Davos

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Davos
Davos mit seinen Seitentälern und dem Davosersee
Wappen von Davos
Staat Schweiz
Kanton Graubünden
Region Prättigau/Davos
BFS-Nummer 3851
Postleitzahlen 7260, 7265, 7270, 7272, 7276, 7277, 7278, 7494
Koordinaten 46° 47′ 35″ N, 9° 49′ 17″ O
Höhe 1'560 m ü. M.
Fläche 283,99 km²
Einwohner 10'774 (31. Dezember 2024; ständige Wohnbevölkerung)[1]
Bevölkerungsdichte 38 Einwohner pro km²
Ausländeranteil 29,7 % (2024)
Landammann Philipp Wilhelm (SP)
Website gemeindedavos.ch

Davos (in der walserdeutschen Ortsmundart Tafaas oder Tafaa, rätoromanisch Tavau, historisch italienisch Tavate) ist eine politische Gemeinde in der Region Prättigau/Davos des Kantons Graubünden. Traditionell bezeichnet sich die Gemeinde auch als Landschaft Davos. Ihr Gebiet umfasst den grössten Teil des Landwassertals, die Seitentäler Flüelatal, Dischmatal und Sertigtal sowie seit 2009 das Gebiet von Davos Wiesen.

Das dicht besiedelte Zentrum besteht aus den zusammengewachsenen Ortsteilen Davos Dorf und Davos Platz. Es liegt auf rund 1'560 m ü. M. und gehört damit zu den höchstgelegenen grösseren Siedlungen der Alpen. Daneben umfasst die Gemeinde Frauenkirch, Glaris, Monstein, Wiesen, Clavadel, Wolfgang, Laret und zahlreiche Weiler, Einzelhöfe und Alpsiedlungen.

Davos entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von einer bäuerlich geprägten Walserlandschaft zu einem international bekannten Höhenkurort. Später wurde es zu einem bedeutenden Winter- und Sommersportzentrum, Kongressort und Forschungsstandort. Weltweite Bekanntheit besitzt Davos insbesondere als Austragungsort des Jahrestreffens des World Economic Forum (WEF), des Spengler Cups und als Heimat des HC Davos.

Name

Der Name Davos ist 1213 erstmals in der Form Tavaus urkundlich belegt. Spätere Schreibweisen waren unter anderem Tafas, Tafaas und Tavau. Die genaue Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt.

Eine sprachwissenschaftliche Erklärung führt den Namen auf das spätlateinische Wort tovu für «Tobel» zurück. Davos könnte demnach ursprünglich «bei den Tobelleuten» oder «bei den von Tobelschutt bedeckten Stellen» bedeutet haben. Eine andere Deutung stellt eine Verbindung zum lateinischen octavātum her, womit eine wirtschaftliche oder administrative Einheit bezeichnet worden sein könnte. Vergleichbar wäre der Name Dischma, der wahrscheinlich auf das lateinische Wort für einen Zehntel zurückgeht.[2]

Volkstümliche Erklärungen bringen den Namen mit dem deutschen Ausdruck «da hinten» oder mit den Freiherren von Vaz in Verbindung. Diese Deutungen gelten jedoch nicht als sprachwissenschaftlich gesichert.[3]

Geographie

Lage und Landschaft

Davos liegt im Osten Graubündens zwischen dem Prättigau, dem Engadin, dem Albulatal und dem Schanfigg. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 283,99 km². Davos gehört damit flächenmässig zu den grössten Gemeinden der Schweiz. Nach Angaben der Gemeinde entfallen 33,6 % der Fläche auf landwirtschaftlich genutztes Land, 23,7 % auf Wald und Gehölze, 2,4 % auf Siedlungsflächen und 40,3 % auf Gewässer sowie unproduktive Gebiete.[4]

Der zentrale Talboden verläuft vom Wolfgangpass und vom Davosersee in südwestlicher Richtung entlang des Landwassers. Zwischen Davos Dorf und Davos Platz ist das Tal breit und nur schwach geneigt. Südwestlich von Davos Platz verengt es sich zunehmend. Unterhalb von Monstein durchbricht das Landwasser in der Zügenschlucht die Gebirgszüge in Richtung Filisur und Albula.

