Burgunderkriege

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Burgunderkriege
Zeitraum 1474–1477
Schauplätze Elsass, Freigrafschaft Burgund, Waadt, Westschweiz und Lothringen
Hauptgegner Burgundischer Staat unter Karl dem Kühnen
Gegenpartei Alte Eidgenossenschaft, Niedere Vereinigung, Herzogtum Lothringen und weitere Verbündete
Wichtige Schlachten Schlacht bei Héricourt, Schlacht bei Grandson, Schlacht bei Murten, Schlacht bei Nancy
Ergebnis Niederlage Burgunds und Tod Karls des Kühnen
Militärisches Ende 5. Januar 1477
Friedensregelungen Freiburg 1476 und Zürich 1478

Die Burgunderkriege waren eine Folge militärischer und politischer Auseinandersetzungen zwischen dem burgundischen Staat unter Herzog Karl dem Kühnen einerseits und der Alten Eidgenossenschaft, der oberrheinischen Niederen Vereinigung, dem Herzogtum Lothringen sowie weiteren Verbündeten andererseits. Sie dauerten von 1474 bis 1477 und gehören zu den bedeutendsten Konflikten des europäischen Spätmittelalters.

Die Kämpfe fanden nicht in einem einzigen zusammenhängenden Kriegsgebiet statt. Schauplätze waren das Elsass, die Freigrafschaft Burgund, die savoyische Waadt, das Gebiet der heutigen Westschweiz und Lothringen. Die bekanntesten Ereignisse waren die eidgenössischen Siege bei Grandson am 2. März 1476 und bei Murten am 22. Juni 1476 sowie die Niederlage und der Tod Karls des Kühnen bei Nancy am 5. Januar 1477.

Die Burgunderkriege waren kein einfacher Verteidigungskrieg der Eidgenossenschaft gegen einen geschlossen auftretenden Angreifer. Sie entstanden aus einem komplexen Geflecht von Pfandverträgen, Handelsinteressen, regionalen Bündnissen, habsburgisch-burgundischen Rivalitäten und der nach Westen gerichteten Politik Berns. Besonders Bern, die oberrheinischen Reichsstädte und Herzog Sigismund von Österreich trieben die antiburgundische Bündnispolitik voran.[1]

Die Niederlagen Burgunds veränderten das politische Gleichgewicht in Europa. Der von Karl dem Kühnen aufgebaute burgundische Machtkomplex zerfiel nach seinem Tod. Die Eidgenossenschaft gewann einen weitreichenden militärischen Ruf, während Frankreich und das Haus Habsburg um das burgundische Erbe rangen.

Begriff

Die Bezeichnung Burgunderkriege war bereits im späten 15. Jahrhundert bekannt. Zeitgenössische Quellen verwendeten Formulierungen wie kriegen von Burgunnen. Der Begriff umfasst üblicherweise die Ereignisse von 1474 bis zum Tod Karls des Kühnen im Januar 1477.

In einem weiteren Sinn werden auch die Vorgeschichte im Elsass, die bernisch-freiburgischen Feldzüge in der Waadt, die Schlacht auf der Planta im Wallis und die späteren Friedensregelungen von 1476 bis 1478 einbezogen.

Das Wort Burgund bezeichnet in diesem Zusammenhang nicht nur das französische Herzogtum Burgund. Karls Herrschaft bestand aus zahlreichen räumlich voneinander getrennten Territorien. Dazu gehörten unter anderem das Herzogtum und die Freigrafschaft Burgund, Flandern, Brabant, Holland, Luxemburg und weitere niederländische Gebiete.

In der modernen Geschichtswissenschaft wird deshalb häufig vom burgundischen Staat oder vom Herrschaftskomplex der burgundischen Herzöge gesprochen. Karl strebte danach, seine nördlichen und südlichen Besitzungen territorial miteinander zu verbinden und seine Stellung durch eine Königskrone aufzuwerten.

Politische Ausgangslage

Der burgundische Machtkomplex

Unter den Herzögen aus dem Haus Valois-Burgund hatte sich im 14. und 15. Jahrhundert zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich ein bedeutender Machtkomplex entwickelt. Karls Vater Philipp der Gute verfügte über einen der reichsten und kulturell einflussreichsten Höfe Europas.

Karl der Kühne übernahm die Herrschaft 1467. Er versuchte, die unterschiedlichen burgundischen Besitzungen stärker zu zentralisieren und durch weitere Gebiete miteinander zu verbinden. Ein zusammenhängendes Reich zwischen Nordsee und Burgund hätte sowohl die französische Monarchie als auch die habsburgischen und reichsfürstlichen Interessen berührt.

