Kanton Bern

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Kanton Bern
Amtliche Namen Kanton Bern
Canton de Berne
Kürzel BE
Hauptort Bern
Grösste Stadt Bern
Regionen Espace Mittelland, Berner Oberland, Berner Jura
Beitritt zur Eidgenossenschaft 1353
Amtssprachen Deutsch und Französisch
Fläche rund 5'939 km² seit 2026[1]
Bevölkerung 1'071'216 Einwohnerinnen und Einwohner, 31. Dezember 2024, damaliger Gebietsstand[2]
Politische Gemeinden 334, Stand 1. Januar 2026[3]
Verwaltungsregionen 5
Verwaltungskreise 10
Legislative Grosser Rat, 160 Mitglieder
Exekutive Regierungsrat, 7 Mitglieder
Höchster Punkt Finsteraarhorn, 4274 m ü. M.[4]
Tiefster Punkt Aare bei Wynau, 401,5 m ü. M.[4]
Internet be.ch

Der Kanton Bern, französisch Canton de Berne, ist ein zweisprachiger Kanton im Westen und in der Mitte der Schweiz. Hauptort und grösste Stadt ist Bern, das zugleich die Bundesstadt der Schweiz und Sitz von Bundesrat, Bundesversammlung und grossen Teilen der Bundesverwaltung ist.

Bern ist nach dem Kanton Graubünden flächenmässig der zweitgrösste und nach dem Kanton Zürich bevölkerungsmässig der zweitgrösste Kanton der Schweiz. Sein Gebiet reicht vom französischsprachigen Berner Jura über das Drei-Seen-Land, das Schweizer Mittelland, das Emmental und das Oberaargau bis zu den Hochalpen des Berner Oberlands.

Der Kanton umfasst dicht besiedelte Stadtregionen, landwirtschaftlich geprägte Ebenen, bewaldete Jurahöhen, Voralpenlandschaften, grosse Seen, tiefe Täler und vergletscherte Hochgebirge. Der höchste Punkt ist das Finsteraarhorn auf 4274 Metern über Meer, der tiefste Punkt liegt an der Aare bei Wynau auf 401,5 Metern über Meer.[4]

Bern trat 1353 der Alten Eidgenossenschaft bei. Vom späten Mittelalter bis 1798 entwickelte sich die Stadt Bern zum Mittelpunkt eines der grössten Stadtstaaten nördlich der Alpen. Das bernische Herrschaftsgebiet umfasste zeitweise grosse Teile der heutigen Kantone Bern, Waadt und Aargau.

Der moderne Kanton entstand während der Mediationszeit von 1803. Sein Gebiet veränderte sich danach mehrmals. Der Kanton Jura wurde 1979 aus den drei nördlichen jurassischen Bezirken gebildet. Das Laufental wechselte 1994 zum Kanton Basel-Landschaft. Am 1. Januar 2026 trat die Stadt Moutier zum Kanton Jura über.[5]

Name

Der deutsche Name lautet Bern, der französische Name Berne, der italienische Berna und der rätoromanische Berna.

Der Name bezeichnet sowohl den Kanton als auch dessen Hauptort. Zur Unterscheidung werden die Bezeichnungen «Kanton Bern» und «Stadt Bern» verwendet.

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die genaue Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt.

Nach einer bekannten Gründungslegende soll Herzog Berchtold V. von Zähringen beschlossen haben, die neue Stadt nach dem ersten Tier zu benennen, das bei einer Jagd erlegt werde. Dieses Tier sei ein Bär gewesen. Die Erzählung erklärt das Wappentier, gilt aber nicht als wissenschaftlich gesicherte Namensherleitung.

Sprachwissenschaftliche Erklärungen bringen den Namen unter anderem mit älteren keltischen oder romanischen Ortsbezeichnungen in Verbindung. Teilweise wurde ein Zusammenhang mit der italienischen Stadt Verona angenommen, die im Mittelhochdeutschen als Bern bezeichnet wurde.

Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons werden als Bernerinnen und Berner bezeichnet. Das Adjektiv lautet bernisch oder in zusammengesetzten Eigennamen häufig Berner, beispielsweise Berner Oberland, Berner Jura und Berner Kantonalbank.

Wappen und Flagge

Das Wappen des Kantons zeigt auf rotem Grund einen gelben Schrägbalken mit einem schreitenden schwarzen Bären. Der Bär besitzt rote Krallen und eine rote Zunge.

Die Kantonsflagge verwendet dasselbe Motiv.

Der Bär ist seit dem Mittelalter das Wappentier der Stadt Bern. Die ältesten erhaltenen Darstellungen stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die genaue Gestaltung änderte sich im Lauf der Zeit, bevor sich die heutige Form mit rotem Feld, goldenem Schrägbalken und schwarzem Bären durchsetzte.

Stadt und Kanton Bern führen grundsätzlich dasselbe Wappen. In einzelnen amtlichen Darstellungen können sich Form, Schildumrahmung oder weitere grafische Elemente unterscheiden.

Der Bär prägt zahlreiche kantonale und städtische Symbole. Er erscheint unter anderem:

  • auf Fahnen und Siegeln;
  • im Logo kantonaler Institutionen;
  • auf historischen Münzen;
  • in Vereins- und Firmenzeichen;
  • in der politischen Karikatur;
  • als Figur bei Festen und Veranstaltungen.

Die Farben Rot, Gelb und Schwarz gehören zu den wichtigsten visuellen Kennzeichen des Kantons.

Geografie

Lage und Grenzen

Der Kanton Bern erstreckt sich vom Jura im Nordwesten über das Mittelland bis zum Alpenhauptkamm im Süden.

Er grenzt an die Kantone:

Damit besitzt Bern gemeinsame Grenzen mit elf Kantonen und mehr Nachbarkantone als jeder andere Kanton der Schweiz.

Der Kanton besitzt keine Staatsgrenze. Das westlichste Gebiet des Berner Juras liegt jedoch nur wenige Kilometer von Frankreich entfernt.

Seit dem Kantonswechsel Moutiers umfasst Bern ungefähr 5'939 Quadratkilometer.[1] Die Kantonsgrenze ist wegen der zahlreichen Seen, Gebirgskämme, historischen Gebietsgrenzen und freiburgischen beziehungsweise solothurnischen Enklaven stark gegliedert.

Naturräume

Der Kanton umfasst drei grosse naturräumliche Haupteinheiten:

  1. den Berner Jura;
  2. das Mittelland;
  3. die Berner Alpen und Voralpen.

Diese Räume unterscheiden sich stark hinsichtlich Geologie, Klima, Besiedlung und wirtschaftlicher Nutzung.

Berner Jura

Der Berner Jura, französisch Jura bernois, bildet den französischsprachigen Nordwesten des Kantons.

Die Landschaft ist durch parallele Juraketten, bewaldete Höhenzüge, Hochflächen und Längstäler geprägt. Bedeutende Täler sind das Vallon de Saint-Imier, das Vallée de Tavannes und das Gebiet um La Neuveville.

Zu den bekannten Erhebungen gehören:

  • Chasseral;
  • Mont Sujet;
  • Montoz;
  • Chasseral-Kette;
  • Montagne du Droit;
  • Montagne de Diesse.

Der Chasseral erreicht 1607 Meter über Meer und ist einer der höchsten Berge des Schweizer Juras.

Der Berner Jura ist überwiegend französischsprachig. Wirtschaftlich bedeutend sind die Uhrenindustrie, Präzisionstechnik, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und der Tourismus.

Seeland und Drei-Seen-Land

Das Berner Seeland liegt zwischen dem Bielersee, dem Neuenburgersee und dem Murtensee.

Die Region umfasst fruchtbare Ebenen, ehemalige Sumpfgebiete, Flusslandschaften und Moränenhügel.

Durch die Juragewässerkorrektion im 19. und 20. Jahrhundert wurden die Wasserstände der drei Seen reguliert, die Aare in den Bielersee umgeleitet und grosse Flächen entwässert.

