Kanton Wallis

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Kanton Wallis
Amtliche Namen Kanton Wallis
Canton du Valais
Kürzel VS
Hauptort Sitten
Grösste Gemeinde Sitten
Region Westschweiz, Alpen
Beitritt zur Eidgenossenschaft 1815
Amtssprachen Französisch und Deutsch[1]
Fläche 5'224,5 km²[2]
Bevölkerung 371'288 Einwohnerinnen und Einwohner, 31. Dezember 2024[3]
Politische Gemeinden 122, Stand 1. Januar 2026[4]
Bezirke 13; der Bezirk Raron ist in zwei Halb-Bezirke gegliedert
Legislative Grosser Rat, 130 Mitglieder[5]
Exekutive Staatsrat, 5 Mitglieder[6]
Höchster Punkt Dufourspitze, 4634 m ü. M.[7]
Tiefster Punkt Genfersee, rund 372 m ü. M.[7]
Internet vs.ch

Der Kanton Wallis, französisch Canton du Valais, ist ein zweisprachiger Kanton im Südwesten der Schweiz. Er liegt vollständig im Alpenraum und umfasst den grössten Teil des oberen Rhonetals von der Rhonequelle beim Rhonegletscher bis zum Genfersee sowie zahlreiche Seitentäler und Hochgebirgslandschaften.

Hauptort ist Sitten, französisch Sion. Weitere bedeutende Städte und regionale Zentren sind Brig-Glis, Visp, Siders, Martinach, Monthey, Naters, Crans-Montana und Fully.

Das Wallis grenzt innerhalb der Schweiz an die Kantone Waadt, Bern, Uri und Tessin. Im Westen und Süden besitzt es Staatsgrenzen zu Frankreich und Italien. Die Grenze folgt über weite Strecken den hohen Gebirgskämmen der Alpen.

Der Kanton weist aussergewöhnlich grosse Höhenunterschiede auf. Der tiefste Punkt liegt am Genfersee auf rund 372 Metern über Meer, der höchste auf der Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv auf 4634 Metern über Meer.[7] Mehr als fünfzig Gipfel erreichen eine Höhe von über 4000 Metern. Im Wallis liegen bekannte Berge wie das Matterhorn, die Dufourspitze, der Dom, das Weisshorn, die Dent Blanche und der Grand Combin.

Die Bevölkerung konzentriert sich auf die Rhoneebene und die unteren Abschnitte der Seitentäler. Hoch gelegene Täler und Berggemeinden sind deutlich dünner besiedelt. Ende 2024 lebten 371'288 Menschen im Kanton.[3]

Sprachlich wird das Wallis in das überwiegend deutschsprachige Oberwallis und das überwiegend französischsprachige Mittel- und Unterwallis gegliedert. Französisch und Deutsch sind die beiden kantonalen Amtssprachen.[1]

Wirtschaftlich sind Tourismus, Wasserkraft, Industrie, Weinbau, Obstbau, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Dienstleistungen von besonderer Bedeutung. Das Wallis ist der grösste Weinbaukanton und einer der wichtigsten Stromproduzenten der Schweiz.

Name

Der deutsche Name lautet Wallis, der französische Name Valais, der italienische Vallese und der rätoromanische Vallais.

Alle heutigen Formen gehen auf das lateinische Wort vallis für «Tal» zurück. In der Antike wurde das obere Rhonetal als Vallis Poenina beziehungsweise Vallis Pennina bezeichnet. Der Name bezog sich auf die Lage am Grossen St. Bernhard, der in der Antike Mons Poeninus hiess.

Aus dem lateinischen vallis entwickelten sich die französische Form Valais und die deutsche Form Wallis. Mittelalterliche Schreibweisen waren unter anderem Vallesia, Vallensis, Walles und Wallis.

Der amtliche deutsche Name lautet «Kanton Wallis», der amtliche französische Name «Canton du Valais». In zweisprachigen Institutionen und Marken wird häufig die Form Valais/Wallis verwendet.

Einwohnerinnen und Einwohner werden auf Deutsch als Walliserinnen und Walliser, auf Französisch als Valaisannes und Valaisans bezeichnet.

Die deutschsprachige Bevölkerung des östlichen Kantonsteils wird als Oberwalliser Bevölkerung bezeichnet. Die französischsprachigen Regionen werden häufig in Mittelwallis und Unterwallis gegliedert.

Wappen und Flagge

Das Wappen des Kantons zeigt dreizehn fünfzackige Sterne in den Farben Rot und Weiss.

Der Schild ist senkrecht geteilt:

  • heraldisch rechts Weiss;
  • heraldisch links Rot.

Die Sterne erscheinen in der jeweils entgegengesetzten Farbe. Im weissen Feld stehen rote, im roten Feld weisse Sterne.

Die Kantonsflagge verwendet dasselbe Motiv.

Die dreizehn Sterne stehen für die dreizehn historischen Bezirke des Kantons. Das Motiv entwickelte sich aus dem älteren Wappen der Walliser Zendenrepublik.

Bis zum späten 18. Jahrhundert wurden sieben Sterne verwendet. Sie symbolisierten die sieben Zenden des Oberwallis:

  • Goms;
  • Brig;
  • Visp;
  • Raron;
  • Leuk;
  • Siders;
  • Sitten.

Nach der politischen Gleichstellung des Unterwallis wurden weitere Sterne aufgenommen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert zeigt das Wappen dreizehn Sterne.

Rot und Weiss entsprechen den Farben des Bistums Sitten. Die lange politische Verbindung zwischen dem Bischof von Sitten und den Walliser Landschaften prägte die Entwicklung der kantonalen Heraldik.

Geografie

Lage

Das Wallis liegt im Südwesten der Schweiz und umfasst 5'224,5 Quadratkilometer.[2] Es ist nach Graubünden und Bern der flächenmässig drittgrösste Kanton.

Das Gebiet wird durch das Rhonetal und die es umgebenden Gebirgsketten geprägt. Im Norden erheben sich die Berner Alpen, im Süden die Walliser Alpen. Im Westen reicht der Kanton bis zum Mont-Blanc-Massiv und zum Genfersee, im Osten bis zum Furkapass und zum Gotthardgebiet.

Die Hauptachse des Kantons verläuft von Nordosten nach Südwesten. Die Rhone entspringt im Goms, durchfliesst die gesamte Längsachse des Kantons und mündet bei Port-Valais in den Genfersee.

Grenzen

Das Wallis grenzt an:

  • den Kanton Waadt im Westen und Nordwesten;
  • den Kanton Bern im Norden;
  • den Kanton Uri im Nordosten;
  • den Kanton Tessin im Osten;
  • Italien im Süden und Südosten;
  • Frankreich im Westen.

Die Staatsgrenze zu Italien verläuft unter anderem über:

  • Monte-Rosa-Massiv;
  • Matterhorn;
  • Grossen St. Bernhard;
  • Simplongebiet;
  • Nufenengebiet.

Die Grenze zu Frankreich führt über das Mont-Blanc-Massiv, den Col de Balme, das Gebiet des Lac d’Emosson und die Berge des Chablais.

Oberwallis

Das Oberwallis umfasst den deutschsprachigen östlichen Teil des Kantons.

Es reicht vom Goms über Brig, Visp und Leuk bis ungefähr zur Sprachgrenze bei der Raspille zwischen Salgesch und Siders.

Bedeutende Landschaftsräume sind:

Das Oberwallis ist durch hochalemannische Dialekte, traditionelle Berglandwirtschaft, katholische Kultur und starke regionale Identitäten geprägt.

Brig-Glis und Visp bilden die wichtigsten wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Zentren.

Mittelwallis

Das Mittelwallis umfasst ungefähr den Raum zwischen Siders und Martinach.

Es wird von der Rhoneebene, den Rebbergen an den nördlichen Talhängen und mehreren grossen Seitentälern geprägt.

Bedeutende Gebiete sind:

Sitten ist politischer, administrativer und kultureller Hauptort. Siders ist ein wichtiges Industrie-, Weinbau- und Bildungszentrum.

Unterwallis

Das Unterwallis erstreckt sich von Martinach bis zum Genfersee.

Zur Region gehören:

  • Rhoneknie bei Martinach;
  • Saint-Maurice;
  • Monthey;
  • Chablais;
  • Val d’Entremont;
  • Val Ferret;
  • Val d’Illiez;
  • Trienttal;
  • Genferseeufer bei Saint-Gingolph und Port-Valais.

Das Unterwallis ist französischsprachig und eng mit dem Waadtländer Chablais sowie der Genferseeregion verbunden.

Monthey ist ein bedeutender Industrieort. Martinach bildet einen wichtigen Verkehrsknoten zwischen Rhonetal, Grossem St. Bernhard und Frankreich.

