Montreux Jazz Festival
| Montreux Jazz Festival | |
|---|---|
| Art | Internationales Musikfestival |
| Ort | Montreux, Kanton Waadt |
| Austragungszeit | Jährlich während rund zwei Wochen im Sommer |
| Erstaustragung | 1967 |
| Gründer | Claude Nobs, Géo Voumard und René Langel |
| Musikalische Schwerpunkte | Jazz, Blues, Soul, Funk, Rock, Pop, Hip-Hop und elektronische Musik |
| Trägerschaft | Fondation du Festival de Jazz de Montreux |
| Leitung | Mathieu Jaton, CEO seit 2013 |
| Website | www.montreuxjazzfestival.com |
Das Montreux Jazz Festival ist ein jährlich in Montreux am Genfersee veranstaltetes internationales Musikfestival. Es wurde 1967 von Claude Nobs, dem Pianisten und Komponisten Géo Voumard sowie dem Journalisten René Langel gegründet. Aus einer dreitägigen Jazzveranstaltung entwickelte es sich zu einem der international bekanntesten Musikfestivals der Schweiz.
Jazz, Blues und Soul bilden die historischen Wurzeln des Festivals. Das Programm wurde jedoch bereits früh um Rock, Funk, Pop, Reggae, Weltmusik, Hip-Hop, elektronische Musik und weitere Stilrichtungen erweitert. Neben den kostenpflichtigen Hauptkonzerten umfasst das Festival zahlreiche frei zugängliche Bühnen, Jam-Sessions, DJ-Auftritte, Workshops, Filmvorführungen und Veranstaltungen für den musikalischen Nachwuchs.
Das Montreux Jazz Festival ist eng mit der Persönlichkeit seines langjährigen Leiters Claude Nobs verbunden. Durch seine Kontakte zu Musikerinnen und Musikern, seine ausgeprägte Gastgeberkultur und die systematische Aufzeichnung der Konzerte entwickelte sich Montreux zu einem international bedeutenden Ort der Musikgeschichte. Die audiovisuelle Sammlung aus der Ära Nobs wurde 2013 unter dem Titel «The Montreux Jazz Festival: Claude Nobs’ Legacy» in das internationale Register des UNESCO-Programms Memory of the World aufgenommen.[1]
Geschichte
Gründung
Die Entstehung des Festivals war eng mit der touristischen und kulturellen Entwicklung von Montreux verbunden. Die Stadt hatte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem international bekannten Kur- und Ferienort entwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Montreux, seine Stellung durch Kongresse, Fernsehproduktionen und Kulturveranstaltungen neu zu stärken.
Claude Nobs arbeitete in den 1960er Jahren beim Verkehrsverein von Montreux. Er organisierte Konzerte, pflegte Kontakte zur europäischen und amerikanischen Musikszene und setzte sich dafür ein, in der Stadt ein internationales Jazzfestival aufzubauen.
Die erste Ausgabe fand im Juni 1967 während drei Tagen im Casino von Montreux statt. Das Budget betrug 10'000 Franken. Zum Programm gehörten unter anderem Charles Lloyd, Keith Jarrett und Jack DeJohnette.[2]
Obwohl Claude Nobs später als zentrale Gründerfigur wahrgenommen wurde, entstand das Festival in Zusammenarbeit mit Géo Voumard und René Langel. Voumard war Pianist, Komponist und damaliger Leiter des Unterhaltungsbereichs beim Westschweizer Radio. Langel war als Journalist und Kulturvermittler tätig.[3]
Erste Erfolge
Bereits die frühen Ausgaben brachten bedeutende Musiker nach Montreux. 1968 wurde ein Konzert von Bill Evans aufgenommen und später als Album veröffentlicht. Die Aufnahme erhielt einen Grammy Award.
