Huldrych Zwingli

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Huldrych Zwingli
Geburtsname Ulrich Zwingli
Weitere Namensformen Huldreich Zwingli, Ulrich Zwingli, Huldrychus Zwinglius
Geboren 1. Januar 1484
Geburtsort Wildhaus, Grafschaft Toggenburg
Gestorben 11. Oktober 1531
Sterbeort Kappel am Albis
Tätigkeit Reformator, Theologe, Priester, Prediger, Bibelübersetzer und Humanist
Ausbildung Universitäten Wien und Basel
Kirchliche Ämter Pfarrer in Glarus, Leutpriester in Einsiedeln und am Grossmünster in Zürich
Ehefrau Anna Reinhart
Kinder Regula, Wilhelm, Huldrych und Anna
Wirkungsort Zürich
Konfessionelle Bedeutung Begründer der Zürcher Reformation und Mitbegründer der reformierten Tradition
Hauptwerke 67 Schlussreden, Auslegen und Gründe der Schlussreden, Commentarius de vera et falsa religione, Fidei ratio, Fidei expositio

Huldrych Zwingli, ursprünglich Ulrich Zwingli und auch als Huldreich Zwingli bezeichnet, wurde am 1. Januar 1484 in Wildhaus geboren und starb am 11. Oktober 1531 bei Kappel am Albis. Er war ein schweizerischer Theologe, Priester, Humanist, Bibelübersetzer und Reformator. Als Leutpriester am Grossmünster wurde er zur führenden Persönlichkeit der Zürcher Reformation.

Zwingli vertrat die Auffassung, dass die Heilige Schrift die entscheidende Grundlage des christlichen Glaubens und des kirchlichen Lebens sein müsse. Kirchliche Lehren, Bräuche und Einrichtungen, die sich seiner Ansicht nach nicht aus der Bibel begründen liessen, sollten abgeschafft oder grundlegend verändert werden. Mit Unterstützung des Zürcher Rates wurden zwischen 1523 und 1525 unter anderem die katholische Messe, die Heiligenverehrung, das klösterliche Leben, der verpflichtende Priesterzölibat und ein grosser Teil der traditionellen Kirchenausstattung beseitigt.

Die Zürcher Reformation unterschied sich in mehreren Punkten von der durch Martin Luther geprägten Reformation in Deutschland. Besonders in der Abendmahlslehre konnten Zwingli und Luther keine Einigung erzielen. Während Luther an einer wirklichen Gegenwart Christi in Brot und Wein festhielt, verstand Zwingli diese vor allem als Zeichen und Gedächtnis der einmaligen Hingabe Christi.

Zwingli verband seine kirchlichen Reformen eng mit politischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Er setzte sich gegen das eidgenössische Söldnerwesen ein, unterstützte eine obrigkeitlich geordnete Armenfürsorge, förderte Bildung und Bibelübersetzung und betrachtete den Zürcher Rat als verantwortliche Instanz für die Durchführung der Reformation. Diese enge Verbindung von Kirche und staatlicher Obrigkeit führte zugleich zu schweren Konflikten, insbesondere mit der Täuferbewegung.

Sein Versuch, die Reformation auf weitere Gebiete der Eidgenossenschaft auszudehnen, verschärfte die Spannungen zwischen reformierten und katholischen Orten. Im Zweiten Kappelerkrieg begleitete Zwingli das Zürcher Heer als Feldprediger. Er fiel am 11. Oktober 1531 in der Schlacht bei Kappel.

Name

Zwinglis Taufname lautete Ulrich. Im alltäglichen Gebrauch wurde er wahrscheinlich Ueli oder Uoli genannt.

Während seiner humanistischen Ausbildung verwendete er die lateinische Form Udalricus. Später unterschrieb er Briefe und Schriften häufig als Huldrych, Huldrychus oder Huldrycus.

Die Form Huldrych war keine gewöhnliche ältere Schreibweise von Ulrich, sondern eine von Zwingli selbst gewählte Namensform. Sie erinnerte an das deutsche Wort Huld und konnte als «reich an Huld» verstanden werden.

In amtlichen Zürcher Ratsprotokollen wurde er weiterhin als Meister Ulrich oder Meister Uolrich bezeichnet.

In der älteren deutschsprachigen Geschichtsschreibung war die Form Ulrich Zwingli weit verbreitet. Die heutige Forschung verwendet überwiegend die von ihm selbst bevorzugte Schreibweise Huldrych Zwingli.[1]

Herkunft und Familie

Zwingli wurde in Wildhaus im oberen Toggenburg geboren.

Sein Vater Ulrich Zwingli war ein wohlhabender Bauer, Gemeindeammann und angesehener Vertreter der örtlichen Bevölkerung. Seine Mutter Margaretha Bruggmann stammte ebenfalls aus einer angesehenen Familie.

Huldrych war eines von mehreren Kindern. In der Familie bestanden enge Beziehungen zu kirchlichen Ämtern und zur lokalen Politik.

Das Toggenburg gehörte zur Zeit seiner Geburt zum Herrschaftsbereich der Fürstabtei St. Gallen. Zugleich war die Region eng mit der Eidgenossenschaft verbunden.

Zwingli wuchs in einer ländlichen, politisch selbstbewussten Umgebung auf. Die Gemeindetraditionen des Toggenburgs und die eidgenössische Politik beeinflussten sein späteres Denken.

Ein Bruder seines Vaters, Bartholomäus Zwingli, war Dekan in Weesen. Er übernahm einen Teil der frühen Ausbildung des begabten Knaben.

Schulbildung

Zwingli verliess Wildhaus bereits als Kind, um eine umfassendere Ausbildung zu erhalten.

Seine ersten Lateinkenntnisse erwarb er bei seinem Onkel in Weesen am Walensee.

Später besuchte er Schulen in:

  • Basel;
  • Bern;
  • möglicherweise Zürich.

In Bern wurde sein musikalisches Talent erkannt. Zwingli war ein guter Sänger und spielte mehrere Instrumente.

Die Dominikaner sollen versucht haben, ihn für einen Eintritt in ihr Kloster zu gewinnen. Seine Familie widersetzte sich diesem Plan und ermöglichte ihm stattdessen ein Universitätsstudium.

Studium in Wien und Basel

1498 schrieb sich Zwingli an der Universität Wien ein.

Wien war ein bedeutendes Zentrum der spätmittelalterlichen Gelehrsamkeit und des Humanismus. Zwingli studierte dort die freien Künste, zu denen Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie gehörten.

Nach einer Unterbrechung setzte er sein Studium in Basel fort.

1504 erwarb er den Grad eines Baccalaureus, 1506 den Magistergrad der freien Künste.