Der burgundische Hof verfügte über eine organisierte Verwaltung, beträchtliche Steuereinnahmen und ein Heer, in dem verschiedene Waffengattungen zusammenwirkten. Die burgundischen Ordonnanzkompanien umfassten schwere Reiterei, Infanterie, Bogenschützen und Artillerie.

Verhältnis zur Eidgenossenschaft

Zwischen Burgund und den eidgenössischen Orten bestanden ursprünglich keine grundsätzlichen Feindschaften. Schweizer Kaufleute und Söldner verkehrten in burgundischen Gebieten, und einzelne eidgenössische Politiker unterhielten Beziehungen zum burgundischen Hof.

Die Interessenlage änderte sich, als Burgund durch Pfandbesitz am Oberrhein zum unmittelbaren Nachbarn der Eidgenossenschaft und ihrer Verbündeten wurde. Besonders Bern beobachtete die Entwicklung mit Sorge. Die Stadt war auf Handelswege nach Westen und zu den Genfer Messen angewiesen und verfolgte zugleich eigene territoriale Interessen in der Waadt.

Die achtörtige Eidgenossenschaft bildete keinen zentral regierten Staat. Die einzelnen Orte beurteilten die burgundische Gefahr unterschiedlich. Während Bern und später auch Freiburg und Luzern eine aktive Politik gegen Burgund unterstützten, standen mehrere Länderorte den bernischen Expansionsplänen skeptisch gegenüber.

Pfandlande Karls des Kühnen

Erzherzog Sigismund von Österreich geriet in den 1460er-Jahren unter politischen und finanziellen Druck. Nach dem Waldshuterkrieg von 1468 suchte er einen mächtigen Verbündeten gegen die Eidgenossen und die oberrheinischen Städte.

Da der französische König Ludwig XI. keine ausreichende Unterstützung gewährte, wandte sich Sigismund an Karl den Kühnen. Im Vertrag von Saint-Omer vom 9. Mai 1469 verpfändete er burgundischer Seite verschiedene vorderösterreichische Besitzungen im Elsass und am Oberrhein. Dazu gehörten Gebiete im Oberelsass und Breisgau sowie die sogenannten Waldstädte am Hochrhein.

Karl setzte Peter von Hagenbach als Landvogt in den Pfandlanden ein. Hagenbach sollte die burgundische Herrschaft festigen, die Einnahmen erhöhen und die Verwaltung vereinheitlichen.

Peter von Hagenbach

Die Amtsführung Peter von Hagenbachs führte zu schweren Konflikten mit Städten, Adel und Bevölkerung. Ihm wurden Eingriffe in überlieferte Rechte, eine harte Steuerpolitik, Gewaltakte und eine Behinderung des regionalen Getreidehandels vorgeworfen.

Besonders Basel, Strassburg und weitere oberrheinische Städte sahen ihre wirtschaftlichen Interessen bedroht. Auch Bern wurde einbezogen, da es mit Mülhausen verbündet war und eine Ausdehnung der burgundischen Macht am Oberrhein verhindern wollte.

Sigismund war mit Karl dem Kühnen ebenfalls unzufrieden. Der Burgunderherzog wollte trotz des Pfandvertrags keinen Krieg gegen die Eidgenossen im Interesse Österreichs führen. Gleichzeitig weigerte er sich zunächst, die verpfändeten Gebiete ohne vollständige Rückzahlung herauszugeben.

Im Frühjahr 1474 brach Hagenbachs Herrschaft zusammen. Nach einer Revolte wurde er am 11. April in Breisach gefangen genommen. Ein aus Vertretern verschiedener Städte und Herrschaften zusammengesetztes Gericht verurteilte ihn zum Tod. Am 9. Mai 1474 wurde Peter von Hagenbach enthauptet.

Das Verfahren wird gelegentlich als frühes Beispiel eines internationalen Strafprozesses dargestellt. Eine solche Einordnung ist jedoch umstritten, da der Prozess unter den rechtlichen und politischen Bedingungen des späten Mittelalters stattfand und stark von den Gegnern Hagenbachs bestimmt wurde.

Ewige Richtung und Niedere Vereinigung

Noch vor der Hinrichtung Hagenbachs hatte sich das politische Bündnissystem am Oberrhein verändert. Am 30. März 1474 verständigten sich Sigismund und eidgenössische Gesandte in Konstanz auf einen Vertragsentwurf zur Beendigung ihrer langjährigen Feindschaft.

