Liste der Seen in der Schweiz

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Die Liste der Seen in der Schweiz gibt einen Überblick über die natürlichen Seen, Stauseen, Ausgleichsbecken und grösseren Weiher auf dem Gebiet der Schweiz. Sie berücksichtigt auch grenzüberschreitende Gewässer, sofern ein Teil ihrer Fläche in der Schweiz liegt.

Die genaue Zahl der Schweizer Seen hängt von der verwendeten Mindestgrösse, der kartografischen Datengrundlage und der Abgrenzung künstlicher Gewässer ab. Eine Auswertung des Bundesamts für Umwelt auf Grundlage des digitalen Gewässernetzes VECTOR25 erfasste 1'592 Seen mit einer Fläche von mehr als 0,5 Hektaren. Ihre schweizerischen Flächenanteile umfassen zusammen rund 1'422 Quadratkilometer. Kleinere Weiher, temporäre Bergseen und zahlreiche namenlose Hochgebirgsgewässer sind darin nicht vollständig enthalten.[1]

Das Historisches Lexikon der Schweiz nennt auf Grundlage einer anderen Erfassungsmethode rund 1'480 Seen. Solche Unterschiede entstehen insbesondere durch die Behandlung sehr kleiner Gewässer, künstlicher Becken, zusammenhängender Seeteile und grenzüberschreitender Seen.[2]

Seen der Schweiz – Kennzahlen
Erfasste Seen über 0,5 ha rund 1'592
Gesamtfläche der Schweizer Seeanteile rund 1'422 km²
Anteil an der Landesfläche rund 3,4 %
Flächengrösster See Genfersee, 580 km²
Grösster vollständig schweizerischer See Neuenburgersee, 214,7 km²
Tiefster See Lago Maggiore, 372 m
Tiefster vollständig schweizerischer See Brienzersee, 261 m
Tiefstgelegener grosser See Lago Maggiore, rund 193 m ü. M.
Grösster Schweizer Stausee nach Fläche Sihlsee, 10,7 km²
Grösster Speichersee nach Volumen Lac des Dix, rund 401 Mio. m³
Kanton mit den meisten erfassten Seen Graubünden, 359

Abgrenzung und Begriffe

Als See gilt ein dauerhaft oder über längere Zeit mit Wasser gefülltes, stehendes Binnengewässer. Eine allgemein verbindliche Mindestgrösse gibt es nicht. Je nach Statistik werden auch kleine Weiher, künstliche Becken, ehemalige Kiesgruben, Altarme und periodisch austrocknende Bergseen berücksichtigt.

In dieser Liste werden folgende Gewässertypen unterschieden:

  • Naturseen entstanden ohne unmittelbare menschliche Anlage, beispielsweise durch Gletschererosion, Moränen, Bergstürze oder tektonische Vorgänge.
  • Regulierte Naturseen sind natürliche Seen, deren Wasserstand durch Wehre, Kraftwerke oder Kanäle gesteuert wird.
  • Stauseen entstanden durch den Bau einer Talsperre oder eines Damms.
  • Erweiterte Naturseen sind natürliche Gewässer, deren Spiegel zur Energiespeicherung künstlich angehoben oder abgesenkt wurde.
  • Ausgleichsbecken dienen dem kurzfristigen Ausgleich des Kraftwerksbetriebs.
  • Weiher und Teiche sind meist flache natürliche oder künstliche Kleingewässer.
  • Altarme und Laufstauseen entstanden aus früheren Flussläufen oder durch die Aufstauung eines Flusses.

Die Flächen natürlicher Seen können infolge von Wasserstandsregulierung und jahreszeitlichen Schwankungen variieren. Bei Speicherseen hängt die Wasserfläche stark vom Füllstand ab. Die Werte in dieser Liste sind deshalb als gerundete Richtwerte zu verstehen.