Während seiner Basler Zeit kam Zwingli mit humanistischen Lehrern und mit der kritischen Beschäftigung mit antiken Texten in Berührung.

Sein theologisches Denken wurde später stark vom Humanismus geprägt. Er wollte die Bibel nicht nur in der lateinischen Übersetzung der Kirche, sondern möglichst in ihren hebräischen und griechischen Grundtexten lesen.

Humanismus

Zu den wichtigsten geistigen Einflüssen auf Zwingli gehörte Erasmus von Rotterdam.

Erasmus forderte eine Erneuerung des Christentums durch Bildung, moralische Verbesserung und die Rückkehr zu den Quellen der antiken und christlichen Überlieferung.

Zwingli studierte die von Erasmus herausgegebene griechische Ausgabe des Neuen Testaments. Er schrieb grössere Teile der Paulusbriefe auf Griechisch ab und lernte sie teilweise auswendig.

Der humanistische Grundsatz ad fontes, auf Deutsch «zu den Quellen», wurde für Zwinglis reformatorisches Denken entscheidend.

Er beschäftigte sich mit:

  • Griechisch;
  • Hebräisch;
  • Latein;
  • antiker Philosophie;
  • Kirchenvätern;
  • Geschichte;
  • Musik;
  • zeitgenössischer Politik.

Anders als manche Humanisten beschränkte sich Zwingli nicht auf eine wissenschaftliche oder moralische Erneuerung. Er entwickelte aus der Bibelauslegung ein umfassendes Programm zur Umgestaltung von Kirche und Gesellschaft.

Priesterweihe

1506 wurde Zwingli zum Priester geweiht.

Seine erste Messe feierte er in Wildhaus.

Noch im gleichen Jahr übernahm er eine Pfarrstelle in Glarus.

Eine umfassende akademische theologische Ausbildung, wie sie später für reformierte Pfarrer üblich wurde, hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Seine theologischen Kenntnisse erweiterte er während seiner Amtszeit durch intensives Selbststudium.

Pfarrer in Glarus

Zwingli wirkte von 1506 bis 1516 als Pfarrer in Glarus.

Neben seinen Aufgaben als Seelsorger und Prediger unterrichtete er junge Männer und pflegte Kontakte zu humanistischen Gelehrten.

Glarus war stark in das eidgenössische Söldnerwesen eingebunden. Viele Männer dienten gegen Bezahlung in ausländischen Armeen.

Zwingli stand anfangs dem päpstlichen Bündnissystem nahe. Er erhielt zeitweise eine päpstliche Pension und unterstützte die militärische Politik des Papstes gegenüber Frankreich.

Als Feldprediger begleitete er Glarner Truppen nach Oberitalien.

Er erlebte unter anderem die eidgenössischen Feldzüge im Zusammenhang mit:

  • der Schlacht bei Novara von 1513;
  • der Schlacht bei Marignano von 1515.

Die Niederlage bei Marignano und die Folgen der ausländischen Söldnerdienste beeinflussten seine politische Haltung.

Zwingli entwickelte sich zu einem entschiedenen Gegner des Reislaufens und des Pensionenwesens. Er kritisierte, dass ausländische Mächte durch Geldzahlungen und militärische Bündnisse die Politik der eidgenössischen Orte beeinflussten.

Seine Stellung brachte ihn in Glarus zunehmend in Konflikt mit Anhängern des französischen Bündnisses.

Leutpriester in Einsiedeln

1516 verliess Zwingli Glarus und wurde Leutpriester im Kloster Einsiedeln.

Einsiedeln war ein bedeutender Wallfahrtsort. Zwingli predigte dort vor Pilgern aus verschiedenen Teilen Europas.

Er kritisierte den Glauben, dass Pilgerfahrten, Reliquien oder bestimmte äussere Handlungen dem Menschen automatisch Vergebung und Heil vermitteln könnten.

Gleichzeitig setzte er seine humanistischen Studien fort.

In Einsiedeln entstanden wichtige Beziehungen zu Gelehrten, Geistlichen, Politikern und einflussreichen Zürcher Familien.

Seine Predigten und seine Bildung machten ihn auch ausserhalb der Region bekannt.

Berufung nach Zürich

Ende 1518 wählte das Kapitel des Grossmünsters Zwingli zum Leutpriester.

Er trat sein Amt am 1. Januar 1519 an.

Als Leutpriester war er vor allem für Predigt, Seelsorge und die Betreuung der städtischen Bevölkerung zuständig.

Mit Zwinglis Amtsantritt am Grossmünster wird gewöhnlich der Beginn der Zürcher Reformation verbunden.[2]

Fortlaufende Bibelauslegung

Zwingli brach mit der üblichen Predigtordnung, die für jeden Sonn- und Feiertag bestimmte Abschnitte aus den Evangelien und Briefen vorsah.

Stattdessen begann er am 1. Januar 1519 mit einer fortlaufenden Auslegung des Matthäusevangeliums.

Diese Methode wird als lectio continua bezeichnet.

Nach dem Matthäusevangelium behandelte er weitere biblische Bücher.

Die fortlaufende Auslegung sollte der Gemeinde den Zusammenhang der biblischen Texte vermitteln. Die Predigt wurde damit zum Mittelpunkt des Gottesdienstes.

Zwingli verstand die Bibel nicht als Sammlung einzelner Belegstellen, sondern als zusammenhängende Botschaft von Gottes Handeln in Christus.

Pest von 1519

Im Jahr 1519 wurde Zürich von einer schweren Pestepidemie getroffen.

Zwingli hielt sich zunächst ausserhalb der Stadt auf, kehrte aber zurück, um als Seelsorger zu wirken.

Er erkrankte selbst schwer und schwebte während längerer Zeit in Lebensgefahr.

Seine Erfahrungen verarbeitete er im sogenannten Pestlied.

Das Lied besteht aus drei Teilen und schildert Erkrankung, Todesangst und Genesung. Es bringt Zwinglis Vertrauen auf Gottes Willen und Gnade zum Ausdruck.

Die überstandene Krankheit stärkte seine Überzeugung, dass der Mensch nicht durch eigene Leistungen, sondern durch Gottes Gnade gerettet werde.

Kritik am Söldnerwesen

Zwingli wandte sich in Predigten und Schriften zunehmend gegen den fremden Solddienst.

Er sah im Reislaufen eine Ursache für:

  • politische Abhängigkeit;
  • Korruption;
  • Gewalt;
  • Zerstörung von Familien;
  • moralischen Verfall;
  • innere Spaltung der Eidgenossenschaft.

Besonders kritisierte er die Pensionen, mit denen ausländische Herrscher einflussreiche eidgenössische Politiker für ihre Interessen gewannen.

