Bezirk Andelfingen

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Bezirk Andelfingen
Karte des Bezirks Andelfingen
Lage des Bezirks Andelfingen im Kanton Zürich
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Hauptort Andelfingen
BFS-Nummer 0102
Fläche 166,54 km²
Einwohner 33'185 (31. Dezember 2024)
Bevölkerungsdichte 199 Einwohner je km²
Gemeinden 20
Höhenbereich 342–695 m ü. M.
Region-ISO CH-ZH

Der Bezirk Andelfingen ist einer der zwölf Bezirke des Kantons Zürich in der Schweiz. Er liegt im Norden des Kantons und umfasst den grössten Teil des Zürcher Weinlandes. Hauptort ist die Gemeinde Andelfingen.

Der Bezirk besteht aus 20 politischen Gemeinden. Ende 2024 lebten auf einer Fläche von 166,54 Quadratkilometern 33'185 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit ist Andelfingen der bevölkerungsärmste und am dünnsten besiedelte Bezirk des Kantons Zürich. Seine Landschaft wird von landwirtschaftlich genutzten Ebenen, Rebbergen, bewaldeten Hügelzügen sowie den Flüssen Thur und Rhein geprägt.[1]

Zu den bekanntesten Landschafts- und Kulturstätten gehören der Rheinfall, das Kloster Rheinau, die Thurauen, die historischen Ortsbilder von Marthalen und Stammheim sowie der ehemalige Landvogteisitz in Andelfingen.

Geografie

Lage und Grenzen

Der Bezirk Andelfingen bildet den nördlichsten Teil des Kantons Zürich. Im Süden grenzt er an den Bezirk Winterthur, im Südwesten an den Bezirk Bülach. Im Osten schliesst der Kanton Thurgau an. Im Norden und Nordwesten grenzt der Bezirk an den Kanton Schaffhausen und stellenweise an Deutschland.

Der Rhein bildet über längere Abschnitte eine natürliche Grenze. Innerhalb des Bezirks beschreibt der Fluss bei Rheinau eine markante Doppelschleife. Im Gebiet von Laufen-Uhwiesen und Dachsen liegt der Zürcher Teil des Rheinfalls, während das gegenüberliegende Ufer zum Kanton Schaffhausen gehört.

Die Landschaft des Bezirks ist Teil des schweizerischen Mittellandes. Sie wurde während der Eiszeiten durch Gletscher, Schmelzwasserströme und Ablagerungen geformt. Breite Talebenen wechseln sich mit Moränenzügen, bewaldeten Höhen und flach geneigten Hängen ab. Im Westen erhebt sich der bewaldete Irchel, der den Bezirk gegen das Zürcher Unterland abgrenzt.

Zürcher Weinland

Der Bezirk Andelfingen wird weitgehend mit dem Zürcher Weinland gleichgesetzt. Die beiden Begriffe sind jedoch nicht vollständig deckungsgleich, da zur geografischen und wirtschaftlichen Region Zürcher Weinland auch Teile des nördlichen Bezirks Winterthur gezählt werden.

Typisch für die Region sind kompakte Dörfer mit historischen Ortskernen, offene Ackerflächen, Hochstammobstgärten und Rebberge. Die Siedlungen liegen häufig an den Rändern der Talebenen oder auf leicht erhöhten Terrassen. Einzelhöfe und kleinere Weiler ergänzen das dörfliche Siedlungsbild.

Die fruchtbaren Böden und das vergleichsweise milde, niederschlagsarme Klima begünstigen den Acker-, Obst- und Weinbau. Reben werden unter anderem in Andelfingen, Benken, Dachsen, Flaach, Laufen-Uhwiesen, Marthalen, Rheinau, Stammheim und Trüllikon angebaut.

Gewässer

Die Thur durchquert den Bezirk von Südosten nach Nordwesten. Sie tritt bei Thalheim an der Thur in das Bezirksgebiet ein, fliesst an Andelfingen und Kleinandelfingen vorbei und mündet im Gebiet der Gemeinde Flaach in den Rhein.

