Rheinau ZH
| Rheinau mit dem ehemaligen Kloster auf der Rheininsel | |
| Kanton | Zürich |
|---|---|
| Bezirk | Andelfingen |
| BFS-Nummer | 0037 |
| Postleitzahl | 8462 |
| Koordinaten | 47.6426° N, 8.6014° E |
| Höhe | 400 m ü. M. |
| Fläche | 8,96 km² |
| Website | www.rheinau.ch |
Rheinau ist eine politische Gemeinde im Bezirk Andelfingen des Kantons Zürich. Sie liegt im nördlichen Zürcher Weinland unmittelbar am Rhein, der hier in mehreren ausgeprägten Schleifen die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland bildet. Auf einer Rheininsel befindet sich das ehemalige Kloster Rheinau, eine der bedeutendsten barocken Klosteranlagen der Schweiz.
Die Gemeinde grenzt auf drei Seiten an deutsches Gebiet. Durch ihre Lage in einer engen Rheinschlaufe ist die Ortschaft landschaftlich und historisch stark vom Fluss geprägt. Rheinau besitzt einen gut erhaltenen historischen Ortskern, ausgedehnte Landwirtschafts- und Waldflächen sowie mehrere Bauwerke von nationaler Bedeutung. Neben dem ehemaligen Benediktinerkloster prägen die reformierte Bergkirche, die katholische Klosterkirche und die frühere kantonale Klinik das Ortsbild.
Geographie
Rheinau liegt im äussersten Norden des Kantons Zürich, rund zwölf Kilometer südwestlich von Schaffhausen und ungefähr 25 Kilometer nördlich von Winterthur. Das Gemeindegebiet befindet sich in einer grossen Doppelschleife des Hochrheins. Der Fluss umschliesst den Ort auf weiten Strecken und bildet gleichzeitig die Landesgrenze zu Deutschland.
Der historische Dorfkern liegt auf einer Geländeterrasse oberhalb des Rheins. Unterhalb des Dorfes befinden sich zwei Inseln. Auf der grösseren Klosterinsel steht die ehemalige Benediktinerabtei, während die kleinere Insel weitgehend unbebaut ist. Eine Brücke verbindet die Klosterinsel mit dem schweizerischen Ufer.
Die Gemeindefläche umfasst knapp neun Quadratkilometer. Ein grosser Teil wird landwirtschaftlich genutzt oder ist bewaldet. Die Kulturlandschaft besteht aus Äckern, Wiesen, Obstgärten und Rebflächen. An den sonnigen Hängen oberhalb des Rheins wird Weinbau betrieben.
Die höchste Erhebung des Gemeindegebiets liegt im Bereich der bewaldeten Höhen südlich und westlich des Dorfes. Der tiefste Punkt befindet sich am Rhein. Das Gelände fällt teilweise steil zum Fluss hin ab und wird von kleineren Seitentälern und Geländemulden gegliedert.
Nachbargemeinden auf Schweizer Gebiet sind Marthalen im Süden und Benken im Osten. Auf deutscher Seite grenzt Rheinau an die Gemeinden Jestetten und Lottstetten im Landkreis Waldshut sowie an das Gebiet der Stadt Jestetten. Die besondere Grenzlage führt dazu, dass Verkehrswege zwischen Rheinau und anderen Teilen des Kantons teilweise nahe an deutschem Gebiet verlaufen.
Rheinlandschaft
Der Rhein ist das prägende Landschaftselement der Gemeinde. Im Bereich von Rheinau fliesst er in einer engen Schleife um den historischen Siedlungskern und die Klosterinsel. Die Flusslandschaft besitzt einen hohen ökologischen und landschaftlichen Wert.
Uferwälder, Kiesflächen, steile Böschungen und ruhige Flussabschnitte bilden Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Im Gebiet kommen unter anderem Wasservögel, Fische, Amphibien und verschiedene seltene Insektenarten vor.
Der Wasserstand und die Strömungsverhältnisse werden durch das flussabwärts gelegene Kraftwerk Rheinau beeinflusst. Trotz der energiewirtschaftlichen Nutzung hat der Rhein seinen naturnahen Charakter in mehreren Abschnitten bewahrt.
