Kanton Neuenburg

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Kanton Neuenburg
Amtlicher Name République et Canton de Neuchâtel
Deutscher Name Republik und Kanton Neuenburg
Kürzel NE
Hauptort Neuenburg
Grösste Gemeinde Neuenburg
Region Romandie
Beitritt zur Eidgenossenschaft 1815
Republik seit 1848
Amtssprache Französisch
Fläche 802,14 km²[1]
Bevölkerung 180'302 Einwohnerinnen und Einwohner, 31. Dezember 2025[2]
Politische Gemeinden 24[3]
Regionen 4
Bezirke keine seit 2018
Legislative Grosser Rat, 100 Mitglieder und 20 Stellvertretungen[4]
Exekutive Staatsrat, 5 Mitglieder[5]
Höchster Punkt Chasseral Ouest, 1552 m ü. M.
Tiefster Punkt Bielersee, etwa 429 m ü. M.
Internet ne.ch

Der Kanton Neuenburg, französisch République et Canton de Neuchâtel, ist ein französischsprachiger Kanton im Westen der Schweiz. Er gehört zur Romandie und erstreckt sich vom Ufer des Neuenburgersees über die Täler und Höhenzüge des Juras bis zur französischen Grenze am Doubs.

Hauptort und bevölkerungsreichste Gemeinde ist Neuenburg. Weitere bedeutende Städte und regionale Zentren sind La Chaux-de-Fonds, Le Locle, Val-de-Ruz, Val-de-Travers und Boudry.

Der Kanton grenzt an Frankreich sowie an die Kantone Jura, Bern, Freiburg und Waadt. Ein Teil der Grenzen zu Bern, Freiburg und Waadt verläuft durch den Neuenburger- und den Bielersee.

Neuenburg besitzt eine ungewöhnliche politische Geschichte. Das Land war zunächst eine mittelalterliche Herrschaft, später eine Grafschaft und ein Fürstentum. Von 1707 bis 1848 stand es mit Unterbrechungen unter der Herrschaft der preussischen Könige. 1815 trat Neuenburg der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei, blieb aber gleichzeitig ein Fürstentum des Königs von Preussen. Diese Doppelstellung endete nach der republikanischen Revolution von 1848 und der sogenannten Neuenburger Krise von 1856 und 1857.[6]

Wirtschaftlich ist der Kanton eng mit der Uhrenindustrie, der Mikrotechnik, der Präzisionsmechanik und der Forschung verbunden. Die Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle gehören wegen ihrer von der Uhrenindustrie geprägten Stadtplanung zum UNESCO-Welterbe.[7]

Name

Der deutsche Name lautet Neuenburg, der französische Name Neuchâtel. Auf Italienisch heisst der Kanton Neuchâtel, auf Rätoromanisch Neuchâtel oder seltener Neuchâtel in unveränderter französischer Form.

Der Name bezeichnet sowohl den Kanton als auch dessen Hauptort. Im Deutschen werden zur Unterscheidung die Bezeichnungen «Kanton Neuenburg» und «Stadt Neuenburg» verwendet.

Der Ortsname geht auf die lateinische Bezeichnung Novum Castellum zurück und bedeutet «neue Burg» beziehungsweise «neues Schloss». Daraus entwickelten sich die französische Form Neuchâtel und die deutsche Übersetzung Neuenburg.

Historische deutsche Schreibweisen waren unter anderem Neuburg, Nüwenburg und Neuenburg am See. Die französische Form setzte sich international und auch in zahlreichen deutschsprachigen Eigennamen durch.

Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons werden auf Deutsch als Neuenburgerinnen und Neuenburger, auf Französisch als Neuchâteloises und Neuchâtelois bezeichnet.

Der amtliche französische Staatsname lautet seit 1848 République et Canton de Neuchâtel. Er verweist ausdrücklich auf den republikanischen Charakter des Kantons.

Wappen und Flagge

Das heutige Kantonswappen ist senkrecht in Grün, Weiss und Rot geteilt. Im oberen Teil des roten Feldes befindet sich ein kleines weisses Schweizerkreuz.

Die Kantonsflagge verwendet dieselbe Farbfolge.

Das Wappen wurde nach der republikanischen Revolution von 1848 eingeführt. Es löste die älteren Herrschaftszeichen des Fürstentums ab und sollte den politischen Bruch mit der Monarchie sichtbar machen.

Grün, Weiss und Rot erinnern an die Farben republikanischer Bewegungen des 19. Jahrhunderts. Das Schweizerkreuz bringt die Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft zum Ausdruck.

Die frühere Landesheraldik zeigte einen goldenen Schild mit rotem Pfahl und schwarzen Sparren. Elemente dieser historischen Zeichen sind weiterhin an Schlössern, Kirchen, Siegeln und anderen Baudenkmälern zu sehen.

Geografie

Lage

Der Kanton liegt im westlichen Schweizer Jura. Er besitzt eine Fläche von 80'214 Hektaren beziehungsweise rund 802 Quadratkilometern.[1]

Das Gebiet ist langgestreckt und verläuft ungefähr von Südwesten nach Nordosten. Es reicht von Vaumarcus am Neuenburgersee bis zum Bielersee und vom Val-de-Travers bis zum Doubs und zur französischen Grenze.

Die Landschaft wird traditionell in den tiefer gelegenen Bas und den höher gelegenen Haut gegliedert.

Zum Bas gehören vor allem das Seeufer, die Stadt Neuenburg und die dicht besiedelten Gemeinden des Littoral. Der Haut umfasst die Neuenburger Berge mit La Chaux-de-Fonds, Le Locle, La Brévine und den benachbarten Jurahochflächen.

Zwischen diesen Hauptgebieten liegen das Val-de-Ruz und das Val-de-Travers.

Grenzen

Im Nordwesten bildet der Doubs auf längeren Abschnitten die Staatsgrenze zu Frankreich.

Die französischen Nachbargebiete gehören zum Département Doubs in der Region Bourgogne-Franche-Comté.

Innerhalb der Schweiz grenzt Neuenburg an:

  • den Kanton Jura im Nordosten;
  • den Kanton Bern im Osten und Südosten;
  • den Kanton Freiburg im Gebiet des Neuenburgersees;
  • den Kanton Waadt im Süden und Südwesten.

Der Grenzverlauf folgt teilweise Seeachsen, Flüssen, Jurakämmen und historischen Herrschaftsgrenzen.

Landschaftsräume

Der Kanton wird heute statistisch und planerisch in vier Regionen gegliedert:

  • Littoral;
  • Montagnes;
  • Val-de-Ruz;
  • Val-de-Travers.

Diese Regionen besitzen keine eigenen Parlamente oder Regierungen. Sie dienen vor allem der Statistik, Raumplanung, Zusammenarbeit und regionalen Entwicklung.

Littoral

Das Littoral umfasst das Ufer des Neuenburgersees und angrenzende Jurahänge.