Namen in den Landessprachen

Die Mehrsprachigkeit der Schweiz zeigt sich auch in den Gewässernamen:

Bezeichnungen für Seen und Kleingewässer
Sprache Häufige Bezeichnungen Beispiele
Deutsch See, Weiher Bodensee, Türlersee, Burgäschisee
Französisch lac, étang Lac de Joux, Étang de la Gruère
Italienisch lago, laghetto Lago Maggiore, Lago di Vogorno
Rätoromanisch lai, lej, lag Lej da Segl, Lai da Sontga Maria

Mehrere Namen kommen in der Schweiz mehrfach vor. Dazu gehören insbesondere Obersee, Schwarzsee, Egelsee, Mettmensee und Blausee. Bei solchen Bezeichnungen ist zur eindeutigen Zuordnung die Angabe der Gemeinde, des Tals oder des Kantons erforderlich.

Entstehung der Schweizer Seen

Glaziale Seen

Die Mehrzahl der grossen Schweizer Seen entstand während der Eiszeiten. Gletscher vertieften bestehende Täler, schürften Becken aus und hinterliessen beim Rückzug Seiten- und Stirnmoränen. Zu den glazial geprägten Seen gehören:

  • der Genfersee im ehemaligen Gebiet des Rhonegletschers;
  • der Bodensee im Becken des Rhein- und Rheintalgletschers;
  • der Vierwaldstättersee im Gebiet des Reussgletschers;
  • der Zürichsee und der Walensee im Gebiet des Linth-Rhein-Gletschers;
  • der Thuner- und der Brienzersee im Gebiet des Aaregletschers;
  • die Engadiner Seen im Tal des Inn.

Viele ursprünglich zusammenhängende Wasserflächen wurden später durch Flussablagerungen geteilt. Thuner- und Brienzersee waren einst ein zusammenhängender See. Zürichsee und Walensee waren über die Linthebene miteinander verbunden. Im westlichen Mittelland bildeten der Neuenburger-, Bieler- und Murtensee Teile eines wesentlich grösseren postglazialen Gewässersystems.

Bergsturz- und Rutschungsseen

Bergstürze und grosse Rutschungen können Täler aufstauen und neue Seen schaffen. Der Lac de Derborence im Wallis entstand 1749 durch einen Bergsturz. Der Oeschinensee wird durch Ablagerungen eines alten Bergsturzes zurückgehalten.

Solche natürlichen Dämme können instabil sein. Wird ein Damm durchbrochen, kann der See teilweise oder vollständig auslaufen.

Karstseen und Seen ohne sichtbaren Abfluss

Einige Seen im Jura und in den Kalkalpen besitzen keinen ständig sichtbaren oberirdischen Abfluss. Ihr Wasser versickert durch Spalten und Höhlen im Kalkgestein. Der Lac de Joux entwässerte ursprünglich hauptsächlich unterirdisch. Auch beim Daubensee und verschiedenen kleinen Juraseen spielen Karstsysteme eine wichtige Rolle.

Fluss- und Altwasserseen

In den Flusstälern von Aare, Rhein, Rhone, Reuss und Ticino entstanden Altwasser, abgeschnittene Flussschlingen und flache Auengewässer. Viele wurden später durch Flusskorrektionen trockengelegt oder verändert. Beispiele heutiger Flussseen und Laufstauseen sind der Klingnauer Stausee, der Flachsee und der Wohlensee.

Künstliche Seen

Die meisten grossen künstlichen Seen wurden im 20. Jahrhundert zur Stromproduktion angelegt. Besonders viele Speicherseen liegen in den Kantonen Wallis, Graubünden, Tessin, Bern, Uri, Glarus und Schwyz.

Speicherseen nehmen Schmelz- und Niederschlagswasser auf und geben es bei hohem Strombedarf an die Kraftwerke ab. Sie dienen teilweise zusätzlich dem Hochwasserschutz, der Wasserversorgung oder der Regulierung von Flüssen.

Grösste natürliche Seen

Die folgende Liste enthält natürliche Seen mit einer Fläche von ungefähr einem Quadratkilometer oder mehr. Regulierte und nachträglich vergrösserte Naturseen sind eingeschlossen. Bei grenzüberschreitenden Seen wird die gesamte Seefläche angegeben.

