Thur

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Thur
Zusammenfluss von Säntisthur und Wildhauser Thur bei Unterwasser
Lage Ostschweiz, Schweiz
Kantone St. Gallen, Thurgau, Zürich
Flusssystem Rhein
Abflussweg Rhein → Nordsee
Länge rund 135 km
Einzugsgebiet rund 1'760 km²
Ursprung Zusammenfluss von Säntisthur und Wildhauser Thur bei Unterwasser
Höhe am Zusammenfluss etwa 899 m ü. M.
Höchste Quelle Säntisthur am Chalbersäntis, etwa 2'035 m ü. M.
Mündung bei Flaach in den Hochrhein
Mündungshöhe etwa 345 m ü. M.
Mittlerer Abfluss rund 47 m³/s bei Andelfingen
Bedeutende Nebenflüsse Necker, Glatt, Sitter, Murg
Grössere Orte Wattwil, Lichtensteig, Bischofszell, Weinfelden, Frauenfeld, Andelfingen

Die Thur ist ein rund 135 Kilometer langer Fluss in der Ostschweiz und ein linker Nebenfluss des Rheins. Sie durchquert die Kantone St. Gallen, Thurgau und Zürich. Ihr Einzugsgebiet umfasst zudem Teile der Kantone Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. Von der Quelle der Säntisthur bis zur Mündung in den Hochrhein überwindet das Gewässer einen Höhenunterschied von rund 1'690 Metern.

Die Thur gehört zu den bedeutendsten Flüssen der Nordostschweiz. Sie prägt das Toggenburg, das nach ihr benannte Thurtal sowie weite Teile des Kantons Thurgau. Da ihr Einzugsgebiet keinen grossen See umfasst, der die Wassermenge ausgleichen könnte, reagiert die Thur vergleichsweise rasch auf starke Niederschläge und Schneeschmelze. Ihr Abfluss kann deshalb innerhalb kurzer Zeit erheblich ansteigen.

Name

Der Name der Thur gehört zu den ältesten überlieferten Gewässernamen der Schweiz. Das Historische Lexikon der Schweiz erwähnt einen Beleg aus dem Jahr 610 im Zusammenhang mit dem lateinischen Ausdruck pagus Turensis, der ein Gebiet an der Thur bezeichnete.[1] Als unmittelbarer Flussname erscheint Dura im Jahr 886; im Mittelalter sind unter anderem die Formen Turia, Thûr und Tûr belegt.

Sprachwissenschaftlich wird der Name als alteuropäischer Gewässername gedeutet. Er geht wahrscheinlich auf eine indogermanische Wortwurzel mit der Bedeutung «laufen» oder «eilen» zurück.[2]

Auch der Name Thurgau leitet sich von der Thur ab. Er bezeichnete ursprünglich einen Gau beziehungsweise eine Landschaft im Gebiet des Flusses. Der Flussname ist somit wesentlich älter als der heutige Kanton Thurgau.

Geografie

Quellgebiet

Die Thur entsteht bei Unterwasser in der politischen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann durch den Zusammenfluss der Säntisthur und der Wildhauser Thur. Als hydrologischer Hauptquellfluss gilt die Säntisthur.

Die Säntisthur entspringt im Alpstein an den südlichen Hängen des Säntis. Ihr höchstes Quellgebiet liegt am Chalbersäntis auf über 2'000 Metern über Meer. Der Gebirgsbach fliesst durch ein steiles, von Felsen und Alpweiden geprägtes Tal in Richtung Unterwasser. Kurz vor dem Zusammenfluss bildet er die Thurfälle, zwei markante Wasserfälle, die zu den bekannten Natursehenswürdigkeiten des Toggenburgs gehören.

Die Wildhauser Thur entspringt im Gebiet des Munzenriets bei Wildhaus. Sie fliesst zunächst durch ein Moor- und Wiesengebiet und danach westwärts durch das Tal. Bei Unterwasser vereinigt sie sich auf ungefähr 899 Metern über Meer mit der Säntisthur.

Oberlauf im Toggenburg

Nach dem Zusammenfluss durchquert die Thur zunächst das obere Toggenburg. Sie fliesst an Alt St. Johann, Starkenbach und Nesslau vorbei. Mehrere Engstellen, Geländestufen und Schluchten bestimmen den Verlauf des Oberlaufs. Zwischen den engeren Abschnitten öffnen sich breite Talkammern, in denen sich Siedlungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen entwickelt haben.

