St. Moritz

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St. Moritz
Rätoromanisch San Murezzan
Kanton Graubünden
Region Maloja
ISO-Region CH-GR
BFS-Nummer 3787
Postleitzahlen 7500, 7512
Höhe 1822 m ü. M.
Fläche 28,69 km²
Einwohner rund 5000
Ortsteile St. Moritz Dorf, St. Moritz Bad, Suvretta und ein Teil von Champfèr
Nachbargemeinden Bever, Celerina/Schlarigna, Samedan und Silvaplana
Gemeindepräsident Christian Jott Jenny, parteilos
Amtsperiode 2023–2026
Website gemeinde-stmoritz.ch

St. Moritz (rätoromanisch im oberengadinischen Idiom Puter: San Murezzan) ist eine politische Gemeinde und ein international bekannter Ferien-, Kur- und Wintersportort im Oberengadin im Schweizer Kanton Graubünden. Die Gemeinde gehört zur Region Maloja und liegt am St. Moritzersee auf rund 1800 m ü. M. Sie umfasst St. Moritz Dorf, St. Moritz Bad, das Villenquartier Suvretta sowie einen Teil der Ortschaft Champfèr.

Mit ungefähr 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist St. Moritz nach schweizerischen Massstäben eine kleinere Gemeinde. Durch seine Funktion als touristisches und wirtschaftliches Zentrum des Oberengadins, die grosse Zahl an Arbeitsplätzen, Hotels, Ferienwohnungen und saisonalen Gästen weist der Ort jedoch einen deutlich städtischeren Charakter auf, als es seine Bevölkerungszahl vermuten lässt.

St. Moritz gehört zu den bekanntesten Ferienorten der Schweiz. Der Ort gilt als einer der Ausgangspunkte des alpinen Wintertourismus und war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1928 und der Olympischen Winterspiele 1948. Seine internationale Bekanntheit beruht ausserdem auf den seit der Bronzezeit genutzten Mineralquellen, der mondänen Hotellerie, den Wintersportanlagen auf der Corviglia, den Pferderennen auf dem gefrorenen See sowie zahlreichen internationalen Sport- und Kulturveranstaltungen.

Name

Der Ortsname geht auf den heiligen Mauritius zurück, den Anführer der legendären Thebäischen Legion. Eine Kirche zu seinen Ehren bildete im Mittelalter das religiöse Zentrum des oberen Engadins.

Die ältesten schriftlichen Belege lauten ad sanctum Mauricium und stammen aus Urkunden von 1137 und 1139, die in späteren Abschriften überliefert sind. 1296 erscheint die Form sancti Mauricii. Der rätoromanische Name lautet San Murezzan.[1]

Die offizielle deutsche Schreibweise enthält einen Punkt nach der Abkürzung «St.». In französischen Texten ist auch die Form Saint-Moritz anzutreffen. Im internationalen Tourismus wird fast ausschliesslich der offizielle Name St. Moritz verwendet.

Geographie

Lage

St. Moritz liegt im Oberengadin, einem breiten, von eiszeitlichen Gletschern geformten Hochtal im Südosten der Schweiz. Die Siedlung erstreckt sich am nördlichen und westlichen Ufer des St. Moritzersees sowie an den darüber liegenden Hängen. Das Gemeindegebiet umfasst 28,69 km².

Die amtliche Höhenangabe beträgt 1822 m ü. M. Einzelne Ortsteile liegen jedoch unterschiedlich hoch. St. Moritz Bad befindet sich auf ungefähr 1775 m ü. M., St. Moritz Dorf auf rund 1830 m ü. M. und Champfèr auf etwa 1825 m ü. M. Im Tourismusmarketing wird St. Moritz häufig mit einer Höhe von 1856 m ü. M. beworben.