In den Haupttalraum münden von Südosten die drei grossen Seitentäler Flüela, Dischma und Sertig. Über den Flüelapass besteht eine Strassenverbindung ins Unterengadin. Der historisch bedeutende Scalettapass verbindet das Dischmatal mit dem Oberengadin, ist heute jedoch nur zu Fuss oder mit dem Mountainbike passierbar.

Der höchste Punkt der Gemeinde ist das Flüela-Schwarzhorn mit 3'146 m ü. M. Weitere bedeutende Gipfel sind das Flüela Wisshorn, der Piz Grialetsch, das Chüealphorn, der Hoch Ducan, das Jakobshorn, das Schiahorn und die Weissfluh. Der tiefste Punkt liegt am Landwasser auf rund 1'080 m ü. M.[4]

Nachbargemeinden sind Klosters, Zernez, S-chanf, Bergün Filisur, Schmitten und Arosa.

Davosersee

Der Davosersee liegt nordöstlich von Davos Dorf auf 1'560 m ü. M. Er prägt den oberen Teil des Talraums und bildete ursprünglich den Ausgangspunkt des Landwassers. Der See wird zur Stromerzeugung genutzt und ist zugleich ein wichtiges Naherholungsgebiet. Im Sommer dienen seine Ufer dem Wandern, Baden, Segeln und Windsurfen. Im Winter kann das Gebiet je nach Eis- und Schneeverhältnissen für Freizeitaktivitäten genutzt werden.

Ortsteile

Die Landschaft Davos besteht aus sechs traditionellen Ortsteilen:

Dorf und Platz bilden den sogenannten Oberschnitt. Frauenkirch, Glaris und Monstein werden traditionell als Unterschnitt bezeichnet. Wiesen liegt jenseits der Zügenschlucht und gehört seit dem 1. Januar 2009 zur Gemeinde Davos.

Die früheren Fraktionsgemeinden verfügten über eigene öffentliche Aufgaben und teilweise über eigenes Vermögen. Nachdem sie Ende 2018 ihre kantonal geregelte Steuerhoheit verloren hatten, wurden fünf der sechs Körperschaften aufgelöst. Nur die Fraktionsgemeinde Monstein blieb als öffentlich-rechtliche Körperschaft bestehen. In Davos Dorf, Glaris und Wiesen entstanden Dorfvereine als Nachfolgeorganisationen.[5]

Klima

Aufgrund der Höhenlage besitzt Davos ein subalpines, winterkaltes Klima mit langen, schneereichen Wintern und kurzen, eher kühlen Sommern. Die mittlere Januartemperatur lag in der Periode 2015–2024 bei −4,7 °C, die mittlere Julitemperatur bei 14,0 °C. Im gleichen Zeitraum fielen durchschnittlich rund 1'064 mm Niederschlag pro Jahr.[4]

Die Höhenlage, die vergleichsweise geringe Belastung durch Luftschadstoffe und die niedrige Konzentration von Hausstaubmilben trugen zur Entwicklung von Davos als Kurort bei. Gleichzeitig ist die Gemeinde verschiedenen alpinen Naturgefahren ausgesetzt. Dazu gehören Lawinen, Hochwasser, Murgänge, Steinschlag und instabile Hänge. Schutzwälder, Lawinenverbauungen, Gefahrenkarten und der Lawinenwarndienst spielen deshalb für die Siedlungs- und Verkehrsplanung eine wichtige Rolle.

Geschichte

Frühzeit und romanische Besiedlung

Einzelfunde aus der Bronzezeit bei der Alp Drusatscha, am Davosersee und am Flüelapass zeigen, dass das Gebiet bereits in vorgeschichtlicher Zeit begangen wurde. Eine dauerhafte Siedlung aus dieser Epoche konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden.

