Freiburg im Üechtland
| Freiburg im Üechtland | |
|---|---|
| Französischer Name | Fribourg |
| Kanton | Freiburg |
| Bezirk | Saanebezirk |
| BFS-Nummer | 2196 |
| Postleitzahlen | 1700–1709 |
| Koordinaten | 46° 48′ 22″ N, 7° 09′ 45″ O |
| Höhe | 587 m ü. M. |
| Fläche | 9,32 km² |
| Einwohnerzahl | rund 40'000 |
| Stadtammann | Elias Moussa (SP) (seit 2026) |
| Website | ville-fribourg.ch |
Freiburg im Üechtland (französisch Fribourg, häufig kurz Freiburg; senslerdeutsch auch Fryburg oder Frübùrg) ist eine Stadt, eine politische Gemeinde und der Hauptort des Kantons Freiburg sowie des Saanebezirks. Sie liegt beidseits der Saane im Schweizer Mittelland und gehört mit rund 40'000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu den grösseren Städten der Romandie.
Freiburg nimmt innerhalb der Schweiz eine besondere Stellung ein. Die Stadt befindet sich nahe der Sprachgrenze zwischen der französischsprachigen und der deutschsprachigen Schweiz und verbindet beide Kulturräume. Französisch ist die Mehrheitssprache und prägt das öffentliche Leben, während Deutsch im Bildungswesen, in der Wirtschaft, in zahlreichen Institutionen und im Alltag eines bedeutenden Teils der Bevölkerung fest verankert ist.
Bekannt ist Freiburg vor allem für seine auf einem Felssporn über der Saane gelegene mittelalterliche Altstadt, die Kathedrale St. Nikolaus, die erhaltenen Stadtmauern und Türme sowie für die 1889 gegründete zweisprachige Universität Freiburg. Als Kantons-, Bezirks-, Hochschul- und Bischofsstadt ist Freiburg das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum seines Kantons.
Name
Die amtliche französische Gemeindebezeichnung lautet Fribourg. Auf Deutsch wird die Stadt Freiburg oder, zur Unterscheidung von Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üechtland genannt. Als Kurzformen sind Freiburg i. Ü. und Freiburg i. Üe. gebräuchlich.
Der Name Freiburg setzt sich aus den Bestandteilen frei und Burg zusammen. Er verweist auf eine befestigte Stadt, deren Einwohner mit besonderen Freiheiten und Rechten ausgestattet waren. Name und Stadtrecht standen in enger Beziehung zur etwas früher gegründeten Zähringerstadt Freiburg im Breisgau.[1]
Das Üechtland, auch Üchtland geschrieben, war eine historische Landschaft im westlichen Mittelland. Sie erstreckte sich ungefähr zwischen der oberen Saane und dem Raum Bern, bildete jedoch keine politische oder rechtliche Einheit. Der Namenszusatz wird heute hauptsächlich zur eindeutigen Bezeichnung der Schweizer Stadt Freiburg verwendet.[2]
Geographie
Freiburg liegt im westlichen Schweizer Mittelland, ungefähr auf halbem Weg zwischen Bern und Lausanne. Die Saane durchquert das Gemeindegebiet von Süden nach Norden. Der Fluss hat sich tief in die Molasseschichten des Freiburger Mittellandes eingeschnitten und bildet mehrere ausgeprägte Schleifen.
Die mittelalterliche Oberstadt entstand auf einem schmalen Felssporn, der auf drei Seiten von der Saane umflossen wird. Die tiefer gelegenen Quartiere Au und Neustadt befinden sich unmittelbar am Fluss. Zwischen dem Talboden und den höher gelegenen Stadtteilen bestehen Höhenunterschiede von teilweise mehr als 100 Metern. Treppen, steile Gassen, Brücken und die Standseilbahn prägen deshalb das Stadtbild.
Die neueren Quartiere breiten sich hauptsächlich auf den Hochflächen westlich und nördlich der Altstadt aus. Dazu gehören unter anderem Pérolles, Beauregard, Gambach, Jura-Torry, Beaumont-Vignettaz und das Bahnhofsquartier. Östlich der Saane liegen Schönberg, Bürglen und weitere Wohngebiete.