Rhonetal

Das Rhonetal bildet die zentrale Siedlungs-, Verkehrs- und Wirtschaftsachse.

Im Goms ist das Tal zunächst schmal und hoch gelegen. Unterhalb von Brig wird es breiter. Zwischen Visp, Siders, Sitten und Martinach bildet die Rhone eine ausgedehnte Ebene.

Die heutige Rhoneebene wurde während Jahrhunderten durch Überschwemmungen, Sümpfe und wechselnde Flussarme geprägt.

Durch Flusskorrektionen, Entwässerung und Melioration entstanden grosse Flächen für:

  • Landwirtschaft;
  • Siedlungen;
  • Industrie;
  • Verkehrswege;
  • Energieanlagen.

Die intensive Nutzung der Talebene führte gleichzeitig zu einem hohen Schadenpotenzial bei Hochwasser.

Rhone

Die Rhone entspringt am Rhonegletscher oberhalb von Gletsch.

Im Oberwallis wird sie häufig als Rotten bezeichnet. Der Name ist eine deutschsprachige Form des Flussnamens Rhone.

Der Fluss durchquert:

  • Goms;
  • Raum Brig;
  • Visp;
  • Leuk;
  • Siders;
  • Sitten;
  • Martinach;
  • Saint-Maurice;
  • Monthey;
  • Chablais.

Bei Port-Valais mündet die Rhone in den Genfersee.

Zu ihren bedeutenden Walliser Zuflüssen gehören:

  • Massa;
  • Lonza;
  • Vispa;
  • Navisence;
  • Borgne;
  • Printse;
  • Morge;
  • Dranse;
  • Trient;
  • Vièze.

Seitentäler

Das Wallis besitzt zahlreiche grosse und kleine Seitentäler.

Zu den bekanntesten gehören:

  • Goms;
  • Lötschental;
  • Mattertal;
  • Saastal;
  • Binntal;
  • Baltschiedertal;
  • Nanztal;
  • Val d’Anniviers;
  • Val d’Hérens;
  • Val d’Hérémence;
  • Val de Nendaz;
  • Val de Bagnes;
  • Val d’Entremont;
  • Val Ferret;
  • Val d’Illiez;
  • Trienttal.

Die Seitentäler unterscheiden sich stark hinsichtlich Sprache, Architektur, Wirtschaftsstruktur und Verkehrserschliessung.

Einige Täler entwickelten sich zu international bekannten Tourismusregionen. Andere bewahrten einen stärker landwirtschaftlich geprägten Charakter.

Berge

Im Wallis befindet sich die grösste Konzentration hoher Alpengipfel in der Schweiz.

Zu den bekanntesten Bergen gehören:

Die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv ist der höchste Punkt der Schweiz.[7]

Der Dom ist der höchste Berg, dessen Gipfel vollständig auf Schweizer Staatsgebiet liegt.

Das Matterhorn gehört wegen seiner annähernd pyramidenförmigen Gestalt zu den bekanntesten Bergen der Welt.

Gletscher

Ein erheblicher Teil des Hochgebirges ist vergletschert.

Zu den bedeutenden Gletschern gehören:

Der Aletschgletscher ist der flächen- und volumenmässig grösste Gletscher der Alpen.

Die Walliser Gletscher verlieren infolge des Klimawandels stark an Länge, Fläche und Volumen. Dadurch verändern sich:

  • Wasserhaushalt;
  • Landschaft;
  • Naturgefahren;
  • Stabilität von Felswänden;
  • Bedingungen für Alpinismus und Tourismus;
  • Wasserkraftproduktion.

Seen und Stauseen

Das Wallis besitzt einen Anteil am Genfersee und zahlreiche natürliche Bergseen und Stauseen.

Zu den bedeutenden Stauseen gehören:

Die Staumauer Grande Dixence am Lac des Dix gehört zu den höchsten Gewichtsstaumauern der Welt.

Stauseen dienen insbesondere:

  • der Stromproduktion;
  • der saisonalen Speicherung;
  • dem Hochwasserschutz;
  • teilweise der Wasserversorgung;
  • dem Tourismus.

Natürliche Bergseen sind unter anderem der Daubensee, der Schwarzsee bei Zermatt, der Märjelensee und der Champex-See.

Klima

Das Wallis besitzt ein ausgeprägtes inneralpines Klima.

Die hohen Gebirgsketten schirmen das zentrale Rhonetal teilweise gegen feuchte Luftmassen ab. Dadurch gehört die Region um Visp, Siders und Sitten zu den trockensten Gebieten der Schweiz.

Die klimatischen Unterschiede sind gross:

  • Im zentralen Rhonetal sind die Sommer warm und trocken.
  • Im Goms und in hohen Seitentälern sind die Winter lang und schneereich.
  • Am Genfersee herrscht ein vergleichsweise mildes Klima.
  • In den Hochalpen bestehen nivale und glaziale Bedingungen.

Die sonnigen Hänge des Rhonetals ermöglichen Weinbau bis in vergleichsweise hohe Lagen.

In den trockenen Seitentälern wurde Wasser während Jahrhunderten über offene Kanäle zu Wiesen und Rebbergen geleitet.

Suonen

Die traditionellen Bewässerungskanäle werden im deutschsprachigen Wallis Suonen und im französischsprachigen Teil bisses genannt.

Sie leiten Wasser aus Bächen und Gletschereinzugsgebieten entlang der Hänge zu landwirtschaftlichen Flächen.

Viele Suonen entstanden im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit.

Sie dienten der Bewässerung von:

  • Wiesen;
  • Äckern;
  • Obstkulturen;
  • Rebbergen.

Ein Teil der historischen Kanäle wird weiterhin genutzt. Andere wurden zu Wanderwegen und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten.

Bekannte Suonen befinden sich unter anderem bei:

  • Ausserberg;
  • Eggerberg;
  • Baltschieder;
  • Nendaz;
  • Ayent;
  • Savièse;
  • Crans-Montana.

Administrative Gliederung

Der Kanton Wallis besteht aus 13 Bezirken. Der Bezirk Raron ist in die beiden Halb-Bezirke Östlich Raron und Westlich Raron unterteilt.[8]

Dadurch bestehen in der praktischen Verwaltung vierzehn Bezirks- beziehungsweise Halb-Bezirksgebiete.

Region Bezirk oder Halb-Bezirk Hauptort Bedeutende Gemeinden
Oberwallis Bezirk Goms Münster Goms, Obergoms, Bellwald, Fiesch
Halb-Bezirk Östlich Raron Mörel Mörel-Filet, Riederalp, Bettmeralp
Bezirk Brig Brig Brig-Glis, Naters, Simplon, Ried-Brig
Bezirk Visp Visp Visp, Zermatt, Saas-Fee, St. Niklaus
Halb-Bezirk Westlich Raron Raron Raron, Steg-Hohtenn, Blatten
Bezirk Leuk Leuk Leuk, Leukerbad, Salgesch, Gampel-Bratsch
Mittelwallis Bezirk Siders Siders Siders, Crans-Montana, Anniviers
Bezirk Hérens Vex Vex, Evolène, Hérémence, Mont-Noble
Bezirk Sitten Sitten Sitten
Bezirk Conthey Conthey Conthey, Nendaz, Vétroz
Unterwallis Bezirk Martinach Martinach Martinach, Fully, Saxon
Bezirk Entremont Sembrancher Val de Bagnes, Orsières, Liddes
Bezirk Saint-Maurice Saint-Maurice Saint-Maurice, Evionnaz, Vernayaz
Bezirk Monthey Monthey Monthey, Collombey-Muraz, Port-Valais, Troistorrents

Die Bezirke besitzen Präfektinnen beziehungsweise Präfekten und Vizepräfektinnen beziehungsweise Vizepräfekten.

Ihre heutigen Aufgaben sind begrenzter als jene der Gemeinden und der kantonalen Verwaltung. Sie erfüllen insbesondere Repräsentations-, Koordinations- und Aufsichtsfunktionen.

Die Bezirke dienen zudem als Grundlage für die politische Vertretung im Grossen Rat.

Gemeinden

Am 1. Januar 2026 bestand der Kanton aus 122 politischen Gemeinden.[4]

Die Gemeinden unterscheiden sich stark hinsichtlich Fläche, Einwohnerzahl, Sprache und Siedlungsstruktur.

Die grösste Gemeinde nach Einwohnerzahl ist Sitten. Weitere bevölkerungsreiche Gemeinden sind:

  • Martinach;
  • Monthey;
  • Siders;
  • Brig-Glis;
  • Visp;
  • Naters;
  • Collombey-Muraz;
  • Crans-Montana.

Zu den flächenmässig grossen Gemeinden gehören Val de Bagnes, Anniviers, Zermatt, Evolène und Obergoms.

