Matterhorn
| Matterhorn | |
|---|---|
| Französischer Name | Mont Cervin |
| Italienischer Name | Monte Cervino |
| Höhe | 4478 m ü. M. |
| Gebirge | Walliser Alpen |
| Lage | Kanton Wallis, Schweiz Aostatal, Italien |
| Gemeinden | Zermatt und Valtournenche |
| Koordinaten | 45° 58′ 35″ N, 7° 39′ 31″ O |
| Gestein | vorwiegend Gneis |
| Dominanz | etwa 13,8 km |
| Schartenhöhe | etwa 1042 m |
| Scharte | Col Durand |
| Erstbesteigung | 14. Juli 1865 |
| Erstbesteiger | Edward Whymper, Michel Croz, Charles Hudson, Francis Douglas, Douglas Robert Hadow, Peter Taugwalder senior und Peter Taugwalder junior |
| Normalroute | Hörnligrat von der Hörnlihütte |
Das Matterhorn (französisch Mont Cervin, italienisch Monte Cervino, im Aostatal auch Gran Becca) ist ein 4478 Meter hoher Berg in den Walliser Alpen. Es steht auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien, südwestlich von Zermatt und nordöstlich von Breuil-Cervinia. Der Schweizer Teil gehört zum Kanton Wallis, der italienische Teil zur autonomen Region Aostatal.
Mit seiner fast freistehenden, annähernd pyramidenförmigen Gestalt gehört das Matterhorn zu den bekanntesten Bergen der Welt. Es gilt als Wahrzeichen Zermatts, des Wallis und der Schweizer Alpen und wird international besonders häufig mit der Schweiz in Verbindung gebracht. Obwohl es weder der höchste Berg des Landes noch der höchste Gipfel der Alpen ist, besitzt kaum ein anderer Berg eine vergleichbare symbolische und touristische Bedeutung.
Das Matterhorn ist zugleich ein bedeutender Berg der Alpingeschichte. Seine Erstbesteigung am 14. Juli 1865 durch eine siebenköpfige Seilschaft unter Führung des Briten Edward Whymper endete beim Abstieg mit dem Tod von vier Teilnehmern. Das Ereignis machte den Berg weltweit bekannt und wurde zu einem der prägendsten Kapitel in der Geschichte des Alpinismus.
Name
Der deutsche Name Matterhorn setzt sich aus den Wörtern Matte und Horn zusammen. Als Matte wurde eine Wiesenfläche im Tal bezeichnet. Auch der Name des Ortes Zermatt geht auf die ältere Bezeichnung zur Matt zurück. Das Wort Horn beschreibt im alemannischen Sprachraum einen auffallend geformten, meist steilen Berggipfel. Der Name Matterhorn kann somit sinngemäss als «Horn über den Matten» verstanden werden.[1]
In französischsprachigen Gebieten wird der Berg Mont Cervin, in Italien Monte Cervino genannt. Diese Namen gehen wahrscheinlich auf mittelalterliche Bezeichnungen wie Mons Silvius, Mons Servinus oder Mons Servin zurück. Die genaue sprachgeschichtliche Herkunft ist nicht abschliessend geklärt.
Auf älteren Karten erscheint der Berg unter verschiedenen Namen. Im 16. Jahrhundert wurden unter anderem die Bezeichnungen Mons Silvius und Augstalberg verwendet. Der deutsche Name Matterhorn ist seit dem 17. Jahrhundert schriftlich belegt.
Im lokalen Walliserdeutsch wird der Berg häufig einfach ds Hore, also «das Horn», genannt. Auf der italienischen Seite ist ausserdem die Bezeichnung Gran Becca verbreitet, die sinngemäss «grosser Berggipfel» bedeutet.
Lage und Umgebung
Das Matterhorn liegt im südlichen Teil des Kantons Wallis am Ende des Mattertals. Auf der Schweizer Seite erhebt es sich über dem Bergdorf und Tourismusort Zermatt. Südlich des Berges liegt Breuil-Cervinia im italienischen Valtournenche.
Die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien folgt in diesem Gebiet weitgehend dem Alpenhauptkamm. Sie verläuft vom Breuiljoch über den Furggengrat, den Gipfelgrat und den Liongrat. Der Hörnligrat und der Zmuttgrat liegen vollständig auf Schweizer Staatsgebiet.