Der später als Ewige Richtung bezeichnete Vertrag wurde 1475 endgültig ratifiziert. Er beendete vorläufig die habsburgisch-eidgenössischen Auseinandersetzungen und ermöglichte ein gemeinsames Vorgehen gegen Burgund.

Am 31. März 1474 schlossen die acht eidgenössischen Orte und Solothurn mit Basel, Strassburg, Colmar und Schlettstadt sowie den Bischöfen von Basel und Strassburg ein auf zehn Jahre befristetes Bündnis.

Am 4. April 1474 bildeten Sigismund, die oberrheinischen Reichsstädte und die beteiligten Bischöfe die Niedere Vereinigung. Gemeinsam lösten sie die an Burgund verpfändeten Gebiete aus. Karl der Kühne erkannte diese Rücklösung nicht an.

Das Bündnissystem brachte ehemalige Gegner zusammen. Habsburg, die Eidgenossen und die oberrheinischen Städte handelten nun gegen den gemeinsamen burgundischen Machtanspruch.

Ausbruch des Krieges

Nach der Hinrichtung Peter von Hagenbachs führte dessen Bruder Stephan von Hagenbach im August 1474 einen Rachefeldzug durch das Oberelsass. Unterstützt wurde er von burgundischen und lombardischen Söldnern. Dörfer wurden geplündert und verwüstet.

Die Niedere Vereinigung reagierte mit einem Feldzug in die Freigrafschaft Burgund. Die Kriegserklärung der Eidgenossen erreichte Karl den Kühnen am 26. Oktober 1474, während dieser die Stadt Neuss am Niederrhein belagerte.[2]

Datum Ereignis Bedeutung
9. Mai 1474 Hinrichtung Peter von Hagenbachs in Breisach Zusammenbruch der burgundischen Herrschaft in den Pfandlanden
13. November 1474 Schlacht bei Héricourt Erster grosser Sieg der antiburgundischen Liga
Frühjahr bis Herbst 1475 Feldzüge Berns und Freiburgs in der Waadt Eroberung zahlreicher savoyischer Städte und Burgen
13. November 1475 Schlacht auf der Planta Oberwalliser Sieg über Savoyen
2. März 1476 Schlacht bei Grandson Flucht des burgundischen Heeres und Verlust des herzoglichen Lagers
22. Juni 1476 Schlacht bei Murten Schwere Niederlage der burgundischen Hauptarmee
5. Januar 1477 Schlacht bei Nancy Tod Karls des Kühnen und militärisches Ende der Burgunderkriege

Schlacht bei Héricourt

Die erste grössere Feldschlacht fand bei Héricourt in der heutigen französischen Region Bourgogne-Franche-Comté statt. Truppen der Niederen Vereinigung belagerten die strategisch gelegene Stadt, welche einen wichtigen Verkehrsweg zwischen dem Sundgau und der Freigrafschaft Burgund kontrollierte.

Ein burgundisches Entsatzheer versuchte, die Belagerung zu durchbrechen. Am 13. November 1474 wurde es von den verbündeten Truppen geschlagen. Die Gegner Burgunds setzten die Belagerung fort und zwangen Héricourt zur Kapitulation.[3]

Der Sieg stärkte das Selbstvertrauen der antiburgundischen Koalition. Karl der Kühne konnte nicht unmittelbar eingreifen, da er bis 1475 mit der erfolglosen Belagerung von Neuss beschäftigt war.

Feldzüge in der Waadt

Bernische Westpolitik

In Bern gewann die von Niklaus von Diesbach geführte Kriegspartei an Einfluss. Sie befürwortete ein aktives Vorgehen gegen Burgund und dessen savoyische Verbündete. Die gemässigtere Gruppe um Adrian I. von Bubenberg warnte dagegen vor einer weitreichenden Expansion.

Grosse Teile der Waadt gehörten zum Herzogtum Savoyen. Eine zentrale Rolle spielte Jakob von Savoyen, Graf von Romont, der eng mit Karl dem Kühnen verbunden war und in burgundischen Diensten stand.

Bern und Freiburg forderten Savoyen auf, sich von Burgund zu lösen. Als dies nicht geschah, zogen bernische und freiburgische Kriegsverbände im Frühjahr und Herbst 1475 in die Waadt.

Die Truppen eroberten innerhalb weniger Monate 16 Städte und 43 Burgen. Die Bevölkerung musste den neuen Herren huldigen. Zahlreiche Orte wurden geplündert, mit Brandschatzungen belegt oder militärisch besetzt.