Im Hochmittelalter wurde das Tal von rätoromanischsprachigen Bauern aus dem Albulatal und dem Engadin erschlossen. An diese frühe Besiedlung erinnern Flur- und Ortsnamen wie Clavadel, Dischma, Sertig und Flüela. Eine Urkunde von 1213 erwähnt landwirtschaftlich genutzte Flächen, deren Bewohner dem Churer Domkapitel Abgaben in Form von Schafen und Käse entrichteten.[2]

Ansiedlung der Walser

Um 1280 liess Walter V. von Vaz deutschsprachige Walser im Davoser Tal ansiedeln. Im Lehens- und Zinsbrief von 1289 wurden ihre Abgaben und militärischen Pflichten geregelt. Zugleich erhielten sie persönliche Freiheiten, eine weitgehende Selbstverwaltung und die niedere Gerichtsbarkeit unter einem eigenen Ammann.

Die Walser prägten Sprache, Siedlungsform, Landwirtschaft und politische Kultur der Landschaft dauerhaft. Typisch waren verstreut liegende Einzelhöfe, gemeinschaftlich genutzte Alpen und eine auf Viehzucht ausgerichtete Wirtschaftsweise. Von Davos aus zogen Walsergruppen später unter anderem nach Arosa, ins Schanfigg, ins Prättigau, nach Liechtenstein und nach Vorarlberg.

Nach dem Aussterben der Freiherren von Vaz gelangte die Herrschaft 1338 an die Grafen von Toggenburg. Später folgten die Herren von Montfort-Tettnang und 1466 das Haus Habsburg-Österreich. Im Jahr 1649 kaufte sich Davos von den verbliebenen österreichischen Herrschaftsrechten frei.[2]

Zehngerichtenbund und Reformation

Davos war 1436 an der Gründung des Zehngerichtenbundes beteiligt und wurde zu dessen Hauptort. Der Zehngerichtenbund gehörte zusammen mit dem Grauen Bund und dem Gotteshausbund zu den Drei Bünden, aus denen später der Kanton Graubünden hervorging.

Das politische Selbstbewusstsein der Landschaft zeigte sich im Bau des steinernen Rathauses von 1564. Dort fanden Gemeindeversammlungen, Gerichtssitzungen und Zusammenkünfte der Drei Bünde statt. Davos nahm damit über das eigene Tal hinaus eine wichtige Stellung in der bündnerischen Politik ein.

Um 1526 schloss sich Davos der Reformation an. Die reformierte Kirche St. Johann in Davos Platz blieb die Hauptkirche der Landschaft. In den folgenden Jahrhunderten entstanden oder verselbstständigten sich weitere Kirchgemeinden in Dorf, Frauenkirch, Glaris, Monstein, Sertig und Laret.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts beruhte die Wirtschaft vor allem auf Viehzucht, Milchwirtschaft, Alpwirtschaft, Säumerei und dem Handel über die Alpenpässe. Am Silberberg bei Monstein wurden Blei- und Zinkerze abgebaut. Der Bergbau endete im 19. Jahrhundert. Arosa gehörte bis 1851 als Nachbarschaft zur Landschaft Davos.

Entwicklung zum Kurort

Im 19. Jahrhundert setzte ein tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel ein. Der Arzt Luzius Rüedi eröffnete 1841 eine Einrichtung für erkrankte Kinder. Ab 1853 warb der aus Deutschland stammende Landschaftsarzt Alexander Spengler für die Behandlung von Lungenkrankheiten im Davoser Höhenklima.

Im Jahr 1862 kamen die ersten längerfristig behandelten Tuberkulosepatienten nach Davos. 1865 blieben erstmals ausländische Gäste auch während des Winters im Tal. In der Folge entstanden Sanatorien, Kurhäuser, Hotels und Pensionen. Der niederländische Unternehmer Willem Jan Holsboer gehörte zu den wichtigsten Förderern des Kurorts und der Bahnverbindung nach Davos.