Grösste natürliche Seen der Schweiz
Rang See Fläche in km² Maximale Tiefe in m Seespiegel in m ü. M. Kantone beziehungsweise Staaten Abflussgebiet
1 Genfersee 580,0 310 372 GE, VD, Frankreich Rhone
2 Bodensee 536,4 252 396 SG, TG, SH, Deutschland, Österreich Rhein
3 Neuenburgersee 214,7 153 429 NE, VD, FR, BE Aare
4 Lago Maggiore 211,5 372 193 TI, Italien Po
5 Vierwaldstättersee 113,7 214 434 LU, UR, SZ, NW Reuss
6 Zürichsee 88,0 136 406 ZH, SG, SZ Limmat
7 Luganersee 48,8 288 271 TI, Italien Po
8 Thunersee 47,7 217 558 BE Aare
9 Bielersee 39,4 74 429 BE Aare
10 Zugersee 38,4 198 413 ZG, SZ, LU Reuss
11 Brienzersee 29,7 261 564 BE Aare
12 Walensee 24,2 150 419 SG, GL Limmat
13 Murtensee 22,6 46 429 FR, VD Aare
14 Sempachersee 14,4 87 504 LU Reuss
15 Hallwilersee 10,2 47 449 AG, LU Aare
16 Lac de Joux 8,8 34 1'004 VD Aare
17 Greifensee 8,2 34 435 ZH Rhein
18 Sarnersee 7,4 52 469 OW Reuss
19 Ägerisee 7,3 82 724 ZG Reuss
20 Baldeggersee 5,2 66 463 LU Reuss
21 Lej da Segl 4,1 71 1'797 GR Inn
22 Klöntalersee 3,2 47 848 GL Limmat
23 Lej da Silvaplauna 3,2 77 1'791 GR Inn
24 Pfäffikersee 3,1 35 537 ZH Rhein
25 Lauerzersee 3,0 14 447 SZ Reuss
26 Lungerersee 2,0 68 689 OW Reuss
27 Lago di Poschiavo 1,9 84 962 GR Po
28 Oeschinensee 1,1 56 1'578 BE Aare

Der Neuenburgersee ist der grösste See, der vollständig auf Schweizer Staatsgebiet liegt. Der Brienzersee ist der tiefste vollständig schweizerische Natursee. Unter den natürlichen Seen mit mehr als einem Quadratkilometer Fläche liegt der Silsersee am höchsten.

Grösste Seen nach Volumen und Tiefe

Bedeutende natürliche Seen nach Volumen
See Volumen in km³ Maximale Tiefe in m Fläche in km²
Genfersee 89,9 310 580,0
Bodensee 49,0 252 536,4
Lago Maggiore 37,1 372 211,5
Neuenburgersee 14,17 153 214,7
Vierwaldstättersee 11,8 214 113,7
Luganersee 6,56 288 48,8
Thunersee 6,50 217 47,7
Brienzersee 5,17 261 29,7
Zürichsee 3,90 136 88,0
Zugersee 3,21 198 38,4
Walensee 2,49 150 24,2
Bielersee 1,24 74 39,4

Obwohl der Neuenburgersee eine grössere Fläche besitzt, haben der Vierwaldstättersee, der Luganersee, der Thunersee und der Brienzersee wegen ihrer tiefen Becken im Verhältnis zur Fläche ein besonders grosses Volumen.

Grosse Stauseen und künstlich erweiterte Seen

Die folgende Tabelle enthält Stauseen und stark veränderte Naturseen mit einer Fläche von ungefähr einem Quadratkilometer oder mehr. Das angegebene Volumen ist das gesamte Seevolumen und nicht zwingend der energiewirtschaftlich nutzbare Speicherinhalt.

