Kanton Appenzell Ausserrhoden

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Kanton Appenzell Ausserrhoden
Flagge des Kantons Appenzell Ausserrhoden Wappen des Kantons Appenzell Ausserrhoden
Flagge Wappen
Hauptort keiner rechtlich festgelegt;
Herisau ist Regierungs-, Parlaments- und Verwaltungssitz
Gerichtssitz Trogen
Beitritt zur Eidgenossenschaft 1513 als ungeteiltes Land Appenzell
Entstehung des Kantons 1597 durch die Landteilung
Amtssprache Deutsch
Fläche 242,84 km²
Bevölkerung 57'393
zivilrechtlicher Wohnsitz, 1. Januar 2026
Bevölkerungsdichte 236 Einwohner je km²
Gemeinden 20
Höchster Punkt Säntis (2502 m ü. M.)
Tiefster Punkt Lutzenberg (rund 450 m ü. M.)
Exekutive Regierungsrat mit 5 Mitgliedern
Parlament Kantonsrat mit 65 Mitgliedern
Standesstimme ½
Vertretung im Ständerat 1 Sitz
Vertretung im Nationalrat 1 Sitz
Kantonskürzel AR
ISO-Code CH-AR

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden ist ein Kanton im Nordosten der Schweiz. Die amtliche Kurzform lautet Appenzell A. Rh., das Kantonskürzel ist AR. Der Kanton gehört zur Ostschweiz und bildet gemeinsam mit dem Kanton Appenzell Innerrhoden die historische Landschaft des Appenzellerlands.

Appenzell Ausserrhoden besitzt keinen verfassungsrechtlich festgelegten Hauptort. Herisau ist Sitz des Regierungsrates, des Kantonsrates und der Zentralverwaltung. Das Kantonsgericht und das Obergericht befinden sich in Trogen. Diese Verteilung staatlicher Funktionen geht auf die historische Bedeutung beider Orte zurück.

Am 1. Januar 2026 lebten 57'393 Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz im Kanton. Das Kantonsgebiet umfasst 242,84 Quadratkilometer und ist in 20 politische Gemeinden gegliedert.[1][2]

Die Landschaft wird durch voralpine Hügel, tief eingeschnittene Bachtäler, Streusiedlungen, Wälder und den nördlichen Rand des Alpsteins geprägt. Der Säntis bildet mit 2502 Metern über Meer den höchsten Punkt des Kantons. Wirtschaftlich war Appenzell Ausserrhoden seit dem 17. Jahrhundert stark durch Textilheimarbeit, Weberei, Stickerei und internationalen Handel geprägt. Heute bilden Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft und Tourismus die wichtigsten Wirtschaftsbereiche.

Der Kanton entstand 1597 durch die konfessionell begründete Teilung des zuvor gemeinsamen Landes Appenzell. Die äusseren Rhoden waren mehrheitlich reformiert, während die inneren Rhoden katholisch blieben. Appenzell Ausserrhoden besass bis 1997 eine kantonale Landsgemeinde.

Name

Der Name Appenzell geht wahrscheinlich auf die mittellateinische Bezeichnung abbatis cella zurück. Sie bedeutet sinngemäss «Zelle des Abtes» und verweist auf die frühere Zugehörigkeit des Gebiets zur Fürstabtei St. Gallen.

Der Zusatz Ausserrhoden bezieht sich auf die historischen Rhoden. Diese waren Verbände mit politischen, militärischen, wirtschaftlichen und gerichtlichen Aufgaben.

Die weiter vom Hauptort Appenzell entfernten Rhoden wurden als äussere Rhoden bezeichnet. Nach der Reformation waren sie überwiegend reformiert. Die näher bei Appenzell gelegenen und katholisch gebliebenen Gebiete bildeten die inneren Rhoden.

Seit der Landteilung von 1597 bestehen:

  • Appenzell Ausserrhoden;
  • Appenzell Innerrhoden.

Die Bezeichnungen in den anderen Landessprachen lauten:

  • französisch: Appenzell Rhodes-Extérieures;
  • italienisch: Appenzello Esterno;
  • rätoromanisch: Appenzell dador.

Seit 1835 lautet der amtliche Name «Kanton Appenzell Ausserrhoden». Zuvor waren Bezeichnungen wie «Land Appenzell der äussern Rhoden» gebräuchlich.[3]

Der früher übliche staatsrechtliche Ausdruck Halbkanton wird in der geltenden Bundesverfassung nicht mehr verwendet. Appenzell Ausserrhoden ist rechtlich ein Kanton mit denselben grundlegenden Rechten und Pflichten wie die übrigen Kantone. Er besitzt jedoch nur eine halbe Standesstimme und entsendet ein Mitglied in den Ständerat.

Geografie

Lage

Appenzell Ausserrhoden liegt im Nordosten der Schweiz zwischen dem Bodenseeraum und dem Alpstein. Der Kanton grenzt an:

Eine internationale Staatsgrenze besitzt Appenzell Ausserrhoden nicht.

Das Kantonsgebiet zieht sich von den tieferen Lagen beim Bodensee und im St. Galler Rheintal über die voralpine Hügellandschaft bis zum Säntis.

Die Entfernung zwischen den westlichen und östlichen Teilen des Kantons ist verhältnismässig gross. Aufgrund der hügeligen Landschaft und der unterschiedlichen Verkehrsorientierung bestehen innerhalb des Kantons ausgeprägte regionale Identitäten.

Vorderland, Mittelland und Hinterland

Appenzell Ausserrhoden wird traditionell in drei Regionen gegliedert:

  • Vorderland;
  • Mittelland;
  • Hinterland.

Diese Gebiete bildeten von 1858 bis 1995 auch staatliche Bezirke. Mit der Kantonsverfassung von 1995 wurde die Bezirkseinteilung aufgehoben. Die Begriffe werden weiterhin für geografische, kulturelle, wirtschaftliche und organisatorische Zwecke verwendet.[3]

Das Vorderland liegt im Osten und Nordosten des Kantons. Es ist auf den Bodensee, das St. Galler Rheintal und die Region Rorschach ausgerichtet. Dazu gehören die Gemeinden Grub, Heiden, Lutzenberg, Rehetobel, Reute, Wald, Walzenhausen und Wolfhalden.