Nördlich und westlich des Orts steigen die Hänge zur Corviglia und zum 3057 m hohen Piz Nair an. Im Süden öffnet sich die Aussicht auf die Oberengadiner Seenlandschaft und die Gipfel der Berninagruppe. Der Piz Bernina, der einzige Viertausender der Ostalpen, liegt südöstlich von St. Moritz.

Ortsteile

St. Moritz besteht aus mehreren Siedlungsbereichen mit unterschiedlichem Charakter:

  • St. Moritz Dorf liegt oberhalb des Nordufers des St. Moritzersees. Hier befinden sich das historische Ortszentrum, die Gemeindeverwaltung, zahlreiche Hotels, Geschäfte und die Talstation der Standseilbahn nach Chantarella und Corviglia.
  • St. Moritz Bad liegt am westlichen Ende des Sees im Bereich der Mineralquellen. Der Ortsteil entwickelte sich um die Heilbäder und später um Sportanlagen, Hotels und Wohnquartiere.
  • Suvretta ist ein westlich des Dorfzentrums gelegenes Villen- und Hotelquartier. Es ist durch grosszügige Grundstücke und eine auf den gehobenen Tourismus ausgerichtete Bebauung geprägt.
  • Champfèr liegt südwestlich von St. Moritz am Lej da Champfèr. Die Ortschaft ist politisch zwischen den Gemeinden St. Moritz und Silvaplana geteilt.

St. Moritzersee

Der St. Moritzersee gehört zur Oberengadiner Seenplatte. Er wird vom Inn durchflossen und liegt zwischen dem Silvaplanersee im Südwesten und dem weiter talabwärts gelegenen Raum Celerina und Samedan.

Im Winter friert der See bei geeigneten Witterungsbedingungen zu. Die Eisfläche wird dann teilweise für Langlauf, Polo, Pferderennen und weitere Veranstaltungen genutzt. Vor jeder Nutzung wird die Tragfähigkeit des Eises kontrolliert. Die tatsächliche Freigabe hängt von Temperatur, Eisdicke, Schneeauflage und lokalen Sicherheitsbeurteilungen ab.

Im Sommer dient der See dem Segel-, Ruder- und Wassersport. Ein Uferweg verbindet verschiedene Ortsteile und bietet Ausblicke auf St. Moritz, die Corviglia und die umliegenden Gebirge.

Bodennutzung

Nach der Arealstatistik entfallen ungefähr 9 Prozent des Gemeindegebiets auf Siedlungsflächen. Rund 26 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt, vorwiegend als Wiesen und Alpweiden. Wald und Gehölze bedecken ungefähr 20 Prozent. Der grosse verbleibende Anteil besteht aus Gewässern, Fels, Geröll und anderen unproduktiven Hochgebirgsflächen.[2]

Klima

St. Moritz besitzt aufgrund seiner Höhenlage ein kühles inneralpines Klima. Die Winter sind kalt und schneereich, während die Sommer meist mild bis kühl bleiben. Auch während der warmen Jahreszeit können die Temperaturen nachts deutlich sinken.

Das Oberengadin liegt teilweise im Regenschatten der umliegenden Gebirge. Dadurch ist das Klima trockener und sonniger als in vielen Gebieten am Alpennordhang. Die touristische Werbung spricht häufig von rund 300 Sonnentagen im Jahr; diese Zahl ist als langjährig verwendeter Werbewert und nicht als meteorologisch einheitlich definierte Statistik zu verstehen.

Im Winter treten im Talboden starke Temperaturumkehrlagen auf. Dabei sammelt sich kalte Luft über den Seen und in den tieferen Bereichen des Hochtals, während es an den Berghängen zeitweise wärmer sein kann. Die tiefen Temperaturen begünstigen die Bildung einer stabilen Schneedecke und das Gefrieren der Oberengadiner Seen.

Der Klimawandel führt auch in St. Moritz zu steigenden Durchschnittstemperaturen. Die Dauer der natürlichen Schneedecke und die Verlässlichkeit des Seeeises können sich dadurch verändern. Für Wintersportgebiete, Veranstaltungen auf dem See und die Wasserversorgung entstehen neue Anforderungen an Planung und Sicherheit.