Die Gemeinden sind für zahlreiche lokale Aufgaben zuständig:

  • Raumplanung;
  • Gemeindestrassen;
  • Wasserversorgung;
  • Abwasserentsorgung;
  • Feuerwehr;
  • Volksschule;
  • Sozialhilfe;
  • Kultur;
  • Sport;
  • kommunale Steuern;
  • Einwohnerkontrolle.

Kleinere Gemeinden verfügen meist über eine Urversammlung, an der die Stimmberechtigten über Budget, Rechnung und Sachgeschäfte entscheiden.

Grössere Gemeinden können einen Generalrat als kommunales Parlament besitzen.

Gemeindefusionen

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts nahm die Zahl der Gemeinden durch Fusionen deutlich ab.

Bedeutende Zusammenschlüsse waren:

  • Goms;
  • Obergoms;
  • Naters mit Birgisch und Mund;
  • Sitten mit Salins und Les Agettes;
  • Crans-Montana;
  • Anniviers;
  • Val de Bagnes;
  • Noble-Contrée;
  • Grône mit Itravers;
  • Mont-Noble;
  • Turtmann-Unterems;
  • Gampel-Bratsch;
  • Mörel-Filet;
  • Bettmeralp.

Fusionen sollen die Verwaltung professionalisieren, die finanzielle Leistungsfähigkeit stärken und gemeinsame Infrastruktur vereinfachen.

Gleichzeitig spielen Dorfidentitäten, Burgergemeinden und traditionelle Nutzungsrechte weiterhin eine grosse Rolle.

Bevölkerung

Ende 2024 lebten 371'288 Menschen dauerhaft im Wallis.[3]

Innerhalb eines Jahres nahm die ständige Wohnbevölkerung um 5'444 Personen zu. Das Wachstum beruhte vor allem auf Zuwanderung, während der natürliche Bevölkerungssaldo negativ war.[3]

Die Bevölkerung verteilte sich 2024 ungefähr auf:

  • Oberwallis: 23,9 Prozent;
  • Mittelwallis: 39,4 Prozent;
  • Unterwallis: 36,7 Prozent.[4]

Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger betrug rund 25,9 Prozent.[4]

Die dichtesten Siedlungsgebiete befinden sich:

  • in der Rhoneebene zwischen Brig und Martinach;
  • im Raum Sitten und Siders;
  • im Chablais;
  • in den Zentren Visp, Brig, Martinach und Monthey.

Viele Berggemeinden weisen eine deutlich geringere Bevölkerungsdichte auf.

Einige Tourismusorte besitzen während der Ferienzeiten eine zeitweise Bevölkerung, die deutlich über der ständigen Wohnbevölkerung liegt.

Sprachen

Französisch und Deutsch sind die beiden Amtssprachen des Kantons.[1]

Französisch ist die Hauptsprache des Mittel- und Unterwallis. Deutsch wird hauptsächlich im Oberwallis gesprochen.

Gemäss den kantonalen Schlüsselzahlen für 2024 nannten:

  • 65,7 Prozent Französisch;
  • 23,9 Prozent Deutsch;
  • 8,0 Prozent Portugiesisch

als eine ihrer Hauptsprachen. Pro Person konnten mehrere Hauptsprachen angegeben werden.[4]

Sprachgrenze

Die traditionelle deutsch-französische Sprachgrenze verläuft im Raum zwischen Salgesch und Siders.

Als geografisches Symbol der Sprachgrenze gilt häufig der Bach Raspille.

Salgesch ist überwiegend deutschsprachig, Siders überwiegend französischsprachig. Durch Zuwanderung und Pendelbewegungen ist der Übergang heute weniger scharf als früher.

Sitten war während Teilen der frühen Neuzeit in der Verwaltung stark deutsch geprägt. Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts setzte sich dort das Französische durch.

Walliserdeutsch

Die deutschsprachigen Dialekte des Oberwallis werden als Walliserdeutsch bezeichnet.

Sie gehören zu den höchstalemannischen Dialekten und unterscheiden sich deutlich vom Schweizerdeutsch des Mittellands.

Typische Merkmale sind:

  • Erhaltung alter Lautformen;
  • besonderer Wortschatz;
  • eigene Formen der Mehrzahlbildung;
  • regionale Unterschiede zwischen Tälern und Dörfern;
  • Einflüsse alter Siedlungs- und Verkehrsbeziehungen.

Walliser Dialekte wurden durch die mittelalterlichen Wanderungen der Walser weit über das heutige Kantonsgebiet hinaus verbreitet.

Walserdialekte werden oder wurden unter anderem gesprochen in:

  • Graubünden;
  • Tessin;
  • Liechtenstein;
  • Vorarlberg;
  • Tirol;
  • Piemont;
  • Aostatal.

Französisch

Das Walliser Französisch gehört zum Westschweizer Französisch.

Es weist regionale Wörter, Aussprachemerkmale und Einflüsse der früher gesprochenen frankoprovenzalischen Dialekte auf.

Frankoprovenzalische Mundarten, örtlich als patois bezeichnet, wurden besonders in Seitentälern lange bewahrt.

In Orten wie Evolène werden Varianten des Patois weiterhin gesprochen und kulturell gepflegt.

Zweisprachigkeit

Kantonale Gesetze, wichtige amtliche Dokumente und zahlreiche Internetangebote erscheinen auf Deutsch und Französisch.

Im Grossen Rat können beide Amtssprachen verwendet werden. Die kantonalen Behörden müssen die sprachlichen Rechte beider Regionen berücksichtigen.

Die Zweisprachigkeit wirkt sich aus auf:

  • Verwaltung;
  • Bildung;
  • Justiz;
  • Gesundheitswesen;
  • Personalpolitik;
  • Medien;
  • politische Vertretung.

Religion

Das Wallis ist historisch stark römisch-katholisch geprägt.

Der Bischof von Sitten spielte während Jahrhunderten zugleich eine geistliche und weltliche Rolle.

Zu den bedeutenden religiösen Einrichtungen gehören:

Die Abtei Saint-Maurice wurde im frühen 6. Jahrhundert gegründet und gehört zu den ältesten ohne längere Unterbrechung bestehenden Klöstern des Abendlands.

Das Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard betreute Reisende und Pilger auf einem der wichtigsten Alpenübergänge.

Seit dem 19. und 20. Jahrhundert wurde die religiöse Zusammensetzung vielfältiger.

Heute bestehen:

  • römisch-katholische Pfarreien;
  • evangelisch-reformierte Kirchgemeinden;
  • orthodoxe Gemeinschaften;
  • muslimische Gemeinschaften;
  • Freikirchen;
  • weitere Religionsgemeinschaften;
  • eine wachsende konfessionslose Bevölkerung.

Geschichte

Vorgeschichte

Das Wallis gehört zu den bedeutendsten vorgeschichtlichen Siedlungsgebieten im Alpenraum.

Die ältesten menschlichen Spuren reichen bis in die späte Altsteinzeit und Mittelsteinzeit zurück.

Besonders bedeutende archäologische Fundstellen befinden sich bei:

  • Sitten;
  • Saint-Léonard;
  • Petit-Chasseur;
  • Saint-Maurice;
  • Brig;
  • Goms;
  • Rhoneebene.

Im Raum Sitten sind seit ungefähr 6200 v. Chr. menschliche Aktivitäten nachgewiesen.

Während der Jungsteinzeit entstanden dauerhafte bäuerliche Siedlungen. Die Bevölkerung betrieb Landwirtschaft, Viehzucht und regionalen Handel.

Die Steinkistengräber und Stelen von Petit-Chasseur bei Sitten gehören zu den wichtigsten jungstein- und bronzezeitlichen Funden Europas.

Bronze- und Eisenzeit

Während der Bronzezeit wurden alpine Verkehrswege, Erzvorkommen und Weidegebiete intensiver genutzt.

In der Eisenzeit lebten im Gebiet des späteren Wallis mehrere keltische beziehungsweise keltisch beeinflusste Volksgruppen:

  • Uberer;
  • Seduner;
  • Veragrer;
  • Nantuaten.

Ihre Siedlungsräume entsprachen ungefähr verschiedenen Abschnitten des Rhonetals.

Die Bewohner kontrollierten wichtige Übergänge über die Alpen und unterhielten Handelsbeziehungen nach Norditalien, Gallien und ins Schweizer Mittelland.

Römische Zeit

Die Römer brachten das Wallis um 15 v. Chr. unter ihre Herrschaft.

Im Jahr 25 v. Chr. hatte ein römisches Heer bereits die Veragrer bei Octodurus, dem heutigen Martinach, bekämpft. Die endgültige Eingliederung erfolgte im Rahmen der Alpenfeldzüge unter Kaiser Augustus.