Das sogenannte Grosse Moos entwickelte sich dadurch zu einem der wichtigsten Gemüseanbaugebiete der Schweiz.

Biel/Bienne ist das wirtschaftliche und städtische Zentrum der Region. Weitere wichtige Orte sind Lyss, Aarberg, Nidau, Ins und La Neuveville.

Mittelland

Das bernische Mittelland erstreckt sich von den Juragewässern über die Region Bern bis zum Emmental und Oberaargau.

Die Landschaft wird durch Hügel, Flusstäler, Wälder und intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen geprägt.

Die Agglomeration Bern bildet das grösste städtische Gebiet des Kantons. Weitere bedeutende Zentren sind:

  • Biel/Bienne;
  • Thun;
  • Köniz;
  • Burgdorf;
  • Langenthal;
  • Ostermundigen;
  • Muri bei Bern;
  • Steffisburg;
  • Lyss.

Das Mittelland besitzt ein dichtes Verkehrsnetz und beherbergt einen grossen Teil der Bevölkerung, Arbeitsplätze, Hochschulen und kantonalen Institutionen.

Emmental

Das Emmental ist eine Hügellandschaft östlich von Bern.

Der Fluss Emme und seine Zuflüsse haben tiefe Täler und zahlreiche Seitengräben geschaffen. Typisch sind bewaldete Höhen, Einzelhöfe, Weiden und grosse Bauernhäuser mit weit ausladenden Dächern.

Das Emmental ist besonders für Viehwirtschaft, Milchwirtschaft und den Emmentaler Käse bekannt.

Wichtige Orte sind Langnau im Emmental, Burgdorf, Sumiswald und Eggiwil.

Oberaargau

Der Oberaargau liegt im Nordosten des Kantons zwischen Emmental, Aargau, Solothurn und Luzern.

Die Region wird durch die Aare, die Langete und verschiedene Hügellandschaften geprägt.

Langenthal ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Weitere wichtige Orte sind Huttwil, Herzogenbuchsee, Niederbipp und Wangen an der Aare.

Industrie, Logistik, Landwirtschaft und Dienstleistungen spielen eine wichtige Rolle.

Berner Oberland

Das Berner Oberland umfasst den südlichen, voralpinen und alpinen Teil des Kantons.

Es wird häufig in mehrere Regionen gegliedert:

  • Region Thun;
  • Berner Oberland-Ost;
  • Frutigland;
  • Simmental;
  • Saanenland;
  • Kandertal;
  • Haslital;
  • Jungfrau-Region.

Zu den bedeutenden Tälern gehören:

Das Berner Oberland gehört zu den bekanntesten Tourismusregionen der Schweiz.

Berge und Hochalpen

Der höchste Punkt ist das Finsteraarhorn mit 4274 Metern über Meer. Der Gipfel liegt auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Wallis.

Weitere bekannte Berge sind:

Eiger, Mönch und Jungfrau bilden eines der bekanntesten Bergpanoramen der Alpen.

Die Eigernordwand gehört zu den berühmtesten und anspruchsvollsten grossen Fels- und Eiswänden der Alpen.

Gletscher

Ein erheblicher Teil der Hochalpen ist oder war vergletschert.

Zu den bedeutenden Gletschern gehören:

Der Grosse Aletschgletscher liegt überwiegend im Kanton Wallis, sein nördliches Nährgebiet reicht jedoch in die bernischen Hochalpen.

Die Gletscher verlieren infolge des Klimawandels stark an Fläche und Volumen. Dies verändert Landschaft, Wasserhaushalt, Naturgefahren und touristische Nutzung.

Seen

Der Kanton besitzt Anteile an mehreren grossen Seen.

Die wichtigsten sind:

Thunersee und Brienzersee liegen vollständig oder fast vollständig im Kanton Bern. Sie werden durch die Aare miteinander verbunden.

Der Bielersee gehört überwiegend zum Kanton Bern. Ein kleiner Uferabschnitt liegt im Kanton Neuenburg.

Bern besitzt ausserdem einen Anteil am Neuenburgersee.

Weitere Seen und Stauseen sind:

Der Oeschinensee oberhalb von Kandersteg gehört zur UNESCO-Welterberegion Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.

Flüsse

Die Aare ist der wichtigste Fluss des Kantons.

Sie entspringt in den Gletschern des Grimselgebiets, durchfliesst den Brienzersee und den Thunersee und fliesst danach durch Thun und Bern.

Unterhalb von Bern durchquert sie das Mittelland, gelangt durch den Wohlensee und erreicht bei Aarberg das Seeland. Seit der ersten Juragewässerkorrektion wird sie durch den Hagneckkanal in den Bielersee geleitet.

Über den Nidau-Büren-Kanal verlässt die Aare den Bielersee wieder und fliesst weiter in Richtung Solothurn und Aargau.

Weitere wichtige Flüsse sind:

Der grösste Teil des Kantons entwässert über die Aare und den Rhein zur Nordsee.

Das Saanenland und einzelne westliche Gebiete entwässern über die Saane und ebenfalls über Aare und Rhein.

Klima

Das Klima ist wegen der grossen Höhenunterschiede sehr vielfältig.

Im Seeland und im tieferen Mittelland herrscht ein gemässigtes Klima mit warmen Sommern und kühlen Wintern.

Die Region um den Bielersee besitzt vergleichsweise milde und sonnige Lagen, welche den Weinbau begünstigen.

Im Emmental und in den Voralpen fallen grössere Niederschlagsmengen.

In den Alpentälern treten starke lokale Unterschiede auf. Föhn kann im Haslital, Kandertal und in anderen Tälern zu raschen Temperaturanstiegen führen.

In den Hochalpen herrscht ein alpines bis nivales Klima mit langen Wintern, tiefen Temperaturen und hohen Niederschlagsmengen.

Administrative Gliederung

Seit dem 1. Januar 2010 ist der Kanton in fünf Verwaltungsregionen und zehn Verwaltungskreise gegliedert.[6]

Verwaltungsregion Verwaltungskreis Hauptort beziehungsweise Sitz Bedeutende Orte
Berner Jura Verwaltungskreis Berner Jura Courtelary Saint-Imier, Tramelan, Tavannes, La Neuveville
Seeland Verwaltungskreis Biel/Bienne Biel/Bienne Biel/Bienne, Nidau
Verwaltungskreis Seeland Aarberg Lyss, Aarberg, Ins, Büren an der Aare
Bern-Mittelland Verwaltungskreis Bern-Mittelland Ostermundigen Bern, Köniz, Muri bei Bern, Münsingen, Schwarzenburg
Emmental-Oberaargau Verwaltungskreis Emmental Langnau im Emmental Burgdorf, Langnau, Sumiswald
Verwaltungskreis Oberaargau Wangen an der Aare Langenthal, Huttwil, Herzogenbuchsee
Oberland Verwaltungskreis Thun Thun Thun, Steffisburg, Wattenwil
Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental Frutigen Frutigen, Spiez, Adelboden, Kandersteg
Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen Saanen Zweisimmen, Lenk, Saanen, Gstaad
Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli Interlaken Interlaken, Grindelwald, Lauterbrunnen, Meiringen

Die Regierungsstatthalterinnen und Regierungsstatthalter stehen den Verwaltungskreisen vor. Sie werden von den Stimmberechtigten des jeweiligen Kreises gewählt.

Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:

  • Aufsicht über Gemeinden;
  • Bewilligungs- und Verwaltungsverfahren;
  • Koordination bei ausserordentlichen Ereignissen;
  • Teile des Polizei- und Sicherheitsrechts;
  • Vermittlung zwischen Gemeinden und Kantonsverwaltung.

Die Verwaltungsregionen dienen der Organisation verschiedener kantonaler Fachstellen. Sie besitzen keine eigene politische Selbstverwaltung.

