellerie gewann neben der klassischen Hotellerie erheblich an Bedeutung. Campingplätze, Jugendherbergen, Gruppenunterkünfte und Ferienhäuser erschlossen zusätzliche Gästesegmente.

Seit den 1970er-Jahren nahm der internationale Wettbewerb zu. Schweizer Gäste verbrachten ihre Ferien häufiger im Ausland, während der starke Franken die Schweiz für ausländische Besucher verteuerte. Viele Destinationen reagierten mit neuen Angeboten in den Bereichen Wellness, Sport, Familienferien, Kongresse und Veranstaltungen.

Entwicklung im 21. Jahrhundert

Im 21. Jahrhundert veränderten Online-Buchungsplattformen, digitale Gästekarten, soziale Medien und private Kurzzeitvermietungen den Reisemarkt. Städtetourismus, Kurzaufenthalte und individuell zusammengestellte Reisen gewannen an Bedeutung. Gleichzeitig blieb der klassische alpine Ferienaufenthalt ein wichtiger Bestandteil des Angebots.

Die COVID-19-Pandemie führte 2020 zu einem historischen Einbruch. Die Zahl der Hotelübernachtungen sank gegenüber 2019 um 40 Prozent. Besonders stark betroffen waren die internationalen Städte-, Geschäfts- und Fernmärkte. Die inländische Nachfrage stabilisierte dagegen verschiedene Berg- und Ferienregionen. Ab 2022 setzte eine rasche Erholung ein; 2023, 2024 und 2025 wurden in der Hotellerie jeweils neue Rekorde erreicht.

Entwicklung der Logiernächte in der Schweizer Hotellerie
Jahr Logiernächte Veränderung gegenüber dem Vorjahr
2019 39,6 Millionen +0,4 %
2020 23,7 Millionen −40,0 %
2021 29,6 Millionen +24,6 %
2022 38,2 Millionen +29,4 %
2023 41,8 Millionen +9,2 %
2024 42,8 Millionen +2,6 %
2025 43,9 Millionen +2,6 %

Die Tabelle umfasst Hotels und Kurbetriebe, nicht jedoch die Parahotellerie. Werte gerundet. Quellen: Bundesamt für Statistik.[4][1]

Tourismusregionen

Das Bundesamt für Statistik gliedert die Schweiz in 13 Tourismusregionen. Diese statistischen Räume entsprechen nicht immer den Kantonsgrenzen. Einige sind stark von Städten und Geschäftsreisen geprägt, andere vom Berg-, See- oder Ferientourismus.

Tourismusregionen und Logiernächte in der Hotellerie 2025
Tourismusregion Logiernächte 2025 Wichtige Reiseziele und Merkmale
Zürich Region 7,557 Millionen Zürich, Zürichsee, Kultur-, Veranstaltungs- und Geschäftstourismus
Bern Region 6,093 Millionen Bern, Berner Oberland, Interlaken, Jungfraugebiet und Gstaad
Graubünden 5,680 Millionen Engadin, St. Moritz, Davos, Arosa und Schweizerischer Nationalpark
Wallis 4,533 Millionen Zermatt, Matterhorn, Aletschgletscher, Saas-Fee und Verbier
Luzern/Vierwaldstättersee 4,203 Millionen Luzern, Vierwaldstättersee, Rigi, Pilatus, Engelberg und Titlis
Genf 3,851 Millionen Internationale Organisationen, Kongresse, Messen, Kultur und Genfersee
Waadt 3,114 Millionen Lausanne, Montreux, Lavaux, Genfersee, Jura und Waadtländer Alpen
Tessin 2,510 Millionen Lugano, Locarno, Ascona, Lago Maggiore und Luganersee
Ostschweiz 2,033 Millionen St. Gallen, Appenzellerland, Alpstein, Bodensee und Heidiland
Basel Region 1,981 Millionen Basel, Museen, Messen, Architektur, Rhein und Geschäftstourismus
Aargau und Solothurn Region 1,241 Millionen Thermalbäder, historische Städte, Jura, Schlösser und Industriekultur
Jura & Drei-Seen-Land 0,620 Millionen Jura, Bielersee, Neuenburgersee, Murtensee und Uhrmacherkultur
Fribourg Region 0,514 Millionen Freiburg, Greyerz, Voralpen, Seen und zweisprachige Kultur

