Zermatt

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Zermatt
Staat Schweiz
Kanton Wallis
Bezirk Visp
BFS-Nummer 6300
Postleitzahl 3920
Höhe des Dorfes 1'620 m ü. M.
Fläche 242,9 km²
Einwohner 5'922
Einwohnerstand 1. November 2025
Gemeindepräsidentin Romy Biner-Hauser
Höchster Punkt Dufourspitze, 4'634 m ü. M.
Tiefster Punkt Schlangengrube, 1'524 m ü. M.
Website gemeinde.zermatt.ch

Zermatt ist eine politische Gemeinde und ein international bekannter Ferienort im Bezirk Visp des Kantons Wallis. Das Dorf liegt am oberen Ende des Mattertals auf 1'620 m ü. M. und unmittelbar am Fuss des Matterhorns, das mit seiner markanten pyramidenförmigen Gestalt zu den bekanntesten Bergen der Welt und zu den bedeutendsten Symbolen der Schweiz gehört.

Das weitläufige Gemeindegebiet reicht vom Talboden bis zur 4'634 m hohen Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv. Auf dem Gebiet von Zermatt befinden sich zahlreiche Viertausender, Gletscher, Hochgebirgstäler und historisch gewachsene Weiler. Nach Angaben der Gemeinde liegen 38 Viertausender im Zermatter Berggebiet. Rund drei Viertel des Gemeindegebiets sind als Naturschutzzonen ausgewiesen.[1]

Zermatt entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von einer landwirtschaftlich geprägten Gebirgsgemeinde zu einem der wichtigsten alpinen Tourismuszentren Europas. Eine Schlüsselrolle spielten die Erschliessung der umliegenden Berge, die Erstbesteigung des Matterhorns im Jahr 1865, der Bau der Eisenbahn von Visp nach Zermatt und die Eröffnung der Gornergratbahn.

Der Ort wird üblicherweise als autofrei bezeichnet. Private Motorfahrzeuge dürfen grundsätzlich nur bis Täsch fahren. Innerhalb von Zermatt verkehren vor allem Elektrobusse, Elektrotaxis, bewilligte Elektrofahrzeuge und Pferdekutschen. Dadurch unterscheidet sich das Ortsbild deutlich von jenem vieler anderer grosser Tourismusorte.

Name

Zermatt wurde 1280 erstmals urkundlich als Pratobornum erwähnt. Spätere Namensformen lauteten unter anderem Vallis de Pra Borno, Vallis de prato Borno und Praborne. Die lateinisch beziehungsweise romanisch geprägte Bezeichnung wird als «Matte im Quellgebiet» oder «Matte in den Grenzmarken» gedeutet.[2]

Die deutsche Bezeichnung entwickelte sich aus Wendungen wie zer Mat, zer Matt oder zur Matt. Eine Form Zer Matt ist für das Jahr 1495 belegt. Bis in das 19. Jahrhundert kamen verschiedene Schreibweisen vor, ehe sich die heutige Zusammenschreibung Zermatt durchsetzte.[3]

Im Französischen wurde der Ort früher auch Praborgne genannt. Der alte Name Prato Borni wird in Zermatt weiterhin verwendet, beispielsweise für Gaststätten, Vereine und kulturelle Projekte.

Geographie

Lage

Zermatt liegt im Süden des Kantons Wallis, ungefähr 33 Kilometer südlich von Visp. Das Mattertal, auch Nikolaital genannt, ist ein südliches Seitental des Rhonetals. Es wird von der Mattervispa entwässert, die bei Stalden mit der Saaservispa zur Vispa zusammenfliesst.

Das Dorf befindet sich in einem Talkessel, der von hohen Bergen umgeben ist. Nach Süden reicht das Gemeindegebiet bis zur schweizerisch-italienischen Grenze. Jenseits der Grenze liegen die italienischen Alpentäler von Aosta und Piemont.

Die Gemeinde grenzt innerhalb der Schweiz unter anderem an Täsch, Saas-Almagell und Evolène. Wegen der stark gegliederten Hochgebirgslandschaft gehören zahlreiche Grenzabschnitte zu Gletschern, Gebirgskämmen und hoch gelegenen Übergängen.

Gemeindegebiet

Mit einer Fläche von 242,9 km² gehört Zermatt zu den flächenmässig grossen Gemeinden der Schweiz. Der überwiegende Teil des Gebiets ist felsig, vergletschert oder wegen der Höhenlage nicht landwirtschaftlich nutzbar.