Östlich des Matterhorns befindet sich der rund 3295 Meter hohe Theodulpass. Er verbindet das Mattertal mit dem Valtournenche und war bereits lange vor der Entwicklung des modernen Tourismus ein bedeutender Übergang zwischen dem Wallis und dem Aostatal. Wegen der starken Vergletscherung ist seine Überquerung heute eine hochalpine Unternehmung.
Das Matterhorn wird von mehreren Gletschern umgeben. Im Norden liegt der Matterhorngletscher, im Westen befinden sich der Tiefmattengletscher und der Zmuttgletscher. Im Osten und Südosten liegen der Furgggletscher und das System der Theodulgletscher. Die Gletscher sind infolge des Klimawandels seit dem 19. Jahrhundert deutlich zurückgegangen.
Die Schweizer Seite des Berges gehört zum Einzugsgebiet der Rhone. Das Schmelz- und Niederschlagswasser fliesst über den Zmuttbach, den Furggbach, die Gornera und die Mattervispa ab. Auf der italienischen Seite gelangt das Wasser über den Marmore und die Dora Baltea in den Po und schliesslich in die Adria.
Höhe und Gestalt
Der Schweizer Gipfel des Matterhorns erreicht eine amtliche Höhe von 4478 m ü. M. Der etwas niedrigere italienische Gipfel ist 4477 Meter hoch. Beide Erhebungen sind durch einen schmalen, ungefähr 80 Meter langen Gipfelgrat miteinander verbunden. Zwischen ihnen liegt eine markante Einschartung.[2]
Das Matterhorn gehört zu den Viertausendern der Alpen. Es ist jedoch nicht der höchste Berg der Schweiz. Die nahe gelegene Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv erreicht 4634 Meter. Auch der Dom, der Liskamm und das Weisshorn sind höher als das Matterhorn.
Die auffällige Form des Berges wird durch vier steile Wände und vier Hauptgrate bestimmt. Die Wände sind ungefähr nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Nord-, Ost- und Westwand liegen überwiegend auf Schweizer Gebiet, während die Südwand nach Italien abfällt.
Zwischen Nord- und Ostwand verläuft der Hörnligrat. Er bildet die klassische Schweizer Normalroute. Der Zmuttgrat trennt die Nord- von der Westwand. Zwischen West- und Südwand liegt der Liongrat, über den die italienische Normalroute führt. Der Furggengrat bildet die Grenze zwischen Süd- und Ostwand.
Die annähernd symmetrische Pyramidenform ist besonders von Zermatt, vom Gornergrat, vom Rothorn und vom Stellisee aus sichtbar. Aus anderen Blickrichtungen erscheint der Berg weniger regelmässig. Nord- und Südwand sind breiter als Ost- und Westwand, und der Gipfel besteht nicht aus einer einzigen Spitze, sondern aus einem kurzen Grat.
Die Nordwand ist rund 1200 Meter hoch und zählt zu den berühmtesten grossen Nordwänden der Alpen. Die Westwand erreicht stellenweise eine noch grössere Wandhöhe, ist wegen ihrer abgelegenen Lage jedoch weniger bekannt. Ost- und Südwand werden von zahlreichen Rinnen, Felsrippen und Pfeilern gegliedert.
Geologie
Die geologische Entstehung des Matterhorns steht im Zusammenhang mit der Bildung der Alpen. Vor mehreren Dutzend Millionen Jahren bewegte sich die afrikanische beziehungsweise adriatische Kontinentalplatte nach Norden und stiess mit der europäischen Platte zusammen. Dabei wurden Gesteinsschichten gefaltet, übereinandergeschoben und teilweise über grosse Entfernungen transportiert.
Der obere Teil des Matterhorns besteht vorwiegend aus Gneisen der sogenannten Dent-Blanche-Decke. Dieses Gesteinspaket stammt ursprünglich vom Rand der afrikanisch-adriatischen Platte. Deshalb wird gelegentlich vereinfacht gesagt, der Gipfel des Matterhorns bestehe aus «afrikanischem Gestein».
Unterhalb dieser Gneise liegen Gesteine penninischer Decken. Dazu gehören umgewandelte Sedimentgesteine und Ophiolithe, die Reste der einstigen ozeanischen Kruste des verschwundenen Tethys-Ozeans darstellen. Das Matterhorn ist somit nicht aus einem einzigen einheitlichen Gesteinskörper aufgebaut, sondern zeigt den komplizierten tektonischen Aufbau der Alpen.