Erfasst sind Hotels und Kurbetriebe. Werte gerundet.[1]

Alpen und Voralpen

Die Alpen sind sowohl im Sommer als auch im Winter der wichtigste klassische Ferienraum. Graubünden, Wallis, das Berner Oberland und die Zentralschweiz verfügen über eine besonders hohe Dichte an Bergbahnen, Hotels, Ferienwohnungen und touristischen Sportanlagen. In vielen Tälern ist der Tourismus eine zentrale Einkommensquelle und trägt zur Erhaltung von Verkehrsanbindungen, Geschäften und öffentlichen Dienstleistungen bei.

Zwischen den Destinationen bestehen erhebliche Unterschiede. International bekannte Orte wie Zermatt, St. Moritz, Davos oder Interlaken ziehen einen grossen Anteil ausländischer Gäste an. Kleinere Destinationen sind stärker vom Schweizer Markt, von Tagesausflügen oder von Ferienwohnungen abhängig.

Städte

Die wichtigsten städtischen Reiseziele sind Zürich, Genf, Basel, Luzern, Bern und Lausanne. Städte verbinden Kultur-, Einkaufs-, Veranstaltungs-, Bildungs- und Geschäftstourismus. Museen, historische Altstädte, Architektur, Gastronomie, Konzerte, Messen und internationale Organisationen sorgen für eine weniger ausgeprägte Saisonalität als in vielen Berggebieten.

Zürich und Genf profitieren zusätzlich von ihren internationalen Flughäfen und ihrer Bedeutung als Wirtschaftsstandorte. Basel ist ein wichtiges Messe-, Architektur- und Museumszentrum. Luzern verbindet städtischen Kulturtourismus mit dem alpinen Ausflugsverkehr am Vierwaldstättersee.

Seen und ländliche Räume

Seegebiete spielen besonders im Sommerhalbjahr eine wichtige Rolle. Schifffahrtsgesellschaften, Strandbäder, Wanderwege, Velorouten und historische Uferorte ergänzen das Beherbergungsangebot. Der Genfersee, der Vierwaldstättersee, der Bodensee und die oberitalienisch geprägten Seen im Tessin gehören zu den bekanntesten Seeregionen.

Im ländlichen Raum entwickeln sich Agrotourismus, regionale Gastronomie, Weinreisen und naturorientierte Angebote. Bauernhöfe, kleine Gasthäuser und lokale Produzenten verbinden touristische Dienstleistungen mit Landwirtschaft und regionaler Kultur.

Formen des Tourismus

Sommertourismus

Zum Sommertourismus gehören Wandern, Bergsteigen, Klettern, Velofahren, Mountainbiken, Baden, Schifffahrt und Naturbeobachtung. Das gut ausgebaute Wanderwegnetz verbindet Täler, Dörfer, Alpen, Pässe und Berghütten. Bergbahnen, die ursprünglich teilweise für den Wintersport errichtet wurden, werden zunehmend auch im Sommer genutzt.

Der Sommertourismus ist für die Anpassung an den Klimawandel von wachsender Bedeutung. Viele Destinationen versuchen, ihre Abhängigkeit von der Schneesaison zu verringern und Frühling sowie Herbst stärker touristisch zu nutzen.

Wintertourismus

Der Wintertourismus konzentriert sich auf alpinen Skisport, Snowboarden, Langlauf, Winterwandern, Schlitteln und Schneeschuhlaufen. Bedeutende Wintersportgebiete liegen unter anderem in Graubünden, im Wallis, im Berner Oberland und in der Zentralschweiz.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Wintersports geht über Bergbahnen und Skischulen hinaus. Auch Hotels, Gastronomie, Detailhandel, Ausrüstungsverleih, Bauwirtschaft und öffentlicher Verkehr profitieren von der Winternachfrage. Gleichzeitig verursacht der Betrieb von Beschneiungsanlagen, Pisten und Transportanlagen hohe Investitions-, Energie- und Unterhaltskosten.