Das Mittelland liegt südöstlich der Stadt St. Gallen. Zu ihm gehören Bühler, Gais, Speicher, Teufen und Trogen. Viele Gemeinden des Mittellandes sind eng mit dem Wirtschafts- und Arbeitsraum St. Gallen verbunden.

Das Hinterland umfasst den westlichen Teil des Kantons mit Herisau, Hundwil, Schönengrund, Schwellbrunn, Stein, Urnäsch und Waldstatt. Herisau ist das grösste Wirtschafts-, Verwaltungs- und Siedlungszentrum des Kantons.

Fläche

Die Fläche des Kantons beträgt 24'284 Hektaren oder 242,84 Quadratkilometer.[2]

Nach den in der kantonalen Statistik ausgewiesenen Flächendaten entfallen grosse Teile des Kantonsgebiets auf:

  • Landwirtschaftsflächen;
  • Wald und andere bestockte Flächen;
  • Siedlungs- und Verkehrsflächen;
  • kleinere unproduktive Flächen.

Die landwirtschaftlich genutzten Wiesen und Weiden sowie die Wälder bestimmen das Landschaftsbild.

Landschaft

Appenzell Ausserrhoden besitzt eine ausgeprägte voralpine Hügellandschaft. Die Höhenzüge sind durch zahlreiche Bäche und Flüsse voneinander getrennt.

Typisch sind:

  • grüne Wiesen und Weiden;
  • bewaldete Hügel;
  • schmale Täler und Tobel;
  • Dörfer auf Geländeterrassen;
  • Weiler und Einzelhöfe;
  • traditionelle Appenzeller Holzhäuser;
  • Aussichten auf Bodensee, Alpstein und Rheintal.

Die Streusiedlungsstruktur ist eng mit der Vieh- und Milchwirtschaft sowie der früheren Textilheimarbeit verbunden. Viele Wohnhäuser wurden so errichtet, dass Landwirtschaft und gewerbliche Heimarbeit miteinander verbunden werden konnten.

Berge

Der höchste Punkt des Kantons ist der 2502 Meter hohe Säntis. Der Gipfelbereich liegt am Zusammentreffen der Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und St. Gallen.

Weitere bekannte Erhebungen und Höhenzüge sind:

Der tiefste Punkt liegt bei Lutzenberg auf rund 450 Metern über Meer.[1]

Gewässer

Das Kantonsgebiet gehört vollständig zum Einzugsgebiet des Rheins.

Der westliche Teil wird vor allem durch die Sitter und ihre Zuflüsse entwässert. Zu den bedeutenden Gewässern gehören:

  • Sitter;
  • Urnäsch;
  • Glatt;
  • Rotbach;
  • Wissbach.

Die östlichen und nordöstlichen Gebiete entwässern teilweise direkt oder über kleinere Flüsse in Richtung Bodensee und Alpenrhein.

Die Flüsse und Bäche haben zahlreiche Tobel und Schluchten geschaffen. Sie waren historisch für den Betrieb von Mühlen, Sägereien, Textilbetrieben und kleinen Kraftwerken von Bedeutung.

Grosse natürliche Seen besitzt der Kanton nicht. Der Bodensee liegt jedoch in unmittelbarer Nähe des Vorderlandes und prägt Klima, Aussicht und Verkehrsbeziehungen der Region.

Klima

Das Klima ist feucht-gemässigt und wird durch die Lage am Alpennordrand beeinflusst.

Feuchte Luftmassen führen besonders an den Höhenzügen zu hohen Niederschlagsmengen. Die Winter können in den höheren Gemeinden schneereich sein. In den tieferen Lagen des Vorderlandes ist das Klima aufgrund der Nähe zum Bodensee teilweise milder.

Der Föhn kann vorübergehend trockene und warme Luft aus südlicher Richtung bringen. Nebel tritt besonders in den tieferen Lagen und im Bodenseeraum auf.

Zu den Naturgefahren gehören:

  • Hochwasser;
  • Hangrutschungen;
  • Steinschlag;
  • Sturm;
  • Lawinen in den höheren Lagen;
  • lokale Überschwemmungen nach Starkniederschlägen.

Natur- und Landschaftsschutz

Der Kanton besitzt Moore, Trockenwiesen, Waldreservate, Flusslandschaften und weitere ökologisch wertvolle Lebensräume.

Besondere Bedeutung besitzen:

  • das Säntis- und Schwägalpgebiet;
  • Hochmoore und Flachmoore;
  • naturnahe Bachläufe;
  • traditionelle Hecken- und Streusiedlungslandschaften;
  • extensiv genutzte Wiesen und Weiden;
  • Wälder mit Schutzfunktion.

Die Raumplanung steht vor der Aufgabe, Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft, Verkehr, Tourismus, Energiegewinnung sowie Natur- und Landschaftsschutz miteinander zu verbinden.

Bevölkerung

Einwohnerzahl

Am 1. Januar 2026 lebten 57'393 Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in Appenzell Ausserrhoden. Die Bevölkerungsdichte betrug 236 Einwohner je Quadratkilometer.[1]

Herisau ist mit mehr als 16'000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit Abstand die grösste Gemeinde. Danach folgen Teufen, Speicher und Heiden.

Zu den kleinsten Gemeinden gehören Schönengrund, Reute, Wald und Grub.

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerung nahm während der frühen Industrialisierung stark zu. Appenzell Ausserrhoden entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einem dicht besiedelten ländlichen Textilgebiet.

Krisen der Textilwirtschaft, Abwanderung und wirtschaftlicher Strukturwandel führten im 20. Jahrhundert zeitweise zu einem Bevölkerungsrückgang.

Seit dem späten 20. Jahrhundert wächst die Einwohnerzahl wieder. Besonders stark entwickelten sich Gemeinden mit guter Verkehrsanbindung an St. Gallen, das Rheintal und den Bodenseeraum.

Wichtige Gründe für das Bevölkerungswachstum sind:

  • Zuwanderung aus anderen Kantonen;
  • internationale Zuwanderung;
  • gute Wohnlage im Umfeld von St. Gallen;
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrs;
  • hohe Wohn- und Landschaftsqualität;
  • vergleichsweise attraktive steuerliche Rahmenbedingungen.

