Flaach

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Flaach

Blick über Flaach

Blick über Flaach

Wappen von Flaach

Wappen

Lage von Flaach

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Bezirk

Andelfingen

BFS-Nummer

0028

Postleitzahl

8416

Koordinaten

47.57666° N, 8.609438° E

Höhe

360 m ü. M.

Fläche

10,17 km²

Einwohner

1494
(Stand: 31. Dezember 2024)

Website

www.flaach.ch

Flaach ist eine politische Gemeinde im Bezirk Andelfingen des Kantons Zürich. Sie liegt im Zürcher Weinland am Nordrand des Irchels und in der Nähe der Mündung der Thur in den Rhein. Das Gemeindegebiet umfasst das Dorf Flaach, das Oberdorf, mehrere Einzelhöfe sowie ausgedehnte Landwirtschafts-, Wald- und Naturschutzflächen.

Die Gemeinde ist stark durch ihre Lage zwischen dem Irchel, der Thur und dem Rhein geprägt. Besonders bekannt ist Flaach für die Thurauen, eine der bedeutendsten Auenlandschaften der Schweiz. Gleichzeitig besitzt der Ort einen ländlichen Charakter und gehört zu den wichtigen Landwirtschaftsgemeinden des Zürcher Weinlands.

Der schweizerdeutsche Ortsname wird ungefähr als Flòòch ausgesprochen.

Geographie

Flaach liegt im nördlichen Teil des Kantons Zürich auf einer Höhe von rund 360 Metern über Meer. Das Dorf befindet sich am Rand einer weiten Ebene, die durch Ablagerungen der Thur und des Rheins entstanden ist. Südlich des Siedlungsgebiets steigt das Gelände zum bewaldeten Irchel an.

Das Gemeindegebiet umfasst 10,17 Quadratkilometer.[1] Ein erheblicher Teil der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Daneben besitzt Flaach ausgedehnte Waldflächen, insbesondere an den Hängen des Irchels. Rund ein Drittel des Gemeindegebiets ist bewaldet.

Im Norden und Nordosten reicht das Gemeindegebiet bis in die Nähe der Thur und des Rheins. Die Thur mündet wenige Kilometer nördlich des Dorfes in den Rhein. Dieser Naturraum gehört zu den ökologisch wertvollsten Flusslandschaften des Schweizer Mittellands.

Nachbargemeinden von Flaach sind Berg am Irchel, Buch am Irchel, Volken, Marthalen und Rheinau im Kanton Zürich. Auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins liegt die Schaffhauser Gemeinde Rüdlingen.

Gemeindegliederung

Zum Siedlungsgebiet gehören das eigentliche Dorf Flaach, das Oberdorf und mehrere ausserhalb des Dorfkerns gelegene Höfe und Gebäudegruppen. Historisch wurden einzelne Gebiete schrittweise in die Gemeinde eingegliedert.

Das Oberdorf kam 1619 zu Flaach. Im Jahr 1775 wurde Schloss Schollenberg und 1788 die Ziegelhütte von der benachbarten Gemeinde Berg am Irchel abgetrennt und Flaach zugeteilt.[2]

Der historische Ortskern liegt entlang der Hauptstrassen und weist bis heute zahlreiche bäuerliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf. Neuere Wohnquartiere entstanden vor allem an den Rändern des traditionellen Dorfgebiets.

Geschichte

Frühgeschichte und archäologische Funde

Das Gebiet von Flaach war bereits in vorgeschichtlicher und frühmittelalterlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde belegen menschliche Aktivitäten in der Region lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung des Ortsnamens.

Besonders bedeutend ist ein frühmittelalterliches Gräberfeld im Gebiet Chrumben. Die Fundstelle wurde 1993 durch Luftbildarchäologie entdeckt. Bei Rettungsgrabungen im Jahr 1997 kamen 23 Körpergräber aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts zum Vorschein.

Die Männergräber enthielten unter anderem eiserne Gürtelschnallen, Taschen, Feuersteine und Feuerstähle. Waffen wurden nicht gefunden. Einige Frauengräber waren wesentlich reicher ausgestattet. Zu den Beigaben gehörten silberne Fibeln, Armringe sowie Halsketten aus Glas- und Bernsteinperlen. In einem besonders reich ausgestatteten Grab wurde zudem eine halbkugelförmige Glasschale entdeckt.[3]

Die Funde gehören zu den wichtigen Zeugnissen der Übergangszeit zwischen der Spätantike und dem frühen Mittelalter im Gebiet der heutigen Nordostschweiz.