Städte-, Kultur- und Veranstaltungstourismus

Städtetourismus umfasst historische Sehenswürdigkeiten, Museen, Architektur, Gastronomie, Einkaufen und Nachtleben. Kulturveranstaltungen wie die Art Basel, das Montreux Jazz Festival, das Locarno Film Festival und das Lucerne Festival erzeugen zeitlich konzentrierte Besucherströme und tragen zur internationalen Wahrnehmung ihrer Austragungsorte bei.

Zum Kulturtourismus gehören auch Klöster, Burgen, Schlösser, archäologische Stätten, historische Bahnstrecken, Industriekultur und traditionelle Feste. Regionale Produkte wie Käse, Wein, Schokolade und Spezialitäten der verschiedenen Sprachregionen werden zunehmend in touristische Angebote eingebunden.

Geschäfts- und Kongresstourismus

Zürich, Genf, Basel, Lausanne, Bern und Davos sind wichtige Orte für Messen, Kongresse, internationale Konferenzen und Geschäftsreisen. Dieses Segment zeichnet sich häufig durch vergleichsweise hohe Tagesausgaben aus und trägt zur Auslastung gehobener Hotels bei.

Videokonferenzen und hybride Veranstaltungen haben das Geschäftsreiseverhalten seit der COVID-19-Pandemie verändert. Gleichzeitig bleiben persönliche Treffen, Fachmessen und internationale Grossveranstaltungen bedeutend.

Gesundheits- und Wellnesstourismus

Die Tradition der Kurorte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Thermalquellen und medizinische Einrichtungen begründeten den Ruf von Orten wie Baden, Bad Ragaz, Leukerbad, Yverdon-les-Bains und Scuol. Moderne Angebote verbinden medizinische Behandlungen, Rehabilitation, Thermalbäder, Wellness und Erholung.

Historisch bedeutsam waren auch Höhenkurorte und Sanatorien, besonders in Davos und Leysin. Mit dem medizinischen Fortschritt verloren klassische Höhenkuren an Bedeutung, während Wellness- und Präventionsangebote ausgebaut wurden.

Bahn- und Ausflugstourismus

Bahnreisen sind ein charakteristischer Bestandteil des Schweizer Tourismus. Panoramastrecken wie die Albula- und Berninalinie, die GoldenPass Line, die Gotthard-Bergstrecke und die Montreux–Berner Oberland-Bahn verbinden den Transport mit dem Landschaftserlebnis.

Bergbahnen erschliessen Aussichtspunkte wie das Jungfraujoch, die Rigi, den Pilatus, den Gornergrat und die Schynige Platte. Dampfschiffe und Motorschiffe auf den grossen Seen ergänzen das touristische Verkehrsangebot. Viele dieser Ausflüge werden als Tagesreisen unternommen und erscheinen daher nicht in der Übernachtungsstatistik.

Verkehr und Erreichbarkeit

Die zentrale Lage in Europa und die gute Verkehrsinfrastruktur gehören zu den wichtigsten Standortvorteilen des Schweizer Tourismus. Internationale Eisenbahnverbindungen führen nach Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich. Die Flughäfen Zürich, Genf und Basel-Mulhouse verbinden die Schweiz mit europäischen und interkontinentalen Märkten.

Innerhalb des Landes sind Eisenbahnen, Postautos, städtischer Nahverkehr, Schiffe und Bergbahnen aufeinander abgestimmt. Der öffentliche Verkehr ermöglicht auch in vielen ländlichen und alpinen Gebieten eine Reise ohne eigenes Auto. Touristische Fahrausweise und Gepäckangebote erleichtern Rundreisen.

Der Strassenverkehr bleibt dennoch bedeutend, insbesondere für Ferienwohnungen, Camping, abgelegene Täler und den Tagestourismus. An Wochenenden und während der Ferienzeiten entstehen auf Zufahrten zu bekannten Destinationen, an Alpenübergängen und beim Gotthard-Strassentunnel regelmässig Verkehrsüberlastungen.

