Lago Maggiore

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Lago Maggiore
Deutsche Bezeichnung Langensee
Historischer Name Verbano
Gewässertyp Voralpensee und internationaler Grenzsee
Staaten Schweiz und Italien
Verwaltungseinheiten Kanton Tessin, Piemont und Lombardei
Fläche rund 212,5 km²
Schweizer Anteil rund 42,6 km²
Italienischer Anteil rund 169,4 km²
Höhe rund 193 m ü. M.
Länge rund 66 km
Maximale Breite rund 10 km
Uferlänge rund 175 km
Volumen rund 37,5 km³
Mittlere Tiefe rund 176 m
Maximale Tiefe rund 370 m
Einzugsgebiet rund 6'599 km²
Wichtigste Zuflüsse Ticino, Toce, Maggia, Verzasca und Tresa
Abfluss Ticino bei Sesto Calende
Bedeutende Inseln Isole di Brissago und Borromäische Inseln
Bedeutende Orte Locarno, Ascona, Brissago, Verbania, Stresa, Arona, Luino und Cannobio
Regulierung Miorina-Stauwehr bei Sesto Calende

Der Lago Maggiore, deutsch traditionell Langensee und historisch auch Verbano genannt, ist ein internationaler Voralpensee in der Schweiz und in Italien. Sein nördlicher Teil liegt im Kanton Tessin, der überwiegende südliche Teil in den italienischen Regionen Piemont und Lombardei. Rund ein Fünftel der Wasserfläche gehört zur Schweiz, etwa vier Fünftel liegen in Italien.[1]

Mit einer Fläche von rund 212,5 Quadratkilometern ist der Lago Maggiore einer der grössten Seen des Alpenraums. Unter den Seen mit einem Anteil am schweizerischen Staatsgebiet steht er nach dem Genfersee, dem Bodensee und dem Neuenburgersee flächenmässig an vierter Stelle. In Italien ist er nach dem Gardasee der zweitgrösste See.

Der mittlere Wasserspiegel liegt ungefähr 193 Meter über Meer und bildet damit den tiefsten natürlichen Punkt der Schweiz. Da der See bis etwa 370 Meter tief ist, liegt sein tiefster Grund ungefähr 177 Meter unter dem Meeresspiegel.

Der Lago Maggiore wird vor allem durch den Ticino, den Toce, die Maggia, die Verzasca und die Tresa gespeist. Bei Sesto Calende verlässt der Ticino den See und fliesst weiter durch die lombardische Tiefebene zum Po.

Die Landschaft des Sees verbindet alpine Täler und hohe Bergketten mit einem milden, insubrischen Klima. Palmen, Kamelien, Magnolien und andere wärmeliebende Pflanzen prägen zahlreiche Uferorte. Bedeutende touristische Zentren sind Locarno und Ascona in der Schweiz sowie Stresa, Verbania, Arona und Luino in Italien.

Name

Der älteste bekannte Name des Sees ist Verbano. Antike Autoren wie Polybios, Strabon und Plinius der Ältere bezeichneten ihn als Lacus Verbanus.

Die Herkunft des Namens Verbano ist nicht abschliessend geklärt. Er dürfte auf eine vorrömische Gewässer- oder Gebietsbezeichnung zurückgehen. Der Name lebt heute unter anderem in der italienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola und in zahlreichen regionalen Organisationsnamen weiter.

Die Bezeichnung Lago Maggiore ist seit dem 12. Jahrhundert belegt. Sie bedeutet «grösserer See» oder «Hauptsee». Der Name entstand, weil der See als grösstes Gewässer im lombardisch-piemontesischen Raum wahrgenommen wurde.[2]

Der deutsche Name Langensee bezieht sich auf die langgestreckte Form des Gewässers. Er war früher in der Deutschschweiz weit verbreitet, wird heute jedoch zunehmend durch den italienischen Namen Lago Maggiore ersetzt.

Auf Französisch heisst der See Lac Majeur. Im italienischsprachigen Kanton Tessin ist Lago Maggiore die amtliche und allgemein übliche Bezeichnung.

Geografie

Lage

Der Lago Maggiore liegt am Südrand der Alpen. Er erstreckt sich vom schweizerischen Sopraceneri im Norden bis zur italienischen Stadt Sesto Calende im Süden.

Die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien verläuft quer durch den nördlichen Teil des Sees zwischen Brissago und der lombardischen Gemeinde Maccagno con Pino e Veddasca.

