Flughafen Genf

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Flughafen Genf
Offizieller Name Genève Aéroport
Französischer Name Aéroport international de Genève
Frühere Bezeichnung Flughafen Genf-Cointrin
IATA-Code GVA
ICAO-Code LSGG
Art Landesflughafen
Eröffnung 1920
Standortkanton Kanton Genf
Standortgemeinden Bellevue, Le Grand-Saconnex, Meyrin und Vernier
Betreiber Aéroport International de Genève
Eigentümer Republik und Kanton Genf
Generaldirektor Jean-François de Saussure
Höhe 430 m ü. M.
Start- und Landebahn 04/22, 3'900 m, Beton
Passagiere 17'848'370 im Jahr 2025
Flugbewegungen 177'288 im Jahr 2025
Fracht und Post 96'047 Tonnen im Jahr 2025
Fluggesellschaften 57 im Jahr 2025
Direktziele 147 im Jahr 2025
Website gva.ch

Der Flughafen Genf ist ein internationaler Verkehrsflughafen im Kanton Genf. Er trägt offiziell die französische Bezeichnung Genève Aéroport und ist historisch auch als Flughafen Genf-Cointrin bekannt. Mit jährlich knapp 18 Millionen Passagieren ist er nach dem Flughafen Zürich der zweitgrösste Flughafen der Schweiz.

Der Flughafen liegt wenige Kilometer nordwestlich des Genfer Stadtzentrums unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Er befindet sich vollständig auf schweizerischem Staatsgebiet, verfügt jedoch über einen besonderen französischen Sektor, der eine direkte landseitige Verbindung mit Frankreich ermöglicht.[1]

Genève Aéroport ist ein wichtiges Verkehrszentrum für die Romandie, das Genferseegebiet, die angrenzenden französischen Regionen und die westlichen Alpen. Der Flughafen verbindet Genf mit europäischen Wirtschafts- und Politikzentren sowie mit interkontinentalen Zielen in Nordamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien.

Eine besondere Bedeutung besitzt er für das internationale Genf. Diplomatinnen und Diplomaten, Mitarbeitende internationaler Organisationen, Staatsoberhäupter und Teilnehmende internationaler Konferenzen reisen häufig über den Flughafen an. Daneben dient er als Ausgangspunkt für den Tourismus in den Schweizer und französischen Alpen.

Name

Der Flughafen wurde während eines grossen Teils seiner Geschichte als Aéroport de Genève-Cointrin oder auf Deutsch als Flughafen Genf-Cointrin bezeichnet. Der Name bezog sich auf die Ortschaft Cointrin in der Gemeinde Meyrin.

Heute verwendet die Betreiberorganisation im öffentlichen Auftritt hauptsächlich die Bezeichnung Genève Aéroport. Der rechtliche Name der selbstständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt lautet Aéroport International de Genève, abgekürzt AIG.

Der internationale Flughafencode der International Air Transport Association lautet GVA. Der Code der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation lautet LSGG.[1]

Lage

Das Flughafengelände liegt etwa vier Kilometer nordwestlich des Genfer Stadtzentrums. Es erstreckt sich über Teile der Gemeinden Bellevue, Le Grand-Saconnex, Meyrin und Vernier.[2]

Die nördliche Grenze des Flughafengeländes verläuft teilweise unmittelbar entlang der Staatsgrenze zu Frankreich. Auf französischer Seite liegen unter anderem die Gemeinden Ferney-Voltaire und Prévessin-Moëns im Département Ain.

Obwohl sich sämtliche Flughafenanlagen auf Schweizer Staatsgebiet befinden, wird für den Flugbetrieb auch französischer Luftraum genutzt. Anflüge und Abflüge führen je nach Windrichtung und verwendeter Piste über schweizerisches oder französisches Gebiet.

Die Lage in einem dicht besiedelten, grenzüberschreitenden Ballungsraum bringt besondere Anforderungen an Raumplanung, Verkehrserschliessung, Lärmschutz und die Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und französischen Behörden mit sich.

