Lützelsee
| Lützelsee | |
|---|---|
| Lage | Hombrechtikon, Kanton Zürich, Schweiz |
| Region | Zürcher Oberland |
| Koordinaten | 47.2600° N, 8.7723° E |
| Höhe | 500 m ü. M. |
| Fläche | rund 12,8 ha |
| Maximale Tiefe | rund 6 m |
| Volumen | rund 1 Mio. m³ |
| Einzugsgebiet | rund 5,7 km² |
| Mittlere Wasseraufenthaltszeit | rund 55 Tage |
| Abfluss | Furtbach zum Zürichsee |
| Entstehung | Toteissee |
| Besonderheiten | schwimmende Schilfinseln, Moorlandschaft von nationaler Bedeutung |
| Schutzgebiet | Lützelsee–Seeweidsee–Uetziker Riet |
Der Lützelsee ist ein kleiner See in der politischen Gemeinde Hombrechtikon im Bezirk Meilen des Kantons Zürich. Er liegt auf rund 500 Metern über Meer zwischen dem Zürichseegebiet und dem Zürcher Oberland. Der See und die ihn umgebenden Moore, Riedflächen, Gehölze und landwirtschaftlichen Kulturlandschaften bilden einen ökologisch besonders wertvollen Naturraum.
Der Lützelsee entstand am Ende der letzten Eiszeit als Toteissee. Er besitzt eine Fläche von rund 12,8 Hektaren und erreicht eine maximale Tiefe von ungefähr sechs Metern. Das Gewässer ist von ausgedehnten Flachmooren und Verlandungszonen umgeben und gehört zur Moorlandschaft Lützelsee von nationaler Bedeutung. Zusammen mit dem benachbarten Seeweidsee und dem Uetziker Riet bildet er ein wichtiges Rückzugsgebiet für Amphibien, Wasservögel, Insekten und seltene Pflanzenarten.[1]
Eine Besonderheit des Sees sind schwimmende, aus Schilf, Wurzeln und organischem Material bestehende Inseln. Diese können sich von den Verlandungszonen lösen und durch Wind und Wasserströmungen langsam über den See bewegen. Wegen dieser Erscheinung wird der Lützelsee gelegentlich als kleines Naturwunder bezeichnet.
Der überwiegende Teil des Ufers steht unter Naturschutz und darf nicht betreten werden. Baden ist nur im Bereich der offiziellen Badeanlage am Südwestufer erlaubt. Ein Rundweg führt durch die Kulturlandschaft um den See, jedoch nicht unmittelbar entlang sämtlicher Uferabschnitte.
Geographie
Lage
Der Lützelsee liegt im südöstlichen Teil des Kantons Zürich, ungefähr zwei Kilometer nordöstlich des Dorfzentrums von Hombrechtikon. Er befindet sich in einer hügeligen Übergangslandschaft zwischen dem rechten Zürichseeufer und dem Zürcher Oberland.
In der Umgebung liegen die Weiler Lützelsee, Hasel, Lutikon und Uetzikon. Weiter nördlich befinden sich Grüningen und Gossau ZH, östlich liegt Bubikon, während sich im Süden das Gemeindezentrum von Hombrechtikon und der Zürichsee anschliessen.
Die Landschaft ist durch Moränenhügel, Senken, Feuchtgebiete, Wälder, Wiesen, Obstgärten und verstreute Bauernhöfe geprägt. Der See liegt in einer flachen Geländemulde, die während des Rückzugs des eiszeitlichen Gletschers entstand.
Ausdehnung
Die Wasserfläche beträgt ungefähr 12,8 Hektaren. Der See besitzt eine unregelmässige, annähernd ovale Form und erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten.
Seine Länge beträgt ungefähr 600 Meter, die grösste Breite rund 300 Meter. Wegen der breiten Verlandungszonen ist die tatsächlich offene Wasserfläche kleiner als die gesamte hydrologisch und ökologisch zum See gehörende Fläche.