Über Jahrhunderte verursachte die weitgehend unregulierte Thur immer wieder Überschwemmungen und Veränderungen des Flussbetts. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde sie vielerorts begradigt und mit Dämmen gesichert. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts werden einzelne Abschnitte wieder naturnäher gestaltet.

An der Thurmündung liegt mit den Thurauen eines der bedeutendsten Auengebiete des Schweizer Mittellandes. Im Rahmen eines grossen Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts erhielt der Fluss mehr Raum. Dadurch entstanden neue Kiesbänke, Seitenarme, Feuchtgebiete und Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.[2]

Weitere bedeutende Gewässer sind der Rhein, der Husemersee bei Ossingen sowie zahlreiche kleinere Bäche und Weiher. Der Husemersee liegt in einem geschützten Moor- und Waldgebiet und ist ein beliebtes Naherholungsziel.

Gemeinden

Der Bezirk Andelfingen umfasst 20 politische Gemeinden. Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2024, die Flächenangaben auf den Gemeindestand von 2025.[3][4]

Politische Gemeinden des Bezirks Andelfingen
Gemeinde Hauptpostleitzahl Einwohner Fläche in km² Einwohner je km²
Andelfingen 8450 3'681 16,99 217
Benken 8463 883 5,66 156
Berg am Irchel 8415 589 7,01 84
Buch am Irchel 8414 1'066 10,21 104
Dachsen 8447 1'926 2,70 713
Dorf 8458 728 5,56 131
Feuerthalen 8245 3'848 2,48 1'552
Flaach 8416 1'494 10,17 147
Flurlingen 8247 1'520 2,42 628
Henggart 8444 2'343 3,03 773
Kleinandelfingen 8451 2'238 10,29 217
Laufen-Uhwiesen 8248 1'828 6,28 291
Marthalen 8460 1'990 14,13 141
Ossingen 8475 1'835 13,09 140
Rheinau 8462 1'321 8,95 148
Stammheim 8468 2'947 23,96 123
Thalheim an der Thur 8478 1'004 6,44 156
Trüllikon 8466 1'104 9,56 115
Truttikon 8467 458 4,41 104
Volken 8459 382 3,20 119
Gesamt 33'185 166,54 199

Geschichte

Frühgeschichte und Mittelalter

Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet des heutigen Bezirks bereits in der Jungsteinzeit und Bronzezeit besiedelt war. Aus der Römerzeit sind Spuren von Gutshöfen, Verkehrswegen und kleineren Siedlungen bekannt. Der Rhein bildete zeitweise einen Teil der Nordgrenze des Römischen Reiches.

Im Frühmittelalter entstanden zahlreiche Dörfer und Höfe. Ortsnamen mit Endungen wie «-ingen» und «-ikon» weisen auf alemannische Siedlungsgründungen hin. Klöster, Adelsfamilien und geistliche Grundherren besassen im Gebiet ausgedehnte Ländereien und Herrschaftsrechte.

Im Spätmittelalter gehörten grosse Teile des heutigen Bezirks zum Einflussbereich der Habsburger, der Grafen von Kyburg und verschiedener Ministerialengeschlechter. Aus Teilen des früheren habsburgischen Amts Diessenhofen entwickelte sich im 14. Jahrhundert die Herrschaft Andelfingen.

Im Jahr 1434 gelangte die Herrschaft Andelfingen von den Herren von Hohenlandenberg an die Stadt Zürich. Zürich verwaltete das Gebiet zunächst als Obervogtei. 1482 wurde Andelfingen zu einer Landvogtei erhoben. Der Landvogt vertrat die städtische Obrigkeit und übte Verwaltungs-, Gerichts- und Finanzaufgaben aus.

Der Umfang der Landvogtei entsprach nicht genau dem heutigen Bezirk. Einige Gemeinden gehörten damals zu anderen Herrschaften, Klöstern oder Vogteien. Die Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse blieben bis zum Ende des Ancien Régime vielfältig und teilweise stark zersplittert.[5]

Helvetik und moderner Bezirk

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurden die alten Landvogteien aufgehoben. Andelfingen wurde Hauptort eines helvetischen Distrikts.