Altersstruktur

Nach den für 2026 veröffentlichten kantonalen Angaben waren:

  • rund 21 Prozent der Bevölkerung jünger als 20 Jahre;
  • rund 58 Prozent zwischen 20 und 64 Jahre alt;
  • rund 21 Prozent älter als 64 Jahre.

Der demografische Wandel führt zu steigenden Anforderungen an Altersbetreuung, Pflege, Gesundheitsversorgung, barrierefreies Wohnen und öffentlichen Verkehr.

Sprache

Amtssprache ist Deutsch. Im schriftlichen Verkehr verwenden Behörden, Schulen und Medien Schweizer Hochdeutsch.

Im Alltag werden alemannische Dialekte gesprochen. Die ausserrhodischen Mundarten gehören zur ostschweizerischen Dialektgruppe.

Zwischen Vorderland, Mittelland und Hinterland bestehen Unterschiede bei Aussprache, Wortschatz und Sprachmelodie. Die Dialekte sind eng mit den Mundarten von Appenzell Innerrhoden, St. Gallen und dem Toggenburg verwandt.

Mundart spielt eine wichtige Rolle in:

  • Alltag und Familie;
  • Volksmusik;
  • Naturjodel;
  • Theater;
  • Literatur;
  • regionalem Humor;
  • Radio- und Kulturproduktionen.

Religion

Appenzell Ausserrhoden ist historisch evangelisch-reformiert geprägt.

Die Reformation setzte sich im 16. Jahrhundert in den äusseren Rhoden weitgehend durch. Die konfessionellen Gegensätze waren ein wesentlicher Grund für die Landteilung von 1597.

Die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche sind als öffentlich-rechtliche Körperschaften anerkannt. Daneben bestehen Freikirchen, christliche Sondergemeinschaften, islamische Gemeinschaften und weitere Religionsgruppen.

Der Anteil konfessionsloser Personen ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen.

Geschichte

Mittelalter

Das Gebiet des heutigen Appenzellerlandes gehörte im Mittelalter zum Herrschafts- und Wirtschaftsraum der Abtei St. Gallen.

Die Besiedlung erfolgte schrittweise. Wälder wurden gerodet und landwirtschaftliche Nutzflächen geschaffen. Es entstanden Einzelhöfe, Weiler, Kirchorte und regionale Verkehrswege.

Die Bevölkerung war zu Abgaben, Frondiensten und militärischen Leistungen gegenüber der Abtei verpflichtet.

Die Rhoden entwickelten sich aus älteren Organisationsformen. Sie dienten unter anderem:

  • der Erhebung von Abgaben;
  • dem Aufgebot von Truppen;
  • der Verwaltung gemeinsamer Güter;
  • der Rechtsprechung;
  • der politischen Vertretung.

Appenzellerkriege

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erhob sich die Bevölkerung gegen die Herrschaftsansprüche des Abtes von St. Gallen.

Die sogenannten Appenzellerkriege dauerten von 1401 bis 1429. Entscheidende Ereignisse waren:

  • das Bündnis mit der Stadt St. Gallen;
  • die Zerstörung der Burg Clanx;
  • die Schlacht bei Vögelinsegg von 1403;
  • die Schlacht am Stoss von 1405;
  • die zeitweise Ausdehnung des appenzellischen Einflusses in der Ostschweiz.

Die Appenzeller konnten ihre politische Eigenständigkeit weitgehend sichern. 1411 wurden sie als zugewandter Ort enger an die Eidgenossenschaft gebunden.

Beitritt zur Eidgenossenschaft

1513 wurde das noch ungeteilte Land Appenzell als dreizehnter Ort vollwertiges Mitglied der Alten Eidgenossenschaft.

Appenzell erhielt Sitz und Stimme an der Tagsatzung und beteiligte sich an den gemeinsamen Angelegenheiten der Eidgenossenschaft.

Reformation

Ab den 1520er-Jahren verbreiteten sich reformatorische Ideen im Appenzellerland.

Die Landsgemeinde überliess den einzelnen Kirchhören weitgehend die Entscheidung über ihre Konfession.

In den äusseren Rhoden setzte sich überwiegend die reformierte Lehre durch. Die inneren Rhoden blieben mehrheitlich katholisch.

Die konfessionelle Spaltung beeinflusste:

  • Gottesdienst und Kirchenordnung;
  • Bildung;
  • Ehe- und Familienrecht;
  • Bündnispolitik;
  • Verhältnis zu ausländischen Mächten;
  • innere politische Organisation.

Landteilung von 1597

Die konfessionellen und politischen Spannungen führten 1597 zur Teilung des Landes Appenzell.

Der Landteilungsbrief vom 8. September 1597 schuf zwei selbstständige Staatswesen:

  • Appenzell der inneren Rhoden;
  • Appenzell der äusseren Rhoden.

Appenzell Ausserrhoden umfasste zunächst die sechs Grossrhoden Urnäsch, Herisau, Hundwil, Teufen, Trogen und Gais.[3]

Trogen entwickelte sich zum politischen und gerichtlichen Zentrum. Herisau wuchs zum wichtigsten Wirtschafts- und später auch Verwaltungsort heran.

Frühindustrialisierung

Appenzell Ausserrhoden gehörte zu den frühesten ländlichen Industriegebieten der Schweiz.

Seit dem 17. Jahrhundert gewann die Textilheimarbeit zunehmend an Bedeutung. Bauernfamilien kombinierten Landwirtschaft mit:

  • Spinnen;
  • Weben;
  • Bleichen;
  • Färben;
  • Bedrucken;
  • später mit Maschinenstickerei.

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde die Heimindustrie zum vorherrschenden Erwerbszweig. Kaufleute organisierten Produktion, Rohstoffbeschaffung und internationalen Absatz.[4]

Die Textilwirtschaft prägte die Siedlungslandschaft. Viele Häuser erhielten lange Fensterreihen, durch die möglichst viel Licht in die Web- und Arbeitsräume fiel.

In Trogen entstanden repräsentative Handelshäuser der Familie Zellweger. Sie belegen die internationale Verflechtung des ausserrhodischen Textilhandels.

