Bezirk Meilen

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Bezirk Meilen
Wappen des Hauptorts Meilen
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Hauptort Meilen
BFS-Nummer 0107
Fläche 84,63 km²
Einwohner 109'547 (31. Dezember 2024)
Bevölkerungsdichte 1'294 Einwohner pro km²
Gemeinden 11
Region Pfannenstiel
Region-ISO CH-ZH
Höhenbereich 401–853 m ü. M.
Lage des Bezirks Meilen im Kanton Zürich

Der Bezirk Meilen ist ein Bezirk im Südosten des Kantons Zürich. Er umfasst das rechte Ufer des Zürichsees, das umgangssprachlich als Goldküste bezeichnet wird, sowie die südwestlich ausgerichteten Hänge und Höhen des Pfannenstiels. Hauptort und Sitz der Bezirksbehörden ist die Gemeinde Meilen.

Der Bezirk gehört überwiegend zur Agglomeration Zürich. Seine Gemeinden sind durch ein weitgehend zusammenhängendes Siedlungsband am Seeufer, gehobene Wohnlagen an den Hängen des Pfannenstiels und eine enge wirtschaftliche Verflechtung mit der Stadt Zürich geprägt. Im östlichen und höher gelegenen Bezirksgebiet bestehen zugleich landwirtschaftlich genutzte Landschaften, Wälder, Weiler und naturnahe Erholungsräume.

Mit mehr als 109'000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf knapp 85 Quadratkilometern gehört Meilen zu den am dichtesten besiedelten Bezirken des Kantons. Der Bezirk umfasst elf politische Gemeinden.[1]

Geographie

Lage und Grenzen

Der Bezirk Meilen erstreckt sich in einem langen, schmalen Gebiet am nordöstlichen Ufer des Zürichsees. Im Nordwesten grenzt er an die Stadt Zürich, die zugleich den Bezirk Zürich bildet. Im Norden und Nordosten schliessen Gemeinden des Bezirks Uster an. Im Osten grenzt der Bezirk teilweise an den Bezirk Hinwil und an den Kanton St. Gallen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zürichsees liegt der Bezirk Horgen.

Das Bezirksgebiet reicht von Zollikon an der Stadtgrenze Zürichs über Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg, Meilen, Uetikon am See, Männedorf und Stäfa bis nach Hombrechtikon. Die Gemeinden Zumikon und Oetwil am See besitzen keinen direkten Zugang zum Zürichsee und liegen auf den Höhen beziehungsweise auf der östlichen Seite des Pfannenstiels.

Die Lage zwischen Zürich, dem Zürcher Oberland und dem oberen Zürichsee verleiht dem Bezirk sowohl städtische als auch ländliche Eigenschaften. Die seeseitigen Gemeinden sind besonders eng mit der Stadt Zürich verbunden, während Hombrechtikon und Oetwil am See stärkere Beziehungen zum Zürcher Oberland und zum Raum Rapperswil-Jona aufweisen.

Pfannenstiel

Der Pfannenstiel ist der bestimmende Höhenzug des Bezirks. Er verläuft annähernd parallel zum Zürichsee und trennt das rechte Seeufer vom Glattal und vom Gebiet um den Greifensee. Sein höchster Punkt liegt auf 853 Metern über Meer.

Die Südwesthänge des Pfannenstiels fallen in mehreren Geländeterrassen zum Zürichsee ab. Diese Terrassen entstanden durch die Tätigkeit eiszeitlicher Gletscher. Auf ihnen liegen zahlreiche historische Dorfkerne, jüngere Wohnquartiere, Rebberge und landwirtschaftliche Betriebe.

Die erhöhten Lagen bieten weite Ausblicke über den Zürichsee zu den Höhenzügen des Zimmerbergs, zur Albiskette und bei klarer Sicht bis zu den Alpen. Wälder, Tobel und offene Kulturlandschaften machen den Pfannenstiel zu einem bedeutenden Naherholungsgebiet für die Bevölkerung des Bezirks und der Stadt Zürich.