Das Gebiet wurde später als Provinz beziehungsweise Verwaltungseinheit Vallis Poenina organisiert.

Hauptort war Forum Claudii Vallensium bei Martinach.

Bedeutende römische Anlagen bestanden in:

  • Martinach;
  • Sitten;
  • Massongex;
  • Saint-Maurice;
  • Brig;
  • entlang der Passwege.

Der Grosse St. Bernhard war als Mons Poeninus ein wichtiger Übergang nach Italien.

Auf der Passhöhe bestanden ein Tempel, Unterkünfte und weitere Einrichtungen.

Die Römer förderten:

  • Strassenbau;
  • Weinbau;
  • Handel;
  • Städtewesen;
  • Verwaltung;
  • Münzwirtschaft.

Christianisierung

Das Christentum verbreitete sich seit der Spätantike.

Mit Saint-Maurice ist die Überlieferung der Thebäischen Legion verbunden. Nach der Legende wurden der Offizier Mauritius und seine Gefährten wegen ihres christlichen Glaubens getötet.

Die Verehrung des heiligen Mauritius gewann im europäischen Mittelalter grosse Bedeutung.

Die Abtei Saint-Maurice wurde im Jahr 515 durch den burgundischen König Sigismund gegründet.

Der Bischofssitz befand sich zunächst in Octodurus beziehungsweise Martinach. Im späten 6. Jahrhundert wurde er nach Sitten verlegt.

Frühmittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft gehörte das Wallis nacheinander zum burgundischen und fränkischen Herrschaftsraum.

Das Bistum Sitten gewann umfangreichen Grundbesitz und politische Rechte.

Im Jahr 999 übertrug König Rudolf III. von Burgund dem Bischof von Sitten gräfliche Rechte über das Wallis.

Dieses Ereignis bildete eine wichtige Grundlage für die spätere weltliche Herrschaft der Fürstbischöfe.

Neben dem Bischof besassen Adelsfamilien, Klöster und das Haus Savoyen bedeutende Rechte.

Fürstbistum Sitten

Der Bischof von Sitten war geistliches Oberhaupt und weltlicher Landesherr.

Seine Herrschaft wurde jedoch durch lokale Adelsfamilien und die entstehenden Gemeinden zunehmend eingeschränkt.

Zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern gehörten:

  • von Raron;
  • von Turn;
  • von Platea;
  • von Ayent;
  • von Chevron;
  • von Greyerz.

Im Oberwallis entwickelten sich politische Gemeinschaften, die später als Zenden bezeichnet wurden.

Die Zenden organisierten:

  • Gerichte;
  • militärische Aufgebote;
  • Steuern;
  • Nutzungsrechte;
  • politische Versammlungen.

Savoyen und das Unterwallis

Das Haus Savoyen baute seine Herrschaft im Unterwallis aus.

Zeitweise verlief die Grenze zwischen dem bischöflichen Oberwallis und dem savoyischen Unterwallis im Raum der Morge bei Sitten.

Die Rivalität zwischen dem Bischof, den Zenden und Savoyen prägte die mittelalterliche Geschichte.

Savoyen kontrollierte wichtige Orte wie:

  • Martinach;
  • Saint-Maurice;
  • Monthey;
  • Chablais;
  • Teile des Mittelwallis.

Zenden

Im Oberwallis entstanden sieben Zenden:

  • Goms;
  • Brig;
  • Visp;
  • Raron;
  • Leuk;
  • Siders;
  • Sitten.

Die Zenden entwickelten sich von lokalen Gerichts- und Verwaltungsgemeinschaften zu weitgehend selbstständigen politischen Körperschaften.

Ihre Vertreter versammelten sich im Walliser Landrat.

Der Landrat entschied gemeinsam mit dem Bischof über wichtige politische Angelegenheiten.

Die Zenden drängten die weltliche Macht des Bischofs schrittweise zurück.

Raronhandel

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kam es zum sogenannten Raronhandel.

Der Konflikt richtete sich gegen die mächtige Familie von Raron, die wichtige Ämter im Wallis besetzte.

Die Oberwalliser Zenden erhoben sich gegen Witschard von Raron und seine Verwandten.

Bern unterstützte die Familie von Raron, während die Innerschweizer Orte teilweise auf der Seite der Walliser standen.

Der Konflikt führte zu militärischen Auseinandersetzungen und eidgenössischen Vermittlungsversuchen.

Am Ende verlor die Familie von Raron einen grossen Teil ihrer politischen Macht.

Burgunderkriege und Schlacht auf der Planta

Während der Burgunderkriege verbündete sich der savoyische Adel mit Karl dem Kühnen von Burgund.

Am 13. November 1475 besiegten Truppen der sieben Zenden und ihre eidgenössischen Verbündeten ein savoyisches Heer in der Schlacht auf der Planta bei Sitten.

Nach dem Sieg eroberten die Oberwalliser das Unterwallis bis Saint-Maurice.

Das eroberte Gebiet wurde als Untertanenland verwaltet.

Die Morge von Saint-Gingolph wurde 1569 endgültig als westliche Grenze des Walliser Herrschaftsgebiets festgelegt.[2]

Damit entstanden im Wesentlichen die heutigen Kantonsgrenzen.

Alte Eidgenossenschaft

Das Wallis unterhielt seit dem späten Mittelalter enge Bündnisse mit eidgenössischen Orten.

Die sieben Zenden schlossen Burg- und Landrechte mit Luzern, Uri, Unterwalden und weiteren Orten.

1529 wurde das Wallis zu einem zugewandten Ort der Eidgenossenschaft.

Es war damit eng mit der Eidgenossenschaft verbunden, ohne ein vollberechtigter eidgenössischer Ort zu sein.

Walliser Truppen beteiligten sich an verschiedenen eidgenössischen Kriegen und am Solddienst.

Reformation

Die Reformation fand besonders in Sitten, Leuk und weiteren Orten Anhänger.

Der spätere Kardinal Matthäus Schiner war ein einflussreicher Gegner der Reformation und wichtiger Vertreter päpstlicher Interessen.

Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert setzte sich die katholische Reform durch.

Reformierte Familien mussten teilweise auswandern oder zum katholischen Glauben zurückkehren.

Jesuiten, Kapuziner und andere kirchliche Gemeinschaften förderten:

  • Bildung;
  • Seelsorge;
  • katholische Erneuerung;
  • religiöse Kunst.

Republik der sieben Zenden

Im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts schränkten die Zenden die weltliche Macht des Fürstbischofs immer stärker ein.

1613 mussten Bischof und Domkapitel wichtige politische Rechte der Zenden anerkennen.

1634 verzichtete der Bischof weitgehend auf die sogenannte Carolina, mit der frühere königliche Herrschaftsrechte begründet worden waren.

Das Wallis entwickelte sich zur Republik der sieben Zenden.

Der Bischof blieb eine wichtige politische und symbolische Persönlichkeit, doch die entscheidende Macht lag beim Landrat und den Zenden.

Der Landeshauptmann war der höchste weltliche Amtsträger.

Herrschaft über das Unterwallis

Das französischsprachige Unterwallis blieb bis 1798 ein Untertanengebiet der sieben oberen Zenden.

Es war in Landvogteien und Kastlaneien gegliedert.

Die Bevölkerung besass lokale Rechte, war aber politisch nicht mit den Einwohnern der sieben Zenden gleichgestellt.

Diese Ungleichheit führte im späten 18. Jahrhundert zu wachsender Unzufriedenheit.

Revolution von 1798

Unter dem Einfluss der Französischen Revolution erhob sich das Unterwallis gegen die Herrschaft der oberen Zenden.

Im Januar 1798 wurde in Saint-Maurice die Freiheit des Unterwallis ausgerufen.

Die alte Zendenordnung brach zusammen.

Das Wallis wurde zunächst als gleichberechtigter Kanton in die Helvetische Republik eingegliedert.

Die neue Ordnung führte ein:

  • rechtliche Gleichheit;
  • Abschaffung des Untertanenverhältnisses;
  • zentrale Verwaltung;
  • modernes Bürgerrecht;
  • politische Repräsentation des Unterwallis.

Kämpfe von 1798 und 1799

Teile des Oberwallis widersetzten sich der helvetischen Ordnung und der französischen Herrschaft.

1798 und 1799 kam es zu schweren Kämpfen zwischen französisch-helvetischen Truppen und Aufständischen.

Dörfer wurden geplündert oder zerstört, die Bevölkerung litt unter Einquartierungen, Requisitionen und Kriegsabgaben.

Im Zweiten Koalitionskrieg war das Wallis ein wichtiger militärischer Durchgangsraum.

Rhodanische Republik

Napoleon Bonaparte löste das Wallis 1802 aus der Helvetischen Republik.