Helvetische Republik

1798 wurde die Alte Eidgenossenschaft durch die zentralistisch organisierte Helvetische Republik ersetzt.

Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden wurden gemeinsam mit weiteren ostschweizerischen Gebieten dem Kanton Säntis zugeteilt.

Die Aufhebung der kantonalen Selbstständigkeit führte zu politischen Konflikten. Auch innerhalb Ausserrhodens bestanden Unterschiede zwischen reformorientierten und konservativen Gebieten.

Mit der Mediationsakte von 1803 erhielt Appenzell Ausserrhoden seine kantonale Eigenständigkeit zurück.

19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war durch politische Reformen, Industrialisierung und den Ausbau staatlicher Institutionen geprägt.

Liberale Kräfte verlangten:

  • Gewaltenteilung;
  • Rechtsgleichheit;
  • Öffentlichkeit staatlicher Entscheidungen;
  • moderne Verwaltung;
  • Ausbau des Bildungswesens;
  • wirtschaftliche Freiheit.

Die Kantonsverfassung von 1858 ordnete Regierung, Parlament und Gerichte neu. In dieser Zeit wurden Vorderland, Mittelland und Hinterland zu staatlichen Bezirken.

Die Textilindustrie entwickelte sich von der Handweberei zur mechanisierten Produktion und Maschinenstickerei. Herisau wurde zum wichtigsten Industrie- und Handelszentrum.

Der Ausbau von Strassen, Postverbindungen und Eisenbahnen verbesserte die Verbindung mit St. Gallen, Gossau, Rorschach und dem Rheintal.

20. Jahrhundert

Die Textilindustrie geriet nach dem Ersten Weltkrieg in schwere Krisen. Veränderungen der Mode, internationale Konkurrenz und wirtschaftliche Einbrüche führten zur Schliessung zahlreicher Betriebe.

Der Kanton musste seine Wirtschaft neu ausrichten. An Bedeutung gewannen:

  • Maschinen- und Metallindustrie;
  • Baugewerbe;
  • Kunststoffverarbeitung;
  • Gesundheitswesen;
  • soziale Einrichtungen;
  • Handel;
  • Tourismus;
  • öffentliche Dienstleistungen.

Die Nähe zur Stadt St. Gallen führte zu einer stärkeren Verflechtung der Wohn- und Arbeitsmärkte.

Frauenstimmrecht

Appenzell Ausserrhoden führte das kantonale Frauenstimm- und Wahlrecht 1989 ein.

Vorlagen waren zuvor 1972, 1976 und 1984 gescheitert. Die Landsgemeinde vom 30. April 1989 stimmte der politischen Gleichberechtigung zu.

Am 29. April 1990 nahmen Frauen erstmals an der ausserrhodischen Landsgemeinde teil.[5]

Kantonsverfassung von 1995

Die 1995 angenommene Kantonsverfassung modernisierte das Staatsrecht und stärkte Grundrechte, Gemeindeautonomie und direkte Demokratie.

Sie enthielt weiterhin die Landsgemeinde als oberste gesetzgebende und wahlberechtigte Behörde.

Mit der neuen Verfassung wurden die staatlichen Bezirke Vorderland, Mittelland und Hinterland aufgehoben. Die Gemeinden übernahmen die Funktion der kantonalen Wahlkreise.

Abschaffung der Landsgemeinde

Die ausserrhodische Landsgemeinde fand traditionell in Hundwil und Trogen statt.

Sie wählte wichtige kantonale Behörden und entschied über Verfassungs-, Gesetzes- und Finanzvorlagen. Im Unterschied zu Appenzell Innerrhoden war die freie Beratung im 19. Jahrhundert weitgehend durch eine vorgängige Volksdiskussion ersetzt worden.

Am 28. September 1997 beschlossen die Stimmberechtigten in einer Urnenabstimmung die Abschaffung der Landsgemeinde.[6]

Als Gründe wurden unter anderem genannt:

  • steigende Zahl der Stimmberechtigten;
  • begrenzter Platz;
  • fehlendes Stimmgeheimnis;
  • Benachteiligung abwesender, kranker oder mobilitätseingeschränkter Personen;
  • zunehmende Bedeutung brieflicher und urnengestützter Abstimmungen.

Eine Volksinitiative zur Wiedereinführung der Landsgemeinde wurde am 13. Juni 2010 mit 11'461 Nein- gegen 4'845 Ja-Stimmen abgelehnt.[7]

Neue Kantonsverfassung

Am 4. März 2018 beschlossen die Stimmberechtigten die Durchführung einer Totalrevision der Kantonsverfassung.

Die neue Verfassung wurde am 30. November 2025 mit 13'908 Stimmen angenommen. Nach der Gewährleistung durch die Bundesversammlung soll sie voraussichtlich am 1. Januar 2027 in Kraft treten.[8]

Die Totalrevision aktualisiert unter anderem:

  • Grundrechte;
  • Aufgaben von Kanton und Gemeinden;
  • Volksrechte;
  • Organisation der Behörden;
  • Finanzordnung;
  • Nachhaltigkeitsgrundsätze;
  • Informations- und Öffentlichkeitsrechte;
  • Stellung einer unabhängigen Ombudsstelle.

Bis zum Inkrafttreten der neuen Verfassung bleibt die Kantonsverfassung von 1995 massgebend.

Politisches System

Verfassungsordnung

Appenzell Ausserrhoden ist ein Gliedstaat der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Der Kanton besitzt:

  • eine eigene Verfassung;
  • eigene Gesetzgebung;
  • eigene politische Rechte;
  • ein eigenes Parlament;
  • eine eigene Regierung;
  • eigene Gerichte;
  • eine eigene Verwaltung;
  • eigene Steuern;
  • 20 weitgehend autonome Gemeinden.

Das politische System verbindet repräsentative Demokratie mit Volksinitiative, Referendum, Volkswahl und Volksdiskussion.

Verteilung der staatlichen Sitze

Die Kantonsverfassung bestimmt keinen offiziellen Hauptort.