Zürichseeufer

Das Ufer des Zürichsees ist über weite Strecken dicht besiedelt. Historische Dorfkerne, Hafenanlagen, öffentliche Parks, Strandbäder, Bootshäfen und Villenquartiere wechseln sich ab. Eisenbahn und Seestrasse verlaufen grösstenteils parallel zum See.

Die ursprüngliche Uferlinie wurde seit dem 19. Jahrhundert durch Aufschüttungen, Hafenbauten, Bahn- und Strassenanlagen verändert. Dennoch bestehen naturnahe Uferabschnitte, Schilfbestände und Flachwasserzonen. Diese besitzen eine wichtige Funktion als Lebensraum für Fische und Wasservögel.

Die Gemeinden verfügen über öffentliche Seezugänge, Badeanlagen und Spazierwege. Der Zürichsee ist nicht nur ein prägendes Landschaftselement, sondern auch für Freizeit, Schifffahrt, Fischerei und Trinkwasserversorgung von Bedeutung.

Gewässer und Tobel

Zahlreiche Bäche entspringen am Pfannenstiel und fliessen durch tief eingeschnittene Tobel zum Zürichsee. Zu den bekanntesten gehören der Küsnachter Dorfbach, der Erlenbacher Dorfbach und der Meilemer Dorfbach.

Das Küsnachter Tobel ist ein bedeutender Natur- und Erholungsraum. Der Bach hat sich tief in die Molasseschichten des Pfannenstiels eingeschnitten und dabei Aufschlüsse geschaffen, die Einblicke in die geologische Entwicklung der Region ermöglichen.

Auch das Meilemer Tobel, das Erlenbacher Tobel und weitere kleinere Bachtäler bilden wichtige ökologische Verbindungen zwischen den Wäldern des Pfannenstiels und dem Seeufer. Hochwasserschutz, Gewässerrevitalisierung und die Sicherung naturnaher Bachläufe gehören zu den langfristigen Aufgaben der Gemeinden und des Kantons.

Im östlichen Bezirksteil liegt der Lützelsee auf dem Gebiet von Hombrechtikon. Der kleine See ist von Mooren, Riedflächen und einer landwirtschaftlich geprägten Landschaft umgeben.

Klima

Das rechte Zürichseeufer besitzt ein vergleichsweise mildes Klima. Der See wirkt temperaturausgleichend, während die südwestliche Ausrichtung der Hänge für eine gute Sonneneinstrahlung sorgt. Diese klimatischen Bedingungen begünstigten seit Jahrhunderten den Obst- und Weinbau.

Zwischen dem Seeufer und den Höhen des Pfannenstiels bestehen deutliche Temperaturunterschiede. Während am See milde Winter und warme Sommer vorherrschen, sind die höher gelegenen Gebiete kühler und niederschlagsreicher.

Gemeinden

Der Bezirk Meilen umfasst elf politische Gemeinden. Die Einwohnerzahlen entsprechen dem Stand vom 31. Dezember 2024.[2]

Politische Gemeinden des Bezirks Meilen
Wappen Gemeinde Hauptpostleitzahl Einwohner Fläche in km² Einwohner pro km²
Wappen von Erlenbach Erlenbach 8703 5'505 2,89 1'905
Wappen von Herrliberg Herrliberg 8704 6'780 8,99 754
Wappen von Hombrechtikon Hombrechtikon 8634 9'176 12,19 753
Wappen von Küsnacht Küsnacht 8700 15'168 12,36 1'227
Wappen von Männedorf Männedorf 8708 11'767 4,77 2'467
Wappen von Meilen Meilen 8706 14'848 11,94 1'244
Wappen von Oetwil am See Oetwil am See 8618 5'150 6,11 843
Wappen von Stäfa Stäfa 8712 15'152 8,59 1'764
Wappen von Uetikon am See Uetikon am See 8707 6'663 3,46 1'926
Wappen von Zollikon Zollikon 8702 13'584 7,85 1'730
Wappen von Zumikon Zumikon 8126 5'754 5,48 1'050
Bezirk Meilen 109'547 84,63 1'294

Küsnacht ist gemessen an der Einwohnerzahl die grösste Gemeinde des Bezirks, dicht gefolgt von Stäfa und Meilen. Männedorf weist aufgrund seiner kleinen Fläche die höchste Bevölkerungsdichte auf. Erlenbach ist flächenmässig die kleinste Gemeinde.