Es entstand die formal unabhängige Rhodanische Republik, französisch République rhodanienne.

Der neue Staat stand unter starkem französischem Einfluss.

Frankreich wollte insbesondere die Kontrolle über die Simplonstrasse sichern, die als strategische Verbindung nach Norditalien ausgebaut wurde.

Département du Simplon

1810 annektierte Frankreich die Rhodanische Republik.

Das Wallis wurde als Département du Simplon Bestandteil des Französischen Kaiserreichs.

Hauptort war Sitten.

Die französische Verwaltung führte neue Behörden, Gesetze und Verwaltungsstrukturen ein.

Walliser Männer wurden zum französischen Militärdienst eingezogen.

Nach den Niederlagen Napoleons brach die französische Herrschaft Ende 1813 zusammen.

Beitritt zur Eidgenossenschaft

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde über die zukünftige Stellung des Wallis verhandelt.

Am 4. August 1815 trat der Kanton gemeinsam mit Genf und Neuenburg der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei.[2]

Die neue Kantonsverfassung stellte ein politisches Gleichgewicht zwischen Ober-, Mittel- und Unterwallis her.

Das Wallis erhielt zwei Sitze in der eidgenössischen Tagsatzung und später im Ständerat.

Konflikte zwischen Ober- und Unterwallis

Die politische Ordnung nach 1815 bevorzugte teilweise die kleineren Oberwalliser Bezirke gegenüber den bevölkerungsreicheren Regionen des Unterwallis.

Liberale Kräfte verlangten eine Vertretung nach Bevölkerungszahl und weitergehende demokratische Rechte.

1839 kam es zu einer vorübergehenden Spaltung in ein liberales Unterwallis und ein konservatives Oberwallis.

1840 wurde der Kanton unter einer neuen Verfassung wiedervereinigt.

Junge und Alte Schweiz

In den 1840er-Jahren verschärften sich die Konflikte zwischen liberal-radikalen und katholisch-konservativen Kräften.

Die liberale Bewegung wurde als Junge Schweiz, die konservative als Alte Schweiz bezeichnet.

1844 besiegten konservative Truppen die Junge Schweiz beim Trient nahe Martinach.

Die konservative Regierung gewann danach die Kontrolle über den Kanton.

Sonderbund

Das Wallis trat 1845 dem katholisch-konservativen Sonderbund bei.

Das Bündnis umfasste ausserdem Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Zug und Freiburg.

Im Sonderbundskrieg von 1847 rückten eidgenössische Truppen in den Kanton ein.

Nach der Kapitulation wurde eine liberalere politische Ordnung eingeführt.

Bundesstaat von 1848

Das Wallis wurde 1848 Teil des neuen schweizerischen Bundesstaates.

Die Kantonsverfassung von 1848 stärkte die demokratischen Rechte und die politische Gleichstellung der Regionen.

Trotzdem blieb die katholisch-konservative Politik während langer Zeit besonders einflussreich.

Eisenbahn und Industrialisierung

Die Eisenbahn erreichte das Unterwallis in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Strecke wurde schrittweise von Genfersee und Martinach über Sitten und Siders nach Brig verlängert.

Die Eröffnung des Simplontunnels 1906 schuf eine internationale Bahnverbindung nach Italien.

1913 wurde der Lötschbergtunnel eröffnet. Er verband das Wallis über das Kandertal direkt mit Bern.

Die Eisenbahn förderte:

  • Tourismus;
  • Industrie;
  • Handel;
  • Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte;
  • Bevölkerungswachstum in den Talzentren.

Industriebetriebe entstanden besonders in Monthey, Martinach, Siders, Visp und Steg.

Rhonekorrektionen

Überschwemmungen der Rhone bedrohten während Jahrhunderten Dörfer und Landwirtschaftsflächen.

Die erste Rhonekorrektion begann im 19. Jahrhundert. Der Fluss wurde eingedämmt und begradigt.

Eine zweite grosse Ausbauphase folgte im 20. Jahrhundert.

Die Korrektionen ermöglichten die intensive Besiedlung und Nutzung der Rhoneebene.

Gleichzeitig wurde der natürliche Flussraum stark eingeschränkt.

Wasserkraftausbau

Im 20. Jahrhundert wurden zahlreiche Stauseen, Kraftwerke, Druckleitungen und Hochspannungsanlagen errichtet.

Der Ausbau veränderte ganze Hochtäler und schuf bedeutende Einnahmen und Arbeitsplätze.

Zu den grossen Anlagen gehören:

  • Grande Dixence;
  • Mauvoisin;
  • Emosson;
  • Mattmark;
  • Moiry;
  • Nant de Drance.

Die Wasserkraft machte das Wallis zu einem der wichtigsten Energieproduzenten der Schweiz.

Mattmark-Katastrophe

Am 30. August 1965 brachen am Allalingletscher grosse Eismassen ab.

Die Eis- und Gerölllawine verschüttete die Baustelle des Mattmark-Staudamms.

88 Menschen kamen ums Leben, ein grosser Teil davon italienische Bauarbeiter.

Die Katastrophe löste Diskussionen über Arbeitssicherheit, Verantwortung und die Situation ausländischer Arbeitskräfte aus.

Tourismusentwicklung

Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich das Wallis zu einer bedeutenden Tourismusregion.

Frühe Zentren waren:

  • Zermatt;
  • Saas-Fee;
  • Leukerbad;
  • Champéry;
  • Zinal;
  • Evolène;
  • Arolla;
  • Verbier.

Bergführer, Hotels, Eisenbahnen und Bergbahnen ermöglichten eine immer intensivere touristische Nutzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden grosse Skigebiete und zahlreiche Ferienwohnungen.

Frauenstimmrecht

Das kantonale Frauenstimm- und -wahlrecht wurde 1970 eingeführt.

Frauen konnten danach an kantonalen und kommunalen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen und öffentliche Ämter übernehmen.

Verfassungsrevision im 21. Jahrhundert

Die geltende Kantonsverfassung stammt in ihrer Grundform vom 8. März 1907 und wurde seither vielfach geändert.[1]

2018 wurde ein Verfassungsrat gewählt, der eine vollständig neue Kantonsverfassung ausarbeitete.

Am 3. März 2024 lehnte die Walliser Bevölkerung sowohl den Hauptentwurf als auch eine Variante ohne kommunale politische Rechte für ausländische Personen ab.[9]

Damit blieb die bisherige Kantonsverfassung in Kraft.

Bergsturz von Blatten

Am 28. Mai 2025 brach ein grosser Teil des Birchgletschers oberhalb von Blatten im Lötschental ab.

Die aus Eis und Fels bestehende Bergsturzmasse verschüttete den grössten Teil des Dorfes Blatten und blockierte die Lonza.[10]

Die Bevölkerung war zuvor vorsorglich evakuiert worden.

Das Ereignis zerstörte Wohnhäuser, Verkehrswege, Leitungen und landwirtschaftliche Infrastruktur. Es führte zu umfangreichen Arbeiten für Sicherheit, provisorische Erschliessung und Wiederaufbau.

Der Bergsturz wurde zu einem besonders eindrücklichen Beispiel für die Naturgefahren, denen alpine Siedlungen ausgesetzt sind.

Politik

Staatsform

Die Kantonsverfassung bezeichnet das Wallis als demokratische Republik und souveränen Stand innerhalb der Schweizerischen Eidgenossenschaft.[1]

Die Staatsgewalt wird durch die Stimmberechtigten und die kantonalen Behörden ausgeübt.

Die wichtigsten kantonalen Organe sind:

  • Volk;
  • Grosser Rat;
  • Staatsrat;
  • Kantonsgericht.

Direkte Demokratie

Die Walliser Stimmberechtigten verfügen über direktdemokratische Rechte.

Dazu gehören:

  • Verfassungsinitiative;
  • Gesetzesinitiative;
  • obligatorisches Referendum;
  • fakultatives Referendum;
  • Finanzreferendum;
  • Volksabstimmungen.

Verfassungsänderungen müssen dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden.

Auch Gemeinden verfügen über Initiativen, Referenden, Urversammlungen und kommunale Abstimmungen.

Grosser Rat

Der Grosse Rat ist das Kantonsparlament.

Er besteht aus 130 Abgeordneten, die für vier Jahre nach dem Verhältniswahlverfahren gewählt werden.[5]

Daneben werden Ersatzmitglieder gewählt, die bei Abwesenheit oder Ausscheiden eines ordentlichen Mitglieds eingesetzt werden können.

Die Sitze werden auf Grundlage der schweizerischen Wohnbevölkerung auf die Bezirke und Halb-Bezirke verteilt.