Herisau ist Sitz von:

  • Regierungsrat;
  • Kantonsrat;
  • Kantonskanzlei;
  • Zentralverwaltung;
  • Staatsarchiv;
  • zahlreichen kantonalen Ämtern.

Trogen ist Sitz von:

  • Kantonsgericht;
  • Obergericht;
  • Teilen der kantonalen Kultur- und Bildungsinstitutionen.

Das Kantonsgericht befindet sich am Landsgemeindeplatz in Trogen. Das Obergericht hat seinen Sitz im Fünfeckpalast.[9]

Kantonsrat

Der Kantonsrat ist die gesetzgebende Behörde.

Er besteht aus 65 Mitgliedern. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre.

Die 20 Gemeinden bilden die Wahlkreise. Jede Gemeinde besitzt Anspruch auf mindestens einen Sitz. Die übrigen Sitze werden entsprechend der Bevölkerungszahl verteilt.

In Herisau wird der Kantonsrat nach dem Verhältniswahlverfahren gewählt. In den übrigen Gemeinden gilt das Mehrheitswahlverfahren.[10]

Der Kantonsrat:

  • erlässt Gesetze und Verordnungen;
  • beschliesst Budget und Staatsrechnung;
  • legt den kantonalen Steuerfuss fest;
  • beaufsichtigt Regierungsrat und Verwaltung;
  • beaufsichtigt die Geschäftsführung der Gerichte;
  • behandelt parlamentarische Vorstösse;
  • genehmigt Staatsverträge;
  • bereitet Verfassungs- und Gesetzesvorlagen vor;
  • wählt verschiedene kantonale Behörden.

Der Kantonsrat tagt normalerweise im Regierungsgebäude in Herisau. Seine Sitzungen sind öffentlich.

Parteipolitisch besitzt Appenzell Ausserrhoden eine Besonderheit: Neben den traditionellen Parteien spielen parteiunabhängige Politikerinnen und Politiker eine bedeutende Rolle.

Im Amtsjahr 2026/27 verteilten sich die 65 Sitze auf:

Fraktion Sitze
FDP.Die Liberalen 21
Parteiunabhängige 15
Sozialdemokratische Partei 13
Die Mitte, EVP und GLP 8
Schweizerische Volkspartei 8

Regierungsrat

Der Regierungsrat ist die oberste leitende, planende und vollziehende Behörde.

Er besteht aus fünf Mitgliedern. Die Mitglieder werden vom Volk gewählt und führen je ein Departement.

Der Regierungsrat:

  • leitet die kantonale Verwaltung;
  • vollzieht Bundes- und Kantonsrecht;
  • bereitet Geschäfte des Kantonsrates vor;
  • vertritt den Kanton nach aussen;
  • plant die staatliche Entwicklung;
  • erlässt Verordnungen und Beschlüsse;
  • führt die Finanz- und Aufgabenplanung;
  • beaufsichtigt die Verwaltung und kantonale Betriebe.

Das Regierungspräsidium trägt die traditionelle Bezeichnung Landammann.

Dem Regierungsrat gehörten 2026 an:[11]

Mitglied Partei Funktion und Departement
Hansueli Reutegger SVP Landammann, Departement Finanzen
Yves Noël Balmer SP Landammann-Stellvertreter, Departement Gesundheit und Soziales
Dölf Biasotto FDP.Die Liberalen Departement Bau und Volkswirtschaft
Katrin Alder FDP.Die Liberalen Departement Inneres und Sicherheit
Susann Metzger parteiunabhängig Departement Bildung und Kultur

Gerichte

Das Kantonsgericht ist die erste kantonale Instanz für zivil- und strafrechtliche Streitigkeiten. Es behandelt zudem Jugendstrafsachen.

Das Obergericht ist die höchste kantonale Rechtsmittelinstanz in:

  • Zivilsachen;
  • Strafsachen;
  • Verwaltungssachen;
  • Staatsrechtssachen;
  • Sozialversicherungsangelegenheiten.

Das Obergericht erfüllt ausserdem Aufsichtsaufgaben im Bereich des Anwalts-, Notariats-, Betreibungs- und Konkurswesens.

Entscheide der höchsten kantonalen Instanz können unter den gesetzlichen Voraussetzungen an das Schweizerische Bundesgericht weitergezogen werden.

Direkte Demokratie

Die Stimmberechtigten verfügen über weitgehende politische Rechte.

Dazu gehören:

  • obligatorische Volksabstimmungen;
  • fakultatives Referendum;
  • Volksinitiative;
  • Volkswahl kantonaler Behörden;
  • kommunale Initiativen und Referenden;
  • Volksdiskussion.

Die Volksdiskussion ist eine ausserrhodische Besonderheit. Einwohnerinnen und Einwohner können sich vor der parlamentarischen Behandlung bestimmter Vorlagen öffentlich schriftlich äussern.

Seit der Abschaffung der Landsgemeinde finden kantonale Wahlen und Abstimmungen an der Urne und durch briefliche Stimmabgabe statt.

Vertretung im Bund

Appenzell Ausserrhoden besitzt einen Sitz im Nationalrat und einen Sitz im Ständerat.

Bei eidgenössischen Vorlagen, die dem Ständemehr unterstehen, zählt das kantonale Ergebnis als eine halbe Standesstimme.

Im Jahr 2026 wurde der Kanton vertreten durch:

  • Edgar Bischof im Nationalrat;
  • Andrea Caroni im Ständerat.[1]

Gemeinden

Appenzell Ausserrhoden besteht aus 20 politischen Gemeinden.

Die Gemeinden besitzen im Rahmen des kantonalen Rechts eine ausgeprägte Autonomie. Sie erfüllen Aufgaben in Bereichen wie:

  • Volksschule;
  • Raumplanung;
  • Bauwesen;
  • Sozialhilfe;
  • Wasserversorgung;
  • Abwasser und Abfall;
  • Gemeindestrassen;
  • Feuerwehr;
  • Kultur und Sport;
  • Einwohnerwesen;
  • Gemeindefinanzen.

Die Gemeinden bilden gleichzeitig die Wahlkreise für den Kantonsrat.

Die traditionelle Einteilung in Vorderland, Mittelland und Hinterland besitzt keine Funktion als staatliche Bezirksebene.

