Gotthardpass

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Gotthardpass
Merkmal Angabe
Passhöhe 2'106 m ü. M.
Gebirge Gotthardmassiv, Lepontinische Alpen
Nordseite Urserental, Kanton Uri
Südseite Leventina, Kanton Tessin
Nächstgelegene Orte Hospental und Airolo
Wasserscheide Reuss/Rhein und Tessin/Po
Strassenverbindung Hauptstrasse 2
Historische Strasse Tremola
Wintersperre in der Regel von Herbst bis spätes Frühjahr
Italienischer Name Passo del San Gottardo
Französischer Name Col du Saint-Gothard
Rätoromanischer Name Pass dal Son Gottard

Der Gotthardpass, auch Sankt-Gotthard-Pass genannt, ist ein 2'106 m ü. M. hoher Alpenpass im Gotthardmassiv. Er verbindet das Urserental im Kanton Uri mit der Leventina im Kanton Tessin und damit die deutschsprachige Zentralschweiz mit der italienischsprachigen Südschweiz. Die Passstrasse führt von Hospental über die Passhöhe nach Airolo.

Der Gotthard gehört zu den bekanntesten Gebirgsübergängen Europas. Seit dem Hochmittelalter entwickelte sich die Route zu einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung. Sie beeinflusste die Wirtschaft und Politik der Zentralschweiz und wurde eng mit der Entstehung der Alten Eidgenossenschaft verbunden. Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden entlang der Gotthardachse mehrere technisch bedeutende Verkehrswege: die Fahrstrasse über den Pass, die Gotthardbahn, der Gotthard-Strassentunnel und der Gotthard-Basistunnel.

Die eigentliche Passstrasse wird heute hauptsächlich vom regionalen Verkehr, von Reisenden und vom Tourismus genutzt. Der ganzjährige Durchgangsverkehr verläuft grösstenteils durch den Gotthard-Strassentunnel oder auf der Eisenbahn. Wegen der grossen Höhe bleibt der Pass im Winter geschlossen und wird je nach Schneelage gewöhnlich erst im späten Frühjahr oder Frühsommer geöffnet.[1]

Name

Der Pass ist nach dem heiligen Godehard von Hildesheim benannt. Godehard, der von 960 bis 1038 lebte, war Abt und später Bischof von Hildesheim. Er wurde 1131 heiliggesprochen und unter anderem als Schutzpatron von Reisenden und Gebirgspässen verehrt.

Auf der Südseite des Passes wurde im Mittelalter eine dem Heiligen geweihte Kapelle errichtet. Ihre Weihe durch den Mailänder Erzbischof Enrico da Settala im Jahr 1230 gilt als früher Beleg für die wachsende Bedeutung des Passwegs. Die Bezeichnung Monte Sancti Gothardi verbreitete sich im 13. Jahrhundert.

Zuvor war für den Pass oder seine Südrampe wahrscheinlich auch die Bezeichnung Monte Tremolo gebräuchlich. Sie lebt im Namen der Tremola weiter. Das italienische Verb tremare bedeutet «zittern», was später volkstümlich mit der Fahrt über das unebene Pflaster der alten Strasse verbunden wurde.

Der Begriff Gotthard kann unterschiedliche geografische und verkehrstechnische Bedeutungen haben:

  • Der Gotthardpass ist der konkrete Gebirgsübergang zwischen Hospental und Airolo.
  • Das Gotthardmassiv ist eine ausgedehnte Gebirgsregion in den Zentralalpen.
  • Die Gotthardachse bezeichnet die überregionale Verkehrsverbindung zwischen der Nord- und der Südseite der Alpen.
  • Als Gotthardbahn wird die historische Eisenbahnverbindung über beziehungsweise durch das Gotthardgebiet bezeichnet.

Geographie

Lage

Der Gotthardpass liegt im Zentrum der Schweizer Alpen zwischen dem Pizzo Lucendro im Westen und dem Pizzo Centrale im Osten. Die topografische Passhöhe befindet sich auf dem Gebiet der Tessiner Gemeinde Airolo. Die Grenze zwischen den Kantonen Uri und Tessin verläuft etwas nördlich davon.