Während der Mediationszeit von 1803 bis 1814 war das Gebiet der ehemaligen Landvogtei Andelfingen dem Bezirk Winterthur zugeteilt. Die Restaurationsverfassung von 1814 machte Andelfingen wieder zum Verwaltungssitz eines Oberamts. Mit der liberalen Kantonsverfassung von 1831 wurden die Oberämter in Bezirke umbenannt. Seither besteht der Bezirk Andelfingen als Verwaltungseinheit des Kantons Zürich.[6]

Der neuzeitliche Bezirk war grösser als die frühere Landvogtei. Er vereinigte Gemeinden mit unterschiedlichen historischen Herrschaftszugehörigkeiten zu einer gemeinsamen Verwaltungs- und Gerichtsregion.

Landwirtschaftlicher Wandel

Bis weit ins 19. Jahrhundert lebte der grösste Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Getreide-, Wein- und Obstbau waren weit verbreitet. In vielen Haushalten ergänzten Heimarbeit, Handwerk und Kleinhandel das Einkommen.

Die Industrialisierung erfasste den Bezirk weniger stark als die benachbarten Städte Winterthur und Schaffhausen. Einzelne Gewerbe- und Industriebetriebe entstanden vor allem entlang des Rheins und in den verkehrsgünstig gelegenen Gemeinden. Feuerthalen und Flurlingen entwickelten sich zunehmend zu Wohn- und Arbeitsorten im Umfeld von Schaffhausen.

Der Bau der Eisenbahnstrecken im 19. Jahrhundert erleichterte den Personen- und Güterverkehr. Im 20. Jahrhundert führten die Mechanisierung der Landwirtschaft, Güterzusammenlegungen und die zunehmende Mobilität zu einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging zurück, während viele Gemeinden zu Wohnorten für Pendlerinnen und Pendler wurden.

Veränderungen im Gemeindebestand

Die Zahl der politischen Gemeinden im Bezirk hat sich mehrfach verändert:

  • 1872 wurde Humlikon von Adlikon abgetrennt und zu einer eigenständigen politischen Gemeinde.
  • 1878 erhielt das frühere Dorlikon den Namen Thalheim an der Thur.
  • 1879 wurde Truttikon von Trüllikon abgetrennt.
  • 1970 wurde Grossandelfingen in Andelfingen umbenannt.
  • 2013 wechselte der Weiler Obere Hueb von Buch am Irchel zur Gemeinde Neftenbach und damit in den Bezirk Winterthur.
  • Am 1. Januar 2019 vereinigten sich Oberstammheim, Unterstammheim und Waltalingen zur neuen Gemeinde Stammheim.[7]
  • Am 1. Januar 2023 schlossen sich Andelfingen, Adlikon und Humlikon zur erweiterten Gemeinde Andelfingen zusammen.[8]

Seit der Fusion von 2023 umfasst der Bezirk 20 politische Gemeinden.

Bevölkerung und Siedlung

Der Bezirk Andelfingen zählt zu den ländlichsten Regionen des Kantons Zürich. Seine Bevölkerung stieg von 21'304 Personen im Jahr 1980 auf 33'185 Personen Ende 2024. Das Wachstum verlief langsamer als in den stark urbanisierten Bezirken rund um die Stadt Zürich.

Die grösste Gemeinde ist Feuerthalen mit rund 3'850 Einwohnerinnen und Einwohnern, gefolgt von Andelfingen. Feuerthalen bildet zusammen mit dem Ortsteil Langwiesen ein weitgehend zusammenhängendes Siedlungsgebiet gegenüber der Stadt Schaffhausen. Auch Flurlingen und Dachsen weisen wegen ihrer Nähe zu Schaffhausen und zum Rheinfall eine vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte auf.

Im mittleren Weinland übernehmen Andelfingen und Kleinandelfingen zentrale Funktionen für Versorgung, Verwaltung, Bildung und Verkehr. Henggart ist aufgrund seiner Lage an der Autobahn und an der Bahnstrecke nach Winterthur zu einer bedeutenden Wohngemeinde geworden.

Die kleinsten Gemeinden sind Volken und Truttikon. In zahlreichen Ortschaften sind historische Dorfkerne mit Fachwerkhäusern, Bauernhöfen, Brunnen und ehemaligen Trottengebäuden erhalten. Ausserhalb der Ortskerne entstanden seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem Einfamilienhausquartiere und kleinere Gewerbezonen.