Grosse Speicherseen und Laufstauseen
See Fläche in km² Volumen in Mio. m³ Maximale Tiefe in m Stauziel in m ü. M. Kanton beziehungsweise Staat Typ
Sihlsee 10,7 96,5 23 889 SZ Speichersee
Lac de la Gruyère 9,1 200 75 677 FR Speichersee
Lago di Livigno 4,6 164,2 119 1'805 GR, Italien Speichersee
Wägitalersee 4,2 148,8 65 900 SZ Speichersee
Lago di Lei 4,0 200 133 1'931 GR, Italien Speichersee
Lac des Dix 4,0 401 227 2'364 VS Speichersee
Schiffenensee 4,0 66 38 532 FR Flussstausee
Lac d’Emosson 3,2 227 161 1'930 VS Speichersee
Wohlensee 3,2 25 20 481 BE Laufstausee
Grimselsee 2,7 101 100 1'909 BE Speichersee
Lac de Mauvoisin 2,3 181,5 180 1'961 VS Speichersee
Lac de Salanfe 1,8 40,1 48 1'925 VS Speichersee
Lai da Sontga Maria 1,8 67,3 86 1'908 GR Speichersee
Stausee Mattmark 1,7 101 93 2'197 VS Speichersee
Lago di Vogorno 1,7 106 204 470 TI Speichersee
Oberaarsee 1,6 60,7 90 2'303 BE Speichersee
Zervreilasee 1,6 100,5 140 1'862 GR Speichersee
Lac de l’Hongrin 1,6 53,2 105 1'255 VD Pumpspeichersee
Lago Bianco 1,5 21 53 2'234 GR erweiterter Natursee
Lago Ritom 1,5 53,9 69 1'850 TI erweiterter Natursee
Lago di Luzzone 1,4 88 181 1'590 TI Speichersee
Lai da Marmorera 1,4 62,6 65 1'680 GR Speichersee
Limmerensee 1,3 93 122 1'857 GL Pumpspeichersee
Lac de Moiry 1,3 78 120 2'249 VS Speichersee
Göscheneralpsee 1,3 76 106 1'792 UR Speichersee
Lägh da l’Albigna 1,3 70 108 2'163 GR Speichersee
Klingnauer Stausee 1,1 318 AG Laufstausee
Lago del Sambuco 1,1 62,9 124 1'461 TI Speichersee

Weitere bedeutende Speicherseen unter einem Quadratkilometer sind der Lai da Nalps, der Lai da Curnera, der Griessee, der Lac de Tseuzier, der Lac de Cleuson, der Lago del Naret, der Lago di Lucendro, der Lago della Sella, der Gelmersee, der Arnensee, der Muttsee, der Gigerwaldsee, der Lac de Moron, der Lac de Montsalvens und der Räterichsbodensee.

Seen nach Einzugsgebiet

Die Schweiz entwässert in vier verschiedene Meere. Die Lage eines Sees im jeweiligen Flusssystem bestimmt, auf welchem Weg sein Wasser das Land verlässt.

Seen nach europäischem Hauptabflussgebiet
Hauptabflussgebiet Meer Wichtige Flusssysteme Beispiele
Rhein Nordsee Aare, Reuss, Limmat, Alpenrhein, Hochrhein Bodensee, Neuenburgersee, Vierwaldstättersee, Zürichsee, Thunersee, Bielersee, Brienzersee, Zugersee, Walensee
Rhone Mittelmeer Rhone Genfersee, Lac des Dix, Lac de Mauvoisin, Lac d’Emosson, Lac de Moiry, Mattmark-Stausee
Po Adriatisches Meer Ticino, Adda, Mera Lago Maggiore, Luganersee, Lago di Poschiavo, Lago di Vogorno, Lago di Luzzone
Donau Schwarzes Meer Inn Silsersee, Silvaplanersee, St. Moritzersee, Lago di Livigno

Der grösste Teil der Schweizer Seen gehört zum Rheineinzugsgebiet. Eine Besonderheit bilden die Seen des Oberengadins: Ihr Wasser fliesst über den Inn und die Donau ins Schwarze Meer.