Der schweizerische Seeabschnitt gehört vollständig zum Kanton Tessin. Das italienische Westufer liegt überwiegend im Piemont, während das Ostufer zur Lombardei gehört. Im südlichen Bereich berührt der See zudem die Provinz Novara.

Das Gewässer ist lang und schmal. Zwischen dem nördlichen Ende bei Locarno und dem Abfluss bei Sesto Calende beträgt die Länge ungefähr 66 Kilometer. Die grösste Breite liegt im mittleren Teil des Sees und beträgt etwa zehn Kilometer.

Schweizer Seegebiet

Das schweizerische Becken bildet den nördlichsten Abschnitt des Lago Maggiore. Es umfasst ungefähr 42,6 Quadratkilometer und damit rund 20 Prozent der gesamten Wasserfläche.

Am Nordufer liegen Locarno, Muralto, Minusio und Tenero. Zwischen den Mündungen der Verzasca und des Ticino erstreckt sich das Naturschutzgebiet der Bolle di Magadino.

Das westliche Schweizer Ufer wird von Ascona, Ronco sopra Ascona und Brissago geprägt. Vor Brissago liegen die beiden Brissago-Inseln.

Am östlichen Ufer befindet sich die Gemeinde Gambarogno mit den Ortschaften Magadino, Vira, San Nazzaro, Gerra, Ranzo und weiteren historischen Dörfern.

Der Wasserspiegel des Lago Maggiore ist der tiefste Punkt des Kantons Tessin und der gesamten Schweiz.

Italienisches Seegebiet

Der italienische Teil umfasst ungefähr 169,4 Quadratkilometer.

Am piemontesischen Westufer liegen unter anderem:

  • Cannobio;
  • Cannero Riviera;
  • Oggebbio;
  • Ghiffa;
  • Verbania;
  • Baveno;
  • Stresa;
  • Arona.

Das lombardische Ostufer umfasst unter anderem:

  • Maccagno;
  • Luino;
  • Porto Valtravaglia;
  • Laveno-Mombello;
  • Ispra;
  • Angera;
  • Sesto Calende.

Das Westufer ist besonders durch die Borromäischen Inseln, historische Villen, Parkanlagen und traditionsreiche Ferienorte geprägt. Das Ostufer besitzt steilere, teilweise bewaldete Hänge sowie zahlreiche kleinere Buchten und Ortschaften.

Becken und Seeteile

Der Lago Maggiore besteht aus mehreren unterschiedlich geformten Becken.

Das nördliche Becken zwischen Locarno, Brissago und Gambarogno ist von hohen Bergen umgeben. Die Mündungen von Ticino, Verzasca und Maggia haben dort grosse Schwemmfächer und Deltalandschaften geschaffen.

Der mittlere Teil zwischen Cannobio, Luino, Verbania und Laveno ist besonders tief. Die maximale Tiefe von rund 370 Metern wird im Becken vor Ghiffa gemessen.

Südlich der Borromäischen Inseln wird der See breiter. Bei Arona und Angera verengt er sich erneut, bevor er bei Sesto Calende in den Ticino übergeht.

Entstehung und Geologie

Der Lago Maggiore liegt in einem tiefen Tal, dessen Grundstruktur durch tektonische Bewegungen der Alpenbildung entstand.

Während der Eiszeiten wurde das Tal durch grosse Gletscher erheblich vertieft und erweitert. Besonders bedeutend waren die Gletscher aus den Tälern des Ticino und des Toce. Sie transportierten Gestein nach Süden und schufen ein übertieftes Becken.

Nach dem Rückzug der Gletscher füllte sich dieses Becken mit Schmelz- und Flusswasser. Moränen und Sedimente begrenzten den See nach Süden.

Der Seegrund liegt im tiefsten Bereich deutlich unter dem heutigen Meeresspiegel. Diese sogenannte Übertiefung ist typisch für grosse, von Gletschern geformte Alpenseen.

Die steilen Ufer und die geringen Flachwasserzonen vieler Abschnitte spiegeln die glaziale Entstehung wider. Grössere flache Uferbereiche befinden sich vor allem bei den Flussmündungen.

Hydrologie

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet des Lago Maggiore umfasst rund 6'599 Quadratkilometer. Davon liegen etwa 3'370 Quadratkilometer in der Schweiz und 3'229 Quadratkilometer in Italien.[1]

Obwohl nur rund ein Fünftel der Wasserfläche schweizerisch ist, liegt etwas mehr als die Hälfte des gesamten Einzugsgebiets in der Schweiz.

Das Einzugsgebiet reicht vom Gotthardmassiv und den Bündner Alpen bis zu den südlichen Voralpen und den Tälern des Piemonts.