Haltung der übrigen Orte

Die übrigen eidgenössischen Orte unterstützten die aggressive Westpolitik Berns keineswegs geschlossen. Mehrere Orte befürchteten, Bern könne durch grosse Eroberungen ein politisches Übergewicht innerhalb der Eidgenossenschaft gewinnen.

Im Sommer 1475 bildeten einzelne Orte zeitweise sogar eine besondere Verständigung gegen die bernische Politik. Bis zum Kriegsende betonten sie, nicht als Hauptverursacher, sondern aufgrund ihrer eidgenössischen Hilfspflichten am Konflikt beteiligt zu sein.[1]

Diese Spannungen zeigen, dass die Burgunderkriege nicht als einheitliche nationale Unternehmung verstanden werden können. Die Orte verfolgten unterschiedliche territoriale und wirtschaftliche Interessen.

Schlacht auf der Planta

Parallel zu den Feldzügen in der Waadt verschärfte sich der Konflikt im Wallis. Das Unterwallis stand unter savoyischer Herrschaft, während die sieben Zenden des Oberwallis mit Bern verbündet waren.

Am 13. November 1475 besiegten Oberwalliser und ihre Verbündeten ein savoyisches Heer in der Schlacht auf der Planta bei Sitten. Anschliessend eroberten sie das Unterwallis bis zum Engnis von Saint-Maurice.

Die eroberten Gebiete wurden nach dem Krieg nicht an Savoyen zurückgegeben. Damit gerieten wichtige Verkehrswege, darunter der Zugang zum Grossen St. Bernhard, unter die Kontrolle des Wallis und seiner Verbündeten.[4]

Burgundischer Feldzug von 1476

Nach dem Ende der Belagerung von Neuss konnte sich Karl der Kühne der Lage im Süden zuwenden. Die bernisch-freiburgischen Eroberungen in der Waadt und die Vertreibung der burgundischen Verwaltung aus den Pfandlanden bedrohten seine politische Stellung.

Anfang 1476 sammelte Karl ein Heer und zog durch die Waadt. Sein Ziel war zunächst die Rückeroberung von Grandson. Anschliessend wollte er gegen Freiburg und Bern vorgehen und die eidgenössischen Verbände zu einer entscheidenden Schlacht zwingen.

Das burgundische Heer bestand aus Truppen unterschiedlicher Herkunft. Neben burgundischen Einheiten dienten darin niederländische, italienische, englische, deutsche und savoyische Kämpfer. Es verfügte über eine für die Zeit bedeutende Artillerie und eine starke schwere Reiterei.

Belagerung von Grandson

Grandson am Neuenburgersee war 1475 von bernischen Truppen besetzt worden. Karl der Kühne begann im Februar 1476 mit der Belagerung der Stadt und des Schlosses.

Nach mehrtägigem Beschuss und Angriffen ergab sich die eidgenössische Besatzung. Trotz einer offenbar zugesicherten Schonung liess Karl einen grossen Teil der Gefangenen hinrichten. Männer wurden gehängt oder im See ertränkt.

Die Tötung der Besatzung wurde in eidgenössischen Chroniken besonders hervorgehoben. Sie diente der Mobilisierung und wurde später zu einem wichtigen Element der gegen Karl gerichteten Erinnerungskultur.

Schlacht bei Grandson

Ein eidgenössisches Entsatzheer näherte sich Grandson. Am 2. März 1476 trafen die Gegner bei Concise und Grandson aufeinander.

Die eidgenössischen Truppen rückten in dicht geschlossenen Formationen vor. Karl versuchte offenbar, Teile seines Heeres zurückzunehmen und die Eidgenossen in einen für seine Artillerie und Reiterei günstigeren Raum zu locken.

Die geordnete Bewegung wurde jedoch von Teilen der burgundischen Armee als Rückzug verstanden. Es entstand Unruhe, die schliesslich in eine allgemeine Flucht überging. Die Eidgenossen eroberten das nahezu vollständig zurückgelassene burgundische Lager.

Anders als später bei Murten war die Zahl der unmittelbar in der Schlacht getöteten Burgunder wahrscheinlich vergleichsweise begrenzt. Der materielle und politische Schaden war dennoch gewaltig. Karl verlor Artillerie, Fahnen, Zelte, Waffen, Pferde, persönliche Gegenstände und grosse Mengen an Wertgegenständen.[5]

Burgunderbeute

Die in Grandson eroberte Beute wurde als Burgunderbeute bekannt. Sie umfasste:

  • Geschütze und Munition;
  • Waffen und Rüstungen;
  • Fahnen und heraldische Zeichen;
  • Zelte und kostbare Textilien;
  • Gold- und Silbergeschirr;
  • Reliquiare und liturgische Gegenstände;
  • Schmuck und Edelsteine;
  • Pferde und Transportfahrzeuge;
  • die persönliche Hofausstattung Karls des Kühnen.