Anzahl und Fläche nach Kanton

Die kantonalen Zahlen stammen aus der BAFU-Auswertung des Gewässernetzes. Berücksichtigt wurden Seen mit einer Fläche von mehr als 0,5 Hektaren. Bei grenzüberschreitenden Seen wurde nur der schweizerische Flächenanteil verwendet. Die Daten basieren auf VECTOR25, Ausgabe 2007, und geben den Auswertungsstand von Dezember 2013 wieder.[1]

Seen nach Kanton
Kanton Anzahl Seen über 0,5 ha Gesamtfläche in km² Bedeutende Beispiele
Aargau 38 11 Hallwilersee, Klingnauer Stausee, Flachsee
Appenzell Ausserrhoden 3 unter 1 Gäbrisseeli und kleinere Weiher
Appenzell Innerrhoden 3 unter 1 Seealpsee, Sämtisersee, Fälensee
Basel-Landschaft 7 unter 1 kleinere Weiher und ehemalige Abbaugewässer
Basel-Stadt 3 unter 1 keine grösseren natürlichen Seen
Bern 152 135 Thunersee, Brienzersee, Bielersee, Oeschinensee, Grimselsee, Oberaarsee, Wohlensee
Freiburg 32 83 Murtensee, Greyerzersee, Schiffenensee, Schwarzsee, Lac de Montsalvens
Genf 11 38 Genfersee
Glarus 30 10 Walensee, Klöntalersee, Limmerensee, Muttsee, Obersee, Talalpsee
Graubünden 359 30 Silsersee, Silvaplanersee, St. Moritzersee, Davosersee, Lago di Poschiavo, Lago di Lei, Lai da Marmorera, Zervreilasee
Jura 36 1 Étang de la Gruère, Étang des Royes, Lac de Lucelle
Luzern 31 66 Vierwaldstättersee, Sempachersee, Baldeggersee, Hallwilersee, Rotsee, Mauensee
Neuenburg 13 87 Neuenburgersee, Lac des Brenets, Lac des Taillères, Lac de Moron
Nidwalden 7 35 Vierwaldstättersee, Bannalpsee
Obwalden 15 13 Vierwaldstättersee, Sarnersee, Lungerersee, Melchsee, Tannensee, Trübsee, Wichelsee
Schaffhausen 11 unter 1 Untersee, Morgetshofsee und kleinere Weiher
Schwyz 24 64 Vierwaldstättersee, Zürichsee, Zugersee, Sihlsee, Wägitalersee, Lauerzersee
Solothurn 11 unter 1 Burgäschisee, Inkwilersee, Baslerweiher
St. Gallen 95 78 Bodensee, Zürichsee, Walensee, Gigerwaldsee, Chapfensee, Gübsensee, Voralpsee
Thurgau 72 130 Bodensee, Nussbaumersee, Hüttwilersee, Hasensee, Bichelsee
Tessin 132 84 Lago Maggiore, Luganersee, Lago di Vogorno, Lago di Luzzone, Lago Ritom, Lago del Sambuco
Uri 50 22 Vierwaldstättersee, Göscheneralpsee, Oberalpsee, Arnisee, Seelisbergsee
Wallis 278 36 Genfersee, Lac des Dix, Lac de Mauvoisin, Lac d’Emosson, Stausee Mattmark, Lac de Moiry, Lac de Derborence
Waadt 63 393 Genfersee, Neuenburgersee, Murtensee, Lac de Joux, Lac Brenet, Lac de l’Hongrin, Lac de Brêt
Zug 8 32 Zugersee, Ägerisee, Wilersee
Zürich 108 74 Zürichsee, Greifensee, Pfäffikersee, Türlersee, Katzenseen, Husemersee, Lützelsee
Schweiz 1'592 1'422

Graubünden besitzt aufgrund seiner Grösse, der ausgeprägten Gebirgstopografie und der zahlreichen Hochgebirgsmulden die höchste Zahl erfasster Seen. Es folgen das Wallis, Bern, Tessin und Zürich.

Die grösste kantonale Seenfläche weist der Kanton Waadt auf, weil grosse Teile des Genfer- und des Neuenburgersees zu seinem Gebiet gehören. Die kantonalen Flächenwerte enthalten nur die jeweiligen schweizerischen beziehungsweise kantonalen Seeanteile.

Weitere bedeutende Klein- und Bergseen

Die folgende Auswahl enthält bekannte natürliche Seen und Weiher mit weniger als ungefähr einem Quadratkilometer Fläche.