1969 traten Ella Fitzgerald sowie Les McCann und Eddie Harris auf. Das in Montreux aufgenommene Album «Swiss Movement» von Les McCann und Eddie Harris wurde zu einem aussergewöhnlichen Verkaufserfolg und gehörte zu den ersten Jazzalben, die mehr als eine Million Exemplare erreichten.[2]
Carlos Santana gab 1970, weniger als ein Jahr nach seinem Auftritt beim Woodstock-Festival, sein erstes Konzert in Montreux. Die Einladung von Künstlern aus Rock, Blues und lateinamerikanisch geprägter Musik zeigte früh, dass sich das Festival nicht auf einen engen Jazzbegriff beschränken wollte.
Brand des Casinos
Am 4. Dezember 1971 brach während eines Konzerts von Frank Zappa und seiner Band The Mothers of Invention im Casino von Montreux ein Feuer aus. Ausgelöst wurde es durch eine Leuchtpistole, die ein Besucher in Richtung der Decke abgefeuert hatte. Das Gebäude brannte vollständig aus; Todesopfer gab es nicht.
Die britische Rockband Deep Purple befand sich damals in Montreux, um ein Album aufzunehmen. Der Rauch über dem Genfersee und der Brand des Casinos inspirierten die Band zum Lied «Smoke on the Water». In dessen Text wird Claude Nobs als «Funky Claude» erwähnt, weil er bei der Evakuierung des Gebäudes geholfen hatte.[4]
Durch das Lied wurde die Verbindung zwischen Montreux und der internationalen Rockgeschichte weltweit bekannt. In der Stadt erinnern mehrere Denkmäler und Ausstellungen an Deep Purple, Frank Zappa und die Entstehung von «Smoke on the Water».
Nach dem Brand musste das Festival vorübergehend auf andere Veranstaltungsorte ausweichen. Konzerte fanden unter anderem im Montreux Palace, im Pavillon sowie im Schwimmbad von Villeneuve statt. Nach dem Wiederaufbau kehrte das Festival 1975 in das Casino zurück.
Erweiterung des Programms
In den 1970er und 1980er Jahren entwickelte Claude Nobs das Festival zu einer Begegnungsplattform verschiedener musikalischer Richtungen. Neben Jazzgrössen wurden zunehmend Künstlerinnen und Künstler aus Blues, Rock, Soul, Funk, Reggae und lateinamerikanischer Musik eingeladen.
Zu den prägenden Auftritten dieser Epoche gehörten Konzerte von Nina Simone, Ella Fitzgerald, Count Basie, Oscar Peterson, Dizzy Gillespie, B.B. King, Ray Charles, Aretha Franklin, Marvin Gaye, Carlos Santana und Herbie Hancock.
Das Konzert von Nina Simone im Jahr 1976 gilt als einer ihrer eindringlichsten dokumentierten Liveauftritte. Marvin Gaye trat 1980 erstmals und zugleich zum einzigen Mal beim Montreux Jazz Festival auf. Claude Nobs überzeugte ihn davon, den Auftritt vollständig aufzeichnen zu lassen.[2]
Der ursprüngliche Jazzcharakter blieb erhalten, wurde aber zunehmend als Ausgangspunkt für ein umfassenderes Programm verstanden. Entscheidend war weniger die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Genre als die Qualität der Liveauftritte und die Möglichkeit musikalischer Begegnungen.
Neue Veranstaltungsorte
Mit dem wachsenden Publikum reichten die Räumlichkeiten des Casinos nicht mehr aus. Das Festival nutzte deshalb zunehmend Säle, Hotels und öffentliche Räume entlang der Seepromenade.
1993 wurde das Auditorium Stravinski im Kongresszentrum von Montreux eröffnet. Bei der Eröffnung des Saals traten unter anderem New Order und Robert Plant auf. Das Auditorium entwickelte sich mit einer Kapazität von rund 4000 Personen und seiner auf Konzertveranstaltungen ausgerichteten Akustik zur wichtigsten Hauptbühne des Festivals.[5]
Daneben entstanden kleinere Spielorte für Jazz, experimentelle Musik und Nachwuchskünstler. Die Namen und Standorte einzelner Bühnen änderten sich mehrfach. Zu den bekannten Veranstaltungsorten gehörten die Miles Davis Hall, das Montreux Jazz Lab, der Montreux Jazz Club und verschiedene Freiluftbühnen am Seeufer.