Viele einfache Kriegsknechte erkannten den materiellen Wert einzelner Gegenstände zunächst nicht. Kostbare Textilien wurden zerschnitten, Edelsteine günstig verkauft und Silbergegenstände unter den Beteiligten verteilt.

Die offizielle Teilung der Beute führte zu Auseinandersetzungen zwischen den Orten, den militärischen Führern und den einzelnen Kämpfern. Teile gelangten nach Bern, Luzern, Basel, Zürich und in weitere Orte. Einzelne Objekte werden heute in schweizerischen Museen und Schatzkammern aufbewahrt.

Die Burgunderbeute hatte nicht nur wirtschaftliche Bedeutung. Ihre Prunkstücke wurden öffentlich ausgestellt und als sichtbarer Beweis des Sieges über einen der reichsten Fürsten Europas verwendet.

Vorbereitung auf den zweiten Feldzug

Karl der Kühne zog sich nach der Niederlage von Grandson nach Lausanne zurück. Dort sammelte er ein neues Heer. Er liess Geschütze, Waffen und Nachschub aus verschiedenen Teilen seines Herrschaftsgebiets heranführen.

Der Herzog betrachtete Bern als Zentrum des Widerstands gegen Burgund. Da der direkte Weg über Grandson und Neuenburg blockiert war, musste er entweder über Freiburg oder über Murten gegen Bern vorrücken.

Karl entschied sich für Murten. Die befestigte Stadt besass eine strategisch wichtige Lage zwischen dem Murtensee und den Verkehrswegen nach Bern.

Belagerung von Murten

Die Berner hatten Murten vorsorglich mit einer Garnison besetzt. Im April 1476 wurde Adrian I. von Bubenberg zum Kommandanten der Stadt bestimmt.

Karl begann die Belagerung am 9. Juni 1476. Die burgundische Artillerie beschädigte Teile der Stadtmauer, doch mehrere Sturmversuche scheiterten am Widerstand der Besatzung.

Bubenberg organisierte die Verteidigung, liess beschädigte Mauern ausbessern und hielt die Verbindung zu Bern aufrecht. Die Stadt widerstand während zwölf Tagen.[6]

Unterdessen sammelte sich ein grosses Entsatzheer. Es bestand aus Kontingenten der eidgenössischen Orte, Freiburgs, Solothurns, Biels, Basels, Strassburgs und weiterer oberrheinischer Verbündeter. Auch Herzog René II. von Lothringen und adlige Reiter aus dem Elsass und Lothringen beteiligten sich.

Schlacht bei Murten

Am 22. Juni 1476 griff das verbündete Heer die burgundischen Stellungen bei Murten an. Regen und schwieriges Gelände hatten den Vormarsch verzögert. Karl rechnete an diesem Tag offenbar nicht mehr mit einem unmittelbaren Hauptangriff und hatte einen Teil seiner Truppen aus den vorderen Stellungen zurückgezogen.

Die Eidgenossen und ihre Verbündeten durchbrachen die vorgelagerte burgundische Befestigung, die sogenannte Grünhag-Stellung. Dichte Infanterieverbände drangen gegen das burgundische Lager vor, während verbündete Reiter die Angriffe unterstützten.

Der Versuch Karls, seine Truppen für einen Gegenangriff zu ordnen, scheiterte. Die burgundische Armee wurde gegen den Murtensee und in Richtung Avenches zurückgedrängt. Viele Fliehende wurden getötet oder ertranken.

Die Niederlage war wesentlich schwerer als jene von Grandson. Ein grosser Teil des burgundischen Heeres wurde vernichtet oder zerstreut. Karl konnte mit wenigen Begleitern entkommen.[7]

Die Schlacht gilt als Beispiel für die wachsende Bedeutung disziplinierter Infanterieverbände im spätmittelalterlichen Krieg. Der Sieg beruhte jedoch nicht allein auf der eidgenössischen Kampfweise. Auch die Unterstützung durch verbündete Reiterei, Nachrichtendienste, Logistik und das Zusammenwirken der verschiedenen Kontingente waren entscheidend.

Friedenskongress von Freiburg

Nach der Schlacht bei Murten begannen Verhandlungen mit Savoyen. Beim Friedenskongress von Freiburg im Sommer 1476 wurde ein grosser Teil der bernisch-freiburgischen Eroberungen geregelt.