Gemeinde Region Bevölkerung
1. Januar 2026
Urnäsch Hinterland 2'378
Herisau Hinterland 16'150
Schwellbrunn Hinterland 1'547
Hundwil Hinterland 967
Stein Hinterland 1'499
Schönengrund Hinterland 564
Waldstatt Hinterland 1'911
Teufen Mittelland 6'659
Bühler Mittelland 1'968
Gais Mittelland 3'161
Speicher Mittelland 4'511
Trogen Mittelland 1'954
Rehetobel Vorderland 1'711
Wald Vorderland 923
Grub Vorderland 990
Heiden Vorderland 4'425
Wolfhalden Vorderland 1'919
Lutzenberg Vorderland 1'338
Walzenhausen Vorderland 2'094
Reute Vorderland 717
Kanton Appenzell Ausserrhoden 57'393

Die Einwohnerzahlen beruhen auf den Angaben der Ausserrhoder Gemeinden zum zivilrechtlichen Wohnsitz.[1]

Wirtschaft

Wirtschaftsstruktur

Appenzell Ausserrhoden besitzt eine breit gegliederte Wirtschaft mit zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen.

Die in der kantonalen Statistik ausgewiesenen Beschäftigten verteilten sich zu rund:

  • 6 Prozent auf Landwirtschaft und Forstwirtschaft;
  • 27 Prozent auf Industrie und Gewerbe;
  • 67 Prozent auf Dienstleistungen.

Insgesamt wurden rund 27'900 Beschäftigte und knapp 5'000 Arbeitsstätten ausgewiesen.[1]

Wichtige Wirtschaftsbereiche sind:

  • Maschinen- und Anlagenbau;
  • Metallverarbeitung;
  • Kunststoff- und Gummiverarbeitung;
  • Textilien und Bekleidung;
  • Baugewerbe;
  • Lebensmittelproduktion;
  • Gesundheits- und Sozialwesen;
  • Handel;
  • Tourismus;
  • Unternehmensdienstleistungen;
  • Landwirtschaft.

Viele Unternehmen exportieren einen erheblichen Teil ihrer Erzeugnisse.

Textilwirtschaft

Die Textilwirtschaft prägte Appenzell Ausserrhoden über mehrere Jahrhunderte.

Zunächst dominierten Leinwandproduktion und Handweberei. Später kamen Baumwollverarbeitung, Stoffdruck, Veredelung und Stickerei hinzu.

Die Produktion erfolgte häufig in Heimarbeit. Kaufleute lieferten Rohmaterial und liessen die fertigen Waren im In- und Ausland verkaufen.

Die Textilwirtschaft hinterliess:

  • Webkeller;
  • Häuser mit langen Fensterreihen;
  • Fabrikgebäude;
  • Kaufmannshäuser;
  • internationale Handelsbeziehungen;
  • handwerkliches und gestalterisches Wissen.

Obwohl die Zahl der Textilbetriebe stark zurückging, sind Textilproduktion, technische Textilien, Stickerei, Mode und Veredelung weiterhin Teil der regionalen Wirtschaft.

Industrie und Gewerbe

Die heutige Industrie umfasst unter anderem:

  • Maschinenbau;
  • Präzisionstechnik;
  • Elektronik;
  • Metallbau;
  • Kunststofftechnik;
  • chemische Erzeugnisse;
  • Holzverarbeitung;
  • Lebensmittelindustrie;
  • Druck und Verpackung.

Das Gewerbe ist durch zahlreiche Familienunternehmen geprägt. Bau-, Installations-, Holz-, Metall- und Reparaturbetriebe erfüllen wichtige Funktionen für die regionale Versorgung.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft prägt grosse Teile der Landschaft.

Aufgrund des feuchten Klimas und der hügeligen Topografie dominieren:

  • Graswirtschaft;
  • Milchwirtschaft;
  • Viehzucht;
  • Schweinehaltung;
  • Alpsömmerung;
  • Forstwirtschaft.

2024 bestanden 645 Landwirtschaftsbetriebe. Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrug rund 11'862 Hektaren. Der Rindviehbestand umfasste mehr als 22'500 Tiere.[1]

Bekannte regionale Erzeugnisse sind:

  • Appenzeller Käse;
  • Milch- und Fleischprodukte;
  • Appenzeller Biber und Biberli;
  • Kräuterprodukte;
  • Most und weitere Getränke.

Die Produktionsregion des Appenzeller Käses umfasst auch Gebiete ausserhalb des Kantons.

Gesundheitswesen und Naturheilkunde

Das Gesundheits- und Sozialwesen gehört zu den grössten Beschäftigungsbereichen.

Appenzell Ausserrhoden besitzt eine lange Tradition der Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Die kantonale Gesetzgebung liess nichtärztliche Heilberufe historisch vergleichsweise früh und weitgehend zu.

2025 waren im Kanton mehr als 200 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker mit Berufsausübungsbewilligung registriert.[1]

Neben der Komplementärmedizin bestehen:

  • Arztpraxen;
  • Kliniken und Spitäler;
  • psychiatrische Einrichtungen;
  • Alters- und Pflegeheime;
  • Spitex-Organisationen;
  • Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

Tourismus

Der Tourismus nutzt die Verbindung von Landschaft, Brauchtum, Gesundheit, Wandern und regionaler Kultur.

Zu den wichtigsten Reisezielen gehören:

  • Säntis und Schwägalp;
  • Urnäsch;
  • Herisau;
  • Trogen;
  • Heiden;
  • Walzenhausen;
  • Teufen;
  • Gais;
  • Appenzeller Hügellandschaft;
  • Aussichtspunkte über Bodensee und Rheintal.

2025 verzeichnete die Hotellerie 45 Betriebe mit 1'344 Betten. Es wurden rund 117'300 Übernachtungen registriert.[1]

Das touristische Angebot umfasst:

  • Wanderwege;
  • Rad- und Mountainbikerouten;
  • Langlaufloipen;
  • Wintersportanlagen;
  • Berggasthäuser;
  • Museen;
  • Kulturveranstaltungen;
  • Gesundheits- und Wellnessangebote.