Bevölkerung

St. Moritz hat rund 5000 ständige Einwohnerinnen und Einwohner. Die Bevölkerungszahl schwankt je nach statistischer Abgrenzung und Stichtag. Zusätzlich leben und arbeiten zahlreiche Wochenaufenthalter, Kurzaufenthalter und Saisonarbeitskräfte im Ort. Viele Beschäftigte pendeln aus anderen Engadiner Gemeinden oder aus dem benachbarten Italien nach St. Moritz.

Die Entwicklung vom kleinen Bergdorf zum internationalen Kur- und Ferienort führte im 19. und 20. Jahrhundert zu einem aussergewöhnlich starken Bevölkerungswachstum.

Jahr Einwohner
1803 183
1850 228
1900 1603
1910 3197
1950 2558
1970 5699
2000 5589
2024 rund 5000

Die Bevölkerung ist international zusammengesetzt. Der hohe Anteil ausländischer Einwohnerinnen und Einwohner hängt insbesondere mit der Hotellerie, Gastronomie, Bauwirtschaft, dem Detailhandel und weiteren touristischen Dienstleistungen zusammen.

Sprachen

Die traditionelle Sprache von St. Moritz ist das oberengadinische rätoromanische Idiom Puter. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann Deutsch durch den Tourismus, die Zuwanderung und die Entwicklung des Orts zum regionalen Dienstleistungszentrum zunehmend an Bedeutung.

Heute ist Deutsch die meistverwendete Sprache der Gemeinde. Rätoromanisch bleibt als historische Sprache des Oberengadins sichtbar und wird in regionalen Institutionen, Kulturveranstaltungen, Ortsbezeichnungen und teilweise im Schulwesen gepflegt. Italienisch ist wegen der geografischen Nähe zu Italien und der zahlreichen italienischsprachigen Beschäftigten ebenfalls stark vertreten. Im internationalen Tourismus spielen ausserdem Englisch und Französisch eine bedeutende Rolle.

Geschichte

Bronzezeitliche Quellfassung

Die Geschichte von St. Moritz ist eng mit seinen Mineralquellen verbunden. Bei Bauarbeiten in St. Moritz Bad wurde 1853 eine bronzezeitliche Quellfassung entdeckt. Bei einer erneuten Fassung der Mauritiusquelle im Jahr 1907 wurde die Anlage vollständig freigelegt.

Sie bestand unter anderem aus senkrecht aufgestellten Röhren aus Lärchenholz und hölzernen Einfassungen. In der Quelle wurden Bronzeschwerter, eine Dolchklinge und weitere Gegenstände gefunden. Wahrscheinlich handelte es sich um Weihegaben an eine Quellgottheit.

Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass die hölzerne Quellfassung mit grosser Wahrscheinlichkeit 1466 v. Chr. errichtet wurde. Damit gehört sie zu den ältesten bekannten Anlagen dieser Art im Alpenraum.[1]

Mittelalter

Im 9. Jahrhundert gehörte das Oberengadin zu einem Reichslehen. Später kam das Gebiet an die Grafen von Gamertingen, die ihre Besitzungen zwischen S-chanf und Champfèr in den Jahren 1137 und 1139 dem Bischof von Chur übertrugen.

Um 1300 bestand noch keine geschlossene Ortschaft. Die Besiedlung setzte sich aus einzelnen Höfen im Umfeld der Mauritiuskirche zusammen. St. Mauritius war neben St. Luzi in Zuoz und St. Peter in Samedan eine der bedeutenden mittelalterlichen Kirchen des Oberengadins.

Im Spätmittelalter war St. Moritz Teil der Markgenossenschaft und des Hochgerichts Oberengadin. Gemeinsam mit diesem trat der Ort 1367 dem Gotteshausbund bei. Bei der Teilung des Hochgerichts im Jahr 1462 wurde St. Moritz eine Nachbarschaft des Gerichts Sur Funtauna Merla. Zwischen 1536 und 1538 erhielt es im Rahmen der Oberengadiner Territorialteilung ein eigenes Gemeindegebiet.