Nach der Flächenstatistik der Gemeinde entfallen:

  • 0,8 Prozent auf Siedlungsflächen;
  • 9,4 Prozent auf landwirtschaftlich genutzte Flächen;
  • 4,6 Prozent auf Wald und Gehölze;
  • 85,2 Prozent auf unproduktive Flächen wie Fels, Geröll und Gletscher.

Die Höhendifferenz innerhalb des Gemeindegebiets beträgt mehr als 3'100 Meter. Der tiefste Punkt liegt bei der Schlangengrube auf 1'524 m ü. M., der höchste Punkt auf der Dufourspitze bei 4'634 m ü. M.

Berge

Die Bergwelt von Zermatt gehört zu den höchsten und bekanntesten Teilen der Walliser Alpen. Das Matterhorn erreicht eine Höhe von 4'478 m ü. M. und liegt auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien.

Weitere bedeutende Gipfel im Gemeindegebiet oder in dessen unmittelbarer Umgebung sind:

Nicht alle von Zermatt aus sichtbaren Berge liegen vollständig auf dem Gemeindegebiet. Das Gebirgspanorama umfasst jedoch einen aussergewöhnlich grossen Teil der höchsten Gipfel der Alpen.

Gletscher und Gewässer

Die Landschaft wird durch mehrere grosse Gletscher geprägt. Zu den wichtigsten gehören der Gornergletscher, der Grenzgletscher, der Zmuttgletscher, der Findelgletscher und der Theodulgletscher.

Der Gornergletscher war lange einer der flächenmässig grössten Gletscher der Schweiz. Er entsteht aus mehreren Teilgletschern des Monte-Rosa-Gebiets. Sein Schmelzwasser fliesst über die Gornera und die Mattervispa in Richtung Rhone.

Zu den wichtigsten Fliessgewässern im Gemeindegebiet gehören:

  • die Mattervispa;
  • die Gornera;
  • der Zmuttbach;
  • der Findelbach;
  • der Triftbach.

Im Hochgebirge liegen mehrere kleine Bergseen, darunter der Riffelsee, der Stellisee, der Schwarzsee, der Grindjisee, der Grünsee, der Leisee und der Mossjesee. Einige dieser Seen sind wegen ihrer Spiegelungen des Matterhorns bekannte Fotomotive.

Weiler und Aussensiedlungen

Neben dem dicht bebauten Dorf gehören mehrere historische Weiler und ehemalige Alpsiedlungen zu Zermatt. Dazu zählen unter anderem:

  • Blatten;
  • Furi;
  • Findeln;
  • Winkelmatten;
  • Zum See;
  • Zmutt;
  • Tuftern;
  • Ried.

Viele dieser Siedlungen entstanden als saisonal genutzte Wohn- und Wirtschaftsplätze. Heute befinden sich dort neben traditionellen Wohnhäusern, Ställen und Speichern auch Restaurants, Ferienwohnungen und touristische Einrichtungen.

Klima

Zermatt besitzt ein inneralpines, vergleichsweise trockenes Gebirgsklima. Die hohen Bergketten schirmen das Mattertal teilweise gegen feuchte Luftmassen ab. Dadurch ist das Klima häufig sonniger und niederschlagsärmer als in vielen nördlich gelegenen Alpenregionen.

Die klimatischen Verhältnisse ändern sich mit der Höhe stark. Während im Dorf im Sommer milde Tagestemperaturen möglich sind, herrschen im Hochgebirge auch während der warmen Jahreszeit winterliche Bedingungen. Auf den höchsten Gipfeln und Gletschern bleiben Schnee und Eis grundsätzlich ganzjährig erhalten.

Zermatt wurde schon früh als Luft- und Höhenkurort vermarktet. Die trockene Luft, die Höhenlage und die lange Sonnenscheindauer bildeten neben dem Bergpanorama wichtige Grundlagen für die touristische Entwicklung.

Der Klimawandel zeigt sich in der Region besonders deutlich durch:

  • den Rückzug der Gletscher;
  • die Abnahme des Permafrosts;
  • Veränderungen der Schneesicherheit;
  • eine zunehmende Gefahr von Felsstürzen;
  • Veränderungen der Wasserführung;
  • eine Verschiebung von Lebensräumen und Vegetationszonen.

Geschichte

Frühe Besiedlung

Archäologische Funde zeigen, dass das Gebiet rund um das Matterhorn bereits in vorgeschichtlicher Zeit begangen wurde. Die hohen Alpenübergänge waren keine unüberwindbaren Grenzen, sondern dienten über lange Zeit als Verbindungen zwischen dem Wallis und den südlich gelegenen Tälern.