Die Rheinschleife ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänge, Wanderungen, Velotouren und Ausflüge. Von verschiedenen Aussichtspunkten oberhalb des Flusses bietet sich ein Blick auf die Klosterinsel, die deutsche Nachbarschaft und die bewaldeten Ufer.
Geschichte
Frühgeschichte und Römerzeit
Die Gegend um Rheinau war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde aus der weiteren Region weisen auf menschliche Aktivitäten während der Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit hin. Die günstige Lage am Rhein, fruchtbare Böden und natürliche Übergänge begünstigten eine frühe Nutzung des Gebiets.
Während der Römerzeit gehörte die Region zum Grenzraum des Römischen Reiches. Der Rhein bildete zeitweise einen wichtigen Verkehrs- und Verteidigungsraum. In der Umgebung bestanden Strassen, Gutshöfe und kleinere Siedlungen, die mit den römischen Zentren bei Vindonissa, Vitudurum und am Bodensee verbunden waren.
Nach dem Rückzug der römischen Verwaltung im 5. Jahrhundert liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen in der Region nieder. Aus frühmittelalterlichen Höfen und Siedlungen entwickelte sich später das Dorf Rheinau.
Gründung des Klosters
Die Geschichte der Gemeinde ist eng mit dem Kloster Rheinau verbunden. Das Benediktinerkloster wurde vor 858 auf einer Rheininsel gegründet. In einer Urkunde aus dem Jahr 858 erhob König Ludwig der Deutsche die Abtei auf Antrag des Adligen Wolvene zum Reichskloster. Das Kloster erhielt königlichen Schutz, Immunität und das Recht der freien Abtwahl.[1]
Wolvene gilt als wichtiger Förderer der frühen Abtei. Das Kloster besass schon bald Güter und Rechte auf beiden Seiten des Rheins. Es entwickelte sich zu einem religiösen, wirtschaftlichen und politischen Mittelpunkt der Region.
Mit Rheinau verbunden ist auch der heilige Fintan von Rheinau. Der aus Irland stammende Einsiedler lebte der Überlieferung zufolge ab 859 beim Kloster. Sein Kult ist seit dem 11. Jahrhundert nachweisbar. Fintan wurde neben Maria zu einem der wichtigsten Patrone der Abtei.[2]
Klosterherrschaft
Das Kloster Rheinau entwickelte sich im Mittelalter zum Zentrum einer kleinen geistlichen Herrschaft. Es verfügte über Grundbesitz, Zehntrechte, Niedergerichte und kirchliche Patronatsrechte in zahlreichen Orten des heutigen Zürcher Weinlands, des Kantons Schaffhausen und Süddeutschlands.
Die politische Stellung der Abtei war jedoch wiederholt umstritten. Vögte, benachbarte Adelsfamilien, die Habsburger, die Bischöfe von Konstanz und aufstrebende Städte versuchten, Einfluss auf das Kloster und seine Besitzungen zu gewinnen.
Im Hochmittelalter erlebte die Abtei mehrere Phasen wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Die Klosterschule, die Bibliothek und die Schreibstube trugen zur religiösen und geistigen Bedeutung Rheinaus bei. Gleichzeitig wurde die landwirtschaftliche Nutzung der klösterlichen Güter ausgebaut.
Das Dorf Rheinau entwickelte sich auf der Geländeterrasse oberhalb der Klosterinsel. Seine Bewohner standen in einem engen wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnis zur Abtei. Das Kloster prägte das gesellschaftliche Leben, die Landnutzung und die lokale Verwaltung.
Schutzbündnis mit der Eidgenossenschaft
Im 15. Jahrhundert geriet das Kloster zunehmend unter den Einfluss der Eidgenossenschaft. 1455 schloss die Abtei ein Schutzbündnis mit mehreren eidgenössischen Orten. Damit sollte sie ihre Stellung gegenüber benachbarten Herrschaften und insbesondere gegenüber den Grafen von Sulz sichern.