Neben den namensgebenden Hauptorten bestehen zahlreiche Ortsteile, Dörfer und Weiler. Dazu gehören unter anderem Goldbach, Itschnach, Zollikerberg, Waltikon, Feldmeilen, Obermeilen, Uerikon, Feldbach, Wetzwil und Willikon.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Das Gebiet des heutigen Bezirks gehört zu den bedeutenden Fundregionen der prähistorischen Seeufersiedlungen in der Schweiz. Bereits während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit bestanden am Zürichsee mehrere Siedlungen.

Besondere Bedeutung erlangten die Funde von Obermeilen. Im aussergewöhnlich trockenen Winter 1853/54 sank der Wasserstand des Zürichsees stark ab. Bei Arbeiten zur Landgewinnung kamen Pfähle, Keramik, Werkzeuge und weitere Siedlungsreste zum Vorschein. Die Entdeckungen trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Erforschung der sogenannten Pfahlbauten bei.[3]

Weitere prähistorische Fundstellen befinden sich unter anderem bei Erlenbach, Meilen, Stäfa und im Gebiet von Feldbach. Mehrere Seeufersiedlungen am Zürichsee gehören zum seriellen UNESCO-Welterbe der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen.

Aus der Bronze- und Eisenzeit sind Gräber, Einzelfunde und Siedlungsspuren bekannt. Während der römischen Epoche bestanden am rechten Zürichseeufer landwirtschaftliche Güter und Verkehrsverbindungen. Der See diente als natürlicher Verkehrsweg.

Mittelalter

Im frühen Mittelalter entstanden die Grundlagen der heutigen Dörfer. Klöster und kirchliche Stifte wie St. Gallen, Einsiedeln, das Grossmünster und das Fraumünster besassen Grundrechte, Höfe und Abgabenansprüche am rechten Zürichseeufer.

Daneben übten Adelsgeschlechter wie die Freiherren von Regensberg und die Ritter Mülner Herrschaftsrechte aus. Burgen und befestigte Anlagen sicherten Verkehrswege, Güter und lokale Herrschaftsbereiche. Zu den bekanntesten mittelalterlichen Anlagen der Region gehören die Ruinen der Burg Wulp oberhalb von Küsnacht und der Burg Friedberg bei Meilen.

Die Stadt Zürich begann im 14. Jahrhundert, Herrschaftsrechte am Seeufer zu erwerben. Im Jahr 1358 gelangte Zollikon an Zürich. 1384 erwarb die Stadt weitere Rechte in Küsnacht und Meilen. Damit wurde das Gebiet schrittweise in den Zürcher Territorialstaat eingegliedert.

Das heutige Bezirksgebiet bildete während der Alten Eidgenossenschaft keine einheitliche Verwaltungseinheit. Die Gemeinden waren verschiedenen Obervogteien und Landvogteien zugeordnet. Meilen bildete eine eigene Obervogtei, während Küsnacht, Zollikon und weitere Orte zur Obervogtei Küsnacht gehörten. Stäfa und Teile des oberen Seegebiets standen zeitweise in Verbindung mit der Herrschaft Grüningen.

Reformation

Die von Huldrych Zwingli eingeleitete Reformation wurde in den Gemeinden des rechten Zürichseeufers in den 1520er-Jahren eingeführt. Klösterliche Besitzrechte wurden neu geordnet, kirchliche Bilder und Altäre entfernt und das Gemeindeleben zunehmend durch die reformierte Kirche geprägt.