Seine heutige Form entstand wesentlich später als die eigentliche Gebirgsbildung. Während der Eiszeiten flossen Gletscher in verschiedene Richtungen vom Berg weg. Durch ihre Erosionswirkung wurden Kare und steile Felswände herausgearbeitet. Frostsprengung, Temperaturwechsel, Schmelzwasser, Steinschlag und Felsstürze formten die Grate und Wände weiter.
Das Matterhorn ist ein besonders ausgeprägtes Beispiel eines glazial geformten Hornbergs. Solche Berge entstehen, wenn mehrere Gletscher einen Bergkörper von verschiedenen Seiten abtragen und zwischen den Karen scharfe Grate zurückbleiben.
Klima und Wetter
Durch seine isolierte Lage am Alpenhauptkamm ist das Matterhorn starken und rasch wechselnden Wetterbedingungen ausgesetzt. Feuchte Luftmassen können am Berg aufsteigen und innerhalb kurzer Zeit Wolken, Niederschläge oder Gewitter bilden. Selbst bei gutem Wetter im Tal können am Gipfel starker Wind, Nebel, Schnee und Vereisung auftreten.
Typisch ist eine Fahnenwolke, die sich auf der windabgewandten Seite des Gipfels bilden kann. Sie entsteht, wenn feuchte Luft um den Berg strömt, abkühlt und kondensiert. Eine solche Wolke wird gelegentlich mit einer vom Gipfel aufsteigenden Rauchfahne verwechselt.
Die Temperatur liegt im Gipfelbereich während eines grossen Teils des Jahres deutlich unter dem Gefrierpunkt. Schnee bleibt wegen der steilen Wände jedoch nur an einzelnen Stellen dauerhaft liegen. Ein erheblicher Teil des Schnees wird durch Wind oder Lawinen in die Gletschergebiete am Fuss der Wände verfrachtet.
Flora und Fauna
Die hohen Felsbereiche des Matterhorns bieten nur wenigen spezialisierten Organismen geeignete Lebensbedingungen. In geschützten Spalten kommen Flechten, Moose und vereinzelte hochalpine Pflanzen vor. Mit zunehmender Höhe nehmen Vegetation und Bodenbildung stark ab.
In den tiefer gelegenen Gebieten rund um Zermatt leben unter anderem Steinböcke, Gämsen, Murmeltiere und Schneehasen. Zu den charakteristischen Vögeln gehören Alpendohle, Steinadler und Bartgeier. Die Alpendohlen sind regelmässig auch in der Umgebung der Berghütten und auf hohen Graten zu beobachten.
Die Tier- und Pflanzenwelt wird durch die starke touristische Nutzung, den Rückgang der Gletscher und die Verschiebung der Vegetationszonen beeinflusst. Gleichzeitig entstehen auf eisfrei werdenden Flächen neue Lebensräume, die zunächst von Pionierpflanzen besiedelt werden.
Geschichte der Erforschung
Das Matterhorn war den Bewohnern des Mattertals und des Aostatals seit Jahrhunderten bekannt. Im Gegensatz zu Pässen und Alpweiden besass der steile Gipfel jedoch keinen wirtschaftlichen Nutzen. Er galt lange als unerreichbar und wurde teilweise mit religiösen Vorstellungen, Sagen und Ängsten verbunden.
Naturforscher begannen den Berg im 18. Jahrhundert genauer zu beschreiben. Der Genfer Geologe und Alpenforscher Horace-Bénédict de Saussure untersuchte die Region und versuchte, die Höhe des Matterhorns zu bestimmen. Seine Arbeiten trugen dazu bei, das wissenschaftliche Interesse an den Hochalpen zu fördern.
Im 19. Jahrhundert wurde der Berg zu einem beliebten Motiv für Maler, Zeichner, Fotografen und Reiseschriftsteller. Der britische Kunstkritiker John Ruskin fertigte Studien des Matterhorns an und bezeichnete es als eines der eindrucksvollsten Werke der Natur.
