Horgen
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Horgen |
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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Bezirk |
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BFS-Nummer |
0295 |
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Postleitzahl |
8810 Horgen |
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Koordinaten |
47.2609° N, 8.5978° E |
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Höhe |
408 m ü. M. |
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Fläche |
30.84 km² |
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Einwohner |
24'456
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Website |
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Horgen ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Kanton Zürich in der Schweiz. Die Gemeinde liegt am linken Ufer des Zürichsees, rund 15 Kilometer südöstlich der Stadt Zürich, und gehört zur Metropolregion Zürich.
Das Gemeindegebiet reicht vom Zürichsee über die Hänge des Zimmerbergs bis ins Sihltal und zum Sihlwald. Seit der Eingemeindung von Hirzel am 1. Januar 2018 umfasst Horgen neben dem dicht besiedelten Seeufer auch weitläufige ländliche Gebiete auf dem Zimmerberg. Zur Gemeinde gehören unter anderem das Dorf Horgen, Käpfnach, Arn, Horgenberg, Hirzel, Sihlwald und Sihlbrugg Station.
Horgen weist eine Fläche von 30,84 Quadratkilometern auf. Ende 2024 lebten 24'456 Einwohnerinnen und Einwohner in der Gemeinde. Rund 39,6 Prozent des Gemeindegebiets sind bewaldet.[1]
Die Geschichte Horgens reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. Eine am Zürichsee nachgewiesene Kulturgruppe wurde nach dem Ort als Horgener Kultur bezeichnet. Im Mittelalter entwickelte sich Horgen zu einem bedeutenden Umschlagplatz auf der Handelsroute vom Zürichsee über den Hirzel in Richtung Zug und Gotthardpass. Im 19. Jahrhundert prägten die Seidenindustrie, der Textilmaschinenbau und der Abbau von Braunkohle in Käpfnach die wirtschaftliche Entwicklung.
Name
Horgen wurde im Jahr 952 in einer Urkunde König Ottos I. erstmals als Horga erwähnt. Der Ortsname wird gewöhnlich mit einem althochdeutschen Wort für ein sumpfiges oder feuchtes Gebiet in Verbindung gebracht.[2]
In historischen Quellen erscheinen unterschiedliche Schreibweisen. Der heutige Name setzte sich im Verlauf des Mittelalters und der frühen Neuzeit durch.
Die Einwohnerinnen und Einwohner werden als Horgnerinnen und Horgner bezeichnet. In der lokalen Mundart lautet der Ortsname ungefähr Horge.
Geographie
Lage
Horgen liegt am westlichen, linken Ufer des Zürichsees. Das historische Dorfzentrum befindet sich unmittelbar oberhalb des Seeufers auf etwa 408 m ü. M. Von dort steigt das Gelände über mehrere Terrassen zum Zimmerberg an.
Das Gemeindegebiet besitzt seit dem Zusammenschluss mit Hirzel eine ungewöhnlich grosse landschaftliche Vielfalt. Es erstreckt sich vom Zürichsee über dicht bebaute Wohnquartiere, Landwirtschaftsflächen und bewaldete Hänge bis zum Sihltal und zum Albisgebiet.
Der höchste Punkt der Zimmerbergkette innerhalb der Gemeinde liegt oberhalb der Chaseren auf dem ehemaligen Gemeindegebiet von Hirzel und erreicht rund 769 m ü. M.[3]
Horgen grenzt unter anderem an Oberrieden, Thalwil, Langnau am Albis, Hausen am Albis, Wädenswil sowie an Gemeinden des Kantons Zug. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zürichsees liegt Meilen, das durch eine Autofähre direkt mit Horgen verbunden ist.
Gemeindeteile
Das Siedlungsgebiet am Zürichsee besteht aus mehreren historisch gewachsenen Dorfteilen und Quartieren. Das Zentrum von Horgen liegt rund um den Dorfplatz, die reformierte Kirche, die Bahnhofstrasse und den Bahnhof am See.
Käpfnach befindet sich südöstlich des Zentrums am Seeufer und ist besonders durch das ehemalige Braunkohlebergwerk bekannt. Arn liegt weiter südlich in Richtung Wädenswil. Nördlich des Dorfzentrums befinden sich unter anderem die Quartiere Tannenbach und Heubach.