Die Region reicht von La Grande Béroche über Boudry, Neuenburg und Laténa bis Le Landeron am Bielersee.

Sie ist der am dichtesten besiedelte Teil des Kantons. Ende 2025 lebten dort 97'954 Menschen und damit mehr als die Hälfte der Kantonsbevölkerung.[2]

Die sonnigen Hänge zwischen See und Jura werden für Weinbau genutzt. Städte, Dörfer, Verkehrswege und Industriegebiete bilden entlang des Ufers ein weitgehend zusammenhängendes Siedlungsband.

Montagnes neuchâteloises

Die Montagnes neuchâteloises umfassen die hoch gelegenen Juratäler und -plateaus rund um La Chaux-de-Fonds, Le Locle, La Sagne und La Brévine.

Die Siedlungen liegen häufig auf 900 bis über 1000 Metern über Meer.

Die Region wurde seit dem 18. Jahrhundert stark durch die Uhrenindustrie geprägt. La Chaux-de-Fonds und Le Locle entwickelten sich zu international bedeutenden Industrie- und Uhrenstädten.

Die offenen Hochflächen, Weiden, Trockenmauern und verstreuten Bauernhäuser bilden eine typische Kulturlandschaft des Hochjuras.

Val-de-Ruz

Das Val-de-Ruz ist ein langgestrecktes Tal zwischen den Höhen des Chaumont, des Chasseral, des Mont d’Amin und der Vue des Alpes.

Es verbindet das Littoral mit den Neuenburger Bergen.

Die politische Gemeinde Val-de-Ruz entstand 2013 durch den Zusammenschluss von 15 früheren Gemeinden.

Das Tal wird landwirtschaftlich genutzt, besitzt aber zugleich zahlreiche Wohngebiete für Menschen, die in Neuenburg oder La Chaux-de-Fonds arbeiten.

Val-de-Travers

Das Val-de-Travers erstreckt sich entlang der Areuse von den Verrières und der französischen Grenze bis zur Schlucht bei Noiraigue.

Bekannte Orte sind Fleurier, Couvet, Môtiers, Travers und Noiraigue.

Das Tal ist historisch mit der Uhrenindustrie, dem Maschinenbau, der Textilindustrie, dem Bergbau und der Herstellung von Absinth verbunden.

Zu seinen bekanntesten Natursehenswürdigkeiten gehören der Creux du Van und die Areuseschlucht.

Berge und Höhenzüge

Der höchste Punkt des Kantons liegt auf dem Chasseral Ouest an der Grenze zum Kanton Bern auf 1552 Metern über Meer.

Der Hauptgipfel des Chasseral mit 1606 Metern liegt vollständig im Kanton Bern.

Weitere bekannte Erhebungen sind:

  • Mont Racine, 1439 m ü. M.;
  • Tête de Ran, 1422 m ü. M.;
  • Mont d’Amin;
  • Chaumont;
  • Mont Sagne;
  • Pouillerel;
  • Sommartel;
  • Mont des Cerfs.

Die Jurahöhen bestehen überwiegend aus Kalkgestein. Typisch sind langgestreckte Falten, Karstformen, Dolinen, Höhlen, unterirdische Wasserläufe und steile Felsabbrüche.

Creux du Van

Der Creux du Van ist ein hufeisenförmiger Felskessel an der Grenze der Kantone Neuenburg und Waadt.

Seine nahezu senkrechte Kalkwand ist rund 160 Meter hoch und bildet eines der bekanntesten Naturdenkmäler des Schweizer Juras.

Das Gebiet besitzt eine hohe geologische, landschaftliche und ökologische Bedeutung.[8]

In den Fels- und Waldgebieten leben unter anderem Gämsen, Steinböcke, Luchse und verschiedene Greifvögel.

Seen

Der Kanton besitzt Anteile am Neuenburgersee und am Bielersee.

Der Neuenburgersee ist der grösste See, der vollständig innerhalb der Schweiz liegt. Sein Spiegel liegt auf ungefähr 429 Metern über Meer.

Der See wird von den Kantonen Neuenburg, Waadt, Freiburg und Bern geteilt.

Er dient:

  • der Trinkwasserversorgung;
  • der Schifffahrt;
  • der Fischerei;
  • dem Naturschutz;
  • dem Tourismus;
  • dem Wassersport.

Bei Le Landeron besitzt Neuenburg einen kurzen Uferabschnitt am Bielersee. Der dortige Seespiegel bildet den tiefsten Punkt des Kantons.

Weitere Gewässer sind:

  • Lac des Taillères bei La Brévine;
  • Lac des Brenets am Doubs;
  • Étang de la Gruère nahe der Kantonsgrenze;
  • kleinere Moorseen und Weiher.

Flüsse

Die wichtigsten Flüsse sind:

Der Doubs bildet auf längeren Abschnitten die Grenze zu Frankreich. Bei Les Brenets erweitert er sich zum Lac des Brenets und fällt anschliessend beim Saut du Doubs über eine Felsstufe.

Die Areuse entspringt im Val-de-Travers und fliesst durch die Areuseschlucht zum Neuenburgersee.

Der Seyon entwässert das Val-de-Ruz und durchquert die Seyonschlucht, bevor er in der Stadt Neuenburg in den See mündet.

Die Zihl verbindet den Neuenburgersee mit dem Bielersee. Ihr heutiger Verlauf wurde durch die Juragewässerkorrektionen stark verändert.

Juragewässerkorrektion

Die erste und zweite Juragewässerkorrektion veränderten die Landschaft des Drei-Seen-Lands grundlegend.

Durch Kanäle, Uferbauten und die Umleitung der Aare wurden die Wasserstände des Neuenburger-, Bieler- und Murtensees reguliert.

Die Massnahmen verminderten Überschwemmungen und ermöglichten die landwirtschaftliche Nutzung grosser ehemaliger Sumpfgebiete.

Gleichzeitig gingen natürliche Ufer- und Auenlandschaften verloren. Teile dieser Lebensräume werden heute geschützt oder renaturiert.

Klima

Das Klima unterscheidet sich stark zwischen dem Seeufer und den Jurahöhen.

Am Neuenburgersee sind die Winter vergleichsweise mild. Der See wirkt temperaturausgleichend, und die sonnigen Hänge bieten günstige Bedingungen für den Weinbau.

In den Neuenburger Bergen sind die Winter deutlich länger und kälter.

La Brévine liegt in einem abflusslosen Hochtal, in dem sich während klarer Winternächte sehr kalte Luft sammelt. Die Region wird deshalb gelegentlich als «Sibirien der Schweiz» bezeichnet.

Die Niederschläge sind auf den Jurahöhen höher als am Seeufer. Im Winter fällt regelmässig Schnee.

Der Klimawandel führt zu:

  • steigenden Durchschnittstemperaturen;
  • kürzerer Schneebedeckung;
  • längeren Trockenperioden;
  • sinkenden Wasserständen;
  • höherer Waldbrandgefahr;
  • Veränderungen der Juraweiden und Wälder.