Unterhalb von Nesslau erreicht die Thur Krummenau, Ebnat-Kappel und Wattwil. In diesem Abschnitt nimmt das Gefälle allmählich ab. Bei Wattwil öffnet sich das Tal, bevor der Fluss durch das Gebiet von Lichtensteig und Bütschwil-Ganterschwil weiterfliesst.

Bei Lütisburg mündet von rechts der Necker in die Thur. Der Necker entwässert Teile des Neckertals und gehört zu den wichtigsten Zuflüssen im Kanton St. Gallen. Unterhalb der Einmündung verlässt die Thur das eigentliche Toggenburg.

Mittellauf

Im Gebiet zwischen Lütisburg und Wil beschreibt die Thur eine grosse Flussschleife. Anschliessend wendet sie sich nach Osten. Sie durchquert oder berührt die Gemeindegebiete von Kirchberg, Jonschwil, Uzwil, Oberbüren und Niederbüren.

Bei Oberbüren mündet die Glatt in die Thur. Kurz zuvor nimmt die Glatt ihrerseits die Uze auf. Über diese Zuflüsse gelangt Wasser aus einem grossen Teil des Fürstenlands und aus dem Raum Uzwil in die Thur.

Nach dem Übergang in den Kanton Thurgau erreicht der Fluss Bischofszell. Dort mündet von rechts die Sitter ein, der wasserreichste Nebenfluss der Thur. Die Sitter entwässert grosse Teile des Appenzellerlands und nimmt unter anderem die Urnäsch auf. Nach der Sittermündung ändert die Thur ihre Fliessrichtung deutlich und wendet sich nach Westen.[1]

Unterlauf im Thurgau

Unterhalb von Bischofszell fliesst die Thur durch ein breites Tal, das intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Sie passiert unter anderem Kradolf-Schönenberg, Bürglen, Weinfelden, Müllheim und das Gebiet nördlich von Frauenfeld.

Der Flusslauf ist in diesem Abschnitt über weite Strecken von Hochwasserschutzdämmen begleitet. Zwischen den Dämmen befinden sich Waldflächen, Kiesbänke, Seitenarme und landwirtschaftlich genutzte Gebiete. An verschiedenen Stellen wurden frühere harte Uferverbauungen entfernt oder ökologisch aufgewertet.

Bei Warth-Weiningen mündet die Murg von links in die Thur. Die Murg entspringt im südlichen Hinterthurgau und durchquert unter anderem Münchwilen und Frauenfeld.

Zürcher Abschnitt und Mündung

Vor Andelfingen erreicht die Thur den Kanton Zürich. Sie fliesst durch das Zürcher Weinland und passiert unter anderem Altikon, Thalheim an der Thur, Andelfingen, Kleinandelfingen und Flaach.

Im Mündungsgebiet weitet sich der Flussraum deutlich aus. Bei Flaach mündet die Thur auf ungefähr 345 Metern über Meer in den Hochrhein. Das Gebiet um die Mündung wird als Thurspitz bezeichnet. Es gehört zu den ökologisch wertvollsten Flusslandschaften des Schweizer Mittellands.

Einzugsgebiet und Nebenflüsse

Das Einzugsgebiet der Thur umfasst rund 1'760 Quadratkilometer. Es reicht vom Alpstein und dem Toggenburg über Teile des Appenzellerlands bis in den Kanton Thurgau und das Zürcher Weinland. Über den Rhein und die Nordsee gehört die Thur zum Einzugsgebiet des Atlantischen Ozeans.

Zu den bedeutendsten Zuflüssen gehören:

  • die Luteren im Obertoggenburg,
  • der Necker bei Lütisburg,
  • die Glatt bei Oberbüren,
  • die Sitter bei Bischofszell,
  • die Murg bei Warth-Weiningen.

Von diesen Nebenflüssen besitzt die Sitter das grösste Einzugsgebiet. Durch sie gehören auch grosse Teile der Kantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden zum Flusssystem der Thur.