1577 schloss sich St. Moritz als eine der letzten Gemeinden des Engadins der Reformation an. Die heutige reformierte Dorfkirche wurde 1787 errichtet; ihr neugotischer Turm entstand 1897.

Entwicklung des Kurorts

Der Arzt und Naturforscher Paracelsus erwähnte 1537 den eisenhaltigen Sauerbrunnen von St. Moritz. Im 17. und 18. Jahrhundert reisten Kurgäste vor allem aus Italien zu den Quellen. Zu den Besuchern gehörten Angehörige europäischer Adelsfamilien.

Eine erste chemische Analyse des Mineralwassers erfolgte 1674. Das erste eigentliche Kurhaus wurde 1832 eröffnet. Mit dem Bau eines grösseren Kurhauses nach Plänen von Felix Wilhelm Kubly begann 1864 der Aufstieg von St. Moritz zu einem international bekannten Badekurort.

Die Mauritiusquelle wurde 1853, 1907 und 1937 neu gefasst. Später entstand in St. Moritz Bad ein modernes Heilbadzentrum. Das Forum Paracelsus erinnert heute an die Geschichte der Mineralquellen und der Badekultur.

Entstehung des Wintertourismus

St. Moritz bezeichnet sich als Geburtsort des alpinen Wintertourismus. Als symbolisches Gründungsjahr gilt 1864. Der Überlieferung nach lud der Hotelier Johannes Badrutt englische Sommergäste ein, auch im Winter nach St. Moritz zu kommen. Er soll ihnen eine kostenlose Unterkunft angeboten haben, falls ihnen der Engadiner Winter nicht gefallen würde. Die Gäste blieben der Erzählung zufolge bis zum Frühling.

Unabhängig von den später ausgeschmückten Einzelheiten steht fest, dass St. Moritz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem der ersten grossen Winterferienorte der Alpen wurde. Englische Gäste führten Sportarten wie Curling, Skeleton und Bobsleigh ein. Gleichzeitig entstanden Luxushotels, Pensionen, Bergbahnen und Sportanlagen.

Das von Johannes Badrutt geführte Hotel Engadiner Kulm entwickelte sich zu einem der führenden europäischen Grandhotels. 1879 erhielt es die erste elektrische Beleuchtungsanlage der Schweiz.[1] Ab den 1870er-Jahren entstanden in St. Moritz Bad, im Dorf und in Suvretta zahlreiche weitere Hotels der Luxusklasse.

Verkehr und touristischer Aufstieg

1904 erreichte die Rhätische Bahn St. Moritz über die Albulalinie. 1910 wurde die Berninabahn nach Tirano eröffnet. Die Eisenbahn verkürzte die Reisezeiten erheblich und machte den Ort für internationale Gäste besser erreichbar.

Bereits von 1896 bis 1932 verkehrte innerhalb des Orts eine elektrische Strassenbahn. 1912 wurde die Standseilbahn von St. Moritz nach Chantarella eröffnet, 1928 folgte die Verlängerung nach Corviglia.

Die Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg zeitweise unterbrochen. Nach 1945 lösten der wachsende Wohlstand, der motorisierte Individualverkehr und die zunehmende Verbreitung des Skisports einen neuen Bauboom aus. Neben Hotels entstanden zahlreiche Ferienwohnungen und Zweitwohnsitze.

Politik und Verwaltung

Die Stimmberechtigten bilden das oberste Organ der Gemeinde. Sie üben ihre Rechte in Urnenwahlen, Urnenabstimmungen und Gemeindeversammlungen aus.

Die Exekutive ist der fünfköpfige Gemeindevorstand. Er besteht aus dem Gemeindepräsidenten beziehungsweise der Gemeindepräsidentin und vier weiteren Mitgliedern. Die Legislative ist der Gemeinderat.