Administrative Gliederung

Seit dem 1. Januar 2018 besitzt der Kanton keine Bezirke mehr. Gleichzeitig wurde für die Wahl des Grossen Rates ein einziger kantonaler Wahlkreis eingeführt.[1]

Die früheren sechs Bezirke waren:

  • Boudry;
  • La Chaux-de-Fonds;
  • Le Locle;
  • Neuchâtel;
  • Val-de-Ruz;
  • Val-de-Travers.

Ihre Namen werden teilweise weiterhin für historische, geografische und statistische Zwecke verwendet.

Heute besteht der Kanton aus 24 politischen Gemeinden, die vier Regionen zugeordnet werden.[3]

Region Gemeinde Bedeutende Orte oder Besonderheiten
Littoral Boudry Historische Kleinstadt an der Areuse
Cornaux Industrie- und Wohngemeinde
Cortaillod Seeufer, Weinbau und archäologische Fundstellen
Cressier Weinbau- und Industriegemeinde
La Grande Béroche Zusammenschluss mehrerer Gemeinden am westlichen Seeufer
Laténa Seit 2025 vereinigte Gemeinde mit Hauterive, Saint-Blaise, Enges und La Tène
Le Landeron Historische Kleinstadt am Bielersee
Lignières Gemeinde auf der Chasseral-Hochfläche
Milvignes Auvernier, Bôle und Colombier
Neuenburg Hauptort und grösste Gemeinde
Rochefort Gemeinde oberhalb der Areuseschlucht
Montagnes Brot-Plamboz Hochjuragemeinde
La Brévine Hochtal und Lac des Taillères
La Chaux-de-Fonds Uhrenstadt und UNESCO-Welterbe
La Chaux-du-Milieu Ländliche Hochjuragemeinde
La Sagne Langgestrecktes Hochtal
Le Cerneux-Péquignot Grenzgemeinde zu Frankreich
Le Locle Uhrenstadt und UNESCO-Welterbe
Les Planchettes Gemeinde am Doubs
Les Ponts-de-Martel Moor- und Hochjuralandschaft
Val-de-Ruz Val-de-Ruz Grossgemeinde mit zahlreichen Dörfern
Val-de-Travers La Côte-aux-Fées Grenzgemeinde und Wintersportgebiet
Les Verrières Historischer Grenzübergang zu Frankreich
Val-de-Travers Fleurier, Couvet, Môtiers, Travers und weitere Orte

Gemeindefusionen

Die Zahl der Gemeinden ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts stark gesunken.

Bedeutende Zusammenschlüsse waren:

  • Val-de-Travers im Jahr 2009;
  • Milvignes im Jahr 2013;
  • Val-de-Ruz im Jahr 2013;
  • La Grande Béroche im Jahr 2018;
  • die vergrösserte Stadt Neuenburg im Jahr 2021;
  • Laténa im Jahr 2025.

Die heutige Gemeinde Neuenburg entstand 2021 durch die Vereinigung der bisherigen Stadt mit Corcelles-Cormondrèche, Peseux und Valangin.

Laténa entstand 2025 aus Enges, Hauterive, Saint-Blaise und La Tène.

Gemeindefusionen sollen Verwaltung, Raumplanung, Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen vereinfachen. Gleichzeitig können sie Diskussionen über lokale Identität und politische Vertretung auslösen.

Bevölkerung

Ende 2025 lebten 180'302 Menschen im Kanton. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Bevölkerung um 853 Personen beziehungsweise 0,48 Prozent zu.[2]

Die grössten Gemeinden waren Ende 2025:

Gemeinde Bevölkerung Ende 2025
Neuenburg 45'455
La Chaux-de-Fonds 37'844
Val-de-Ruz 17'533
Le Locle 10'905
Val-de-Travers 10'705

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Region Littoral. Rund 29 Prozent wohnen in den Montagnes neuchâteloises.[2]

Die Besiedlung konzentriert sich auf:

  • das Seeufer;
  • die Stadt Neuenburg;
  • La Chaux-de-Fonds und Le Locle;
  • Val-de-Ruz;
  • Val-de-Travers.

Die dünnsten Siedlungsgebiete liegen entlang des Doubs, auf den Jurahöhen und in den Moor- und Waldlandschaften.

Der Kanton weist einen bedeutenden Anteil ausländischer Einwohnerinnen und Einwohner auf. Die Zuwanderung steht in engem Zusammenhang mit Industrie, Bauwirtschaft, Hochschulen, Gesundheitswesen und grenzüberschreitendem Arbeitsmarkt.

Zahlreiche Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Frankreich arbeiten in den Neuenburger Uhren-, Mikro- und Medizintechnikunternehmen.

Sprachen

Die alleinige Amtssprache ist Französisch. Dieser Grundsatz ist in der Kantonsverfassung festgelegt.[9]

Das gesprochene Französisch gehört zum Westschweizer beziehungsweise romandischen Französisch.

Es unterscheidet sich nur wenig vom französischen Standard, besitzt aber regionale Wörter, Redewendungen und Aussprachemerkmale.

Historisch wurden im Kanton frankoprovenzalische Mundarten gesprochen. Diese wurden im 19. und 20. Jahrhundert fast vollständig durch das Französische verdrängt.

Durch Zuwanderung sind weitere Sprachen verbreitet, darunter:

  • Portugiesisch;
  • Italienisch;
  • Deutsch;
  • Englisch;
  • Spanisch;
  • Albanisch;
  • Arabisch;
  • südslawische Sprachen.

Deutsch wird in den Schulen als wichtige Landessprache unterrichtet. Im Wirtschaftsleben und in den Beziehungen zur übrigen Schweiz besitzt es eine grosse Bedeutung.

Religion und Staat

Neuenburg wurde im 16. Jahrhundert überwiegend reformiert.

Die Reformation setzte sich 1530 unter dem Einfluss von Guillaume Farel in der Stadt Neuenburg durch.

Le Landeron, Cressier und einzelne umliegende Gebiete blieben jedoch römisch-katholisch. Dadurch entstand früh eine konfessionell gemischte Kantonslandschaft.

Die Kantonsverfassung bezeichnet Neuenburg ausdrücklich als demokratische, soziale und laizistische Republik.[9]

Der Staat ist damit weltanschaulich neutral, arbeitet aber mit den anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften zusammen.

Historisch bedeutende Kirchen sind:

  • die Kollegiatkirche von Neuenburg;
  • die reformierte Kirche von La Chaux-de-Fonds;
  • die katholische Kirche von Le Landeron;
  • die Abteikirche von Môtiers;
  • zahlreiche Dorfkirchen und Kapellen.

Heute gehören grosse Teile der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft mehr an. Daneben bestehen reformierte, katholische, christkatholische, orthodoxe, muslimische, jüdische, freikirchliche und weitere Gemeinschaften.