Die meisten besetzten Gebiete der Waadt wurden gegen eine Zahlung von 50'000 Gulden an Savoyen zurückgegeben. Bern und Freiburg behielten jedoch Murten, Grandson, Orbe und Echallens als gemeinsam verwaltete Herrschaften. Erlach und Aigle blieben unter bernischer Herrschaft.

Freiburg löste sich endgültig aus der savoyischen Oberhoheit und entwickelte sich zu einem selbstständigen Stadtstaat. Das Wallis behielt seine Eroberungen im Unterwallis.

Die vergleichsweise beschränkten territorialen Gewinne der achtörtigen Eidgenossenschaft erklären sich auch aus dem Misstrauen der Länderorte gegenüber der Westpolitik Berns. Sie wollten eine starke Vergrösserung des bernischen Herrschaftsgebiets verhindern.[1]

Feldzug nach Lothringen

Trotz der Niederlagen von Grandson und Murten gab Karl der Kühne seine politischen Ziele nicht auf. Er wandte sich erneut gegen das Herzogtum Lothringen.

Herzog René II. hatte seine Hauptstadt Nancy zeitweise an Burgund verloren, konnte sie jedoch 1476 zurückerobern. Karl begann daraufhin im Herbst eine erneute Belagerung der Stadt.

René warb Truppen am Oberrhein und in der Eidgenossenschaft an. Mehr als 8000 eidgenössische Söldner schlossen sich seinem Entsatzheer an. Die Teilnahme erfolgte teilweise aufgrund früherer Bündnisse, teilweise gegen Sold und nicht als geschlossenes eidgenössisches Staatsunternehmen.

Schlacht bei Nancy

Am 5. Januar 1477 trafen die Armeen bei Nancy aufeinander. Das burgundische Heer war durch die winterliche Belagerung, Versorgungsschwierigkeiten, Desertionen und frühere Verluste geschwächt.

Die Verbündeten umgingen einen Teil der burgundischen Stellung und griffen überraschend an. Karls Truppen wurden geschlagen und auseinandergetrieben.

Karl der Kühne kam während der Flucht oder im unmittelbaren Kampfgeschehen ums Leben. Sein Leichnam wurde erst einige Tage später in einem teilweise gefrorenen Gewässer gefunden und anhand persönlicher Merkmale identifiziert.[8]

Mit Karls Tod endeten die Burgunderkriege militärisch. Eine umfassende diplomatische Regelung folgte jedoch erst später. Der Frieden von Zürich vom 24. Januar 1478 regelte das Verhältnis zwischen den wichtigsten Mitgliedern der antiburgundischen Koalition und den burgundischen Erben.

Militärwesen

Burgundisches Heer

Das Heer Karls des Kühnen gehörte zu den am stärksten organisierten Streitkräften seiner Zeit. Karl versuchte, seine Truppen durch Ordonnanzen zu vereinheitlichen und regelmässige Einheiten aufzubauen.

Das Heer umfasste:

  • schwere burgundische und niederländische Reiterei;
  • berittene und unberittene Bogenschützen;
  • Pikeniere und weitere Infanterie;
  • italienische und deutsche Söldner;
  • englische und walisische Langbogenschützen;
  • Artilleristen und Pioniere;
  • eine umfangreiche Feldartillerie.

Die burgundische Armee war damit keineswegs eine rein ritterliche Streitmacht. Sie verband verschiedene moderne Waffengattungen, litt jedoch unter ihrer sprachlichen und organisatorischen Vielfalt. In Krisensituationen erwies sich die Koordination der unterschiedlichen Kontingente als schwierig.

Eidgenössische Truppen

Die eidgenössischen Aufgebote bestanden überwiegend aus Infanterie. Die Kämpfer wurden von den einzelnen Orten und verbündeten Städten gestellt.

Typische Waffen waren:

  • Langspiess und Pike;
  • Hellebarde;
  • Schwert und kurzer Spiess;
  • Armbrust;
  • frühe Handfeuerwaffen.

Die eidgenössischen Formationen konnten sich rasch bewegen und geschlossen angreifen. Ihre Stärke lag in der Verbindung aus dichter Ordnung, hoher Angriffsgeschwindigkeit und einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der lokalen Kontingente.

Die Vorstellung eines ungeordneten Bauernheeres, das allein durch Mut eine technisch überlegene Armee besiegt habe, gilt jedoch als vereinfachend. Viele eidgenössische Kämpfer verfügten über Kriegserfahrung. Zudem wurden die Siege durch verbündete Reiter, städtische Logistik, Kundschafter, Artillerie und die Nutzung günstiger Geländeverhältnisse ermöglicht.