Ära Claude Nobs
Claude Nobs leitete das Festival von seiner Gründung bis zu seinem Tod im Jahr 2013. Er war nicht nur Organisator und künstlerischer Leiter, sondern auch Gastgeber, Netzwerker, Konzertproduzent und Sammler.
Seine persönliche Betreuung der Musiker wurde zu einem wichtigen Teil des Festivalimages. Künstler wurden nicht ausschliesslich als Programmpunkte behandelt, sondern häufig zu Essen, privaten Treffen und spontanen musikalischen Begegnungen eingeladen.
Nobs pflegte langjährige Beziehungen zu zahlreichen Musikerinnen und Musikern. Mehrere von ihnen kehrten regelmässig nach Montreux zurück. Besonders enge Verbindungen bestanden unter anderem zu Quincy Jones, B.B. King, Miles Davis, Carlos Santana, Herbie Hancock, Deep Purple, David Bowie und Prince.
Quincy Jones war von 1991 bis 1993 an der Koproduktion des Festivals beteiligt. 1991 leitete er ein Konzert, bei dem Miles Davis erstmals seit Jahrzehnten wieder Kompositionen aus seiner Zusammenarbeit mit Gil Evans aufführte. Es war Davis’ zehnter und letzter Auftritt in Montreux.[2]
Claude Nobs starb am 10. Januar 2013 an den Folgen eines Unfalls beim Langlaufen. Die Leitung des Festivals übernahm Mathieu Jaton, der bereits seit 1999 für die Organisation tätig war und seit 2013 als CEO amtet.[6]
Entwicklung seit 2013
Unter Mathieu Jaton wurde die musikalische Öffnung fortgesetzt. Das Festival verstärkte seine Präsenz in digitalen Medien, baute seine Nachwuchsarbeit aus und entwickelte neue Formate für ein jüngeres und stilistisch vielfältigeres Publikum.
Die kostenpflichtigen Hauptkonzerte wurden weiterhin durch ein umfangreiches kostenloses Angebot ergänzt. Auf den frei zugänglichen Bühnen treten sowohl bekannte Musiker als auch Nachwuchskünstler aus der Schweiz und dem Ausland auf.
2016 feierte das Festival sein 50-jähriges Bestehen. Deep Purple spielte bei dieser Ausgabe gemeinsam mit Dweezil Zappa, dem Sohn Frank Zappas, eine besondere Version von «Smoke on the Water».
2019 veranstaltete das Festival erstmals ein Stadionkonzert. Elton John trat im Stade de la Saussaz vor rund 15'000 Zuschauerinnen und Zuschauern auf.[2]
Absage 2020 und Ausgabe 2021
Wegen der COVID-19-Pandemie wurde die für den Sommer 2020 geplante Ausgabe abgesagt. Es handelte sich um die erste vollständige Absage in der Geschichte des Festivals.[7]
2021 wurde eine kleinere Ausgabe unter besonderen Schutzbedingungen durchgeführt. Als Hauptspielort entstand eine temporäre Bühne im Genfersee, rund 25 Meter vom Ufer entfernt. Die Seebühne verband die Konzerte besonders sichtbar mit der Landschaft von Montreux.[2]
Umbau des Kongresszentrums
Während der Renovation des Kongresszentrums wurden die Ausgaben 2024 und 2025 mit einem veränderten Aufbau durchgeführt. Eine grosse Seebühne und das Casino dienten als kostenpflichtige Hauptspielorte. Das Festivalgelände wurde stärker über die Uferpromenade und weitere Bereiche der Stadt verteilt.