Erste schriftliche Erwähnung

Flaach wurde 1044 erstmals unter dem Namen Flacha schriftlich erwähnt. Die betreffende Urkunde ist in einer Abschrift aus dem Jahr 1347 überliefert.[2]

Der Ortsname wird vermutlich auf eine Bezeichnung für flaches oder ebenes Gelände zurückgeführt. Diese Deutung passt zur Lage des Dorfes am Rand der ausgedehnten Schwemmebene von Thur und Rhein.

Im Mittelalter gehörten Grundbesitz und Herrschaftsrechte in Flaach verschiedenen geistlichen und weltlichen Besitzern. Dazu zählten unter anderem Klöster, Adelsfamilien und regionale Herrschaften.

Herrschaft und Gerichtsbarkeit

Im Verlauf des Mittelalters gelangten wesentliche Herrschaftsrechte an die Stadt Zürich. Flaach wurde Teil der Zürcher Landschaft und war zeitweise unterschiedlichen Verwaltungs- und Gerichtsbezirken zugeordnet.

Die örtliche Bevölkerung lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft. Neben Ackerbau und Viehzucht spielten Weinbau, Obstbau und die Nutzung der Wälder eine wichtige Rolle. Die Lage an regionalen Verkehrswegen und in der Nähe des Rheins ermöglichte zudem einen gewissen Austausch mit den umliegenden Orten.

Die häufigen Hochwasser der Thur und des Rheins beeinflussten das Leben der Bevölkerung. Flussarme veränderten ihren Verlauf, überschwemmten Felder und hinterliessen Kies-, Sand- und Schlickablagerungen. Gleichzeitig schufen die Flüsse fruchtbare Böden und ausgedehnte Weideflächen.

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Mit der Bildung des modernen Kantons Zürich erhielt Flaach im 19. Jahrhundert seine heutige Stellung als politische Gemeinde. Landwirtschaft und lokales Handwerk blieben zunächst die wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen.

Die Einwohnerzahl erreichte um die Mitte des 19. Jahrhunderts einen vorläufigen Höchststand. 1850 lebten 1087 Menschen in Flaach. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts setzte jedoch eine Abwanderung ein. Viele Einwohner verliessen das Dorf auf der Suche nach Arbeit in den wachsenden Industrieorten und Städten.

Im Jahr 1900 zählte die Gemeinde nur noch 852 Einwohner. Bis 1941 sank die Bevölkerungszahl weiter auf 716 Personen.[2]

Der Ausbau der Verkehrswege und die Veränderungen in der Landwirtschaft beeinflussten das Dorfbild. Landwirtschaftliche Betriebe wurden grösser und stärker mechanisiert, während zahlreiche kleinere Höfe verschwanden oder ihre Nutzung änderten.

Entwicklung seit dem 20. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Einwohnerzahl langsam wieder zu steigen. Verbesserte Verkehrsverbindungen ermöglichten es zunehmend, in Flaach zu wohnen und in Winterthur, Zürich oder anderen regionalen Zentren zu arbeiten.

Seit den 1980er Jahren entstanden neue Wohnquartiere. Gleichzeitig blieb das Wachstum im Vergleich zu vielen Gemeinden des Zürcher Unterlands und der Agglomeration Zürich eher zurückhaltend. Dadurch konnte Flaach einen grossen Teil seines ländlichen Charakters bewahren.

Ende 2024 zählte Flaach 1494 Einwohner.[4]

Bevölkerung

Die Bevölkerungsentwicklung von Flaach war über lange Zeit von Landwirtschaft, Abwanderung und später von der zunehmenden Bedeutung als Wohngemeinde geprägt.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1467 90 Erwachsene
1640 577
1727 797
1850 1087
1900 852
1941 716
1950 758
1980 871
2000 1164
2010 1223
2020 1427
2022 1474
2024 1494

Die Bevölkerung ist mehrheitlich deutschsprachig. Im Alltag wird hauptsächlich Zürichdeutsch gesprochen, während in Schule, Verwaltung und schriftlicher Kommunikation Schweizer Hochdeutsch verwendet wird.