Die 1890 eröffnete Strecke der Rhätischen Bahn von Landquart nach Davos erleichterte die Anreise erheblich. Davos entwickelte sich zu einem internationalen Kurort mit Gästen aus Deutschland, Grossbritannien, Russland, den Niederlanden und weiteren Ländern. Die Bevölkerung wuchs von 1'680 Personen im Jahr 1850 auf 8'089 im Jahr 1900 und mehr als 11'000 im Jahr 1930.[2]

Die Sanatorien beeinflussten auch die Architektur. Kennzeichnend wurden grosse Sonnenterrassen, Balkone, Flachdächer und nach Süden ausgerichtete Patientenzimmer. Zu den bedeutendsten Anlagen gehört das 1900 eröffnete Sanatorium Schatzalp, das oberhalb von Davos Platz liegt und durch eine Standseilbahn erschlossen wird.

Der Kurort fand Eingang in Kunst und Literatur. Thomas Mann besuchte 1912 seine Frau Katia, die sich in einem Davoser Sanatorium aufhielt. Seine Eindrücke verarbeitete er im 1924 erschienenen Roman Der Zauberberg. Der expressionistische Künstler Ernst Ludwig Kirchner lebte von 1917 bis zu seinem Tod 1938 in der Landschaft Davos und schuf dort einen bedeutenden Teil seines Spätwerks.

Wintersport und moderne Entwicklung

Schon im späten 19. Jahrhundert wurden in Davos Eislauf, Schlitteln, Skifahren und Eishockey betrieben. Der Davoser Schlitten wurde um 1900 zu einem international bekannten Sportgerät. 1921 entstand der HC Davos, 1923 wurde erstmals der internationale Spengler Cup ausgetragen.

Mit der Eröffnung der Parsennbahn 1931 und dem Bau weiterer Bergbahnen entwickelte sich Davos zu einem grossen Skisportzentrum. Am Bolgen wurde 1934 einer der ersten modernen Bügelskilifte der Welt in Betrieb genommen. Damit gehörte Davos zu den Pionierorten des mechanisch erschlossenen Skisports.

Zur Geschichte des Orts gehört auch die Präsenz einer grossen deutschen Kolonie in der Zwischenkriegszeit. 1936 erschoss der jüdische Medizinstudent David Frankfurter in Davos den Schweizer Landesgruppenleiter der NSDAP, Wilhelm Gustloff. Das Ereignis erregte internationales Aufsehen und wurde von der nationalsozialistischen Propaganda instrumentalisiert.

Mit der Entwicklung wirksamer Medikamente gegen Tuberkulose verloren die klassischen Sanatorien nach dem Zweiten Weltkrieg ihre bisherige Bedeutung. Viele Häuser wurden geschlossen oder in Hotels, Kliniken und andere Einrichtungen umgewandelt. Davos richtete seine Wirtschaft verstärkt auf Ferien-, Sport- und Kongresstourismus aus.

1969 wurde der erste Teil des Davoser Kongresszentrums eröffnet. Seit 1971 findet in Davos das zunächst als European Management Forum bezeichnete und später in World Economic Forum umbenannte internationale Jahrestreffen statt. Die Eingemeindung von Wiesen im Jahr 2009 vergrösserte das Gemeindegebiet um rund 30 km².

Bevölkerung

Davos wies Ende 2024 eine ständige Wohnbevölkerung von 10'774 Personen auf. Der Ausländeranteil betrug 29,7 %.[1] Die kommunale Einwohnerstatistik nennt für denselben Zeitpunkt insgesamt 12'771 in Davos registrierte Personen. Die Abweichung erklärt sich durch unterschiedliche statistische Definitionen und die zusätzliche Erfassung weiterer Aufenthaltskategorien durch die Gemeinde.[4]

Das starke Bevölkerungswachstum zwischen 1850 und 1930 war eng mit der Entwicklung des Kurorts verbunden. Ärzte, Pflegepersonal, Hoteliers, Handwerker und Beschäftigte aus verschiedenen europäischen Ländern liessen sich im Tal nieder. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bewegt sich die Einwohnerzahl mit Schwankungen meist zwischen rund 10'000 und 12'000 Personen.