Alpen und Voralpen

Mittelland und Jura

  • Amsoldingersee bei Thun;
  • Burgäschisee zwischen Bern und Solothurn;
  • Étang de la Gruère im Jura;
  • Husemersee im Zürcher Weinland;
  • Hüttwilersee und Nussbaumersee im Thurgau;
  • Inkwilersee zwischen Bern und Solothurn;
  • Katzenseen bei Zürich;
  • Lac de Brêt im Kanton Waadt;
  • Lac des Taillères im Neuenburger Jura;
  • Mauensee im Kanton Luzern;
  • Rotsee bei Luzern;
  • Türlersee im Kanton Zürich;
  • Uebeschisee und Dittligsee im Kanton Bern.

Grenzüberschreitende Seen

Mehrere bedeutende Seen liegen teilweise ausserhalb der Schweiz.

Grenzüberschreitende Seen
See Beteiligte Staaten Besonderheiten
Genfersee Schweiz, Frankreich Der schweizerische Teil liegt in den Kantonen Genf und Waadt.
Bodensee Schweiz, Deutschland, Österreich Beim Obersee besteht keine überall gleichartig festgelegte Staatsgrenze auf der Wasserfläche.
Lago Maggiore Schweiz, Italien Der nördliche Teil mit Locarno und Ascona gehört zum Kanton Tessin.
Luganersee Schweiz, Italien Der stark gegliederte See besitzt mehrere durch Engstellen getrennte Becken.
Lac des Brenets Schweiz, Frankreich Der vom Doubs durchflossene See bildet einen Abschnitt der Staatsgrenze.
Lago di Livigno Schweiz, Italien Der Stausee entwässert über den Spöl zum Inn.
Lago di Lei Schweiz, Italien Der grösste Teil der Wasserfläche liegt in Italien; die Staumauer befindet sich auf Schweizer Gebiet.

Verschwundene und neu entstehende Seen

Die Schweizer Seenlandschaft verändert sich fortlaufend. Flüsse tragen Sand, Kies und Schwebstoffe in die Seen ein. Dadurch entstehen Deltas, Flachwasserzonen und schliesslich neue Landflächen.

Zu den verschwundenen oder stark verkleinerten Seen gehören:

  • der Tuggenersee zwischen Walensee und Zürichsee;
  • ausgedehnte postglaziale Seen im Gebiet des heutigen Seelands;
  • kleinere Seen und Sümpfe in der Linthebene;
  • zahlreiche Altwasser und Moorseen des Mittellandes.

Gleichzeitig entstehen durch den Rückzug der Gletscher neue Seen. Solche Gletscherrand- und Zungenbeckenseen können sich innerhalb weniger Jahre bilden und rasch vergrössern. Einige besitzen ein Potenzial für Naturgefahren, Wasserkraft oder Tourismus. Andere werden durch Sedimente bald wieder aufgefüllt.

Die Zahl und Fläche der hochalpinen Seen ist deshalb nicht konstant. Neue kartografische Erhebungen können zusätzliche Gewässer erfassen, während andere nur noch zeitweise Wasser führen.

Regulierung und Wasserbau

Von den 35 grössten Schweizer Seen werden nach Angaben des BAFU 30 künstlich reguliert. Wehre und Kraftwerke steuern die Wasserstände und Abflüsse. Die Regulierung dient dem Hochwasserschutz, der Schifffahrt, der Energiegewinnung, der Wasserversorgung und der Stabilisierung von Niedrigwasserständen.[3]

Besonders weitreichend waren:

  • die Linthkorrektion zwischen Walensee und Zürichsee;
  • die Juragewässerkorrektionen am Neuenburger-, Bieler- und Murtensee;
  • die Regulierung des Genfersees bei Genf;
  • die Regulierung des Zürichsees durch das Platzspitzwehr;
  • die Regulierung des Vierwaldstättersees durch das Reusswehr in Luzern;
  • die Regulierung des Bodensees durch natürliche Abflussverhältnisse am Hochrhein, ohne eigentliches Regulierwehr.

Die Juragewässerkorrektionen senkten die Wasserstände der Jurarandseen und verbanden sie über Broye-, Zihl-, Hagneck- und Nidau-Büren-Kanal zu einem gemeinsam regulierten System.