Der Lützelsee ist mit einer maximalen Tiefe von rund sechs Metern ein vergleichsweise flacher See. Sein Volumen wird mit ungefähr einer Million Kubikmetern angegeben. Die mittlere Aufenthaltszeit des Wassers beträgt rund 55 Tage.[2]
Einzugsgebiet
Das Einzugsgebiet des Lützelsees umfasst rund 5,7 Quadratkilometer. Es besteht überwiegend aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, Siedlungen, Wäldern und Feuchtgebieten.
Mehrere kleine Bäche, Entwässerungsgräben und unterirdische Zuflüsse speisen den See. Ein Teil des Wassers stammt aus den umliegenden Moor- und Grundwasserbereichen.
Der Abfluss erfolgt über den Furtbach. Dieser führt das Wasser in südlicher Richtung über weitere Gewässer schliesslich zum Zürichsee.
Das relativ grosse Einzugsgebiet im Verhältnis zur kleinen Wasserfläche macht den Lützelsee empfindlich gegenüber Nährstoffeinträgen. Stoffe aus Landwirtschaft, Siedlungen und Strassen können das Gewässer deshalb vergleichsweise rasch beeinflussen.
Entstehung
Der Lützelsee entstand nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit. Damals bedeckte der Linth-Rhein-Gletscher grosse Teile des heutigen Zürichseegebiets und des Zürcher Oberlands.
Während des allmählichen Gletscherrückzugs blieben in Geländemulden mächtige Eisblöcke zurück. Solche vom aktiven Gletscher getrennten Eisreste werden als Toteis bezeichnet.
Das Toteis wurde von Sand, Kies, Lehm und anderem Gletschermaterial überdeckt. Als der Eisblock später abschmolz, sackte das darüberliegende Material ein. In der dadurch entstandenen Mulde sammelte sich Wasser.
Der Lützelsee gilt deshalb als Toteissee. Auch weitere Kleinseen und Feuchtgebiete der Umgebung entstanden durch ähnliche glaziale Vorgänge.
Die besondere Kombination aus See, Moränenhügeln, Mooren und Senken macht die Gegend zu einem bedeutenden Zeugnis der Landschaftsbildung am Ende der Eiszeit.
Bohrungen in den Seeablagerungen ermöglichen die Rekonstruktion der Vegetations- und Klimageschichte der vergangenen Jahrtausende. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen wurden unter mehreren Metern organischer Sedimente Ablagerungen aus der letzten Eiszeit festgestellt.
Verlandung
Der Lützelsee befindet sich in einem natürlichen Verlandungsprozess. Abgestorbene Wasserpflanzen, Schilf, Blätter und andere organische Stoffe sammeln sich am Seegrund und in den Uferbereichen an.
Mit der Zeit entstehen daraus mächtige Sediment- und Torfschichten. Die offene Wasserfläche wird dadurch allmählich kleiner, während sich Röhrichte, Riedwiesen, Gebüsche und Bruchwälder ausbreiten.
Unter natürlichen Bedingungen würde sich der Lützelsee langfristig zu einem Moor und später teilweise zu einer bewaldeten Senke entwickeln. Dieser Prozess läuft über Jahrhunderte oder Jahrtausende.
Nährstoffeinträge können die Verlandung beschleunigen, da sie das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen fördern. Naturschutz- und Gewässerschutzmassnahmen sollen deshalb übermässige Einträge vermindern.
Die Verlandungszonen sind keine wertlosen Randbereiche, sondern gehören zu den artenreichsten Lebensräumen des Gebiets.
Schwimmende Inseln
Zu den bekanntesten Besonderheiten des Lützelsees gehören seine schwimmenden Inseln.
Sie entstehen in den breiten Verlandungsbereichen. Wurzeln und unterirdische Ausläufer von Schilf, Seggen und anderen Sumpfpflanzen bilden dichte Matten. In diesen sammeln sich Torf, abgestorbene Pflanzenteile und Sedimente.
Wenn eine solche Matte ihre Verbindung zum festen Untergrund oder zum Ufer verliert, kann sie auf dem Wasser schwimmen. Wind und Strömung bewegen die Insel langsam über den See.
Grössere schwimmende Inseln tragen Schilf, Gräser, kleine Sträucher und teilweise junge Bäume. Ihre Lage und Form können sich im Lauf der Zeit verändern.