Die einzige kommunale Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird neben Schweizer Standarddeutsch eine walserdeutsch geprägte Form des Bündnerdeutschen gesprochen. Die traditionelle Davoser Mundart weist Besonderheiten in Aussprache, Wortschatz und Grammatik auf. Aufgrund des Tourismus und der internationalen Bevölkerung sind auch Englisch, Portugiesisch, Italienisch und weitere Sprachen verbreitet.

Ende 2024 waren 26,9 % der kommunal erfassten Bevölkerung evangelisch-reformiert und 29,1 % römisch-katholisch. 44,0 % gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder waren konfessionslos.[4]

Politik und Verwaltung

Die Gemeinde Davos verfügt über eine eigene politische Tradition und verwendet für ihre Behörden historische Bezeichnungen. Grundlage ist die am 24. November 2019 angenommene Gemeindeverfassung.

Die Legislative ist der Grosse Landrat. Er besteht aus 17 Mitgliedern und wird für vier Jahre gewählt. Der Grosse Landrat behandelt unter anderem Budgets, Kredite, Gesetze, Planungsfragen und politische Vorstösse. Wichtige Beschlüsse können dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterstehen.

Die Exekutive bildet der Kleine Landrat mit fünf Mitgliedern. Den Vorsitz führt der Landammann, der funktional dem Gemeindepräsidenten entspricht. Für die Legislaturperiode 2025–2028 ist Philipp Wilhelm von der Sozialdemokratischen Partei Landammann. Die weiteren Mitglieder leiten die Departemente Hochbau, Umweltschutz und Energie; Gesellschaft, Gesundheit und Sicherheit; Bildung, Soziales und Tourismus sowie Tiefbau und öffentliche Betriebe.[6]

Der Sitz der Gemeindebehörden befindet sich in Davos Platz. Neben den gewählten Behörden besitzen Volksabstimmungen, Initiativen, Referenden und Gemeindeversammlungen beziehungsweise öffentliche Informationsveranstaltungen eine wichtige Bedeutung für die kommunale Willensbildung.

Wirtschaft

Die Davoser Wirtschaft wird vom Dienstleistungssektor geprägt. Nach kommunalen Angaben bestehen rund 7'229 Arbeitsplätze in Vollzeitäquivalenten. Davon entfallen 85,4 % auf Dienstleistungen, 12,7 % auf Gewerbe und verarbeitende Tätigkeiten sowie 1,9 % auf Landwirtschaft. Besonders bedeutend sind Beherbergung, Gesundheitswesen, Gastronomie, Baugewerbe, Verkehr, Detailhandel, Forschung und Bildung.[4]

Land- und Alpwirtschaft prägen trotz ihres geringen Anteils an der Beschäftigung weiterhin grosse Teile der Kulturlandschaft. Viehzucht, Milchwirtschaft, Forstwirtschaft und die Pflege von Alpweiden tragen zum Erhalt der offenen Landschaft und der traditionellen Streusiedlungen bei.

Zu den wirtschaftlichen Herausforderungen gehören die starke Abhängigkeit vom Tourismus, saisonale Schwankungen, der Bedarf an Fachkräften und der knappe Wohnraum. Von den 12'879 Wohnungen in Davos wurden nach kommunalen Angaben 7'592 als Zweitwohnungen genutzt. Dies entsprach einem Anteil von 58,9 %.[4] Die Gemeinde verfolgt deshalb Massnahmen zur Förderung von dauerhaft bewohntem und wirtschaftlich tragbarem Wohnraum.