Beherbergung

Die Schweizer Beherbergungswirtschaft reicht von historischen Grandhotels und internationalen Hotelketten bis zu Familienbetrieben, Jugendherbergen, Berghütten, Ferienwohnungen und Campingplätzen. In Städten überwiegen Hotels, während in vielen Bergorten Ferienwohnungen und Zweitwohnungen einen grossen Teil der Bettenkapazität ausmachen.

Im Jahr 2024 verzeichnete die gesamte statistisch erfasste touristische Beherbergung 60,1 Millionen Logiernächte. Davon entfielen 42,8 Millionen auf die Hotellerie und rund 17,3 Millionen auf die Parahotellerie.[4] Mehr als die Hälfte aller Logiernächte in der gesamten touristischen Beherbergung wurde von Gästen mit Wohnsitz in der Schweiz erzeugt.

Private Buchungsplattformen haben das Angebot an kurzzeitig vermieteten Wohnungen erweitert. Die Abgrenzung zwischen gewerblicher Beherbergung, privater Vermietung und Zweitwohnungsnutzung ist dadurch komplexer geworden. Gleichzeitig stehen viele Ferienorte vor der Aufgabe, genügend dauerhaft verfügbaren Wohnraum für die lokale Bevölkerung und das Personal zu erhalten.

Nachfrage und Herkunft der Gäste

Der Schweizer Markt bildet eine wesentliche Stütze der Tourismuswirtschaft. 2025 entfielen rund 48 Prozent der Hotelübernachtungen auf inländische Gäste. Besonders in Krisenzeiten kann die Nachfrage der Schweizer Wohnbevölkerung den Rückgang internationaler Gäste teilweise ausgleichen.

Von den 22,8 Millionen ausländischen Hotelübernachtungen des Jahres 2025 stammten 55,8 Prozent von europäischen Gästen. Deutschland war weiterhin der wichtigste ausländische Herkunftsmarkt. Bedeutend waren ausserdem Grossbritannien, Frankreich, Italien und die Niederlande.[1]

Die Nachfrage aus Amerika erreichte 2025 mit 4,9 Millionen Logiernächten einen neuen Höchststand. Rund drei Viertel davon entfielen auf Gäste aus den Vereinigten Staaten. Aus Asien wurden insgesamt rund 4,5 Millionen Logiernächte registriert. Die Nachfrage aus China lag jedoch weiterhin deutlich unter dem Stand von 2019.[1]

Fernmärkte sind besonders für international bekannte Städte, Luxus- und Berghotels sowie klassische Rundreiserouten wichtig. Gleichzeitig verursachen sie eine stärkere Abhängigkeit von Flugverbindungen, Wechselkursen, Visabestimmungen und geopolitischen Entwicklungen.

Saisonale Verteilung

Die Nachfrage weist je nach Region unterschiedliche saisonale Muster auf. Im Alpenraum bestehen häufig zwei Hauptsaisons: die Wintersaison für Schneesport und die Sommersaison für Wandern, Bergsteigen und Rundreisen. Frühling und Spätherbst sind in vielen Bergorten schwächer ausgelastet.

Städte weisen meist eine gleichmässigere Verteilung auf. Geschäftsreisen, Kongresse und Kulturveranstaltungen können die klassischen Ferienzeiten ergänzen. Im Tessin beginnt die Hauptsaison aufgrund des milderen Klimas häufig früher als in den Hochalpen.

In der touristischen Wintersaison 2024/25 wurden in der Schweizer Hotellerie 18,6 Millionen Logiernächte registriert. Die Sommersaison 2025 erreichte mit 25,2 Millionen Logiernächten ebenfalls einen neuen Rekord.[1]

Volkswirtschaftliche Bedeutung

Tourismus ist keine einzelne Branche, sondern ein nachfrageseitig bestimmter Teil mehrerer Wirtschaftszweige. Dazu gehören Beherbergung, Gastronomie, Personenverkehr, Reisebüros, Kultur, Sport, Unterhaltung und Teile des Detailhandels. Das Satellitenkonto Tourismus berechnet, welcher Anteil der Produktion und Beschäftigung unmittelbar durch touristische Nachfrage entsteht.