Eine besondere Bedeutung hatte der Theodulpass. Der rund 3'300 Meter hohe Übergang verband das Gebiet von Zermatt mit dem heutigen Aostatal. In klimatisch günstigeren Perioden war der Pass leichter begehbar als in der Neuzeit. Funde römischer Münzen und weiterer Gegenstände belegen einen frühen Verkehr über das Hochgebirge.

Die dauerhafte Besiedlung des oberen Mattertals erfolgte im Mittelalter. Die Bevölkerung lebte vor allem von Viehzucht, Ackerbau, Alpwirtschaft und dem Warenaustausch über die Gebirgspässe.

Mittelalter

Im 13. Jahrhundert gehörte Zermatt zum weltlichen und geistlichen Einflussbereich des Bischofs von Sitten. Herrschafts-, Nutzungs- und Abgaberechte wurden zeitweise an verschiedene Adelsfamilien übertragen.

Zu den einflussreichen Familien gehörten die Herren von Raron. Gleichzeitig verfügte die örtliche Bevölkerung bereits früh über gemeinschaftliche Rechte an Alpen, Wäldern, Wasserläufen und Allmenden.

Im Verlauf des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit konnten die Bewohner verschiedene feudale Rechte ablösen. Daraus entwickelten sich selbstverwaltete Gemeinwesen und die bis heute bestehende Tradition der Burgergemeinde.

Die abgelegene Lage führte dazu, dass sich in Zermatt eine ausgeprägte lokale Wirtschafts- und Sozialordnung entwickelte. Familienverbände, Alpgenossenschaften, Bewässerungssysteme und gemeinsame Nutzungsrechte waren für das Überleben in der Hochgebirgsregion von grosser Bedeutung.

Landwirtschaftliche Gesellschaft

Bis weit in das 19. Jahrhundert war Zermatt ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Die Bevölkerung hielt vor allem Rinder, Schafe und Ziegen. Der kurze Bergsommer erforderte eine stufenweise Nutzung verschiedener Höhenlagen.

Im Frühjahr wurde das Vieh auf tieferen Wiesen gehalten, im Sommer auf die Alpen getrieben und im Herbst wieder in die Nähe des Dorfes gebracht. Heu musste auf kleinen, teilweise steilen Parzellen gewonnen und für den langen Winter eingelagert werden.

Typisch für die traditionelle Bauweise waren Wohnhäuser aus Lärchenholz sowie Speicher und Ställe auf Steinplatten. Die runden Steinplatten zwischen Holzbau und Unterbau sollten verhindern, dass Mäuse und andere Nagetiere in die Vorratsräume gelangten.

Beginn des Tourismus

Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert erreichten erste Naturforscher, Kartografen, Künstler und Reisende das obere Mattertal. Die Entwicklung des Alpinismus machte die Bergwelt für ein internationales Publikum interessant.

Eine zentrale Rolle beim Aufbau der Hotellerie spielte Alexander Seiler. Er kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Zermatt und baute gemeinsam mit seiner Familie mehrere Hotels auf. Die neuen Unterkünfte ermöglichten längere Aufenthalte einer wohlhabenden internationalen Kundschaft.

Bergführer aus Zermatt begleiteten Gäste auf Gletscher, Pässe und Gipfel. Aus der landwirtschaftlichen Bevölkerung entwickelte sich eine Generation professioneller Bergführer, deren Ortskenntnisse und alpinistische Fähigkeiten für die Erschliessung der Region entscheidend waren.

Erstbesteigung des Matterhorns

Am 14. Juli 1865 gelang einer von dem Engländer Edward Whymper geführten Seilschaft die erste Besteigung des Matterhorns über den Hörnligrat. Zur Gruppe gehörten neben Whymper auch Lord Francis Douglas, Charles Hudson, Douglas Hadow, Michel Croz sowie die Zermatter Bergführer Peter Taugwalder und dessen Sohn.

Beim Abstieg stürzten Hadow, Croz, Hudson und Douglas an der Nordwand in die Tiefe. Das Seil zwischen den Abstürzenden und den drei Überlebenden riss. Das Unglück erregte europaweit grosses Aufsehen.