Die Inseln bieten geschützte Brut-, Ruhe- und Nahrungsplätze für Wasservögel. Sie dürfen weder betreten noch mit Booten angefahren werden.
Schwimmende Vegetationsinseln kommen auch in anderen flachen Moorseen vor. Am Lützelsee sind sie jedoch besonders gut ausgebildet und für Besucher sichtbar.
Moorlandschaft Lützelsee
Der Lützelsee bildet den Kern einer Moorlandschaft von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung.
Die Moorlandschaft umfasst nicht nur einzelne geschützte Moorflächen, sondern ein grossräumiges System aus:
- Seen und Weihern;
- Flachmooren;
- Riedwiesen;
- Schilfgürteln;
- Gehölzen;
- Moränenhügeln;
- landwirtschaftlich genutzten Wiesen;
- Obstgärten;
- Wegen;
- Weilern und Einzelhöfen.
Sie gehört zu den sechs Moorlandschaften von nationaler Bedeutung im Kanton Zürich.[1]
Der Schutz betrifft deshalb sowohl die eigentlichen Moore als auch das charakteristische Landschaftsbild und die traditionelle Nutzung der Umgebung.
Lützelsee–Seeweidsee–Uetziker Riet
Das Naturschutzgebiet Lützelsee–Seeweidsee–Uetziker Riet umfasst den Lützelsee, den kleineren Seeweidsee und ausgedehnte Feuchtgebiete.
Der Seeweidsee liegt nordöstlich des Lützelsees. Er ist wesentlich kleiner und stärker von Verlandung geprägt.
Das Uetziker Riet bildet einen grossen zusammenhängenden Feuchtgebietskomplex. Es umfasst Streuwiesen, Seggenriede, Schilfflächen und kleinere offene Wasserstellen.
Das Schutzgebiet erstreckt sich über Teile der Gemeinden Hombrechtikon, Grüningen und Gossau.
Bereits 1966 stellte der Regierungsrat das Gebiet des Lützelsees, des Seeweidsees und des Uetziker Riets unter Schutz. Später wurden die Schutzbestimmungen erweitert und an die nationalen Vorgaben zum Moorlandschaftsschutz angepasst.[3]
Schutzstatus
Die Landschaft um den Lützelsee ist durch mehrere einander ergänzende Schutzinstrumente gesichert.
Dazu gehören:
- das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung;
- das Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung;
- Bundesinventare der Flachmoore;
- kantonale Schutzverordnungen;
- kommunale Nutzungs- und Landschaftsschutzbestimmungen;
- Schutzvorschriften für einzelne Tier- und Pflanzenarten.
Die Landschaft Lützelsee–Seeweidsee–Uetziker Riet ist als Objekt von nationaler Bedeutung erfasst. Die Schutzziele umfassen die Erhaltung der Moorbiotope, des Landschaftsbildes, der traditionellen Kulturlandschaft und der Lebensräume seltener Arten.
Bauten, Terrainveränderungen, Entwässerungen, intensive Freizeitnutzungen und andere Eingriffe sind deshalb nur eingeschränkt zulässig.
Pflanzenwelt
Die Pflanzenwelt unterscheidet sich stark nach Wassertiefe, Bodenfeuchtigkeit und Nutzung.
Im offenen Wasser wachsen verschiedene Unterwasser- und Schwimmblattpflanzen. In flacheren Bereichen breiten sich Röhrichte aus.
Typische Pflanzen der Ufer- und Moorbereiche sind:
- Schilf;
- Rohrkolben;
- verschiedene Seggenarten;
- Binsen;
- Wasserschwertlilie;
- Sumpfdotterblume;
- Blutweiderich;
- Mädesüss;
- Wasserminze;
- Fieberklee;
- Sumpffarn.
In den besonders nährstoffarmen Moorflächen können spezialisierte Pflanzen vorkommen, die auf feuchte und wenig gedüngte Standorte angewiesen sind.
Die angrenzenden Streuwiesen werden gewöhnlich erst spät im Jahr gemäht. Dadurch können Pflanzen blühen, Samen bilden und zahlreichen Insekten Nahrung bieten.