Bedeutung

Genf gehört zusammen mit Zürich und Basel zu den drei national bedeutenden Flughäfen der Schweiz. Im schweizerischen Luftfahrtsystem ist der Flughafen vor allem auf europäischen Linienverkehr und interkontinentale Verbindungen ausgerichtet, die für die Westschweiz und die Genfer Region von besonderer Bedeutung sind.[2]

Das Einzugsgebiet reicht weit über den Kanton Genf hinaus. Es umfasst:

  • die Kantone Waadt, Wallis, Neuenburg, Freiburg und Teile des Kantons Bern;
  • das französische Pays de Gex;
  • die Départements Ain, Haute-Savoie und Teile von Savoie;
  • wichtige Feriengebiete der Schweizer und französischen Alpen.

Der Flughafen ist für mehrere Wirtschaftsbereiche von Bedeutung. Dazu gehören der internationale Handel, Banken und Versicherungen, die Uhrenindustrie, die Pharmaindustrie, der Rohstoffhandel, der Kongresstourismus und der Wintersport.

Für die Vereinten Nationen, internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen in Genf stellt der Flughafen eine zentrale Verkehrsinfrastruktur dar. Genève Aéroport unterhält einen eigenen Protokolldienst für Staatsoberhäupter, Regierungsmitglieder, Spitzen internationaler Organisationen und andere offizielle Gäste.

Betreiber und Rechtsform

Der Flughafen wird von der selbstständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt Aéroport International de Genève betrieben. Eigentümerin ist die Republik und der Kanton Genf.

Die heutige Rechtsgrundlage bildet das Genfer Gesetz über den internationalen Flughafen vom 10. Juni 1993. Der Betreiber erhält nach eigenen Angaben keine ordentlichen staatlichen Subventionen und finanziert seine Investitionen vor allem aus dem laufenden Betrieb und über Anleihen. Ein Teil des erwirtschafteten Gewinns wird an den Kanton Genf abgeführt.[3]

Die strategische Leitung liegt bei einem Verwaltungsrat. Die operative Führung obliegt der Generaldirektion und mehreren Fachbereichen, die für Betrieb, Infrastruktur, Finanzen, Personal, Technologie, kommerzielle Entwicklung und Nachhaltigkeit zuständig sind.

Seit dem 1. November 2025 ist Jean-François de Saussure Generaldirektor von Genève Aéroport. Er folgte auf Gilles Rufenacht.[4]

Die Aufsicht über den Flugbetrieb und die Flughafeninfrastruktur liegt beim Bundesamt für Zivilluftfahrt. Die langfristige räumliche und betriebliche Entwicklung wird im Sachplan Verkehr, Teil Infrastruktur Luftfahrt, festgelegt.

Infrastruktur

Start- und Landebahn

Genève Aéroport besitzt eine einzige befestigte Start- und Landebahn. Sie trägt die Bezeichnung 04/22, ist 3'900 Meter lang und mit Beton befestigt. Damit ist sie die längste Start- und Landebahn der Schweiz.

Die Länge der Piste erlaubt den Betrieb nahezu aller gebräuchlichen Verkehrsflugzeuge, einschliesslich grosser Langstreckenflugzeuge. Trotz nur einer Hauptpiste kann der Flughafen während stark ausgelasteter Zeiten eine hohe Zahl von Starts und Landungen abwickeln.

Die Pistenbezeichnungen beziehen sich auf die ungefähre magnetische Ausrichtung. Bis 2018 wurde die Piste als 05/23 bezeichnet. Wegen der Veränderung des magnetischen Nordpols erfolgte die Umbenennung in 04/22.

Bei schwachem Wind wird häufig in Richtung Südwesten gestartet oder gelandet. Die tatsächlich verwendete Richtung hängt von Wind, Wetter, Verkehrsaufkommen und betrieblichen Bedingungen ab.