Ausgewählte Kennzahlen des Schweizer Tourismus
Kennzahl Berichtsjahr Wert
Touristische Bruttowertschöpfung 2024 rund 24 Milliarden Franken
Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung 2024 2,9 %
Touristische Beschäftigung 2024 187'770 Vollzeitäquivalente
Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigung 2024 4,2 %
Logiernächte der gesamten touristischen Beherbergung 2024 60,1 Millionen
Logiernächte der Hotellerie 2025 43,9 Millionen
Nettozimmerauslastung der Hotellerie 2025 56,8 %

Die volkswirtschaftlichen Werte für 2024 sind provisorisch.[4][1]

Der höhere Anteil an der Beschäftigung im Vergleich zur Wertschöpfung zeigt, dass der Tourismus arbeitsintensiv ist. Besonders viele Stellen entfallen auf Beherbergung und Gastronomie. Teilzeitarbeit, saisonale Beschäftigung und unregelmässige Arbeitszeiten sind verbreitet.

In alpinen und ländlichen Regionen kann die wirtschaftliche Bedeutung weit über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt liegen. Touristische Ausgaben sichern dort Einkommen in Hotels, Restaurants, Bergbahnen, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Detailhandel. Gleichzeitig kann eine starke Abhängigkeit vom Tourismus Regionen anfällig für Konjunkturschwankungen, Schneemangel, Naturgefahren oder Veränderungen der internationalen Nachfrage machen.

Zu den strukturellen Herausforderungen gehören das hohe Schweizer Preis- und Kostenniveau, der starke Franken, der Fachkräftemangel, saisonale Auslastungsschwankungen und der Investitionsbedarf älterer Betriebe. Viele Tourismusunternehmen sind kleine oder mittlere Unternehmen.

Organisation und Tourismuspolitik

Die Tourismuspolitik ist zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und privaten Organisationen aufgeteilt. Auf Bundesebene ist das Staatssekretariat für Wirtschaft für die Tourismuspolitik zuständig. Die Tourismusstrategie des Bundes verfolgt die Ziele, die Rahmenbedingungen zu verbessern, das Unternehmertum zu fördern, die nachhaltige Entwicklung zu stärken, die Digitalisierung zu nutzen und die Attraktivität des Angebots sowie den Marktauftritt zu verbessern.[5]

Der Bund verfügt über vier zentrale tourismuspolitische Förderinstrumente:

  • Schweiz Tourismus ist für das nationale und internationale Tourismusmarketing sowie für Koordination und Beratung zuständig.
  • Das Förderprogramm Innotour unterstützt Innovation, Zusammenarbeit und Wissensaufbau.
  • Die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit fördert Investitionen in die Beherbergungswirtschaft.
  • Die Neue Regionalpolitik unterstützt Projekte, welche die Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung in Berggebieten, ländlichen Räumen und Grenzregionen erhöhen.

Für die Förderperiode 2024–2027 stellte der Bund maximal 45 Millionen Franken für Innotour und maximal 233 Millionen Franken für Schweiz Tourismus bereit. Im Rahmen der Neuen Regionalpolitik stehen für Projekte mit regionalwirtschaftlicher Wirkung Darlehen und nicht rückzahlbare Beiträge zur Verfügung.[5]

Schweiz Tourismus ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft mit einem gesetzlichen Auftrag des Bundes. Sie pflegt die touristische Landesmarke, bearbeitet Herkunftsmärkte, informiert Gäste und koordiniert gemeinsame Marketingaktivitäten.[6]

Kantone und Gemeinden finanzieren regionale Infrastruktur, Verkehrsangebote und Destinationen. In zahlreichen Orten werden Kurtaxen, Beherbergungsabgaben oder Tourismusförderungsabgaben erhoben. Ihre Ausgestaltung unterscheidet sich je nach kantonalem und kommunalem Recht.