Gemeinden

Seit dem Kantonswechsel Moutiers am 1. Januar 2026 besteht Bern aus 334 politischen Gemeinden.[3]

Die Gemeinden unterscheiden sich stark hinsichtlich Fläche, Bevölkerung, Sprache und Siedlungsstruktur.

Die Stadt Bern ist die bevölkerungsreichste Gemeinde. Weitere grosse Gemeinden sind:

  • Biel/Bienne;
  • Köniz;
  • Thun;
  • Ostermundigen;
  • Burgdorf;
  • Langenthal;
  • Steffisburg;
  • Lyss;
  • Muri bei Bern.

Zu den kleinsten Gemeinden gehört Rebévelier im Berner Jura.

Die Gemeinden besitzen eine weitreichende Autonomie. Zu ihren Aufgaben gehören:

  • kommunale Raumplanung;
  • Gemeindestrassen;
  • Wasserversorgung;
  • Abwasser- und Abfallentsorgung;
  • Feuerwehr;
  • soziale Unterstützung;
  • Kultur und Sport;
  • Einwohnerkontrolle;
  • Teile des Bildungswesens.

Viele kleinere Gemeinden besitzen eine Gemeindeversammlung. Grössere Gemeinden verfügen über ein gewähltes Gemeindeparlament.

Neben den Einwohnergemeinden bestehen Burgergemeinden, Kirchgemeinden, Gesamtkirchgemeinden und weitere öffentlich-rechtliche Körperschaften.

Durch zahlreiche Gemeindefusionen sank die Zahl der Gemeinden seit dem Jahr 2000 deutlich. Der Kanton unterstützt freiwillige Zusammenschlüsse finanziell und organisatorisch.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Das Gebiet des heutigen Kantons ist seit der Altsteinzeit von Menschen bewohnt oder aufgesucht worden.

Bedeutende prähistorische Fundgebiete befinden sich:

  • an den Ufern des Bieler- und Neuenburgersees;
  • im Berner Oberland;
  • im Aaretal;
  • im Seeland;
  • im Jura.

Während der Jungsteinzeit entstanden zahlreiche Feuchtbodensiedlungen an den Seen.

Mehrere Fundstellen gehören zum UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen. Bedeutende Fundorte liegen unter anderem bei Sutz-Lattrigen, Twann, Vinelz und Lüscherz.

In der Bronze- und Eisenzeit entstanden befestigte Siedlungen, Gräberfelder und regionale Handelsplätze.

Vor der römischen Eroberung gehörte das Mittelland zum Siedlungsraum der Helvetier. Im Jura lebten unter anderem die Rauriker.

Römische Zeit

Nach der römischen Eroberung wurde das Gebiet in das Römische Reich eingegliedert.

Wichtige römische Siedlungen und Anlagen bestanden unter anderem in:

Strassen verbanden das Gebiet mit Aventicum, Augusta Raurica, dem Wallis und den Alpenpässen.

Gutshöfe versorgten Städte und Militäranlagen mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Im Berner Oberland wurden Alpenpässe, Erzvorkommen, Wälder und Weidegebiete genutzt.

Frühmittelalter

Nach dem Zerfall der römischen Herrschaft gehörte das Gebiet nacheinander zum Burgunderreich und zum Frankenreich.

Im westlichen und südwestlichen Kantonsgebiet blieben romanische Sprachformen länger erhalten. Im Mittelland und im Osten setzte sich zunehmend das Alemannische durch.

Kirchliche Institutionen und Adelsfamilien erwarben umfangreiche Herrschaftsrechte.

Bedeutende Klöster waren:

Gründung der Stadt Bern

Die Stadt Bern wurde nach der traditionellen Überlieferung 1191 durch Herzog Berchtold V. von Zähringen gegründet.

Die Zähringer wollten damit ihre Herrschaft im westlichen Mittelland sichern.

Die Lage auf einer von der Aare umflossenen Halbinsel bot natürlichen Schutz und günstige Voraussetzungen für Handel und Verwaltung.

Nach dem Aussterben der Zähringer im Jahr 1218 erhielt Bern eine zunehmend selbstständige Stellung innerhalb des Heiligen Römischen Reiches.

Die Echtheit der sogenannten Goldenen Handfeste, welche Bern umfangreiche Freiheiten verliehen haben soll, ist umstritten. Die Stadt konnte ihre politischen Rechte jedoch im Verlauf des 13. Jahrhunderts erheblich ausbauen.

Territoriale Expansion

Bern erweiterte seinen Einfluss durch:

  • Bündnisse;
  • Käufe;
  • Pfandschaften;
  • Erbschaften;
  • militärische Eroberungen;
  • Burgrechte mit Städten und Landschaften.

Im Jahr 1339 besiegten Bern und seine Verbündeten im Laupenkrieg ein Heer aus habsburgischen, freiburgischen und westschweizerischen Kräften.

Der Sieg stärkte Berns Stellung im Mittelland und seine Beziehungen zu den Waldstätten.

1353 trat Bern dauerhaft der Eidgenossenschaft bei.[7]

Im 14. und 15. Jahrhundert gelangte ein wachsendes Gebiet unter bernische Herrschaft.

Zu den wichtigsten Erwerbungen gehörten:

  • das Haslital;
  • Thun;
  • Burgdorf;
  • das Emmental;
  • das Oberaargau;
  • das Seeland;
  • Teile des heutigen Aargaus;
  • Gebiete im Berner Oberland.

Burgunderkriege

Bern spielte in den Burgunderkriegen von 1474 bis 1477 eine führende Rolle.

Die eidgenössischen Siege bei Grandson, Murten und Nancy beendeten die Expansionspolitik Karls des Kühnen von Burgund.

Bern gewann dadurch politischen Einfluss in der Westschweiz.

Die Burgunderkriege stärkten das Selbstbewusstsein der Eidgenossenschaft und Berns Stellung innerhalb des Bundes.

Eroberung der Waadt

1536 eroberte Bern grosse Teile des Herzogtums Savoyen nördlich des Genfersees.

Das eroberte Gebiet entsprach weitgehend dem heutigen Kanton Waadt.

Bern organisierte die Waadt in Landvogteien und führte die Reformation ein.

Auch das Gebiet von Aigle und weitere Teile des heutigen Waadtlands kamen unter bernische Herrschaft.

Die Waadt blieb bis 1798 ein bernisches Untertanengebiet.

Reformation

1528 führte Bern nach einer grossen theologischen Disputation die Reformation ein.

Der katholische Gottesdienst wurde in den bernischen Gebieten weitgehend abgeschafft.

Klöster wurden aufgehoben oder in Schulen, Spitäler und Verwaltungsstellen umgewandelt.

Bern unterstützte die Ausbreitung der reformierten Lehre in der Waadt und weiteren abhängigen Gebieten.

Im Berner Oberland stiess die Reformation teilweise auf Widerstand. 1528 kam es zu einem Aufstand, der von der bernischen Regierung niedergeschlagen wurde.

Der reformierte Glaube prägte Staat, Schule und Gesellschaft während Jahrhunderten.

Stadtstaat Bern

In der frühen Neuzeit war Bern der Mittelpunkt eines grossen Stadtstaats.

Die politische Macht lag bei einer begrenzten Zahl regimentsfähiger Familien der Stadt Bern.

Die Landschaft war in Landvogteien gegliedert. Landvögte verwalteten im Auftrag der städtischen Regierung Gerichte, Steuern und Polizei.

Die Untertanen besassen lokale Gemeinderechte, waren auf kantonaler Ebene aber nicht gleichberechtigt.

Bern verfügte über:

  • eine leistungsfähige Verwaltung;
  • umfangreiche Staatseinnahmen;
  • grosse Getreide- und Geldreserven;
  • ein starkes Söldner- und Militärwesen;
  • weitreichende diplomatische Beziehungen.

Im 18. Jahrhundert galt Bern als einer der wohlhabendsten Staaten Europas.

Helvetische Revolution

1798 brach die alte bernische Herrschaft unter dem Druck der französischen Armee und revolutionärer Bewegungen zusammen.