1521 schloss die Eidgenossenschaft ein Soldbündnis mit Frankreich. Zürich beteiligte sich als einziger Ort nicht daran.

Zwinglis Widerstand gegen das Söldnerwesen war religiös, moralisch und eidgenössisch-patriotisch begründet.

Fastenbruch von 1522

Am 9. März 1522 fand im Haus des Zürcher Buchdruckers Christoph Froschauer ein öffentliches Wurstessen statt.

Der Verzehr von Fleisch während der vorösterlichen Fastenzeit verstiess gegen die kirchlichen Vorschriften.

Zwingli war anwesend, ass nach den überlieferten Berichten jedoch selbst keine Wurst.

Er verteidigte die Beteiligten in einer Predigt und veröffentlichte die Schrift Vom Erkiesen und Fryheit der Spysen.

Darin erklärte er, Christen dürften nicht durch menschliche Vorschriften zu Speiseverboten verpflichtet werden, die nicht in der Bibel begründet seien.

Der sogenannte Zürcher Wursthandel führte zum offenen Konflikt mit dem Bischof von Konstanz.

Der Zürcher Rat ordnete eine Untersuchung an, übernahm jedoch schrittweise Zwinglis Grundsatz, kirchliche Fragen anhand der Bibel zu beurteilen.[3]

Konflikt um den Priesterzölibat

Zwingli lehnte den verpflichtenden Zölibat für Priester ab.

1522 richtete er gemeinsam mit anderen Geistlichen eine Eingabe an den Bischof von Konstanz. Darin forderten sie die Erlaubnis zur Priesterehe.

Zwingli argumentierte, der Zölibat sei kein allgemeines biblisches Gebot. Die erzwungene Ehelosigkeit führe häufig zu heimlichen Beziehungen und Doppelmoral.

Die Forderung nach der Priesterehe wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Zürcher Kirchenreform.

Ehe mit Anna Reinhart

Zwingli lebte seit etwa 1522 mit der Zürcher Witwe Anna Reinhart zusammen.

Anna war zuvor mit Hans Meyer von Knonau verheiratet gewesen und brachte Kinder aus ihrer ersten Ehe mit.

Zwingli und Anna schlossen zunächst heimlich eine Ehe. Am 2. April 1524 fand die öffentliche kirchliche Trauung statt.

Das Paar hatte vier gemeinsame Kinder:

Kinder von Huldrych Zwingli und Anna Reinhart
Name Geburtsjahr Bemerkung
Regula 1524 Heiratete später den reformierten Theologen Rudolf Gwalther
Wilhelm 1526 Starb 1541 während einer Pestepidemie
Huldrych 1528 Wurde ebenfalls Geistlicher
Anna 1530 Starb im Kindesalter

Die öffentliche Eheschliessung eines Priesters besass eine starke symbolische Wirkung. Sie zeigte, dass Zwingli seine Forderung nach Abschaffung des Zölibats auch im eigenen Leben umsetzte.

Erste Zürcher Disputation

Der Konflikt zwischen Zwingli und dem Bischof von Konstanz führte zur Einberufung einer öffentlichen Disputation.

Die Erste Zürcher Disputation fand am 29. Januar 1523 im Zürcher Rathaus statt.

Zwingli legte seine Position in den 67 Schlussreden dar.

Zu seinen Hauptaussagen gehörten:

  • Christus sei das einzige Haupt der Kirche;
  • die Bibel sei die verbindliche Grundlage der christlichen Lehre;
  • kirchliche Traditionen müssten an der Schrift geprüft werden;
  • der Papst besitze keine in der Bibel begründete Herrschaft über die Kirche;
  • die Messe sei kein neues Opfer Christi;
  • Heilige seien keine notwendigen Vermittler zwischen Gott und Mensch;
  • Speiseverbote seien nicht allgemein verpflichtend;
  • die Priesterehe sei erlaubt;
  • weltliche Obrigkeiten hätten eine von Gott übertragene Verantwortung.

Vertreter des Bischofs von Konstanz bestritten die Zuständigkeit des Zürcher Rates für theologische Fragen.

Der Rat entschied, Zwingli dürfe weiterhin nach der Heiligen Schrift predigen. Auch die übrigen Geistlichen des Zürcher Gebiets wurden angewiesen, ihre Predigten biblisch zu begründen.

Damit stellte sich die Zürcher Obrigkeit grundsätzlich hinter Zwinglis Reformprogramm.

Zweite Zürcher Disputation

Die Zweite Zürcher Disputation fand vom 26. bis 28. Oktober 1523 statt.

Im Mittelpunkt standen:

  • die Verehrung religiöser Bilder;
  • die Bedeutung der katholischen Messe;
  • die praktische Durchführung der Kirchenreform.

Mehrere radikale Reformanhänger verlangten eine sofortige Entfernung der Bilder.

Zwingli und der Rat wollten die Veränderungen dagegen geordnet und unter obrigkeitlicher Kontrolle durchführen.

Die Disputation führte nicht unmittelbar zu allen späteren Massnahmen, bereitete jedoch die Entfernung der Bilder und die Abschaffung der Messe vor.

Entfernung der Bilder

1524 wurden Bilder, Reliquien, Altäre und weitere Gegenstände aus den Zürcher Kirchen entfernt.

Die Massnahmen wurden offiziell durch den Rat organisiert.

Ein Teil der Kunstwerke wurde den Stiftern oder ihren Familien zurückgegeben. Andere Gegenstände wurden verkauft, zerstört oder übermalt.

Die Kirchenräume erhielten ein deutlich schlichteres Erscheinungsbild.

Zwingli lehnte besonders die religiöse Verehrung von Bildern ab. Er befürchtete, dass Gläubige den Darstellungen eine heilige oder wundertätige Kraft zuschrieben.

Er vertrat jedoch nicht in jeder Situation ein vollständiges Verbot aller bildlichen Darstellungen. Entscheidend war für ihn, dass Bilder nicht Gegenstand religiöser Verehrung wurden.

Abschaffung der Messe

Zu Ostern 1525 wurde die katholische Messe in Zürich abgeschafft.

An ihre Stelle trat ein reformierter Abendmahlsgottesdienst.

Der neue Gottesdienst betonte:

  • Lesung und Auslegung der Bibel;
  • Gebet;
  • gemeinschaftliche Teilnahme;
  • Brot und Wein für alle Teilnehmenden;
  • Erinnerung an den Tod Christi;
  • Verzicht auf die Vorstellung eines erneuten Opfers Christi.

Der Abendmahlstisch ersetzte den traditionellen Hochaltar.

Das Abendmahl wurde zunächst nur an wenigen festgelegten Sonntagen des Jahres gefeiert.