Auf der Nordseite liegt das Urserental mit den Ortschaften Hospental und Andermatt. Von Andermatt gelangt man durch die Schöllenenschlucht nach Göschenen und weiter in das Reusstal. Auf der Südseite führt die Strasse durch die Val Tremola nach Airolo und von dort durch die Leventina in Richtung Biasca, Bellinzona und Lombardei.

Das Gotthardgebiet ist ein bedeutender alpiner Verkehrsknoten. In der Nähe von Andermatt treffen die Verbindungen über den Gotthard-, Furka- und Oberalppass zusammen. Westlich und östlich des Passes bestehen ausserdem historische Wege in Richtung Wallis, Surselva und Bündner Oberland.

Wasserscheide

Der Gotthardpass liegt auf der europäischen Hauptwasserscheide. Nördlich des Passes fliesst die Gotthardreuss zur Reuss, die über den Vierwaldstättersee, die Aare und den Rhein die Nordsee erreicht. Südlich des Passes entspringen Zuflüsse des Tessins. Dieser mündet in den Lago Maggiore und fliesst anschliessend über den Po in die Adria.

Das weitere Gotthardmassiv wird gelegentlich als «Wasserschloss Europas» bezeichnet. In seinem Umfeld liegen Quellgebiete von Rhein, Rhone, Reuss und Tessin. Diese vier Flüsse entspringen jedoch nicht alle unmittelbar auf der Gotthardpasshöhe.

Landschaft und Gewässer

Die Passlandschaft ist hochalpin und weitgehend baumlos. Sie wird von Felsflächen, Geröll, alpinen Matten, Mooren und kleinen Seen geprägt. Schnee kann bis weit in den Sommer liegen bleiben. Rasche Wetterwechsel, Nebel, Wind und niedrige Temperaturen sind auch in der warmen Jahreszeit möglich.

Unmittelbar bei der Passsiedlung liegt der Lago della Piazza. In der Umgebung befinden sich weitere Bergseen und zwei grössere Stauseen: der Lago di Lucendro westlich und der Lago della Sella östlich der Passhöhe. Sie werden für die Erzeugung von Wasserkraft genutzt.

Die Gesteine des Gotthardmassivs bestehen vor allem aus kristallinen Gesteinen wie Gneis und Granit. Der Bau der verschiedenen Tunnel lieferte wichtige Erkenntnisse über die komplizierte geologische Struktur der Alpen.

Geschichte

Frühe Nutzung

Das Gotthardgebiet war bereits vor dem Mittelalter bekannt. Einzelne archäologische Funde und lokale Wege weisen darauf hin, dass Menschen die Region nutzten. Für einen bedeutenden römischen Transitweg über den Gotthardpass bestehen jedoch keine eindeutigen Belege.

In der Antike und im Frühmittelalter waren andere Alpenübergänge wie der Grosse St. Bernhard, der Septimerpass und der Lukmanierpass leichter zugänglich und für den Fernverkehr wichtiger. Das grösste Hindernis auf der Gotthardroute war nicht die eigentliche Passhöhe, sondern die enge und von der Reuss durchflossene Schöllenenschlucht nördlich von Andermatt.

Erschliessung der Schöllenen

Um 1200 oder im frühen 13. Jahrhundert gelang es, einen dauerhaft nutzbaren Weg durch die Schöllenenschlucht anzulegen. Zu den entscheidenden Bauwerken gehörten eine an der Felswand befestigte Holzkonstruktion, die sogenannte Twärrenbrücke, und eine frühe Teufelsbrücke über die Reuss.

Die genauen Erbauer sind nicht bekannt. In der Forschung wird angenommen, dass Bewohner des Urserentals und Fachleute aus dem südlichen Alpenraum am Bau beteiligt waren. Die Erschliessung ermöglichte einen vergleichsweise direkten Weg zwischen dem Vierwaldstättersee und der Lombardei.