Das Oberdorf liegt auf einer höheren Geländeterrasse rund um den Bahnhof Horgen Oberdorf. Horgenberg umfasst ländliche Siedlungen und Einzelhöfe westlich des dicht bebauten Dorfgebiets.
Der Ortsteil Hirzel besitzt einen ausgeprägt ländlichen Charakter. Er besteht aus dem eigentlichen Dorf, kleineren Weilern, Streusiedlungen und zahlreichen Einzelhöfen. Die hügelige Moränenlandschaft ist von Wiesen, Obstbäumen, Moorgebieten und Waldstücken geprägt.
Zum Gemeindegebiet gehören ferner Teile des Sihlwalds sowie Sihlbrugg Station. Durch die räumliche Ausdehnung über den Zimmerberg verbindet Horgen den Zürichseeraum mit dem Sihltal und der Region Zug.
Gewässer
Der Zürichsee bildet die östliche Grenze der Gemeinde. Horgen verfügt über einen etwa vier Kilometer langen Seeanstoss mit Hafenanlagen, Badeplätzen, Grünflächen, Schiffstation und Fährterminal.
Mehrere Bäche fliessen vom Zimmerberg in Richtung Zürichsee. Der wichtigste ist der Dorfbach, der vom Bergweiher durch das Aabachtobel und das Siedlungsgebiet zum See führt. Weitere Gewässer sind unter anderem Tannenbach, Meilibach und Aabach. Innerhalb des dicht bebauten Gebiets verlaufen einige Bachabschnitte unterirdisch.
Der Horgner Bergweiher liegt oberhalb des Dorfes in einer bewaldeten Umgebung. Er wurde ursprünglich zur Nutzung der Wasserkraft angelegt und dient heute vor allem der Erholung und dem Naturschutz.
Im westlichen Gemeindegebiet fliesst die Sihl. Sie durchquert das Gemeindegebiet im Bereich von Sihlwald und Sihlbrugg. Ihr Tal bildet einen starken landschaftlichen Gegensatz zum Zürichseeufer.
Landschaft
Die Landschaft wurde während der Eiszeiten wesentlich durch den Linthgletscher geformt. Dieser hinterliess Moränenzüge, Geländeterrassen und Ablagerungen, aus denen sich die heutige Zimmerberglandschaft entwickelte.
Am Seeufer und an den unteren Hängen ist das Gebiet stark überbaut. Weiter westlich folgen Landwirtschaftsflächen, Wälder und ländliche Siedlungen. Im Hirzel ist die traditionelle Streusiedlungslandschaft mit einzelnen Bauernhöfen und Baumgruppen teilweise erhalten geblieben.
Horgenberg und Hirzel sind in weiten Teilen Bestandteil des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Die geschützte Landschaft zeichnet sich durch Moränenformen, Feuchtgebiete, Hecken, Hochstammobstgärten und eine vielfältige Kulturlandschaft aus.[4]
Natur und Umwelt
Sihlwald
Der Sihlwald ist eines der bedeutendsten Naturgebiete im Grossraum Zürich. Er erstreckt sich auf beiden Seiten der Sihl und gilt als grösstes zusammenhängendes Naturwaldgebiet des Schweizer Mittellands.
Ein grosser Teil des Waldgebiets befindet sich im Eigentum der Stadt Zürich. Der Sihlwald wurde 1803 dem Gemeindegebiet von Horgen zugeteilt. Die Stadt Zürich anerkannte diese Grenzziehung jedoch erst nach einem Urteil des Bundesgerichts im Jahr 1877.[5]
Der Wald wurde über Jahrhunderte zur Versorgung der Stadt Zürich mit Brenn- und Bauholz genutzt. Seit dem späten 20. Jahrhundert wird auf eine reguläre Holznutzung weitgehend verzichtet. Der Wald soll sich wieder nach natürlichen Prozessen entwickeln.