Mit der Abschaffung der Messe war der institutionelle Bruch Zürichs mit der römisch-katholischen Kirche weitgehend vollzogen.

Aufhebung von Klöstern und Stiften

Klöster und kirchliche Stifte im Zürcher Herrschaftsgebiet wurden schrittweise aufgehoben oder umgestaltet.

Ihr Besitz gelangte unter die Verwaltung der Obrigkeit.

Die Einkünfte sollten unter anderem verwendet werden für:

  • Armenfürsorge;
  • Schulen;
  • Besoldung von Pfarrern;
  • Spitäler;
  • weitere öffentliche Aufgaben.

Die Aufhebung der geistlichen Gemeinschaften veränderte die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im gesamten Zürcher Herrschaftsgebiet.

Die letzte Äbtissin des Fraumünsters, Katharina von Zimmern, übergab die Rechte und Besitzungen ihres Stifts 1524 der Stadt Zürich.

Armenfürsorge

Zwingli betrachtete die Unterstützung armer und kranker Menschen als Aufgabe der christlichen Gemeinschaft.

1525 verabschiedeten die Zürcher Räte eine neue Almosenordnung.

Die Armenfürsorge wurde stärker zentralisiert und unter obrigkeitliche Kontrolle gestellt.

Finanziert wurde sie teilweise aus den Vermögen aufgehobener Klöster und kirchlicher Einrichtungen.

Betteln sollte eingeschränkt werden, während als unterstützungswürdig angesehene Bedürftige geordnete Hilfe erhielten.

Die Reform verband religiöse Fürsorge mit staatlicher Sozialpolitik.[1]

Ehegericht

1525 wurde in Zürich ein Ehegericht geschaffen.

Es ersetzte in Ehefragen einen Teil der bisherigen bischöflichen Gerichtsbarkeit.

Das Gericht bestand aus weltlichen und geistlichen Mitgliedern.

Es behandelte unter anderem:

  • Eheschliessungen;
  • Eheversprechen;
  • Ehekonflikte;
  • Trennungen;
  • Ehebruch;
  • Unterhaltspflichten;
  • sittliche Vergehen.

Die Einrichtung des Ehegerichts zeigte die enge Verbindung von kirchlicher Reform und städtischer Gesetzgebung.

Prophezey

Am 19. Juni 1525 nahm am Grossmünster die sogenannte Prophezey ihre Arbeit auf.

Sie war eine theologische Lehr- und Arbeitsgemeinschaft, in der biblische Texte in ihren Grundsprachen gelesen, übersetzt und ausgelegt wurden.

Beteiligt waren unter anderem:

  • Huldrych Zwingli;
  • Leo Jud;
  • Konrad Pellikan;
  • Jakob Ceporin;
  • weitere Zürcher Geistliche und Gelehrte.

Am Morgen wurde ein Abschnitt des Alten Testaments auf Hebräisch gelesen. Danach wurden griechische und lateinische Übersetzungen verglichen.

Am Ende wurde der Inhalt in deutscher Sprache für die versammelte Gemeinde erklärt.

Die Prophezey diente zugleich:

  • der Ausbildung reformierter Pfarrer;
  • der wissenschaftlichen Bibelauslegung;
  • der Übersetzung der Bibel;
  • der Vorbereitung von Predigten.

Sie gilt als eine bedeutende Vorläuferinstitution der Theologischen Fakultät der Universität Zürich.[4]

Zürcher Bibel

Aus der Arbeit der Prophezey ging die Zürcher Bibelübersetzung hervor.

Der Buchdrucker Christoph Froschauer veröffentlichte ab 1525 einzelne Teile der Übersetzung.

Das Neue Testament erschien früh auf Grundlage bereits vorhandener deutscher Übersetzungen, darunter der Übersetzung Martin Luthers.

Beim Alten Testament arbeiteten die Zürcher Gelehrten verstärkt mit dem hebräischen und griechischen Text.

1531 erschien erstmals die vollständige Zürcher Bibel in einem Band.

Sie wird auch als Froschauer-Bibel bezeichnet und enthielt mehr als 200 Illustrationen.

Die vollständige Zürcher Übersetzung erschien mehrere Jahre vor der vollständigen Lutherbibel von 1534.[5]

Die Zürcher Bibel wurde später mehrfach überarbeitet und entwickelte sich zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Bibelübersetzungen der reformierten Kirchen.

Verhältnis zum Zürcher Rat

Die Reformation wurde in Zürich nicht allein durch Zwingli durchgeführt.

Grundlegende Veränderungen benötigten die Zustimmung des Kleinen und Grossen Rates.

Der Rat entschied über:

  • öffentliche Disputationen;
  • Predigtordnung;
  • Entfernung der Bilder;
  • Abschaffung der Messe;
  • Aufhebung der Klöster;
  • Armenfürsorge;
  • Ehegericht;
  • Vorgehen gegen religiöse Gegner.

Zwingli betrachtete die Obrigkeit als von Gott beauftragte Instanz, die für Recht, Ordnung und den Schutz der wahren Religion verantwortlich sei.

Dieses Modell unterschied sich von einer modernen Trennung von Kirche und Staat.

Die Kirche besass keine vollständige Unabhängigkeit gegenüber der politischen Obrigkeit. Gleichzeitig beeinflussten Zwingli und die übrigen Geistlichen die Politik des Rates erheblich.

Konflikt mit der Täuferbewegung

Einige frühe Anhänger Zwinglis waren mit dem Tempo und dem Umfang der Reformen unzufrieden.

Zu ihnen gehörten:

  • Konrad Grebel;
  • Felix Manz;
  • Georg Blaurock;
  • Wilhelm Reublin;
  • Simon Stumpf.

Sie verlangten eine von der staatlichen Obrigkeit unabhängigere Gemeinde der freiwillig Glaubenden.

Besonders umstritten war die Taufe.

Die später als Täufer bezeichneten Reformatoren lehnten die Säuglingstaufe ab. Sie tauften Erwachsene, die ihren Glauben persönlich bekannten.

Am 21. Januar 1525 fand in Zürich eine der ersten bekannten Glaubenstaufen der schweizerischen Reformationszeit statt.

Zwingli verteidigte dagegen die Kindertaufe und die Vorstellung einer umfassenden christlichen Volkskirche.

Er befürchtete, eine freiwillige Sondergemeinde würde die Einheit von Kirche, Gesellschaft und politischer Gemeinschaft zerstören.

Der Zürcher Rat verbot die Erwachsenentaufe. Täufer wurden ausgewiesen, eingesperrt oder mit Geldstrafen belegt.

Nach wiederholten Verboten führte der Rat die Todesstrafe ein.