Die Waadt erklärte ihre Unabhängigkeit und wurde später zum Kanton Léman der Helvetischen Republik.

Im März 1798 besiegten französische Truppen die bernischen Streitkräfte bei Fraubrunnen, Neuenegg und am Grauholz.

Die Stadt Bern wurde besetzt. Grosse Teile des Staatsschatzes wurden nach Frankreich gebracht.

Das frühere bernische Gebiet wurde auf mehrere helvetische Kantone aufgeteilt:

  • Bern;
  • Oberland;
  • Léman;
  • Aargau.

Die Bevölkerung erhielt grundsätzlich gleiche politische Rechte. Die frühere Herrschaft der Stadt über die Landschaft wurde beendet.

Mediation

Die Mediationsakte von 1803 stellte den Kanton Bern wieder her.

Die Waadt und der Aargau blieben jedoch selbstständige Kantone. Bern konnte seine früheren Untertanengebiete nicht zurückgewinnen.

Das Berner Oberland wurde wieder mit Bern vereinigt.

Die neue Kantonsverfassung gab der Stadt Bern erneut einen starken Einfluss, stellte die alte Ordnung aber nicht vollständig wieder her.

Bern war einer der sechs Vororte der Mediationsschweiz.

Wiener Kongress und Jura

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft versuchte Bern, die Waadt und Teile des Aargaus zurückzugewinnen.

Die Grossmächte lehnten diese Forderungen ab.

Als territoriale Entschädigung erhielt Bern 1815 den grössten Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel.

Dazu gehörten:

  • der heutige Berner Jura;
  • die Gebiete des späteren Kantons Jura;
  • das Laufental.

Die neuen Gebiete waren mehrheitlich französischsprachig und teilweise katholisch.

Dadurch wurde Bern dauerhaft zu einem zweisprachigen und konfessionell vielfältigeren Kanton.

Regeneration

1830 verlangten liberale Bewegungen eine demokratischere Staatsordnung.

Am 10. Januar 1831 fand in Münsingen eine grosse Volksversammlung statt.

Die Verfassung von 1831 beseitigte die politische Vorherrschaft der Stadt Bern und führte die repräsentative Demokratie ein.

Die Landschaft erhielt eine ihrer Bevölkerung entsprechende Vertretung.

Zu den weiteren Neuerungen gehörten:

  • Gewaltenteilung;
  • Öffentlichkeit staatlicher Tätigkeit;
  • modernisierte Verwaltung;
  • Ausbau des Bildungswesens;
  • wirtschaftliche Freiheitsrechte.

Sonderbund und Bundesstaat

Bern gehörte zu den liberalen Kantonen, die den katholisch-konservativen Sonderbund ablehnten.

Im Sonderbundskrieg von 1847 kämpften bernische Truppen auf eidgenössischer Seite.

1848 stimmte Bern der neuen Bundesverfassung zu.

Die Stadt Bern wurde zum Sitz der Bundesbehörden bestimmt und entwickelte sich zur Bundesstadt.

Der Kanton gewann dadurch zahlreiche Arbeitsplätze und nationale Institutionen.

Industrialisierung

Die Industrialisierung verlief regional unterschiedlich.

Im Berner Jura und in Biel entwickelte sich die Uhrenindustrie.

Im Emmental, Oberaargau und Raum Burgdorf entstanden Betriebe der Textil-, Maschinen-, Lebensmittel- und Metallindustrie.

Thun wurde zu einem bedeutenden Militär- und Industriestandort.

Bern entwickelte sich als Verwaltungs-, Verkehrs- und Dienstleistungszentrum.

Der Ausbau der Eisenbahn veränderte Wirtschaft und Siedlungsstruktur grundlegend.

Wichtige Linien verbanden Bern mit:

  • Olten;
  • Freiburg und Lausanne;
  • Thun und dem Berner Oberland;
  • Biel;
  • Luzern;
  • Neuenburg;
  • dem Wallis.

Jurafrage

Die Eingliederung des ehemaligen Fürstbistums Basel führte langfristig zu Spannungen.

Im französischsprachigen Jura bestanden kulturelle, konfessionelle und politische Unterschiede zum überwiegend deutschsprachigen und reformierten alten Kantonsteil.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine Bewegung für einen eigenständigen Kanton Jura.

Der Konflikt wurde als Jurafrage bezeichnet.

1974 stimmte die Bevölkerung der historischen Juraregion über die Gründung eines neuen Kantons ab.

Die drei nördlichen Bezirke Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes entschieden sich für die Trennung.

Die südlichen Bezirke Courtelary, Moutier und La Neuveville stimmten mehrheitlich für den Verbleib bei Bern.

Am 1. Januar 1979 entstand der Kanton Jura.

Laufental

Das deutschsprachige Laufental gehörte nach 1815 zum Kanton Bern.

Nach der Gründung des Kantons Jura erhielt die Region die Möglichkeit, ihre kantonale Zugehörigkeit neu zu bestimmen.

Nach mehreren Abstimmungen und politischen Auseinandersetzungen entschied sich das Laufental für Basel-Landschaft.

Der Wechsel erfolgte am 1. Januar 1994.

Kantonswechsel Moutiers

Moutier war lange das politische Zentrum der separatistischen Bewegung im südlichen Jura.

2017 stimmte eine knappe Mehrheit für einen Wechsel zum Kanton Jura. Die Abstimmung wurde wegen Verfahrensmängeln aufgehoben.

Am 28. März 2021 fand eine neue Abstimmung statt. Eine Mehrheit sprach sich erneut für den Kantonswechsel aus.

Die Kantone Bern und Jura regelten den Übergang in einem Konkordat.

Nach der Zustimmung der beteiligten Bevölkerungen, der Kantonsparlamente und der Bundesversammlung wechselte Moutier am 1. Januar 2026 offiziell zum Kanton Jura.[5]

Der Wechsel verringerte die Zahl der bernischen Gemeinden auf 334 und veränderte die Fläche und Bevölkerungszahl des Kantons.

Gegenwart

Die heute geltende Kantonsverfassung wurde am 6. Juni 1993 angenommen und trat am 1. Januar 1995 in Kraft.[8]

Sie stärkte:

  • Grundrechte;
  • direkte Demokratie;
  • Gemeindeautonomie;
  • sprachliche Minderheiten;
  • Stellung des Berner Juras;
  • Umweltschutz;
  • politische Kontrolle.

Zu den heutigen Herausforderungen gehören das Verhältnis zwischen Stadt und Land, die Finanzierung öffentlicher Leistungen, der demografische Wandel, der Klimawandel, die Verkehrserschliessung der Regionen und die Zukunft der Zweisprachigkeit.

Bevölkerung

Ende 2024 lebten 1'071'216 Menschen im damaligen Kantonsgebiet.[2]

Die Gemeinde Moutier mit rund 7'300 Einwohnerinnen und Einwohnern wechselte Anfang 2026 zum Kanton Jura.

Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem in:

  • der Agglomeration Bern;
  • Biel/Bienne und dem Seeland;
  • der Region Thun;
  • dem Aaretal;
  • Burgdorf und dem unteren Emmental;
  • Langenthal und dem Oberaargau.

Die alpinen Gebiete und Teile des Berner Juras sind deutlich dünner besiedelt.

Ende 2024 besassen 196'723 Personen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dies entsprach 18,4 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung.[2]

Der Ausländeranteil liegt unter dem schweizerischen Durchschnitt.

Die Bevölkerung weist eine vergleichsweise alte Altersstruktur auf. Ende 2024 waren:

  • 19,1 Prozent unter 20 Jahre alt;
  • 58,5 Prozent zwischen 20 und 64 Jahre alt;
  • 22,3 Prozent mindestens 65 Jahre alt.[4]

In vielen ländlichen und alpinen Regionen ist die Alterung besonders ausgeprägt.