Durch die Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und aus dem Ausland hat sich die Bevölkerungsstruktur seit dem späten 20. Jahrhundert zunehmend verändert. Dennoch bleibt Flaach im Vergleich zu stärker verstädterten Gemeinden eine überschaubare ländliche Wohngemeinde.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:

In Rot ein Eichenzweig mit aufrechter goldener Eichel und drei grünen Blättern, überhöht von einer goldenen Hirschstange.

Der Eichenzweig verweist auf die ausgedehnten Wälder der Gemeinde und auf die historische Bedeutung der Waldnutzung. Die Hirschstange ist ein traditionelles heraldisches Motiv und erscheint in unterschiedlichen Formen in regionalen Wappen.

Das heutige Gemeindewappen wurde im 20. Jahrhundert in seiner offiziellen Form festgelegt. Seine Gestaltung verbindet Elemente der natürlichen Umgebung mit historischen Symbolen.

Politik

Die politische Gemeinde wird durch den Gemeinderat als Exekutive geführt. Die stimmberechtigte Bevölkerung entscheidet an Gemeindeversammlungen über wichtige kommunale Geschäfte, darunter Budget, Rechnung, Bauprojekte und kommunale Erlasse.

An der Spitze des Gemeinderats steht der Gemeindepräsident. Die Verwaltung befindet sich im Gemeindehaus im Dorfzentrum.

Neben der politischen Gemeinde bestehen weitere öffentlich-rechtliche Körperschaften und interkommunale Organisationen. Aufgaben wie Schule, Feuerwehr, Abwasserentsorgung, Altersversorgung und regionale Planung werden teilweise gemeinsam mit benachbarten Gemeinden erfüllt.

Politisch weist Flaach traditionell einen hohen Stimmenanteil bürgerlicher und konservativer Parteien auf. Bei der Nationalratswahl 2023 erreichte die Schweizerische Volkspartei in der Gemeinde den grössten Wähleranteil.[5]

Wirtschaft

Flaach ist traditionell landwirtschaftlich geprägt. Die fruchtbaren Böden der Ebene ermöglichen intensiven Acker-, Gemüse-, Obst- und Futterbau. Bekannt ist die Region insbesondere für Spargeln, Beeren, Kartoffeln und weitere landwirtschaftliche Spezialitäten.

Mehrere Betriebe verkaufen ihre Erzeugnisse direkt ab Hof. Hofläden, saisonale Verkaufsstände und regionale Märkte spielen deshalb eine wichtige Rolle. Der direkte Kontakt zwischen Produzenten und Konsumenten ist ein sichtbarer Bestandteil der lokalen Landwirtschaft.

Auch der Weinbau besitzt eine lange Tradition. Die sonnigen Hänge am Irchel und in der näheren Umgebung bieten günstige Bedingungen für Reben. Der Weinbau ist heute mengenmässig weniger bedeutend als in einigen anderen Gemeinden des Zürcher Weinlands, gehört aber weiterhin zur regionalen Kulturlandschaft.

Neben der Landwirtschaft bestehen in Flaach verschiedene kleine und mittlere Unternehmen. Sie sind unter anderem im Baugewerbe, Holzbau, Detailhandel, Gastgewerbe, Transportwesen und in persönlichen Dienstleistungen tätig.

Ein Teil der Erwerbstätigen pendelt nach Winterthur, Bülach, in das Umfeld des Flughafens Zürich oder in die Agglomeration Zürich.

Verkehr

Flaach liegt abseits der grossen Eisenbahnlinien, ist jedoch über Kantonsstrassen und Postautoverbindungen gut in das regionale Verkehrsnetz eingebunden.

Postautolinien verbinden die Gemeinde mit Winterthur, Henggart, Rafz und weiteren Orten des Zürcher Weinlands. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Henggart, Rafz und Marthalen. Von dort bestehen Verbindungen nach Winterthur, Schaffhausen, Bülach und Zürich.

Die Strassenverbindung über den Rhein führt nach Rüdlingen im Kanton Schaffhausen. Die Rheinbrücke ist für den regionalen Verkehr zwischen dem Zürcher Weinland und dem südlichen Teil des Kantons Schaffhausen von Bedeutung.

Für den Langsamverkehr bestehen zahlreiche Wander- und Velowege. Besonders beliebt sind die Routen entlang der Thur, durch die Thurauen, zum Rhein und über die Hänge des Irchels.