Wirtschaftliche Bedeutung

Trinkwasser

Die grossen Seen gehören zu den wichtigsten Trinkwasserreserven der Schweiz. Besonders die dicht besiedelten Regionen an Genfersee, Bodensee, Zürichsee, Neuenburgersee und Luganersee beziehen einen erheblichen Teil ihres Trinkwassers aus aufbereitetem Seewasser.

Die Entnahme erfolgt meist in grosser Tiefe, wo Temperatur und Wasserqualität relativ stabil sind. Mehrstufige Aufbereitungsverfahren entfernen Partikel, Mikroorganismen und unerwünschte chemische Stoffe.

Wasserkraft

Speicherseen ermöglichen die zeitliche Verschiebung der Stromproduktion. Wasser wird bei geringem Bedarf zurückgehalten und bei hohem Bedarf durch Druckstollen und Turbinen geleitet. Pumpspeicherwerke können Wasser mit überschüssigem Strom in ein höher gelegenes Becken zurückpumpen.

Der starke Ausbau der alpinen Speicheranlagen erfolgte vor allem zwischen 1945 und 1970. Zu den bedeutenden Speichersystemen gehören Grande Dixence, Emosson, Mauvoisin, Grimsel-Oberaar, Linth-Limmern und die Anlagen im Bleniotal.[4]

Fischerei

Die Seen werden seit prähistorischer Zeit befischt. Im Mittelalter gehörten Fischereirechte häufig zu den Hoheitsrechten von Klöstern, Städten oder Landesherren. Heute unterliegt die Fischerei kantonalen und interkantonalen Regelungen.

Wichtige Nutzfische sind Felchen, Egli, Hecht, Zander, Seeforelle, Saibling, Trüsche und verschiedene Karpfenfische. Die Erträge unterscheiden sich stark nach Nährstoffgehalt, Temperatur, Seetiefe und Artenzusammensetzung.

Schifffahrt und Verkehr

Die grossen Seen waren seit der Antike wichtige Verkehrswege. Vor dem Ausbau der Eisenbahn wurden Wein, Salz, Getreide, Holz, Vieh, Käse, Steine und andere Güter auf Schiffen transportiert.

Heute besteht eine regelmässige Personenschifffahrt unter anderem auf Genfersee, Bodensee, Neuenburgersee, Bielersee, Murtensee, Vierwaldstättersee, Zürichsee, Zugersee, Thunersee, Brienzersee, Walensee und Luganersee. Autofähren verkehren auf dem Zürichsee und dem Bodensee.

Tourismus und Erholung

Seen gehören zu den wichtigsten touristischen Landschaftselementen der Schweiz. Baden, Segeln, Rudern, Tauchen, Angeln, Paddeln und Schifffahrten sind weit verbreitet. Historische Uferstädte, Schlösser, Rebberge und Bergpanoramen erhöhen die touristische Bedeutung.

Die intensive Freizeitnutzung kann jedoch empfindliche Flachwasserbereiche, Brutgebiete und Schilfgürtel belasten. In Schutzgebieten gelten deshalb Fahr-, Anlege-, Bade- oder Betretungsverbote.

Ökologischer Zustand

Seit den 1980er-Jahren hat sich die Wasserqualität vieler Schweizer Seen deutlich verbessert. Der Ausbau der Kläranlagen und die Verminderung der Phosphoreinträge führten zu einem Rückgang der Überdüngung. Einzelne Seen leiden jedoch weiterhin unter Sauerstoffmangel im Tiefenwasser.[5]

Zu den wichtigsten Belastungen gehören:

  • Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Siedlungen;
  • Mikroverunreinigungen aus Abwasser, Industrie und Verkehr;
  • verbaute und aufgeschüttete Ufer;
  • künstlich regulierte Wasserstände;
  • Verlust von Schilfgürteln und Flachwasserzonen;
  • Freizeit- und Schiffsverkehr;
  • gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten;
  • steigende Wassertemperaturen infolge des Klimawandels.

Mehr als die Hälfte der Ufer grösserer Seen ist nach Angaben des BAFU verbaut oder stark verändert. Naturnahe Ufer gehören gleichzeitig zu den artenreichsten Lebensräumen der Schweiz.[3]

Klimawandel

Die Temperaturen vieler Schweizer Seen sind in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Wärmere Oberflächen und mildere Winter verlängern die sommerliche Temperaturschichtung.