In Zollikon entstand 1525 eine der ersten Täufergemeinden der Reformationszeit. Ihre Mitglieder lehnten die Kindertaufe ab und forderten eine auf persönlichem Glauben beruhende Kirche. Die Zürcher Obrigkeit verfolgte die Bewegung und unterdrückte die Gemeinde.

Der Küsnachter Pfarrer und frühere Johanniterkomtur Konrad Schmid gehörte zu den engen Mitstreitern Zwinglis. Er fiel 1531 gemeinsam mit diesem in der Schlacht bei Kappel.

Landwirtschaft und Heimindustrie

Bis ins 19. Jahrhundert lebte ein grosser Teil der Bevölkerung von Landwirtschaft, Fischerei, Weinbau und Handwerk. Die sonnigen Hänge über dem Zürichsee eigneten sich besonders für Reben, Obstbäume und Gärten.

Seit dem 17. Jahrhundert gewann die textile Heimarbeit an Bedeutung. Familien verarbeiteten Baumwolle und Seide im Auftrag städtischer Kaufleute. Spinnen und Weben ergänzten das landwirtschaftliche Einkommen und verbanden die Dörfer wirtschaftlich eng mit Zürich.

Der Weinbau war über Jahrhunderte ein bestimmender Wirtschaftszweig. Rebflächen erstreckten sich von Zollikon bis Stäfa. Krankheiten, ausländische Konkurrenz, Siedlungswachstum und veränderte Wirtschaftsbedingungen führten im 19. und 20. Jahrhundert zu einem starken Rückgang. In mehreren Gemeinden blieb der Weinbau jedoch erhalten oder wurde später wieder ausgedehnt.

Stäfnerhandel

Der Stäfnerhandel von 1794 und 1795 war eine der bedeutendsten politischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Zürich und ihrer Landschaft vor dem Ende der Alten Eidgenossenschaft.

Mitglieder der Lesegesellschaft Stäfa verfassten 1794 das sogenannte Stäfner Memorial. Darin forderten sie unter Berufung auf ältere Urkunden politische und wirtschaftliche Rechte für die Landbevölkerung. Die Zürcher Regierung reagierte mit Untersuchungen, Verhaftungen und einer militärischen Besetzung Stäfas.

Die Bewegung blieb gewaltlos, zeigte aber die wachsende Unzufriedenheit mit der politischen Vorherrschaft der Stadt. Mehrere führende Beteiligte wurden zu Haftstrafen verurteilt. Nach dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft im Jahr 1798 wurden sie rehabilitiert.[4]

Helvetik und Bezirksgründung

Mit der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurden die alten Vogteien aufgehoben. Die Gemeinden erhielten neue politische Strukturen und wurden in helvetische Distrikte eingeteilt.

Die Mediationsakte von 1803 und die Restaurationsverfassung von 1814 führten zu weiteren Veränderungen. In der Restaurationszeit entstand das Oberamt Meilen, das einen grossen Teil des heutigen Bezirks umfasste.

Die liberale Kantonsverfassung von 1831 ersetzte die Oberämter durch Bezirke. Meilen wurde Hauptort der neuen Verwaltungseinheit. Bezirksrat, Statthalteramt und Bezirksgericht übernahmen Aufgaben der staatlichen Verwaltung und Rechtspflege.

Industrialisierung und Verkehrsentwicklung

Die Industrialisierung verlief im Bezirk weniger ausgeprägt als in den grossen Textilregionen des Zürcher Oberlands und des linken Zürichseeufers. Dennoch entstanden einzelne bedeutende Betriebe.

In Uetikon am See wurde 1818 eine chemische Fabrik gegründet, die sich im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Industrieunternehmen entwickelte. Das weitläufige Fabrikareal prägte die Gemeinde und das Seeufer während rund zweier Jahrhunderte.

Dampfschiffe verbesserten seit dem 19. Jahrhundert die Verbindungen nach Zürich und zu den übrigen Seegemeinden. Häfen und Schiffstationen entstanden in mehreren Orten.