Die Erstbesteigung und die damit verbundene Katastrophe machten Zermatt international bekannt. Das Matterhorn wurde zum Sinnbild des klassischen Alpinismus, während Zermatt zu einem der wichtigsten Ausgangspunkte für Bergsteigerreisen in den Alpen wurde.[4]

Eisenbahnbau und Wachstum

Die Visp-Zermatt-Bahn erreichte Zermatt im Juli 1891. Zuvor dauerte die Reise von Visp in das Bergdorf zu Fuss, mit Maultieren oder Kutschen viele Stunden. Durch die Bahn verkürzte sich die Reisezeit erheblich, und die Zahl der Gäste stieg rasch an.[5]

Am 20. August 1898 nahm die Gornergratbahn ihren Betrieb auf. Sie war die erste elektrische Zahnradbahn der Schweiz und führte erstmals in Europa mit einer Bahn auf eine Höhe von mehr als 3'000 Metern.[6]

Die neuen Verkehrsverbindungen führten zu einem starken Ausbau der Hotellerie. Zunächst konzentrierte sich der Fremdenverkehr auf die Sommermonate. Im 20. Jahrhundert gewann der Wintertourismus durch Skisport, Bergbahnen und verbesserte Verkehrsverbindungen zunehmend an Bedeutung.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Zermatt schrittweise zu einem ganzjährig erreichbaren Ferienort. Die Bahnstrecke wurde elektrifiziert und wintersicherer ausgebaut. Neue Skilifte und Luftseilbahnen erschlossen die Gebiete Sunnegga, Gornergrat, Schwarzsee und Klein Matterhorn.

Mit dem wirtschaftlichen Wachstum wandelte sich das Dorfbild. Neben traditionellen Holzhäusern entstanden Hotels, Geschäftshäuser, Personalunterkünfte, Ferienwohnungen und technische Anlagen.

Trotz der baulichen Entwicklung blieb der private Autoverkehr im Dorf stark eingeschränkt. Die Entscheidung, keinen gewöhnlichen motorisierten Individualverkehr zuzulassen, wurde später zu einem wichtigen Teil der touristischen Identität Zermatts.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Zermatt zu einer international bekannten Ganzjahresdestination. Die Verbindung des Schweizer Skigebiets mit Breuil-Cervinia und Valtournenche auf italienischer Seite schuf eines der grössten zusammenhängenden Wintersportgebiete der Alpen.

Bevölkerung

Am 1. November 2025 zählte die Einwohnergemeinde Zermatt 5'922 ständig wohnhafte Personen. Davon waren 3'118 Schweizer Staatsangehörige und 2'804 ausländische Staatsangehörige. Der Ausländeranteil betrug damit 47,35 Prozent.[7]

In Zermatt lebten zu diesem Zeitpunkt Menschen aus 66 Staaten. Die grössten ausländischen Bevölkerungsgruppen stammten aus Portugal, Italien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Spanien und Frankreich.

Der hohe Anteil ausländischer Einwohnerinnen und Einwohner steht in engem Zusammenhang mit dem Arbeitskräftebedarf des Tourismus, des Gastgewerbes, der Bergbahnen und des Bauwesens.

Die Zahl der tatsächlich anwesenden Personen liegt während der touristischen Hauptsaison wesentlich höher als die ständige Wohnbevölkerung. Die Gemeinde rechnet aufgrund von Gästen, Saisonangestellten und Zweitwohnungsnutzern mit Einwohnergleichwerten von ungefähr 32'000 Personen.

Sprache

Amtssprache und wichtigste Alltagssprache ist Deutsch. Die einheimische Bevölkerung spricht traditionell einen höchstalemannischen Walliser Dialekt.

Der Zermatter Dialekt gehört zum Walliserdeutsch und weist zahlreiche sprachliche Besonderheiten auf. Durch die internationale Bevölkerung und den Tourismus sind zudem Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und weitere Sprachen verbreitet.

Religion

Zermatt war historisch stark römisch-katholisch geprägt. Die Pfarrkirche St. Mauritius bildet bis heute einen wichtigen religiösen und gesellschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes.

Durch die Zuwanderung und den internationalen Tourismus entstanden weitere religiöse Gemeinschaften. Bereits im 19. Jahrhundert wurde für britische Gäste eine anglikanische Kirche errichtet.

Politik und Verwaltung

Zermatt ist eine Einwohnergemeinde nach dem Recht des Kantons Wallis. Die Stimmberechtigten entscheiden in der Urversammlung über kommunale Sachgeschäfte, Budgets, Rechnungen und weitere Vorlagen.