Bis zum Ende der Amtsperiode 2023–2026 besteht der Gemeinderat aus 17 Mitgliedern. Eine 2025 beschlossene Teilrevision der Gemeindeverfassung sieht ab der Amtsperiode 2027–2030 eine Verkleinerung auf elf Mitglieder vor.[3]

Christian Jott Jenny amtierte von 2019 bis Ende 2026 als Gemeindepräsident. Bei der Wahl vom 19. Juli 2026 wurde Adriano Iseppi zu seinem Nachfolger für die Amtsperiode 2027–2030 gewählt.[4]

St. Moritz gehört zur Region Maloja. Zudem arbeitet die Gemeinde in zahlreichen Bereichen mit den übrigen Gemeinden des Oberengadins zusammen, unter anderem beim öffentlichen Verkehr, bei der Raumplanung, bei Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Abfallentsorgung und touristischen Angeboten.

Wirtschaft

Die Wirtschaft von St. Moritz ist stark vom Tourismus abhängig. Hotellerie, Gastronomie, Detailhandel, Immobilienwirtschaft, Baugewerbe, Verkehr, Sportangebote und persönliche Dienstleistungen stellen einen grossen Teil der Arbeitsplätze.

Nach Angaben der Gemeinde gab es 2018 rund 7185 Beschäftigte in 822 Arbeitsstätten. Damit besitzt St. Moritz deutlich mehr Arbeitsplätze als ständige Einwohner. Viele Beschäftigte pendeln täglich aus anderen Gemeinden oder aus Italien ein.

Für das Jahr 2024 weist die Gemeinde folgende touristische Kennzahlen aus:[2]

Kennzahl Wert 2024
Hotelleriebetriebe 35
Hotelbetten 5268
Ankünfte einschliesslich Parahotellerie und Camping 297'470
Logiernächte einschliesslich Parahotellerie und Camping 870'283
Wohnungen, einschliesslich projektierter und im Bau befindlicher Objekte 5961
Gebäude, einschliesslich projektierter und im Bau befindlicher Objekte 2185

Eine besondere wirtschaftliche Bedeutung besitzt der Immobilienmarkt. Ferienwohnungen und Zweitwohnsitze sind stark nachgefragt und erreichen teilweise sehr hohe Preise. Dies erschwert die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für die einheimische Bevölkerung und für Beschäftigte der Tourismusbetriebe.

Die starken saisonalen Schwankungen stellen weitere Herausforderungen dar. Während der Hauptsaison steigt die Zahl der anwesenden Personen erheblich, während in den Zwischenzeiten ein Teil der Hotels, Geschäfte und Restaurants geschlossen bleibt.

Tourismus

Wintertourismus

Das wichtigste Wintersportgebiet von St. Moritz liegt auf der Corviglia und am Piz Nair. Es ist direkt vom Dorf aus mit Standseil- und Luftseilbahnen erreichbar. Weitere grosse Wintersportgebiete der Ferienregion sind Corvatsch, Diavolezza und Lagalb.

Zum Angebot gehören alpiner Skisport, Snowboarden, Langlauf, Winterwandern, Schneeschuhlaufen, Schlitteln, Curling und Eislaufen. Das weitgehend flache Oberengadin verfügt über ein ausgedehntes Loipennetz. Ein Teil der Strecke des Engadin Skimarathons führt über die zugefrorenen Seen und durch die Umgebung von St. Moritz.

Die touristischen Betriebe nutzen technische Beschneiung, um die Schneesicherheit auf wichtigen Pisten zu erhöhen. Wegen der Höhenlage bleibt St. Moritz im Vergleich zu vielen tiefer gelegenen Alpenorten relativ schneesicher. Trotzdem muss sich die Destination auf steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsverhältnisse einstellen.