Der Naturerlebnispark Sihlwald gehört zu den Pärken von nationaler Bedeutung. Im Besucherzentrum bei der Bahnstation Sihlwald werden die Geschichte, Ökologie und natürliche Entwicklung des Waldgebiets vermittelt.[6]
Schutzgebiete
Auf dem Gemeindegebiet befinden sich mehrere kommunale, kantonale und nationale Schutzgebiete. Insgesamt umfassen kantonale Schutzverordnungen rund 9,6 Quadratkilometer des Gemeindegebiets. Das Naturwaldreservat Sihlwald nimmt davon etwa 7,3 Quadratkilometer ein.[4]
Weitere geschützte Lebensräume sind Moore, Feuchtwiesen, Bachufer, Heckenlandschaften und Trockenstandorte. Besonders die ländlichen Gebiete von Hirzel und Horgenberg besitzen eine hohe Bedeutung für die Vernetzung von Lebensräumen.
Die Gemeinde verfolgt Massnahmen zum Schutz von Gewässern, Waldflächen und ökologisch wertvollen Landschaftselementen. Gleichzeitig steht sie wegen des Bevölkerungswachstums und des hohen Siedlungsdrucks vor der Aufgabe, Wohn- und Arbeitsgebiete mit dem Landschaftsschutz zu vereinbaren.
Geschichte
Urgeschichte
Das Gebiet von Horgen war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Am Zürichsee wurden Reste mehrerer prähistorischer Seeufersiedlungen gefunden. Die Fundstelle Horgen-Scheller lieferte besonders reichhaltiges archäologisches Material.
Nach diesen Funden wurde die Horgener Kultur benannt. Sie bestand ungefähr zwischen 3400 und 2800 v. Chr. und war in weiten Teilen der heutigen Schweiz sowie im süddeutschen Raum verbreitet. Kennzeichnend sind dickwandige, meist wenig verzierte Keramikgefässe, Steinwerkzeuge und Feuchtbodensiedlungen an Seen und Mooren.
Die Fundstelle Horgen-Scheller gehört zu den Fundorten, die für das Verständnis der jungsteinzeitlichen Besiedlung des Zürichseeraums von grosser Bedeutung sind. Die Horgener Pfahlbaufunde werden teilweise im Sust Museum aufbewahrt und ausgestellt.[7]
Aus späteren vorgeschichtlichen Epochen wurden ebenfalls Funde entdeckt. Dazu gehören Siedlungsspuren und Gegenstände aus der Bronzezeit sowie Gräber aus der Latènezeit.
Mittelalter
Die erste bekannte urkundliche Erwähnung Horgens stammt aus dem Jahr 952. Im Mittelalter besassen verschiedene geistliche und weltliche Grundherren Rechte und Güter in der Umgebung.
Ein wichtiger Grundbesitzer war die Fraumünsterabtei in Zürich. Die Vogteirechte gelangten zeitweise an die Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg. Nach politischen Auseinandersetzungen im frühen 14. Jahrhundert verstärkte die Stadt Zürich ihren Einfluss auf das Gebiet.
Horgen entwickelte sich am Zürichsee zu einem regionalen Markt-, Verkehrs- und Umschlagplatz. Fischerei, Landwirtschaft, Weinbau, Waldnutzung und lokales Handwerk bildeten die wirtschaftliche Grundlage.
Die mittelalterliche Siedlung konzentrierte sich rund um die Kirche, den Seezugang und die Wege auf den Zimmerberg. Das Gelände am See war für den Warenumschlag besonders günstig.
Saumweg und Gotthardhandel
Nach der Erschliessung der Schöllenenschlucht um 1200 gewann der Gotthardpass als Nord-Süd-Verbindung an Bedeutung. Horgen lag an einer wichtigen Verbindung zwischen Zürichsee, Zug und Innerschweiz.
Waren wurden auf Schiffen von Zürich nach Horgen transportiert. In der Sust am See wurden sie ausgeladen, gelagert und auf Saumtiere oder Fuhrwerke umgeschlagen. Anschliessend führte der Weg über den Horgenberg und Hirzel nach Sihlbrugg und Zug.
In der Gegenrichtung gelangten unter anderem Salz, Wein, Getreide, Textilien und Handelswaren aus dem Süden und der Innerschweiz zum Zürichsee. Der Verkehr prägte Horgen während mehrerer Jahrhunderte.
Die historische Sust am See erinnert an diese Funktion. Teile des alten Saumwegs sind heute als Wanderweg erschlossen.[2]
Frühe Neuzeit
Mit der Reformation im Kanton Zürich wurde auch Horgen reformiert. Die kirchlichen und politischen Strukturen wurden stärker an die Stadt Zürich gebunden.