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag werden vorwiegend zürichdeutsche Dialekte gesprochen. Die Nähe zu Schaffhausen und zum Thurgau hat zu fliessenden sprachlichen Übergängen zwischen den regionalen Dialekten geführt.

Politik und Verwaltung

Der Bezirk besitzt keine eigene gesetzgebende Körperschaft und ist keine politische Gemeinde. Er bildet eine dezentrale Verwaltungs-, Aufsichts- und Gerichtsregion des Kantons Zürich.

Der Bezirksrat beaufsichtigt die politischen Gemeinden, Schulgemeinden, Zweckverbände und weitere öffentlich-rechtliche Körperschaften. Er beurteilt zudem bestimmte Rekurse und Beschwerden gegen kommunale Entscheide.

Das Statthalteramt nimmt insbesondere Aufgaben in den Bereichen Polizei, Feuerwehr, Strassenwesen und Übertretungsstrafrecht wahr. Die Statthalterin oder der Statthalter steht zugleich dem Bezirksrat vor. Die Mitglieder des Bezirksrats und die Statthalterin beziehungsweise der Statthalter werden von der Stimmbevölkerung des Bezirks gewählt.[9]

Das Statthalteramt und die Bezirksratskanzlei befinden sich in Andelfingen. Dort hat auch das Bezirksgericht Andelfingen seinen Sitz. Es behandelt als erstinstanzliches kantonales Gericht Zivil- und Strafverfahren aus dem Gebiet des Bezirks.

Bei den Wahlen in den Zürcher Kantonsrat bildet Andelfingen einen eigenen Wahlkreis. Wegen seiner geringen Bevölkerungszahl verfügt der Bezirk über eine vergleichsweise kleine Zahl von Kantonsratsmandaten.

Wirtschaft

Landwirtschaft und Weinbau

Die Landwirtschaft prägt Landschaft und Wirtschaft des Bezirks bis heute. Angebaut werden vor allem Getreide, Mais, Zuckerrüben, Raps, Kartoffeln, Gemüse und Futtermittel. Hinzu kommen Viehhaltung, Obstbau und verschiedene Spezialkulturen.

Der Weinbau besitzt eine lange Tradition. Die Rebberge liegen häufig an sonnenexponierten Hängen über den Tälern von Rhein und Thur. Besonders verbreitet ist die Rebsorte Blauburgunder beziehungsweise Pinot noir. Daneben werden unter anderem Riesling-Silvaner, Chardonnay, Räuschling und weitere weisse und rote Sorten kultiviert.

Zahlreiche Weinbaubetriebe vermarkten ihre Erzeugnisse direkt. Weinkeller, Besenbeizen und regionale Veranstaltungen tragen dazu bei, den Weinbau mit Tourismus und Gastronomie zu verbinden.

Gewerbe und Dienstleistungen

Neben der Landwirtschaft bestehen zahlreiche kleine und mittlere Betriebe in den Bereichen Bau, Holzverarbeitung, Metallbau, Logistik, Lebensmittelverarbeitung, Handel und Dienstleistungen. Grössere Gewerbegebiete befinden sich vor allem bei Andelfingen, Kleinandelfingen, Henggart, Marthalen und Feuerthalen.

Andelfingen ist das wichtigste regionale Dienstleistungszentrum. Neben den Bezirksbehörden befinden sich dort Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, medizinische Angebote und verschiedene Gewerbebetriebe. Feuerthalen ist wirtschaftlich eng mit der Stadt Schaffhausen verbunden.

Ein erheblicher Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt nach Winterthur, Schaffhausen, Frauenfeld oder in den Grossraum Zürich. Gleichzeitig bestehen innerhalb des Bezirks bedeutende Pendlerströme zu den regionalen Zentren Andelfingen und Feuerthalen.