Mit einer Fläche von etwas mehr als neun Quadratkilometern besitzt Freiburg ein vergleichsweise kleines Gemeindegebiet. Das zusammenhängende Stadtgebiet reicht weit über die politischen Grenzen hinaus und umfasst Teile der Nachbargemeinden Villars-sur-Glâne, Givisiez, Granges-Paccot, Marly und Düdingen. Freiburg bildet das Zentrum einer Agglomeration, die einen grossen Teil des mittleren Saanebezirks umfasst.
Landschaft und Natur
Trotz ihrer dichten Bebauung verfügt die Stadt über bedeutende Grün- und Naturräume. Besonders wertvoll sind die Ufer der Saane, das Galterntal, die bewaldeten Steilhänge unterhalb der Altstadt und die Grünflächen auf dem Pérolles-Plateau. Die tief eingeschnittenen Flusstäler bilden Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und dienen zugleich als Naherholungsgebiete.
Das Klima ist gemässigt und wird sowohl vom Mittelland als auch von den nahen Freiburger Voralpen beeinflusst. Die Winter können kühl und neblig sein, während die Sommer meist mild bis warm ausfallen. Die erhöhte Lage und die Nähe zu den Voralpen führen zu vergleichsweise hohen Niederschlagsmengen.
Bevölkerung und Sprachen
Freiburg wuchs von einer mittelalterlichen Kleinstadt zu einem regionalen Zentrum mit rund 40'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten innerhalb der Stadt ungefähr 5'000 bis 6'000 Menschen. 1811 waren es rund 6'200, 1910 bereits mehr als 20'000.[1]
Die Bevölkerung ist sprachlich und kulturell vielfältig. Französisch bildet die Mehrheitssprache. Daneben besitzt Deutsch eine starke historische und gesellschaftliche Stellung. Hinzu kommen Italienisch, Portugiesisch, Albanisch, Englisch und zahlreiche weitere Sprachen, die durch Zuwanderung und die internationale Ausrichtung der Hochschulen in der Stadt vertreten sind.
Freiburg gehört kulturell zur Romandie, liegt aber unmittelbar an der Grenze zur Deutschschweiz. Schulen und Hochschulen bieten Unterricht auf Französisch und Deutsch an. Auch zahlreiche öffentliche und private Einrichtungen verwenden beide Sprachen. Das offizielle Leben der Gemeinde findet überwiegend auf Französisch statt, doch bietet die Stadtverwaltung viele Informationen und Dienstleistungen ebenfalls auf Deutsch an.
In der Unterstadt entwickelte sich früher eine besondere sprachliche Mischform, die als Bolz bezeichnet wird. Sie verbindet Elemente des Französischen, des Frankoprovenzalischen und alemannischer Dialekte. Das Bolz war vor allem mit den Arbeiter- und Handwerkerquartieren an der Saane verbunden und gilt heute als Bestandteil des kulturellen Erbes Freiburgs.
Die Universität und die Fachhochschulen tragen wesentlich zur jungen und internationalen Bevölkerungsstruktur bei. Zu den Einwohnerinnen und Einwohnern kommen während des Studienjahres rund 10'000 Studierende der Universität sowie mehrere Tausend Studierende anderer Hochschulen hinzu.[3]
Geschichte
Stadtgründung und Zähringerzeit
Das Gebiet um Freiburg war bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit besiedelt. Eine grössere antike Siedlung ist auf dem heutigen Stadtgebiet jedoch nicht nachgewiesen. Die bedeutendsten römischen Verkehrswege der Region führten weiter nördlich durch das Broyetal und über Aventicum.