Die Exekutive bildet ein siebenköpfiger Gemeinderat. Gemeindepräsidentin für die Amtsperiode 2025–2028 ist Romy Biner-Hauser. Die Gemeinderatsmitglieder führen verschiedene Ressorts, darunter Finanzen, Raumordnung, Umwelt, Verkehr, Sicherheit, Bauwesen, Bildung und Soziales.[8]

Neben der Einwohnergemeinde besteht die Burgergemeinde Zermatt. Sie verwaltet Burgergüter, Alpen, Wälder, Grundstücke und weitere historisch gewachsene gemeinschaftliche Vermögenswerte. Einwohnergemeinde und Burgergemeinde sind rechtlich und organisatorisch voneinander getrennt.

Das Gemeindewappen zeigt einen goldenen Löwen auf zwei von drei grünen Hügeln. Der Löwe wird von zwei fünfzackigen Sternen flankiert; der Hintergrund ist rot. Vermutlich wurde der Löwe in Anlehnung an das Wappen des Bezirks Visp gewählt.

Wirtschaft

Tourismus

Der Tourismus ist der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig. Die Gemeinde bezeichnet die örtliche Wirtschaftsstruktur selbst als weitgehend touristisches Monogewerbe.

Zu den wichtigsten Bereichen gehören:

  • Hotellerie und Parahotellerie;
  • Gastronomie;
  • Bergbahnen und Skisport;
  • Bergführer- und Schneesportschulen;
  • Detailhandel;
  • Bau- und Ausbaugewerbe;
  • Immobilien- und Ferienwohnungswirtschaft;
  • Transport- und Logistikdienstleistungen;
  • Veranstaltungs- und Freizeitwirtschaft.

Zermatt verfügt über mehr als 100 Hotels sowie zahlreiche Ferienwohnungen, Chalets, Berghütten und Gruppenunterkünfte. Das Angebot reicht von einfachen Unterkünften bis zu international bekannten Luxushotels.

Die Gemeinde weist rund 4'600 Arbeitsstellen und ungefähr 560 selbständige Betriebe aus. Ein grosser Teil der Beschäftigten arbeitet im Gastgewerbe, im Detailhandel, bei Bergbahnen oder in tourismusnahen Dienstleistungen.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft besitzt heute wirtschaftlich eine geringere Bedeutung, prägt aber weiterhin die Kulturlandschaft. Gehalten werden vor allem Schafe, Ziegen und Rinder.

Besonders bekannt ist das Walliser Schwarznasenschaf, das auf Alpen und Weiden rund um Zermatt gehalten wird. Landwirtschaftliche Betriebe tragen zur Pflege offener Wiesen, zur Erhaltung traditioneller Gebäude und zur Herstellung regionaler Produkte bei.

Zweitwohnungen und Wohnraum

Der hohe touristische Wert von Grundstücken und Wohnungen führt zu einem starken Druck auf den Wohnungsmarkt. Ferienwohnungen und Zweitwohnungen stehen in Konkurrenz zu dauerhaft vermietetem Wohnraum.

Für Angestellte, Familien und Personen mit mittlerem Einkommen ist es deshalb schwierig, bezahlbare Wohnungen zu finden. Gemeinde und regionale Organisationen beschäftigen sich mit der Förderung von Erstwohnungen und Personalunterkünften.

Tourismus und Freizeit

Wintersport

Zermatt ist eines der bedeutendsten Wintersportzentren der Alpen. Die Skigebiete erstrecken sich über mehrere Höhenstufen und sind teilweise mit den italienischen Gebieten von Cervinia und Valtournenche verbunden.

Die wichtigsten Schweizer Teilgebiete sind:

  • Matterhorn Glacier Paradise;
  • Schwarzsee;
  • Gornergrat;
  • Riffelberg;
  • Sunnegga;
  • Blauherd;
  • Rothorn.

Wegen der grossen Höhenlage ist in Teilen des Gletschergebiets auch im Sommer Skibetrieb möglich. Das Angebot hängt jedoch von Schnee-, Gletscher- und Wetterbedingungen ab.

Neben dem alpinen Skisport werden Snowboarden, Freeriden, Winterwandern, Schneeschuhlaufen, Schlitteln und Langlauf angeboten.

Wandern und Bergsport

Das Gemeindegebiet umfasst rund 400 Kilometer Sommerwanderwege und ungefähr 50 Kilometer Winterwanderwege. Die Routen reichen von einfachen Spazierwegen bis zu anspruchsvollen alpinen Touren.

Bekannte Ziele und Wege sind:

  • der Fünf-Seen-Weg;
  • der Weg zur Hörnlihütte;
  • der Europaweg;
  • die Wanderungen am Gornergrat;
  • die Wege nach Zmutt, Findeln und Zum See;
  • Höhenwege in den Gebieten Sunnegga und Rothorn;
  • der Gletschergarten Dossen;
  • die Gornerschlucht.