Felix Manz wurde am 5. Januar 1527 in der Limmat ertränkt.

Zwingli war nicht alleiniger Urheber der staatlichen Verfolgung, unterstützte jedoch das obrigkeitliche Vorgehen und bekämpfte die Täufer in Predigten und Schriften.

Die Verfolgung der Täufer gehört zu den am stärksten kritisierten Teilen seines Wirkens.[6]

Theologie

Schriftprinzip

Das Zentrum von Zwinglis Theologie war die Heilige Schrift.

Er war überzeugt, dass Gottes Wort durch die Wirkung des Heiligen Geistes verständlich werde.

Kirchliche Traditionen, Konzilsbeschlüsse und päpstliche Anordnungen besassen für ihn keine selbstständige Autorität neben oder über der Bibel.

Das Schriftprinzip bedeutete jedoch nicht, dass Zwingli ohne Auslegung arbeitete. Seine Deutung war durch humanistische Sprachwissenschaft, Kirchenväter, politische Erfahrungen und seine Vorstellung einer geordneten christlichen Gesellschaft geprägt.

Christus

Christus war für Zwingli der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch.

Daraus folgte seine Ablehnung der Heiligenverehrung als notwendiger Vermittlung des Heils.

Das Opfer Christi am Kreuz war einmalig und konnte in der Messe nicht wiederholt werden.

Die Kirche sollte deshalb nicht durch Opferhandlungen, sondern durch Verkündigung, Glauben und gemeinschaftliches Gedächtnis geprägt sein.

Gnade und Glaube

Der Mensch könne sich das Heil nicht durch gute Werke, Wallfahrten, Fasten oder kirchliche Leistungen verdienen.

Rettung beruhe auf Gottes Gnade.

Der Glaube sei keine menschliche Leistung, sondern Wirkung des Heiligen Geistes.

Gute Werke seien nicht die Ursache des Heils, sondern eine Folge des Glaubens.

Vorsehung

Zwingli betonte die umfassende Herrschaft und Vorsehung Gottes.

Nichts geschehe ausserhalb des göttlichen Willens.

Diese Lehre entwickelte er besonders in seinen späteren Schriften.

Seine Aussagen über Erwählung und Vorsehung beeinflussten die spätere reformierte Tradition.

Kirche

Zwingli unterschied zwischen der unsichtbaren Gemeinschaft der wahrhaft Glaubenden und der sichtbaren Kirche.

Die sichtbare Kirche umfasste die getaufte Bevölkerung und wurde durch Predigt, Sakramente und kirchliche Ordnung zusammengehalten.

Er lehnte eine Kirche ab, die als eigenständige geistliche Macht über der politischen Gemeinschaft stand.

Die örtliche christliche Gemeinde und ihre Obrigkeit sollten gemeinsam für eine schriftgemässe Ordnung sorgen.

Taufe

Zwingli betrachtete die Taufe nicht als Handlung, die aus eigener Kraft die Wiedergeburt bewirkte.

Sie war für ihn ein Zeichen der Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft und des göttlichen Bundes.

Er behielt die Kindertaufe bei.

Dabei verglich er sie teilweise mit der Beschneidung im Alten Testament, durch die Kinder in das Bundesvolk aufgenommen wurden.

Abendmahl

Zwinglis Abendmahlslehre unterschied sich deutlich von der katholischen Lehre und von Martin Luther.

Er lehnte die Vorstellung ab, Brot und Wein würden sich in Leib und Blut Christi verwandeln.

Auch eine körperliche Gegenwart Christi in den Elementen wies er zurück.

Brot und Wein waren für ihn Zeichen, die an den Tod Christi erinnerten.

Im Abendmahl bekannte die Gemeinde gemeinsam ihren Glauben und erinnerte sich an die Erlösung durch Christus.

Zwinglis Lehre wurde häufig als rein symbolisch beschrieben. Tatsächlich betonte er neben dem Zeichencharakter auch die geistliche Gegenwart Christi im Glauben der Gemeinde.

Gottesdienst

Der reformierte Gottesdienst wurde um die Verkündigung der Bibel herum aufgebaut.

Im Mittelpunkt standen:

  • Predigt;
  • Schriftlesung;
  • Gebet;
  • gemeinschaftliches Bekenntnis;
  • gelegentliche Abendmahlsfeier.

Die lateinische Messe wurde durch einen deutschsprachigen Gottesdienst ersetzt.

Zwingli war selbst ein ausgebildeter Musiker, liess jedoch die instrumentale Musik und zeitweise auch den Gemeindegesang aus dem offiziellen Zürcher Gottesdienst entfernen.

Er befürchtete, kunstvolle Musik könne von der verständlichen Verkündigung des Wortes ablenken.

Verhältnis zu Martin Luther

Zwingli und Luther teilten zahlreiche reformatorische Überzeugungen.

Beide kritisierten:

  • päpstliche Herrschaftsansprüche;
  • Ablasswesen;
  • Heiligenverehrung;
  • verpflichtenden Priesterzölibat;
  • Verständnis der Messe als Opfer;
  • menschliche Heilsleistungen.

Zwingli entwickelte seine Reformation jedoch in einem anderen politischen und geistigen Umfeld.

Während Luther in einem deutschen Territorialstaat wirkte, war Zürich ein eidgenössischer Stadtstaat mit Räten, Zünften und einer vergleichsweise starken kommunalen Tradition.

Seit 1525 verschärfte sich der Streit um das Abendmahl.

Luther verstand die Worte Christi «Das ist mein Leib» als Aussage über eine wirkliche Gegenwart Christi.

Zwingli legte das Wort «ist» sinngemäss als «bedeutet» aus.

Marburger Religionsgespräch

Landgraf Philipp von Hessen lud die führenden Reformatoren 1529 zu einem Gespräch nach Marburg ein.

Das Marburger Religionsgespräch fand vom 1. bis 4. Oktober 1529 statt.

Teilnehmer waren unter anderem:

  • Martin Luther;
  • Huldrych Zwingli;
  • Philipp Melanchthon;
  • Johannes Oekolampad;
  • Martin Bucer;
  • Justus Jonas.

In vierzehn von fünfzehn vorgelegten Artikeln wurde eine weitgehende Einigung erzielt.

In der Abendmahlsfrage blieben die Unterschiede jedoch bestehen.

Die gescheiterte Einigung verhinderte ein gemeinsames politisches und kirchliches Bündnis aller evangelischen Kräfte.

Die spätere Trennung zwischen lutherischen und reformierten Kirchen wurde dadurch wesentlich gefestigt.[3]

Ausbreitung der Reformation

Zwinglis Gedanken wirkten weit über Zürich hinaus.