Sommertourismus

Im Sommer ist St. Moritz ein Ausgangspunkt für Wanderungen, Bergtouren und Mountainbike-Routen. Bergbahnen erschliessen Corviglia, Piz Nair, Muottas Muragl, Corvatsch und Diavolezza. Die Seenlandschaft ermöglicht Segeln, Windsurfen, Stand-up-Paddling und Rudern.

Weitere Angebote sind Golf, Reiten, Klettern, Gleitschirmfliegen und Höhentraining. Seit 1967 besteht in St. Moritz ein Höhentrainingszentrum, das von Sportlerinnen und Sportlern verschiedener Disziplinen genutzt wird.

Der Sommertourismus entstand historisch vor dem Wintertourismus. Im 19. Jahrhundert kamen Gäste wegen der Mineralquellen, der Bergluft und des damals als gesund geltenden Hochgebirgsklimas nach St. Moritz.

Sport

Olympische Winterspiele

St. Moritz war Austragungsort der Olympischen Winterspiele von 1928 und 1948. Die Spiele von 1928 waren die zweiten offiziellen Olympischen Winterspiele. Sie wurden teilweise durch ungewöhnlich warmes Wetter beeinträchtigt.

Die Spiele von 1948 waren die ersten Olympischen Winterspiele nach dem Zweiten Weltkrieg und wurden als «Spiele der Erneuerung» wahrgenommen. Da viele Sportanlagen von 1928 weiterhin vorhanden waren, konnte St. Moritz die Wettkämpfe unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit organisieren.[5][6]

Bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2020 fanden ebenfalls Wettkämpfe in St. Moritz und im Oberengadin statt.

Skiweltmeisterschaften

St. Moritz war mehrfach Austragungsort der Alpinen Skiweltmeisterschaften. Weltmeisterschaften fanden 1934, im Rahmen der Olympischen Winterspiele 1948, 1974, 2003 und 2017 statt.[7]

Die Rennen werden hauptsächlich auf den Hängen von Corviglia ausgetragen. Bekannt ist insbesondere der steile Startbereich der Männerabfahrt, der als «Free Fall» bezeichnet wird.

Bob und Skeleton

Der Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina wurde 1904 eröffnet. Er ist die älteste noch betriebene Bobbahn der Welt und die einzige international genutzte Natureisbahn ohne künstliches Kühlsystem. Sie wird jeden Winter aus Schnee und Wasser neu aufgebaut und führt von St. Moritz nach Celerina.[8]

Der Cresta Run ist eine Natureisbahn für eine besondere Form des Skeletonsports. Fahrer liegen mit dem Kopf voran auf einem kleinen Schlitten. Der seit 1885 ausgetragene «Grand National» gehört zu den ältesten noch bestehenden Wintersportwettbewerben.

Veranstaltungen auf dem See

Seit 1907 werden unter dem Namen White Turf Pferderennen auf dem gefrorenen St. Moritzersee veranstaltet. Zum Programm gehören Flachrennen, Trabrennen und Skikjöring, bei dem Skifahrer von Pferden gezogen werden.

Seit 1985 finden auf dem See Polo-Turniere auf Schnee statt. Hinzu kommen zeitweise Cricket-, Golf- und weitere Veranstaltungen. Ihre Durchführung hängt stets von der Tragfähigkeit des Eises und den aktuellen Wetterbedingungen ab.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof St. Moritz ist ein wichtiger Knoten- und Endbahnhof der Rhätischen Bahn. Die Albulalinie verbindet St. Moritz über Samedan, den Albulatunnel, Bergün und Thusis mit Chur. Die Berninalinie führt über Pontresina, den Berninapass und das Puschlav nach Tirano in Italien.

Die Albula- und Berninalinie gehören seit 2008 gemeinsam mit ihrer umgebenden Landschaft zum UNESCO-Welterbe.[9]

St. Moritz ist Ausgangs- oder Zielort des Glacier Express nach Zermatt und des Bernina Express nach Tirano. Neben den touristischen Panoramazügen verkehren Regionalzüge in Richtung Chur, Landquart, Scuol, Pontresina und Tirano.