Seit Anfang 2026 wird das gesamte Appenzellerland durch eine gemeinsame Tourismusorganisation der beiden Appenzeller Kantone vermarktet.[12]

Verkehr

Eisenbahn

Appenzell Ausserrhoden besitzt ein dichtes regionales Bahnnetz.

Die Appenzeller Bahnen verbinden den Kanton unter anderem mit:

  • St. Gallen;
  • Gossau;
  • Appenzell;
  • Wasserauen;
  • Altstätten;
  • Rheineck;
  • Rorschach.

Herisau ist ein wichtiger Bahnknoten an den Verbindungen zwischen Gossau, Appenzell und dem Toggenburg.

Die Strecke zwischen St. Gallen, Teufen, Bühler, Gais und Appenzell erschliesst das Mittelland.

Trogen und Speicher sind über die Bahn direkt mit St. Gallen verbunden.

Im Vorderland verkehren die Rorschach-Heiden-Bergbahn und die Bergbahn Rheineck–Walzenhausen.

Busverkehr

Postautos und regionale Buslinien ergänzen das Bahnnetz.

Sie erschliessen insbesondere:

  • Gemeinden ohne Bahnhof;
  • Seitentäler;
  • ländliche Siedlungen;
  • touristische Ziele;
  • Verbindungen zwischen Vorderland, Mittelland und Hinterland.

Strassenverkehr

Der Kanton besitzt keine Autobahn.

Die Autobahn A1 verläuft jedoch in unmittelbarer Nähe. Herisau ist über Gossau und St. Gallen an das nationale Autobahnnetz angeschlossen.

Das Vorderland besitzt Verbindungen zum St. Galler Rheintal, nach Rorschach und zum Bodensee.

Die kurvenreichen Kantons- und Gemeindestrassen folgen häufig der hügeligen Topografie. Unterhalt, Winterdienst und Naturgefahren verursachen einen vergleichsweise hohen Aufwand.

Luftseilbahn Schwägalp–Säntis

Die Schwägalp liegt in der Gemeinde Hundwil.

Von dort führt die Säntis-Schwebebahn auf den Gipfel. Sie ist eine der bekanntesten touristischen Anlagen der Ostschweiz und erschliesst den höchsten Punkt des Kantons.

Bildung

Das Bildungswesen wird von Kanton und Gemeinden gemeinsam getragen.

Die Gemeinden sind insbesondere für Kindergarten und Volksschule verantwortlich. Der Kanton regelt Lehrpläne, Aufsicht, sonderpädagogische Angebote, Berufsbildung und Mittelschulen.

Wichtige Bildungsinstitutionen sind:

  • Kantonsschule Trogen;
  • Berufsbildungszentrum Herisau;
  • kommunale Primar- und Sekundarschulen;
  • Musikschulen;
  • Berufsfachschulen;
  • Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

Die Kantonsschule Trogen führt:

  • Gymnasium;
  • Fachmittelschule;
  • Wirtschaftsmittelschule;
  • eine Sekundarschulabteilung.

Im Schuljahr 2025/26 besuchten rund 6'300 Schülerinnen und Schüler die ausserrhodische Volksschule. Die Kantonsschule Trogen zählte rund 650 Lernende.[1]

Aufgrund der geringen Kantonsgrösse arbeitet Appenzell Ausserrhoden bei Berufsbildung, Hochschulen und spezialisierten Bildungsangeboten eng mit anderen Kantonen zusammen.

Gesundheitswesen

Kanton, Gemeinden und private Träger stellen gemeinsam die Gesundheitsversorgung sicher.

Zum Angebot gehören:

  • ambulante ärztliche Versorgung;
  • Akutmedizin;
  • psychiatrische Versorgung;
  • Rehabilitation;
  • Alters- und Pflegeheime;
  • Hilfe und Pflege zu Hause;
  • Rettungswesen;
  • Gesundheitsförderung;
  • Suchtberatung;
  • Angebote für Menschen mit Behinderung.

Für hoch spezialisierte Behandlungen bestehen enge Verbindungen zu den medizinischen Einrichtungen des Kantons St. Gallen und weiterer Kantone.

Kultur und Brauchtum

Appenzeller Volkskultur

Appenzell Ausserrhoden besitzt eine ausgeprägte regionale Kultur.

Sie verbindet:

  • bäuerliche Traditionen;
  • Textilgeschichte;
  • reformierte Prägung;
  • Musik;
  • Dialekt;
  • Handwerk;
  • moderne Kunst und Literatur.

Viele Bräuche werden nicht nur für touristische Zwecke gezeigt, sondern innerhalb der Gemeinden und Familien weitergeführt.

Silvesterchlausen

Das Silvesterchlausen gehört zu den bekanntesten Bräuchen des Kantons.

Es wird besonders in Gemeinden des Hinterlandes gepflegt. Gruppen verkleideter Männer ziehen von Hof zu Hof, wünschen ein gutes neues Jahr und tragen Naturjodel vor.

Unterschieden werden meist:

  • schöne Chläuse;
  • schön-wüste Chläuse;
  • wüste Chläuse.

Die Gewänder und Kopfbedeckungen werden teilweise während vieler Monate hergestellt.

Das Silvesterchlausen findet am 31. Dezember und in verschiedenen Gemeinden zusätzlich am sogenannten Alten Silvester um den 13. Januar statt.

Bloch

Beim Bloch wird ein grosser geschmückter Baumstamm in einem Umzug durch die Landschaft gezogen.

Der Brauch erinnert an frühere Formen der Wald- und Holzwirtschaft. Er wird in mehreren Gemeinden in unterschiedlichen Ausprägungen gepflegt.

Alpfahrten und Viehschauen

Die Alpfahrt und die Rückkehr des Viehs im Herbst gehören zur bäuerlichen Kultur des Appenzellerlandes.

Sennen tragen traditionelle Kleidung, und die Tiere werden mit Schellen geschmückt.

Im Herbst finden Viehschauen statt, bei denen Zucht, Tierhaltung und bäuerliche Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Musik und Naturjodel

Die Appenzeller Volksmusik ist über die Schweiz hinaus bekannt.

Typische Instrumente und Formen sind:

  • Geige;
  • Hackbrett;
  • Cello;
  • Kontrabass;
  • Handorgel;
  • Klarinette;
  • Naturjodel;
  • Zäuerli;
  • Talerschwingen.