Ohne regelmässige Pflege würden viele offene Riedflächen verbuschen und später zu Wald werden.
Tierwelt
Vögel
Der Lützelsee ist ein bedeutender Lebensraum für Wasservögel, Röhrichtbewohner und Zugvögel.
Regelmässig anzutreffen sind unter anderem:
- Stockente;
- Blässhuhn;
- Teichhuhn;
- Haubentaucher;
- Zwergtaucher;
- Graureiher;
- Eisvogel;
- Teichrohrsänger;
- Rohrammer;
- verschiedene Gänse- und Entenarten.
Die Schilfgürtel und schwimmenden Inseln bieten geschützte Brutplätze. Während des Vogelzugs nutzen weitere Arten das Gebiet als Rast- und Nahrungsplatz.
Störungen durch Menschen und frei laufende Hunde können insbesondere während der Brutzeit problematisch sein.
Weissstorch
Die Umgebung des Lützelsees ist für ihre Weissstörche bekannt.
Im Gebiet Hasel bestehen seit mehreren Jahrzehnten betreute Nistplätze. Von dort suchen die Störche auf Wiesen, Weiden, Riedflächen und an flachen Gewässern nach Nahrung.
Ihre Nahrung besteht vor allem aus Regenwürmern, Insekten, Amphibien, kleinen Säugetieren und weiteren Kleintieren.
In günstigen Jahren werden zahlreiche Jungstörche aufgezogen. Die Horste und fliegenden Tiere gehören zu den auffälligsten Naturbeobachtungen am Lützelsee.
Die Pflege der Nistplätze und die Beobachtung der Bestände werden durch lokale Natur- und Vogelschutzorganisationen unterstützt.
Amphibien
Die Feuchtgebiete um den Lützelsee besitzen eine grosse Bedeutung für Amphibien.
Zu den möglichen oder nachgewiesenen Arten gehören:
- Grasfrosch;
- Wasserfrosch;
- Erdkröte;
- Bergmolch;
- Teichmolch;
- Gelbbauchunke;
- Laubfrosch.
Amphibien benötigen nicht nur Gewässer zur Fortpflanzung, sondern auch geeignete Sommer- und Winterlebensräume in Wiesen, Wäldern und Gehölzen.
Strassen können während der Frühjahrswanderung eine erhebliche Gefahr darstellen. Temporäre Schutzzäune und freiwillige Helfer tragen dazu bei, Tiere sicher über Verkehrswege zu bringen.
Fische
Der Fischbestand wird durch die geringe Tiefe, die Wassertemperatur, den Sauerstoffgehalt und die nährstoffreichen Bedingungen geprägt.
Im See kommen verschiedene an stehende Gewässer angepasste Fischarten vor. Dazu zählen insbesondere Karpfenfische sowie Raubfische.
In warmen Sommern kann in den tieferen Wasserschichten Sauerstoffmangel entstehen. Dies begrenzt den verfügbaren Lebensraum und kann Fische und andere Wasserorganismen belasten.
Die Fischerei ist durch kantonale Vorschriften und örtliche Schutzbestimmungen geregelt.
Insekten
Die Moor- und Riedflächen beherbergen zahlreiche Libellen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer und Wildbienen.
Libellen benötigen offene Wasserflächen, Gräben, Tümpel und eine vielfältige Ufervegetation. Ihre Larven leben je nach Art mehrere Monate oder Jahre im Wasser.
Spät gemähte Streuwiesen bieten Schmetterlingen und Heuschrecken Lebensraum. Intensivierung, Entwässerung und häufige Mahd würden viele dieser spezialisierten Arten verdrängen.
Wasserqualität
Der Lützelsee ist von Natur aus ein nährstoffreicher und flacher See. Durch menschliche Einflüsse stieg die Nährstoffbelastung zeitweise zusätzlich an.
Phosphor und Stickstoff gelangen vor allem über Zuflüsse, Oberflächenabfluss, Drainagen und frühere Abwassereinleitungen in den See.
Ein hohes Nährstoffangebot fördert das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen. Wenn diese absterben, werden sie durch Mikroorganismen abgebaut. Dabei wird Sauerstoff verbraucht.