Der Grosse Rat:

  • erlässt Gesetze;
  • genehmigt Budget und Staatsrechnung;
  • bewilligt grössere Ausgaben;
  • kontrolliert Staatsrat und Verwaltung;
  • behandelt parlamentarische Vorstösse;
  • genehmigt interkantonale Vereinbarungen;
  • wählt bestimmte Behörden und Gerichtsmitglieder.

Die Sitzungen finden grundsätzlich im Grossratsgebäude in Sitten statt.

Deutsch und Französisch können im Parlament verwendet werden.

Staatsrat

Der Staatsrat ist die kantonale Regierung.

Er besteht aus fünf Mitgliedern, die vom Volk für vier Jahre gewählt werden.[6]

Die Wahl erfolgt nach dem Mehrheitsverfahren.

Die Verfassung enthält Regeln zur regionalen Vertretung. Nicht mehr als ein Staatsratsmitglied darf aus demselben Bezirk stammen.

Die Staatsratsmitglieder leiten die Departemente der kantonalen Verwaltung.

Der Vorsitz wechselt turnusmässig. Die vorsitzende Person trägt die Bezeichnung Präsidentin beziehungsweise Präsident des Staatsrates.

Gerichte

Das Kantonsgericht in Sitten ist die oberste kantonale Gerichtsbehörde.

Daneben bestehen:

  • Bezirksgerichte;
  • Arbeitsgerichte;
  • Jugendgerichtsbarkeit;
  • Zwangsmassnahmengerichte;
  • Staatsanwaltschaft;
  • Schlichtungsbehörden;
  • Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden.

Gerichtsverfahren werden je nach Region und Zuständigkeit auf Deutsch oder Französisch geführt.

Vertretung im Bund

Das Wallis besitzt zwei Sitze im Ständerat.

Die Zahl seiner Sitze im Nationalrat richtet sich nach der Bevölkerungszahl.

Bei eidgenössischen Verfassungsabstimmungen verfügt der Kanton über eine volle Standesstimme.

Wirtschaft

Die Walliser Wirtschaft verbindet Tourismus, Industrie, Energie, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Dienstleistungen.

2023 bestanden im Kanton rund 198'758 Arbeitsplätze. Davon entfielen:

  • 10'572 auf den primären Sektor;
  • 42'894 auf den sekundären Sektor;
  • 145'292 auf den tertiären Sektor.[4]

Die wirtschaftliche Struktur unterscheidet sich regional.

Das Oberwallis besitzt bedeutende Industrie-, Energie- und Tourismusstandorte. Mittelwallis und Unterwallis sind stärker durch Verwaltung, Dienstleistungen, Landwirtschaft, Industrie und Gesundheitswesen geprägt.

Tourismus

Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen.

International bekannte Ferienorte sind:

  • Zermatt;
  • Saas-Fee;
  • Verbier;
  • Crans-Montana;
  • Leukerbad;
  • Grächen;
  • Bettmeralp;
  • Riederalp;
  • Fiesch;
  • Champéry;
  • Nendaz;
  • Veysonnaz;
  • Zinal;
  • Grimentz;
  • Ovronnaz;
  • Arolla;
  • Evolène.

Im Winter stehen Skifahren, Snowboarden, Langlauf und Schneesport im Mittelpunkt.

Im Sommer sind Wandern, Bergsteigen, Klettern, Mountainbike und Naturtourismus bedeutend.

Der Klimawandel, kürzere Schneeperioden und veränderte Reisegewohnheiten fördern die Entwicklung eines ganzjährigen Tourismus.

Industrie

Bedeutende Industriestandorte befinden sich in:

  • Visp;
  • Monthey;
  • Siders;
  • Steg;
  • Martinach;
  • Collombey-Muraz;
  • Brig;
  • Sitten.

Wichtige Branchen sind:

  • Chemie;
  • Pharma;
  • Aluminiumverarbeitung;
  • Metallindustrie;
  • Maschinenbau;
  • Präzisionstechnik;
  • Lebensmittelproduktion;
  • Baustoffe;
  • Energie.

Der Chemiestandort Visp gehört zu den grössten industriellen Produktionsstandorten der Schweiz.

Monthey besitzt einen bedeutenden Chemie- und Industriestandort.

Siders war lange stark durch die Aluminiumindustrie geprägt.

Wasserkraft

Das Wallis ist der wichtigste Wasserkraftkanton der Schweiz.

Es produziert jährlich mehr als zehn Milliarden Kilowattstunden Wasserkraftstrom. Dies entspricht ungefähr 28 Prozent der schweizerischen Wasserkraftproduktion.[11]

Bedeutende Anlagen sind:

  • Grande Dixence;
  • Cleuson-Dixence;
  • Mauvoisin;
  • Emosson;
  • Mattmark;
  • Moiry;
  • Nant de Drance;
  • Kraftwerke an Rhone und Nebenflüssen.

Viele Konzessionen laufen im 21. Jahrhundert aus. Beim sogenannten Heimfall gehen Anlagen oder Rechte teilweise an Gemeinden und Kanton zurück.

Die zukünftige Eigentums- und Nutzungsstruktur der Wasserkraft gehört zu den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Fragen des Kantons.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft nutzt die Rhoneebene, die sonnigen Talhänge und zahlreiche Alpen.

Wichtige Bereiche sind:

  • Weinbau;
  • Obstbau;
  • Gemüsebau;
  • Viehzucht;
  • Milchwirtschaft;
  • Alpwirtschaft;
  • Kräuter- und Spezialkulturen.

In den Bergregionen tragen landwirtschaftliche Betriebe zur Pflege von Alpweiden, Trockenwiesen und traditionellen Kulturlandschaften bei.

Weinbau

Das Wallis ist der grösste Weinbaukanton der Schweiz.

Die Rebfläche umfasst rund 4'564 Hektaren.[12]

Die Rebberge erstrecken sich hauptsächlich an den sonnigen Nordhängen des Rhonetals zwischen Visp und Martinach.

Wichtige Rebsorten sind:

  • Pinot noir;
  • Chasselas beziehungsweise Fendant;
  • Gamay;
  • Petite Arvine;
  • Cornalin;
  • Humagne rouge;
  • Humagne blanche;
  • Amigne;
  • Heida beziehungsweise Païen;
  • Syrah;
  • Johannisberg.

Trockenmauern, Terrassen und Suonen prägen die Weinbaulandschaft.

Obst- und Gemüsebau

Die Rhoneebene besitzt günstige Bedingungen für Obst und Gemüse.

Bedeutende Kulturen sind:

  • Aprikosen;
  • Äpfel;
  • Birnen;
  • Erdbeeren;
  • Spargel;
  • Tomaten;
  • Kräuter;
  • Lagergemüse.

Das Wallis ist die grösste Schweizer Anbauregion für Tafelobst und umfasst ungefähr ein Drittel der schweizerischen Obstkulturen.[13]

Walliser Aprikosen gehören zu den bekanntesten landwirtschaftlichen Produkten des Kantons.

Verkehr

Das Wallis liegt an bedeutenden Verkehrswegen zwischen der Westschweiz, dem Berner Oberland und Norditalien.

Eisenbahn

Die Hauptbahnlinie verläuft durch das Rhonetal von Saint-Gingolph beziehungsweise Lausanne über:

  • Monthey;
  • Saint-Maurice;
  • Martinach;
  • Sitten;
  • Siders;
  • Leuk;
  • Visp;
  • Brig.

Von Brig führen internationale und nationale Verbindungen durch den Simplontunnel nach Italien und über den Lötschberg nach Bern.

Der Lötschberg-Basistunnel verbindet das Rhonetal mit dem Berner Oberland.

Weitere Bahnen sind:

  • Matterhorn-Gotthard-Bahn;
  • Gornergratbahn;
  • Brig–Visp–Zermatt-Bahn;
  • Furka-Oberalp-Strecke;
  • Mont-Blanc-Express;
  • Saint-Bernard Express;
  • Aigle–Ollon–Monthey–Champéry-Bahn.

Visp entwickelte sich nach der Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels zu einem bedeutenden Umsteigeknoten.

Strassen

Die Autobahn A9 bildet die wichtigste Strassenachse.

Sie führt vom Genferseeraum durch das Rhonetal in Richtung Brig.

Der östliche Abschnitt im Oberwallis ist teilweise noch im Bau beziehungsweise in verschiedenen Projektphasen.

Bedeutende Alpenstrassen führen über:

  • Simplonpass;
  • Grossen St. Bernhard;
  • Furkapass;
  • Grimselpass;
  • Nufenenpass;
  • Forclazpass.

Der Grosse-St.-Bernhard-Strassentunnel ermöglicht eine wintersichere Verbindung nach Italien.

Bergbahnen

Das Wallis besitzt ein sehr dichtes Netz von Seilbahnen, Zahnradbahnen, Standseilbahnen und Skiliften.