Neben der befestigten Hauptpiste bestand lange Zeit eine parallele Graspiste für Leichtflugzeuge. Ihre dauerhafte Aufhebung wurde im Sachplan des Bundes vorgesehen.[2]

Terminal 1

Das Terminal 1 ist das Hauptterminal des Flughafens. Sein Kern wurde 1968 eröffnet und ursprünglich für rund fünf Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Inzwischen wird ein Mehrfaches dieser Zahl abgefertigt.[5]

Das Terminal umfasst:

  • Abflug- und Ankunftshallen;
  • Check-in-Bereiche;
  • zentrale Sicherheitskontrollen;
  • Gepäckausgabe;
  • Passkontrollen;
  • Geschäfte und Restaurants;
  • Lounges;
  • Zugänge zu den Satelliten und Flugsteigen;
  • den französischen Sektor.

Die Flugsteige sind auf Bereiche für den Schengenraum, Nicht-Schengen-Ziele, französische Inlandflüge und Langstreckenverkehr verteilt.

Ostflügel

Der Ostflügel, französisch Aile Est, ist ein 2021 eröffnetes Abfertigungsgebäude für Langstrecken- und andere Nicht-Schengen-Flüge. Er ersetzte einen provisorischen Grossflugzeugpavillon aus dem Jahr 1975.

Das Gebäude ist rund 520 Meter lang und 20 Meter breit. Es verfügt über sechs Positionen für Grossraumflugzeuge und kann gleichzeitig bis zu 2'800 abfliegende beziehungsweise 3'000 ankommende Passagiere pro Stunde aufnehmen.[6]

Der Ostflügel wurde am 14. Dezember 2021 anlässlich eines Fluges von Genf nach New York in Betrieb genommen. Zum gesamten Projekt gehörten neben dem eigentlichen Gebäude Anpassungen der Vorfelder, eine neue Zollstrasse und weitere technische Anlagen.

Zur Energieversorgung dienen unter anderem:

  • Fotovoltaikanlagen auf dem Dach;
  • mehr als 100 Erdwärmesonden;
  • Wärmepumpen;
  • stark wärmegedämmte Fassaden;
  • Systeme zur Nutzung von Tageslicht und Regenwasser.

Terminal 2

Das kleinere Terminal 2 ist ein saisonal betriebenes Gebäude. Es wird während der Wintersaison für ausgewählte Charter- und Linienflüge genutzt, die hauptsächlich mit dem Wintersporttourismus in den Schweizer, französischen und italienischen Alpen verbunden sind.

Ausserhalb der Wintersaison ist das Terminal für den Flugbetrieb geschlossen.[7]

Das Gebäude geht auf das frühere Hauptterminal des Flughafens zurück. Seine Ausstattung ist wesentlich einfacher als jene des Terminal 1.

Geschäftsluftfahrt

Genf gehört zu den bedeutendsten europäischen Flughäfen für die Geschäftsluftfahrt. Der Verkehr ist eng mit dem internationalen Finanzplatz, diplomatischen Veranstaltungen, internationalen Organisationen und dem Tourismus verbunden.

Für Privat- und Geschäftsflugzeuge bestehen eigene Abfertigungsanlagen, Vorfelder und Dienstleistungsunternehmen. Während grosser internationaler Konferenzen oder der Wintersportsaison kann die Zahl der Geschäftsflugzeuge stark ansteigen.

Fracht

Der Flughafen verfügt über ein eigenes Frachtzentrum. Es dient dem Import und Export hochwertiger, zeitkritischer und temperaturempfindlicher Güter.

Zu den bedeutenden Warengruppen gehören:

  • Uhren und Schmuck;
  • pharmazeutische Produkte;
  • medizinische Erzeugnisse;
  • elektronische Geräte;
  • Ersatzteile;
  • verderbliche Waren;
  • diplomatische und internationale Sendungen.

Im Jahr 2025 wurden einschliesslich Post 96'047 Tonnen Fracht abgefertigt. Das reine Luftfrachtaufkommen betrug 94'337 Tonnen und erreichte damit den zweithöchsten Wert in der Geschichte des Flughafens.[8]

Französischer Sektor

Eine Besonderheit des Flughafens ist der französische Sektor, französisch Secteur France. Er ermöglicht die Abfertigung bestimmter Flüge nach Frankreich sowie einen landseitigen Zugang von Frankreich aus, ohne dass Reisende zunächst regulär in die Schweiz einreisen müssen.