Geschichte

Vorgeschichte

Das Gebiet des heutigen Kantons ist seit der Altsteinzeit von Menschen bewohnt oder aufgesucht worden.

Besonders bedeutend sind die archäologischen Fundstellen an den Ufern des Neuenburgersees.

Während der Jungstein- und Bronzezeit entstanden zahlreiche Feuchtbodensiedlungen. Die guten Erhaltungsbedingungen im Seeuferboden ermöglichten den Fund von Holzbauten, Werkzeugen, Textilien, Gefässen und Nahrungsresten.

Mehrere Fundstellen gehören zum UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.

La-Tène-Zeit

Die archäologische Fundstelle La Tène am östlichen Ende des Neuenburgersees gab der europäischen Latènezeit ihren Namen.

Ab 1857 wurden dort grosse Mengen keltischer Waffen, Werkzeuge, Schmuckstücke, Münzen und weiterer Gegenstände entdeckt.

Die Latènezeit bezeichnet die jüngere Eisenzeit in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas, ungefähr vom 5. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr.

Die Funde von La Tène gehören heute zu den wichtigsten Sammlungen des Laténiums.[10]

Römische Zeit

Nach der römischen Eroberung wurde die Region Teil des Römischen Reiches.

Strassen verbanden das Schweizer Mittelland mit dem Jura, Gallien und den Rheinregionen.

Römische Gutshöfe und Siedlungen bestanden unter anderem bei:

  • Colombier;
  • Cortaillod;
  • Saint-Blaise;
  • Neuenburg;
  • Bevaix.

Der See wurde für Handel, Fischerei und Verkehr genutzt.

Frühmittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft gehörte das Gebiet nacheinander zum Burgunderreich und zum Frankenreich.

Im Mittelalter bestanden Grund- und Herrschaftsrechte verschiedener Klöster, Adelsfamilien und kirchlicher Einrichtungen.

Eine Burg oberhalb des Seeufers bildete den Ausgangspunkt für die spätere Stadt Neuenburg.

Herrschaft und Grafschaft Neuenburg

Seit dem 12. Jahrhundert ist eine lokale Dynastie der Herren und späteren Grafen von Neuenburg belegt.

Die Grafen bauten ihre Herrschaft durch Burgen, Städte, Lehensbeziehungen und Bündnisse aus.

Zu den wichtigsten Herrschaftszentren gehörten:

  • Neuenburg;
  • Valangin;
  • Boudry;
  • Le Landeron;
  • Môtiers.

Die Städte erhielten im Hochmittelalter Freiheitsbriefe und kommunale Rechte.

Nach dem Aussterben der älteren Neuenburger Dynastie im Jahr 1395 wechselte die Grafschaft zu verschiedenen auswärtigen Herrscherhäusern.

Sie gehörte nacheinander unter anderem den Häusern Freiburg, Hochberg und Orléans-Longueville.[6]

Beziehungen zur Eidgenossenschaft

Neuenburg unterhielt bereits vor seinem Beitritt zur Eidgenossenschaft enge Beziehungen zu schweizerischen Städten und Orten.

Burgrechtsverträge bestanden insbesondere mit:

  • Freiburg;
  • Bern;
  • Solothurn;
  • Luzern.

Während der Burgunderkriege und weiterer Konflikte wurde Neuenburg stark von den politischen Entwicklungen der Eidgenossenschaft beeinflusst.

Von 1512 bis 1529 stand die Grafschaft zeitweise unter gemeinsamer Verwaltung mehrerer eidgenössischer Orte.

Reformation

Guillaume Farel predigte ab 1529 in Neuenburg die reformierte Lehre.

1530 entschied sich die Bürgerschaft der Stadt knapp für die Reformation.

Klöster und kirchliche Einrichtungen wurden aufgehoben oder neu genutzt. Der reformierte Gottesdienst breitete sich in grossen Teilen des Landes aus.

Le Landeron und Cressier blieben dank ihrer Beziehungen zu Solothurn katholisch.

Die konfessionelle Teilung führte zu einer langfristigen religiösen Vielfalt innerhalb des Landes.

Fürstentum

1648 wurde die Grafschaft Neuenburg zum Fürstentum erhoben.

Die Fürsten lebten meist ausserhalb des Landes. Die tatsächliche Verwaltung lag daher weitgehend bei lokalen Räten, Gerichten und Ständen.

Diese Form der indirekten Herrschaft ermöglichte dem Land eine vergleichsweise grosse innere Selbstständigkeit.

Preussische Herrschaft

Nach dem Tod von Marie de Nemours im Jahr 1707 musste über die Nachfolge entschieden werden.

Unter mehreren Bewerbern wurde der preussische König Friedrich I. aus dem Haus Hohenzollern zum Fürsten von Neuenburg gewählt.

Die Wahl sollte unter anderem verhindern, dass Neuenburg unter stärkeren französischen Einfluss geriet.

Von 1707 bis 1806 bestand eine Personalunion zwischen Neuenburg und Preussen.

Die preussischen Könige regierten das Fürstentum durch Gouverneure und bestätigten zahlreiche lokale Rechte.

Napoleonische Zeit

1806 trat der preussische König Neuenburg an Napoleon Bonaparte ab.

Napoleon übertrug das Fürstentum dem französischen Marschall Louis-Alexandre Berthier.

Das Land wurde nicht unmittelbar an Frankreich angeschlossen, stand aber unter starkem französischem Einfluss.

Neuenburger Soldaten dienten in napoleonischen Truppen. Ein bekanntes Bataillon trug wegen seiner gelben Uniformen den Spitznamen Canaris.

Nach dem Sturz Napoleons kehrte Neuenburg 1814 unter die Herrschaft des preussischen Königs zurück.

Beitritt zur Eidgenossenschaft

Am 12. September 1814 beschloss die eidgenössische Tagsatzung die Aufnahme Neuenburgs.

Der formelle Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft erfolgte 1815.

Neuenburg war damit gleichzeitig:

  • ein Kanton der Schweiz;
  • ein monarchisches Fürstentum;
  • persönlicher Besitz des Königs von Preussen.

Diese staatsrechtliche Doppelstellung war innerhalb der Schweiz einzigartig.

Der Kanton verfügte über zwei Sitze in der Tagsatzung und nahm an den gemeinsamen eidgenössischen Institutionen teil.

Republikanische Bewegung

Im 19. Jahrhundert entstand besonders in La Chaux-de-Fonds, Le Locle und im Val-de-Travers eine starke republikanische Bewegung.

Viele Industriearbeiter, Handwerker und Zugewanderte waren von den politischen Rechten ausgeschlossen.

Die Republikaner verlangten:

  • demokratische Wahlen;
  • Gleichheit der Regionen;
  • Ende der Monarchie;
  • Trennung von Preussen;
  • politische Rechte für breitere Bevölkerungsschichten.