Bedeutende Anlagen sind:

  • Gornergratbahn;
  • Matterhorn-Gletscherbahn;
  • Seilbahnen Zermatt–Klein Matterhorn;
  • Metro Alpin in Saas-Fee;
  • Luftseilbahnen im Aletschgebiet;
  • Bergbahnen Verbier;
  • Bergbahnen Crans-Montana;
  • Anlagen der Portes du Soleil;
  • Bergbahnen Leukerbad;
  • Anlagen im Val d’Anniviers.

Mehrere Seilbahnen dienen nicht nur dem Tourismus, sondern auch der Erschliessung abgelegener Bergsiedlungen.

Luftverkehr

Der Flughafen Sitten wird für:

  • Geschäftsflüge;
  • Privatluftfahrt;
  • Rettungsflüge;
  • militärische Flüge;
  • zeitweise Charterverkehr

genutzt.

In Raron besteht ein Flugplatz, der unter anderem für die allgemeine Luftfahrt und den Segelflug genutzt wird.

Bildung und Forschung

Das Walliser Bildungssystem umfasst deutsch- und französischsprachige Angebote.

Die Gemeinden sind wesentlich an Kindergarten und Volksschule beteiligt. Der Kanton führt Mittelschulen, Berufsbildung und verschiedene höhere Schulen.

Mittelschulen

Bedeutende Mittelschulstandorte befinden sich in:

  • Brig;
  • Sitten;
  • Siders;
  • Martinach;
  • Saint-Maurice.

Das Kollegium Spiritus Sanctus in Brig besitzt eine lange Bildungstradition.

Die Abtei Saint-Maurice unterhält ebenfalls eine traditionsreiche Mittelschule.

Berufsbildung

Die duale Berufsbildung verbindet die praktische Ausbildung in einem Unternehmen mit dem Unterricht an einer Berufsfachschule.

Ausbildungszentren befinden sich unter anderem in:

  • Brig;
  • Visp;
  • Sitten;
  • Siders;
  • Martinach;
  • Monthey.

Wichtige Ausbildungsbereiche sind:

  • Industrie;
  • Tourismus;
  • Bau;
  • Gesundheit;
  • Landwirtschaft;
  • Handel;
  • Technik;
  • Hotellerie und Gastronomie.

HES-SO Valais-Wallis

Die HES-SO Valais-Wallis ist Teil der Fachhochschule Westschweiz.

Sie bietet Studiengänge in Bereichen wie:

  • Wirtschaft;
  • Tourismus;
  • Informatik;
  • Ingenieurwissenschaften;
  • Gesundheit;
  • Soziale Arbeit;
  • Physiotherapie;
  • Life Sciences.

Standorte befinden sich unter anderem in Siders, Sitten, Visp und Leukerbad.

Der Unterricht wird je nach Studiengang auf Französisch, Deutsch oder zweisprachig angeboten.

Universität und Forschung

Das Wallis besitzt keine eigenständige Volluniversität.

In Sitten bestehen jedoch Standorte und Forschungsgruppen der EPFL.

Der Campus Energypolis verbindet:

  • EPFL;
  • HES-SO Valais-Wallis;
  • Forschungsinstitute;
  • Unternehmen;
  • Start-ups.

Bedeutende Forschungsgebiete sind:

  • Energie;
  • Umwelt;
  • künstliche Intelligenz;
  • Informatik;
  • Gesundheit;
  • alpine Risiken;
  • Tourismus;
  • Biotechnologie.

Kultur

Die Walliser Kultur wird durch Zweisprachigkeit, katholische Tradition, alpine Lebensformen und starke lokale Identitäten geprägt.

Architektur

Traditionelle Gebäude unterscheiden sich nach Region und Höhenlage.

Typische Bauformen sind:

  • Holzhäuser aus Lärchenholz;
  • steinerne Sockel;
  • Speicher und Stadel auf Steinplatten;
  • dicht gebaute Bergdörfer;
  • Rebberghäuser;
  • patrizische Steinbauten;
  • Burgen und Wohntürme.

Im Oberwallis sind dunkle, sonnengebräunte Holzhäuser besonders verbreitet.

Im Unterwallis zeigen sich stärkere romanische, savoyische und französische Einflüsse.

Burgen und Schlösser

Zu den bedeutenden Burgen und historischen Anlagen gehören:

  • Schloss Tourbillon;
  • Valeria;
  • Stockalperschloss in Brig;
  • Schloss Leuk;
  • Schloss Saint-Maurice;
  • Schloss La Bâtiaz in Martinach;
  • Schloss Aigle im angrenzenden Waadtland;
  • zahlreiche mittelalterliche Türme.

Valeria und Tourbillon prägen das Stadtbild von Sitten.

Das Stockalperschloss wurde im 17. Jahrhundert durch Kaspar Stockalper errichtet und gehört zu den bedeutendsten profanen Barockbauten der Schweiz.

Museen

Bedeutende Museen sind:

  • Geschichtsmuseum Wallis;
  • Kunstmuseum Wallis;
  • Naturmuseum Wallis;
  • Kantonsmuseen auf Valeria;
  • Fondation Pierre Gianadda in Martinach;
  • World Nature Forum in Naters;
  • Matterhorn Museum in Zermatt;
  • Lötschentaler Museum;
  • Stockalperschloss;
  • Museum für Rebe und Wein;
  • Suonenmuseum.

Die Fondation Pierre Gianadda zeigt Kunstausstellungen, archäologische Funde und eine Sammlung historischer Fahrzeuge.

Musik und Theater

Blasmusik besitzt in vielen Gemeinden eine aussergewöhnlich starke Tradition.

Zahlreiche Dörfer unterhalten eigene Musikgesellschaften, Chöre und Theatervereine.

Weitere kulturelle Bereiche sind:

  • Jodel und Volksmusik;
  • Chorgesang;
  • klassische Musik;
  • französischsprachiges Theater;
  • Dialekttheater;
  • Filmfestivals;
  • zeitgenössische Kunst.

Das Openair Gampel gehört zu den grössten Musikfestivals der Schweiz.

Brauchtum

Tschäggättä

Die Tschäggättä sind traditionelle Fasnachtsfiguren des Lötschentals.

Sie tragen:

  • grosse geschnitzte Holzmasken;
  • Tierfelle;
  • Kuhglocken;
  • grobe Handschuhe.

Während der Fasnachtszeit ziehen sie durch die Dörfer und erschrecken Passantinnen und Passanten.

Die genaue Herkunft des Brauchs ist nicht vollständig geklärt. Die heutige Form entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert weiter.

Fasnacht

Fasnacht wird in zahlreichen Gemeinden gefeiert.

Bekannte Traditionen bestehen unter anderem in:

  • Lötschental;
  • Monthey;
  • Sitten;
  • Martinach;
  • Evolène;
  • Oberwalliser Dörfern.

In Evolène treten traditionelle Figuren mit geschnitzten Masken, Fellen und besonderen Kostümen auf.

Ringkuhkämpfe

Die Walliser Eringerkühe besitzen ein ausgeprägtes Rangordnungsverhalten.

Bei Ringkuhkämpfen bestimmen die Tiere durch natürliche Zweikämpfe ihre Rangordnung.

Die Siegerin wird als Königin bezeichnet.

Die Kämpfe sind mit Viehzucht, Landwirtschaft und regionaler Identität verbunden. Das kantonale Finale findet gewöhnlich im Raum Aproz statt.

Fronleichnam

Fronleichnamsprozessionen werden in vielen katholischen Gemeinden feierlich begangen.

Im Oberwallis nehmen teilweise historische Uniformen, Garden, Musikgesellschaften und kirchliche Bruderschaften teil.

Alpaufzüge und Alpabzüge

Im Frühling wird das Vieh auf die Alpen gebracht, im Herbst kehrt es ins Tal zurück.

Die Tiere werden teilweise mit Blumen, Glocken und bestickten Stirnschildern geschmückt.

Alpabzüge sind besonders in Tourismusorten zu öffentlichen Veranstaltungen geworden.

UNESCO-Welterbe und Schutzgebiete

Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch

Das Gebiet Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Es erstreckt sich über Teile der Kantone Wallis und Bern.

Zum Walliser Teil gehören:

  • Aletschgletscher;
  • Fieschergletscher;
  • Aletschwald;
  • Gebiete um Riederalp, Bettmeralp und Fiesch;
  • Hochgebirgslandschaften des Bietschhorns.

Das Gebiet dokumentiert alpine Gebirgsbildung, Gletscherprozesse und die Auswirkungen des Klimawandels.