Während der sommerlichen Schichtung kann es deshalb in tieferen Bereichen zu starkem Sauerstoffmangel kommen. Unter sauerstofffreien Bedingungen werden Nährstoffe aus dem Sediment freigesetzt, wodurch sich die Belastung selbst verstärken kann.
Der Anschluss von Siedlungen an Abwasserreinigungsanlagen und Verbesserungen bei der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung reduzierten einen Teil der externen Belastung.
Der Lützelsee würde jedoch auch unter natürlichen Bedingungen vergleichsweise nährstoffreich bleiben, da er flach ist, ein grosses Einzugsgebiet besitzt und von Moor- und Landwirtschaftsflächen umgeben ist.[4]
Forschung
Die Sedimente des Lützelsees bilden ein natürliches Archiv der Umweltgeschichte.
Pollen, Pflanzenreste, Holzkohle, Staub, Mineralpartikel und Mikroorganismen lagern sich Jahr für Jahr am Seegrund ab. Aus Bohrkernen können Forschende Veränderungen von Vegetation, Klima, Landnutzung und menschlichen Einflüssen rekonstruieren.
Bei einer Forschungsbohrung wurden fast zehn Meter mächtige Seeablagerungen geborgen. Unter den Sedimenten lag die Grundmoräne der letzten Eiszeit.
Pollenanalysen ermöglichen Aussagen darüber, wann sich nach dem Rückzug des Gletschers Birken, Kiefern, Hasel, Eichen und andere Baumarten ausbreiteten.
Spätere Schichten dokumentieren die Entstehung von Landwirtschaft, Waldrodungen, Getreideanbau und weitere menschliche Eingriffe.
Geschichte des Namens
Eine frühe urkundliche Nennung wird auf das Jahr 745 datiert. In einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Gallen erscheint die Form Lucikinse.
Der Name wird als Verbindung eines älteren Personen- oder Geländenamens mit dem Wort See gedeutet. Die genaue sprachgeschichtliche Herkunft ist nicht abschliessend geklärt.
Im Lauf der Jahrhunderte erschienen verschiedene Schreibweisen. Der Name wurde sowohl für das Gewässer als auch für den nahe gelegenen Weiler verwendet.
Der Bestandteil Lützel kann im älteren deutschen Sprachgebrauch «klein» bedeuten. Es ist jedoch nicht sicher, ob der heutige Ortsname unmittelbar auf diese Bedeutung zurückgeht.
Weiler Lützelsee
Lützelsee bezeichnet neben dem Gewässer auch einen historischen Weiler in der Gemeinde Hombrechtikon.
Die Siedlung liegt südlich und südöstlich des Sees. Sie besteht aus Bauernhäusern, Wohngebäuden, ehemaligen Gewerbebauten und landwirtschaftlichen Ökonomiegebäuden.
Mehrere Häuser stammen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Das Ortsbild ist durch traditionelle Fachwerk- und Riegelbauten geprägt.
Der Weiler ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz erfasst. Schutzwürdig sind sowohl die historischen Gebäude als auch ihre Einbettung in die Moor- und Kulturlandschaft.[5]
Herrschaftsgeschichte
Das Gebiet um den Lützelsee gehörte im Mittelalter zum Hof Dürnten und später zur Herrschaft Grüningen.
1273 gelangte die Herrschaft Grüningen an Rudolf von Habsburg. 1408 erwarb die Stadt Zürich die Herrschaft.
Ab 1416 wurde das Gebiet durch die Zürcher Landvogtei Grüningen verwaltet. Diese Ordnung bestand bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft im Jahr 1798.
Kirchlich und grundherrschaftlich bestanden zeitweise Beziehungen zu den Klöstern St. Gallen und Einsiedeln sowie zu weiteren geistlichen Institutionen.
Nach der Helvetischen Revolution wurde das Gebiet Teil der modernen politischen Gemeinde Hombrechtikon.
Familie Hürlimann
In der Geschichte des Weilers spielte die Familie Hürlimann eine bedeutende Rolle.
Ein Angehöriger der Familie liess sich im 17. Jahrhundert durch Heirat am Lützelsee nieder. Später besassen Familienmitglieder mehrere Höfe und Gebäude in der Umgebung.