Gewalt gegen Gefangene

Die Burgunderkriege wurden mit grosser Härte geführt. Karl liess nach der Einnahme von Grandson zahlreiche Gefangene töten. Eidgenössische und verbündete Truppen machten ihrerseits bei Murten und in anderen Kämpfen nur wenige Gefangene.

Auch die Feldzüge in der Waadt waren von Plünderungen, Brandschatzungen und Zerstörungen begleitet. Die Zivilbevölkerung musste Abgaben zahlen, Truppen versorgen und neue Herrschaftseide leisten.

Spätere nationale Darstellungen konzentrierten sich häufig auf die eidgenössischen Siege und vernachlässigten die Folgen des Krieges für die Bevölkerung der Westschweiz.

Aufteilung des burgundischen Erbes

Karl der Kühne hinterliess keinen männlichen Erben. Seine Tochter Maria von Burgund erbte die niederländischen und freigrafschaftlichen Besitzungen.

Der französische König Ludwig XI. zog das Herzogtum Burgund als heimgefallenes französisches Lehen ein und besetzte weitere Gebiete. Maria heiratete im August 1477 den Habsburger Maximilian von Habsburg.

Damit begann ein lang andauernder Konflikt zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg um das burgundische Erbe. Die reichen Niederlande und weitere burgundische Gebiete gelangten schliesslich in den habsburgischen Herrschaftsbereich.

Das von Karl angestrebte Zwischenreich zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich verschwand. Frankreich gewann im Westen an Stärke, während Habsburg durch die burgundische Heirat zu einer europäischen Grossmacht aufstieg.

Territoriale Folgen für die Eidgenossenschaft

Die unmittelbaren Gebietsgewinne der eidgenössischen Orte waren gemessen an den militärischen Erfolgen begrenzt.

Bern und Freiburg verwalteten fortan gemeinsam:

  • Murten;
  • Grandson;
  • Orbe;
  • Echallens.

Bern behielt ausserdem:

  • Aigle;
  • Erlach.

Die Oberwalliser behielten das eroberte Unterwallis bis Saint-Maurice. Die eidgenössischen Ansprüche auf die Freigrafschaft Burgund wurden 1479 für 150'000 Gulden an Ludwig XI. von Frankreich verkauft.

Die Burgunderkriege förderten dennoch die politische und wirtschaftliche Ausrichtung der Eidgenossenschaft nach Westen. Die Verbindungen zu Freiburg, Solothurn, dem Wallis, dem Elsass und Frankreich wurden enger.

Aufstieg zur europäischen Militärmacht

Die Siege von Grandson und Murten sowie die Beteiligung bei Nancy begründeten den Ruf der eidgenössischen Infanterie als eine der wirksamsten Streitkräfte Europas.

Europäische Fürsten bemühten sich verstärkt um eidgenössische Söldner. Das Reislaufen und die fremden Dienste gewannen stark an Bedeutung.

Ausländische Herrscher zahlten Pensionen an führende Politiker und Orte, um sich Bündnisse und die Anwerbung von Truppen zu sichern. Besonders Frankreich entwickelte sich zu einem wichtigen Auftraggeber eidgenössischer Söldner.

Die Einnahmen aus Sold, Beute und Pensionen brachten beträchtliche Geldmittel in die Eidgenossenschaft. Gleichzeitig entstanden politische Abhängigkeiten, Korruption, soziale Spannungen und Konflikte um die Verteilung der ausländischen Zahlungen.

Innere Spannungen

Die Burgunderkriege verschärften die Gegensätze zwischen Städte- und Länderorten. Bern, Zürich, Luzern und weitere Städte wollten Freiburg und Solothurn enger an die Eidgenossenschaft binden. Die Länderorte befürchteten dagegen ein Übergewicht der Städte.

Auch die Verteilung der Burgunderbeute führte zu Streit. Viele Kriegsknechte fühlten sich gegenüber den Obrigkeiten und den führenden Orten benachteiligt.

Im Jahr 1477 zogen unzufriedene Kämpfer aus der Zentral- und Ostschweiz im sogenannten Saubannerzug in Richtung Genf. Sie wollten ausstehende Zahlungen erzwingen und drohten mit Plünderung. Erst nach Verhandlungen und Geldleistungen konnte der Zug beendet werden.

Weitere Spannungen zeigten sich im Amstaldenhandel von 1478. Die Krise wurde schliesslich 1481 durch das Stanser Verkommnis beigelegt. Freiburg und Solothurn wurden anschliessend als neunter und zehnter Ort in die Eidgenossenschaft aufgenommen.[9]

Erinnerungskultur

Die Burgunderkriege wurden früh in Chroniken, Liedern, Bildern und religiösen Gedenkfeiern verarbeitet. Besonders die Werke von Diebold Schilling dem Älteren und Diebold Schilling dem Jüngeren prägten die bildliche Vorstellung der Ereignisse.