Freiburg wurde 1157 von Herzog Berthold IV. von Zähringen gegründet. Als Standort wählte er einen strategisch günstigen Felssporn über der Saane. Die befestigte Stadt sollte die zähringische Herrschaft im westlichen Mittelland sichern und zugleich den Handel zwischen dem burgundischen und dem alemannischen Raum fördern.[1]
Nach dem Aussterben der Zähringer im Jahr 1218 gelangte Freiburg an die Grafen von Kyburg. Diese bestätigten die städtischen Freiheiten und verliehen der Bürgerschaft 1249 die sogenannte Handfeste. Das Dokument regelte die Rechte der Einwohner, die städtischen Behörden, den Handel und die Rechtsprechung.
1277 verkauften die Kyburger Freiburg an die Habsburger. Unter habsburgischer Herrschaft entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum des Handwerks und des Handels. Besonders wichtig waren die Tuchherstellung, die Gerberei, die Lederverarbeitung und verschiedene Gewerbe, welche die Wasserkraft der Saane und des Galternbachs nutzten.
Territoriale und wirtschaftliche Entwicklung
Im 14. und 15. Jahrhundert dehnte Freiburg seinen Einfluss auf das Umland aus. Die Bürgerschaft erwarb Herrschaften, Dörfer und Rechte und schuf damit die Grundlage des späteren Kantonsgebiets. 1403 schloss Freiburg ein Burgrecht mit Bern, obwohl die Beziehungen zwischen den beiden Städten zeitweise von politischen und wirtschaftlichen Spannungen geprägt waren.
Von 1452 bis 1477 stand Freiburg unter der Oberhoheit des Hauses Savoyen. Während der Burgunderkriege kämpften Freiburger Truppen an der Seite Berns und der Eidgenossen. Sie nahmen 1476 an der Schlacht bei Murten teil. Im folgenden Jahr endete die savoyische Oberhoheit, und 1478 erhielt Freiburg die Reichsfreiheit.
Am 22. Dezember 1481 trat Freiburg gemeinsam mit Solothurn der Eidgenossenschaft bei. Freiburg wurde damit der erste Stand der Eidgenossenschaft, in dem eine französisch- und eine deutschsprachige Bevölkerung in grösserem Umfang zusammenlebte.
Reformation und katholische Erneuerung
Während Bern und die Waadt im 16. Jahrhundert die Reformation annahmen, blieb Freiburg katholisch. Die Stadt entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der katholischen Erneuerung in der Westschweiz. Die Jesuiten gründeten das Kollegium St. Michael, an dem der Theologe Petrus Canisius wirkte.
Klöster und kirchliche Einrichtungen besassen grossen Einfluss auf Bildung, Kultur und Sozialwesen. Zahlreiche Kirchen, Kapellen und Klosteranlagen prägen bis heute das Stadtbild. Freiburg wurde schliesslich zum Sitz des heutigen Bistums Lausanne, Genf und Freiburg.
1516 wurde in Freiburg der Ewige Friede zwischen dem französischen König Franz I. und den eidgenössischen Orten geschlossen. Der Vertrag beendete die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft nach den Mailänderkriegen und prägte die Beziehungen zwischen beiden Seiten über Jahrhunderte.
Patriziat und Ancien Régime
Seit dem 17. Jahrhundert konzentrierte sich die politische Macht zunehmend in den Händen einer begrenzten Zahl patrizischer Familien. Freiburg war zugleich Stadt und Hauptstadt eines Untertanengebiets. Die ländliche Bevölkerung und ein grosser Teil der Stadtbewohner waren von den wichtigsten Ämtern ausgeschlossen.
1781 kam es unter der Führung von Pierre-Nicolas Chenaux zu einem Aufstand gegen das patrizische Regierungssystem. Obwohl die Bewegung niedergeschlagen wurde, zeigte sie die wachsenden sozialen und politischen Spannungen des Ancien Régime.
Mit dem Einmarsch französischer Truppen im März 1798 endete die Herrschaft des Patriziats. Freiburg wurde Teil der zentralistisch organisierten Helvetischen Republik. Durch die Mediationsakte von 1803 erhielt der Kanton seine Selbstständigkeit zurück. Gleichzeitig wurden die politische Gemeinde Freiburg und der Kanton rechtlich voneinander getrennt.