Es umfasst unter anderem:

Die mittlere Höhe des Einzugsgebiets liegt bei ungefähr 1'295 Metern über Meer. Der See erhält daher grosse Wassermengen aus Niederschlägen, Schneeschmelze und alpinen Speicherseen.

Zuflüsse

Der bedeutendste Zufluss ist der Ticino. Er entspringt im Gotthardgebiet, durchfliesst die Leventina und die Magadinoebene und mündet im Naturschutzgebiet Bolle di Magadino in den See.

Die wichtigsten Zuflüsse sind:

Bedeutende Zuflüsse
Gewässer Mündungsgebiet Herkunft
Ticino Bolle di Magadino Gotthardgebiet, Leventina und Bleniotal
Toce Fondotoce bei Verbania Ossolatal und italienische Alpen
Maggia zwischen Locarno und Ascona Maggiatal und Seitentäler
Verzasca bei Tenero und Gordola Verzascatal
Tresa bei Luino Abfluss des Luganersees
Cannobino bei Cannobio Valle Cannobina
San Bernardino bei Verbania Val Grande
Erno bei Lesa Piemontesische Voralpen

Ticino und Toce liefern zusammen einen grossen Teil des gesamten Wasserzuflusses. Bei Hochwasser können die Flüsse grosse Mengen an Sedimenten, Holz und organischem Material in den See transportieren.

Abfluss

Der einzige natürliche Abfluss des Lago Maggiore ist der Ticino bei Sesto Calende.

Von dort fliesst der Fluss durch die lombardische Tiefebene. Ein Teil des Wassers wird über Kanäle für Bewässerung, Wasserkraft, Industrie und Schifffahrt genutzt. Südlich von Pavia mündet der Ticino in den Po.

Das Wasser des Lago Maggiore gelangt über Po und Adriatisches Meer schliesslich in das Mittelmeer.

Wasseraustausch

Das Volumen des Sees beträgt rund 37,5 Kubikkilometer. Die theoretische mittlere Erneuerungszeit des gesamten Seewassers liegt bei etwa vier Jahren.[1]

Dieser Wert ist ein rechnerischer Durchschnitt. Tiefes Seewasser kann wesentlich länger im See verbleiben, während Wasser in den oberflächennahen Schichten schneller ausgetauscht wird.

Die vollständige Durchmischung des Sees hängt von den winterlichen Temperaturen, dem Wind und der Dichte des Wassers ab. Warme Winter können verhindern, dass sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis in die tiefsten Schichten gelangt.

Regulierung des Wasserstands

Der Wasserstand des Lago Maggiore schwankt natürlicherweise mit Niederschlägen, Schneeschmelze und Verdunstung.

Seit 1943 wird der Abfluss durch das bewegliche Miorina-Stauwehr bei Sesto Calende reguliert.[3]

Die Regulierung dient mehreren Zielen:

  • Hochwasserschutz;
  • Sicherung von Wasserreserven;
  • Bewässerung der Poebene;
  • Wasserkraftproduktion;
  • Schifffahrt;
  • Landwirtschaft;
  • Erhaltung geeigneter Wasserstände für Häfen und Uferanlagen.

Zwischen diesen Interessen entstehen regelmässig Konflikte. Ein höherer Wasserstand schafft grössere Reserven für trockene Perioden, erhöht jedoch bei starken Niederschlägen das Überschwemmungsrisiko und kann natürliche Uferlebensräume beeinträchtigen.

Die Regulierung liegt auf italienischem Gebiet, wirkt sich jedoch unmittelbar auf die schweizerischen Uferorte und Schutzgebiete aus. Deshalb stimmen sich italienische und schweizerische Behörden über Messungen, Prognosen und Bewirtschaftungsfragen ab.[4]

Hochwasser und Niedrigwasser

Der Lago Maggiore reagiert aufgrund seines grossen Einzugsgebiets stark auf lang anhaltende Niederschläge.

Besonders gefährdet sind flache Uferbereiche bei Locarno, Ascona, Tenero, Magadino, Verbania und weiteren Orten. Bei hohem Pegel können Promenaden, Häfen, Keller, Strassen und öffentliche Plätze überflutet werden.

Zu den bekannten Hochwasserereignissen gehören jene der Jahre:

  • 1868;
  • 1951;
  • 1993;
  • 2000;
  • 2002;
  • 2014;
  • 2020.