Sprachen

Deutsch und Französisch sind die bernischen Landes- und Amtssprachen.[8]

Die sprachliche Gliederung richtet sich nach der Kantonsverfassung:

  • Im Berner Jura ist Französisch Amtssprache.
  • In der Verwaltungsregion Seeland und im Verwaltungskreis Biel/Bienne gelten besondere sprachliche Regelungen.
  • Biel/Bienne und Leubringen/Evilard sind offiziell zweisprachig.
  • Im übrigen Kantonsgebiet ist Deutsch Amtssprache.

An die für den gesamten Kanton zuständigen Behörden können sich Bürgerinnen und Bürger auf Deutsch oder Französisch wenden.

Deutsch

Deutsch ist die Sprache der grossen Mehrheit der Kantonsbevölkerung.

Im Alltag werden verschiedene schweizerdeutsche Dialekte gesprochen, die gemeinsam häufig als Berndeutsch bezeichnet werden.

Die Dialekte unterscheiden sich regional erheblich.

Typische Gruppen sind:

  • Stadtberndeutsch;
  • Mittelland-Berndeutsch;
  • Emmentaler Dialekte;
  • Oberaargauer Dialekte;
  • Berner Oberländer Dialekte;
  • Haslitaler Dialekt.

Das traditionelle Stadtberndeutsch wurde teilweise durch sozial und historisch unterschiedliche Sprachformen geprägt.

Im Berner Oberland weisen manche Dialekte besonders alte alemannische Merkmale auf.

Französisch

Französisch wird hauptsächlich im Berner Jura und in Biel/Bienne gesprochen.

Das Französisch des Berner Juras gehört zum westschweizerischen Französisch und weist regionale Ausdrücke und Aussprachemerkmale auf.

Historisch wurden im Jura auch frankoprovenzalische Dialekte gesprochen. Diese sind heute weitgehend verschwunden.

Zweisprachigkeit

Der Kanton versteht sich als Brücke zwischen der deutsch- und französischsprachigen Schweiz.

Gesetze, wichtige amtliche Dokumente und kantonale Internetangebote werden auf Deutsch und Französisch veröffentlicht.

Im Grossen Rat können beide Amtssprachen verwendet werden.

Die Zweisprachigkeit stellt die Verwaltung vor besondere Anforderungen bei:

  • Übersetzung;
  • Bildung;
  • Personalrekrutierung;
  • Justiz;
  • politischer Vertretung;
  • regionaler Identität.

Berner Jura und Sonderstatut

Die Kantonsverfassung erkennt dem Berner Jura eine besondere Stellung zu.

Das Sonderstatut soll ermöglichen:

  • die Bewahrung seiner Identität;
  • den Schutz der französischen Sprache;
  • die Erhaltung kultureller Eigenheiten;
  • eine aktive Teilnahme an der kantonalen Politik;
  • Beziehungen zum Kanton Jura und zur übrigen französischsprachigen Schweiz.

Der Bernjurassische Rat, französisch Conseil du Jura bernois, vertritt regionale und sprachpolitische Interessen.

Er kann zu kantonalen Vorlagen Stellung nehmen und besitzt besondere Mitwirkungsrechte in Kultur-, Bildungs- und Regionalfragen.

Auch für die französischsprachige Bevölkerung des Verwaltungskreises Biel/Bienne besteht ein besonderer Rat.

Religion

Der alte Kantonsteil ist historisch reformiert geprägt.

Die Reformation von 1528 machte die evangelisch-reformierte Kirche zur dominierenden Konfession.

Die 1815 hinzugekommenen jurassischen Gebiete waren teilweise römisch-katholisch.

Zuwanderung und gesellschaftlicher Wandel führten zu einer vielfältigeren religiösen Landschaft.

Im Jahr 2023 gehörten gemäss kantonalen Kennzahlen:

  • 42,2 Prozent der evangelisch-reformierten Kirche an;
  • 13,5 Prozent der römisch-katholischen Kirche an;
  • 6,5 Prozent anderen christlichen Gemeinschaften an;
  • 4,7 Prozent islamischen Gemeinschaften an;
  • 30,6 Prozent keiner Religionsgemeinschaft an.[4]

Die evangelisch-reformierte, die römisch-katholische und die christkatholische Kirche sind als Landeskirchen öffentlich-rechtlich anerkannt.

Daneben bestehen jüdische, orthodoxe, muslimische, hinduistische, buddhistische und weitere Gemeinschaften.

Politik

Kantonsverfassung

Die geltende Verfassung stammt vom 6. Juni 1993 und trat am 1. Januar 1995 in Kraft.[8]

Sie bezeichnet Bern als freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat.

Die Staatsgewalt gehört dem Volk und wird durch die Stimmberechtigten und die Behörden ausgeübt.

Die Verfassung regelt:

  • Grundrechte;
  • politische Rechte;
  • Sprachen;
  • Berner Jura;
  • Grosser Rat;
  • Regierungsrat;
  • Gerichte;
  • Gemeinden;
  • öffentliche Aufgaben;
  • Finanzen.

Direkte Demokratie

Die Stimmberechtigten verfügen über weitreichende direktdemokratische Rechte.

Mit einer Volksinitiative können Änderungen der Verfassung oder gesetzliche Regelungen verlangt werden.

Verfassungsänderungen unterliegen dem obligatorischen Referendum.

Gegen Gesetze und bestimmte Ausgabenbeschlüsse kann das fakultative Referendum ergriffen werden.

Eine bernische Besonderheit ist der Volksvorschlag. Er ermöglicht den Stimmberechtigten, einem Beschluss des Grossen Rates einen ausformulierten Gegenvorschlag gegenüberzustellen.

Grosser Rat

Der Grosse Rat ist das Kantonsparlament.

Er besteht aus 160 Mitgliedern, die für vier Jahre gewählt werden.[9]

Die Wahl erfolgt nach dem Verhältniswahlverfahren in neun Wahlkreisen.

Dem französischsprachigen Berner Jura und der französischsprachigen Bevölkerung von Biel/Bienne sind besondere Vertretungsrechte garantiert.

Der Grosse Rat:

  • erlässt Gesetze;
  • genehmigt Budget und Staatsrechnung;
  • bewilligt grössere Ausgaben;
  • kontrolliert Regierung und Verwaltung;
  • genehmigt Staatsverträge;
  • wählt bestimmte Behörden und Gerichtsmitglieder;
  • behandelt Volksinitiativen und parlamentarische Vorstösse.

Die Sitzungen finden im Berner Rathaus statt und werden grundsätzlich öffentlich durchgeführt.

Regierungsrat

Der Regierungsrat ist die oberste leitende und vollziehende Behörde.

Er besteht aus sieben gleichberechtigten Mitgliedern, die direkt vom Volk gewählt werden.[10]

Die Amtsdauer beträgt vier Jahre.

Jedes Mitglied leitet eine Direktion:

  • Staatskanzlei als Stabsstelle;
  • Direktion für Inneres und Justiz;
  • Sicherheitsdirektion;
  • Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion;
  • Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion;
  • Bildungs- und Kulturdirektion;
  • Bau- und Verkehrsdirektion;
  • Finanzdirektion.

Dem Berner Jura ist ein Sitz im Regierungsrat garantiert. Wählbar sind französischsprachige Stimmberechtigte aus dem verfassungsrechtlich festgelegten Gebiet.

Das Regierungspräsidium wechselt jährlich.

Gerichte

Die obersten kantonalen Gerichte sind:

  • das Obergericht;
  • das Verwaltungsgericht.

Das Obergericht ist die höchste kantonale Instanz in Zivil- und Strafsachen.

Das Verwaltungsgericht entscheidet über öffentlich-rechtliche Streitigkeiten.

Daneben bestehen:

  • Regionalgerichte;
  • Schlichtungsbehörden;
  • Jugendgerichte;
  • Zwangsmassnahmengerichte;
  • Wirtschaftsstrafgericht;
  • Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden.