Strassenverkehr

St. Moritz ist über mehrere Alpenstrassen erreichbar. Die wichtigste ganzjährige Verbindung aus der Nordwestschweiz führt über den Julierpass. Weitere Zufahrten bestehen über das Unterengadin und den Vereinatunnel, über den Malojapass aus dem Bergell sowie über den Berninapass aus dem Puschlav.

Der Albulapass stellt im Sommer eine direkte Verbindung nach Mittelbünden her, ist aber im Winter normalerweise geschlossen. Im Ort verkehren Engadin Bus, Postauto und lokale Buslinien.

Der nächstgelegene Flugplatz ist der Flugplatz Samedan wenige Kilometer nordöstlich von St. Moritz. Er wird vor allem von Geschäfts-, Privat-, Rettungs- und Charterflügen genutzt.

Sehenswürdigkeiten

Schiefer Turm

Der Schiefe Turm ist eines der Wahrzeichen des Orts. Er ist der erhaltene romanische Kirchturm der ehemaligen Mauritiuskirche. Die Kirche wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen, während der Turm stehen blieb. Wegen Bewegungen des Untergrunds neigte er sich deutlich zur Seite und musste mehrfach gesichert werden.

Segantini Museum

Das Segantini Museum wurde 1908 eröffnet und ist dem Maler Giovanni Segantini gewidmet. Segantini verbrachte seine letzten Lebensjahre im Engadin und machte dessen Landschaft und Lichtstimmungen zu zentralen Themen seiner Werke.

Das Museumsgebäude wurde von Nicolaus Hartmann entworfen. Zu den wichtigsten ausgestellten Werken gehört das Alpentriptychon Werden – Sein – Vergehen.

Engadiner Museum

Das 1906 eröffnete Engadiner Museum zeigt historische Wohnräume, Möbel, Geräte und Kunsthandwerk aus dem Engadin. Das Gebäude wurde nach dem Vorbild eines traditionellen Engadiner Hauses gestaltet. Seine Sammlungen dokumentieren die regionale Wohn- und Alltagskultur.

Forum Paracelsus

Das Forum Paracelsus in St. Moritz Bad befindet sich im Bereich der historischen Mineralquellen. Es vermittelt die Geschichte der bronzezeitlichen Quellfassung, der Heilquellen und des Kurwesens. Der Name erinnert an Paracelsus, der das St. Moritzer Mineralwasser 1537 beschrieb.

Kirchen

Zu den bedeutenden Sakralbauten gehören die reformierte Dorfkirche, die katholische Pfarrkirche St. Mauritius, die katholische Kirche St. Karl Borromäus in St. Moritz Bad sowie die ehemalige französisch-reformierte Kirche.

Die Vielfalt der Kirchen verweist auf die internationale Zusammensetzung der Kurgäste im 19. Jahrhundert. Für englische und französische Gäste entstanden damals eigene Gotteshäuser.

Hotels und Architektur

Die Architektur von St. Moritz ist stark durch die Entwicklung des Tourismus geprägt. Grandhotels des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts stehen neben traditionellen Engadiner Häusern, Villen, Nachkriegsbauten und moderner Architektur.

Zu den bekannten historischen Hotels gehören das Kulm Hotel, Badrutt’s Palace, das Grand Hotel des Bains, das Carlton Hotel und das Suvretta House. Sie prägten die Entwicklung des Orts zum internationalen Luxusferienziel.

Ein Beispiel zeitgenössischer Architektur ist die von Norman Foster entworfene Chesa Futura. Das aufgeständerte, gerundete Wohngebäude verbindet moderne Formensprache mit einer Holzfassade, die auf regionale Bautraditionen verweist.