Hydrologie

Die Wasserführung der Thur wird durch Niederschläge, die Schneeschmelze im Alpstein und die Zuflüsse aus dem Toggenburg und dem Appenzellerland bestimmt. Anders als Flüsse, deren Abfluss durch grosse Seen ausgeglichen wird, kann die Thur nach anhaltendem Regen sehr schnell anschwellen.

An der Messstation Andelfingen werden seit 1904 hydrologische Daten erhoben. Der langjährige mittlere Abfluss beträgt dort rund 47 Kubikmeter pro Sekunde. Die Messstation erfasst ein Einzugsgebiet von ungefähr 1'696 Quadratkilometern. Als historischer Höchstwert wurden rund 1'130 Kubikmeter pro Sekunde registriert.[3]

Die Abflussmenge kann damit zwischen Trockenperioden und Hochwasserereignissen um ein Vielfaches schwanken. Besonders hohe Wasserstände treten häufig nach grossflächigen Niederschlägen im Alpstein, Toggenburg und Appenzellerland auf. Im Sommer können intensive Gewitter lokale Hochwasser auslösen. Während längerer Hitze- und Trockenperioden sinkt die Wasserführung dagegen stark ab, und die Wassertemperatur kann deutlich steigen.

Zu den aussergewöhnlichen Ereignissen der jüngeren Vergangenheit gehört das Hochwasser vom Mai 1999. Bei Andelfingen erreichte die Thur damals eine Abflussspitze von ungefähr 1'130 Kubikmetern pro Sekunde.[4]

Hochwasser und Flusskorrektionen

Überschwemmungen gehören zur Geschichte des Thurtals. Vor dem Bau durchgehender Dämme veränderte der Fluss bei Hochwasser regelmässig seinen Lauf. Er bildete neue Seitenarme, verlagerte Kiesbänke und überflutete grosse Flächen. Die Auenlandschaft bot wertvolle Lebensräume, erschwerte jedoch die dauerhafte landwirtschaftliche Nutzung und gefährdete Siedlungen, Verkehrswege und Brücken.

Schwere Überschwemmungen sind unter anderem für die Jahre 1664, 1755, 1789, 1852, 1876, 1881 und 1883 überliefert. Zwischen 1874 und 1893 führten die betroffenen Thurgauer und Zürcher Gemeinden eine umfassende Thurkorrektion durch. Der Fluss wurde begradigt, befestigt und zwischen Hochwasserschutzdämme gelegt. Im Kanton St. Gallen folgte von 1907 bis 1913 eine Korrektion zwischen Ebnat-Kappel und Lichtensteig.[1]

Die Korrektionen verbesserten den Schutz der Siedlungen und machten zusätzliche Flächen für die Landwirtschaft nutzbar. Gleichzeitig gingen natürliche Seitenarme, Kiesflächen, Feuchtgebiete und Auenwälder verloren. Die eingeengte Thur grub sich stellenweise tiefer in ihr Bett ein, während die Dämme auch bei späteren Hochwassern nicht überall standhielten. Dammbrüche traten unter anderem 1910, 1965, 1977 und 1978 auf.

Im Jahr 1979 erarbeiteten die Kantone St. Gallen, Thurgau und Zürich gemeinsam das Thurrichtprojekt. Seither wird der Hochwasserschutz zunehmend mit ökologischen Zielen verbunden. Wo genügend Raum vorhanden ist, soll die Thur wieder breiter werden und eine grössere strukturelle Vielfalt entwickeln.

Der Kanton Thurgau verfolgt mit dem langfristigen Entwicklungskonzept Thur+ das Ziel, den Hochwasserschutz zu verbessern, die Dämme zu sichern und den Flussraum ökologisch aufzuwerten. Dabei werden auch Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Erholung und bestehende Infrastrukturen berücksichtigt.[5]

Natur und Ökologie

Naturnahe Abschnitte der Thur bilden ein Mosaik aus fliessendem Wasser, Kiesbänken, Flachwasserzonen, Steilufern, Seitenarmen und Auenwäldern. Solche Lebensräume verändern sich durch Hochwasser ständig. Diese Dynamik schafft offene Flächen, auf denen sich spezialisierte Pflanzen- und Tierarten ansiedeln können.