Zur 60. Ausgabe vom 3. bis 18. Juli 2026 kehrte das Festival in das erneuerte Kongresszentrum zurück. Das Auditorium Stravinski und das Montreux Jazz Lab wurden wieder als Hauptsäle genutzt. Zugleich blieben Teile des während der Umbaujahre erweiterten Festivalgeländes entlang des Seeufers erhalten.[8]
Musikalisches Profil
Der Name des Festivals verweist weiterhin auf den Jazz, obwohl das Programm seit Jahrzehnten zahlreiche weitere Musikrichtungen einschliesst. Diese stilistische Offenheit gehört zu den charakteristischen Merkmalen der Veranstaltung.
Traditioneller Jazz, Bebop, Fusion, Avantgarde und zeitgenössischer Jazz stehen neben Blues, Soul, Funk, Gospel, Rock, Pop, Chanson, Reggae, Hip-Hop, elektronischer Musik und Klangexperimenten.
Das Programm verbindet häufig etablierte internationale Stars mit aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern. Manche Abende sind einem bestimmten Genre oder einer Musikerpersönlichkeit gewidmet. Andere stellen bewusst unterschiedliche Generationen und Stile gegenüber.
Spontane Jam-Sessions besitzen eine besondere Bedeutung. Musiker, die für verschiedene Konzerte nach Montreux reisen, treten dabei gemeinsam in nicht angekündigten oder nur kurzfristig organisierten Formationen auf. Solche Begegnungen trugen wesentlich zum Ruf des Festivals bei.
Bedeutende Auftritte
Im Verlauf seiner Geschichte präsentierte das Montreux Jazz Festival zahlreiche bedeutende Vertreter des Jazz und der populären Musik.
Zu den häufig mit dem Festival verbundenen Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern gehören:
- Ella Fitzgerald
- Miles Davis
- Nina Simone
- Oscar Peterson
- Count Basie
- Dizzy Gillespie
- Herbie Hancock
- Keith Jarrett
- Charles Lloyd
- Quincy Jones
- Chick Corea
- George Benson
- John McLaughlin
- Marcus Miller
Im Blues-, Soul- und Funkbereich traten unter anderem B.B. King, Ray Charles, Aretha Franklin, Etta James, Marvin Gaye, James Brown, Stevie Wonder und Prince auf.
Das Rock- und Popprogramm umfasste Künstler wie Deep Purple, Led Zeppelin, Pink Floyd, David Bowie, Leonard Cohen, Santana, Queen, Eric Clapton, Radiohead, Patti Smith, Nick Cave, Björk, Elton John und Muse.
Diese Aufzählung ist nur eine kleine Auswahl. Die audiovisuelle Sammlung umfasst mehrere Tausend aufgezeichnete Konzerte und dokumentiert damit einen bedeutenden Teil der internationalen Live-Musikgeschichte seit den späten 1960er Jahren.[9]
Konzertaufnahmen und Veröffentlichungen
Claude Nobs liess die Auftritte von Beginn an in hoher technischer Qualität aufzeichnen. Die Aufnahmen dienten zunächst der Dokumentation, wurden später jedoch zu einem eigenständigen kulturellen und wirtschaftlichen Bestandteil des Festivals.
Zahlreiche Konzerte erschienen als Schallplatten, CDs, DVDs, Blu-rays oder digitale Veröffentlichungen. Die Bezeichnung «Live at Montreux» entwickelte sich zu einer international bekannten Reihe von Konzertalben und -filmen.
Zu den bekannten Veröffentlichungen gehören Aufnahmen von Bill Evans, Nina Simone, Miles Davis, Ella Fitzgerald, Marvin Gaye, Deep Purple, Santana, Eric Clapton, B.B. King, David Bowie und vielen weiteren Künstlern.
Seit 2021 veröffentlichten das Festival und das Musikunternehmen BMG zudem die Reihe «The Montreux Years». Für diese Serie werden Aufnahmen verschiedener Auftritte eines Künstlers oder einer Band restauriert und thematisch zusammengestellt.