Ein entscheidender Entwicklungsschritt war die Eröffnung der rechtsufrigen Zürichseebahn im Jahr 1894. Die Bahn verband Zürich über Zollikon, Küsnacht, Meilen und Stäfa mit Rapperswil. Sie ermöglichte schnellere Pendlerverbindungen und förderte den Wandel der ehemaligen Bauern-, Fischer- und Weinbauerndörfer zu Wohnorten der Agglomeration Zürich.

Entwicklung seit dem 20. Jahrhundert

Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, besonders aber nach dem Zweiten Weltkrieg, nahm die Bevölkerung stark zu. Neue Wohnquartiere entstanden zunächst am See und später an den Hängen des Pfannenstiels.

Die gute Verkehrsanbindung, die Aussichtslagen und die Nähe zur Stadt Zürich machten den Bezirk zu einer bevorzugten Wohnregion. Landwirtschaftliche Flächen und Rebberge wurden teilweise überbaut. Gleichzeitig bemühten sich Gemeinden und Kanton zunehmend um den Schutz von Ortsbildern, Wäldern, Tobeln und Erholungslandschaften.

Zollikon gehörte ursprünglich zum Bezirk Zürich. Aufgrund des Gesetzes über die Bildung des Bezirks Dietikon und die Neuordnung des Bezirks Zürich wurde die Gemeinde auf den 1. Januar 1986 dem Bezirk Meilen zugeteilt.[5]

Bevölkerung und Siedlung

Der Bezirk Meilen ist mehrheitlich urban geprägt. Entlang des Zürichsees besteht ein nahezu durchgehendes Siedlungsband. Die historischen Dorfkerne sind von Wohnquartieren, Geschäftszentren und öffentlichen Einrichtungen umgeben.

Die Gemeinden besitzen dennoch unterschiedliche Strukturen. Zollikon und Küsnacht sind besonders eng mit der Stadt Zürich verbunden. Meilen bildet das administrative Zentrum des Bezirks. Stäfa übernimmt wichtige Versorgungsfunktionen am oberen Zürichsee. Hombrechtikon und Oetwil am See weisen grössere ländliche Gebiete und zahlreiche Weiler auf.

Die Bezeichnung Goldküste bezieht sich ursprünglich auf die sonnenreiche Lage am rechten Seeufer. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird sie auch mit den hohen Grundstückspreisen, wohlhabenden Gemeinden und bevorzugten Wohnlagen in Verbindung gebracht.

Der Bezirk weist im kantonalen und schweizerischen Vergleich hohe Einkommen und Vermögenswerte auf. Gleichzeitig bestehen erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Haushalten und Gemeinden. Die hohen Bodenpreise erschweren die Bereitstellung von preisgünstigem Wohnraum.

Ein grosser Teil der Erwerbstätigen pendelt nach Zürich, in das Glattal, nach Rapperswil-Jona oder in andere Wirtschaftszentren. Umgekehrt bieten die Gemeinden zahlreiche Arbeitsplätze in Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Bildung, Verwaltung und spezialisierten Unternehmen.

Politik und Verwaltung

Der Bezirk Meilen ist eine Verwaltungseinheit des Kantons Zürich. Er besitzt weder ein eigenes Parlament noch eine eigenständige Regierung. Politische Entscheidungen werden auf kantonaler und kommunaler Ebene getroffen.

Zu den wichtigsten Bezirksbehörden gehören:

  • der Bezirksrat;
  • das Statthalteramt;
  • das Bezirksgericht;
  • die Schlichtungsbehörden und weitere angegliederte Einrichtungen.

Der Bezirksrat beaufsichtigt die politischen Gemeinden und weitere öffentlich-rechtliche Körperschaften. Er behandelt ausserdem bestimmte Rekurse gegen kommunale Entscheide.

Die Statthalterin beziehungsweise der Statthalter steht dem Bezirksrat vor und nimmt Aufgaben in den Bereichen Aufsicht, Polizei-, Feuerwehr-, Strassen- und Verwaltungsrecht wahr.