Die rechtliche Grundlage bildet ein am 25. April 1956 zwischen der Schweiz und Frankreich geschlossenes Abkommen über den Ausbau des Flughafens Genf-Cointrin und die Einrichtung nebeneinanderliegender Grenzkontrollstellen.[1]

Von Frankreich aus ist der Sektor über eine besondere Zollstrasse bei Ferney-Voltaire erreichbar. Diese Strasse verbindet das französische Strassennetz direkt mit dem Flughafenterminal.

Der französische Sektor enthält:

  • eigene Check-in-Schalter;
  • Sicherheitskontrollen;
  • Zoll- und Grenzkontrollen;
  • Mietwagenstationen;
  • Parkplätze;
  • Zugänge zu den Abflugbereichen.

Direkte Flüge zu französischen Zielen werden im französischen Sektor abgefertigt. Der interne Übergang zwischen dem internationalen und dem französischen Sektor ist aus Sicherheits- und Zollgründen grundsätzlich Reisenden mit einem gültigen Flugticket vorbehalten.[9]

Der französische Sektor bedeutet nicht, dass ein Teil des Flughafens französisches Staatsgebiet wäre. Der gesamte Flughafen liegt in der Schweiz.

Fluggesellschaften und Streckennetz

Das Streckennetz des Flughafens ist stark auf europäische Direktverbindungen ausgerichtet. Daneben bestehen interkontinentale Flüge nach Nordamerika, Afrika, Asien und in den Nahen Osten.

Im Jahr 2025 wurden 147 Ziele von 57 Fluggesellschaften bedient. Der Anteil des Verkehrs zu Zielen ausserhalb Europas lag bei 14,3 Prozent.[10]

Die grösste Fluggesellschaft am Flughafen ist EasyJet Switzerland. Ihr Anteil am Passagierverkehr betrug 2025 rund 46 Prozent. Danach folgten Swiss International Air Lines mit 12,4 Prozent und British Airways mit 4,4 Prozent.

Weitere bedeutende Gesellschaften sind unter anderem:

  • Air France;
  • KLM;
  • Iberia;
  • TAP Air Portugal;
  • Brussels Airlines;
  • Turkish Airlines;
  • Emirates;
  • Lufthansa.

Die am stärksten nachgefragten Städtezielen gehörten 2025 London, Porto, Lissabon und Paris. Das bedeutendste aussereuropäische Ziel war Dubai.[10]

Das Angebot verändert sich saisonal. Während des Winters bestehen zusätzliche Verbindungen für den alpinen Tourismus. Im Sommer werden zahlreiche Ferienziele im Mittelmeerraum angeflogen.

Verkehrsentwicklung

Der Flughafen verzeichnete seit den 1990er-Jahren ein starkes Wachstum. Die Ansiedlung von easyJet trug wesentlich zur Ausweitung des europäischen Direktflugangebots bei.

2019 wurde mit mehr als 17,9 Millionen Passagieren ein damaliger Höchststand erreicht. Die COVID-19-Pandemie führte 2020 zu einem historischen Einbruch. Der Flughafen blieb jedoch für Fracht-, Rettungs-, Rückhol- und einzelne Linienflüge geöffnet.[11]

Bis 2024 und 2025 erholte sich das Passagieraufkommen nahezu vollständig. Gleichzeitig lag die Zahl der Flugbewegungen unter dem Stand von 2019. Gründe dafür waren grössere Flugzeuge, eine höhere Auslastung und mehr Passagiere pro Flug.