Im Oktober 2000 erreichte der Pegel bei Locarno und Brissago ungefähr 197,57 Meter über Meer. Grosse Teile der Uferzonen wurden überflutet.[5]

In trockenen Jahren kann der Pegel stark sinken. Niedrigwasser erschwert die Schifffahrt, den Betrieb einzelner Anlegestellen und die Nutzung von Häfen. Zugleich werden Kies-, Sand- und Schlammbänke sichtbar.

Der Klimawandel kann sowohl längere Trockenperioden als auch intensivere Starkniederschläge begünstigen. Dadurch wird die grenzüberschreitende Regulierung des Sees anspruchsvoller.

Inseln

Der Lago Maggiore besitzt mehrere Inseln und kleine Felseneilande. Die bekanntesten sind die Brissago-Inseln in der Schweiz und die Borromäischen Inseln in Italien.

Bedeutende Inseln und Inselgruppen
Insel oder Inselgruppe Staat Beschreibung
Isole di Brissago Schweiz Zwei Inseln vor Brissago; auf der Isola Grande befindet sich der Botanische Garten des Kantons Tessin
Isola Bella Italien Borromäische Insel mit barockem Palast und Terrassengarten
Isola Madre Italien Grösste Borromäische Insel mit historischem Palast und botanischem Garten
Isola dei Pescatori Italien Dauerhaft bewohnte Insel mit engem historischen Ortskern
Isolino di San Giovanni Italien Kleine Privatinsel vor Pallanza
Scoglio della Malghera Italien Kleines Felseneiland zwischen Isola Bella und Isola dei Pescatori
Castelli di Cannero Italien Felseneilande mit Ruinen historischer Befestigungen
Isolino Partegora Italien Kleine bewaldete Insel vor Angera

Isole di Brissago

Die Brissago-Inseln bestehen aus der Isola Grande, auch Isola di San Pancrazio genannt, und der kleineren Isola di Sant’Apollinare.

Die Isola Grande ist öffentlich zugänglich und beherbergt den Botanischen Garten des Kantons Tessin. Das milde Inselklima ermöglicht die Kultivierung zahlreicher Pflanzen aus subtropischen Regionen der Erde.

Auf der Insel befindet sich zudem die im neoklassizistischen Stil errichtete Villa Emden. Die kleinere Insel ist nicht regulär für die Öffentlichkeit zugänglich.[6]

Borromäische Inseln

Die Borromäischen Inseln liegen im italienischen Seebecken zwischen Stresa und Verbania.

Sie sind nach der Familie Borromeo benannt, die seit dem Mittelalter grossen politischen und wirtschaftlichen Einfluss in der Region besass.

Isola Bella und Isola Madre sind für ihre Paläste und historischen Gartenanlagen bekannt. Die Isola dei Pescatori besitzt einen dicht bebauten Ortskern und ist bis heute dauerhaft bewohnt.

Uferorte

Schweizer Uferorte

Locarno ist die grösste Stadt am schweizerischen Seeufer. Sie liegt zwischen dem Maggiadelta und den Hängen oberhalb des Sees.

Die Stadt ist für die Piazza Grande, das Locarno Film Festival, das Heiligtum Madonna del Sasso und ihr mildes Klima bekannt.

Ascona liegt am rechten Rand des Maggiadeltas. Der historische Ortskern und die Seepromenade gehören zu den meistbesuchten touristischen Gebieten des Kantons Tessin.

Brissago liegt unmittelbar an der Grenze zu Italien. Der Ort ist für sein besonders mildes Klima, die Brissago-Inseln und historische Villen bekannt.

Am Nord- und Ostufer liegen ausserdem:

  • Muralto;
  • Minusio;
  • Tenero;
  • Gordola;
  • Magadino;
  • Vira;
  • San Nazzaro;
  • Gerra;
  • Ranzo.

Italienische Uferorte

Verbania entstand 1939 aus dem Zusammenschluss mehrerer Orte, darunter Intra und Pallanza. Die Stadt ist Verwaltungssitz der Provinz Verbano-Cusio-Ossola.

Stresa entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem international bekannten Ferienort. Prächtige Hotels, Villen und die Nähe zu den Borromäischen Inseln prägen das Ortsbild.

Arona liegt am südwestlichen Seeende. Gegenüber befindet sich die lombardische Stadt Angera mit der weithin sichtbaren Rocca di Angera.

Luino ist ein wichtiges Zentrum am lombardischen Ostufer. Die Stadt besitzt einen grossen Wochenmarkt und ist ein regionaler Verkehrs- und Einkaufsort.

Weitere bedeutende Orte sind Cannobio, Cannero Riviera, Baveno, Laveno-Mombello und Sesto Calende.

Klima

Der Lago Maggiore liegt in der insubrischen Klimaregion am Südrand der Alpen.