Die Schirmherrschaft wurde später vor allem von Zürich ausgeübt. Das Verhältnis zwischen dem katholischen Kloster und dem nach 1523 reformierten Zürich blieb jedoch kompliziert.
Während der Reformation konnte das Kloster zunächst bestehen bleiben. Abt Bonaventura von Wellenberg trat zeitweise zur neuen Lehre über, kehrte jedoch später zum katholischen Glauben zurück. Die Abtei wurde zeitweise aufgehoben beziehungsweise stark eingeschränkt, konnte sich aber unter dem Schutz der katholischen Orte wieder festigen.
Rheinau selbst blieb aufgrund der Herrschaft des Klosters mehrheitlich katholisch. Damit unterschied sich die Gemeinde von vielen umliegenden Gebieten des Zürcher Weinlands, die reformiert wurden.
Frühe Neuzeit
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die klösterliche Gemeinschaft im Rahmen der katholischen Reform erneuert. 1603 trat das Kloster der Schweizerischen Benediktinerkongregation bei. Die Ordensdisziplin, die Ausbildung der Mönche und die Verwaltung der klösterlichen Güter wurden neu geordnet.
Die Abtei entwickelte sich erneut zu einem bedeutenden geistlichen und kulturellen Zentrum. Ihre Bibliothek und ihre musikalische Tradition genossen einen guten Ruf. Mehrere Äbte förderten Wissenschaft, Kunst und Architektur.
Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Klosteranlage weitgehend durch repräsentative barocke Neubauten ersetzt. Unter Abt Gerold II. Zurlauben begann der umfassende Ausbau nach Plänen des Vorarlberger Baumeisters Franz Beer.
Die neue Klosterkirche wurde zwischen 1705 und 1710 errichtet. Weitere Konvents-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude entstanden in den folgenden Jahrzehnten. Die Anlage erhielt dadurch weitgehend ihr heutiges Erscheinungsbild.
Helvetische Republik
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Errichtung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 endete die weltliche Herrschaft des Klosters. Rheinau wurde Teil des neu geschaffenen Kantons Zürich.
Die Abtei verlor ihre Herrschaftsrechte und einen grossen Teil ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit. Während der politischen Unruhen und Kriege um 1800 wurde die Anlage zeitweise militärisch genutzt und finanziell schwer belastet.
Nach der Mediationsakte von 1803 konnte das Kloster weiterbestehen. Seine frühere politische Macht erhielt es jedoch nicht zurück. Die Aufnahme neuer Mönche wurde zeitweise eingeschränkt, und die Zukunft der Abtei blieb umstritten.
Aufhebung des Klosters
Im 19. Jahrhundert verschärften sich die Konflikte zwischen liberalen kantonalen Behörden und den Klöstern. Die Zürcher Regierung betrachtete die geistlichen Institutionen zunehmend als Überreste der alten ständischen Ordnung.
1862 beschloss der Kanton Zürich die Aufhebung des Klosters Rheinau. Die verbliebenen Mönche mussten die Abtei verlassen. Teile des Klosterschatzes, der Bibliothek und des Archivs wurden an andere Institutionen übergeben. Bedeutende Bestände gelangten unter anderem nach Zürich und Einsiedeln.
Die Klosterkirche blieb als katholisches Gotteshaus erhalten. Sie dient heute der katholischen Kirchgemeinde und ist ein wichtiges Ziel für Besucherinnen, Pilger und Kunstinteressierte.
Psychiatrische Klinik
Nach der Aufhebung des Klosters suchte der Kanton Zürich nach einer neuen Nutzung für die weitläufigen Gebäude. 1867 wurde in der ehemaligen Abtei eine kantonale Pflegeanstalt eröffnet. Daraus entwickelte sich eine psychiatrische Klinik.
Die Anstalt prägte Rheinau während mehr als eines Jahrhunderts wirtschaftlich und gesellschaftlich. Sie bot zahlreiche Arbeitsplätze und führte zu einer Erweiterung der Gebäude auf der Halbinsel und im angrenzenden Gebiet.