Im Flusssystem kommen unter anderem Bachforelle, Äsche, Barbe, Nase, Alet, Strömer, Schneider und Elritze vor. Die Verbauung von Ufern, Wehre, Wasserkraftanlagen und fehlende Verbindungen zu Seitengewässern beeinträchtigen jedoch die Wanderung und Fortpflanzung verschiedener Fischarten. Revitalisierungen und Fischaufstiegshilfen sollen die ökologische Durchgängigkeit verbessern.[6]

Die Kiesbänke und Steilufer bieten Lebensräume für Vögel wie den Eisvogel und den Flussuferläufer. In den Auenwäldern wachsen vor allem Weiden, Pappeln, Erlen und Eschen. Häufige Überschwemmungen und wechselnde Grundwasserstände sind für die Entwicklung dieser Wälder entscheidend.

Eine zunehmende Herausforderung bildet der Klimawandel. Höhere Wassertemperaturen und längere sommerliche Niedrigwasserperioden belasten besonders kälteliebende Fischarten. Gleichzeitig können intensive Niederschlagsereignisse das Hochwasserrisiko erhöhen. Ufergehölze, breitere Gewässerräume und besser verbundene Seitenarme können dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit des Flussökosystems zu verbessern.

Thurauen und Thurspitz

Das Mündungsgebiet der Thur ist Teil des Auengebiets Eggrank–Thurspitz von nationaler Bedeutung. Die Thurauen gelten als grösstes zusammenhängendes Auengebiet des Schweizer Mittellands.[7]

Im Rahmen des Projekts «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» wurde die Thur im Mündungsbereich wieder stärker mit ihrer Aue verbunden. Die Bauarbeiten dauerten von 2008 bis 2017. Uferbefestigungen wurden teilweise entfernt, Flussarme reaktiviert und Flächen so gestaltet, dass sie bei Hochwasser überflutet werden können.[8]

Durch die Aufweitung kann der Fluss sein Bett innerhalb eines festgelegten Raums wieder selbst verändern. Dabei entstehen neue Kiesinseln, Uferabbrüche, Tümpel und Seitengewässer. Neben dem Naturschutz dient das Projekt auch dem Hochwasserschutz und der Naherholung.

Das bei Flaach gelegene Naturzentrum Thurauen informiert über die Auenlandschaft und ihre Tier- und Pflanzenwelt. Ein Netz aus Wegen und Beobachtungsstellen ermöglicht den Besuch des Gebiets, ohne besonders empfindliche Bereiche frei zugänglich zu machen.

Nutzung des Flusses

Die Wasserkraft der Thur und ihrer Zuflüsse wurde bereits früh für Mühlen, Sägen und andere Gewerbebetriebe genutzt. Im 19. Jahrhundert entstanden besonders im Toggenburg zahlreiche Textilbetriebe. Spinnereien und Webereien siedelten sich bevorzugt in der Nähe des Flusses an, da die Wasserkraft Maschinen antreiben konnte.[1]

Heute wird die Thur an mehreren Stellen zur Energiegewinnung genutzt. Wehre und Kraftwerke beeinflussen jedoch den Geschiebetransport und die Wanderung von Fischen. Bei Sanierungen werden deshalb Restwassermengen, Fischaufstiegsmöglichkeiten und ein möglichst naturnaher Geschiebehaushalt berücksichtigt.

Das Grundwasser in den Schotterkörpern des Thurtals ist für die Trinkwasserversorgung mehrerer Gemeinden von Bedeutung. Zwischen Fluss und Grundwasser besteht ein enger Austausch. Der Schutz der Wasserqualität gehört deshalb zu den wichtigen Aufgaben der Kantone und Gemeinden.

Die fruchtbaren Böden des unteren Thurtals werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Dämme schützen grosse Acker- und Siedlungsflächen vor häufigen Überflutungen. Gleichzeitig führt die geplante Verbreiterung des Flussraums teilweise zu Interessenkonflikten zwischen Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Naturschutz, Trinkwassergewinnung und Erholung.

Brücken und Verkehrswege

Die Thur war über Jahrhunderte ein bedeutendes Verkehrshindernis. Furten und Brücken befanden sich häufig an Engstellen, an denen felsiger Untergrund einen stabilen Übergang ermöglichte. Schriftlich erwähnt werden unter anderem Brücken bei Andelfingen im Jahr 1354, bei Schwarzenbach im Jahr 1453 und bei Lütisburg im Jahr 1460.[1]

Zu den bekanntesten historischen Übergängen gehört die 1487 errichtete achtjochige Steinbrücke von Bischofszell. Sie gilt als bedeutendes Beispiel mittelalterlicher Brückenbaukunst in der Ostschweiz.

Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert entstanden mehrere grosse Bahnbrücken. Dazu gehört der 1877 eröffnete Thurviadukt Ossingen, der die Bahnstrecke zwischen Winterthur und Etzwilen über das Thurtal führt. Weitere Eisenbahnbrücken befinden sich unter anderem bei Wattwil, Schwarzenbach, Weinfelden und Andelfingen.

Heute wird die Thur von zahlreichen Strassen-, Bahn-, Fuss- und Velobrücken überquert. Auch die Autobahnen A1 und A4 queren den Fluss.

Freizeit und Tourismus

Die Thur ist ein bedeutendes Naherholungsgebiet. Wege entlang des Flusses werden zum Wandern, Velofahren, Spazieren und zur Naturbeobachtung genutzt. Kiesbänke und zugängliche Uferabschnitte sind im Sommer beliebte Aufenthaltsorte. Wegen der rasch wechselnden Wasserführung kann das Betreten von Kiesinseln und flachen Flussarmen bei steigendem Wasser gefährlich sein.

Der regionale Wanderweg Thurweg ist als SchweizMobil-Route 24 ausgeschildert. Er führt in acht Etappen über rund 160 Kilometer von Wildhaus-Gamplüt durch das Toggenburg und das Thurtal bis nach Rüdlingen am Rhein.[9]

Zu den bekannten Ausflugszielen am Fluss gehören die Thurfälle bei Unterwasser, die historischen Stadtbilder von Lichtensteig und Bischofszell, die Brücken bei Bischofszell und Andelfingen sowie die Thurauen bei Flaach.

Kulturelle und regionale Bedeutung

Die Thur verbindet sehr unterschiedliche Landschaften der Ostschweiz. Ihr Lauf beginnt im voralpinen Gebiet des Alpsteins, durchquert das enge Toggenburg und erreicht danach die offenen Landwirtschaftslandschaften des Thurgaus und des Zürcher Weinlands.

Der Fluss beeinflusste die Lage von Siedlungen, Verkehrswegen und Industrieanlagen. Gleichzeitig war er wegen seiner Hochwasser über Jahrhunderte eine Bedrohung für die Bevölkerung. Diese doppelte Rolle als Lebensgrundlage und Naturgefahr prägt die Wahrnehmung der Thur bis heute.

Besonders eng ist die Verbindung zwischen dem Fluss und dem Kanton Thurgau. Dessen Name, historische Entwicklung und Landschaftsbild sind unmittelbar mit der Thur verbunden. Der Fluss gilt daher als eines der wichtigsten geografischen und kulturellen Elemente des Kantons.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Walter Salathé (Hrsg.): Der Thur auf der Spur. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1997.
  • Meinrad Suter: Die Thur und das untere Thurtal in den Kantonen Zürich und Thurgau. Die Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zürich 2022, ISBN 978-3-033-08967-9.
  • Markus Hostmann: Befreite Wasser. Entdeckungsreisen in revitalisierte Flusslandschaften der Schweiz. Rotpunktverlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-85869-383-9.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Hans Büchler: «Thur», in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 16. März 2017, abgerufen am 22. Juli 2026.
  2. Thur, ortsnamen.ch, abgerufen am 22. Juli 2026.
  3. Bundesamt für Umwelt: Hydrometrische Messstation Thur–Andelfingen, abgerufen am 22. Juli 2026.
  4. Bundesamt für Umwelt: Hochwasser 1999 – Analyse der Messdaten und statistische Einordnung, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. Thur – Hochwasserschutz und Revitalisierung, Kanton Thurgau, abgerufen am 22. Juli 2026.
  6. Revitalisierungsplanung Fliessgewässer im Kanton St. Gallen, Kanton St. Gallen, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. Bundesamt für Umwelt: Im grössten Auengebiet des Mittellandes, in: die umwelt, Ausgabe 3/2021, abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung – Projektabschlussbericht, Kanton Zürich, August 2020, abgerufen am 22. Juli 2026.
  9. Thurweg, Route 24, SchweizMobil, abgerufen am 22. Juli 2026.