Vom 19. Jahrhundert zur modernen Stadt
Nach einer kurzen Wiederherstellung der patrizischen Herrschaft setzte sich 1831 eine liberale Kantonsverfassung durch. Im Sonderbundskrieg von 1847 gehörte der katholisch-konservative Kanton Freiburg zum Sonderbund. Nach dessen Niederlage wurde die Stadt von eidgenössischen Truppen besetzt. Seit 1848 ist Freiburg Hauptort eines Gliedstaates des modernen Schweizer Bundesstaates.
Der Anschluss an die Eisenbahnlinie Bern–Freiburg–Lausanne zwischen 1856 und 1862 leitete eine neue Entwicklungsphase ein. Westlich der Altstadt entstanden die Quartiere Pérolles, Gambach und Beauregard. Industrie-, Verwaltungs- und Bildungsbauten verlagerten den städtischen Schwerpunkt allmählich in Richtung Bahnhof.
1869 begann die Nutzung der Wasserkraft bei der Magerau. 1889 wurde die Universität Freiburg gegründet, 1892 die heutige Freiburger Kantonalbank. 1897 nahm die erste städtische Tramlinie den Betrieb auf. Zwei Jahre später wurde die Standseilbahn zwischen der Unterstadt und dem höher gelegenen Stadtzentrum eröffnet.
Im 20. Jahrhundert wuchs Freiburg mit seinen Nachbargemeinden zu einem zusammenhängenden städtischen Raum. Neue Wohnquartiere entstanden insbesondere im Westen, Norden und auf dem Schönberg. Der Bau der Autobahn A12 verbesserte ab den 1970er Jahren die Verbindung mit Bern und der Genferseeregion.
2014 wurde die Poyabrücke eröffnet. Sie führt den Durchgangsverkehr nördlich an der Altstadt vorbei und entlastet insbesondere das Burgquartier und die Zähringerbrücke. Wiederholt wurden Zusammenschlüsse Freiburgs mit umliegenden Gemeinden diskutiert. Wegen der engen politischen Gemeindegrenzen und des grossen Agglomerationsraums bleibt die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden ein wichtiges Thema.
Politik und Verwaltung
Als Kantonshauptort beherbergt Freiburg den Grossen Rat, den Staatsrat, das Kantonsgericht und zahlreiche kantonale Verwaltungsstellen. Die Stadt ist zugleich Sitz der Bezirksbehörden des Saanebezirks.
Die Legislative der politischen Gemeinde ist der Generalrat. Er besteht aus 80 Mitgliedern, die alle fünf Jahre nach dem Proporzsystem gewählt werden. Die Sitzungen finden in der Regel im Rathaus statt und sind öffentlich.[4]
Die Exekutive bildet der Gemeinderat mit fünf vollamtlichen Mitgliedern. Jedes Mitglied leitet eine oder mehrere Direktionen der Stadtverwaltung. Dem Kollegium steht der Stadtammann beziehungsweise die Stadtammännin vor.[5] Seit Beginn der Legislaturperiode 2026–2031 ist der Sozialdemokrat Elias Moussa Stadtammann.[6]
Neben der Einwohnergemeinde besteht die historisch gewachsene Burgergemeinde Freiburg. Sie verwaltet eigenes Vermögen, Liegenschaften, Wälder und weitere Einrichtungen.
Wirtschaft
Freiburg ist das wichtigste Wirtschafts- und Dienstleistungszentrum des Kantons. Die grösste Bedeutung besitzen die öffentliche Verwaltung, das Bildungswesen, das Gesundheitswesen, der Handel, Finanzdienstleistungen, Gastronomie, Tourismus und unternehmensbezogene Dienstleistungen.
Industrie und Handwerk spielten historisch eine bedeutende Rolle. Im Mittelalter waren Freiburgs Tuchmacher und Gerber weit über die Region hinaus bekannt. Später entstanden Betriebe der Nahrungsmittelindustrie, des Maschinenbaus, des grafischen Gewerbes und der Energieversorgung.