Die Staatsanwaltschaft führt Strafuntersuchungen und vertritt die Anklage.

Vertretung im Bund

Bern besitzt zwei Sitze im Ständerat.

Die Zahl seiner Sitze im Nationalrat richtet sich nach der Bevölkerungszahl.

Als bevölkerungsreicher Kanton stellt Bern eine der grössten kantonalen Delegationen in der Bundesversammlung.

Die Stadt Bern ist Sitz von:

  • Bundesversammlung;
  • Bundesrat;
  • Bundeskanzlei;
  • zahlreichen Bundesämtern;
  • Schweizerischer Nationalbank;
  • diplomatischen Vertretungen.

Wirtschaft

Bern besitzt eine breit gefächerte Wirtschaft.

Bedeutende Bereiche sind:

  • öffentliche Verwaltung;
  • Gesundheitswesen;
  • Bildung und Forschung;
  • Industrie;
  • Energie;
  • Landwirtschaft;
  • Tourismus;
  • Handel;
  • Verkehr und Logistik;
  • Finanz- und Unternehmensdienstleistungen;
  • Informations- und Kommunikationstechnologie.

Das kantonale Bruttoinlandprodukt betrug 2024 rund 94 Milliarden Franken.[4]

Bundesverwaltung

Die Bundesverwaltung ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region Bern.

Zahlreiche Departemente, Bundesämter, Regulierungsbehörden und bundesnahe Unternehmen besitzen ihren Hauptsitz oder grosse Standorte im Kanton.

Dies stärkt insbesondere:

  • Verwaltung;
  • Beratung;
  • Informatik;
  • Kommunikation;
  • Forschung;
  • Sicherheits- und Rechtsdienstleistungen.

Industrie

Die Industrie konzentriert sich besonders auf Biel/Bienne, den Berner Jura, Thun, Burgdorf, Langenthal und das Aaretal.

Wichtige Branchen sind:

  • Uhrenindustrie;
  • Präzisionstechnik;
  • Maschinenbau;
  • Medizintechnik;
  • Elektrotechnik;
  • Lebensmittelindustrie;
  • Chemie und Pharmazie;
  • Druck und Verpackung;
  • Metallverarbeitung.

Biel/Bienne und der Berner Jura gehören zu den wichtigsten Zentren der schweizerischen Uhrenindustrie.

Im Raum Thun bestehen Rüstungs-, Metall- und Maschinenbaubetriebe.

Energie

Die BKW Energie AG hat ihren Sitz in Bern und gehört mehrheitlich dem Kanton.

Wasserkraft besitzt im Berner Oberland eine grosse Bedeutung.

Wichtige Speicher- und Kraftwerksgebiete befinden sich:

  • am Grimsel;
  • am Oberaarsee;
  • am Gelmersee;
  • im Kander- und Simmental;
  • an der Aare.

Das Kernkraftwerk Mühleberg wurde 2019 endgültig ausser Betrieb genommen und wird zurückgebaut.

Der Ausbau von Solar-, Wind-, Holz- und Umweltenergie ist Gegenstand kantonaler Energie- und Klimapolitik.

Landwirtschaft

Bern ist einer der wichtigsten Landwirtschaftskantone der Schweiz.

2024 bestanden rund 8'900 Landwirtschaftsbetriebe.[4]

Bedeutende Produktionsbereiche sind:

  • Milchwirtschaft;
  • Rindviehzucht;
  • Ackerbau;
  • Gemüsebau;
  • Obstbau;
  • Weinbau;
  • Alpwirtschaft;
  • Käseproduktion.

Das Seeland ist für intensiven Gemüsebau bekannt.

Im Emmental und Berner Oberland dominieren Milch- und Viehwirtschaft.

Auf den Alpen werden im Sommer Rinder, Kühe, Schafe und Ziegen gehalten.

Weinbau

Weinbau wird vor allem am Bielersee betrieben.

Bekannte Weinbaugemeinden sind:

  • Twann-Tüscherz;
  • Ligerz;
  • La Neuveville;
  • Erlach;
  • Schafis.

Zu den wichtigsten Rebsorten gehören Chasselas, Pinot noir, Chardonnay und verschiedene Spezialsorten.

Die steilen Rebberge am Bielersee prägen die Landschaft und werden teilweise auf Terrassen bewirtschaftet.

Tourismus

Der Tourismus ist besonders im Berner Oberland von grosser wirtschaftlicher Bedeutung.

International bekannte Reiseziele sind:

  • Interlaken;
  • Grindelwald;
  • Lauterbrunnen;
  • Wengen;
  • Mürren;
  • Adelboden;
  • Kandersteg;
  • Gstaad;
  • Meiringen;
  • Brienz;
  • Thun.

Bedeutende Attraktionen sind:

  • Jungfraujoch;
  • Schilthorn;
  • First;
  • Kleine Scheidegg;
  • Staubbachfall;
  • Trümmelbachfälle;
  • Aareschlucht;
  • Ballenberg;
  • Oeschinensee;
  • Thuner- und Brienzersee.

Im Jahr 2024 wurden im Kanton mehr als sechs Millionen Hotelübernachtungen registriert.[4]

Bildung und Forschung

Universität Bern

Die Universität Bern wurde 1834 gegründet.

Sie ist eine Volluniversität mit Fakultäten für:

  • Theologie;
  • Rechtswissenschaft;
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaften;
  • Medizin;
  • Veterinärmedizin;
  • Philosophie;
  • Naturwissenschaften.

Zu ihren international bekannten Forschungsgebieten gehören:

  • Weltraumforschung;
  • Klimawissenschaft;
  • Medizin;
  • Nachhaltigkeit;
  • Teilchenphysik;
  • Archäologie;
  • biomedizinische Forschung.

Instrumente der Universität Bern waren an mehreren internationalen Weltraummissionen beteiligt.

Berner Fachhochschule

Die Berner Fachhochschule, kurz BFH, bietet praxisorientierte Studiengänge an.

Ihre Standorte befinden sich unter anderem in:

  • Bern;
  • Biel/Bienne;
  • Burgdorf;
  • Zollikofen;
  • Magglingen.

Fachgebiete sind:

  • Technik und Informatik;
  • Architektur und Bau;
  • Wirtschaft;
  • Gesundheit;
  • Soziale Arbeit;
  • Künste;
  • Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften;
  • Sport.

Pädagogische Hochschulen

Die Pädagogische Hochschule Bern bildet Lehrpersonen für deutschsprachige Schulen aus.

Für den französischsprachigen Kantonsteil bestehen Bildungsangebote in Zusammenarbeit mit französischsprachigen Institutionen und der Haute École Pédagogique BEJUNE.

Berufsbildung

Die duale Berufsbildung besitzt eine grosse Bedeutung.

Lernende verbinden die praktische Ausbildung in einem Betrieb mit dem Unterricht an einer Berufsfachschule.

Wichtige Ausbildungsbereiche sind:

  • Industrie;
  • Handwerk;
  • Gesundheit;
  • Landwirtschaft;
  • Verwaltung;
  • Handel;
  • Gastronomie;
  • Tourismus;
  • Informatik.

Weitere Forschungseinrichtungen

Im Kanton befinden sich unter anderem:

  • Inselspital und Universitätsspital Bern;
  • Swissmedic;
  • Agroscope in Posieux und an weiteren Standorten der Region;
  • Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung;
  • internationale Forschungszentren;
  • Forschungsanstalten für Landwirtschaft, Wald und Klima.

Verkehr

Bern liegt an zentralen Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen der Schweiz.

Eisenbahn

Der Bahnhof Bern ist einer der meistfrequentierten Bahnhöfe der Schweiz.

Direkte Verbindungen bestehen nach:

  • Zürich;
  • Basel;
  • Lausanne;
  • Genf;
  • Luzern;
  • Interlaken;
  • Brig;
  • Biel/Bienne;
  • Neuenburg;
  • Freiburg;
  • Mailand und weiteren europäischen Städten.