Ein erster republikanischer Aufstand von 1831 scheiterte.

Revolution von 1848

Am 1. März 1848 begannen republikanische Kräfte in La Chaux-de-Fonds ihren Marsch nach Neuenburg.

Unter schwierigen winterlichen Bedingungen überquerten sie die Vue des Alpes und besetzten das Schloss in Neuenburg.

Die monarchische Regierung wurde abgesetzt und die Republik ausgerufen.

Der 1. März ist bis heute ein offizieller kantonaler Feiertag.

Die neue Staatsordnung führte demokratische Institutionen, einen Grossen Rat und einen Staatsrat ein.

Neuenburgerhandel

Royalistische Kräfte versuchten im September 1856, die republikanische Regierung zu stürzen.

Der Aufstand scheiterte, und zahlreiche Beteiligte wurden verhaftet.

Preussen verlangte ihre Freilassung und drohte zeitweise mit Krieg.

Der Konflikt zwischen der Schweiz und Preussen wird als Neuenburgerhandel bezeichnet.

Nach internationaler Vermittlung verzichtete der preussische König 1857 endgültig auf seine Herrschaftsrechte über Neuenburg. Die Gefangenen wurden freigelassen.

Damit war die republikanische Ordnung endgültig gesichert.

Industrialisierung

Die Uhrenindustrie entwickelte sich seit dem 17. und 18. Jahrhundert in den Neuenburger Bergen.

Zunächst wurde ein grosser Teil der Arbeit dezentral in Bauern- und Handwerkerhäusern ausgeführt.

Im 19. Jahrhundert entstanden grössere Werkstätten und Fabriken. La Chaux-de-Fonds und Le Locle wuchsen rasch.

Weitere Industriezweige waren:

  • Spitzen- und Textilherstellung;
  • Maschinenbau;
  • Metallverarbeitung;
  • Schokolade;
  • Tabak;
  • Kabelproduktion;
  • Druckerei.

Das Unternehmen Suchard wurde 1826 in Serrières bei Neuenburg gegründet und entwickelte sich zu einem international bekannten Schokoladenhersteller.

Arbeiterbewegung

Die starke Industrialisierung führte zur Entstehung von Arbeitervereinen, Gewerkschaften, sozialistischen und anarchistischen Bewegungen.

Die Juraföderation der Ersten Internationale besass in den Neuenburger Bergen eine wichtige Basis.

La Chaux-de-Fonds und Le Locle entwickelten eine ausgeprägte politische Kultur von Arbeiterorganisation, Genossenschaften und kommunalen Sozialreformen.

20. Jahrhundert

Die Uhrenindustrie blieb im 20. Jahrhundert der wichtigste Wirtschaftszweig.

Während der Weltwirtschaftskrise litten die Industriestädte unter hoher Arbeitslosigkeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine Phase starken Wachstums. Unternehmen warben Arbeitskräfte insbesondere aus Italien, Spanien und Portugal an.

In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren geriet die Schweizer Uhrenindustrie durch Wirtschaftskrisen und internationale Konkurrenz bei Quarzuhren unter starken Druck.

Zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren. Unternehmen wurden geschlossen, zusammengelegt oder neu ausgerichtet.

Mikrotechnik und wirtschaftliche Erneuerung

Der Kanton förderte die Diversifizierung in Richtung Mikrotechnik, Elektronik, Medizintechnik und Präzisionsindustrie.

1984 wurde in Neuenburg das Schweizerische Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik, französisch Centre suisse d’électronique et de microtechnique, gegründet.

Forschung, Hochschulen und Industrie bilden heute ein enges Innovationsnetzwerk.

Gemeindereformen und Gegenwart

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden zahlreiche Gemeinden fusioniert.

2018 wurden die Bezirke abgeschafft und der Kanton zu einem einzigen Wahlkreis für die Grossratswahlen.

Die kantonale Politik beschäftigt sich heute unter anderem mit:

  • regionalem Zusammenhalt;
  • wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Export;
  • Bevölkerungsentwicklung;
  • öffentlichem Verkehr;
  • Klimawandel;
  • Gemeindefinanzen;
  • Beziehungen zu Frankreich;
  • Erhaltung des industriellen Kulturerbes.

Politik

Verfassung

Die geltende Kantonsverfassung wurde am 24. September 2000 angenommen.[9]

Sie bezeichnet Neuenburg als demokratische, laizistische und soziale Republik, welche die Grundrechte gewährleistet.

Die Verfassung regelt:

  • Grundrechte;
  • politische Rechte;
  • Grosser Rat;
  • Staatsrat;
  • Gerichte;
  • Gemeinden;
  • öffentliche Aufgaben;
  • Finanzen;
  • Beziehungen zu Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Politische Rechte

Die Stimmberechtigten verfügen über Instrumente der direkten Demokratie.

Dazu gehören:

  • Volksinitiative;
  • obligatorisches Referendum;
  • fakultatives Referendum;
  • Volksabstimmungen über Verfassungsänderungen.

Eine Besonderheit ist das kantonale Stimmrecht für bestimmte ausländische Einwohnerinnen und Einwohner.

Ausländische Personen mit Niederlassungsbewilligung können unter den gesetzlich festgelegten Wohnsitzvoraussetzungen an kantonalen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen.

Neuenburg gehört damit zu den Kantonen mit vergleichsweise weitgehenden politischen Rechten für die ausländische Wohnbevölkerung.

Grosser Rat

Der Grosse Rat, französisch Grand Conseil, ist die gesetzgebende Behörde.

Er besteht aus 100 Abgeordneten und 20 stellvertretenden Abgeordneten. Die Wahl erfolgt für vier Jahre nach dem Verhältniswahlverfahren.[4]

Seit 2018 bildet das gesamte Kantonsgebiet einen einzigen Wahlkreis.

Die Regionen erhalten jedoch eine verfassungsrechtlich geregelte Mindestvertretung.

Der Grosse Rat:

  • erlässt Gesetze;
  • genehmigt Budget und Staatsrechnung;
  • bewilligt grössere Ausgaben;
  • kontrolliert Staatsrat und Verwaltung;
  • genehmigt Staatsverträge;
  • behandelt Volksinitiativen;
  • wählt bestimmte Gerichts- und Behördenmitglieder.

Die Sitzungen finden im Schloss von Neuenburg statt.

Staatsrat

Der Staatsrat, französisch Conseil d’État, bildet die Regierung.

Er besteht aus fünf Mitgliedern, die vom Volk für vier Jahre gewählt werden.[5]

Jedes Mitglied leitet ein Departement der kantonalen Verwaltung.

Der Staatsrat:

  • vollzieht Gesetze;
  • leitet die Verwaltung;
  • bereitet Vorlagen vor;
  • erstellt Budget und Finanzplanung;
  • vertritt den Kanton nach aussen;
  • koordiniert die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Bund und Nachbarkantonen.