Der Weg blieb schmal, steil und gefährlich. Er konnte zu Fuss, mit Reit- und Saumtieren, aber zunächst nicht mit Wagen benutzt werden. Trotzdem gewann die Gotthardroute innerhalb kurzer Zeit an Bedeutung.

Saumverkehr im Mittelalter

Seit dem 13. Jahrhundert wurde der Gotthard zu einer wichtigen Handels- und Reiseverbindung. Transporte erfolgten mit Pferden und Maultieren. Die Führer der Tiere wurden als Säumer bezeichnet. Entlang der Strecke entstanden Herbergen, Sustgebäude, Zollstellen und Einrichtungen für den Warenumschlag.

Über den Pass wurden unter anderem folgende Waren transportiert:

  • Käse, Vieh, Felle und andere Erzeugnisse aus dem Norden;
  • Getreide, Reis, Wein, Salz und Gewürze aus dem Süden;
  • Textilien, Metallwaren, Handelsbriefe und Geldsendungen;
  • Post und diplomatische Nachrichten.

Der Transport war in lokale Abschnitte gegliedert. Säumerorganisationen und Talschaften besassen Rechte und Pflichten beim Warenverkehr. Sie unterhielten Wege und Brücken, regelten Tarife und sorgten für den Weitertransport von einer Sust zur nächsten.

Der Gotthard war zwar bedeutend, erreichte im mittelalterlichen Warenverkehr aber nicht zu jeder Zeit das Verkehrsvolumen westlicher Alpenpässe. Seine besondere Stärke lag in der relativ direkten Verbindung zwischen dem Oberrhein, der Zentralschweiz und Mailand.

Bedeutung für die Eidgenossenschaft

Die wirtschaftliche und strategische Bedeutung des Passwegs stärkte die Stellung des Landes Uri. Uri erhielt 1231 die Reichsunmittelbarkeit und kontrollierte einen wesentlichen Teil der nördlichen Zufahrt. Einnahmen aus Zöllen, Transport, Herbergen und Handel waren für die Talschaft wichtig.

Die Sicherung der Gotthardroute wird häufig als ein Faktor bei der Entstehung der Alten Eidgenossenschaft betrachtet. Sie war jedoch nicht deren einzige Ursache. Lokale Freiheitsrechte, die Politik der Habsburger, regionale Bündnisse und innere Konflikte spielten ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Die eidgenössischen Orte versuchten später, ihren Einfluss auf die Südseite auszudehnen. Uri gewann zeitweise die Kontrolle über die obere Leventina. Die Auseinandersetzungen um die Gebiete südlich der Alpen gehörten zu den Ursachen der eidgenössischen Expansion in das heutige Tessin.

Der Pfaffenbrief von 1370 verpflichtete die beteiligten Orte unter anderem, den Frieden auf der Strasse von Zürich bis zum Gotthard zu sichern. Dies zeigt, welche politische Bedeutung die Verkehrsverbindung bereits im 14. Jahrhundert besass.

Urnerloch und Ausbau des Saumwegs

Die hölzernen Anlagen in der Schöllenenschlucht waren anfällig für Hochwasser, Felsstürze und Lawinen. Von 1707 bis 1708 liess Uri deshalb das Urnerloch anlegen. Der Tessiner Festungsbauer Pietro Morettini sprengte einen rund 60 Meter langen Tunnel durch den Fels.

Das Urnerloch gilt als erster für den Verkehr gebauter Strassentunnel der Alpen. Es ersetzte einen besonders gefährlichen Teil des alten Wegs und erleichterte den Zugang zum Urserental. Der Gotthardweg blieb dennoch bis ins 19. Jahrhundert im Wesentlichen ein Saumweg.

Kämpfe von 1799

Während des Zweiten Koalitionskriegs wurde das Gotthardgebiet 1799 zum Kriegsschauplatz. Russische Truppen unter General Alexander Wassiljewitsch Suworow überquerten den Pass und kämpften in der Schöllenenschlucht gegen französische Verbände.