Raumplanung und Zweitwohnungen

Der Bau von Ferien- und Zweitwohnungen hat viele Tourismusorte seit den 1960er-Jahren stark verändert. Er brachte Investitionen und zusätzliche Gästebetten, führte teilweise aber auch zu Zersiedelung, steigenden Bodenpreisen und einer geringen Auslastung ausserhalb der Hauptsaison.

Seit 2016 regelt das Zweitwohnungsgesetz die Erstellung und Nutzung von Zweitwohnungen. In Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20 Prozent dürfen grundsätzlich keine neuen, frei nutzbaren Zweitwohnungen bewilligt werden. Das Gesetz kennt unter anderem Ausnahmen für touristisch bewirtschaftete Wohnungen.[7]

Die Regelung soll Landschaft und Siedlungsraum schützen sowie die Entstehung wenig genutzter Wohnungen begrenzen. Für Tourismusgemeinden entstehen gleichzeitig Fragen zur Finanzierung von Hotels, zur Umnutzung bestehender Gebäude und zur Bereitstellung von Wohnraum für Einheimische und Saisonpersonal.

Nachhaltigkeit

Nachhaltiger Tourismus soll wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz von Landschaft, Klima, Biodiversität und lokaler Lebensqualität verbinden. Die Schweiz besitzt mit ihrem öffentlichen Verkehr, kompakten Städten und vielen autofreien Ferienorten günstige Voraussetzungen. Dennoch entstehen erhebliche Umweltbelastungen durch An- und Abreise, Flugverkehr, motorisierten Ausflugsverkehr, Beherbergung, Beschneiung und touristische Bauprojekte.

Die Initiative «Swisstainable» von Schweiz Tourismus macht Nachhaltigkeitsleistungen von Betrieben und Destinationen sichtbar und soll deren Weiterentwicklung fördern.[5] Sie ersetzt jedoch keine gesetzlichen Umweltstandards und ist von staatlichen Schutzinstrumenten zu unterscheiden.

Zu den Handlungsfeldern gehören:

  • die Förderung von Bahn, Bus, Velo- und Fussverkehr;
  • energieeffiziente Hotels und Bergbahnen;
  • der Einsatz erneuerbarer Energien;
  • die Vermeidung von Abfällen und Lebensmittelverlusten;
  • die Lenkung von Besucherströmen;
  • der Schutz empfindlicher Natur- und Kulturräume;
  • regionale Wertschöpfung und faire Arbeitsbedingungen;
  • barrierefreie touristische Angebote.

In stark besuchten Orten können sich Verkehrsüberlastung, Lärm, steigende Wohnkosten und Nutzungskonflikte verschärfen. Besucherlenkung, Reservationssysteme, saisonale Entzerrung und die Förderung längerer Aufenthalte sollen den Druck auf einzelne Sehenswürdigkeiten verringern.

Klimawandel

Der Klimawandel gehört zu den grössten langfristigen Herausforderungen des Schweizer Tourismus. Steigende Temperaturen verkürzen die Dauer der natürlichen Schneedecke und erhöhen die Schneefallgrenze. Besonders betroffen sind tiefer gelegene Wintersportgebiete in den Voralpen.

Nach den Schweizer Klimaszenarien könnte die winterliche Nullgradgrenze bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts von heute etwa 850 Metern auf bis zu knapp 1500 Meter über Meer steigen. Unterhalb von 1000 Metern könnte die Schneebedeckung bis zur Jahrhundertmitte ungefähr um die Hälfte abnehmen.[8]

Technische Beschneiung kann Schneemangel zeitweise ausgleichen, benötigt jedoch Wasser, Energie, geeignete Temperaturen und hohe Investitionen. Sie ist daher nicht für jede Destination eine dauerhafte Lösung. Höher gelegene Wintersportorte können gegenüber tieferen Gebieten vorübergehend Wettbewerbsvorteile erhalten.

Weitere Risiken entstehen durch Gletscherschwund, tauenden Permafrost, Felsstürze, Murgänge, Hochwasser, Waldbrände und Hitzeperioden. Wanderwege, Berghütten, Seilbahnen und Verkehrsverbindungen müssen teilweise angepasst oder verlegt werden.