Die Geschichte der Klinik spiegelt zugleich die Entwicklung der Psychiatrie wider. Im Lauf des 20. Jahrhunderts veränderten sich Behandlungsmethoden, Unterbringung und rechtliche Stellung der Patientinnen und Patienten grundlegend.
Teile des Klinikbetriebs wurden später verlegt oder neu organisiert. Der Kanton entwickelte für die frei werdenden historischen Gebäude neue Nutzungen in den Bereichen Kultur, Musik, Landwirtschaft, Gastronomie und öffentliches Leben.
Gemeindeentwicklung
Rheinau blieb bis weit ins 20. Jahrhundert eine landwirtschaftlich und institutionell geprägte Gemeinde. Neben Bauernbetrieben und Handwerk gehörten das ehemalige Kloster, die Klinik und später das Kraftwerk zu den wichtigsten Arbeitgebern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Wohnbauten, doch blieb das Bevölkerungswachstum im Vergleich zu den Agglomerationsgemeinden um Zürich und Winterthur begrenzt. Die abgelegene Grenzlage und der Schutz des historischen Ortsbilds verhinderten eine grossflächige Überbauung.
Heute verbindet Rheinau die Funktionen einer Wohn-, Landwirtschafts-, Kultur- und Ausflugsgemeinde. Die historischen Anlagen, die Rheinlandschaft und die Nähe zu Deutschland bestimmen weiterhin die Entwicklung des Ortes.
Kloster Rheinau
Das ehemalige Kloster Rheinau liegt auf einer Insel im Rhein und gehört zu den bedeutendsten barocken Klosteranlagen der Schweiz. Die heutige Anlage entstand hauptsächlich im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert.
Die lang gestreckten Konventsgebäude gruppieren sich um mehrere Höfe. Sie sind durch eine Brücke mit dem Ufer verbunden. Die abgeschlossene Insellage verleiht der Anlage ein besonders eindrucksvolles Erscheinungsbild.
Klosterkirche
Die katholische Klosterkirche Mariä Himmelfahrt wurde von 1705 bis 1710 errichtet. Sie ist ein Hauptwerk des Barocks in der Nordostschweiz. Ihre Doppelturmfassade prägt die Ansicht der Klosterinsel.
Der Innenraum ist reich mit Stuck, Wand- und Deckenmalereien, Altären und geschnitztem Chorgestühl ausgestattet. Die Dekoration verbindet Architektur, Malerei und Bildhauerei zu einem einheitlichen barocken Gesamtkunstwerk.
Von besonderer Bedeutung sind die historische Orgel, das Chorgestühl und die Altarausstattung. Die Kirche wird für Gottesdienste, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Klosterbibliothek und Musik
Das Kloster besass eine umfangreiche Bibliothek mit Handschriften, Frühdrucken, theologischen Werken und wissenschaftlicher Literatur. Ein Teil der Bestände wurde nach der Aufhebung der Abtei auf verschiedene Institutionen verteilt.
Auch die Musikpflege spielte eine wichtige Rolle. Die Mönche unterhielten eine bedeutende Sammlung geistlicher Musik und führten liturgische sowie instrumentale Werke auf. Diese Tradition wird heute durch Konzerte und musikalische Projekte in der Klosteranlage weitergeführt.
Heutige Nutzung
Nach dem Ende des Klinikbetriebs wurden Teile der Anlage restauriert und neuen Nutzungen zugeführt. In den historischen Gebäuden befinden sich kulturelle Einrichtungen, Proberäume, Ateliers, Veranstaltungsräume und gastronomische Angebote.
Mit dem Projekt «Musikinsel Rheinau» wurde ein Zentrum für musikalische Proben, Kurse und Begegnungen geschaffen. Die ruhige Lage und die historischen Räume werden von Orchestern, Chören und anderen Musikensembles genutzt.
Die Klosterinsel ist teilweise öffentlich zugänglich. Einzelne Gebäudebereiche können jedoch nur im Rahmen von Führungen oder Veranstaltungen besichtigt werden.