Erste Besteigungsversuche
Während viele andere bedeutende Alpengipfel bereits bestiegen waren, galt das Matterhorn in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch immer als nahezu unbezwingbar. Seine steilen Wände, scharfen Grate und die aus dem Tal bedrohlich wirkenden Felsabbrüche schreckten selbst erfahrene Bergsteiger ab.
Die ersten ernsthaften Besteigungsversuche erfolgten hauptsächlich von der italienischen Seite. Eine zentrale Rolle spielte der Bergführer Jean-Antoine Carrel aus Valtournenche. Er betrachtete die Besteigung des Monte Cervino als nationale und persönliche Aufgabe und unternahm ab den 1850er Jahren mehrere Versuche über den Liongrat.
Auch der britische Zeichner und Bergsteiger Edward Whymper beteiligte sich am Wettlauf um den Gipfel. Zwischen 1861 und 1865 scheiterte er bei mehreren Versuchen, die überwiegend von der italienischen Seite ausgingen. Die Rivalität und zeitweilige Zusammenarbeit zwischen Whymper und Carrel wurden zu einem wesentlichen Bestandteil des späteren Matterhorn-Mythos.
Erstbesteigung 1865
Am 13. Juli 1865 verliess eine siebenköpfige Gruppe Zermatt und schlug am Fuss des Hörnligrats ein Lager auf. Zur Seilschaft gehörten Edward Whymper, der französische Bergführer Michel Croz, der Geistliche Charles Hudson, Lord Francis Douglas, der junge Douglas Robert Hadow sowie die Zermatter Bergführer Peter Taugwalder senior und Peter Taugwalder junior.
Am 14. Juli stieg die Gruppe über den Hörnligrat auf. Im oberen Teil wich sie teilweise in die Nordwand aus. Whymper und Croz erreichten den Gipfel als Erste, kurz darauf folgten die übrigen Teilnehmer. Damit war das Matterhorn als einer der letzten berühmten Viertausender der Alpen bestiegen.[1]
Beim Abstieg ereignete sich die Katastrophe, die den Erfolg überschattete. Hadow verlor den Halt und riss Croz, Hudson und Douglas mit sich. Das Seil zwischen Douglas und Peter Taugwalder senior riss. Die vier Bergsteiger stürzten über die Nordwand auf den Matterhorngletscher.
Whymper sowie Peter Taugwalder senior und junior überlebten und kehrten nach Zermatt zurück. Die Leichen von Croz, Hudson und Hadow wurden geborgen und auf dem Friedhof von Zermatt beigesetzt. Der Leichnam von Lord Francis Douglas wurde nie gefunden.
Nach dem Unglück entstanden Gerüchte, das Seil sei absichtlich durchtrennt worden. Eine amtliche Untersuchung fand dafür keine Beweise. Ein Teil des gerissenen Seils wird heute im Matterhorn Museum in Zermatt aufbewahrt.
Nur drei Tage nach Whympers Besteigung erreichten Jean-Antoine Carrel und Jean-Baptiste Bich am 17. Juli 1865 den Gipfel von der italienischen Seite. Damit gelang ihnen die erste erfolgreiche Besteigung über den Liongrat.[3]
Weitere bedeutende Besteigungen
1871 erreichte die Britin Lucy Walker als erste Frau den Gipfel des Matterhorns. Im selben Jahr gelang der US-amerikanischen Bergsteigerin Meta Brevoort die erste Überschreitung des Berges durch eine Frau von Zermatt nach Breuil.
Der Zmuttgrat wurde 1879 erstmals vollständig durchstiegen. Die Besteigung gelang Albert F. Mummery zusammen mit den Bergführern Alexander Burgener, Augustin Gentinetta und Johann Petrus.
Die technisch und objektiv gefährliche Nordwand blieb bis ins 20. Jahrhundert unbezwungen. Am 31. Juli und 1. August 1931 gelang den Brüdern Franz und Toni Schmid die erste Durchsteigung. Die Matterhorn-Nordwand wurde danach zusammen mit der Eiger-Nordwand und der Nordwand der Grandes Jorasses zu den drei klassischen grossen Nordwänden der Alpen gezählt.
Im Februar 1965 eröffnete der italienische Alpinist Walter Bonatti im Winter und im Alleingang eine neue Route durch die Nordwand. Die Unternehmung gilt als eine der bedeutendsten alpinistischen Leistungen des 20. Jahrhunderts.