Audiovisuelles Archiv
Die systematische Aufzeichnung der Konzerte führte zu einem der umfangreichsten privaten Archive für Live-Musik. Die Sammlung umfasst Ton- und Bildaufnahmen in zahlreichen analogen und digitalen Formaten.
Die UNESCO beschreibt den eingetragenen Bestand als Sammlung von mehr als 5000 Stunden aufgezeichneter Konzerte aus den Bereichen Jazz, Blues und Rock. Darunter befinden sich seltene Jam-Sessions, einzigartige Fernsehaufnahmen und Konzerte bedeutender Musikerinnen und Musiker.[1]
Die Claude Nobs Foundation bewahrt den audiovisuellen Nachlass aus der Zeit von 1967 bis 2012. Nach Angaben der Stiftung umfasst der weiter erschlossene Gesamtbestand mehrere Tausend Konzerte sowie deutlich mehr als 10'000 Stunden Bild- und Tonmaterial.[9]
Aufnahme in das UNESCO-Register
Im Juni 2013 nahm die UNESCO die Sammlung unter dem Titel «The Montreux Jazz Festival: Claude Nobs’ Legacy» in das internationale Memory-of-the-World-Register auf.
Das Register dient der Erhaltung und öffentlichen Wahrnehmung bedeutender Dokumente und Sammlungen. Die Aufnahme würdigte den Wert des Archivs als Zeugnis der internationalen Musikgeschichte des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.
Die Auszeichnung bezieht sich auf das audiovisuelle Dokumentenerbe und nicht auf das Festival als immaterielles Kulturerbe oder auf Montreux als UNESCO-Welterbestätte.
Digitalisierung
Die Erhaltung der teilweise empfindlichen Tonbänder, Filmrollen und Videokassetten erforderte eine umfassende Digitalisierung. Die Claude Nobs Foundation arbeitete dafür insbesondere mit der École polytechnique fédérale de Lausanne zusammen.
Im Montreux Jazz Digital Project wurden Aufzeichnungen digitalisiert, mit Metadaten versehen und für Forschung, Lehre und neue Präsentationsformen erschlossen. Die Bestände dienen auch als Grundlage für wissenschaftliche Projekte zu Musik, Akustik, Archivierung, Datenverarbeitung und virtuellen Darstellungsformen.[10]
Plakate und visuelle Gestaltung
Die Festivalplakate entwickelten sich zu einem wichtigen Bestandteil der visuellen Identität. Für zahlreiche Ausgaben wurden international bekannte Künstlerinnen, Künstler und Gestalter eingeladen.
1982 entwarf der Schweizer Künstler Jean Tinguely ein Festivalplakat und das charakteristische handgezeichnete Logo. Dieses wurde zu einem dauerhaft verwendeten Erkennungszeichen des Montreux Jazz Festivals.
Zum 20-jährigen Bestehen gestalteten Keith Haring und Andy Warhol 1986 gemeinsam das Festivalplakat.[2]
Auch Musiker wie David Bowie sowie zahlreiche Grafiker, Fotografen, Modedesigner und bildende Künstler wirkten an Plakaten und visuellen Kampagnen mit. Die Plakatsammlung dokumentiert dadurch nicht nur die Festivalgeschichte, sondern auch Veränderungen im Grafikdesign und in der Popkultur.
Nachwuchsförderung
Die Förderung junger Musikerinnen und Musiker gehört zu den Aufgaben der Montreux Jazz Artists Foundation. Die gemeinnützige Stiftung organisiert Wettbewerbe, Workshops, Residenzen, Konzerte und Bildungsprogramme.
Zu ihren Angeboten gehören beziehungsweise gehörten Gesangs-, Klavier- und Gitarrenwettbewerbe, die Montreux Jazz Academy, Talentprogramme und Projekte zur Vermittlung von Musik an ein breites Publikum.