Weitere wichtige Bahnknoten sind:

  • Biel/Bienne;
  • Thun;
  • Spiez;
  • Interlaken Ost;
  • Burgdorf;
  • Langenthal;
  • Lyss;
  • Bern Wankdorf.

Regionalverkehr

Die S-Bahn Bern erschliesst die Agglomeration und weite Teile des Mittellands.

Die BLS AG betreibt zahlreiche Regional- und Fernverkehrslinien.

Weitere Bahnen sind:

Strassen

Die wichtigsten Nationalstrassen sind:

  • die A1 zwischen Zürich, Bern und Lausanne;
  • die A6 zwischen Bern, Thun und Spiez;
  • die A5 am Jurasüdfuss und Bielersee;
  • die A8 zwischen Spiez, Interlaken und dem Brünig;
  • die A12 zwischen Bern und Freiburg.

Bergstrassen führen über:

  • Grimselpass;
  • Sustenpass;
  • Brünigpass;
  • Jaunpass;
  • Col du Pillon;
  • Grosse Scheidegg, teilweise mit eingeschränktem Verkehr.

Öffentlicher Nahverkehr

Bernmobil betreibt Tram-, Trolleybus- und Buslinien in der Region Bern.

In Biel/Bienne, Thun, Interlaken, Langenthal und weiteren Regionen bestehen eigene Stadt- und Regionalbusnetze.

Die Tarifverbünde Libero und Onde Verte koordinieren Teile des öffentlichen Verkehrs.

Schifffahrt

Kursschiffe verkehren auf:

  • Thunersee;
  • Brienzersee;
  • Bielersee;
  • Neuenburgersee;
  • Aare zwischen Biel und Solothurn.

Die BLS betreibt die Schifffahrt auf Thuner- und Brienzersee.

Die Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft bedient Bielersee, Aare und Teile des Drei-Seen-Lands.

Bergbahnen

Der Kanton besitzt zahlreiche Seil-, Zahnrad- und Standseilbahnen.

Zu den bekanntesten gehören:

  • Jungfraubahn;
  • Wengernalpbahn;
  • Schilthornbahn;
  • Harderbahn;
  • Niesenbahn;
  • Brienz-Rothorn-Bahn;
  • Niederhornbahn;
  • Gurtenbahn;
  • Marzilibahn;
  • Gelmerbahn.

Die Gelmerbahn gehört zu den steilsten offenen Standseilbahnen Europas.

Flughäfen

Der Flughafen Bern liegt bei Belp.

Er wird für Geschäfts-, Charter-, Rettungs- und Privatflüge genutzt.

Weitere Flugplätze befinden sich unter anderem in Biel-Kappelen, Langenthal und Saanen.

Für den internationalen Linienverkehr werden vor allem die Flughäfen Zürich, Basel-Mulhouse und Genf genutzt.

Kultur

Bern besitzt ein vielfältiges deutsch- und französischsprachiges Kulturleben.

Museen

Zu den bedeutenden Museen gehören:

Das Bernische Historische Museum zählt zu den grössten kulturhistorischen Museen der Schweiz.

Das Zentrum Paul Klee besitzt die weltweit bedeutendste Sammlung von Werken Paul Klees.

Theater und Musik

Das Konzert Theater Bern bietet Oper, Schauspiel, Tanz und Konzerte.

Weitere bedeutende Einrichtungen sind:

  • Theater Biel Solothurn;
  • Stadttheater Langenthal;
  • Theater an der Effingerstrasse;
  • Dampfzentrale Bern;
  • Kultur Casino Bern;
  • Casino Théâtre Burgdorf;
  • zahlreiche freie Bühnen.

Das Berner Symphonieorchester gehört zu den bedeutenden Orchestern der Schweiz.

Literatur

Der Kanton besitzt eine bedeutende literarische Tradition.

Bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit engem Bezug zu Bern sind:

Jeremias Gotthelf beschrieb in seinen Romanen und Erzählungen das ländliche Leben im Emmental.

Musik und Mundartkultur

Bern ist ein wichtiges Zentrum der schweizerdeutschen Mundartmusik.

Bekannte Künstler und Gruppen mit bernischem Bezug sind:

  • Mani Matter;
  • Patent Ochsner;
  • Züri West;
  • Stiller Has;
  • Büne Huber;
  • Trauffer.

Die Berner Liedermachertradition verbindet Mundart, politische Beobachtung, Humor und Alltagsgeschichten.

UNESCO-Welterbe und Kulturerbe

Berner Altstadt

Die Altstadt von Bern gehört seit 1983 zum UNESCO-Welterbe.[11]

Sie besitzt:

  • mittelalterliche Strassenstruktur;
  • Sandsteinfassaden;
  • historische Brunnen;
  • Laubengänge;
  • Zeitglockenturm;
  • Münster;
  • Bundeshaus;
  • Rathaus.

Die mehrere Kilometer langen Lauben bilden eines der längsten gedeckten Einkaufs- und Fussgängersysteme Europas.

Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch

Das Gebiet Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltnaturerbe.[12]

Es umfasst Teile der Kantone Bern und Wallis.

Zum bernischen Gebiet gehören bedeutende Hochgebirgslandschaften rund um:

  • Eiger;
  • Mönch;
  • Jungfrau;
  • Finsteraarhorn;
  • Aargletscher;
  • Lauterbrunnental;
  • Grindelwald.

Pfahlbauten

Mehrere prähistorische Siedlungsstellen an den Juraseen gehören zum UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.

Weitere Kulturgüter

Bedeutende historische Orte und Anlagen sind:

  • Schloss Thun;
  • Schloss Oberhofen;
  • Schloss Spiez;
  • Schloss Burgdorf;
  • Schloss Laupen;
  • Schloss Jegenstorf;
  • Schloss Aarwangen;
  • Schloss Erlach;
  • Stiftskirche und Schloss Interlaken;
  • Klosterkirche Rüeggisberg;
  • Altstadt von Biel/Bienne;
  • Altstadt von Burgdorf;
  • Altstadt von Thun;
  • Altstadt von La Neuveville.

Brauchtum und Veranstaltungen

Zibelemärit

Der Zibelemärit findet jeweils am vierten Montag im November in Bern statt.

Bäuerinnen und Bauern verkaufen kunstvoll geflochtene Zwiebelzöpfe, Gemüse und Marktprodukte.

Das Fest zieht Zehntausende Besucherinnen und Besucher an.

Bärner Fasnacht

Die Berner Fasnacht wurde im 20. Jahrhundert wiederbelebt.

Sie umfasst Umzüge, Guggenmusik, Masken und Veranstaltungen in der Altstadt.

Unspunnenfest

Das Unspunnenfest bei Interlaken verbindet:

  • Schwingen;
  • Steinstossen;
  • Trachten;
  • Jodeln;
  • Alphornmusik.

Die ersten Unspunnenfeste fanden 1805 und 1808 statt.

Alpabzüge

In verschiedenen Regionen werden im Herbst festlich geschmückte Kühe von den Alpen ins Tal geführt.

Bekannte Alpabzüge finden unter anderem im Simmental, Saanenland und Justistal statt.

Fulehung

Der Fulehung ist eine traditionelle Figur des Thuner Ausschiesset.

Die Figur trägt Maske und Kostüm und verteilt Schläge sowie Süssigkeiten an das Publikum.

Weitere Veranstaltungen

Bekannte Veranstaltungen sind:

  • Gurtenfestival;
  • Buskers Bern;
  • Internationales Jazzfestival Bern;
  • Bieler Fototage;
  • Brienzersee Rockfestival;
  • Greenfield Festival in Interlaken;
  • Tellspiele Interlaken;
  • Lauberhornrennen;
  • Adelboden-Weltcuprennen;
  • Grand Prix von Bern.

Natur und Landschaftsschutz

Der Kanton besitzt eine aussergewöhnliche biologische und landschaftliche Vielfalt.