Zermatt ist ein bedeutender Ausgangspunkt für Hochtouren. Bergsteiger besteigen von hier aus unter anderem das Matterhorn, das Breithorn, den Monte Rosa, das Zinalrothorn und zahlreiche weitere Viertausender.

Die hochalpinen Touren erfordern Erfahrung, geeignete Ausrüstung und sichere Verhältnisse. Viele Gäste werden von diplomierten Bergführerinnen und Bergführern begleitet.

Matterhorn Glacier Paradise

Das Klein Matterhorn ist durch eine Luftseilbahn erschlossen. Die Bergstation des Matterhorn Glacier Paradise liegt auf 3'883 m ü. M. und gehört zu den höchstgelegenen Bergbahnstationen Europas.

Von dort bestehen Ausblicke auf zahlreiche Gipfel der Schweiz, Italiens und Frankreichs. Zum touristischen Angebot gehören Aussichtsplattformen, ein Gletscherpalast und der Zugang zum Sommerskigebiet.

Verkehr

Bahnverkehr

Zermatt ist über die meterspurige Matterhorn-Gotthard-Bahn mit Täsch, Visp, Brig und dem übrigen schweizerischen Eisenbahnnetz verbunden.

In Visp und Brig bestehen Anschlüsse an die Hauptstrecken der Schweizerischen Bundesbahnen. Der Ausbau der Lötschberg-Basislinie verkürzte die Reisezeit aus der Deutschschweiz erheblich.

Zwischen Täsch und Zermatt verkehren Shuttle-Züge. Die Fahrt dauert ungefähr zwölf Minuten. Tagsüber besteht in der Regel ein 20-Minuten-Takt.[9]

Zermatt ist ausserdem Ausgangs- beziehungsweise Endpunkt des Glacier Express, der über Brig, Andermatt, den Oberalppass und die Rheinschlucht nach St. Moritz fährt.

Autofreier Ort

Der private Autoverkehr darf grundsätzlich nur bis Täsch fahren. Dort befinden sich grosse Parkhäuser und Umschlaganlagen. Die Strasse von Täsch nach Zermatt ist für den gewöhnlichen öffentlichen Privatverkehr gesperrt.

Der Begriff «autofrei» bedeutet nicht, dass in Zermatt keinerlei Fahrzeuge verkehren. Zugelassen sind unter anderem:

  • Elektrobusse;
  • Elektrotaxis;
  • Hoteltransporte;
  • Gewerbe- und Lieferfahrzeuge mit Bewilligung;
  • Rettungs- und Einsatzfahrzeuge;
  • Fahrzeuge für kommunale und technische Dienste;
  • einzelne Spezialfahrzeuge.

Die meisten innerörtlichen Fahrzeuge werden elektrisch angetrieben und sind kleiner als gewöhnliche Personenwagen. Ergänzt wird das Verkehrssystem durch Pferdekutschen, Fahrräder und den Fussverkehr.

Die Begrenzung des Verkehrs vermindert Abgase und Motorenlärm, führt aber wegen der wachsenden Zahl bewilligter Elektrofahrzeuge auch zu Diskussionen über Sicherheit, Verkehrsaufkommen und die Bedeutung des Begriffs «autofrei».

Bergbahnen

Die Gornergratbahn führt vom Dorf über Riffelalp, Riffelberg und Rotenboden auf den Gornergrat. Die heutige Bergstation liegt auf 3'089 m ü. M. Die Strecke ist 9,3 Kilometer lang und wird mit einem Zahnradantrieb bewältigt.

Weitere wichtige Anlagen sind:

  • die Standseilbahn Zermatt–Sunnegga;
  • die Luftseil- und Gondelbahnen über Furi und Trockener Steg zum Klein Matterhorn;
  • die Verbindungen nach Schwarzsee;
  • die Anlagen von Sunnegga über Blauherd zum Rothorn;
  • die Verbindung zwischen Furi und Riffelberg.

Die Bergbahnen dienen sowohl dem Wintersport als auch dem sommerlichen Ausflugs- und Wanderverkehr.

Ortsbild und Sehenswürdigkeiten

Historischer Dorfkern

Im Gebiet Hinterdorf sind mehrere traditionelle Wohnhäuser, Speicher und Ställe erhalten geblieben. Die Gebäude bestehen überwiegend aus dunklem Lärchenholz und stehen teilweise auf gemauerten Sockeln oder charakteristischen Steinplatten.