Das Präsidium wechselt nach den kantonalen Regeln innerhalb der Regierung.

Gerichte

Die richterliche Gewalt ist von Parlament und Regierung unabhängig.

Die oberste kantonale Instanz ist das Kantonsgericht, französisch Tribunal cantonal.

Daneben bestehen:

  • regionale Gerichte;
  • Strafgerichte;
  • Zivilgerichte;
  • Arbeitsgerichte;
  • Schlichtungsbehörden;
  • Jugendgerichtsbarkeit;
  • Staatsanwaltschaft.

Vertretung im Bund

Neuenburg besitzt zwei Sitze im Ständerat.

Die Zahl seiner Sitze im Nationalrat richtet sich nach der Bevölkerungszahl.

Der Kanton arbeitet auf Bundesebene besonders in Fragen der Uhrenindustrie, Exportwirtschaft, Forschung, grenzüberschreitenden Mobilität und Jurapolitik mit anderen Kantonen zusammen.

Wirtschaft

Die Neuenburger Wirtschaft ist stark exportorientiert und industriell geprägt.

Wichtige Bereiche sind:

  • Uhrenindustrie;
  • Mikrotechnik;
  • Präzisionsmechanik;
  • Medizintechnik;
  • Elektronik;
  • Maschinenbau;
  • Pharma und Biotechnologie;
  • Lebensmittel- und Tabakindustrie;
  • Dienstleistungen;
  • Tourismus.

Die wirtschaftliche Leistung schwankt stärker als in vielen dienstleistungsorientierten Kantonen, weil Uhren und Präzisionsprodukte stark von der internationalen Nachfrage abhängen.

Uhrenindustrie

Die Uhrenindustrie ist der bekannteste Wirtschaftszweig.

Wichtige Standorte sind:

  • La Chaux-de-Fonds;
  • Le Locle;
  • Fleurier;
  • Neuenburg;
  • Cortaillod;
  • Val-de-Ruz.

Im Kanton befinden sich Produktionsstätten und Hauptsitze zahlreicher internationaler Uhrenmarken.

Die Branche umfasst nicht nur vollständige Uhren, sondern auch:

  • Uhrwerke;
  • Gehäuse;
  • Zifferblätter;
  • Spiralfedern;
  • Werkzeuge;
  • Präzisionsteile;
  • Oberflächenbehandlung;
  • Verpackung und Design.

Mikrotechnik

Das Wissen aus der Uhrenindustrie bildete eine Grundlage für die Entwicklung der Mikrotechnik.

Heute werden Präzisionskomponenten für Medizin, Luftfahrt, Energie, Telekommunikation, Robotik und Messtechnik hergestellt.

Das Schweizerische Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik in Neuenburg betreibt angewandte Forschung und arbeitet mit Hochschulen und Unternehmen zusammen.

Industrie und Export

Ein grosser Teil der Warenproduktion wird exportiert.

Zu den wichtigsten Exportgütern gehören:

  • Uhren;
  • Schmuck;
  • Präzisionsinstrumente;
  • Maschinen;
  • pharmazeutische Produkte;
  • elektronische Komponenten.

Die hohe Exportabhängigkeit macht die Wirtschaft empfindlich gegenüber Wechselkursen, Handelskonflikten und internationalen Konjunkturschwankungen.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft unterscheidet sich nach Höhenlage.

Am Seeufer werden Wein, Gemüse, Obst und Ackerfrüchte angebaut.

Auf den Jurahöhen dominieren:

  • Milchwirtschaft;
  • Rindviehhaltung;
  • Käseproduktion;
  • Weidewirtschaft;
  • Pferdehaltung;
  • Forstwirtschaft.

Typisch sind bewaldete Weiden, auf denen einzelne Fichten und Baumgruppen zwischen den Weideflächen stehen.

Weinbau

Die Rebberge liegen hauptsächlich am nördlichen Ufer des Neuenburgersees.

Bekannte Weinorte sind:

  • Auvernier;
  • Cortaillod;
  • Boudry;
  • Bevaix;
  • Saint-Blaise;
  • Cressier;
  • Le Landeron.

Die wichtigsten Rebsorten sind Chasselas und Pinot noir.

Eine bekannte Spezialität ist der rosafarbene Œil-de-Perdrix, der traditionell aus Pinot-noir-Trauben hergestellt wird.

Der Non Filtré ist ein junger, ungefilterter Chasselas, der jeweils zu Beginn des Jahres angeboten wird.

Absinth

Das Val-de-Travers gilt als eine historische Heimat des Absinths.

Das stark alkoholische Kräutergetränk wird aus Wermut und weiteren Pflanzen hergestellt.

Nach einem schweizweiten Verbot von 1910 wurde Absinth in der Region teilweise illegal weiterproduziert.

Seit der Aufhebung des Verbots im Jahr 2005 entstanden zahlreiche legale Brennereien, Museen und touristische Angebote.

Bildung und Forschung

Universität Neuenburg

Die Universität Neuenburg geht auf eine 1838 gegründete Akademie zurück.

1909 erhielt sie offiziell den Status einer Universität.[11]

Sie umfasst Fakultäten für:

  • Geistes- und Humanwissenschaften;
  • Naturwissenschaften;
  • Rechtswissenschaft;
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Die Universität ist für Forschung in Bereichen wie Sprachwissenschaft, Biologie, Hydrologie, Wirtschaft, Recht, Migration und Kognitionswissenschaft bekannt.

Fachhochschule

Die Haute école Arc gehört zur Fachhochschule Westschweiz.

Sie bietet Studiengänge in:

  • Ingenieurwissenschaften;
  • Wirtschaft;
  • Gesundheit;
  • Konservierung und Restaurierung.

Standorte befinden sich unter anderem in Neuenburg, La Chaux-de-Fonds und Le Locle.

Forschungseinrichtungen

Zu den wichtigen Forschungs- und Innovationsinstitutionen gehören:

  • CSEM;
  • EPFL-Standort Microcity;
  • Universität Neuenburg;
  • industrielle Forschungszentren;
  • Labore der Uhren- und Medizintechnik.

Die enge Verbindung zwischen Forschung und Industrie ist ein wichtiges Merkmal des Wirtschaftsstandorts.

Berufsbildung

Die duale Berufsbildung besitzt insbesondere in Uhrenindustrie, Mikrotechnik, Mechanik, Gesundheit und kaufmännischen Berufen eine hohe Bedeutung.

Berufsfachschulen und technische Ausbildungszentren befinden sich unter anderem in Neuenburg, Le Locle und La Chaux-de-Fonds.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Neuenburg ist ein wichtiger Knoten des schweizerischen Eisenbahnnetzes.

Direkte Verbindungen führen unter anderem nach:

  • Lausanne;
  • Genf;
  • Biel/Bienne;
  • Bern;
  • Zürich;
  • La Chaux-de-Fonds;
  • Le Locle;
  • Val-de-Travers.