Die Bevölkerung lebte vor allem von Landwirtschaft, Weinbau, Heimarbeit, Transportwesen und Gewerbe. Die Allmend und die ausgedehnten Waldgebiete waren für Viehhaltung, Holzversorgung und gemeinschaftliche Nutzung wichtig.
Horgen umfasste ursprünglich ein grösseres Gebiet. Oberrieden und Hirzel gehörten bis ins 18. Jahrhundert zur Gemeinde. 1773 wurden sie politisch selbstständig. Hirzel wurde mehr als 240 Jahre später wieder mit Horgen vereinigt.
Industrialisierung
Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich Horgen zu einem wichtigen Zentrum der Zürcher Seidenindustrie. Zunächst wurde die Seidenweberei überwiegend in Heimarbeit betrieben. Später entstanden mechanische Webereien und grössere Fabrikanlagen.
Zahlreiche Familien waren direkt oder indirekt in der Seidenproduktion beschäftigt. Neben Webereien entstanden Färbereien, Ausrüstbetriebe, Handelsunternehmen und Werkstätten zur Herstellung und Reparatur von Maschinen.
Aus dem Bedarf der Textilindustrie entwickelte sich ein bedeutender Textilmaschinenbau. Unternehmen wie Stäubli, Schweiter, Grob und Vollenweider machten Horgen zu einem international bekannten Industriestandort.
Die 1892 von Hermann Stäubli und Rudolph Schelling in Horgen gegründete Firma entwickelte sich später zu einem international tätigen Technologieunternehmen.[8]
Die Industrialisierung veränderte das Ortsbild. Fabriken, Arbeiterhäuser, Villen und neue öffentliche Gebäude entstanden. Die Bevölkerung nahm stark zu, und Horgen wandelte sich von einem ländlichen Dorf zu einer industriell geprägten Gemeinde.
Bergwerk Käpfnach
In Käpfnach befindet sich ein ausgedehntes Braunkohlevorkommen. Die Kohle wurde erstmals 1548 schriftlich erwähnt. Ein planmässiger Abbau begann im frühen 18. Jahrhundert.
1784 richtete die Zürcher Obrigkeit ein staatliches Bergwerk ein. Im Laufe der Zeit entstand ein weitverzweigtes Stollensystem. Neben dem Bergwerk wurde 1875 eine Zementsteinfabrik errichtet.
Der staatliche Bergbau endete 1910. Wegen des Kohlemangels wurde der Abbau während des Ersten Weltkriegs von 1917 bis 1921 und während des Zweiten Weltkriegs erneut aufgenommen.
Im Januar 1947 wurde der Kohleabbau endgültig eingestellt.[9] Teile der Stollen sind heute als Besucherbergwerk zugänglich.
Verkehrsausbau
Die Eröffnung der linksufrigen Zürichseebahn im Jahr 1875 verbesserte die Verbindung nach Zürich und in die übrige Schweiz. Der Bahnhof Horgen entstand unmittelbar am See.
Eine weitere Bahnstrecke über den Zimmerberg verband Horgen Oberdorf mit Thalwil, Zug und der Gotthardbahn. Im Sihltal erhielt das Gebiet durch die Sihltalbahn einen Bahnanschluss.
Der Ausbau des Strassennetzes und später der Autobahn A3 verstärkte die Entwicklung Horgens als Wohn- und Arbeitsort innerhalb der Agglomeration Zürich.
Seit 1933 verbindet die Zürichsee-Fähre Horgen mit Meilen. Der fahrplanmässige Betrieb wurde am 4. November 1933 aufgenommen.[10]
20. und 21. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert verlor die traditionelle Seidenindustrie schrittweise an Bedeutung. Mehrere Textilbetriebe wurden geschlossen, umgenutzt oder durch moderne Industrie- und Dienstleistungsunternehmen ersetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde stark. Neue Wohnquartiere entstanden am See, im Oberdorf, in Käpfnach, Arn und an den Hängen des Zimmerbergs. Gleichzeitig nahm die Zahl der Pendlerinnen und Pendler zu.