Eine bekannte Merkformel lautet:

Karl der Kühne verlor bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut und bei Nancy das Blut.

Die Formulierung fasst die drei wichtigsten Niederlagen Karls zusammen, vereinfacht den tatsächlichen Verlauf jedoch stark. Karl verlor bei Grandson sein Lager und grosse Teile seiner Ausstattung, stellte danach aber ein neues Heer auf. Auch nach Murten gab er seine politischen Ziele nicht auf.

Murten als Erinnerungsort

In Murten wurde der Sieg vom 22. Juni 1476 regelmässig mit Gottesdiensten, Umzügen und Gedenkveranstaltungen gefeiert. Die Erinnerung verband sich mit der Vorstellung einer erfolgreichen Verteidigung gegen eine ausländische Grossmacht.

Ein Beinhaus mit den Gebeinen gefallener Burgunder wurde zu einem bekannten Erinnerungsort. Französische Truppen zerstörten es 1798 während des Einmarschs in die Alte Eidgenossenschaft.

Im 19. Jahrhundert wurde die Schlacht von Murten in die nationale Gründungserzählung der Schweiz aufgenommen. Historienbilder, Schulbücher, Denkmäler und Festspiele stellten den Sieg als Ausdruck eidgenössischer Einigkeit und Freiheitsliebe dar.

Das monumentale Murtenpanorama von Louis Braun entstand 1893. Es zeigt die Schlacht in einer grossformatigen Runddarstellung und ist ein bedeutendes Beispiel der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts.[10]

Historische Deutung

Die ältere schweizerische Geschichtsschreibung stellte Karl den Kühnen häufig als machthungrigen Eroberer und die Eidgenossen als geschlossene Verteidiger ihrer Freiheit dar. Der französische König Ludwig XI. erschien dabei als geschickter Politiker, der die Eidgenossen gegen seinen burgundischen Rivalen eingesetzt habe.

Die neuere Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Bern und die oberrheinischen Städte verfolgten eigene Interessen und waren nicht lediglich Werkzeuge Frankreichs. Bern betrieb eine aktive Expansionspolitik in der Waadt, während Basel und Strassburg ihre Handelswege und regionalen Bündnisse schützen wollten.

Auch die Eidgenossenschaft handelte nicht geschlossen. Zwischen den Orten bestanden erhebliche Meinungsverschiedenheiten über Kriegsziele, Gebietsgewinne und die Verteilung der Beute.

Kritischer untersucht werden heute ausserdem:

  • die Zerstörungen in der Waadt;
  • die Gewalt gegen Gefangene;
  • die Belastung der Zivilbevölkerung;
  • die Rolle der oberrheinischen Städte;
  • die Bedeutung der verbündeten Reiterei;
  • die wirtschaftlichen Interessen der beteiligten Städte;
  • die nachträgliche Umdeutung zu einem nationalen Freiheitskrieg.

Die Burgunderkriege gelten dennoch als Wendepunkt. Sie beendeten den Versuch, einen unabhängigen burgundischen Grossstaat zwischen Frankreich und dem Reich aufzubauen, und machten die Eidgenossenschaft zu einem wichtigen Faktor der europäischen Politik.

Bedeutung

Die Bedeutung der Burgunderkriege liegt weniger in grossen eidgenössischen Gebietsgewinnen als in ihren politischen, militärischen und gesellschaftlichen Folgen.

Für Europa bedeuteten sie:

  • das Ende des burgundischen Zwischenreichs;
  • eine Stärkung der französischen Monarchie;
  • den Aufstieg des Hauses Habsburg durch das burgundische Erbe;
  • eine neue Machtverteilung zwischen Frankreich, Habsburg und dem Reich.

Für die Eidgenossenschaft bedeuteten sie:

  • einen ausserordentlichen militärischen Prestigegewinn;
  • eine stärkere Einbindung in die europäische Bündnispolitik;
  • die Ausbreitung des Reislaufens und des Pensionswesens;
  • eine politische Öffnung zur Westschweiz;
  • schwere innere Konflikte zwischen Städte- und Länderorten;
  • die spätere Aufnahme Freiburgs und Solothurns;
  • die Entstehung einer bis in die Gegenwart wirkenden Erinnerungskultur.

Siehe auch

Einzelnachweise

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Burgunderkriege