Reformatorische Bewegungen entstanden unter anderem in:

  • St. Gallen;
  • Basel;
  • Bern;
  • Schaffhausen;
  • Appenzell;
  • Graubünden;
  • süddeutschen Städten.

Wichtige Mitstreiter und Gesprächspartner waren:

Die Berner Disputation von 1528 führte zur Einführung der Reformation im mächtigen Stadtstaat Bern.

Damit gewann das reformierte Lager innerhalb der Eidgenossenschaft erheblich an Gewicht.

Badener Disputation

1526 fand in Baden eine eidgenössische Religionsdisputation statt.

Die katholischen Orte wählten den Tagungsort und bestimmten die organisatorischen Bedingungen.

Zwingli nahm aus Sicherheitsgründen nicht persönlich teil.

Die reformierte Seite wurde unter anderem durch Johannes Oekolampad und Berchtold Haller vertreten.

Der katholische Theologe Johannes Eck trat als wichtigster Gegner der Reformation auf.

Die Tagsatzung erklärte die katholische Seite zur Siegerin und bestätigte in mehreren Orten die traditionelle Lehre.

Die Badener Disputation konnte die Ausbreitung der Reformation jedoch nicht dauerhaft aufhalten.

Reformierte Bündnispolitik

Zwingli war nicht nur Theologe, sondern auch politischer Berater.

Er wollte die reformierten Orte durch Bündnisse stärken.

Zürich schloss mit reformierten Städten sogenannte Christliche Burgrechte.

Solche Bündnisse bestanden unter anderem mit:

  • Konstanz;
  • Bern;
  • St. Gallen;
  • Basel;
  • Schaffhausen.

Die katholischen Orte betrachteten diese Bündnisse als Bedrohung für die bestehende eidgenössische Ordnung.

Zwingli entwickelte zeitweise weitreichende Pläne für Bündnisse mit protestantischen Städten in Süddeutschland und mit weiteren Gegnern der Habsburger.

Erster Kappelerkrieg

1529 verschärften sich die Spannungen zwischen Zürich und den fünf katholischen Orten Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug.

Beide Seiten mobilisierten ihre Truppen.

Die Heere standen sich bei Kappel am Albis gegenüber.

Zu einer Schlacht kam es nicht.

Vermittler aus neutralen Orten erreichten den Ersten Kappeler Landfrieden.

Die später berühmt gewordene Erzählung von der Kappeler Milchsuppe symbolisiert die zeitweilige Verständigung der einfachen Soldaten beider Seiten.

Zwingli war mit dem Friedensschluss unzufrieden. Er hielt die Vereinbarung für zu schwach und befürchtete, dass der Konflikt nur aufgeschoben worden sei.

Wirtschaftssperre

1531 beschlossen Zürich und Bern eine Lebensmittelsperre gegen die katholischen Orte.

Damit sollten diese gezwungen werden, die freie evangelische Predigt in ihren Gebieten zuzulassen.

Die Sperre traf besonders die Versorgung mit Getreide und Salz.

Zwingli unterstützte die Zwangsmassnahme.

Die katholischen Orte betrachteten sie als feindlichen Angriff und bereiteten einen militärischen Gegenschlag vor.

Die Wirtschaftssperre verschärfte die konfessionelle und politische Krise erheblich.

Zweiter Kappelerkrieg

Im Oktober 1531 marschierten Truppen der fünf katholischen Orte gegen Zürich.

Die Zürcher Regierung war schlecht vorbereitet.

Ein hastig zusammengestelltes Heer zog in Richtung Kappel am Albis.

Zwingli begleitete die Truppen als Feldprediger. Er war bewaffnet und trug nach zeitgenössischer Praxis eine militärische Schutzausrüstung.

Am 11. Oktober 1531 trafen die zahlenmässig und taktisch unterlegenen Zürcher auf das katholische Heer.

In der Schlacht bei Kappel erlitten sie eine schwere Niederlage.

Mehrere hundert Zürcher kamen ums Leben, darunter zahlreiche politische und kirchliche Führungspersonen.

Tod

Zwingli wurde während der Schlacht verwundet und getötet.

Die genauen Umstände seines Todes sind nicht vollständig gesichert.

Nach späteren Berichten wurde er schwer verwundet aufgefunden und von einem gegnerischen Soldaten getötet, nachdem er sich geweigert hatte, einen Priester zu beichten.

Sein Leichnam wurde am folgenden Tag identifiziert.

Die Sieger behandelten ihn nach einem nachträglichen Verfahren als Ketzer und Landesverräter.

Der Körper wurde gevierteilt und verbrannt. Über den Umgang mit der Asche bestehen unterschiedliche Überlieferungen.

Zwinglis Tod wurde von seinen Anhängern als Märtyrertod gedeutet, von seinen Gegnern dagegen als göttliches Strafgericht dargestellt.

Zweiter Kappeler Landfrieden

Nach der Niederlage musste Zürich dem Zweiten Kappeler Landfrieden zustimmen.

Die katholischen Orte behielten ihre Religion.

In den Gemeinen Herrschaften wurden die katholischen Positionen gestärkt.

Zürich musste seine offensive reformatorische Bündnispolitik aufgeben.

Die Reformation blieb im Zürcher Herrschaftsgebiet bestehen, konnte aber nicht mit militärischem oder wirtschaftlichem Zwang auf die gesamte Eidgenossenschaft ausgedehnt werden.

Die konfessionelle Teilung der Eidgenossenschaft wurde dauerhaft gefestigt.

Nachfolge durch Heinrich Bullinger

Nach Zwinglis Tod wurde Heinrich Bullinger zu seinem Nachfolger am Grossmünster gewählt.

Bullinger war damals erst 27 Jahre alt.

Er stabilisierte die Zürcher Kirche und vermied eine unmittelbare Fortsetzung von Zwinglis militärisch ausgerichteter Politik.

Durch einen umfangreichen Briefwechsel entwickelte Bullinger Zürich zu einem internationalen Zentrum der reformierten Welt.

1549 einigten sich Bullinger und Johannes Calvin im Consensus Tigurinus auf eine gemeinsame reformierte Abendmahlslehre.

Damit wurden die Zürcher und Genfer Traditionen enger miteinander verbunden.

Schriften

Zwingli verfasste Predigten, Kommentare, politische Stellungnahmen, theologische Abhandlungen, Briefe und Lieder.

Seine Werke erschienen meist in deutscher oder lateinischer Sprache.