Tourismus

Davos bildet zusammen mit Klosters die Feriendestination Davos Klosters. Die Gemeinde nennt 60 Hotel- und Kurbetriebe mit rund 7'100 Betten. Hinzu kommen Kollektivunterkünfte, bewirtschaftete Ferienwohnungen, private Zweitwohnungen und Campingangebote. Die Hotels und Kurbetriebe erzeugen jährlich mehr als 800'000 Logiernächte.[4]

Im Winter gehören Skifahren, Snowboarden, Langlaufen, Winterwandern, Schlitteln und Eissport zu den wichtigsten Angeboten. Die grossen Wintersportgebiete sind Parsenn, Jakobshorn, Rinerhorn und Pischa. Ergänzt werden sie durch die Schatzalp sowie das mit Klosters verbundene Gebiet Madrisa. Das Loipennetz im Tal wird sowohl für den Breitensport als auch für internationale Wettkämpfe genutzt.

Im Sommer stehen Wandern, Bergsteigen, Mountainbiken, Trailrunning, Klettern, Golf und Wassersport am Davosersee im Mittelpunkt. Die Seitentäler Sertig, Dischma und Flüela sind wichtige Ausgangspunkte für Wanderungen und hochalpine Touren. Davos Klosters verfügt über ein ausgedehntes Netz von Mountainbikewegen und Singletrails.[7]

Der Tourismus steht im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Bedeutung, Landschaftsschutz, Verkehrsbelastung, Wohnraumbedarf und den Folgen des Klimawandels. Steigende Temperaturen und veränderte Schneeverhältnisse erhöhen den Druck, das touristische Angebot stärker über das ganze Jahr zu verteilen.

Kongresse und World Economic Forum

Davos besitzt eine lange Tradition als internationaler Kongressort. Das Kongresszentrum wurde seit seiner Eröffnung 1969 mehrfach erweitert und bietet heute Räume für Veranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmenden.[8]

Besondere internationale Aufmerksamkeit erhält Davos durch das Jahrestreffen des World Economic Forum. Die erste Veranstaltung wurde 1971 von Klaus Schwab als European Management Forum durchgeführt. Seit 1987 trägt die Organisation den Namen World Economic Forum.

Am Jahrestreffen nehmen üblicherweise zwischen 2'500 und 3'000 Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, internationalen Organisationen, Kultur und Medien teil. Darunter befinden sich Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche völkerrechtlich geschützte Personen. Die Veranstaltung erfordert deshalb umfangreiche Sicherheitsmassnahmen von Gemeinde, Kanton, Bund, Polizei und Armee.[9]

Der Name «Davos» wird in internationalen Medien häufig als Kurzbezeichnung für das Jahrestreffen selbst verwendet. Das WEF bringt dem Ort bedeutende wirtschaftliche und publizistische Effekte, ist aber auch Gegenstand politischer Debatten über Globalisierung, demokratische Legitimation, Sicherheitskosten und Umweltbelastung.

Wissenschaft und Gesundheit

Die Entwicklung als Kurort schuf die Grundlage für den heutigen Forschungs- und Gesundheitsstandort. Davos beherbergt mehrere international tätige Institute.

Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF untersucht Schnee, Lawinen, Permafrost, Gebirgsökosysteme und weitere alpine Naturgefahren. Es gehört zur Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft und damit zum ETH-Bereich. Zu seinen bekanntesten Dienstleistungen zählt das nationale Lawinenbulletin.[10]

Das Physikalisch-Meteorologische Observatorium Davos betreibt das World Radiation Center. Es befasst sich mit der Messung der Sonnen- und Wärmestrahlung, der Entwicklung von Messinstrumenten sowie dem Einfluss der Strahlung auf Atmosphäre und Klima. Das Zentrum stellt internationale Referenzen für Strahlungsmessungen bereit.[11]

Das Schweizerische Institut für Allergie- und Asthmaforschung ging aus dem 1905 gegründeten Tuberkulose-Forschungsinstitut hervor. Es betreibt Grundlagen- und klinische Forschung auf den Gebieten Immunologie, Allergie und Asthma und ist mit der Universität Zürich verbunden.[12]

Weitere Schwerpunkte bestehen in der Unfallchirurgie, der Erforschung und Entwicklung medizinischer Implantate, der Sportmedizin und der Höhenmedizin. Das Spital Davos gewährleistet die regionale medizinische Grund- und Notfallversorgung.