Verkehr

Die wichtigste Strassenverbindung ist die Autobahn A4, die von Winterthur über Henggart und Andelfingen nach Schaffhausen führt. Mit der Fertigstellung des Abschnitts Andelfingen–Henggart im Jahr 2000 wurde die Nationalstrassenverbindung zwischen Winterthur und Schaffhausen geschlossen.[10]

Die A4 entlastet mehrere Ortszentren vom Durchgangsverkehr, führt aber zugleich zu Belastungen durch Lärm und zusätzlichen Verkehr im Umfeld der Anschlüsse. Auf regionalen Hauptstrassen bleibt insbesondere der Schwerverkehr in engen Dorfkernen ein wichtiges verkehrspolitisches Thema.[11]

Die Bahnstrecke Winterthur–Schaffhausen erschliesst unter anderem Henggart, Andelfingen und Marthalen. Eine weitere Bahnverbindung führt von Winterthur über das Thurtal und Stammheim in Richtung Stein am Rhein. Die Gemeinden am Rheinfall sind über die Bahnlinien zwischen Zürich, Winterthur und Schaffhausen erreichbar.

Postauto- und regionale Buslinien verbinden die kleineren Gemeinden mit den Bahnhöfen und den regionalen Zentren. Der öffentliche Verkehr ist in den Zürcher Verkehrsverbund eingebunden.

Für den Freizeitverkehr bestehen zahlreiche regionale und nationale Velorouten. Besonders beliebt sind die Wege entlang von Rhein und Thur, durch das Stammertal und zu den Rebbaudörfern des Weinlandes.

Natur und Landschaftsschutz

Der Bezirk verfügt über zahlreiche ökologisch wertvolle Landschaften. Von besonderer Bedeutung sind die Thurauen bei Flaach. Das Auengebiet umfasst Kiesbänke, Altarme, Auenwälder, Feuchtwiesen und offene Wasserflächen. Es bietet Lebensraum für Biber, Eisvogel, Flussregenpfeifer, Amphibien und zahlreiche Insektenarten.

Das Naturzentrum Thurauen informiert über die Dynamik von Flussauen und die Tier- und Pflanzenwelt des Gebiets. Ein Erlebnispfad, Beobachtungsstellen und geführte Exkursionen ermöglichen Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in den Naturraum.

Weitere geschützte Gebiete befinden sich am Husemersee, am Irchel, im Niderholz und entlang des Rheins. Trockenwiesen, Rebberge, lichte Wälder, Hecken und Hochstammobstgärten bilden wichtige Lebensräume und Vernetzungselemente.

Der Schutz der Landschaft steht teilweise im Spannungsfeld mit Siedlungsentwicklung, Verkehr, Kiesabbau, Landwirtschaft und Freizeitnutzung. Regionale und kantonale Planungen sollen sicherstellen, dass bedeutende Landschaftsräume erhalten und ökologische Verbindungen verbessert werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Andelfingen und Thurbrücke

Der Hauptort Andelfingen besitzt einen gut erhaltenen historischen Ortskern. Der ehemalige Landvogteisitz entstand im späten 18. Jahrhundert an der Stelle einer älteren Burganlage. Das Gebäude und seine Umgebung erinnern an die frühere Funktion Andelfingens als Verwaltungszentrum der Zürcher Landschaft.

Ein Wahrzeichen der Region ist die gedeckte Holzbrücke über die Thur zwischen Andelfingen und Kleinandelfingen. Sie dient heute vor allem dem Langsamverkehr und bildet zusammen mit dem Flussraum ein beliebtes Ausflugsziel.

Rheinfall und Schloss Laufen

Der Rheinfall liegt an der Grenze zwischen dem Bezirk Andelfingen und dem Kanton Schaffhausen. Auf der Zürcher Seite erhebt sich das Schloss Laufen über dem Wasserfall. Aussichtsplattformen, Wege und eine Bahnstation erschliessen das international bekannte Naturdenkmal.

Der Rheinfall gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Schweiz und ist für den Tourismus im nördlichen Teil des Bezirks von grosser Bedeutung.

Rheinau

Das ehemalige Kloster Rheinau liegt auf einer Insel in einer Rheinschleife. Die barocke Klosterkirche und die weitläufige Anlage prägen das Ortsbild. Nach der Aufhebung des Klosters im 19. Jahrhundert wurden die Gebäude unter anderem als kantonale Klinik genutzt. Heute dienen Teile der Anlage kulturellen, sozialen und gewerblichen Zwecken.