Der grosse Wasserkörper speichert im Sommer Wärme und gibt sie im Winter langsam wieder ab. Dadurch werden extreme Temperaturschwankungen an den Ufern gemildert.

Die Sommer sind warm und häufig feucht. Die Winter sind im Tal vergleichsweise mild, obwohl die umliegenden Berge regelmässig Schnee tragen.

Die Region gehört zu den niederschlagsreichsten Gebieten der Schweiz und Norditaliens. Besonders im Frühling und Herbst können intensive Regenfälle auftreten.

Das milde Mikroklima ermöglicht das Wachstum von:

  • Palmen;
  • Kamelien;
  • Magnolien;
  • Zypressen;
  • Lorbeer;
  • Feigen;
  • Zitrusfrüchten;
  • zahlreichen exotischen Gartenpflanzen.

Diese Vegetation verleiht den Uferorten ein teilweise mediterran wirkendes Erscheinungsbild.

Natur und Landschaft

Der Lago Maggiore besitzt trotz dichter Besiedlung mehrere ökologisch wertvolle Ufer- und Deltagebiete.

Bolle di Magadino

Die Bolle di Magadino liegen am Nordufer zwischen den Mündungen von Ticino und Verzasca.

Das Gebiet umfasst Schilfzonen, Auenwälder, Altarme, Teiche, Sand- und Kiesflächen. Es gehört zu den bedeutendsten Feuchtgebieten der Schweiz und ist in der Ramsar-Konvention als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung erfasst.[7]

Die Bolle sind ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Zahlreiche Vogelarten nutzen das Gebiet zur Nahrungssuche, Überwinterung oder Fortpflanzung.

Maggiadelta

Das Delta der Maggia liegt zwischen Locarno und Ascona. Der Fluss transportiert grosse Mengen an Kies und Sand aus dem Maggiatal in den See.

Naturnahe Ufer, Flachwasserbereiche und Auenreste besitzen eine grosse ökologische Bedeutung. Gleichzeitig wird das Gebiet intensiv für Siedlungen, Strände, Campingplätze, Sport und Verkehr genutzt.

Die verbleibenden Naturflächen stehen unter Schutz und werden durch Renaturierungsmassnahmen aufgewertet.

Fondotoce

Die Mündung des Toce bei Verbania bildet eines der wichtigsten Feuchtgebiete am italienischen Seeufer.

Das Naturschutzgebiet Fondotoce schützt Schilfgürtel, Auenbereiche und Lebensräume für Zug- und Wasservögel. Es bildet das italienische Gegenstück zu den Bolle di Magadino.

Tierwelt

Der Lago Maggiore bietet Lebensraum für zahlreiche Fischarten. Dazu gehören unter anderem:

  • Flussbarsch;
  • Hecht;
  • Zander;
  • Felchen;
  • Seeforelle;
  • Agone;
  • Rotauge;
  • Schleie;
  • verschiedene Karpfenfische.

Die Artenzusammensetzung wurde durch Besatz, Gewässerveränderungen und die Einwanderung gebietsfremder Arten beeinflusst.

Die Berufsfischerei besitzt gegenüber früher eine geringere wirtschaftliche Bedeutung, wird aber weiterhin ausgeübt. Für die Freizeitfischerei gelten unterschiedliche schweizerische und italienische Vorschriften.

An den Ufern leben zahlreiche Wasservögel. Reiher, Kormorane, Haubentaucher, Enten, Möwen und Eisvögel gehören zu den regelmässig beobachteten Arten.

Gebietsfremde Tiere und Pflanzen können einheimische Lebensgemeinschaften verändern. Die internationale Gewässerschutzkommission untersucht daher auch invasive Muscheln, Krebse, Fische, Wasserpflanzen und andere Organismen.

Wasserqualität und Umweltschutz

Eutrophierung

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verschlechterte sich die Wasserqualität durch ungeklärte Siedlungsabwässer, Industrie und Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft.

Besonders problematisch war der steigende Phosphorgehalt. Er förderte das Wachstum von Algen und führte zu Sauerstoffmangel in tieferen Wasserschichten.

Der Ausbau von Kanalisationen und Kläranlagen sowie die Verringerung phosphathaltiger Reinigungsmittel verbesserten die Situation seit den 1970er-Jahren deutlich.

Der Lago Maggiore gilt heute als nährstoffarmer bis mässig nährstoffreicher See. Eine dauerhafte Überwachung bleibt jedoch notwendig.

DDT-Belastung

Eine schwere Belastung entstand durch die Produktion des Insektizids DDT im Chemiewerk von Pieve Vergonte am Toce.