Auf dem ehemaligen Gelände der Cardinal-Brauerei westlich des Bahnhofs entstand das Innovationsquartier Bluefactory. Dort arbeiten Hochschulen, Forschungsinstitute, Start-ups und Unternehmen an Projekten in den Bereichen nachhaltiges Bauen, Energie, Gesundheit, Nanotechnologie und Lebensmittelwissenschaften.[3]
Die kleinräumigen Gemeindegrenzen führen dazu, dass zahlreiche Arbeitsplätze der Freiburger Stadtregion in den angrenzenden Gemeinden liegen. Umgekehrt pendeln täglich viele Beschäftigte, Schülerinnen, Schüler und Studierende aus dem gesamten Kanton sowie aus den Nachbarkantonen in die Stadt.
Die gut erhaltene Altstadt, die Museen, die religiösen Bauwerke und die Lage zwischen Bern, dem Drei-Seen-Land und den Freiburger Voralpen machen Freiburg zu einem bedeutenden Ziel des Städte- und Kulturtourismus.
Bildung und Forschung
Freiburg besitzt eine lange Bildungstradition. Das im 16. Jahrhundert gegründete Kollegium St. Michael war eines der wichtigsten katholischen Bildungszentren der damaligen Eidgenossenschaft.
Die 1889 gegründete Universität Freiburg ist eine der wenigen Hochschulen der Schweiz, an denen ein grosser Teil des Lehrangebots sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch verfügbar ist. Sie umfasst Fakultäten für Theologie, Rechtswissenschaft, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften sowie Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin. Die Universität zieht Studierende aus allen Landesteilen und aus dem Ausland an und trägt wesentlich zur zweisprachigen Identität der Stadt bei.
Zur Freiburger Hochschullandschaft gehören ausserdem die vier Hochschulen der HES-SO Freiburg:
- die Hochschule für Technik und Architektur;
- die Hochschule für Wirtschaft;
- die Hochschule für Gesundheit;
- die Hochschule für Soziale Arbeit.
Hinzu kommen Einrichtungen der Lehrpersonenbildung, Berufsschulen, Kunst- und Gestaltungsschulen sowie mehrere Gymnasien. Zu den bekanntesten Mittelschulen zählen das Kollegium St. Michael, das Kollegium Heilig Kreuz und das Kollegium Gambach. Der Unterricht kann auf verschiedenen Bildungsstufen auf Französisch oder Deutsch besucht werden.
Stadtbild und Sehenswürdigkeiten
Altstadt
Die Freiburger Altstadt gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Stadtlandschaften der Schweiz. Ihre aussergewöhnliche Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel von Topografie, Fluss, Befestigungsanlagen, Kirchen, Brücken und dicht bebauten Gassen. Das historische Ortsbild ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet.
Das Burgquartier bildet den ältesten Teil der Oberstadt. Es erstreckt sich entlang des schmalen Felssporns über der Saane. Die Quartiere Au und Neustadt liegen am Talboden und waren traditionell von Handwerkern, Gewerbetreibenden und Arbeitern bewohnt. Viele Gebäude bestehen aus regionalem Molassesandstein und stammen im Kern aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit.
Charakteristisch sind die steilen Gassen, Laubengänge, Plätze und Brunnen. Mehrere Renaissancebrunnen wurden im 16. Jahrhundert von Hans Gieng und seiner Werkstatt geschaffen. Das Rathaus entstand an der Stelle der ehemaligen zähringischen Burg.
Kathedrale St. Nikolaus
Das bedeutendste Wahrzeichen Freiburgs ist die Kathedrale St. Nikolaus. Der Bau begann 1283 und dauerte mehrere Jahrhunderte. Die Kirche verbindet hoch- und spätgotische Bauelemente. Ihr 74 Meter hoher Westturm ist über 365 Stufen zugänglich und bietet einen weiten Blick über die Stadt, das Mittelland und die Freiburger Voralpen.[7]
Zur Ausstattung gehören Glasfenster des polnischen Künstlers Józef Mehoffer, moderne Fenster von Alfred Manessier, eine grosse Orgel sowie zahlreiche Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten. Seit 1945 besitzt die Kirche den Rang einer Kathedrale des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg.