Das historische Städtchen Rheinau besitzt zahlreiche geschützte Gebäude und bietet Ausblicke auf den Rhein, die Klosterinsel und die bewaldeten Ufer.

Historische Dörfer

Marthalen ist für seine geschlossenen Reihen stattlicher Fachwerkhäuser bekannt. Auch in Stammheim, Trüllikon, Rudolfingen, Benken und weiteren Gemeinden sind bedeutende ländliche Ortsbilder erhalten.

In Oberstammheim befindet sich die mittelalterliche Galluskapelle mit bedeutenden Wandmalereien. Historische Kirchen, Pfarrhäuser, Trotten, Mühlen und Bauernhäuser dokumentieren die Entwicklung der Region vom Mittelalter bis in die Neuzeit.

Tourismus und Freizeit

Der Tourismus des Bezirks konzentriert sich auf Natur, Kultur, Weinbau und Erholung. Neben dem Rheinfall zählen die Thurauen, das Kloster Rheinau und die historischen Weinbaudörfer zu den wichtigsten Zielen.

Wanderwege führen entlang von Rhein und Thur, durch die Wälder des Irchels und über die Rebberge. Velorouten verbinden die Dörfer mit Winterthur, Schaffhausen, dem Thurgau und dem deutschen Grenzgebiet.

Der Husemersee und verschiedene Badeplätze an Rhein und Thur werden im Sommer zur Erholung genutzt. Wegen der Strömung und wechselnder Wasserstände ist das Baden in den Flüssen jedoch nur an geeigneten Stellen und unter Beachtung der örtlichen Hinweise sicher.

Regionale Märkte, Weinfeste, offene Weinkeller, Dorfveranstaltungen und kulturelle Anlässe vermitteln die landwirtschaftliche und handwerkliche Tradition des Zürcher Weinlandes.

Regionale Bedeutung

Der Bezirk Andelfingen nimmt innerhalb des Kantons Zürich eine besondere Stellung ein. Er bildet einen weitgehend ländlichen Gegenpol zu den dicht besiedelten Regionen rund um Zürich und Winterthur. Zugleich liegt er zwischen mehreren wirtschaftlich bedeutenden Zentren und ist eng mit den Kantonen Schaffhausen und Thurgau sowie mit dem süddeutschen Grenzgebiet verflochten.

Die Region erfüllt wichtige Funktionen für Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion, Naherholung, Natur- und Landschaftsschutz. Ihre historischen Dörfer, Rebberge und Flusslandschaften tragen wesentlich zur landschaftlichen Vielfalt des Kantons Zürich bei.

Siehe auch

Literatur

  • Hermann Fietz: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band 1. Birkhäuser, Basel 1938.
  • Emil Stauber: Geschichte der Kirchgemeinde Andelfingen. Drei Bände, 1940–1943.
  • René Hantke u. a.: Zürcher Weinland. Zweite Auflage, Zürich 1987.
  • Der Bezirk Andelfingen zur Zeit der Reformation. In: Zürcher Taschenbuch, Band 32, Zürich 1909, S. 82–130.

Einzelnachweise

  1. Kanton Zürich: Bezirk Andelfingen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. Kanton Zürich: Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. Bundesamt für Statistik: Ständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. Bundesamt für Statistik: Geographische Kennzahlen der Schweizer Gemeinden, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. Martin Illi: Andelfingen – Herrschaft, Bezirk. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 6. Juni 2002, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. Kanton Zürich: Bezirke – Geschichte und Kennzahlen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Kanton Zürich: Zusammenschluss der Gemeinden im Stammertal, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Kanton Zürich: Gemeindefusion Andelfingen, 16. Januar 2023, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. Kanton Zürich: Statthalterämter und Bezirksratskanzleien, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. Kanton Zürich: Weinlandautostrasse A4, Abschnitt Andelfingen–Henggart, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. Kanton Zürich: Regionales Gesamtverkehrskonzept Weinland, 1. November 2023, abgerufen am 24. Juli 2026.