Verkehr

Strassen

Die wichtigste Strassenverbindung führt von Landquart durch das Prättigau und über den Wolfgangpass nach Davos. Sie ist Teil der Hauptstrasse 28. Nach Süden führt die Strasse durch das Landwassertal in Richtung Tiefencastel. Der Flüelapass verbindet Davos saisonal mit Susch und dem Unterengadin. Im Winter ist der Pass in der Regel geschlossen; die Verbindung wird dann unter anderem durch den Autoverlad im Vereinatunnel ergänzt.

Eisenbahn

Davos ist seit 1890 an das Netz der Rhätischen Bahn angeschlossen. Die Strecke von Landquart führt über Klosters und den Wolfgangpass nach Davos Dorf und Davos Platz. 1909 wurde die Bahnstrecke von Davos Platz durch die Zügenschlucht nach Filisur eröffnet.[13]

Die wichtigsten Bahnhöfe sind Davos Dorf und Davos Platz. Weitere Stationen und Haltepunkte erschliessen Frauenkirch, Glaris, Monstein und Wiesen. Das Wiesener Viadukt gehört zu den markantesten Bauwerken der Strecke Davos–Filisur.

Öffentlicher Ortsverkehr und Bergbahnen

Der Verkehrsbetrieb Davos betreibt ein Busnetz zwischen den Ortsteilen, Wohngebieten, Bahnhöfen, Kliniken und Talstationen. Postautoverbindungen führen in die Seitentäler und umliegenden Regionen. Standseilbahnen, Luftseilbahnen, Gondelbahnen und Sessellifte verbinden den Talboden mit den Wintersport- und Wandergebieten.

Sport

Davos besitzt eine aussergewöhnlich lange Wintersporttradition. Der 1921 gegründete HC Davos ist mit 31 Schweizer Meistertiteln einer der erfolgreichsten Eishockeyvereine des Landes.[14] Seine Heimspiele werden im Davoser Eisstadion ausgetragen, dessen grosse Holzdachkonstruktion zu den architektonischen Wahrzeichen des Orts gehört.

Seit 1923 findet jeweils Ende Dezember der Spengler Cup statt. Das internationale Einladungsturnier gehört zu den ältesten noch ausgetragenen Eishockeyturnieren der Welt. Davos war zudem Austragungsort zahlreicher Welt- und Europameisterschaften im Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Eishockey, Skilanglauf und weiteren Wintersportarten.

Neben dem Leistungssport besitzt der Breitensport eine grosse Bedeutung. Das Angebot umfasst unter anderem Langlaufloipen, Natureisflächen, Sporthallen, Schwimmbäder, Tennisplätze, einen Golfplatz, Mountainbikestrecken und Wanderwege. Das Sport-Gymnasium Davos verbindet schulische Ausbildung mit der Förderung junger Leistungssportlerinnen und Leistungssportler.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Zu den bedeutenden Kulturinstitutionen gehört das Kirchner Museum Davos. Es bewahrt eine umfangreiche Sammlung von Werken Ernst Ludwig Kirchners aus allen Schaffensperioden. Das 1992 eröffnete Museumsgebäude wurde von den Zürcher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer entworfen und gilt als bedeutendes Beispiel zeitgenössischer Schweizer Museumsarchitektur.[15]

Weitere Museen und Kulturorte sind das Heimatmuseum in Davos Dorf, das Bergbaumuseum Graubünden im Schmelzboden bei Monstein, die Dokumentationsbibliothek Davos und das Kulturzentrum am Arkadenplatz.