Das Statthalteramt und die Bezirksratskanzlei befinden sich an der Dorfstrasse 38 in Meilen.[1] Das Bezirksgericht hat ebenfalls seinen Sitz im Bezirkshauptort.

Die elf Gemeinden arbeiten in zahlreichen Zweckverbänden und regionalen Organisationen zusammen. Gemeinsame Aufgaben bestehen unter anderem in der Raumplanung, im Sozialwesen, bei der Abfallentsorgung, im Gesundheitswesen, im Bevölkerungsschutz und im öffentlichen Verkehr.

Wirtschaft

Dienstleistungen und Unternehmen

Der Dienstleistungssektor stellt den grössten Teil der Arbeitsplätze. Bedeutend sind Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, Beratung, Immobilienwirtschaft, Gesundheitswesen, Bildung, Detailhandel, Gastronomie und persönliche Dienstleistungen.

In mehreren Gemeinden befinden sich Unternehmenssitze, private Kliniken, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie spezialisierte Gewerbebetriebe. Die Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich und die hohe Wohnqualität machen den Bezirk auch als Standort für international tätige Unternehmen attraktiv.

Die lokalen Zentren von Küsnacht, Meilen, Männedorf und Stäfa verfügen über Einkaufsmöglichkeiten, Verwaltungen, medizinische Angebote und kulturelle Einrichtungen.

Industrie und Gewerbe

Die traditionelle Industrie spielt heute eine geringere Rolle als im 19. und 20. Jahrhundert. Historisch besonders bedeutend war die chemische Industrie in Uetikon am See. Nach dem Rückzug der industriellen Nutzung wurde die Entwicklung des ehemaligen Fabrikareals zu einer wichtigen Aufgabe der Gemeinde und des Kantons.

In den übrigen Gemeinden bestehen vor allem kleine und mittlere Unternehmen aus Baugewerbe, Handwerk, Technik, Lebensmittelverarbeitung und spezialisierten Dienstleistungen.

Landwirtschaft und Weinbau

Trotz der dichten Besiedlung besitzt die Landwirtschaft weiterhin eine wichtige Bedeutung für Landschaft und Nahversorgung. Landwirtschaftliche Betriebe befinden sich vor allem auf den Höhen des Pfannenstiels sowie in Hombrechtikon und Oetwil am See.

Milchwirtschaft, Viehhaltung, Ackerbau, Obstbau und Gemüseproduktion gehören zu den wichtigsten Betriebszweigen. Hofläden und Direktvermarktung verbinden die Landwirtschaft mit der lokalen Bevölkerung.

Der Weinbau wird insbesondere in Stäfa, Meilen, Uetikon am See, Herrliberg, Erlenbach und Küsnacht gepflegt. Stäfa gehört zu den bekanntesten Weinbaugemeinden des Kantons Zürich. Angebaut werden vor allem Blauburgunder, Riesling-Silvaner und weitere weisse und rote Rebsorten.

Verkehr

Eisenbahn

Die rechtsufrige Zürichseebahn bildet das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs am Seeufer. Sie verbindet die Gemeinden zwischen Zollikon und Hombrechtikon beziehungsweise Rapperswil-Jona mit Zürich.

Die Strecke wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient. Bahnhöfe und Haltestellen bestehen unter anderem in Zollikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg-Feldmeilen, Meilen, Uetikon, Männedorf, Stäfa und Uerikon.

Die Bahn ermöglicht in den dichter besiedelten Gemeinden einen hohen Anteil des öffentlichen Verkehrs am Pendleraufkommen. Viele Bahnhöfe wurden zu lokalen Verkehrsknoten mit Busanschlüssen und Einkaufsmöglichkeiten ausgebaut.

Forchbahn und Busverkehr

Zumikon und der Zollikerberg werden durch die Forchbahn erschlossen. Die meterspurige Bahn verbindet Esslingen über Zumikon und Zollikerberg mit dem Bahnhof Zürich Stadelhofen.