Jahr Passagiere Flugbewegungen Anmerkung
2019 17'926'625 186'043 Rekordjahr vor der COVID-19-Pandemie
2020 5'600'906 86'354 Historischer Verkehrseinbruch infolge der Pandemie
2023 16'482'712 172'842 Deutliche Erholung des Flugverkehrs
2024 17'796'328 179'106 Passagieraufkommen nahezu auf Vorkrisenniveau
2025 17'848'370 177'288 Mehr Passagiere bei weniger Flugbewegungen

Die durchschnittliche Zahl der Passagiere pro Linien- und Charterflug stieg von 124 im Jahr 2019 auf 133 im Jahr 2025. Die durchschnittliche Sitzauslastung erreichte 2025 rund 76,5 Prozent.[10]

Verkehrsanbindung

= Eisenbahn

Der Bahnhof Genève-Aéroport befindet sich unmittelbar beim Terminal und ist direkt mit dem Flughafengebäude verbunden. Er wurde im Juni 1987 eröffnet.

Zwischen Flughafen und dem Genfer Hauptbahnhof Genève-Cornavin beträgt die Fahrzeit ungefähr sieben Minuten. Während der Hauptverkehrszeiten verkehren bis zu sieben Züge pro Stunde.[12]

Direkte Züge verbinden den Flughafen unter anderem mit:

  • Lausanne;
  • Montreux;
  • Sitten;
  • Freiburg;
  • Bern;
  • Biel;
  • Neuenburg;
  • Zürich;
  • St. Gallen.

Der Bahnhof ist als Kopfbahnhof in das schweizerische Eisenbahnnetz eingebunden. Reisende aus Frankreich gelangen meist über Genève-Cornavin, mit Bussen oder über Fernbusverbindungen zum Flughafen.

Busverkehr

Mehrere Linien der Transports publics genevois verbinden den Flughafen mit der Stadt Genf und den umliegenden Gemeinden.

Grenzüberschreitende Busse und Reisebusse fahren unter anderem nach:

  • Ferney-Voltaire;
  • Annecy;
  • Chamonix;
  • Grenoble;
  • in französische Wintersportorte;
  • in verschiedene Schweizer Alpenregionen.

Während der frühen Morgenstunden bestehen besondere Mitarbeiter- und Passagierverbindungen.

Strassenverkehr

Der Flughafen besitzt einen direkten Anschluss an die Autobahn A1. Dadurch ist er aus der Genfer Innenstadt, der übrigen Westschweiz und von den schweizerisch-französischen Grenzübergängen gut erreichbar.

Vor den Terminals befinden sich Zufahrten für Taxis, Reisebusse, Mietwagen und private Fahrzeuge. Mehrere Parkhäuser und Freiluftparkplätze stehen für Kurz- und Langzeitparkierung zur Verfügung.

Der französische Sektor ist mit dem Auto ausschliesslich über die Zollstrasse bei Ferney-Voltaire erreichbar.

Fahrrad- und Fussverkehr

Der Flughafen ist in das Genfer Velowegnetz eingebunden. Für Fahrräder und Motorräder bestehen eigene Abstellmöglichkeiten.

Die dichte Bebauung, Autobahnen, Bahnlinien und Sicherheitsbereiche begrenzen jedoch die möglichen Fuss- und Veloverbindungen. Genève Aéroport und der Kanton Genf planen im Rahmen der künftigen multimodalen Verkehrsdrehscheibe verbesserte Zugänge für den öffentlichen Verkehr sowie den Fuss- und Veloverkehr.

Geschichte

Gründung

Am 11. Oktober 1919 beschloss der Grosse Rat des Kantons Genf die Errichtung eines Flugplatzes rund vier Kilometer nördlich der Stadt bei Cointrin.

1920 wurde eine Graspiste angelegt. Im selben Jahr nahm der Völkerbund seinen Sitz in Genf, wodurch die internationale Bedeutung der Stadt und der Bedarf an Flugverbindungen zunahmen.[13]

In den ersten Jahren bestand die Infrastruktur hauptsächlich aus einfachen Hangars und einer Grasfläche. Flüge konnten vorwiegend bei Tageslicht und günstiger Witterung durchgeführt werden.

Ausbau in der Zwischenkriegszeit

1930 landete das Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin in Cointrin. Rund 30'000 Menschen kamen zum Flughafen, um das Luftschiff zu sehen.

1932 eröffnete die französische Gesellschaft Air Union eine direkte Verbindung zwischen Genf und Paris. Die Strecke wurde zunächst dreimal pro Woche bedient.