Aus dieser Familie stammte Hans Heinrich Hürlimann, dessen Nachkommen im 19. Jahrhundert wirtschaftlich tätig wurden.
Albert Hürlimann gründete 1866 in Zürich-Enge die spätere Brauerei Hürlimann. Die Herkunft der Familie wurde dadurch mit der Geschichte eines der bekanntesten Zürcher Brauereiunternehmen verbunden.[5]
Landwirtschaft und Kulturlandschaft
Die Umgebung des Lützelsees wird seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt.
Traditionell dominierten Viehwirtschaft, Milchwirtschaft, Wiesenbau und Obstbau. Ackerbau war wegen der feuchten Böden und des hügeligen Geländes nur auf geeigneten Flächen möglich.
Feuchte Riedwiesen wurden nicht als gewöhnliche Futterwiesen genutzt. Das spät geschnittene Pflanzenmaterial diente als Einstreu in Ställen und wird deshalb als Streue bezeichnet.
Die traditionelle Streunutzung trug zur Entstehung artenreicher Flachmoore bei. Ohne regelmässige Mahd würden diese Flächen verbuschen.
Heute erfolgt die Bewirtschaftung vieler Schutzflächen nach Verträgen und Pflegeplänen. Landwirte erhalten Entschädigungen für eine extensive und naturschutzgerechte Nutzung.
Die landwirtschaftliche Kulturlandschaft ist deshalb nicht nur Umgebung des Schutzgebiets, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Moorlandschaft.
Baden
Am Südwestufer befindet sich die Badi Lützelsee. Sie ist die einzige offizielle Badestelle am See.
Die Anlage verfügt je nach Saison unter anderem über:
- eine Liegewiese;
- einen abgegrenzten Schwimmbereich;
- einen Spielplatz;
- ein Kinderplanschbecken;
- ein Floss;
- sanitäre Anlagen;
- einen Kiosk oder Gastronomiebetrieb.
Wegen des Naturschutzes ist der Schwimmbereich durch Bojen begrenzt. Ausserhalb dieses Bereichs soll nicht gebadet werden.
Luftmatratzen, Stand-up-Paddles, private Boote, Drohnen und ferngesteuerte Wasserfahrzeuge sind nicht zugelassen. Diese Einschränkungen sollen Störungen von Brutvögeln und Schäden an Ufer- und Wasserpflanzen verhindern.[6]
Die Öffnungszeiten und Eintrittsbedingungen können sich von Jahr zu Jahr ändern.
Wandern und Naherholung
Der Lützelsee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Bevölkerung des Zürcher Oberlands und der Zürichseeregion.
Ein Rundweg führt durch die Landschaft um den See. Die Route verläuft teilweise in grösserem Abstand zum Ufer, da breite Schutzzonen nicht betreten werden dürfen.
Der Weg verbindet Hombrechtikon, den Weiler Lützelsee, Hasel, Lutikon und weitere Landschaftspunkte. Von offenen Anhöhen bestehen Aussichten zum Bachtel, zu den Zürcher Oberländer Hügeln und teilweise zu den Alpen.
Der Rundweg wird auch als Familien- und Spazierroute genutzt. Er führt über Naturwege, Landwirtschaftsstrassen und kurze asphaltierte Abschnitte.
Besucher sollen auf den markierten Wegen bleiben, keinen Abfall hinterlassen und die landwirtschaftliche Nutzung respektieren.
Verkehrserschliessung
Der Lützelsee ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuss erreichbar.
Von den Bushaltestellen im Zentrum von Hombrechtikon führen Wanderwege zum See. Auch von Grüningen, Bubikon und Feldbach bestehen längere Wander- und Veloverbindungen.
Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Feldbach, Bubikon und Rüti ZH.
In der Nähe des Sees bestehen nur begrenzte Parkmöglichkeiten. Wegen des Schutzgebiets und der engen Strassen wird die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuss oder mit dem Velo empfohlen.
Schutzregeln
Für das Gebiet gelten je nach Schutzzone unterschiedliche Vorschriften.