Thurauen

Die Thurauen liegen im Bereich der letzten Kilometer der Thur vor ihrer Mündung in den Rhein. Sie bilden die grösste zusammenhängende Auenlandschaft des Schweizer Mittellands und sind ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung.[6]

Auen sind Landschaften, die regelmässig oder zeitweise von Flüssen überschwemmt werden. Sie bestehen aus Flussarmen, Kiesbänken, Feuchtgebieten, Weichholz- und Hartholzauen sowie offenen Wasserflächen. Durch die natürliche Dynamik entstehen immer wieder neue Lebensräume.

Zwischen 2008 und 2017 wurde die Thur auf ihren letzten fünf Kilometern umfassend renaturiert. Zuvor war der Fluss in diesem Abschnitt stark begradigt und durch Dämme eingeengt. Im Rahmen des Projekts «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» erhielt die Thur wieder mehr Raum.

Dämme wurden teilweise zurückversetzt, Uferbefestigungen entfernt und frühere Flussarme wieder an das Gewässersystem angeschlossen. Dadurch kann der Fluss sein Bett wieder stärker verändern und Kiesbänke, Inseln und Seitenarme bilden.

Das Gebiet umfasst knapp 400 Hektaren und bietet Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Dazu gehören Biber, Eisvogel, Pirol, verschiedene Amphibien, Libellen und spezialisierte Pflanzenarten.

Naturzentrum Thurauen

Das Naturzentrum Thurauen befindet sich ausserhalb des Dorfes in der Nähe des Rheins. Es wurde 2011 eröffnet und vermittelt Wissen über Flusslandschaften, Hochwasserschutz und die Tier- und Pflanzenwelt der Auen.

Das Zentrum wurde von der Stiftung PanEco im Auftrag des Kantons Zürich aufgebaut. Es umfasst eine Ausstellung, Schulungsräume, einen Erlebnispfad und Angebote für Schulklassen, Familien und Gruppen.

Ein Auenwald-Erlebnispfad führt durch unterschiedliche Lebensräume. Beobachtungsstellen ermöglichen Einblicke in die Landschaft, ohne besonders empfindliche Bereiche unnötig zu stören.

Das Naturzentrum ist ein wichtiges Ziel für Naturtourismus und Umweltbildung im Zürcher Weinland. Es trägt zugleich dazu bei, Besucher auf die Schutzbestimmungen des Gebiets aufmerksam zu machen.

Hochwasserschutz

Die Lage an Thur und Rhein brachte Flaach immer wieder Hochwassergefahren. In früheren Jahrhunderten überschwemmten die Flüsse regelmässig die Ebene und beschädigten Felder, Wege und Gebäude.

Ab dem 19. Jahrhundert wurden die Flüsse zunehmend korrigiert und mit Dämmen gesichert. Diese Massnahmen verbesserten den Schutz von Siedlungen und Landwirtschaftsflächen, verringerten jedoch die natürliche Dynamik der Auen.

Das moderne Hochwasserschutzkonzept verbindet technische Schutzmassnahmen mit ökologischer Aufwertung. Der Thur wurde mehr Raum gegeben, damit sich Hochwasserspitzen ausbreiten können. Gleichzeitig wurden bestehende Dämme verstärkt oder an neue Standorte verlegt.

Die Renaturierung gilt als bedeutendes Beispiel dafür, wie Hochwasserschutz und Naturschutz miteinander verbunden werden können.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft prägt das Landschaftsbild und die Identität von Flaach bis heute. Die Ebene rund um das Dorf besitzt fruchtbare Böden, die sich für Acker-, Gemüse- und Obstbau eignen.

Zu den angebauten Kulturen gehören Getreide, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps, Gemüse und Futterpflanzen. Verschiedene Höfe haben sich auf Spezialkulturen wie Spargeln, Beeren oder Kürbisse spezialisiert.

Die Tierhaltung umfasst vor allem Rinder, Milchkühe, Schweine und Geflügel. Einige Betriebe wirtschaften nach biologischen Richtlinien oder setzen auf besonders nachhaltige Produktionsformen.

Neben der eigentlichen Nahrungsmittelproduktion übernehmen die Landwirtschaftsbetriebe Aufgaben bei der Landschaftspflege. Hecken, Hochstammobstgärten, ökologische Ausgleichsflächen und extensiv bewirtschaftete Wiesen tragen zur biologischen Vielfalt bei.

Wald

Die Wälder von Flaach liegen hauptsächlich an den Hängen des Irchels und in den tieferen Bereichen nahe der Flüsse. Ein grosser Teil des Waldes befindet sich im Eigentum der Gemeinde.