Mit der Zeit wurden alle vier Grate und Wände auf unterschiedlichen Linien durchstiegen. Die modernen Routen reichen von den klassischen Normalwegen bis zu äusserst schwierigen Fels-, Eis- und kombinierten Routen.
Besteigungsrouten
Die am häufigsten begangene Route führt von der Schweizer Seite über den Hörnligrat. Ausgangspunkt ist die auf 3260 Metern gelegene Hörnlihütte. Von dort sind bis zum Gipfel rund 1200 Höhenmeter zu überwinden. Der Schweizer Alpen-Club bewertet die Route bei guten Verhältnissen mit dem Schwierigkeitsgrad ZS+.[2]
Obwohl der Hörnligrat als Normalroute gilt, ist er keine einfache Bergtour. Die Besteigung verlangt grosse alpine Erfahrung, sehr gute Kondition, sicheres Klettern mit Steigeisen, rasche Orientierung und die Fähigkeit, denselben Weg auch unter schwierigen Bedingungen abzusteigen. Für den Aufstieg werden gewöhnlich vier bis fünf Stunden benötigt; der Abstieg dauert etwa ebenso lange.
Auf ungefähr 4003 Metern steht die Solvayhütte. Sie ist ein kleines Notbiwak und darf nicht als reguläre Unterkunft oder als geplantes Zwischenziel verwendet werden. Das Biwak dient ausschliesslich Bergsteigern, die durch einen Wettersturz, einen Unfall oder eine andere Notlage am sofortigen Abstieg gehindert werden.
Die italienische Normalroute führt von Breuil-Cervinia über den Liongrat und das Rifugio Jean-Antoine Carrel. Sie ist ähnlich anspruchsvoll wie die Route über den Hörnligrat und enthält zahlreiche steile Passagen, Fixseile und ausgesetzte Kletterstellen.
Der Zmuttgrat gilt als länger und anspruchsvoller. Er wird deutlich seltener begangen und verlangt stabile Wetter- und Felsverhältnisse. Der Furggengrat besitzt schwierige und teilweise brüchige Abschnitte und gehört nicht zu den üblichen Normalwegen.
Gefahren
Das Matterhorn wird wegen seiner Bekanntheit häufig unterschätzt. Die klettertechnischen Schwierigkeiten der Normalrouten sind für erfahrene Alpinistinnen und Alpinisten zwar beherrschbar, doch kommen zahlreiche weitere Gefahren hinzu.
Der Fels ist an vielen Stellen locker und brüchig. Vorausgehende Seilschaften können Steine auslösen, die tiefer steigende Personen gefährden. Besonders an stark begangenen Tagen erhöht sich dadurch das Steinschlagrisiko.
Weitere Gefahren sind plötzliche Wetterwechsel, Gewitter, Vereisung, Neuschnee, Nebel, starke Winde und Orientierungsprobleme. Wegen der grossen Länge der Tour kann eine kleine Verzögerung dazu führen, dass der Abstieg erst in der Dunkelheit beendet wird. Die Auswirkungen der Höhe und die körperliche Ermüdung werden ebenfalls häufig unterschätzt.
Seit der Erstbesteigung sind am Matterhorn mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen. Die genaue Zahl ist nicht abschliessend feststellbar. Viele Unfälle ereigneten sich beim Abstieg, wenn Konzentration und körperliche Kräfte bereits nachgelassen hatten.
Die Besteigung wird deshalb nur ausreichend erfahrenen und akklimatisierten Personen empfohlen. Wer nicht über die erforderliche Orts- und Routenkenntnis verfügt, unternimmt die Tour gewöhnlich mit einer diplomierten Bergführerin oder einem diplomierten Bergführer.
Hörnlihütte
Die Hörnlihütte steht am Hörnligrat oberhalb des Schwarzsees. Sie ist der wichtigste Ausgangspunkt für Besteigungen des Matterhorns von der Schweizer Seite. Die erste einfache Unterkunft wurde im 19. Jahrhundert errichtet und später mehrfach erweitert.
Für das 150-jährige Jubiläum der Erstbesteigung wurde die Hütte vollständig umgebaut und 2015 wiedereröffnet. Die Zahl der Schlafplätze wurde begrenzt, die sanitären Anlagen wurden modernisiert und die Energie- und Wasserversorgung an die empfindliche hochalpine Umgebung angepasst.