Ausgewählte Werke
Jahr Werk Bedeutung
1510 Der Labyrinth Politisch-moralisches Lehrgedicht
1510 Der Ochsen Satirisches Gedicht
1522 Vom Erkiesen und Fryheit der Spysen Verteidigung der Freiheit gegenüber kirchlichen Fastengeboten
1522 Eine göttliche Vermahnung an die Eidgenossen zu Schwyz Kritik an Söldnerwesen und fremden Pensionen
1523 67 Schlussreden Zusammenfassung des reformatorischen Programms für die Erste Zürcher Disputation
1523 Auslegen und Gründe der Schlussreden Ausführliche Begründung der 67 Thesen
1524 Der Hirt Darstellung des verantwortlichen Pfarramts
1525 Commentarius de vera et falsa religione Umfassende Darstellung der wahren und falschen Religion
1525 Von der Taufe, von der Wiedertaufe und von der Kindertaufe Auseinandersetzung mit der Täuferbewegung
1526 Amica exegesis Beitrag zum Abendmahlsstreit
1527 Freundliche Verglimpfung Weitere Auseinandersetzung mit Luthers Abendmahlslehre
1530 Fidei ratio Glaubensdarstellung für Kaiser Karl V.
1531 Fidei expositio Späte zusammenfassende Darstellung seiner Theologie

Die Werke wurden nach seinem Tod von Schülern und Nachfolgern gesammelt und herausgegeben.

Sprache und Stil

Zwingli schrieb sowohl in gelehrtem Latein als auch in einem frühneuhochdeutschen Deutsch mit schweizerischen Merkmalen.

Seine deutschsprachigen Texte sollten nicht nur Theologen, sondern auch Ratsherren, Handwerker und weitere gebildete Laien erreichen.

Sein Stil konnte sachlich, polemisch, satirisch oder seelsorgerlich sein.

In theologischen Auseinandersetzungen verwendete er teilweise scharfe und persönliche Formulierungen, wie sie in der konfessionellen Streitliteratur des 16. Jahrhunderts üblich waren.

Musik

Zwingli war ein talentierter Musiker.

Er spielte mehrere Instrumente, darunter wahrscheinlich:

  • Laute;
  • Harfe;
  • Violine;
  • Flöte;
  • Hackbrett.

Er komponierte Lieder und besass eine gute Singstimme.

Zu seinen bekannten musikalisch-poetischen Werken gehört das Pestlied.

Trotz seiner persönlichen Musikbegeisterung beschränkte die Zürcher Reformation den liturgischen Gesang und die Instrumentalmusik im Gottesdienst stark.

Die Orgeln der Zürcher Kirchen wurden zeitweise entfernt oder nicht mehr verwendet.

Zwingli wollte verhindern, dass die musikalische Wirkung das verständliche Wort der Bibel verdrängte.

Verhältnis zur Bildung

Zwingli sah Bildung als Voraussetzung für eine schriftgemässe Kirche.

Pfarrer sollten die biblischen Grundsprachen beherrschen und über umfassende historische und sprachliche Kenntnisse verfügen.

Mit der Prophezey entstand eine dauerhafte Einrichtung zur Ausbildung reformierter Geistlicher.

Auch Schulen für Kinder wurden gefördert, da Gläubige die Bibel selbst lesen können sollten.

Die Zürcher Reformation trug damit zur Ausweitung des Schulwesens im städtischen Herrschaftsgebiet bei.

Politisches Denken

Zwingli betrachtete die Eidgenossenschaft nicht nur als militärisches Bündnis, sondern als sittlich verantwortliche Gemeinschaft.

Er forderte:

  • Unabhängigkeit von ausländischen Mächten;
  • Bekämpfung politischer Korruption;
  • Verbot fremder Pensionen;
  • Einschränkung des Solddienstes;
  • christlich begründete Rechtsprechung;
  • soziale Verantwortung der Obrigkeit.

Eine moderne Demokratie oder religiöse Neutralität des Staates vertrat er nicht.

Er erwartete von der politischen Obrigkeit, dass sie die als wahr erkannte Religion schütze und abweichende Lehren begrenze.

Diese Haltung entsprach weitgehend den Vorstellungen vieler Reformatoren und katholischer Obrigkeiten des 16. Jahrhunderts, steht jedoch im Gegensatz zum späteren Verständnis von Religionsfreiheit.

Verhältnis zur Eidgenossenschaft

Zwingli war stark von einem eidgenössischen Patriotismus geprägt.

Er kritisierte, dass die militärische Stärke der Eidgenossen von europäischen Herrschern für fremde Kriege genutzt wurde.

Sein Ziel war eine moralisch und religiös erneuerte Eidgenossenschaft.

Dabei unterschätzte er jedoch die konfessionelle, politische und wirtschaftliche Eigenständigkeit der einzelnen Orte.

Seine Versuche, reformatorische Veränderungen auch ausserhalb Zürichs durch politischen Druck zu fördern, verstärkten die Spaltung der Eidgenossenschaft.

Wirkung auf die reformierte Tradition

Zwinglis Theologie bildete gemeinsam mit den Arbeiten von Oekolampad, Bullinger, Bucer und Calvin eine Grundlage der reformierten Kirchen.

Besonders wirksam wurden:

  • Vorrang der Heiligen Schrift;
  • schlichter Predigtgottesdienst;
  • Ablehnung der Messe als Opfer;
  • reformierte Abendmahlslehre;
  • Entfernung verehrter Bilder;
  • Betonung der göttlichen Vorsehung;
  • Verbindung von Kirche, Bildung und gesellschaftlicher Ordnung.

Die spätere reformierte Tradition übernahm Zwinglis Gedanken nicht unverändert.

Bullinger und Calvin entwickelten insbesondere die Abendmahlslehre und die Kirchenordnung weiter.

Historische Beurteilung

Zwingli wird häufig neben Luther und Calvin als einer der bedeutendsten Reformatoren des 16. Jahrhunderts genannt.

Er war jedoch kein blosser schweizerischer Nachahmer Luthers.

Seine Reformation entstand aus:

  • schweizerischer Politik;
  • städtischer Ratsverfassung;
  • Humanismus;
  • Kritik am Söldnerwesen;
  • intensiver Bibelauslegung;
  • lokalen kirchlichen Konflikten.

Positiv hervorgehoben werden häufig:

  • Förderung der Bibelübersetzung;
  • Bildungsreformen;
  • Kritik an politischer Korruption;
  • Neuordnung der Armenfürsorge;
  • Ablehnung käuflicher Heilsvermittlung;
  • Einfluss auf die reformierte Theologie.

Kritisch beurteilt werden:

  • Verfolgung der Täufer;
  • enge Verbindung von Kirche und obrigkeitlicher Gewalt;
  • Unterstützung wirtschaftlichen Drucks gegen katholische Orte;
  • Bereitschaft zu militärischen Lösungen;
  • Verluste religiöser Kunst während der Bilderentfernung;
  • geringe Toleranz gegenüber abweichenden Glaubensgemeinschaften.