Die Montreux Jazz Academy wurde 2014 als Residenzprogramm gegründet. Junge Musiker arbeiten dabei mit etablierten Künstlerinnen und Künstlern zusammen, entwickeln gemeinsame Projekte und treten in öffentlichen Konzerten auf.[11]
Die frei zugänglichen Bühnen des Festivals bieten zudem zahlreichen Schweizer Nachwuchskünstlern eine Auftrittsmöglichkeit vor internationalem Publikum.
Festivalgelände und Atmosphäre
Das Festivalgelände erstreckt sich über verschiedene Bereiche von Montreux. Ein grosser Teil liegt entlang der Uferpromenade zwischen dem Kongresszentrum, dem Casino, dem Bahnhofsumfeld und dem Marktplatz.
Die Kombination aus Konzertsälen, Freiluftbühnen, historischen Hotels, Seeufer und Alpenpanorama prägt das Erscheinungsbild der Veranstaltung. Die Nähe zwischen Publikum, Musikerinnen und Musikern sowie Veranstaltungsorten gilt als ein wesentliches Merkmal.
Neben den Hauptkonzerten bestehen zahlreiche kostenlose Angebote. Dazu gehören kleinere Konzerte, DJ-Sets, Jam-Sessions, Workshops, Ausstellungen, Filmvorführungen und gastronomische Stände.
In regulären Jahren besuchen nach Angaben des Veranstalters rund 250'000 Menschen das Festival. Ein grosser Teil des Programms ist kostenlos zugänglich.[12]
Bedeutung für Montreux
Das Festival trug wesentlich zur internationalen Bekanntheit von Montreux bei. Zusammen mit anderen Kulturveranstaltungen unterstützte es nach dem Zweiten Weltkrieg die Erneuerung des Tourismus in der Region.[13]
Während der Festivalzeit verändert sich das öffentliche Leben der Stadt deutlich. Hotels, Restaurants, Verkehrsbetriebe und Detailhandel verzeichnen eine starke zusätzliche Nachfrage. Gleichzeitig entstehen Belastungen durch Besucherströme, Lärm, Abfall und die intensive Nutzung öffentlicher Räume.
Das Festival ist zu einem Teil der lokalen Identität geworden. Hinweise auf Claude Nobs und die Musikgeschichte finden sich in Strassennamen, Skulpturen, Ausstellungen und touristischen Angeboten.
Die Verbindung mit «Smoke on the Water», die langjährige Anwesenheit internationaler Musiker sowie die Nähe zu den ehemaligen Mountain Studios machten Montreux über das Festival hinaus zu einem symbolischen Ort der Rock- und Popgeschichte.
Internationale Aktivitäten
Der Name Montreux Jazz Festival wurde auch für Veranstaltungen ausserhalb der Schweiz verwendet. Festivalprojekte und Kooperationen fanden unter anderem in São Paulo, Rio de Janeiro, Detroit, Atlanta, Singapur, Tokio, Monaco und Hangzhou statt.
Seit 2008 koordiniert Montreux Jazz International einen Teil der internationalen Markenentwicklung. Dazu gehören lizenzierte Veranstaltungen und gastronomische Konzepte unter der Bezeichnung Montreux Jazz Café.[14]
Die internationalen Projekte sollen die Atmosphäre und musikalische Offenheit von Montreux auf andere Orte übertragen. Das Festival in der Schweiz bleibt jedoch der historische und organisatorische Mittelpunkt.
Kritik und Herausforderungen
Wie andere grosse Kulturveranstaltungen steht das Montreux Jazz Festival im Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch, wirtschaftlicher Finanzierung und touristischer Vermarktung.
Die zunehmende Aufnahme internationaler Popstars führte wiederholt zur Diskussion, ob der Jazz im Programm ausreichend vertreten sei. Die Festivalleitung versteht Jazz jedoch weniger als starre Genregrenze denn als Grundlage für Improvisation, Begegnung und stilistische Offenheit.
Weitere Herausforderungen sind hohe Produktionskosten, die Verfügbarkeit internationaler Künstler, Sicherheitsanforderungen, Lärmschutz, Verkehr, Nachhaltigkeit und die Zugänglichkeit kostenpflichtiger Konzerte.