Die Bahnlinie Neuenburg–La Chaux-de-Fonds überwindet den Höhenunterschied zwischen dem Seeufer und den Jurahöhen.

Weitere Strecken erschliessen Le Locle, Les Brenets, Buttes, Boudry und das Val-de-Ruz.

Öffentlicher Nahverkehr

Die Transports publics neuchâtelois, kurz transN, betreiben Bahn-, Tram-, Bus- und Standseilbahnlinien.[12]

Der Tarifverbund Onde Verte ermöglicht die Nutzung verschiedener Verkehrsunternehmen mit einem gemeinsamen Fahrausweis.[13]

Zu den bekannten Standseilbahnen gehören:

  • Fun’ambule zwischen Bahnhof und Universität in Neuenburg;
  • Standseilbahn La Coudre–Chaumont;
  • Standseilbahn Écluse–Plan.

Strassen

Die Autobahn A5 verläuft entlang des Neuenburgersees und verbindet den Kanton mit Yverdon-les-Bains und Biel/Bienne.

Die Nationalstrasse durch den Tunnel unter der Vue des Alpes verbindet Neuenburg mit La Chaux-de-Fonds und Le Locle.

Weitere wichtige Verbindungen führen:

  • durch das Val-de-Travers nach Frankreich;
  • über den Col de la Vue des Alpes;
  • über den Col de la Tourne;
  • über den Col des Roches;
  • nach Saint-Imier und in den Berner Jura.

Schifffahrt

Kursschiffe verkehren auf dem Neuenburger-, Bieler- und Murtensee.

Die Drei-Seen-Schifffahrt verbindet zahlreiche Orte des Seelands.

Auf dem Lac des Brenets und dem Doubs bestehen touristische Schiffsangebote zum Saut du Doubs, soweit der Wasserstand dies erlaubt.

Grenzverkehr

Die Beziehungen zu Frankreich führen zu einem bedeutenden täglichen Pendlerverkehr.

Wichtige Grenzübergänge befinden sich bei:

  • Les Verrières;
  • Le Col-des-Roches;
  • La Cibourg;
  • Biaufond;
  • Le Cerneux-Péquignot.

Kultur und Kulturerbe

Uhrenstädte als UNESCO-Welterbe

La Chaux-de-Fonds und Le Locle wurden 2009 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.[7]

Die Stadtanlagen wurden nach grossen Bränden im 18. und 19. Jahrhundert planmässig wiederaufgebaut.

Breite Strassen, regelmässige Häuserzeilen und grosse Fenster sollten genügend Licht für die Uhrenarbeit bieten.

Wohnhäuser, Werkstätten und Fabriken liegen eng beieinander. Die Stadtplanung dokumentiert den Übergang von dezentraler Heimarbeit zur industriellen Produktion.

Style sapin

In La Chaux-de-Fonds entwickelte sich um 1900 eine regionale Form des Jugendstils, der sogenannte Style sapin.

Künstler und Architekten liessen sich von Tannen, Zapfen, Schnee, Jurapflanzen und Landschaftsformen inspirieren.

Der Stil beeinflusste:

  • Architektur;
  • Innenausstattung;
  • Schmuck;
  • Uhrengehäuse;
  • Möbel;
  • Grafik.

Der junge Le Corbusier wurde in diesem kulturellen Umfeld ausgebildet.

Laténium

Das Laténium in Laténa ist das kantonale Archäologiemuseum und eines der wichtigsten archäologischen Museen der Schweiz.

Es dokumentiert mehr als 50'000 Jahre Geschichte von der Altsteinzeit bis zum Mittelalter.[10]

Zum Museum gehören:

  • Dauerausstellungen;
  • Forschungs- und Restaurierungseinrichtungen;
  • ein archäologischer Park;
  • Rekonstruktionen;
  • Funde aus La Tène und den Seeufersiedlungen.

Museen

Weitere bedeutende Museen sind:

  • das Internationale Uhrenmuseum in La Chaux-de-Fonds;
  • das Kunst- und Geschichtsmuseum Neuenburg;
  • das Ethnografische Museum Neuenburg;
  • das Naturhistorische Museum Neuenburg;
  • das Musée des beaux-arts Le Locle;
  • das Bauern- und Handwerksmuseum in La Chaux-de-Fonds;
  • das Absinth-Museum in Môtiers;
  • das Centre Dürrenmatt Neuchâtel.

Architektur

Die Stadt Neuenburg wird durch gelbliche Kalksteinbauten geprägt. Der lokale Stein führte zur Bezeichnung «gelbe Stadt».

Bedeutende Bauwerke sind:

  • Schloss Neuenburg;
  • Kollegiatkirche;
  • Hôtel DuPeyrou;
  • Maison des Halles;
  • Rathaus;
  • historische Bürgerhäuser;
  • Universität und Museumsbauten.

In La Chaux-de-Fonds befinden sich mehrere frühe Bauten Le Corbusiers, darunter die Maison Blanche und die Villa Turque.

Literatur und Persönlichkeiten

Mit dem Kanton verbunden sind unter anderem:

Friedrich Dürrenmatt lebte viele Jahre oberhalb der Stadt Neuenburg. Sein ehemaliges Wohnhaus ist Teil des Centre Dürrenmatt.

Brauchtum und Veranstaltungen

Fête des Vendanges

Das Neuenburger Winzerfest findet jeweils im Herbst statt.

Es umfasst Umzüge, Musik, Marktstände, Festwirtschaften und Veranstaltungen in der Innenstadt.

Das Fest gehört zu den grössten regelmässigen Volksveranstaltungen des Kantons.

Republiksfeier

Der 1. März erinnert an die republikanische Revolution von 1848.

Er ist ein offizieller kantonaler Feiertag.

Gedenkveranstaltungen erinnern an den Marsch der Republikaner aus den Bergen nach Neuenburg.

Absinthkultur

Im Val-de-Travers werden Feste, Märkte und Degustationen rund um den Absinth veranstaltet.

Brennereien vermitteln die Geschichte, Pflanzenkunde und Herstellung des Getränks.

Weitere Veranstaltungen

Bekannte Veranstaltungen sind:

  • Neuchâtel International Fantastic Film Festival;
  • Festi’neuch;
  • Buskers Festival Neuenburg;
  • Les Amplitudes;
  • La Plage des Six Pompes in La Chaux-de-Fonds;
  • Uhren- und Kulturveranstaltungen;
  • Langlauf- und Wintersportanlässe im Hochjura.

Natur und Landschaftsschutz

Der Kanton besitzt eine grosse Vielfalt an Jura-, Wald-, Moor- und Seeuferlandschaften.

Bedeutende Schutzgebiete sind:

  • Creux du Van;
  • Areuseschlucht;
  • Doubsufer;
  • Vallée de la Brévine;
  • Hochmoore bei Les Ponts-de-Martel;
  • Seeufer bei La Grande Béroche und Laténa;
  • Chaumont;
  • Chasseral-Hochflächen.