Ein dichtes Busnetz verbindet die höher gelegenen Ortsteile mit den Bahnhöfen am See. Buslinien führen ausserdem nach Egg, Esslingen, Oetwil am See, Hombrechtikon, Rüti und in weitere Gemeinden des Zürcher Oberlands.

Strassenverkehr

Die Seestrasse verläuft entlang des rechten Zürichseeufers und verbindet die Gemeinden mit der Stadt Zürich und Rapperswil-Jona. Wegen der dichten Besiedlung ist sie zugleich Hauptverkehrsachse und innerörtliche Strasse.

Die Forchstrasse verbindet Zürich über Zollikerberg und Zumikon mit dem Zürcher Oberland. Weitere Kantonsstrassen führen über den Pfannenstiel nach Maur, Egg, Esslingen und Oetwil am See.

Das hohe Pendleraufkommen führt besonders zu den Hauptverkehrszeiten zu einer starken Belastung der Strassen. Verkehrsplanung, Lärmschutz, Velowege und die Förderung des öffentlichen Verkehrs sind daher wichtige regionale Themen.

Schifffahrt und Fähre

Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft bedient mehrere Anlegestellen im Bezirk. Kursschiffe verbinden die Seegemeinden untereinander sowie mit Zürich und Rapperswil.

Die Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen verbindet Meilen mit Horgen am linken Seeufer. Sie transportiert Personen, Velos und Motorfahrzeuge und verkürzt Fahrten zwischen den Bezirken Meilen und Horgen erheblich.

Bildung und Gesundheit

Die Gemeinden führen Kindergärten und Primarschulen. Sekundarschulen werden je nach Gemeinde eigenständig oder in gemeinsamen Schulorganisationen geführt.

Zu den bedeutenden kantonalen Bildungseinrichtungen gehören die Kantonsschule Küsnacht und die Kantonsschule Uetikon am See. Berufs- und Hochschulangebote befinden sich vor allem in Zürich, Uster, Rapperswil-Jona und Winterthur.

Das Spital Männedorf ist ein wichtiger Standort der medizinischen Versorgung am rechten Zürichseeufer. Ergänzt wird das Angebot durch Arztpraxen, Pflegezentren, Therapieeinrichtungen, Spitex-Organisationen und private Kliniken.

Die Gemeinden arbeiten bei Altersversorgung, Pflege, Sozialberatung und Kindes- und Erwachsenenschutz teilweise bezirksweit oder in regionalen Zweckverbänden zusammen.

Natur und Erholung

Der Pfannenstiel ist der wichtigste zusammenhängende Erholungsraum des Bezirks. Ein dichtes Netz von Wanderwegen führt durch Wälder, über Landwirtschaftsflächen und zu Aussichtspunkten.

Der Pfannenstielturm bietet einen weiten Blick über das Zürcher Mittelland, den Zürichsee und die Alpen. Weitere beliebte Wandergebiete sind das Küsnachter Tobel, das Meilemer Tobel, die Höhen von Herrliberg und die Landschaft um den Lützelsee.

Am See bestehen Strandbäder, Hafenanlagen, öffentliche Parks und Wassersportmöglichkeiten. Segeln, Rudern, Schwimmen und Stand-up-Paddling gehören zu den verbreiteten Freizeitaktivitäten.

Der hohe Nutzungsdruck erfordert eine Abstimmung zwischen Erholung, Landwirtschaft, Waldwirtschaft und Naturschutz. Schutzgebiete, Wildtierkorridore, Moore und naturnahe Bachläufe sollen trotz des Siedlungswachstums erhalten bleiben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Prähistorische Fundstellen

Die prähistorischen Seeufersiedlungen sind von internationaler kulturgeschichtlicher Bedeutung. In Meilen erinnert ein rekonstruierter Pfahlbau an die Entdeckungen von 1853/54. Archäologische Funde werden in Museen und Sammlungen der Region gezeigt.