Gleichzeitig können wärmere Sommer die Schweiz als vergleichsweise kühles Reiseziel attraktiver machen. Viele Destinationen bauen deshalb Ganzjahresangebote aus, fördern Wandern und Velotourismus und entwickeln Kultur-, Gesundheits- und Naturangebote für schneearme Perioden.

Gesellschaftliche und kulturelle Auswirkungen

Tourismus schafft Begegnungen zwischen Sprachregionen, Kulturen und sozialen Gruppen. Er kann zur Pflege historischer Gebäude, traditioneller Feste, regionaler Produkte und lokaler Verkehrsangebote beitragen. In abgelegenen Gebieten hilft die touristische Nachfrage, Restaurants, Läden und öffentliche Dienstleistungen zu erhalten.

Gleichzeitig kann eine einseitige touristische Ausrichtung lokale Kultur auf vermarktbare Bilder reduzieren. Saisonale Besucherzahlen verändern das Alltagsleben, und hohe Immobilienpreise können die ansässige Bevölkerung verdrängen. Die Akzeptanz des Tourismus hängt daher zunehmend davon ab, ob die lokale Bevölkerung an Entscheidungen und wirtschaftlichen Erträgen beteiligt wird.

Auch die Arbeitsbedingungen sind gesellschaftlich relevant. Die Branche ist auf Personal aus dem In- und Ausland angewiesen. Bezahlbarer Wohnraum, berufliche Ausbildung, planbare Arbeitszeiten und Entwicklungsmöglichkeiten beeinflussen ihre Fähigkeit, genügend Fachkräfte zu gewinnen.

Herausforderungen und Perspektiven

Die weitere Entwicklung des Schweizer Tourismus wird von mehreren teilweise gegenläufigen Faktoren geprägt. Die internationale Nachfrage wächst, gleichzeitig steigt der Wettbewerb zwischen Reisezielen. Das hohe Qualitätsniveau der Infrastruktur ist ein Vorteil, verursacht jedoch hohe Kosten und einen beträchtlichen Investitionsbedarf.

Zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben gehören die Anpassung an den Klimawandel, die Sicherung von Fachkräften, die digitale Transformation, die räumliche und saisonale Verteilung der Nachfrage sowie der Schutz von Landschaft und Wohnraum. Destinationen versuchen, Gäste zu längeren Aufenthalten zu bewegen und weniger bekannte Orte sowie die Nebensaisons stärker einzubeziehen.

Digitale Buchungssysteme, Echtzeitinformationen, automatisierte Übersetzungen und datenbasierte Besucherlenkung können das Reisen erleichtern. Gleichzeitig entstehen Fragen zum Datenschutz, zur Abhängigkeit von internationalen Buchungsplattformen und zur Sichtbarkeit kleiner Anbieter.

Langfristig hängt die Wettbewerbsfähigkeit nicht allein von wachsenden Gästezahlen ab. Entscheidend sind auch Wertschöpfung pro Aufenthalt, Aufenthaltsdauer, Umweltbelastung, Arbeitsbedingungen und die Akzeptanz des Tourismus bei der Bevölkerung.

Siehe auch

Literatur

  • Laurent Tissot: Naissance d’une industrie touristique. Les Anglais et la Suisse au XIXe siècle. Lausanne 2000.
  • Laurent Tissot: Histoire du tourisme en Suisse au XIXe siècle. Les Anglais à la conquête de la Suisse. Neuchâtel 2017.
  • Cédric Humair, Marc Gigase und Laurent Tissot (Hrsg.): Le tourisme comme facteur de transformations économiques, techniques et sociales (XIXe–XXe siècles). Neuchâtel 2014.
  • Bundesamt für Statistik: Schweizer Tourismusstatistik 2024. Neuchâtel 2026.
  • Staatssekretariat für Wirtschaft: Tourismusstrategie des Bundes. Bern 2021.
  • Schweizer Tourismus-Verband: Schweizer Tourismus in Zahlen. Bern, jährlich erscheinende Publikation.

Einzelnachweise