Bei der Teufelsbrücke erinnert das Suworow-Denkmal an die gefallenen russischen Soldaten. Das Denkmal befindet sich auf einem kleinen Grundstück, das dem russischen Staat überlassen wurde, bleibt jedoch Teil des schweizerischen Staatsgebiets.

Bau der Fahrstrasse

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts geriet die Gotthardroute gegenüber ausgebauten Alpenstrassen wie jener über den Simplonpass ins Hintertreffen. Die Kantone Uri und Tessin begannen deshalb mit dem Bau einer durchgehend befahrbaren Kunststrasse.

Die neue Gotthardstrasse entstand im Wesentlichen zwischen 1818 und 1836. Der entscheidende durchgehende Ausbau wurde um 1830 vollendet. Die Strasse besass eine befestigte Fahrbahn, Brücken, Stützmauern und zahlreiche Kehren. Erstmals konnten regelmässig Fuhrwerke und Postkutschen über den Pass verkehren.[2]

Die Fahrstrasse verkürzte die Reisezeiten erheblich. Postkutschen transportierten Reisende, Briefe und Pakete. Für den Güterverkehr wurden schwere Fuhrwerke eingesetzt. Vor der Eröffnung der Eisenbahn wurde die Route mit grossem Aufwand auch im Winter offengehalten. Wegknechte und Schneeräumer mussten Lawinenkegel und meterhohe Schneemassen beseitigen.

Die Eröffnung der Axenstrasse am Vierwaldstättersee in den 1860er-Jahren verbesserte auch die nördliche Zufahrt. Damit bestand eine moderne Strassenverbindung aus dem Schweizer Mittelland bis nach Norditalien.

Tremola

Die berühmteste erhaltene Strecke der alten Gotthardstrasse ist die Tremola auf der Südseite. Sie windet sich mit 24 engen Kehren von Airolo zur Passhöhe. Die Strasse überwindet auf kurzer Distanz mehrere Hundert Höhenmeter.

Die heutige Gestalt geht auf den Ausbau der Fahrstrasse im 19. Jahrhundert und spätere Erneuerungen zurück. Zwischen 1937 und 1941 erhielt ein grosser Teil der Strecke sein charakteristisches Pflaster aus Granitsteinen.[3]

Die Tremola ist ein historischer Verkehrsweg von nationaler Bedeutung und gehört zu den am besten erhaltenen historischen Passstrassen der Schweiz. Sie wird vor allem von Velofahrern, Motorrädern und Personenwagen genutzt. Für schwere Fahrzeuge bestehen Beschränkungen. Parallel zur Tremola verläuft eine modernere, breiter ausgebaute Passstrasse.

Gotthardbahn

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Eisenbahn zur entscheidenden neuen Verkehrstechnik. Nach langen politischen und finanziellen Verhandlungen entstand die Gotthardbahn mit Zufahrtsstrecken, Kehrtunneln, Brücken und dem Scheiteltunnel zwischen Göschenen und Airolo.

Der rund 15 Kilometer lange Gotthardtunnel wurde 1882 eröffnet. Er war eines der bedeutendsten Ingenieurbauwerke seiner Zeit. Bei seinem Bau arbeiteten Tausende Menschen unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen. Zahlreiche Arbeiter starben durch Unfälle, Krankheiten und die schlechten Lebensverhältnisse.

Die Eisenbahn verlagerte einen grossen Teil des Personen-, Post- und Güterverkehrs von der Passstrasse in den Tunnel. Die Gotthardpost und der aufwendige Winterbetrieb über die Passhöhe verloren ihre frühere Bedeutung. Gleichzeitig wurde die Bergstrecke selbst zu einer touristischen Sehenswürdigkeit.[4]

Motorisierung und neue Passstrasse

Mit der Verbreitung des Automobils gewann die Passstrasse im 20. Jahrhundert erneut an Bedeutung. Die alte Fahrstrasse war für den zunehmenden Verkehr zu schmal. Abschnitte wurden verbreitert, neu trassiert und asphaltiert. Auf der Südrampe entstand neben der Tremola eine modernere Strasse mit Tunneln, Galerien und weiter gezogenen Kurven.