Durch das umfangreiche kostenlose Programm versucht das Festival, trotz teilweise hoher Preise für Hauptkonzerte ein breites Publikum anzusprechen.
Ausgewählte Meilensteine
- 1967: Erste dreitägige Ausgabe im Casino von Montreux
- 1968: Bill Evans nimmt ein später mit einem Grammy ausgezeichnetes Konzert auf
- 1969: Aufnahme des erfolgreichen Albums «Swiss Movement»
- 1971: Brand des Casinos und Entstehung von «Smoke on the Water»
- 1975: Rückkehr des Festivals in das wiederaufgebaute Casino
- 1976: Legendärer Auftritt von Nina Simone
- 1980: Einziger Festivalauftritt von Marvin Gaye
- 1982: Jean Tinguely entwirft das Festivallogo
- 1986: Gemeinsames Jubiläumsplakat von Keith Haring und Andy Warhol
- 1991: Miles Davis tritt zum zehnten und letzten Mal in Montreux auf
- 1993: Eröffnung des Auditorium Stravinski
- 2002: Bedeutender Festivalauftritt von David Bowie
- 2007: Erster Auftritt von Prince mit anschliessender Jam-Session
- 2013: Tod von Claude Nobs und Aufnahme des Archivs in das Memory-of-the-World-Register
- 2016: Feier zum 50-jährigen Bestehen
- 2019: Erstes Stadionkonzert des Festivals mit Elton John
- 2020: Erste vollständige Absage wegen der COVID-19-Pandemie
- 2021: Durchführung einer kleineren Ausgabe mit einer Bühne im Genfersee
- 2024 und 2025: Temporäre Hauptbühnen am See und im Casino
- 2026: 60. Ausgabe und Rückkehr in das erneuerte Kongresszentrum
Siehe auch
- Montreux
- Claude Nobs
- Jazz in der Schweiz
- Casino Barrière de Montreux
- Smoke on the Water
- Deep Purple
- Memory of the World
- École polytechnique fédérale de Lausanne
- Liste der Musikfestivals in der Schweiz
Literatur
- Arnaud Robert, Salomé Kiner: 50 Summers of Music. Montreux Jazz Festival. Éditions Textuel, Paris 2016.
- Claude Nobs, Perry Richardson: Live from Montreux. Mehrbändiges Bild- und Dokumentationswerk, Montreux 2007.
- Jean-Roch Vauthey, Olivier Gfeller: Montreux Jazz Festival. Die Geschichte eines musikalischen Treffpunkts. Montreux.
- Verschiedene Autoren: Montreux Jazz Festival – 50 Summers of Music. Festivalpublikation zum 50-jährigen Bestehen.
Weblinks
- Offizielle Website des Montreux Jazz Festivals
- Claude Nobs Foundation
- Eintrag im Memory-of-the-World-Register der UNESCO
- Montreux Sounds
- Montreux Jazz Artists Foundation
- Website der Gemeinde Montreux
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 UNESCO: The Montreux Jazz Festival: Claude Nobs’ Legacy, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Montreux Jazz Festival: Timeline, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Tom Gsteiger: Voumard, Géo. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Festival: «Smoke on the Water» 50th Anniversary, 4. Dezember 2021, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Festival: Auditorium Stravinski, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Festival: The Team, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Festival: A Silent Shore in 2020, 17. April 2020, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Festival: 2026 programme: a vibrant and colorful programme to celebrate the 60th edition, 30. März 2026, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 9,0 9,1 Claude Nobs Foundation: Facts & Figures, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ École polytechnique fédérale de Lausanne: The Montreux Jazz Festival – Living Archives, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Artists Foundation: Montreux Jazz Artists Foundation, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Festival: About Montreux Jazz Festival, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Gilbert Marion: Montreux. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Montreux Jazz Festival: The Montreux Jazz Festival travels to China, 29. Oktober 2020, abgerufen am 27. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Montreux Jazz Festival