Historische Ortskerne

Mehrere Gemeinden besitzen gut erhaltene Dorfkerne mit Kirchen, ehemaligen Bauernhäusern, Weinbauernhäusern und öffentlichen Gebäuden. Besonders markante historische Ensembles befinden sich in Küsnacht, Meilen, Stäfa, Hombrechtikon und Zollikon.

Die reformierten Kirchen der Seegemeinden stehen häufig an erhöhten Stellen über dem früheren Dorfkern. Sie prägen zusammen mit den Hafenanlagen das Erscheinungsbild der Orte.

Burgen und Ruinen

Die Ruine Wulp liegt oberhalb des Küsnachter Tobels. Sie erinnert an die mittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse am rechten Zürichseeufer.

Bei Meilen befinden sich Überreste der Burg Friedberg. Weitere Burgstellen, Letzinen und historische Grenzsteine dokumentieren die politische und militärische Geschichte des Pfannenstielgebiets.

Museen und Kulturinstitutionen

In mehreren Gemeinden bestehen Ortsmuseen und lokale Sammlungen. Sie widmen sich der Siedlungs-, Weinbau-, Industrie- und Alltagsgeschichte.

Küsnacht ist mit dem Wirken des Psychiaters Carl Gustav Jung verbunden. Das C. G. Jung-Institut und weitere Einrichtungen pflegen sein wissenschaftliches und kulturelles Erbe.

Kulturelle Veranstaltungen, Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Märkte und Dorffeste werden von Gemeinden, Vereinen, Kirchen und privaten Organisationen getragen.

Regionale Identität

Die Gemeinden des Bezirks werden häufig unter den Bezeichnungen rechtes Zürichseeufer, Goldküste oder Region Pfannenstiel zusammengefasst. Diese Begriffe beschreiben jedoch unterschiedliche geografische und gesellschaftliche Aspekte.

Die Goldküste bezeichnet vor allem das sonnenreiche rechte Seeufer und wird oft mit wohlhabenden Wohnlagen verbunden. Die Region Pfannenstiel umfasst zusätzlich die höher gelegenen Gemeinden und Landschaftsräume.

Trotz der engen Verbindung zur Stadt Zürich besitzen die Gemeinden eine ausgeprägte lokale Identität. Historische Dorfkerne, Weinbau, Seeufer, Vereine und Gemeindeversammlungen prägen das gesellschaftliche Leben.

Wappen

Der Bezirk Meilen besitzt kein eigenständiges amtliches Bezirkswappen. In Darstellungen des Bezirks wird deshalb gelegentlich das Wappen des Hauptorts Meilen verwendet.

Das Meilemer Gemeindewappen zeigt in Gold eine zweitürmige schwarze Burg mit offenem Tor. Es erinnert an die mittelalterliche Burg Friedberg und die historische Bedeutung des Ortes.

Veränderungen im Gemeindebestand

Veränderungen im Gemeindebestand
Datum Veränderung
1. Januar 1977 Umbenennung der Gemeinde Uetikon in Uetikon am See
1. Januar 1986 Übertritt der Gemeinde Zollikon vom Bezirk Zürich zum Bezirk Meilen

Seit dem Übertritt Zollikons umfasst der Bezirk elf politische Gemeinden. Zivilgemeinden bestehen im Bezirk nicht mehr.

Literatur

  • Heinrich Boxler: Meilen (Vogtei). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Birkhäuser, Basel 1943.
  • Peter Ziegler: Geschichte der Gemeinde Meilen. Meilen 1998.
  • Peter Ziegler: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Zürich 1977.
  • Martin Illi: Von der Kameralistik zum New Public Management. Geschichte der Zürcher Kantonsverwaltung von 1803 bis 1998. Regierungsrat des Kantons Zürich, Zürich 2008.
  • Beat Frei: Stäfa. Geschichte einer Zürichseegemeinde. Stäfa.

Siehe auch

Einzelnachweise