Ehemalige Industrieareale wurden teilweise in Wohn-, Büro- und Gewerbegebiete umgewandelt. Dennoch blieb Horgen ein bedeutender Arbeitsplatzstandort.
Am 25. September 2016 stimmten die Stimmberechtigten von Horgen und Hirzel über einen Gemeindezusammenschluss ab. In Hirzel befürworteten 78,6 Prozent, in Horgen 57,3 Prozent der Abstimmenden die Fusion.[11]
Der Zusammenschluss trat am 1. Januar 2018 in Kraft. Die erweiterte Gemeinde behielt den Namen Horgen, während Hirzel als eigenständiger Ortsteil erhalten blieb.
Bevölkerung
Horgen entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert von einem Dorf zu einer bevölkerungsreichen Agglomerationsgemeinde. Das Wachstum wurde zunächst durch die Industrialisierung und später durch die Nähe zu Zürich und Zug gefördert.
Ende 2024 zählte Horgen 24'456 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Jahr 2023 wurden 10'232 Haushaltungen verzeichnet.[1]
Die Bevölkerung konzentriert sich hauptsächlich auf das dicht bebaute Gebiet am Zürichsee und die Quartiere am Zimmerberghang. Hirzel, Horgenberg und die Siedlungen im Sihltal sind deutlich dünner besiedelt.
Die Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend Zürichdeutsch gesprochen. Durch Zuwanderung sind zahlreiche weitere Sprachen vertreten.
Die reformierte Kirche war historisch die wichtigste Konfession. Seit dem 19. Jahrhundert entstand erneut eine römisch-katholische Gemeinde. Heute gehören bedeutende Teile der Bevölkerung keiner Landeskirche oder anderen Religionsgemeinschaften an.
Politik
Horgen ist als politische Gemeinde nach dem Recht des Kantons Zürich organisiert. Die Stimmberechtigten bilden das oberste Gemeindeorgan.
Die kommunale Legislative wird durch die Gemeindeversammlung und in bestimmten Fällen durch Urnenabstimmungen ausgeübt. An der Gemeindeversammlung entscheiden die Stimmberechtigten unter anderem über Budget, Rechnung, grössere Ausgaben und kommunale Erlasse.
Der Gemeinderat bildet die Exekutive. Seine Mitglieder werden von den Stimmberechtigten gewählt und leiten die verschiedenen Verwaltungsressorts. Daneben bestehen eine Schulpflege, eine Sozialbehörde sowie weitere Kommissionen und Fachorgane.
Die Gemeinde ist Hauptort des Bezirks Horgen. In Horgen befinden sich deshalb auch verschiedene bezirkliche Behörden und Einrichtungen.
Bei kantonalen und eidgenössischen Abstimmungen zeigt Horgen sowohl städtisch-liberale als auch ländlich-konservative politische Tendenzen. Zwischen dem dichter besiedelten Seegebiet und dem ländlichen Hirzel bestehen teilweise unterschiedliche politische Mehrheiten.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt in Rot einen nach rechts schwimmenden silbernen Schwan mit goldenem Schnabel.
Der Schwan ist bereits in der Chronik des Zürcher Ratsherrn Gerold Edlibach von 1486 als Zeichen Horgens dargestellt. Er verweist wahrscheinlich auf die Lage der Gemeinde am Zürichsee.
Nach der Fusion mit Hirzel im Jahr 2018 blieb das Wappen von Horgen unverändert. Das frühere Hirzler Wappen mit einem Hirsch wird jedoch weiterhin als lokales Symbol des Ortsteils verwendet.
Wirtschaft
Horgen ist ein regional bedeutender Arbeits- und Wirtschaftsstandort. Im Jahr 2021 wurden 1'459 Arbeitsstätten gezählt; 2022 waren in der Gemeinde 10'479 Personen beschäftigt.[1]
Die Wirtschaft ist heute stark vom Dienstleistungssektor geprägt. Wichtige Bereiche sind Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Beratung, Informatik, Gesundheitswesen, Handel, Bildung und öffentliche Verwaltung.
Daneben bestehen Industrie-, Gewerbe- und Technologieunternehmen. Die historische Bedeutung des Textilmaschinenbaus wirkt in verschiedenen Firmen und spezialisierten Betrieben fort.