DDT und verwandte Stoffe gelangten über den Fluss in den Lago Maggiore. Sie lagerten sich in Sedimenten ab und reicherten sich in Fischen und anderen Organismen an.

Seit 1996 führt die internationale Gewässerschutzkommission umfangreiche Untersuchungen zur Belastung von Wasser, Sedimenten und Lebewesen durch.[8]

Zeitweise mussten der Fang und Verkauf bestimmter Fischarten eingeschränkt werden. Obwohl die Belastung zurückging, bleiben langlebige Schadstoffe weiterhin nachweisbar.

Weitere Belastungen

Weitere Umweltthemen sind:

  • Mikroplastik;
  • Arzneimittelrückstände;
  • Industriechemikalien;
  • Schwermetalle;
  • Uferverbauung;
  • Verlust von Schilfzonen;
  • Licht- und Lärmbelastung;
  • Klimawandel;
  • invasive Arten.

Seit 1972 arbeiten die Schweiz und Italien in der Commissione Internazionale per la Protezione delle Acque Italo-Svizzere, kurz CIPAIS, beim Schutz des Lago Maggiore und des Luganersees zusammen.

Die Kommission koordiniert Messprogramme, wissenschaftliche Untersuchungen und gemeinsame Ziele für die Wasserqualität.

Geschichte

Frühgeschichte

Die Ufer des Lago Maggiore waren bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt.

Die Menschen nutzten den See als Nahrungsquelle, Verkehrsweg und Verbindung zwischen den Alpentälern und der Poebene. Archäologische Funde stammen aus verschiedenen Uferregionen.

Während der Bronze- und Eisenzeit bestanden Handelskontakte zwischen den Bevölkerungsgruppen nördlich und südlich der Alpen.

Römische Zeit

In römischer Zeit war der Lacus Verbanus Teil eines bedeutenden Verkehrsraums zwischen Mediolanum, dem heutigen Mailand, und den Alpenpässen.

Siedlungen, Gutshöfe, Hafenplätze und Strassen entstanden an den Ufern. Der See diente dem Transport von Menschen, Lebensmitteln, Stein, Holz und weiteren Waren.

Die Region gehörte verwaltungsmässig zum römischen Oberitalien. Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches gelangte sie unter die Herrschaft verschiedener germanischer Reiche.

Mittelalter

Im Mittelalter teilten sich Bischöfe, Klöster, lokale Adelsfamilien, Städte und Territorialherrschaften die Kontrolle über die Seeufer.

Von besonderer Bedeutung waren:

  • die Stadt Como;
  • das Herzogtum Mailand;
  • die Familien Visconti und Borromeo;
  • geistliche Institutionen;
  • lokale Talgemeinschaften.

Der See war Teil eines Handelswegs zwischen Mailand, dem Ticino und den Alpenpässen. Über den Ticino und den seit dem Mittelalter ausgebauten Naviglio Grande konnten Waren bis in den Raum Mailand transportiert werden.

Burgen, Zollstationen und befestigte Orte kontrollierten den Verkehr. Zu den bedeutenden Anlagen gehören die Rocca di Angera und die heute als Ruinen erhaltenen Castelli di Cannero.

Eidgenössische Herrschaft am Nordufer

Die eidgenössischen Orte dehnten ihren Einfluss im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert südlich der Alpen aus.

1513 gelangten Locarno und der nördliche Teil des Lago Maggiore als gemeine Herrschaft unter eidgenössische Kontrolle.[2]

Bis 1798 wurde das Gebiet von den eidgenössischen Orten gemeinsam verwaltet. Der See blieb zugleich ein grenzüberschreitender Wirtschafts- und Verkehrsraum mit engen Beziehungen zur Lombardei und zum Piemont.

Mit der Gründung des Kantons Tessin im Jahr 1803 wurde das schweizerische Nordufer Teil des neuen Kantons.

Schifffahrt und Tourismus im 19. Jahrhundert

Am 15. Februar 1826 wurde bei Locarno-Muralto der Dampfer Verbano I zu Wasser gelassen. Er war das erste Dampfschiff auf dem Lago Maggiore und leitete die moderne Linienschifffahrt ein.[9]

Dampfschiffe verkürzten die Reisezeiten und verbanden die Uferorte regelmässig miteinander. Sie förderten Handel, Postverkehr und Tourismus.

Im 19. Jahrhundert entdeckten Reisende aus der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und weiteren europäischen Staaten die Seenlandschaft.