Historisch lieferte der Wald Brenn- und Bauholz, Streu und Weideflächen. Die Nutzungsrechte waren für die bäuerliche Bevölkerung von grosser wirtschaftlicher Bedeutung.

Heute dient der Wald gleichzeitig der Holzproduktion, dem Schutz vor Erosion, der Erholung und dem Naturschutz. Ein dichtes Netz von Waldwegen wird von Wanderern, Spaziergängern und Velofahrern genutzt.

An den Irchelhängen wachsen vor allem Buchen, Eichen, Eschen, Ahorne und Nadelbäume. Die Zusammensetzung der Wälder wird zunehmend an den Klimawandel angepasst.

Ortsbild und Architektur

Der historische Dorfkern von Flaach ist durch grosse Bauernhäuser, Scheunen und ehemalige Handwerkerhäuser geprägt. Viele Gebäude vereinen Wohn- und Wirtschaftsräume unter einem gemeinsamen Dach.

Typisch sind Fachwerkbauten und verputzte Riegelhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Mehrere Gebäude stehen unter kommunalem oder kantonalem Schutz.

Das Dorf entwickelte sich entlang der Strassen in Richtung Berg am Irchel, Volken, Marthalen und Rüdlingen. Trotz neuer Wohnquartiere ist die historische Struktur des Ortskerns gut erkennbar.

Flaach ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz verzeichnet. Das Inventar bewertet nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch Strassenräume, Freiflächen, Gärten und die Einbettung des Dorfes in die umgebende Landschaft.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche von Flaach steht an erhöhter Lage im Dorf. Sie bildet zusammen mit dem Pfarrhaus und weiteren historischen Gebäuden ein wichtiges Ensemble.

Das heutige Kirchengebäude entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Der Neubau stand im Zusammenhang mit dem Wachstum der Kirchgemeinde und den kirchlichen Veränderungen nach der Reformation.

Die Kirche wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach renoviert und den veränderten Bedürfnissen der Gemeinde angepasst. Sie dient der reformierten Kirchgemeinde Flaachtal als Gottesdienst- und Veranstaltungsort.

Zum kirchlichen Leben gehören Gottesdienste, Konzerte, Jugendangebote, Seniorenanlässe und soziale Aktivitäten. Die Kirchgemeinde arbeitet mit umliegenden Gemeinden im Flaachtal zusammen.

Schloss Schollenberg

Schloss Schollenberg liegt südlich des Dorfes in Richtung Berg am Irchel. Die Anlage geht auf einen ehemaligen Herrensitz zurück und wurde im Verlauf ihrer Geschichte mehrfach umgebaut.

Schollenberg gehörte ursprünglich zu Berg am Irchel und wurde 1775 Flaach zugeteilt.[2] Das Schloss befindet sich in privatem Besitz und ist nicht allgemein öffentlich zugänglich.

Die Anlage und ihre Umgebung sind ein Zeugnis der regionalen Herrschafts- und Besitzgeschichte. Sie prägen die Kulturlandschaft am Übergang zwischen der Ebene von Flaach und dem Irchelhang.

Obermühle und Untermühle

Die Nutzung der Wasserkraft spielte in Flaach über Jahrhunderte eine wichtige Rolle. Mühlen verarbeiteten Getreide aus der landwirtschaftlich geprägten Umgebung und dienten teilweise auch als Sägereien oder Gewerbebetriebe.

Die Obermühle ist ein historisches Gebäudeensemble, das zeitweise als Wirtshaus genutzt wurde. Die Anlage erinnert an die frühere Verbindung von Landwirtschaft, Müllerei, Gastwirtschaft und lokalem Verkehr.

Auch die Untermühle ist ein bedeutendes Zeugnis der Gewerbegeschichte. Teile der historischen Gebäude und technischen Einrichtungen sind erhalten geblieben.

Heimatstube Flaachtal

Die Heimatstube Flaachtal dokumentiert das frühere Leben in Flaach und den umliegenden Gemeinden. Die Sammlung umfasst Haushaltsgegenstände, Werkzeuge, Möbel, Textilien, Fotografien und schriftliche Dokumente.