Zu den bekannten Unternehmen mit historischen oder gegenwärtigen Verbindungen zu Horgen gehören Stäubli, Schweiter Technologies, Dow sowie verschiedene kleinere und mittlere Unternehmen.
Das Gebiet zwischen See, Bahnlinie und Seestrasse war lange industriell geprägt. Mehrere frühere Fabrikareale wurden seit dem späten 20. Jahrhundert umgenutzt. Dabei entstanden neue Wohnungen, Büros, öffentliche Räume und Gewerbeflächen.
Das Dorfzentrum besitzt zahlreiche Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungsbetriebe. Weitere Einkaufs- und Gewerbegebiete befinden sich im Oberdorf, in Waldegg und entlang der Hauptverkehrsachsen.
Landwirtschaft wird vor allem in Hirzel und auf dem Horgenberg betrieben. Milchviehhaltung, Futterbau, Obstbau und kleinere Spezialkulturen prägen die ländlichen Gebiete.
Verkehr
Eisenbahn
Horgen besitzt drei Bahnstationen: Horgen am Zürichsee, Horgen Oberdorf und Sihlwald.
Der Bahnhof Horgen liegt an der linksufrigen Zürichseebahn und bildet den wichtigsten öffentlichen Verkehrsknoten der Gemeinde. Von dort bestehen direkte Verbindungen nach Zürich sowie in Richtung Wädenswil, Pfäffikon und Chur.
Der Bahnhof Horgen Oberdorf liegt an der Strecke von Thalwil über den Zimmerberg nach Zug. Er verbindet die Gemeinde direkt mit Zürich, Zug und der Zentralschweiz.
Die Station Sihlwald liegt an der Sihltalbahn. Sie erschliesst den Naturerlebnispark Sihlwald und ist mit dem Raum Zürich verbunden.
Busverkehr
Ein Netz aus Bus- und Postautolinien verbindet die Bahnhöfe mit den Wohnquartieren, Horgenberg, Hirzel, Sihlwald, Sihlbrugg und den Nachbargemeinden.
Die Buslinien sind in den Zürcher Verkehrsverbund integriert. Der lokale Verkehr besitzt wegen der grossen Höhenunterschiede zwischen Seeufer, Oberdorf und Zimmerberg eine besondere Bedeutung.
Schifffahrt
Horgen wird von Kursschiffen der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft bedient. Die Schiffstation befindet sich in der Nähe des Bahnhofs und des Dorfzentrums.
Die Autofähre Horgen–Meilen stellt eine direkte Verbindung zur rechten Zürichseeseite her. Sie transportiert Fussgänger, Velos, Motorräder, Personenwagen und Nutzfahrzeuge.
Die Überfahrt dauert ungefähr zehn Minuten. Die Fähre erspart den Umweg über Zürich oder den Seedamm bei Rapperswil und besitzt deshalb auch für den regionalen Strassenverkehr eine grosse Bedeutung.[12]
Strassenverkehr
Horgen liegt an der Hauptstrasse entlang des linken Zürichseeufers. Über den Autobahnanschluss Horgen besteht Zugang zur A3 in Richtung Zürich und Chur.
Die Strasse über den Hirzel verbindet Horgen mit Sihlbrugg und dem Kanton Zug. Sie ist eine wichtige regionale Verkehrsachse und wird sowohl vom Personenverkehr als auch vom Güterverkehr genutzt.
Die dichte Bebauung und die topografischen Verhältnisse führen besonders im Dorfzentrum und auf den Zufahrtsstrassen zeitweise zu einer hohen Verkehrsbelastung.
Bildung
Die Gemeinde führt Kindergärten und Primarschulen in verschiedenen Quartieren und Ortsteilen. Schulstandorte befinden sich unter anderem im Dorfzentrum, in Käpfnach, Arn, Waldegg, Horgenberg und Hirzel.
Die Sekundarschule wird auf regionaler beziehungsweise kommunaler Ebene organisiert. Für Mittelschulen und höhere Bildungsangebote bestehen Verbindungen nach Wädenswil, Zürich und weiteren Orten des Kantons.