Die Passroute wurde Teil der Hauptstrasse 2. Trotz des Ausbaus blieb sie wegen Schnee, Lawinengefahr und Eis nur saisonal befahrbar. Der wachsende Transitverkehr führte deshalb zu Planungen für eine ganzjährige Strassenverbindung durch den Berg.

Gotthard-Strassentunnel

Der Gotthard-Strassentunnel zwischen Göschenen und Airolo wurde am 5. September 1980 eröffnet. Mit einer Länge von rund 16,9 Kilometern war er bei seiner Eröffnung der längste Strassentunnel der Welt.

Der Tunnel ist Bestandteil der Autobahn A2 und ermöglicht eine ganzjährige Verbindung zwischen der Nord- und der Südschweiz. Er nahm der Passstrasse den grössten Teil des Durchgangsverkehrs ab. An stark frequentierten Reisetagen entstehen vor den Tunnelportalen jedoch regelmässig lange Staus.

Der Strassentunnel besitzt im bestehenden Zustand eine Röhre mit Gegenverkehr. Zur umfassenden Sanierung und zur Verbesserung der Sicherheit wird eine zweite Röhre gebaut. Nach Abschluss des Projekts soll in jeder Röhre grundsätzlich nur eine Fahrspur betrieben werden, damit die verfassungsrechtlich begrenzte Strassenkapazität durch die Alpen nicht erhöht wird.

Gotthard-Basistunnel

Der Gotthard-Basistunnel zwischen Erstfeld und Bodio wurde 2016 eröffnet. Er ist rund 57 Kilometer lang und bildet das zentrale Bauwerk der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale.

Anders als die historische Bergstrecke steigt die neue Linie nicht bis in die Nähe der Passhöhe an. Der Basistunnel verläuft tief unter dem Gotthardmassiv und besitzt nur geringe Steigungen. Dadurch können Personen- und Güterzüge schneller und mit weniger Energie durch die Alpen fahren.

Mit dem Basistunnel wurde die Verkehrsachse erneut verlagert: vom Weg über den Pass zum Scheiteltunnel des 19. Jahrhunderts und schliesslich zu einer nahezu ebenen Eisenbahnstrecke an der Basis des Gebirges.

Militärische Bedeutung

Die Gotthardachse besitzt grosse strategische Bedeutung. Wer den Pass und seine Zufahrten kontrollierte, konnte eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen durch die Zentralalpen sperren oder sichern.

Seit dem späten 19. Jahrhundert errichtete die Schweiz im Gotthardgebiet Festungen, Artilleriestellungen, unterirdische Anlagen und Sperren. Zu den frühen Werken gehört das Forte Airolo, das den südlichen Zugang zum Eisenbahntunnel und zur Passstrasse schützen sollte.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gotthardmassiv zu einem Kerngebiet des Schweizer Réduits. Die Armee bereitete sich darauf vor, wichtige Alpenübergänge und Tunnel zu verteidigen oder im äussersten Fall unbrauchbar zu machen.

Ein Teil der ehemaligen Festung Sasso da Pigna ist heute als Ausstellung Sasso San Gottardo zugänglich. Sie verbindet die Geschichte der militärischen Anlagen mit Themen wie Verkehr, Energie, Wasser und Landschaft.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Gotthardhospiz

Auf der Passhöhe befindet sich das Gotthardhospiz. Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Es bot Reisenden, Säumern und Pilgern Unterkunft und Schutz vor schlechtem Wetter.

Das Hospiz wurde mehrfach zerstört, beschädigt und erneuert. Der heutige Gebäudekomplex umfasst historische und modernisierte Teile. Zusammen mit der Kapelle bildet er das architektonische Zentrum der Passsiedlung.

Gotthardkapelle

Die dem heiligen Godehard geweihte Kapelle erinnert an die religiöse Bedeutung des Passes und an die Gefahren früherer Alpenreisen. Eine Kapelle an dieser Stelle wurde 1230 geweiht. Der heutige Bau geht auf spätere Erneuerungen zurück.