Die Hütte ist von Schwarzsee über einen anspruchsvollen Bergwanderweg erreichbar. Der Weg bietet eindrucksvolle Ausblicke auf die Ostwand, den Hörnligrat und die umliegenden Gletscher. Der Aufstieg zur Hütte darf jedoch nicht mit der eigentlichen Besteigung des Matterhorns verwechselt werden.
Tourismus
Die Erstbesteigung von 1865 und das damit verbundene Unglück machten Zermatt international bekannt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das ehemalige Bergbauerndorf zu einem wichtigen Zentrum des Alpinismus und des frühen Schweizer Fremdenverkehrs.
Die Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Zermatt im Jahr 1891 erleichterte die Anreise erheblich. 1898 nahm die Gornergratbahn ihren Betrieb auf. Hotels, Bergbahnen, Berghütten, Bergführerbüros und Wintersportanlagen machten die Region zu einem der bekanntesten alpinen Reiseziele der Schweiz.
Zu den beliebten Aussichtspunkten auf das Matterhorn gehören der Gornergrat, das Rothorn, Sunnegga, Blauherd, der Stellisee, der Riffelsee, Schwarzsee und Trockener Steg. Besonders bekannt sind die Spiegelungen des Berges im Stellisee und im Riffelsee.
Das sogenannte Matterhorn Glacier Paradise befindet sich nicht auf dem Matterhorn, sondern auf dem östlich gelegenen Klein Matterhorn. Die Bergstation liegt auf 3883 Metern und gilt als höchstgelegene Bergbahnstation Europas. Von dort reicht der Blick über zahlreiche Viertausender und Gletscher der Schweiz, Italiens und Frankreichs.[4]
Seit 2023 besteht mit dem Matterhorn Alpine Crossing eine durchgehende Seilbahnverbindung zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia. Die Strecke führt über das Klein Matterhorn und die Testa Grigia. Das Matterhorn selbst wird durch diese Verbindung nicht erschlossen.
Im Matterhorn Museum in Zermatt werden die Geschichte des Ortes, die Entwicklung des Alpinismus und die Erstbesteigung dargestellt. Zu den wichtigsten Ausstellungsstücken gehört das gerissene Seil der Whymper-Seilschaft.
Bedeutung als Schweizer Symbol
Die Silhouette des Matterhorns ist zu einem der bekanntesten visuellen Symbole der Schweiz geworden. Sie erscheint auf Tourismusplakaten, Briefmarken, Souvenirs, Sportbekleidung, Uhren und zahlreichen Werbemitteln.
Auch Unternehmen verwendeten die Bergform zur Betonung einer Verbindung mit der Schweiz. Besonders bekannt war die Darstellung des Matterhorns auf den Verpackungen der Schweizer Schokolade Toblerone. Durch die weltweite Verbreitung solcher Produkte wurde die Form des Berges auch in Ländern bekannt, in denen Zermatt oder das Wallis ansonsten wenig bekannt waren.
Für die Schweiz verkörpert das Matterhorn zugleich Naturschönheit, alpine Tradition, technische Erschliessung und die Geschichte des Bergsteigens. Der Berg ist jedoch kein offizielles Staatssymbol wie das Schweizerkreuz. Seine nationale Bedeutung entstand vor allem durch Tourismus, Kunst, Fotografie und Werbung.
Auch auf italienischer Seite ist der Monte Cervino ein bedeutendes regionales Wahrzeichen. Seine Südansicht prägt das Erscheinungsbild von Breuil-Cervinia und des Valtournenche.
Matterhorn in Kunst und Medien
Seit dem 19. Jahrhundert wurde das Matterhorn von zahlreichen Künstlern dargestellt. Zeichnungen, Gemälde und Fotografien betonten häufig seine isolierte Lage und die scheinbar vollkommene Pyramidenform.
Die Erstbesteigung und das Absturzdrama wurden in Büchern, Zeitungsberichten, Theaterstücken und Filmen verarbeitet. Edward Whymper veröffentlichte seine Erinnerungen 1871 in dem Werk Scrambles Amongst the Alps. Seine Schilderung prägte die internationale Wahrnehmung des Matterhorns über Jahrzehnte.