Horgen verfügt über eine Gemeindebibliothek, eine Musikschule und verschiedene Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Die Nähe zu Zürich, Wädenswil und Zug ermöglicht den Zugang zu Hochschulen, Fachhochschulen und spezialisierten Berufsfachschulen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche steht auf einer Geländeterrasse oberhalb des Dorfzentrums und prägt das Ortsbild. Der heutige Bau entstand im 18. Jahrhundert an der Stelle älterer Kirchen.
Der Kirchenraum ist als protestantischer Querkirchenbau gestaltet. Von der Umgebung der Kirche eröffnet sich ein Blick über das Dorf und den Zürichsee.
Sust Museum
Die historische Sust am See diente früher als Lager- und Umschlaggebäude für den Warenverkehr auf der Route zum Gotthard.
Heute beherbergt das Gebäude das Sust Museum Horgen. Seine Ausstellungen beschäftigen sich mit der Urgeschichte, der Horgener Kultur, dem Transportwesen, der Landwirtschaft, dem Handwerk und der Industriegeschichte der Gemeinde.[13]
Bergwerk Käpfnach
Das Besucherbergwerk Käpfnach erschliesst einen Teil des ehemaligen Braunkohlebergwerks. Das gesamte historische Stollensystem besitzt eine Länge von mehreren Dutzend Kilometern.
Besucherinnen und Besucher können mit einer kleinen Stollenbahn in das Bergwerk einfahren. Ein Museum erläutert die Geologie, die Arbeitsbedingungen der Bergleute und die Bedeutung der Kohleförderung während der beiden Weltkriege.
Das Bergwerk ist eines der bedeutendsten Denkmäler der schweizerischen Bergbaugeschichte.
Johanna-Spyri-Museum
Im Ortsteil Hirzel befindet sich das Johanna-Spyri-Museum. Es ist der Schriftstellerin Johanna Spyri, der Verfasserin der Heidi-Romane, gewidmet.
Das Museum befindet sich in einem historischen Gebäude in der Nähe ihres Geburtshauses. Es zeigt Dokumente, Bücher und Gegenstände zu ihrem Leben und zur weltweiten Wirkung ihrer Werke.
Landgut Bocken
Das Landgut Bocken liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Zürichsees. Die barocke Anlage umfasst ein Herrenhaus, Nebengebäude, Parkanlagen und landwirtschaftlich geprägte Flächen.
Das Gut wurde im Laufe seiner Geschichte von verschiedenen Zürcher Familien genutzt. Heute dient die Anlage unter anderem als Seminar- und Veranstaltungszentrum.
Ortsbild
Das Zentrum von Horgen weist historische Wohn- und Geschäftshäuser, Gassen, Plätze und öffentliche Gebäude auf. Besonders rund um Dorfplatz, Dorfgasse, Löwengasse und Kirche ist die ältere Siedlungsstruktur erkennbar.
Am See erinnern Hafenanlagen, Sust, ehemalige Fabrikgebäude und Villen an die Entwicklung Horgens als Verkehrs- und Industrieort.
In Hirzel sind zahlreiche traditionelle Bauernhäuser und ländliche Gebäude erhalten. Das Orts- und Landschaftsbild wird von Streusiedlungen, Obstbäumen und offenen Wiesen geprägt.
Brauchtum und Veranstaltungen
Das kulturelle Leben wird von Vereinen, Kirchen, Kulturinstitutionen und privaten Veranstaltern getragen. Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen, Märkte und Dorffeste finden regelmässig statt.
Zu den traditionellen Anlässen gehören die Horgner Fasnacht, Chilbi-Veranstaltungen und lokale Vereinsfeste. Auch im Ortsteil Hirzel bestehen eigene Traditionen und Dorfanlässe.
Der Schinzenhof im Zentrum von Horgen dient als Veranstaltungs-, Konzert- und Versammlungslokal.
Freizeit und Sport
Der Zürichsee bietet Möglichkeiten zum Schwimmen, Segeln, Rudern, Stand-up-Paddeln und für weitere Wassersportarten. Entlang des Seeufers befinden sich Spazierwege, Hafenanlagen und Badeplätze.
Der Bergweiher, das Aabachtobel und der Horgenberg sind beliebte Naherholungsgebiete. Wander- und Velowege verbinden das Seeufer mit dem Zimmerberg, Hirzel und dem Sihltal.