Kultur

St. Moritz besitzt trotz seiner geringen Einwohnerzahl ein vielfältiges Kulturangebot. Neben dem Segantini Museum und dem Engadiner Museum bestehen Galerien, eine Dokumentationsbibliothek, Konzertsäle und wechselnde Ausstellungen.

Die kulturelle Entwicklung ist eng mit dem Tourismus verbunden. Künstler, Schriftsteller, Musiker und Sammler hielten sich seit dem 19. Jahrhundert im Oberengadin auf. Giovanni Segantini trug wesentlich zur bildlichen Wahrnehmung der Engadiner Landschaft bei.

Regelmässige Veranstaltungen sind Musikfestivals, Kunstausstellungen, das St. Moritz Gourmet Festival und das Festival da Jazz. In der Hauptsaison ergänzen private Galerien und Veranstaltungen der grossen Hotels das öffentliche Kulturangebot.

Bildung und öffentliche Einrichtungen

St. Moritz verfügt über Kindergarten, Primarschule und Oberstufe. Die Gemeindeschule führt auch Talentklassen, die schulische Ausbildung mit der Förderung junger Sportlerinnen und Sportler verbinden.

Das Sportzentrum Ovaverva in St. Moritz Bad umfasst Hallenbad, Spa-, Fitness- und Sportbereiche. Weitere öffentliche Einrichtungen sind die Bibliothek, die Ludains-Eisarena, Sportplätze und Anlagen für Leichtathletik und Höhentraining.

St. Moritz ist gemeinsam mit Samedan ein wichtiges medizinisches und soziales Versorgungszentrum des Oberengadins. Bedeutende regionale Einrichtungen befinden sich teilweise ausserhalb des Gemeindegebiets, insbesondere in Samedan.

Herausforderungen der Ortsentwicklung

Die starke touristische Nachfrage führt zu hohen Boden- und Immobilienpreisen. Für Einheimische und Beschäftigte ist es deshalb schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Gemeinde verfolgt verschiedene Projekte zur Schaffung von Erstwohnungen und Personalunterkünften.

Weitere Herausforderungen sind der saisonal stark schwankende Verkehr, die Belastung der Infrastruktur während der Hauptsaison und die Abhängigkeit vom Tourismus. Gleichzeitig müssen historische Gebäude, Ortsbild, Naturraum und wirtschaftliche Entwicklung miteinander in Einklang gebracht werden.

Der Klimawandel betrifft St. Moritz besonders durch Veränderungen der Schneedecke und des Seeeises. Wintersportanlagen und Veranstaltungen müssen sich auf kürzere Frostperioden, einen höheren technischen Aufwand und wechselnde Sicherheitsbedingungen einstellen. Der Ausbau eines ganzjährigen Tourismus gewinnt deshalb zusätzlich an Bedeutung.

Siehe auch

Literatur

  • Silvio Margadant, Marcella Maier: St. Moritz. St. Moritz 1993.
  • Isabelle Rucki: Das Hotel in den Alpen. Die Geschichte der Oberengadiner Hotelarchitektur ab 1860. Baden 1989.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band III: Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. Basel 1940.
  • Dora Lardelli: The Magic Carpet. Kunstreise zu den Oberengadiner Hotels 1850–1914. Skira, Genf/Mailand 2010.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Historisches Lexikon der Schweiz: St. Moritz, abgerufen am 22. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Gemeinde St. Moritz: St. Moritz in Zahlen, abgerufen am 22. Juli 2026.
  3. Gemeinde St. Moritz: Gemeinderat, abgerufen am 22. Juli 2026.
  4. Gemeinde St. Moritz: Gemeindewahlen 2026, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. International Olympic Committee: St. Moritz 1928, abgerufen am 22. Juli 2026.
  6. International Olympic Committee: St. Moritz 1948, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. Internationaler Ski- und Snowboardverband FIS: Wettkampfarchiv, abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina, abgerufen am 22. Juli 2026.
  9. Rhätische Bahn: UNESCO-Welterbe RhB, abgerufen am 22. Juli 2026.