Zu den bedeutenden Bauwerken und Sehenswürdigkeiten zählen:

  • die reformierte Kirche St. Johann mit ihrem markanten Turm
  • die Kirche St. Theodul in Davos Dorf mit mittelalterlichen Wandmalereien
  • das 1564 errichtete Rathaus in Davos Platz
  • die ehemalige Sanatoriumsanlage Schatzalp
  • historische Walserhäuser in den äusseren Ortsteilen und Seitentälern
  • das Wiesener Viadukt der Rhätischen Bahn
  • das Davoser Eisstadion mit seiner Holzdachkonstruktion
  • die Zügenschlucht und der historische Bahnweg nach Wiesen
  • der Davosersee und die Hochtäler Dischma, Sertig und Flüela

Das kulturelle Leben umfasst Musikfestivals, Kunstausstellungen, Theater, Literaturveranstaltungen und lokale Bräuche. Das Davos Festival widmet sich vor allem der klassischen Musik und der Förderung junger Musikerinnen und Musiker.

Wappen

Das Davoser Wappen zeigt in einem von Blau und Gold gevierten Schild ein ebenfalls in verwechselten Farben geviertes Kreuz. Es geht auf das Wappen des Zehngerichtenbundes zurück. Ein einfaches Kreuz ist erstmals 1518 belegt. Da die Farbgebung zeitweise zwischen einem goldenen Kreuz auf blauem Grund und einem blauen Kreuz auf goldenem Grund wechselte, wurde 1644 die heute gebräuchliche gevierte Form eingeführt.

Bedeutung und Wahrnehmung

Davos vereinigt unterschiedliche Funktionen, die für eine alpine Gemeinde ungewöhnlich dicht nebeneinander bestehen. Es ist Wohnort, regionales Versorgungszentrum, Tourismusdestination, Sportstätte, Forschungsplatz und internationaler Kongressort. Gleichzeitig sind die landwirtschaftlich geprägten Walsergebiete, die Seitentäler und die historischen Dorfstrukturen weiterhin wesentliche Bestandteile der Landschaft.

International wird der Ortsname besonders mit dem World Economic Forum verbunden. Innerhalb der Schweiz steht Davos ebenso für Wintersport, Eishockey, Höhenmedizin, Lawinenforschung und die Geschichte der grossen alpinen Kurorte. Diese unterschiedlichen Identitäten prägen die Entwicklung der Gemeinde und führen regelmässig zu Diskussionen über Tourismus, Verkehr, Zweitwohnungen, Landschaftsschutz und bezahlbaren Wohnraum.

Literatur

  • Martin Bundi: Zur Besiedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Graubündens im Mittelalter. Calven-Verlag, Chur 1982.
  • Jules Ferdmann: Der Aufstieg von Davos. Verlag Buchdruckerei Davos, Davos 1947.
  • Erhard Meier: Davos. Eine Kulturgeschichte. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2005.
  • Florian Hitz: Davos – Geschichte der Landschaft und ihrer Menschen. Hier und Jetzt, Baden 2019.
  • Max Valèr: Sechs Jahrhunderte Davoser Geschichte. Davos 1912.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Martin Bundi: Davos, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 2. Dezember 2016, abgerufen am 22. Juli 2026.
  3. Geschichte von Davos, Gemeinde Davos, abgerufen am 22. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 Davos in Zahlen, Gemeinde Davos, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. Fraktionsgemeinden und Dorfvereine, Gemeinde Davos, abgerufen am 22. Juli 2026.
  6. Kleiner Landrat, Gemeinde Davos, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. Mountainbike in Davos Klosters, Destination Davos Klosters, abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. Davos Congress, abgerufen am 22. Juli 2026.
  9. Grundlagen und Wissenswertes zum WEF, Gemeinde Davos, abgerufen am 22. Juli 2026.
  10. WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, abgerufen am 22. Juli 2026.
  11. Physikalisch-Meteorologisches Observatorium Davos/World Radiation Center, abgerufen am 22. Juli 2026.
  12. Swiss Institute of Allergy and Asthma Research: About, abgerufen am 22. Juli 2026.
  13. Geschichte der Rhätischen Bahn, Rhätische Bahn, abgerufen am 22. Juli 2026.
  14. Geschichte des HC Davos, Hockey Club Davos, abgerufen am 22. Juli 2026.
  15. Architektur des Kirchner Museums Davos, abgerufen am 22. Juli 2026.