Wenn das Oberflächenwasser im Winter nicht ausreichend abkühlt, wird der See weniger tief durchmischt. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in die tiefen Wasserschichten. Betroffen sind insbesondere tiefe Seen wie der Genfersee, Zürichsee, Zugersee, Luganersee und Lago Maggiore.[6]

Die Erwärmung verändert auch die Lebensräume von Fischen, Plankton und Wasserpflanzen. Kälteliebende Arten können in grössere Tiefen verdrängt werden, während wärmeliebende und gebietsfremde Arten günstigere Bedingungen vorfinden.

Gebietsfremde Arten

Boote, Anhänger, Fischereigeräte und Wassersportausrüstungen können Organismen von einem See zum nächsten transportieren. Zu den problematischen gebietsfremden Arten gehört die Quaggamuschel. Sie kann den Seegrund in grosser Dichte besiedeln, Nahrungsnetze verändern und Leitungen von Trinkwasser- oder Wärmenutzungsanlagen verstopfen.[7]

Zur Vorbeugung empfehlen Bund und Kantone, Boote und Ausrüstungsgegenstände vor einem Gewässerwechsel vollständig zu entleeren, gründlich zu reinigen und trocknen zu lassen.

Erforschung und Überwachung

Der Waadtländer Naturforscher François-Alphonse Forel begründete im 19. Jahrhundert am Genfersee die moderne Limnologie, die Wissenschaft von den Binnengewässern. Er untersuchte unter anderem Temperatur, Strömungen, Seiches, Wasserfarbe, Transparenz und biologische Prozesse.

Heute werden die Schweizer Seen durch Bund, Kantone, internationale Gewässerschutzkommissionen, die Eawag, Hochschulen und Wasserversorgungen überwacht. Gemessen werden unter anderem:

  • Wasserstand und Abfluss;
  • Temperatur;
  • Sauerstoffgehalt;
  • Phosphor- und Stickstoffkonzentrationen;
  • Plankton und Wasserpflanzen;
  • Fischbestände;
  • Mikroverunreinigungen;
  • invasive Arten;
  • Beschaffenheit der Ufer und des Seegrundes.

Das BAFU veröffentlicht aktuelle und historische Pegeldaten für zahlreiche grosse Seen. Swisstopo erfasst Seeumrisse und Gewässernamen im topografischen Landschaftsmodell swissTLM3D. Mit swissBATHY3D werden hochauflösende Modelle ausgewählter Seeböden bereitgestellt.[8]

Siehe auch

Literatur

  • Emil Egli: Seen der Schweiz in Landschaft und Kultur. Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach 1979.
  • Paul Liechti: Der Zustand der Seen in der Schweiz. Schriftenreihe Umwelt Nr. 237, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern 1994.
  • Rolf Weingartner, Rolf Spreafico: Hydrologischer Atlas der Schweiz. Bundesamt für Umwelt, Bern.
  • Hans Stadler: Seen. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 15. März 2013.
  • Bundesamt für Umwelt: Gewässer in der Schweiz. Zustand und Massnahmen. Bern 2022.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Gewässernetz der Schweiz. Bundesamt für Umwelt, veröffentlicht am 18. Februar 2025, abgerufen am 22. Juli 2026; dazugehörige Auswertung: Auswertungen zum Gewässernetz. Stand Dezember 2013.
  2. Hans Stadler: Seen. Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 15. März 2013, abgerufen am 22. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Schadstoffe und Nutzungsdruck. Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 22. Juli 2026.
  4. Wasserkraft. Bundesamt für Energie, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. Seen. Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 22. Juli 2026.
  6. Am Seegrund wird der Sauerstoff knapp. Bundesamt für Umwelt, 19. März 2020, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. Invasive gebietsfremde Arten in Seen. Bundesamt für Umwelt, 22. August 2025, abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. Höhenmodelle und swissBATHY3D. Bundesamt für Landestopografie, abgerufen am 22. Juli 2026.