1937 erhielt der Flughafen seine erste betonierte und beleuchtete Start- und Landebahn. Dadurch wurde ein zuverlässigerer Betrieb bei schlechter Witterung und während der Dunkelheit möglich.

Während des Zweiten Weltkriegs war der internationale Luftverkehr stark eingeschränkt. Gleichzeitig wurde die Piste verlängert und die Infrastruktur für die Nachkriegszeit vorbereitet.

Entwicklung nach 1945

1947 führte Swissair mit einer viermotorigen Douglas DC-4 den ersten Flug von Genf nach New York durch. Die Verbindung erhielt wegen der Bedeutung für die Vereinten Nationen den Beinamen «UN-Shuttle».

1948 wurde der erste moderne Kontrollturm eröffnet. Der historische Turm wurde später auch als «Tintin-Turm» bekannt, weil er im Comicband Der Fall Bienlein dargestellt wurde.

Mit der Verbreitung von Strahlflugzeugen musste die Start- und Landebahn weiter verlängert werden. Die Nähe der französischen Grenze machte dafür eine internationale Vereinbarung und einen Gebietsaustausch erforderlich.

Das schweizerisch-französische Abkommen von 1956 schuf die Grundlage für den Ausbau der Piste und die Einrichtung des französischen Sektors.

Neues Terminal und Grossraumflugzeuge

In den 1960er-Jahren entstanden neue Flugsteigsatelliten und ein wesentlich grösseres Abfertigungsgebäude. Das 1968 eröffnete Terminal war für ungefähr fünf Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Im selben Jahr überschritt der Flughafen erstmals die Marke von zwei Millionen Passagieren.

1970 landete erstmals eine Boeing 747 in Genf. Die lange Piste erlaubte den Betrieb der neuen Generation von Grossraumflugzeugen.

In den folgenden Jahrzehnten wurden Vorfelder, Gepäckanlagen, Parkhäuser, Frachtgebäude und Passagierbereiche schrittweise erweitert.

Diplomatische Treffen

Der Flughafen war mehrfach Schauplatz bedeutender diplomatischer Ankünfte. Im Juli 1955 trafen die Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs zur Genfer Gipfelkonferenz ein.

Im November 1985 landeten der amerikanische Präsident Ronald Reagan und der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow für ihr Gipfeltreffen in Genf. Das Treffen gilt als wichtiger Schritt zur Entspannung in der Schlussphase des Kalten Kriegs.

Bahnanschluss und Wachstum

1987 wurde der Flughafenbahnhof eröffnet. Der direkte Bahnanschluss verbesserte die Erreichbarkeit aus der gesamten Schweiz erheblich.

Nach dem Abbau zahlreicher Swissair-Verbindungen in Genf gewann der Punkt-zu-Punkt-Verkehr an Bedeutung. 1999 richtete easyJet eine Basis am Flughafen ein und baute das europäische Streckennetz stark aus.

2007 überschritt der Flughafen erstmals zehn Millionen Passagiere pro Jahr. 2014 wurde die Marke von 15 Millionen Passagieren erreicht.

Ostflügel und jüngste Entwicklung

2016 begannen die Hauptbauarbeiten am neuen Ostflügel. Nach rund zehn Jahren Planung und Bau wurde das Gebäude im Dezember 2021 in Betrieb genommen.

Die COVID-19-Pandemie führte 2020 und 2021 zu einem drastischen Rückgang des Luftverkehrs. In den folgenden Jahren erholte sich das Passagieraufkommen rasch.

2025 erreichte der Flughafen mit 17'848'370 Passagieren fast wieder den Rekordwert von 2019. Gleichzeitig nahm die Zahl der Flugbewegungen ab.

Umwelt und Lärmschutz

Die Lage in einem dicht besiedelten Ballungsraum führt zu erheblichen Belastungen durch Fluglärm, Strassenverkehr, Luftschadstoffe und Treibhausgasemissionen.

Besonders betroffen sind Gemeinden in den An- und Abflugachsen, darunter Vernier, Meyrin, Bellevue, Genthod und mehrere französische Gemeinden.