In Locarno, Ascona, Stresa, Pallanza und anderen Orten entstanden:

  • Grandhotels;
  • Villen;
  • Parkanlagen;
  • Kurhäuser;
  • Seepromenaden;
  • touristische Schiffsverbindungen.

Der Bau von Eisenbahnen verstärkte diese Entwicklung. Die Gotthardbahn verband den Lago Maggiore ab 1882 schneller mit der Deutschschweiz und Nordeuropa.

20. und 21. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wuchsen die Siedlungen an vielen Uferabschnitten stark.

Strassen, Bahnlinien, Hotels, Ferienwohnungen, Häfen und Freizeitanlagen veränderten die Landschaft. Gleichzeitig entstanden Schutzbestimmungen für bedeutende Natur- und Kulturlandschaften.

Die Verbesserung der Abwasserreinigung führte seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer deutlichen Erholung der Wasserqualität.

Der Lago Maggiore ist heute gleichzeitig:

  • internationaler Naturraum;
  • Trink- und Brauchwasserreservoir;
  • Verkehrsweg;
  • Fischereigewässer;
  • Ferienregion;
  • Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten;
  • dicht besiedelter Wirtschaftsraum.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Italien bleibt für den Hochwasserschutz, die Wasserqualität, die Schifffahrt und den Naturschutz von zentraler Bedeutung.

Schifffahrt

Die Schifffahrt verbindet zahlreiche Orte beiderseits der Staatsgrenze.

Im schweizerischen Becken verkehren Kursschiffe unter anderem zwischen Locarno, Ascona, Brissago, den Brissago-Inseln, Tenero und Magadino.

Im italienischen Becken bestehen Verbindungen zwischen Verbania, Stresa, den Borromäischen Inseln, Arona, Laveno, Luino und weiteren Orten.

Neben Personenschiffen verkehren Autofähren zwischen Intra und Laveno. Sie bilden eine wichtige Querverbindung im mittleren Seebecken.

Die Schifffahrt dient:

  • dem öffentlichen Verkehr;
  • dem Tourismus;
  • dem Ausflugsverkehr;
  • der Verbindung zu den Inseln;
  • dem Transport von Fahrzeugen;
  • privaten Freizeitaktivitäten.

Der Betrieb auf dem grenzüberschreitenden See erfordert eine Koordination schweizerischer und italienischer Behörden und Schifffahrtsunternehmen.

Verkehr an den Ufern

Am West- und Ostufer verlaufen wichtige Strassen- und Eisenbahnverbindungen.

Die Bahnlinie Bellinzona–Locarno erschliesst das schweizerische Nordufer. Von Locarno führt die Centovallibahn nach Domodossola.

Auf italienischer Seite verlaufen Bahnlinien über Verbania und Stresa sowie über Luino und Laveno. Sie verbinden die Seeregion mit Mailand, Novara, Domodossola und dem schweizerischen Bahnnetz.

Die Uferstrassen sind landschaftlich reizvoll, führen jedoch häufig durch enge Ortskerne, Tunnel und dicht bebaute Gebiete. Besonders während der Ferienzeit kann es zu starkem Verkehr kommen.

Wirtschaft

Der Lago Maggiore ist ein bedeutender Wirtschaftsraum.

Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche sind:

  • Tourismus;
  • Hotellerie und Gastronomie;
  • Schifffahrt;
  • Detailhandel;
  • Bau- und Immobilienwirtschaft;
  • Gartenbau;
  • Fischerei;
  • Verkehr;
  • öffentliche Dienstleistungen.

Der Tourismus konzentriert sich auf die Uferorte, Inseln, historischen Villen und Gärten. Auch die umliegenden Berge und Täler profitieren von der Bekanntheit des Sees.

In der Vergangenheit spielten Fischerei, Holztransport, Steinhandel und der Transport landwirtschaftlicher Produkte eine grössere Rolle.

Das Wasser des Lago Maggiore ist zudem für die Bewässerung und Wasserkraftnutzung im Einzugsgebiet des unteren Ticino von grosser Bedeutung.

Tourismus und Freizeit

Der Lago Maggiore gehört zu den bekanntesten Ferienregionen der Schweiz und Norditaliens.

Beliebte Aktivitäten sind:

  • Schifffahrten;
  • Schwimmen;
  • Segeln;
  • Windsurfen;
  • Rudern;
  • Kanufahren;
  • Angeln;
  • Wandern;
  • Velofahren;
  • Besichtigung historischer Orte und Gärten.

Auf schweizerischer Seite gehören Locarno, Ascona, die Brissago-Inseln und der Monte Verità zu den wichtigsten Zielen.