Der Creux du Van, die Brévine-Landschaft und Teile der Seeufer gelten als Landschaften von nationaler Bedeutung.[8]

Wälder und Weiden

Ein grosser Teil des Kantons ist bewaldet.

Die Wälder erfüllen wichtige Aufgaben:

  • Holzproduktion;
  • Schutz vor Erosion;
  • Wasserspeicherung;
  • Lebensraum;
  • Erholung;
  • Kohlenstoffspeicherung.

Typisch für den Hochjura sind Wytweiden beziehungsweise bewaldete Weiden. Landwirtschaft und Forstwirtschaft nutzen dort dieselben Flächen.

Moore

Die Hochtäler von La Brévine und Les Ponts-de-Martel besitzen bedeutende Moorlandschaften.

Moore speichern grosse Mengen Wasser und Kohlenstoff und bieten spezialisierten Pflanzen und Tieren Lebensraum.

Entwässerung, Torfabbau und Landwirtschaft haben viele Moore historisch verändert. Schutz- und Wiedervernässungsmassnahmen sollen die verbliebenen Flächen erhalten.

Doubs

Der Doubs ist ein ökologisch wertvoller, aber empfindlicher Grenzfluss.

Probleme entstehen unter anderem durch:

  • geringe Wasserstände;
  • Wasserkraftnutzung;
  • Abwasser;
  • landwirtschaftliche Einträge;
  • steigende Wassertemperaturen;
  • Unterbrechung der Fischwanderung.

Die Schweiz und Frankreich arbeiten bei Gewässerschutz und Flussbewirtschaftung zusammen.

Tourismus und Freizeit

Der Kanton verbindet See-, Stadt- und Juralandschaften auf engem Raum.

Bekannte Reiseziele sind:

  • Altstadt von Neuenburg;
  • Creux du Van;
  • Areuseschlucht;
  • La Chaux-de-Fonds;
  • Le Locle;
  • Saut du Doubs;
  • Val-de-Travers;
  • Lac des Taillères;
  • Chaumont;
  • Le Landeron;
  • Weinbaudörfer am See.

Im Sommer sind Wandern, Velofahren, Segeln, Schwimmen und Schifffahrt verbreitet.

Im Winter bieten die Jurahöhen Möglichkeiten für:

  • Langlauf;
  • Schneeschuhwandern;
  • Skifahren;
  • Winterwandern;
  • Schlitteln.

Die Region La Brévine besitzt ein ausgedehntes Langlaufnetz.

Der Neuenburgersee wird für Segeln, Rudern, Stand-up-Paddling, Tauchen und Baden genutzt.

Sport

Bekannte Sportvereine sind:

Der Kanton besitzt eine lange Tradition im Radsport, Langlauf, Wandern und Orientierungslauf.

Die Jurahöhen und Passstrassen werden regelmässig für Radrennen und Trainings genutzt.

Küche und regionale Produkte

Die Neuenburger Küche verbindet Einflüsse der Romandie, des Juras und der französischen Nachbarregionen.

Typische Produkte sind:

  • Neuenburger Saucisson;
  • Neuenburger Wein;
  • Œil-de-Perdrix;
  • Non Filtré;
  • Absinth;
  • Käse aus dem Jura;
  • Taillaule;
  • Fisch aus dem Neuenburgersee;
  • Schokolade;
  • Honig und Kräuterprodukte.

Die Taillaule ist ein leicht süsses Hefebrot, das häufig Rosinen enthält.

Der Neuenburger Saucisson wird traditionell gekocht und mit Kartoffeln, Lauch oder anderen Gemüsegerichten serviert.

Eine bekannte regionale Kombination ist Saucisson mit Kartoffeln und einer Sauce aus Neuenburger Wein.

Die Fischerei liefert unter anderem Egli, Felchen, Hecht und Zander.

Bedeutung innerhalb der Schweiz

Neuenburg nimmt innerhalb der Schweiz eine besondere Stellung ein.

Der Kanton verbindet:

  • französischsprachige Kultur;
  • republikanische Tradition;
  • Geschichte der preussischen Monarchie;
  • Uhrenindustrie;
  • Mikrotechnik;
  • grenzüberschreitende Beziehungen;
  • Jura- und Seenlandschaften.

Seine frühere Doppelstellung als Schweizer Kanton und preussisches Fürstentum ist in der Schweizer Geschichte einzigartig.

Die republikanische Revolution von 1848 wurde zu einem zentralen Bestandteil der kantonalen Identität.

La Chaux-de-Fonds und Le Locle dokumentieren besonders deutlich, wie Industrie, Stadtplanung, Architektur und Gesellschaft miteinander verbunden sein können.

Die Fundstelle La Tène gab einer ganzen Epoche der europäischen Vorgeschichte ihren Namen.

Siehe auch

Literatur

  • Jean Courvoisier: Die Kunstdenkmäler des Kantons Neuenburg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte.
  • Philippe Henry: Histoire du canton de Neuchâtel. Éditions Alphil, Neuenburg.
  • Jean-Pierre Jelmini: Neuchâtel 1011–2011. Mille ans, mille questions, mille et une réponses. Neuenburg.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Neuenburg (Kanton).
  • Société d’histoire et d’archéologie du canton de Neuchâtel: Publikationen zur Kantonsgeschichte.
  • Staatsarchiv Neuenburg: Quellen und Publikationen zur Geschichte des Fürstentums und der Republik.
  • Statistikdienst des Kantons Neuenburg: Statistische Jahrbücher und Online-Daten.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Kanton Neuenburg

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Superficie et densité, Statistikdienst des Kantons Neuenburg, Version vom 7. Mai 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 La population en 2025, Statistikdienst des Kantons Neuenburg, Version vom 30. April 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Communes neuchâteloises, Republik und Kanton Neuenburg, abgerufen am 21. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Grand Conseil, Republik und Kanton Neuenburg, abgerufen am 21. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Conseil d’État, Republik und Kanton Neuenburg, abgerufen am 21. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 Neuenburg (Kanton), Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 21. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 La Chaux-de-Fonds / Le Locle, Watchmaking Town Planning, UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 21. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 Territoires protégés, Republik und Kanton Neuenburg, abgerufen am 21. Juli 2026.
  9. 9,0 9,1 9,2 Constitution de la République et Canton de Neuchâtel vom 24. September 2000, Systematische Gesetzessammlung des Kantons Neuenburg, abgerufen am 21. Juli 2026.
  10. 10,0 10,1 Laténium, parc et musée d’archéologie, Republik und Kanton Neuenburg, abgerufen am 21. Juli 2026.
  11. Histoire de l’Université de Neuchâtel, Universität Neuenburg, abgerufen am 21. Juli 2026.
  12. Transports publics neuchâtelois, abgerufen am 21. Juli 2026.
  13. Système de zones Onde Verte, transN, abgerufen am 21. Juli 2026.