Genève Aéroport setzt verschiedene Massnahmen zur Verminderung der Belastungen ein:

  • lärmabhängige Flughafenentgelte;
  • finanzielle Anreize für leisere und modernere Flugzeuge;
  • Beschränkungen verspäteter Starts nach 22 Uhr;
  • kontinuierliche Sinkflugverfahren;
  • Lärmmessstationen;
  • Schallschutzmassnahmen an Wohngebäuden;
  • Elektrifizierung von Fahrzeugen auf dem Vorfeld;
  • Ausbau von Fotovoltaik und Wärmepumpen;
  • Förderung des öffentlichen Verkehrs.

Seit Anfang 2025 gilt ein Quotensystem für verspätete Starts nach 22 Uhr. Werden die einer Fluggesellschaft zugeteilten Quoten überschritten, fallen stark ansteigende Gebühren an.[14]

2025 wurden zwischen 22 und 6 Uhr insgesamt 9'514 Flugbewegungen aller Kategorien registriert. Die Zahl der Starts nach 22 Uhr sank gegenüber den Vorjahren deutlich.[8]

Seit 2004 wurden nach Angaben des Flughafens 4'483 Wohnungen und Häuser gegen Fluglärm isoliert. Ende 2025 waren rund 45 Prozent der Fahrzeuge auf dem Vorfeld elektrisch betrieben.[10]

Für die direkt kontrollierbaren Emissionen aus Gebäuden, Anlagen und Fahrzeugen strebt Genève Aéroport bis 2037 eine ausgeglichene oder positive Klimawirkung an. Die Emissionen des eigentlichen Flugverkehrs liegen zum überwiegenden Teil ausserhalb der direkten Kontrolle des Flughafenbetreibers.

Ausbauprojekte

Unter dem Namen CAP2030 plant Genève Aéroport eine schrittweise Modernisierung des Hauptterminals und seiner landseitigen Erschliessung.

Zu den vorgesehenen Massnahmen gehören:

  • Erweiterung des Terminal 1;
  • Bau einer multimodalen Verkehrsdrehscheibe;
  • Neuordnung der Check-in-Bereiche;
  • Erneuerung der Sicherheitskontrollen;
  • Verbesserung der Fuss- und Veloverbindungen;
  • Umgestaltung der Geschäfts- und Aufenthaltsbereiche.

Das bestehende Terminal stammt in seinem Kern aus dem Jahr 1968 und ist für das heutige Passagieraufkommen zu klein.

Seit Oktober 2025 wird ausserdem der Satellit 10 erweitert. Bis 2028 soll seine Fläche mehr als verdoppelt und um fünf zusätzliche Flugsteige ergänzt werden.[15]

Ein weiteres Grossprojekt ist der Anschluss an das thermische Netz GeniLac. Wasser aus dem Genfersee soll über Wärmepumpen zur Kühlung und Heizung der Flughafengebäude verwendet werden. Dadurch soll die bisherige Heizölzentrale ausser Betrieb genommen und der direkte Kohlendioxidausstoss deutlich reduziert werden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Genève Aéroport ist ein wichtiger Arbeitgeber und Auftraggeber der Genfer Region. Beim Flughafenbetreiber selbst arbeiteten Ende 2025 rund 1'088 Personen, entsprechend 1'027 Vollzeitstellen.[10]

Zusätzlich bestehen auf dem Flughafengelände zahlreiche Arbeitsplätze bei:

  • Fluggesellschaften;
  • Bodenabfertigungsunternehmen;
  • Sicherheitsdiensten;
  • Zoll und Grenzkontrolle;
  • Skyguide;
  • Fracht- und Logistikunternehmen;
  • Gastronomie und Detailhandel;
  • Mietwagenunternehmen;
  • Wartungs- und Technikbetrieben.