Sie reicht von:

  • Juratrockenweiden;
  • Feuchtgebieten des Seelands;
  • Auenlandschaften;
  • Mittellandwäldern;
  • Moorgebieten;
  • Alpweiden;
  • Hochgebirgen;
  • Gletschern.

Bedeutende Schutzgebiete sind:

  • Naturschutzgebiet Fanel;
  • St. Petersinsel und Heidenweg;
  • Aarelandschaften;
  • Chasseral;
  • Lombachalp;
  • Grimselgebiet;
  • Weissenau;
  • Augstmatthorn;
  • Gasterntal.

Der Regionale Naturpark Chasseral liegt im Berner Jura und angrenzenden Neuenburger Gebiet.

Der Naturpark Gantrisch umfasst Voralpen- und Hügellandschaften südlich von Bern.

Der Regionaler Naturpark Diemtigtal schützt und entwickelt eine traditionelle Kulturlandschaft des Berner Oberlands.

Zu den wichtigsten Umweltproblemen gehören:

  • Gletscherschwund;
  • Verlust von Arten und Lebensräumen;
  • Zersiedelung;
  • Belastung der Gewässer;
  • intensive Landwirtschaft;
  • zunehmende Naturgefahren;
  • touristischer Druck;
  • sommerliche Trockenheit;
  • Waldschäden.

Naturgefahren

Der alpine Kantonsteil ist von verschiedenen Naturgefahren betroffen.

Dazu gehören:

  • Lawinen;
  • Hochwasser;
  • Murgänge;
  • Felsstürze;
  • Bergstürze;
  • Gletscherabbrüche;
  • Rutschungen.

Historische Ereignisse führten zur Entwicklung von Schutzwäldern, Lawinenverbauungen, Rückhaltebecken und Warnsystemen.

Der Klimawandel verändert den Permafrost und erhöht in einzelnen Hochgebirgsgebieten die Gefahr von Felsstürzen und instabilen Hängen.

Gesundheitswesen

Das Inselspital in Bern ist eines der grössten Universitätsspitäler der Schweiz.

Weitere bedeutende Spitalstandorte befinden sich in:

  • Biel/Bienne;
  • Thun;
  • Burgdorf;
  • Langenthal;
  • Interlaken;
  • Zweisimmen;
  • Saint-Imier.

Die Gesundheitsversorgung in dünn besiedelten und alpinen Regionen stellt wegen grosser Entfernungen und des Fachkräftemangels besondere Anforderungen.

Die Luftrettung ist im Berner Oberland wegen Bergsport, Tourismus und schwer erreichbarer Täler von grosser Bedeutung.

Sport

Der Kanton besitzt eine vielfältige Sportlandschaft.

Im Fussball sind besonders bekannt:

Im Eishockey gehören der SC Bern, die SCL Tigers und der EHC Biel zu den traditionsreichen Vereinen.

Weitere bedeutende Sportarten sind:

  • Schwingen;
  • Skifahren;
  • Snowboarden;
  • Eisklettern;
  • Bergsteigen;
  • Wandern;
  • Radsport;
  • Orientierungslauf;
  • Rudern;
  • Segeln.

Internationale Sportveranstaltungen sind:

  • Lauberhornrennen in Wengen;
  • Skiweltcup Adelboden;
  • Jungfrau-Marathon;
  • Grand Prix von Bern;
  • Bieler Lauftage;
  • Inferno-Triathlon;
  • Tour-de-Suisse-Etappen.

Magglingen ist Sitz des Bundesamtes für Sport und eines bedeutenden nationalen Trainings- und Ausbildungszentrums.

Küche und regionale Produkte

Die bernische Küche unterscheidet sich nach Region.

Bekannte Gerichte und Produkte sind:

  • Berner Platte;
  • Rösti;
  • Berner Zungenwurst;
  • Emmentaler Käse;
  • Berner Alpkäse;
  • Hobelkäse;
  • Meringues;
  • Meiringer Meringue;
  • Haselnusslebkuchen;
  • Berner Lebkuchen;
  • Züpfe;
  • Zibelechueche;
  • Nidlechueche.

Die Berner Platte besteht traditionell aus verschiedenen Fleisch- und Wurstwaren, Sauerkraut, Bohnen und Kartoffeln.

Im Berner Oberland spielen Alpkäse, Trockenfleisch und Milchprodukte eine wichtige Rolle.

Das Emmental ist international mit dem Emmentaler Käse verbunden.

Im Seeland werden grosse Mengen Gemüse angebaut.

Am Bielersee gehören Fisch und Wein zur regionalen Gastronomie.

Bedeutung innerhalb der Schweiz

Bern besitzt als Kanton und Bundesstadt eine zentrale Stellung in der Schweiz.

Die Stadt ist Sitz der politischen Bundesbehörden, während der Kanton grosse Teile des Mittellands und der Alpen umfasst.

Bern verbindet:

  • Deutschschweiz und Romandie;
  • Mittelland und Alpen;
  • städtische und ländliche Regionen;
  • Bundespolitik und kantonale Selbstverwaltung;
  • Industrie, Landwirtschaft und Tourismus.

Die Zweisprachigkeit und die historische Jurafrage machten den Kanton zu einem wichtigen Ort der schweizerischen Minderheiten- und Föderalismuspolitik.

Das Berner Modell regionaler Mitwirkung, die garantierte Vertretung des Berner Juras und die politische Lösung der Kantonswechsel gelten als Beispiele für die friedliche Regelung territorialer und sprachlicher Konflikte.

Siehe auch

Literatur

  • Anne-Marie Dubler, Christian Lüthi u. a.: Bern (Kanton). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Peter Martig: Bernische Geschichte. Bern.
  • Bernhard Stettler: Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Zürich.
  • François de Capitani: Geschichte der Schweiz. München.
  • André Holenstein: Mitten in Europa. Verflechtung und Abgrenzung in der Schweizer Geschichte. Baden.
  • Staatsarchiv des Kantons Bern: Publikationen zur bernischen Geschichte.
  • Historischer Verein des Kantons Bern: Berner Zeitschrift für Geschichte.
  • Archäologischer Dienst des Kantons Bern: Publikationen zur Archäologie.
  • Finanzverwaltung des Kantons Bern: Statistische Berichte und Kennzahlen.
  • Denkmalpflege des Kantons Bern: Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Kanton Bern

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Die amtliche Gesamtfläche betrug vor dem Kantonswechsel Moutiers 595'847 Hektaren. Siehe Kennzahlen Kanton Bern 2024, Finanzverwaltung des Kantons Bern, Stand 6. Januar 2026. Die Fläche der am 1. Januar 2026 zum Kanton Jura gewechselten Gemeinde Moutier betrug 19,61 km². Siehe Rapport explicatif concernant le transfert de Moutier, abgerufen am 21. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Bevölkerungsstand und -struktur, Finanzverwaltung des Kantons Bern, abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Starke Gemeinden für einen starken Kanton, Direktion für Inneres und Justiz des Kantons Bern, abgerufen am 21. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 Kennzahlen Kanton Bern 2024, Finanzverwaltung des Kantons Bern, Stand 6. Januar 2026.
  5. 5,0 5,1 Abschluss der Verhandlungen über den Kantonswechsel von Moutier, Kanton Bern, 16. Dezember 2025, abgerufen am 21. Juli 2026.
  6. Die zehn Verwaltungskreise, Kanton Bern, abgerufen am 21. Juli 2026.
  7. Anne-Marie Dubler, Christian Lüthi und weitere: Bern (Kanton), Historisches Lexikon der Schweiz, aktualisierte Fassung vom 4. Februar 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  9. Der Grosse Rat, Kanton Bern, abgerufen am 21. Juli 2026.
  10. Die Mitglieder des Regierungsrates, Kanton Bern, abgerufen am 21. Juli 2026.
  11. Old City of Berne, UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 21. Juli 2026.
  12. Swiss Alps Jungfrau-Aletsch, UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 21. Juli 2026.