Weitere bedeutende Sakralbauten sind die Liebfrauenkirche, die Franziskanerkirche, die Augustinerkirche, die Kirche St. Johann, die Visitandinnenkirche und die Loretokapelle.
Stadtbefestigung und Brücken
Grosse Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind erhalten. Zu ihr gehören Mauern, Tore und Türme wie das Berntor, der Rote Turm, der Katzenturm und der Dürrenbühlturm. Die Befestigungen folgen dem schwierigen Gelände und vermitteln ein anschauliches Bild der mittelalterlichen Verteidigungsarchitektur.
Freiburg wird häufig als Brückenstadt bezeichnet. Historische Übergänge wie die Bernbrücke, die Mittlere Brücke und die St.-Johann-Brücke verbinden die Quartiere im Saanetal. Neuere Bauwerke wie die Zähringerbrücke, die Pérollesbrücke und die Poyabrücke überspannen das tief eingeschnittene Flusstal auf grosser Höhe.
Museen und Kulturinstitutionen
Das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg zeigt Werke und Gegenstände zur Kunst-, Kultur- und Stadtgeschichte. Das Naturhistorische Museum besitzt Sammlungen aus Zoologie, Botanik, Geologie und Paläontologie.
Das Espace Jean Tinguely–Niki de Saint Phalle erinnert an die Künstler Jean Tinguely, der in Freiburg geboren wurde, und Niki de Saint Phalle. Weitere Einrichtungen sind das Schweizer Figurentheater-Museum, das Museum für Nähmaschinen sowie verschiedene Galerien und Ausstellungsräume.
Zu den wichtigen Veranstaltungsorten gehören das Gastspielhaus Equilibre, das Kulturzentrum Fri-Son, das Nouveau Monde und das Belluard Bollwerk.
Kultur und Brauchtum
Das kulturelle Leben Freiburgs ist durch die Zweisprachigkeit, die Universität und die Verbindung zwischen städtischen und ländlichen Traditionen geprägt. Theater, Film, Musik und Literatur werden auf Französisch, Deutsch und teilweise in weiteren Sprachen angeboten.
Zu den bekanntesten Veranstaltungen gehören das Internationale Filmfestival Freiburg, das Festival Belluard Bollwerk International, das Musikfestival Les Georges und die Fasnacht der Bolzen in der Unterstadt.
Eine besondere Bedeutung besitzt das Fest des heiligen Nikolaus, des Schutzpatrons der Stadt. Am ersten Samstag im Dezember zieht der als Bischof gekleidete Nikolaus auf einem Esel durch die Altstadt und hält vor Tausenden Besucherinnen und Besuchern eine Ansprache von der Terrasse des Kollegiums St. Michael.
Auch die Freiburger Küche ist Teil der städtischen Identität. In den Restaurants der Stadt sind regionale Gerichte wie das Käsefondue moitié-moitié, die Cuchaule, die Kilbi-Spezialitäten und Doppelrahm verbreitet. 2023 wurde Freiburg im Bereich Gastronomie in das UNESCO Creative Cities Network aufgenommen und gehörte damit gemeinsam mit Montreux zu den ersten Schweizer Städten in diesem Netzwerk.[3]
Verkehr
Eisenbahn und öffentlicher Verkehr
Der Bahnhof Freiburg liegt an der wichtigsten Bahnverbindung zwischen der Deutschschweiz und der Genferseeregion. Direkte Fernverkehrszüge verbinden Freiburg unter anderem mit Genf, Lausanne, Bern, Zürich, St. Gallen und Luzern. Regionale Bahnlinien führen nach Bulle, Romont, Payerne, Murten und Neuenburg.
Der regionale öffentliche Verkehr wird hauptsächlich von den Freiburgischen Verkehrsbetrieben betrieben. Ein Netz aus Trolleybus- und Autobuslinien erschliesst die Stadt und ihre Agglomeration. Der Bahnhof bildet den wichtigsten Umsteigepunkt.