Der Flughafen stärkt den Wirtschaftsstandort Genf durch direkte internationale Verbindungen. Gleichzeitig entstehen gesellschaftliche Kosten durch Lärm, Emissionen, Flächenbedarf und zusätzlichen Landverkehr. Die langfristige Flughafenpolitik ist deshalb regelmässig Gegenstand politischer Debatten im Kanton Genf und in den angrenzenden französischen Gebieten.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1919 Der Grosse Rat des Kantons Genf beschliesst die Einrichtung eines Flugplatzes bei Cointrin
1920 Eröffnung des Flugplatzes mit einer Graspiste
1930 Landung des Luftschiffs Graf Zeppelin vor rund 30'000 Zuschauenden
1932 Aufnahme einer direkten Flugverbindung zwischen Genf und Paris
1937 Bau der ersten betonierten und beleuchteten Start- und Landebahn
1947 Erster Swissair-Flug von Genf nach New York
1948 Eröffnung des ersten Kontrollturms
1956 Abschluss des schweizerisch-französischen Abkommens über den Flughafenausbau und die Grenzabfertigung
1966 Inbetriebnahme von drei Abfertigungssatelliten
1968 Eröffnung des neuen Hauptterminals und Überschreiten von zwei Millionen Passagieren
1970 Erste Landung einer Boeing 747
1985 Ankunft von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow zum Genfer Gipfeltreffen
1987 Eröffnung des Bahnhofs Genève-Aéroport
1999 EasyJet richtet eine Basis in Genf ein
2007 Der Flughafen überschreitet erstmals zehn Millionen Passagiere pro Jahr
2014 Erstmals mehr als 15 Millionen Passagiere
2016 Beginn der Hauptbauarbeiten am Ostflügel
2019 Rekord von 17'926'625 Passagieren
2020 Historischer Verkehrseinbruch infolge der COVID-19-Pandemie
14. Dezember 2021 Inbetriebnahme des Ostflügels
2024 Rückkehr auf nahezu 17,8 Millionen Passagiere
2025 17'848'370 Passagiere bei gleichzeitig sinkender Zahl der Flugbewegungen
2025 Beginn der Erweiterung des Satelliten 10
2028 Vorgesehener Abschluss der Erweiterung des Satelliten 10 und vollständige Nutzung des GeniLac-Anschlusses

Siehe auch

Literatur

  • Genève Aéroport: 100 ans Genève Aéroport. Slatkine, Genf 2020.
  • Sandro Fehr: Die Erschliessung der dritten Dimension. Entstehung und Entwicklung der zivilen Luftfahrtinfrastruktur in der Schweiz 1919–1990. Chronos, Zürich 2014.
  • Benedikt Meyer: Im Flug. Schweizer Airlines und ihre Passagiere, 1919–2002. Chronos, Zürich 2014.
  • Bundesamt für Zivilluftfahrt: Sachplan Verkehr, Teil Infrastruktur Luftfahrt – Objektblatt Flughafen Genf. Bern 2018.
  • Genève Aéroport: Annual Report 2025. Genf 2026.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Bundesamt für Zivilluftfahrt: Flughafen Genf, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Bundesamt für Zivilluftfahrt: Sachplan Verkehr, Teil Infrastruktur Luftfahrt: Objektblatt Flughafen Genf, 14. November 2018, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Genève Aéroport: Informationen über Genève Aéroport, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Genève Aéroport: Organisation, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Genève Aéroport: Genève Aéroport im Überblick, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Genève Aéroport: The East Wing takes off, Jahresbericht 2021, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Genève Aéroport: Terminal 2, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 Genève Aéroport: More passengers but fewer flights, 13. April 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Genève Aéroport: France Sector, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 Genève Aéroport: Annual Report 2025, abgerufen am 23. Juli 2026.
  11. Genève Aéroport: Air and commercial activities hindered, Jahresbericht 2020, abgerufen am 23. Juli 2026.
  12. Genève Aéroport: Train access, abgerufen am 23. Juli 2026.
  13. Genève Aéroport: Our hundred-year history, abgerufen am 23. Juli 2026.
  14. Genève Aéroport: Genève Aéroport regulations, abgerufen am 23. Juli 2026.
  15. Genève Aéroport: Major projects, abgerufen am 23. Juli 2026.