Der historische Dorfkern vermittelt einen Eindruck von Zermatt vor dem Aufstieg zum internationalen Ferienort. Zahlreiche Gebäude stehen unter Schutz oder werden mit Rücksicht auf die traditionelle Bauweise unterhalten.

Pfarrkirche St. Mauritius

Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius befindet sich am Kirchplatz. Eine Kirche in Zermatt ist bereits für das späte 13. Jahrhundert belegt.

Der heutige Bau wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Plänen des Architekten Adolf Gaudy errichtet und 1916 geweiht. Der Kirchturm und der Kirchplatz prägen das Zentrum des Dorfes.

Bergsteigerfriedhof

Neben der Pfarrkirche liegt der Bergsteigerfriedhof. Dort erinnern Gräber und Gedenksteine an Menschen, die am Matterhorn und auf anderen Bergen der Region ums Leben kamen.

Der Friedhof ist eng mit der Geschichte des Alpinismus verbunden und gehört zu den meistbesuchten Erinnerungsorten Zermatts.

Matterhorn Museum

Das unterirdisch angelegte Matterhorn Museum – Zermatlantis zeigt die Entwicklung Zermatts vom Bergbauerndorf zum Tourismusort.

Zu den Schwerpunkten gehören:

  • die Erstbesteigung des Matterhorns;
  • die Geschichte des Bergführerwesens;
  • die traditionelle Landwirtschaft;
  • die Entwicklung der Hotellerie;
  • der Eisenbahn- und Bergbahnbau;
  • die Lebensbedingungen im historischen Zermatt.

Englische Kirche

Die anglikanische St. Peter’s Church wurde im 19. Jahrhundert für die wachsende Zahl britischer Gäste errichtet. Sie erinnert an die grosse Bedeutung britischer Bergsteiger für die frühe Geschichte des Tourismus und Alpinismus in Zermatt.

Gornerschlucht

Die Gornerschlucht entstand durch die Erosionskraft der Gornera. Ein gesicherter Steg führt durch einen Teil der engen Schlucht, deren Felsformationen und Wasserläufe die geologische Entwicklung des Tals sichtbar machen.

Kultur und Brauchtum

Das kulturelle Leben verbindet Walliser Traditionen mit dem internationalen Charakter des Tourismusortes.

Zu den örtlichen Traditionen gehören kirchliche Feste, Prozessionen, Musikgesellschaften, Trachten, Viehaufzüge und Veranstaltungen der Burgergemeinde.

Bekannt ist der sommerliche Geissenzug durch das Dorf, bei dem eine Herde Schwarzhalsziegen durch die Bahnhofstrasse geführt wird. Auch Schwarznasenschafe sind eng mit dem Erscheinungsbild der Region verbunden.

Die lokale Küche ist durch Walliser Produkte geprägt. Typische Speisen und Erzeugnisse sind:

  • Walliser Trockenfleisch;
  • Roggenbrot;
  • Raclette;
  • Käsegerichte;
  • getrocknete Würste;
  • Aprikosenprodukte;
  • Walliser Wein.

Neben traditionellen Gaststätten besitzt Zermatt eine ausgeprägte internationale Gastronomieszene.

Natur- und Umweltschutz

Von den 242,9 km² Gemeindegebiet liegen nach Angaben der Gemeinde rund 183 km² in Naturschutzzonen. Geschützt werden Hochgebirgslandschaften, Gletschergebiete, Wälder, Trockenwiesen und Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten.

Zur Tierwelt gehören unter anderem:

  • Steinböcke;
  • Gämsen;
  • Rothirsche;
  • Murmeltiere;
  • Schneehasen;
  • Steinadler;
  • Bartgeier;
  • Schneehühner.

Die Waldgrenze liegt ungefähr auf 2'300 Metern. Besonders verbreitet sind Lärchen und Arven, die an die trockenen und kalten Bedingungen des inneralpinen Klimas angepasst sind.

Die touristische Nutzung steht in einem Spannungsverhältnis zum Landschaftsschutz. Bergbahnen, Pisten, Beschneiungsanlagen, Wanderwege, Gebäude und Energieanlagen greifen in empfindliche Hochgebirgsräume ein.

Zu den wichtigsten Herausforderungen gehören:

  • der Schutz der Landschaft vor übermässiger Verbauung;
  • die Anpassung an den Gletscherrückgang;
  • der Umgang mit Naturgefahren;
  • die Sicherung der Trinkwasserversorgung;
  • die Steuerung grosser Besucherströme;
  • die Verringerung des Energieverbrauchs;
  • die Erhaltung dauerhaft bewohnbaren Wohnraums.