Eine technische Besonderheit ist die 1899 eröffnete Standseilbahn Freiburg. Sie verbindet die Neustadt in der Unterstadt mit dem höher gelegenen Stadtzentrum. Die Bahn nutzt städtisches Abwasser als Ballast und gehört zu den letzten Anlagen dieser Art in Europa. Sie ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung geschützt.[8]
Strassenverkehr
Freiburg liegt an der Autobahn A12, welche Bern mit Vevey und der Genferseeregion verbindet. Die Anschlüsse Freiburg-Nord und Freiburg-Süd erschliessen die Stadt und die Agglomeration.
Die topografische Lage und die engen Gassen der Altstadt erschweren den motorisierten Verkehr. Mit der Eröffnung der Poyabrücke 2014 wurde ein grosser Teil des Durchgangsverkehrs aus dem historischen Zentrum verlagert. Gleichzeitig baut die Stadt ihre Fuss- und Veloverbindungen sowie die verkehrsberuhigten Bereiche schrittweise aus.
Sport
Der bekannteste Sportverein der Stadt ist der Eishockeyclub Fribourg-Gottéron, der in der höchsten Schweizer Spielklasse antritt. Seine Heimspiele in der BCF-Arena gehören zu den bedeutendsten regelmässigen Sportveranstaltungen des Kantons.
Im Basketball zählt Fribourg Olympic zu den erfolgreichsten Vereinen der Schweiz. Die Stadt verfügt im Gebiet St. Leonhard über ein grösseres Sportzentrum mit Eishalle, Fussballstadion, Leichtathletikanlagen und weiteren Einrichtungen.
Die Saane, die umliegenden Wälder und die Nähe zu den Freiburger Voralpen bieten zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Velofahren, Klettern und für weitere Freizeitaktivitäten.
Wappen
Das Wappen der Stadt zeigt in Blau einen silbernen Zinnenturm mit einer links angebauten, in zwei Stufen abfallenden Zinnenmauer und einem unten hervorbrechenden silbernen Halbring. Turm, Mauer und Ring erscheinen bereits auf mittelalterlichen Stadtsiegeln. 1803 wurde das Motiv zum offiziellen Wappen der politischen Gemeinde.[1]
Das Stadtwappen darf nicht mit dem schwarz-weissen Wappen des Kantons Freiburg verwechselt werden. Dieses geht auf das frühere Banner der Stadt und des alten Stadtstaates zurück und wurde nach der Trennung von Stadt und Kanton zum Kantonswappen.
Siehe auch
- Kanton Freiburg
- Geschichte des Kantons Freiburg
- Universität Freiburg
- Kathedrale St. Nikolaus (Freiburg)
- Liste der Städte in der Schweiz
- Liste der Kulturgüter in Freiburg
Literatur
- Gaston Castella: Histoire du canton de Fribourg depuis les origines jusqu’en 1857. Freiburg 1922.
- Anton Bertschy, Michel Charrière: Freiburg – ein Kanton und seine Geschichte. Fribourg – un canton et son histoire. Freiburg 1991.
- Francis Python (Hrsg.): Freiburg – eine Stadt im 19. und 20. Jahrhundert. Fribourg – une ville aux XIXe et XXe siècles. Freiburg 2007.
- Marcel Strub: Les monuments d’art et d’histoire du canton de Fribourg: la ville de Fribourg. Drei Bände, Basel 1956–1964.
- Hermann Schöpfer: Kleiner Kunstführer Stadt Freiburg. Freiburg 2007.
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Freiburg
- Offizielle Website des Kantons Freiburg
- Freiburg Tourismus
- Universität Freiburg
- Freiburg im Historischen Lexikon der Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Stadtgeschichte, Stadt Freiburg, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Üchtland, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Wirtschaftsentwicklung, Stadt Freiburg, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Generalrat, Stadt Freiburg, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Gemeinderat der Stadt Freiburg, Stadt Freiburg, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Elias Moussa, Stadt Freiburg, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Der Turm der Kathedrale, Freiburg Tourismus, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Das Funiculaire von Freiburg, Freiburg Tourismus, abgerufen am 22. Juli 2026.