Auf italienischer Seite sind besonders bekannt:

  • die Borromäischen Inseln;
  • Stresa;
  • die Gärten der Villa Taranto;
  • die Rocca di Angera;
  • das Kloster Santa Caterina del Sasso;
  • die Uferstadt Verbania;
  • Cannobio und Cannero Riviera.

Der See ist von Aussichtspunkten auf den umliegenden Bergen gut sichtbar. Dazu gehören Cardada und Cimetta oberhalb von Locarno, der Monte Gambarogno, der Monte Tamaro, der Monte Mottarone und zahlreiche kleinere Gipfel.

Kultur

Die besondere Verbindung von Wasser, Bergen, mildem Klima und historischen Ortschaften zog zahlreiche Kunstschaffende, Schriftsteller und Reisende an.

Die Region um Ascona und den Monte Verità entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem Zentrum alternativer Lebensformen, Kunst und Reformbewegungen.

In Locarno findet seit 1946 eines der bedeutendsten internationalen Filmfestivals Europas statt.

Villen, Kirchen, Klöster, Burgen und historische Gärten prägen das kulturelle Erbe der gesamten Seeregion.

Die unterschiedlichen schweizerischen und italienischen Traditionen verbinden sich zu einer gemeinsamen insubrischen Kulturlandschaft.

Bedeutung für die Schweiz

Der schweizerische Abschnitt des Lago Maggiore besitzt für den Kanton Tessin eine herausragende Bedeutung.

Der See prägt:

  • das Klima des Locarnese;
  • die regionale Identität;
  • den Tourismus;
  • die Siedlungsentwicklung;
  • die Naherholung;
  • den Natur- und Landschaftsschutz;
  • die Beziehungen zu Italien.

Mit dem Wasserspiegel auf ungefähr 193 Metern über Meer liegt am Lago Maggiore der tiefste Punkt der Schweiz.

Obwohl nur ein kleiner Teil der Wasserfläche schweizerisch ist, stammt ein grosser Teil des Zuflusses aus schweizerischen Tälern. Entscheidungen über Wasserkraft, Stauseen, Flussbau und Hochwasserschutz im schweizerischen Einzugsgebiet wirken sich deshalb auf den gesamten See aus.

Zeittafel

Wichtige Ereignisse
Zeitraum oder Jahr Ereignis
Eiszeiten Gletscher aus den Tälern von Ticino und Toce vertiefen das Seebecken.
Vorgeschichte Erste Siedlungen und Handelsverbindungen an den Seeufern.
Römische Zeit Der See ist als Lacus Verbanus bekannt und dient als Verkehrsweg.
12. Jahrhundert Die Bezeichnung Lago Maggiore ist erstmals belegt.
ab 1270 Der Ausbau des Naviglio Grande verbessert die Wasserverbindung in Richtung Mailand.
1513 Das nördliche Seegebiet gelangt mit Locarno unter eidgenössische Herrschaft.
1803 Das Schweizer Nordufer wird Teil des neu gegründeten Kantons Tessin.
15. Februar 1826 Der Dampfer Verbano I wird bei Locarno-Muralto zu Wasser gelassen.
19. Jahrhundert Ausbau der Linienschifffahrt und Entwicklung des internationalen Tourismus.
1882 Eröffnung der Gotthardbahn und Verbesserung der Verbindung nach Nordeuropa.
1938–1943 Bau des Miorina-Stauwehrs bei Sesto Calende.
1943 Beginn der geregelten Bewirtschaftung des Seewasserstands.
zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Ausbau von Kanalisationen und Kläranlagen zur Verbesserung der Wasserqualität.
1972 Beginn der institutionellen italienisch-schweizerischen Zusammenarbeit zum Schutz der gemeinsamen Gewässer.
1996 Beginn umfangreicher Untersuchungen zur DDT-Belastung.
Oktober 2000 Eines der schwersten modernen Hochwasserereignisse überflutet zahlreiche Uferbereiche.
21. Jahrhundert Verstärkte Zusammenarbeit bei Hochwasserschutz, Klimaanpassung und Renaturierung.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Il Lago Maggiore, Commissione Internazionale per la Protezione delle Acque Italo-Svizzere, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Langensee, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Principali regolazioni lacuali, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Regolazione e gestione del Lago Maggiore, Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Lago Maggiore – Brissago, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Die Brissago-Inseln, Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Impatto ambientale e tutela del territorio, Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Programmi di ricerca, Commissione Internazionale per la Protezione delle Acque Italo-Svizzere, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Bicentenario della navigazione sul Verbano, Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 23. Juli 2026.