Museo Nazionale del San Gottardo

Das Museo Nazionale del San Gottardo befindet sich in einem historischen Gebäude auf der Passhöhe. Es dokumentiert die Entwicklung des Verkehrs vom Saumweg über die Postkutsche bis zu Eisenbahn, Autobahn und Basistunnel.

Die Ausstellung behandelt ausserdem das Leben der Säumer, den Bau der Verkehrswege, die Postgeschichte, den Tourismus und die militärische Bedeutung des Gotthards.[1]

Sasso San Gottardo

Sasso San Gottardo nutzt Teile einer ehemaligen unterirdischen Festungsanlage. Lange Stollen führen zu früheren Mannschaftsräumen, Munitionslagern und Geschützstellungen im Berg. Neben der historischen Festung werden Ausstellungen zu den natürlichen Ressourcen und zur Bedeutung des Gotthardgebiets gezeigt.

Tremola und historische Wege

Die Tremola ist selbst eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Natursteinmauern, Durchlässe, Kilometersteine, Pflaster und die Folge der engen Kehren bilden ein weitgehend erhaltenes Ensemble des historischen Strassenbaus.

Reste älterer Saumwege sind auf beiden Seiten des Passes erkennbar. Mehrere Abschnitte sind im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz als Objekte von nationaler Bedeutung verzeichnet.[5]

Verkehr

Passstrasse

Die moderne Passstrasse verbindet Hospental und Airolo. Sie ist Teil der Hauptstrasse 2 und normalerweise von Frühsommer bis Herbst geöffnet. Der genaue Zeitpunkt der Öffnung und Schliessung hängt von Schneemenge, Lawinengefahr, Wetter und Räumungsarbeiten ab.

Reisende können auf der Südseite zwischen der modernen Strasse und der historischen Tremola wählen, sofern beide Strecken geöffnet sind und das Fahrzeug den jeweiligen Beschränkungen entspricht. Die Tremola eignet sich nicht für schwere oder grosse Fahrzeuge.

Öffentlicher Verkehr

Während der Sommersaison verkehren Postautos zwischen Andermatt, der Passhöhe und Airolo. Der Betrieb ist saisonal und richtet sich nach der Öffnung der Strasse.

Die ganzjährige Eisenbahnverbindung verläuft durch den historischen Gotthardtunnel oder den Gotthard-Basistunnel. Die alte Bergstrecke über Göschenen und Airolo wird weiterhin von Zügen befahren und besitzt touristische sowie regionale Bedeutung.

Langsamverkehr

Der Gotthardpass ist ein bekanntes Ziel für Rennvelofahrer und geübte Tourenfahrer. Besonders die Tremola gilt wegen ihres Pflasters und ihrer zahlreichen Kehren als klassische Schweizer Passstrasse. Die Steigungen, das unebene Pflaster, der motorisierte Verkehr und schnelle Wetterwechsel stellen jedoch hohe Anforderungen.

Historische Saumwege und Bergwanderwege erschliessen die Umgebung zu Fuss. Wanderungen erfordern eine an die Höhe und das Wetter angepasste Ausrüstung. Schneefelder können manche Wege bis in den Sommer hinein bedecken.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Gotthardverkehr prägte über Jahrhunderte die Wirtschaft der angrenzenden Täler. Säumer, Fuhrleute, Wirte, Handwerker, Tierhalter, Wegknechte und Zöllner lebten direkt oder indirekt vom Passverkehr.

Der Bau der Eisenbahn veränderte diese Wirtschaftsstruktur. Viele traditionelle Transportberufe verschwanden, während Arbeitsplätze bei Bahn, Post, Bauunternehmen und im Tourismus entstanden. Göschenen und Airolo entwickelten sich zu Eisenbahnorten.

Heute ist die Gotthardachse eine der wichtigsten Transitverbindungen der Schweiz. Sie dient dem Personenverkehr zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin sowie dem europäischen Gütertransport zwischen Nordseehäfen, Süddeutschland und Norditalien.