Die ausgestellten Objekte geben Einblick in Landwirtschaft, Handwerk, Schule, Haushalt und Vereinsleben. Besonderes Gewicht liegt auf dem Alltag der ländlichen Bevölkerung im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Die Heimatstube wird durch lokales Engagement getragen und ist in der Regel zu ausgewählten Zeiten oder im Rahmen besonderer Veranstaltungen zugänglich.

Bildung

Flaach verfügt über Einrichtungen für Kindergarten und Primarschule. Die Schule erfüllt neben dem Unterricht eine wichtige Funktion als gesellschaftlicher Treffpunkt der Gemeinde.

Für die Sekundarstufe arbeiten Flaach und weitere Gemeinden des Flaachtals regional zusammen. Weiterführende Schulen und Berufsfachschulen befinden sich hauptsächlich in Andelfingen, Bülach, Winterthur und Schaffhausen.

Die ländliche Umgebung wird regelmässig in den Unterricht einbezogen. Landwirtschaft, Wald, Gewässer und die Thurauen bieten vielfältige Möglichkeiten für Natur- und Umweltbildung.

Kultur und Vereinsleben

Das gesellschaftliche Leben wird durch zahlreiche Vereine, Kirchgemeinden und freiwillige Organisationen geprägt. Sport-, Musik-, Schützen-, Feuerwehr- und Kulturvereine bieten Freizeitaktivitäten für unterschiedliche Altersgruppen an.

Eine längere Tradition besitzt der Männerchor. Erste Hinweise auf ein organisiertes Chorwesen in Flaach stammen aus dem Jahr 1835. Bereits wenige Jahre später fanden örtliche Gesangsanlässe statt.

Die Brass Band Posaunenchor Flaach wurde 1935 als christlicher Posaunenchor gegründet. Sie orientiert sich musikalisch an der britischen Brass-Band-Tradition und nimmt an regionalen und nationalen Wettbewerben teil.

Flaach war ausserdem mehrfach Austragungsort des christlich geprägten Musikfestivals Heavenstage. Die zehnte und letzte Ausgabe fand 2018 statt.

Freizeit und Tourismus

Die Gemeinde ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Velofahrer, Naturbeobachter und Familien. Die wichtigsten Anziehungspunkte sind die Thurauen, das Naturzentrum und die Wege entlang von Rhein und Thur.

Vom Dorf führen Wanderwege zum Irchel, nach Berg am Irchel, Volken, Marthalen, Rheinau und Rüdlingen. Der Rheinübergang ermöglicht Rundwanderungen durch den Kanton Zürich und den Kanton Schaffhausen.

Auch der nahe gelegene Rhein und verschiedene Erholungsbereiche werden im Sommer besucht. In den geschützten Auen gelten jedoch besondere Regeln. Besucher müssen markierte Wege benutzen und dürfen sensible Lebensräume nicht betreten.

Landwirtschaftliche Betriebe, Hofläden und Restaurants ergänzen das touristische Angebot. Flaach ist vor allem ein Ziel für ruhigen Natur- und Tagestourismus und besitzt keine ausgeprägte touristische Infrastruktur.

Persönlichkeiten

Siehe auch

Literatur

  • Christian Bader, Renata Windler: Flaach-Chrumben: Rettungsgrabung 1997.35. Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie, Zürich/Egg 2000.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Flaach. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1938, S. 182–194.
  • Edwin Kläui: Bilder aus der Geschichte der Kirchgemeinde Flaach-Volken. In: Zürcher Taschenbuch, Band 49, Zürich 1929, S. 138–158.
  • Peter Niederhäuser: Eine neue Kirche in Ulrich Frauenfelds Weingarten: 400 Jahre Kirche Flaach. In: Zürcher Taschenbuch, Band 133, Zürich 2013, S. 53–75.

Einzelnachweise

  1. Bundesamt für Statistik: Applikation der Schweizer Gemeinden, abgerufen am 25. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Martin Illi: Flaach. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 28. Oktober 2005, abgerufen am 25. Juli 2026.
  3. Christian Bader, Renata Windler: Flaach-Chrumben: Rettungsgrabung 1997.35. Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie, Zürich/Egg 2000.
  4. Bundesamt für Statistik: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, Datenstand 31. Dezember 2024, abgerufen am 25. Juli 2026.
  5. Kanton Zürich: Nationalratswahl 2023, Gemeinde Flaach, abgerufen am 25. Juli 2026.
  6. Kanton Zürich: Auenlandschaft Thurmündung, abgerufen am 25. Juli 2026.

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