Kirchen
Bergkirche St. Nikolaus
Die Bergkirche St. Nikolaus steht oberhalb des historischen Ortskerns. Sie diente ursprünglich als Pfarrkirche der örtlichen Bevölkerung, während die Kirche auf der Insel hauptsächlich dem Kloster vorbehalten war.
Der heutige Bau geht auf verschiedene Bauphasen zurück. Die Kirche besitzt eine weithin sichtbare Lage und bildet zusammen mit dem historischen Friedhof ein markantes Ensemble.
Nach der Reformation blieb Rheinau katholisch. Die Bergkirche und die Klosterkirche gehören deshalb zu den wenigen historischen katholischen Gotteshäusern im überwiegend reformiert geprägten Zürcher Weinland.
Reformierte Kirche
Für die reformierte Bevölkerung entstand im 20. Jahrhundert ein eigenes Gotteshaus. Die reformierte Kirchgemeinde ist Teil der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich.
Die Existenz katholischer und reformierter Kirchen verdeutlicht die konfessionelle Sonderstellung Rheinaus innerhalb des nördlichen Kantons Zürich.
Wappen
Das Wappen von Rheinau zeigt in Blau einen silbernen Lachs. Der Fisch verweist auf den Rhein und die früher bedeutende Lachsfischerei.
Lachse wanderten einst vom Meer über den Rhein bis in die Gewässer der Schweiz. Wehre, Kraftwerke, Verschmutzung und Veränderungen des Flussbetts führten im 20. Jahrhundert zum Verschwinden der natürlichen Bestände im Hochrhein.
Der Lachs ist zugleich ein altes Symbol des Orts und des Klosters. Er findet sich in historischen Siegeln und heraldischen Darstellungen.
Bevölkerung
Die Bevölkerungsentwicklung Rheinaus war lange eng mit dem Kloster, der kantonalen Klinik und der Landwirtschaft verbunden. Durch die Arbeitsplätze in den öffentlichen Institutionen lebten zeitweise zahlreiche Beschäftigte und deren Familien in der Gemeinde.
Mit der Umstrukturierung des Klinikbetriebs veränderte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung. Heute ist Rheinau eine kleine Wohn- und Pendlergemeinde. Viele Erwerbstätige arbeiten in Schaffhausen, Winterthur, im Zürcher Weinland oder im benachbarten Deutschland.
Die Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird eine Variante des Zürichdeutschen gesprochen. Aufgrund der unmittelbaren Grenzlage bestehen enge Kontakte zur deutschen Nachbarschaft.
Rheinau ist historisch überwiegend römisch-katholisch geprägt. Daneben gehören Einwohner der evangelisch-reformierten Kirche, anderer Religionsgemeinschaften und keiner Konfession an.
Politik
Die gesetzgebende Gewalt wird von der Gemeindeversammlung ausgeübt. Die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden dort über Budget, Jahresrechnung, Steuerfuss, Bauvorhaben und weitere kommunale Geschäfte.
Die ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Er leitet die Gemeindeverwaltung und vertritt die Gemeinde nach aussen.
Auf kantonaler Ebene gehört Rheinau zum Bezirk Andelfingen. Die Gemeinde arbeitet in zahlreichen Bereichen mit anderen Gemeinden des Zürcher Weinlands zusammen, darunter bei Schule, Feuerwehr, Zivilschutz, Abfallentsorgung und regionaler Planung.
Wirtschaft
Die Landwirtschaft besitzt weiterhin eine sichtbare Bedeutung. Auf dem Gemeindegebiet werden Ackerbau, Viehhaltung, Obstbau und Weinbau betrieben. Die klösterliche Landwirtschaft verfügt über eine jahrhundertealte Tradition.
Ein wichtiger Betrieb ist der auf dem ehemaligen Klostergut geführte Landwirtschaftsbetrieb. Teile der Flächen werden nach ökologischen beziehungsweise biologischen Grundsätzen bewirtschaftet.
Daneben bestehen kleinere Unternehmen in den Bereichen Handwerk, Bau, Dienstleistungen, Gastronomie und Tourismus. Die historischen Gebäude und die Rheinlandschaft ziehen zahlreiche Tagesgäste an.