Der Sihlwald bietet Wanderwege, Naturbeobachtung, Feuerstellen und Bildungsangebote. Das Besucherzentrum Sihlwald ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Ausflüge.
In der Gemeinde bestehen Sportplätze, Turnhallen, Schwimmbäder, Tennisanlagen und weitere Freizeiteinrichtungen. Zahlreiche Vereine bieten Fussball, Turnen, Leichtathletik, Wassersport, Kampfsport und andere Aktivitäten an.
Persönlichkeiten
In Horgen geboren
- Johann Jakob Staub (1803–1888), Seidenindustrieller
- Johanna Spyri (1827–1901), Schriftstellerin, geboren im heutigen Ortsteil Hirzel
- Emil Staiger (1908–1987), Literaturwissenschaftler
- Hermann Stäubli (1867–1940), Unternehmer
- Heinrich Brändli (1938–2018), Bauingenieur und Hochschullehrer
- Köbi Kuhn (1943–2019), Fussballspieler und Nationaltrainer
- Hans-Rudolf Merz (* 1942), Politiker und Bundesrat, zeitweise in Horgen aufgewachsen
Mit Horgen verbunden
- Gottfried Keller (1819–1890), Schriftsteller, hielt sich wiederholt in der Region auf
- Alfred Escher (1819–1882), Politiker und Eisenbahnpionier, mit dem Landgut Bocken verbunden
- Johanna Spyri (1827–1901), verbrachte ihre Kindheit in Hirzel
- Adolf Guyer-Zeller (1839–1899), Unternehmer und Initiator der Jungfraubahn, Besitzer des Landguts Bocken
- Albert Heim (1849–1937), Geologe, lebte zeitweise in Horgen
Bedeutung
Horgen vereint Merkmale einer städtischen Agglomerationsgemeinde, eines historischen Industrieorts und einer ländlich geprägten Zürcher Gemeinde.
Der Ort besitzt durch die Horgener Kultur internationale archäologische Bedeutung. Die Sust dokumentiert die Rolle als mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Umschlagplatz, während das Bergwerk Käpfnach und die ehemaligen Fabrikanlagen an die Industrialisierung erinnern.
Heute ist Horgen ein wichtiger Wohn-, Arbeits- und Verkehrsort zwischen Zürich, Zug und dem oberen Zürichsee. Die direkte Bahn-, Strassen-, Schiffs- und Fähranbindung macht die Gemeinde zu einem regionalen Verkehrsknoten.
Mit dem Zürichsee, dem Sihlwald, der Hirzler Moränenlandschaft und dem Horgenberg besitzt die Gemeinde zugleich grosse Natur- und Erholungsräume.
Siehe auch
- Bezirk Horgen
- Zürichsee
- Horgener Kultur
- Hirzel
- Sihlwald
- Bergwerk Käpfnach
- Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen
- Johanna Spyri
- Liste der Gemeinden des Kantons Zürich
Literatur
- Paul Kläui, Verena Gessner et al.: Geschichte der Gemeinde Horgen. Horgen 1952.
- Johannes Strickler: Geschichte der Gemeinde Horgen nebst Hirzel und Oberrieden. Horgen 1882.
- Beat Frei: Horgner Industriegeschichte. Horgen.
- Gemeinde Horgen: Horgner Jahrhefte. Horgen, seit 1977.
- Hansruedi Galliker: Horgen – vom Dorf zur Stadtgemeinde. Horgen.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Gemeinde Horgen: Zahlen und Fakten, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Gemeinde Horgen: Wandern auf dem Saumweg, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Horgen: Porträt, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Gemeinde Horgen: Schutzgebiete, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Horgen, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Wildnispark Zürich: Die Zonen im Sihlwald, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Weltkulturerbe in den Zürcher Seen, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stäubli: Unternehmensgeschichte, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Bergwerk Käpfnach: Geschichte, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen: Geschichte und Flotte, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Regierung heisst Zusammenschluss von Horgen und Hirzel gut, 4. Oktober 2017, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen: Über die Fähre, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Horgen: Museen, abgerufen am 23. Juli 2026.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Horgen
- Horgen im Historischen Lexikon der Schweiz
- Bergwerk Käpfnach
- Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen
- Wildnispark Zürich Sihlwald
- Sust Museum Horgen
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Horgen