Das Zäuerli ist eine wortlose Form des Naturjodels. Es wird solistisch oder in Gruppen gesungen.

Architektur

Die traditionelle Architektur ist durch Holzhäuser mit farbigen Fassaden und langen Fensterreihen geprägt.

Die vielen Fenster dienten nicht nur der Wohnqualität, sondern auch der Beleuchtung von Web- und Stickarbeitsplätzen.

Zu den bedeutenden historischen Bauwerken gehören:

  • Regierungsgebäude in Herisau;
  • Rathaus und Fünfeckpalast in Trogen;
  • Zellweger-Paläste in Trogen;
  • historische Dorfkerne von Herisau, Heiden, Trogen und Gais;
  • traditionelle Bauern- und Weberhäuser;
  • reformierte Kirchen in zahlreichen Gemeinden.

Museen und Kulturinstitutionen

Bedeutende Einrichtungen sind:

  • Museum Herisau;
  • Appenzeller Volkskunde-Museum in Stein;
  • Museum Heiden;
  • Henry-Dunant-Museum in Heiden;
  • Zeughaus Teufen;
  • Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden;
  • Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden;
  • verschiedene Ortsmuseen und private Sammlungen.

Die Kantonsbibliothek in Trogen sammelt Literatur, Bilder und Dokumente zur Geschichte und Kultur des Appenzellerlandes.

Sehenswürdigkeiten

Herisau

Herisau ist das grösste Siedlungs-, Wirtschafts- und Verwaltungszentrum.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören:

  • historischer Dorfkern;
  • reformierte Kirche;
  • Regierungsgebäude;
  • Museum Herisau;
  • Ruine Rosenberg;
  • zahlreiche historische Textil- und Bürgerhäuser.

Herisau ist eng mit dem Wirtschaftsraum St. Gallen und Gossau verbunden.

Trogen

Trogen war nach der Landteilung das wichtigste politische Zentrum der äusseren Rhoden.

Der Landsgemeindeplatz wird von Kirche, Rathaus und repräsentativen Handelshäusern umgeben.

Die Zellweger-Paläste erinnern an den Wohlstand der Textilkaufleute und ihre internationalen Handelsbeziehungen.

Heute befinden sich in Trogen unter anderem:

  • Kantonsgericht;
  • Obergericht;
  • Kantonsbibliothek;
  • Kantonsschule.

Heiden

Heiden liegt auf einer Geländeterrasse über dem Bodensee.

Der Ort entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem bekannten Kur- und Fremdenverkehrsort.

Der Gründer des Roten Kreuzes, Henry Dunant, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Heiden. An ihn erinnert das Henry-Dunant-Museum.

Urnäsch

Urnäsch ist ein Zentrum der bäuerlichen Volkskultur.

Bekannt sind:

  • Silvesterchlausen;
  • Appenzeller Brauchtumsmuseum;
  • Viehschauen;
  • traditionelle Alpfahrten;
  • Zugang zur Schwägalp und zum Säntis.

Säntis und Schwägalp

Die Schwägalp ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Wanderungen und Bergtouren.

Die Luftseilbahn führt auf den Säntis. Vom Gipfel reicht die Aussicht über weite Teile der Schweiz, den Bodensee und die angrenzenden Alpenländer.

Wappen und Flagge

Das Wappen zeigt auf weissem beziehungsweise silbernem Grund einen aufrecht schreitenden schwarzen Bären. Der Bär ist rot bewehrt.

Links und rechts des Bären stehen die schwarzen Buchstaben «V» und «R».

Das historische «V» ist als «U» zu lesen. Die Buchstaben stehen für «Ussere Rhoden», also äussere Rhoden.

Der Bär geht auf das Wappen des ungeteilten Landes Appenzell zurück und erinnert an die frühere Verbindung zur Abtei St. Gallen.

Nach der Landteilung von 1597 ergänzte Appenzell Ausserrhoden den Bären um die Buchstaben V und R, um das Wappen von jenem Appenzell Innerrhodens zu unterscheiden.

Die Kantonsflagge ist quadratisch und übernimmt das Wappenbild.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Schläpfer, Franz Stark und weitere: Appenzeller Geschichte. Herisau und Appenzell.
  • Walter Schläpfer: Wirtschaftsgeschichte des Kantons Appenzell Ausserrhoden bis 1939. Herisau.
  • Albert Tanner: Spulen – Weben – Sticken. Die Industrialisierung in Appenzell Ausserrhoden. Zürich.
  • Peter Witschi: Appenzeller in aller Welt. Herisau.
  • Eugen Steinmann und weitere: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Bern.
  • Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden: Appenzellische Jahrbücher. Herisau.
  • Kanton Appenzell Ausserrhoden: Der Kanton in Zahlen. Herisau.
  • Bundesamt für Statistik: Statistisches Jahrbuch der Schweiz. Neuenburg.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 Appenzell Ausserrhoden in Zahlen 2026/27. In: Der Kanton in Zahlen. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. Juni 2026. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Geografische Kennzahlen der Kantone. In: Applikation der Schweizer Gemeinden. Hrsg.: Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Peter Witschi: Appenzell Ausserrhoden. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Hrsg.: Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften. 25. Oktober 2019. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  4. Historischer Kontext – Die Protoindustrialisierung hinterlässt Spuren. In: Website des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  5. Vor 30 Jahren: Die erste Ausserrhoder Landsgemeinde mit Frauen. In: Website des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. 21. April 2020. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  6. Landsgemeinde. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Hrsg.: Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  7. Wiedereinführung der Landsgemeinde im Kanton Appenzell Ausserrhoden. In: Abgeschlossene Volksinitiativen. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  8. Totalrevision Kantonsverfassung. In: Website des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  9. Gerichte des Kantons Appenzell Ausserrhoden. In: Website des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  10. Kantonsrat. In: Website des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  11. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden. In: Website des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  12. Engere Zusammenarbeit der Kantone bei der gemeinsamen Vermarktung des Tourismus Appenzellerland. In: Website des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Ausserrhoden. 31. März 2026. Abgerufen am 21. Juli 2026.