Naturgefahren

Zermatt ist wegen seiner Lage von verschiedenen Naturgefahren betroffen. Dazu zählen Lawinen, Hochwasser, Murgänge, Felsstürze, Steinschlag und Gletscherabbrüche.

Schutzbauten, Lawinenverbauungen, Rückhaltebecken, Überwachungssysteme und Gefahrenkarten sollen Siedlungen und Verkehrswege sichern. Bei erhöhtem Risiko können Wanderwege, Skipisten, Bergbahnen oder Verkehrsverbindungen vorübergehend gesperrt werden.

Hochwasserereignisse an der Mattervispa und ihren Zuflüssen können das Dorf und die Verkehrswege beeinträchtigen. Durch den Klimawandel verändern sich die Gefahrenlagen, insbesondere in Gebieten mit auftauendem Permafrost.

Bildung und öffentliche Einrichtungen

Zermatt verfügt über Kindergärten, Primarschulen und eine Sekundarschule. Ergänzt werden diese durch eine Musikschule, eine Gemeinde- und Schulbibliothek sowie Sport- und Mehrzweckanlagen.

Wegen der internationalen Bevölkerung und des saisonalen Arbeitsmarkts müssen Schulen und Betreuungseinrichtungen auf eine sprachlich und kulturell vielfältige Schülerschaft eingehen.

Zu den kommunalen Einrichtungen gehören ausserdem:

  • Gemeindeverwaltung;
  • Werkhof;
  • Feuerwehr und Rettungsdienste;
  • Abwasserreinigungsanlage;
  • Trinkwasserversorgung;
  • Abfall- und Wertstoffsammelstellen;
  • öffentliche Elektrobuslinien;
  • Sport- und Freizeitanlagen.

Bedeutung und Wahrnehmung

Zermatt gehört zusammen mit dem Matterhorn zu den international bekanntesten Reisezielen der Schweiz. Bilder des Dorfes mit dem Matterhorn im Hintergrund werden weltweit für Tourismuswerbung, Medien und Produkte verwendet.

Das Matterhorn dient auch ausserhalb Zermatts als Symbol für die Schweiz, die Alpen und den Alpinismus. Diese starke Bildwirkung ist für den Ort wirtschaftlich wertvoll, führt aber zugleich zu einer Konzentration grosser Besucherzahlen auf bestimmte Aussichtspunkte und Jahreszeiten.

Zermatt wird häufig als Beispiel für die Verbindung von traditionellem alpinem Ortsbild, hochwertigem Tourismus, Bergbahntechnik und internationalem Bergsport wahrgenommen. Gleichzeitig steht die Gemeinde vor den typischen Problemen erfolgreicher Tourismusorte: hohen Bodenpreisen, Personalmangel, Verkehrsbelastung, Zweitwohnungen und dem Schutz einer empfindlichen Landschaft.

Persönlichkeiten

Mit Zermatt verbunden sind unter anderem:

Zahlreiche weitere Bergführer, Skisportler, Hoteliers und Tourismuspioniere prägten die Entwicklung des Ortes.

Siehe auch

Literatur

  • Theodor Antonietti: Bauern, Bergführer, Hoteliers. Alltag und Lebensgeschichte in Zermatt zwischen 1850 und 1950. Baden 2000.
  • Auguste Grichting: Zermatt. Bergparadies. Rotten Verlag, Visp 1997.
  • Georg Julen: Burgergeschichte von Zermatt-Prato Borni. Burgergemeinde Zermatt, Zermatt 1991.
  • Samuel Kronig: Familien-Statistik und Geschichtliches über die Gemeinde Zermatt. Zermatt 1927.
  • Ludwig Meyer: Zermatt in alten Zeiten. In: Jahrbuch des Schweizer Alpenclub, Band 57, 1922, S. 241–280.
  • Edward Whymper: Scrambles amongst the Alps in the Years 1860–69. London 1871.

Einzelnachweise

  1. Kurzportrait der Einwohnergemeinde Zermatt, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Informationsbroschüre Zermatt, Einwohnergemeinde Zermatt, S. 5–6, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Zermatt, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Eckdaten der Zermatter Geschichte, Zermatt Tourismus, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Die Eröffnung der Bahn nach Zermatt fördert den Tourismus, Gornergrat Bahn, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Über die Gornergrat Bahn, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Einwohnerstatistik der Gemeinde Zermatt, Stand 1. November 2025, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Gemeinderat der Einwohnergemeinde Zermatt, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Zermatt Shuttle, Matterhorn Gotthard Bahn, abgerufen am 23. Juli 2026.