Zu den bekanntesten frühen Verfilmungen gehört der deutsche Bergfilm Der Kampf ums Matterhorn von 1928. Spätere Dokumentar- und Spielfilme behandelten sowohl die Erstbesteigung als auch moderne alpinistische Leistungen.
Die Entwicklung der Fotografie verstärkte den Ruhm des Berges. Weil das Matterhorn von mehreren touristisch leicht erreichbaren Aussichtspunkten nahezu frei sichtbar ist, gehört es zu den weltweit am häufigsten fotografierten Bergmotiven.
Natur- und Landschaftsschutz
Das Matterhorn liegt innerhalb des Objekts Dent Blanche–Matterhorn–Monte Rosa des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Das Schutzgebiet wurde 1983 in das Inventar aufgenommen und umfasst eine ausgedehnte Hochgebirgs- und Gletscherlandschaft im südlichen Wallis.[5]
Die grosse Zahl von Bergsteigenden und Wandernden stellt hohe Anforderungen an Abfallentsorgung, Wasserversorgung, sanitäre Anlagen und den Schutz der empfindlichen Hochgebirgslandschaft. Besonders im Bereich der Hörnlihütte wurden Massnahmen ergriffen, um Belastungen zu verringern und Besucherströme besser zu ordnen.
Klimawandel und Permafrost
Der Klimawandel verändert die Umgebung des Matterhorns sichtbar. Die Gletscher ziehen sich zurück, Schneefelder werden kleiner und eisfrei werdende Fels- und Schuttflächen nehmen zu. Diese Veränderungen beeinflussen Landschaft, Wasserhaushalt, Ökosysteme und Alpinismus.
Ein grosser Teil des hoch gelegenen Felses befindet sich im Permafrost. Dabei bleibt das Wasser in Klüften und Spalten über lange Zeit gefroren und kann zur Stabilisierung des Berges beitragen. Erwärmt sich der Fels, kann dieses Eis schmelzen. Dadurch können sich Spalten erweitern und Gesteinsmassen lösen.
Im Hitzesommer 2003 brachen am Hörnligrat rund 1500 Kubikmeter Fels ab. Das Ereignis machte die möglichen Folgen der Permafrosterwärmung einer breiten Öffentlichkeit bewusst. Seit 2009 überwacht ein Netzwerk aus Sensoren Temperatur, Bewegungen und Veränderungen von Felsspalten am Matterhorn.[6]
Steinschlag und Felsstürze sind natürliche Vorgänge im Hochgebirge und können nicht allein auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Die Erwärmung des Permafrosts kann jedoch die Häufigkeit und das Ausmass bestimmter Ereignisse beeinflussen. Dadurch können sich traditionelle Routen verändern oder zeitweise gefährlicher werden.
Siehe auch
- Zermatt
- Walliser Alpen
- Liste der Viertausender in den Alpen
- Alpinismus in der Schweiz
- Hörnlihütte
- Klein Matterhorn
- Gornergrat
- Monte Rosa
- Tourismus im Kanton Wallis
Literatur
- Edward Whymper: Scrambles Amongst the Alps in the Years 1860–1869. London 1871.
- Guido Rey: The Matterhorn. London 1907.
- Walt Unsworth: Matterhorn Man: The Life and Adventures of Edward Whymper. London 1965.
- Michel Marthaler, Henri Rougier: An Outstanding Mountain: The Matterhorn. In: Emmanuel Reynard (Hrsg.): Landscapes and Landforms of Switzerland. Springer, Cham 2021.
- Daniel Anker: Matterhorn: Berg der Berge. AS Verlag, Zürich 2015.
- Schweizer Alpen-Club: Clubführer Walliser Alpen: Matterhorn, Dent Blanche, Weisshorn. Bern.
Weblinks
- Matterhorn im Tourenportal des Schweizer Alpen-Clubs
- Matterhorn bei Zermatt Tourismus
- Offizielle Website der Hörnlihütte
- Bergführer in Zermatt
- Matterhorn im Kartenviewer des Bundes
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Matterhorn, Zermatt Tourismus, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Matterhorn 4478 m, SAC-Tourenportal des Schweizer Alpen-Clubs, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Walk of Climb, Zermatt Tourismus, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Matterhorn Glacier Paradise, Zermatt Bergbahnen, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Erläuternder Bericht zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Datenschatz vom Matterhorn, ETH Zürich, 13. August 2019, abgerufen am 22. Juli 2026.