Die Forschung betrachtet Zwingli deshalb sowohl als religiösen Erneuerer als auch als politischen Akteur seiner konfliktgeladenen Epoche.

Erinnerungskultur

Zwingli-Denkmal in Zürich

Vor der Wasserkirche in Zürich steht das Zwingli-Denkmal.

Die Bronzestatue wurde vom österreichischen Bildhauer Heinrich Natter geschaffen und 1885 enthüllt.

Zwingli ist mit einer Bibel und einem Schwert dargestellt.

Die Bibel symbolisiert sein reformatorisches Schriftprinzip, das Schwert seine politische Tätigkeit und seinen Tod als Feldprediger im Kappelerkrieg.[7]

Grossmünster

Das Grossmünster gilt als Hauptort der Zürcher Reformation.

Im Kreuzgang und in den kirchlichen Ausstellungen wird an Zwingli und seine Mitarbeiter erinnert.

An der Nordseite des Grossmünsters befindet sich eine moderne Bronzetür mit Darstellungen aus der Reformationsgeschichte.

Geburtshaus in Wildhaus

In Wildhaus wird ein historisches Holzhaus als Geburtshaus Zwinglis gezeigt.

Das Gebäude beherbergt eine Ausstellung zu seinem Leben und zur Reformation.

Kappel am Albis

Bei Kappel am Albis erinnert ein Gedenkstein an Zwinglis Tod.

Das ehemalige Kloster Kappel ist ein wichtiger Erinnerungsort der Kappelerkriege und der schweizerischen Reformationsgeschichte.

Schweizerisches Nationalmuseum

Im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich werden Gegenstände aufbewahrt, die traditionell mit Zwingli verbunden werden.

Dazu gehören ein Helm und ein Schwert. Ihre unmittelbare Zugehörigkeit zu Zwingli ist historisch nicht zweifelsfrei bewiesen.

Darstellung in Kunst und Medien

Zwingli wurde seit dem 16. Jahrhundert in Gemälden, Druckgrafiken, Denkmälern, Theaterstücken, Romanen und Filmen dargestellt.

Das bekannteste Porträt stammt von Hans Asper und entstand nach Zwinglis Tod.

Es zeigt ihn im Profil mit schwarzer Kopfbedeckung und dunkler Kleidung.

2019 kam der schweizerische Spielfilm Zwingli in die Kinos. Der Film schildert den Beginn der Zürcher Reformation und stellt auch Anna Reinhart als eigenständige Persönlichkeit dar.

Zeittafel

Leben und Wirken
Jahr Ereignis
1484 Geburt am 1. Januar in Wildhaus.
um 1490 Beginn der schulischen Ausbildung bei seinem Onkel in Weesen.
1490er-Jahre Besuch von Lateinschulen in Basel und Bern.
1498 Beginn des Studiums an der Universität Wien.
1502 Fortsetzung des Studiums in Basel.
1504 Erwerb des Baccalaureusgrades.
1506 Erwerb des Magistergrades, Priesterweihe und Übernahme der Pfarrstelle in Glarus.
1513 Begleitung eidgenössischer Truppen als Feldprediger im Umfeld der Schlacht bei Novara.
1515 Teilnahme am Italienfeldzug und Erfahrung der Niederlage bei Marignano.
1516 Wechsel von Glarus nach Einsiedeln.
1518 Wahl zum Leutpriester am Grossmünster in Zürich.
1. Januar 1519 Amtsantritt und Beginn der fortlaufenden Auslegung des Matthäusevangeliums.
1519 Schwere Erkrankung während der Zürcher Pestepidemie.
1521 Zürich lehnt als einziger eidgenössischer Ort das Soldbündnis mit Frankreich ab.
9. März 1522 Wurstessen bei Christoph Froschauer.
1522 Veröffentlichung der Schrift über die Freiheit der Speisen und Forderung nach der Priesterehe.
29. Januar 1523 Erste Zürcher Disputation auf Grundlage der 67 Schlussreden.
26.–28. Oktober 1523 Zweite Zürcher Disputation über Bilder und Messe.
1524 Geordnete Entfernung religiöser Bilder aus den Zürcher Kirchen.
2. April 1524 Öffentliche Eheschliessung mit Anna Reinhart.
1525 Abschaffung der Messe, Einführung des reformierten Abendmahls und Neuordnung der Armenfürsorge.
19. Juni 1525 Beginn der Prophezey am Grossmünster.
1525 Entstehung der Zürcher Täuferbewegung.
1526 Badener Disputation.
5. Januar 1527 Hinrichtung des Täufers Felix Manz in Zürich.
1528 Beteiligung an der Berner Disputation und Durchsetzung der Reformation in Bern.
1529 Erster Kappelerkrieg und Erster Kappeler Landfrieden.
Oktober 1529 Marburger Religionsgespräch mit Martin Luther.
1530 Vorlage der Fidei ratio beim Augsburger Reichstag.
1531 Erscheinen der vollständigen Zürcher Bibel.
11. Oktober 1531 Tod in der Schlacht bei Kappel.
November 1531 Wahl Heinrich Bullingers zum Nachfolger Zwinglis in Zürich.

Siehe auch

Literatur

  • Ulrich Gäbler: Huldrych Zwingli. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk. C. H. Beck, München 1983.
  • Peter Opitz: Ulrich Zwingli. Prophet, Ketzer, Pionier des Protestantismus. Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2015.
  • Bruce Gordon: Zwingli. God's Armed Prophet. Yale University Press, New Haven und London 2021.
  • Gottfried W. Locher: Die Zwinglische Reformation im Rahmen der europäischen Kirchengeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979.
  • Walter Köhler: Huldrych Zwingli. Koehler & Amelang, Leipzig 1943.
  • Fritz Büsser: Huldrych Zwingli. Reformation als prophetischer Auftrag. Musterschmidt, Göttingen 1973.
  • Emidio Campi: Huldrych Zwingli. Eine Einführung in sein Leben und Werk. Theologischer Verlag Zürich, Zürich.
  • Huldreich Zwinglis sämtliche Werke. Herausgegeben vom Zwingliverein, Berlin, Leipzig und Zürich.
  • André Holenstein: Mitten in Europa. Verflechtung und Abgrenzung in der Schweizer Geschichte. Hier und Jetzt, Baden 2014.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Reformation von A bis Z, Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Reformation am Grossmünster, Reformierte Kirche Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Beginn und Durchsetzung der Reformation in Zürich, Stadt Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Die Gründung der Prophezey, Universität Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Zürcher Bibelübersetzung, Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Zwingli und die Täufer, Reformierte Kirche Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Heinrich Natter: Zwingli-Denkmal, Stadt Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.

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