Die schweizerische Verkehrspolitik verfolgt das Ziel, einen möglichst grossen Teil des alpenquerenden Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Der Gotthard-Basistunnel und die leistungsfähigen Zufahrtsstrecken sind zentrale Bestandteile dieser Politik.

Der Gotthard als Schweizer Symbol

Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Gotthard zunehmend als Symbol der Schweiz dargestellt. Geografische Lage, mittelalterliche Passgeschichte, technische Bauwerke und militärische Bedeutung verbanden sich zu einem nationalen Mythos.

Der Gotthard galt als Brücke zwischen den Sprachregionen und zugleich als schützende natürliche Festung. Die Vorstellung eines gemeinsamen Verkehrswegs durch ein trennendes Gebirge passte zum Selbstbild der mehrsprachigen Eidgenossenschaft.

Historische Darstellungen verknüpften die Erschliessung der Schöllenen mit der Entstehung der Eidgenossenschaft. Diese Verbindung ist nicht frei erfunden, wird in populären Erzählungen aber oft vereinfacht. Der Passhandel war ein wichtiger Faktor für Uri und die Zentralschweiz, während die Gründung und Entwicklung der Eidgenossenschaft zahlreiche weitere politische und gesellschaftliche Ursachen hatte.

Während des Zweiten Weltkriegs verstärkte das Réduit die Vorstellung vom Gotthard als Kernraum der schweizerischen Unabhängigkeit. Später wurden die grossen Tunnelbauten zu Symbolen für Ingenieurkunst, Modernisierung und die Verbindung Europas.

Gotthard in Kunst und Literatur

Die dramatische Landschaft, die Teufelsbrücke, Postkutschen und technische Bauwerke wurden seit dem 18. Jahrhundert vielfach dargestellt. Maler und Zeichner zeigten den Gotthard als wilde, erhabene Alpenlandschaft.

Johann Wolfgang von Goethe bereiste das Gotthardgebiet mehrmals und beschrieb seine Eindrücke. William Turner schuf Darstellungen der Teufelsbrücke und der Schöllenenschlucht. Reiseführer, Reiseberichte, Plakate und Fotografien machten den Pass im 19. und 20. Jahrhundert international bekannt.

Friedrich Schiller besuchte die Schweiz und den Gotthard nicht, verarbeitete aber Landschaften und Gründungsmythen der Zentralschweiz in seinem Drama Wilhelm Tell. Dadurch wurde auch das Gebiet an der nördlichen Gotthardroute Teil eines international verbreiteten Schweizbildes.

Die Postkutsche auf der Tremola entwickelte sich zu einem beliebten historischen Motiv. Nostalgische Fahrten erinnern heute an die Zeit vor der Eröffnung der Gotthardbahn.

Natur- und Denkmalschutz

Die Passlandschaft ist sowohl Naturraum als auch historisch geprägte Kulturlandschaft. Strassen, Mauern, Brücken, Hospizgebäude, militärische Anlagen und Wasserkraftwerke dokumentieren verschiedene Epochen der Nutzung.

Die Erhaltung der Tremola und anderer historischer Verkehrswege erfordert traditionelle Bautechniken und regelmässigen Unterhalt. Frost, Wasser, Steinschlag und Verkehr belasten Pflaster und Stützmauern.

Gleichzeitig bestehen Interessenkonflikte zwischen Verkehr, Energiegewinnung, Tourismus, Landschaftsschutz und alpinen Lebensräumen. Der saisonale Charakter des Passes begrenzt die Nutzung und trägt dazu bei, dass die Hochgebirgslandschaft im Winter weitgehend unberührt bleibt.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Peter Nething: Der Gotthard. Eine Pass- und Verkehrsgeschichte. Ott, Thun.
  • Helmut Stalder: Gotthard. Der Pass und sein Mythos. Orell Füssli, Zürich.
  • Marianne Burkhalter, Christian Sumi: Der Gotthard. Il Gottardo. Scheidegger & Spiess, Zürich.
  • ViaStoria: Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz. Gotthardroute. Bern.
  • SBB Historic: Die Gotthardbahn. Geschichte einer Schweizer Alpenbahn. Windisch.

Einzelnachweise