Typische Regeln sind:
- Wege nicht verlassen;
- Hunde an der Leine führen;
- Ufer-, Ried- und Schilfflächen nicht betreten;
- Pflanzen nicht pflücken oder ausgraben;
- Tiere nicht fangen oder stören;
- kein Feuer ausserhalb zugelassener Stellen;
- keine privaten Boote oder Stand-up-Paddles verwenden;
- keine Drohnen starten;
- Abfälle mitnehmen;
- nicht ausserhalb der offiziellen Badezone schwimmen.
Die Vorschriften schützen insbesondere empfindliche Brutplätze, Amphibiengewässer und seltene Moorpflanzen.
Nutzungskonflikte
Der Lützelsee ist zugleich Naturschutzgebiet, Landwirtschaftsraum, Wohnumgebung und beliebtes Erholungsziel.
Daraus entstehen unterschiedliche Interessen. Besucher wünschen einen guten Zugang, Bade- und Freizeitmöglichkeiten, während Naturschutzorganisationen möglichst störungsarme Lebensräume verlangen.
Landwirtschaftliche Betriebe benötigen funktionale Wege, Gebäude und Bewirtschaftungsmöglichkeiten. Gleichzeitig müssen Nährstoffeinträge und Veränderungen der Moorböden begrenzt werden.
Auch Umbauten, Neubauten, Energieanlagen und Verkehrsvorhaben können das geschützte Landschaftsbild beeinflussen.
Die Schutzplanung versucht, traditionelle Nutzungen weiterzuführen, sofern sie mit den Schutzzielen vereinbar sind. Neue intensive Nutzungen werden dagegen stärker eingeschränkt.
Bedeutung
Der Lützelsee besitzt auf engem Raum eine aussergewöhnliche Vielfalt an landschaftlichen und ökologischen Elementen.
Seine Bedeutung beruht insbesondere auf:
- der Entstehung als eiszeitlicher Toteissee;
- den schwimmenden Vegetationsinseln;
- den grossflächigen Verlandungszonen;
- der national bedeutenden Moorlandschaft;
- den Lebensräumen für Vögel, Amphibien und Insekten;
- der historischen Kulturlandschaft;
- den schützenswerten Weilern und Bauernhäusern;
- seiner Funktion als Naherholungsgebiet.
Der See zeigt zugleich, wie empfindlich kleine Gewässer gegenüber Nährstoffeinträgen, Entwässerung, Freizeitdruck und Veränderungen im Einzugsgebiet sind.
Siehe auch
- Hombrechtikon
- Zürcher Oberland
- Seeweidsee
- Uetziker Riet
- Liste der Seen im Kanton Zürich
- Moorlandschaft
- Naturschutz im Kanton Zürich
- Bachtel
- Zürichsee
Literatur
- Gemeinde Hombrechtikon: Geschichte von Hombrechtikon. Hombrechtikon.
- Kanton Zürich: Wasserqualität der Seen, Fliessgewässer und des Grundwassers im Kanton Zürich. Zürich.
- Bundesamt für Umwelt: Inventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung. Bern.
- Bundesamt für Kultur: Lützelsee, Gemeinde Hombrechtikon. Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Bern.
- Baudirektion des Kantons Zürich: Schutzverordnung Moorlandschaft Lützelsee. Zürich.
- Statistisches Amt des Kantons Zürich: Die Seen im Kanton Zürich. Zürich.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Hombrechtikon
- Informationen des Kantons Zürich zu den Naturschutzgebieten
- Informationen und Bilder zum Lützelsee
- Website der Badi Lützelsee
- Lützelsee-Rundweg bei Schweiz Tourismus
- Lützelsee bei Zürich Tourismus
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Moorlandschaft Lützelsee: Schutzverordnungsentwurf liegt vor, Kanton Zürich, 15. Mai 2006, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Die Seen im Kanton Zürich, Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Verordnung zum Schutze des Lützelsees, des Seeweidsees und des Uetziker Rietes, Kanton Zürich, 1966, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Wasserqualität der Seen, Fliessgewässer und des Grundwassers im Kanton Zürich, Kanton Zürich, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Lützelsee, Gemeinde Hombrechtikon, Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Badi Lützelsee, abgerufen am 26. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Lützelsee