Viele Einwohner pendeln zu Arbeitsplätzen ausserhalb der Gemeinde. Wichtige Arbeitszentren sind Schaffhausen, Winterthur und die Gemeinden des Zürcher Weinlands.
Kraftwerk Rheinau
Das Kraftwerk Rheinau liegt am Hochrhein unterhalb der Klosterinsel. Es wurde in den 1950er-Jahren errichtet und nutzt das Gefälle des Flusses zur Stromerzeugung.
Der Bau war politisch und gesellschaftlich umstritten. Kritiker befürchteten Eingriffe in die historische Rheinlandschaft und Auswirkungen auf die Klosterinsel. Der Widerstand gegen das Projekt gehörte zu den frühen grossen Natur- und Landschaftsschutzbewegungen der Schweiz.
Trotz Protesten wurde das Kraftwerk gebaut und 1956 in Betrieb genommen. Es veränderte den Wasserstand und die Strömung im Bereich der Rheinschleife.
Heute ist das Kraftwerk Teil der schweizerisch-deutschen Energienutzung am Hochrhein. Gleichzeitig werden Massnahmen zur Verbesserung der Fischwanderung und der ökologischen Qualität des Flusses umgesetzt.
Verkehr
Rheinau ist über regionale Strassen mit Marthalen, Benken und der deutschen Gemeinde Jestetten verbunden. Eine Strassenbrücke führt über den Rhein nach Deutschland.
Der nächstgelegene Schweizer Bahnhof befindet sich in Marthalen. Der deutsche Bahnhof Jestetten liegt geografisch ebenfalls nahe und befindet sich an der Bahnstrecke zwischen Schaffhausen und Zürich. Obwohl die Strecke teilweise über deutsches Gebiet führt, wird sie von der Schweizerischen Bundesbahn betrieben.
Buslinien verbinden Rheinau mit Marthalen, dem Bahnhof und weiteren Gemeinden des Zürcher Weinlands. Die Verbindungen sind in den Zürcher Verkehrsverbund integriert.
Für den Veloverkehr ist Rheinau durch regionale und nationale Routen erschlossen. Besonders beliebt sind Strecken entlang des Rheins und durch die Weinländer Kulturlandschaft.
Bildung
Rheinau verfügt über Angebote für Kindergarten und Primarschule. Die Schule arbeitet teilweise mit umliegenden Gemeinden zusammen.
Die Sekundarschule wird in einer regionalen Schulgemeinde geführt. Weiterführende Schulen und Berufsfachschulen befinden sich vor allem in Andelfingen, Winterthur und Schaffhausen.
Die historischen Gebäude des Klosters werden darüber hinaus für musikalische Bildung, Kurse und kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Ortsbild
Der historische Ortskern liegt auf der Anhöhe oberhalb des Rheins. Er besteht aus traditionellen Bauernhäusern, ehemaligen Verwaltungsgebäuden, Gasthäusern und kirchlichen Bauten.
Mehrere Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Die teilweise geschlossene Bebauung, enge Gassen und freie Sichtachsen zur Klosterinsel verleihen dem Ort ein charakteristisches Erscheinungsbild.
Rheinau ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet. Der Schutz betrifft nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch die räumliche Beziehung zwischen Dorf, Klosterinsel, Rhein und Kulturlandschaft.
Sehenswürdigkeiten
Klosterinsel
Die Klosterinsel mit der ehemaligen Benediktinerabtei ist die bekannteste Sehenswürdigkeit Rheinaus. Die barocke Anlage ist über eine Brücke erreichbar und bildet mit dem Rhein ein einzigartiges Landschaftsensemble.
Klosterkirche Mariä Himmelfahrt
Die Klosterkirche besitzt eine reich ausgestattete barocke Innenausstattung. Besonders sehenswert sind das Chorgestühl, die Altäre, die Deckenmalereien und die Orgel.
Bergkirche St. Nikolaus
Die Bergkirche steht erhöht über dem Dorf und bietet einen Blick über den historischen Ortskern und die Rheinschleife.
Spitzkirche
Die sogenannte Spitzkirche steht auf einem markanten Geländepunkt beim Rhein. Der kleine Sakralbau gehört zum historischen Kirchenensemble der Gemeinde und erinnert an die religiöse Bedeutung des Orts.
Historischer Ortskern
Der Dorfkern mit seinen traditionellen Häusern, Plätzen und Gassen vermittelt das Bild einer kleinen klösterlichen Herrschaftssiedlung. Mehrere Gebäude stammen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert.
Rheinbrücke
Die Brücken im Gemeindegebiet verbinden Rheinau mit der Klosterinsel und mit dem deutschen Ufer. Sie bieten besonders eindrucksvolle Ausblicke auf den Fluss und die barocken Klostergebäude.
Natur und Freizeit
Rheinau ist ein Ausgangspunkt für Wanderungen und Velotouren entlang des Hochrheins. Wege führen zur Klosterinsel, durch die Wälder, nach Marthalen, zum Rheinfall und in die deutsche Nachbarschaft.
Das Baden und Bootfahren im Rhein ist nur an geeigneten Stellen und unter Beachtung der Strömungsverhältnisse möglich. Der Fluss kann auch in ruhig wirkenden Abschnitten starke Strömungen aufweisen.
Die Uferlandschaft eignet sich zur Beobachtung von Wasservögeln und anderen Tierarten. Landwirtschaftsflächen, Waldränder und Obstgärten ergänzen die vielfältigen Lebensräume.
Aufgrund der historischen und landschaftlichen Bedeutung werden touristische Entwicklung, Naturschutz und Interessen der Bevölkerung sorgfältig aufeinander abgestimmt.
Kultur
Die ehemaligen Klostergebäude dienen als Veranstaltungsort für Konzerte, Proben, Ausstellungen und kulturelle Begegnungen. Die Musikinsel Rheinau hat sich zu einem überregional bekannten Zentrum für Musikensembles entwickelt.
Kirchliche Konzerte in der Klosterkirche nutzen die besondere Akustik und die historische Orgel. Daneben finden Dorffeste, Vereinsanlässe, Märkte und Führungen statt.
Die Geschichte des Klosters, der Psychiatrie und des Kraftwerkbaus wird in Publikationen, Ausstellungen und lokalen Vermittlungsangeboten behandelt.
Persönlichkeiten
- Fintan von Rheinau (um 803–878), irischer Einsiedler und Heiliger
- Wolvene (9. Jahrhundert), Förderer und mutmasslicher Mitgründer des Klosters
- Gerold Zurlauben (1547–1607), Abt von Rheinau
- Bonaventura von Wellenberg (1494–1555), Abt von Rheinau während der Reformationszeit
- Basilius Iten (1715–1784), Benediktiner und Abt des Klosters Rheinau
Literatur
- Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Birkhäuser, Basel 1938.
- Hans Rudolf Sennhauser: Das Kloster Rheinau und seine Baugeschichte. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern.
- Alfons Zettler: Die frühen Klosterbauten der Reichenau und Rheinau. Thorbecke, Sigmaringen.
- Gemeinde Rheinau: Rheinau – Geschichte und Gegenwart. Rheinau.
- Hans Kläui, Viktor Schobinger: Zürcher Ortsnamen. Entstehung und Bedeutung. Zürcher Kantonalbank, Zürich 1989.
Siehe auch
- Kloster Rheinau
- Bezirk Andelfingen
- Zürcher Weinland
- Rhein
- Liste der Gemeinden des Kantons Zürich
- Kraftwerk Rheinau
- Reformation in der Schweiz
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Rheinau
- Rheinau im Historischen Lexikon der Schweiz
- Kloster Rheinau im Historischen Lexikon der Schweiz
- Gemeindeporträts des Kantons Zürich
- Musikinsel Rheinau
Wikimedia Commons: Medien zu Rheinau ZH
Einzelnachweise
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Rheinau (Kloster), abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Fintan, abgerufen am 25. Juli 2026.