Tektonikarena Sardona

Ein kleiner Teil des UNESCO-Welterbes Tektonikarena Sardona berührt den nordöstlichen Alpenraum in der weiteren Nachbarschaft des Kantons. Das eigentliche Kerngebiet liegt in den Kantonen Glarus, Graubünden und St. Gallen.

Naturparks

Der Landschaftspark Binntal ist ein regionaler Naturpark im Oberwallis.

Er umfasst:

  • Binntal;
  • Ernen;
  • Grengiols;
  • Bister;
  • Blitzingen und Niederwald als Teile der heutigen Gemeinde Goms.

Das Binntal ist besonders für seine Mineralien, traditionelle Dörfer und vielfältige Kulturlandschaft bekannt.

Der Naturpark Pfyn-Finges erstreckt sich zwischen Leuk und Siders.

Er umfasst:

  • Pfynwald;
  • Rhonelandschaft;
  • Rebberge;
  • Steppenrasen;
  • traditionelle Dörfer;
  • Sprachgrenzgebiet.

Naturgefahren

Das Wallis ist besonders stark von alpinen Naturgefahren betroffen.

Dazu gehören:

  • Lawinen;
  • Hochwasser;
  • Murgänge;
  • Felsstürze;
  • Bergstürze;
  • Rutschungen;
  • Gletscherabbrüche;
  • Erdbeben;
  • Waldbrände.

Siedlungen, Verkehrswege und Energieanlagen liegen häufig auf engem Raum zwischen steilen Berghängen und Flüssen.

Der Klimawandel verändert Permafrost, Gletscher und Niederschlagsmuster und kann bestehende Gefahren verstärken.

Lawinen

Lawinen bedrohen zahlreiche Bergdörfer, Verkehrswege und Tourismusgebiete.

Schutzmassnahmen sind:

  • Lawinenverbauungen;
  • Schutzwälder;
  • Galerien;
  • Sprenganlagen;
  • Warnsysteme;
  • Evakuierungspläne.

Historische Lawinenkatastrophen führten zur Entwicklung moderner Lawinenforschung und Gefahrenkartierung.

Erdbeben

Das Wallis gehört zu den erdbebengefährdetsten Regionen der Schweiz.

Starke historische Erdbeben ereigneten sich unter anderem 1946 im Raum Siders.

Bauvorschriften und Katastrophenplanung berücksichtigen das seismische Risiko.

Dritte Rhonekorrektion

Die dritte Rhonekorrektion ist das grösste Hochwasserschutzprojekt der Schweiz.

Das Projekt umfasst rund 162 Kilometer Flusslauf von Gletsch bis zum Genfersee.[14]

Es soll:

  • Bevölkerung und Siedlungen schützen;
  • Industrie- und Landwirtschaftsflächen sichern;
  • den Flussraum verbreitern;
  • ökologische Lebensräume verbessern;
  • Erholungsräume schaffen.

Mehr als 100'000 Menschen leben in den potenziell gefährdeten Gebieten der Rhoneebene.[14]

Sport

Die Alpenlandschaft macht das Wallis zu einem bedeutenden Sportkanton.

Verbreitete Sportarten sind:

  • Skifahren;
  • Snowboarden;
  • Bergsteigen;
  • Wandern;
  • Klettern;
  • Eishockey;
  • Fussball;
  • Mountainbike;
  • Trailrunning;
  • Gleitschirmfliegen;
  • Golf;
  • Langlauf.

Zermatt, Saas-Fee, Verbier, Crans-Montana und weitere Orte richten internationale Wettkämpfe aus.

Bekannte Sportveranstaltungen sind:

  • Skiweltcuprennen in Crans-Montana;
  • Patrouille des Glaciers;
  • Grand Raid;
  • Sierre-Zinal;
  • Trail Verbier Saint-Bernard;
  • Weltcup- und Freeride-Veranstaltungen.

Die Patrouille des Glaciers ist ein militärisch organisierter Skialpinismus-Wettkampf zwischen Zermatt, Arolla und Verbier.

Der Berglauf Sierre-Zinal gehört zu den bekanntesten internationalen Bergläufen.

Im Eishockey besitzt der Kanton mehrere traditionsreiche Vereine, darunter der EHC Visp und der HC Siders.

Küche und regionale Produkte

Die Walliser Küche verbindet alpine Landwirtschaft, Weinbau und Einflüsse der französisch- und deutschsprachigen Regionen.

Bekannte Produkte und Gerichte sind:

  • Raclette;
  • Walliser Trockenfleisch;
  • Walliser Rohschinken;
  • Walliser Trockenspeck;
  • Cholera;
  • Walliser Roggenbrot;
  • Safran aus Mund;
  • Aprikosen;
  • Eringer Rindfleisch;
  • Alpkäse;
  • Wein.

Raclette

Raclette gilt als eines der bekanntesten Walliser Gerichte.

Ein halber Käselaib wird erhitzt, und die geschmolzene Oberfläche wird auf einen Teller gestrichen.

Traditionelle Beilagen sind:

  • Kartoffeln;
  • Essiggurken;
  • Silberzwiebeln;
  • Pfeffer;
  • Weisswein.

Der Walliser Raclettekäse ist als geschützte Ursprungsbezeichnung eingetragen.

Walliser Trockenfleisch

Walliser Trockenfleisch wird aus Rindfleisch hergestellt, gewürzt und an der trockenen Bergluft gereift.

Es besitzt eine geschützte geografische Angabe.

Cholera

Die Cholera ist eine gedeckte Gemüsepastete aus dem Goms.

Typische Zutaten sind:

  • Kartoffeln;
  • Lauch;
  • Äpfel;
  • Käse;
  • Zwiebeln.

Die Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. Häufig wird er mit der Choleraepidemie des 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht.

Walliser Roggenbrot

Walliser Roggenbrot wird hauptsächlich aus Roggenmehl hergestellt.

Der Roggen war an trockene und hoch gelegene Anbaubedingungen besonders gut angepasst.

Das Brot besitzt eine geschützte Ursprungsbezeichnung.

Safran

Im Dorf Mund bei Naters wird Safran angebaut.

Der Munder Safran gehört zu den bekanntesten landwirtschaftlichen Spezialitäten des Oberwallis.

Bedeutung innerhalb der Schweiz

Das Wallis besitzt innerhalb der Schweiz eine besondere geografische, kulturelle und wirtschaftliche Stellung.

Der Kanton verbindet:

  • deutsche und französische Sprache;
  • Zentralalpen und Genferseeregion;
  • Landwirtschaft und Hochindustrie;
  • traditionelle Bergdörfer und internationale Tourismusorte;
  • historische Passwege und moderne Basistunnel;
  • Naturgefahren und bedeutende Energieproduktion.

Mit der Dufourspitze, dem Matterhorn und dem Aletschgletscher befinden sich einige der bekanntesten Landschaftssymbole der Schweiz im Wallis.

Die Wasserkraft des Kantons ist für die schweizerische Energieversorgung von nationaler Bedeutung.

Die politische Geschichte zeigt den Übergang vom bischöflichen Territorium über die Republik der sieben Zenden und die französische Herrschaft zum zweisprachigen Kanton des schweizerischen Bundesstaates.

Siehe auch

Literatur

  • Historisches Lexikon der Schweiz: Wallis.
  • Louis Carlen: Geschichte des Wallis. Brig.
  • Arthur Fibicher: Walliser Geschichte. Sitten.
  • Pierre Dubuis: Une économie alpine à la fin du Moyen Âge. Sitten.
  • Alain Dubois: Die Salzversorgung des Wallis 1500–1610. Winterthur.
  • Société d’histoire du Valais romand: Annales valaisannes.
  • Geschichtsforschender Verein Oberwallis: Blätter aus der Walliser Geschichte.
  • Staatsarchiv Wallis: Publikationen zur Kantonsgeschichte.
  • Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte: Die Kunstdenkmäler des Kantons Wallis.
  • Dienststelle für Statistik und Finanzausgleich: Das Wallis in Zahlen.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Kanton Wallis

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Verfassung des Kantons Wallis, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Wallis, Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 4. April 2022, abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Statistisches Informationsbulletin Bevölkerung, Dienststelle für Statistik und Finanzausgleich des Kantons Wallis, August 2025, abgerufen am 21. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Schlüsselzahlen – Jahresbericht 2025, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Der Grosse Rat, Parlament des Kantons Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 Staatsrat, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Das Wallis in Zahlen 2024, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  8. Bezirke des Kantons Wallis, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  9. Ergebnis der kantonalen Abstimmung vom 3. März 2024, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  10. Blatten – Lagebericht vom 29. Mai 2025, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  11. Erneuerbare Energien – Wasserkraft, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  12. Der Walliser Weinberg, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  13. Strategie Obst- und Gemüsebau bis 2030, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.
  14. 14,0 14,1 Die dritte Rhonekorrektion, Kanton Wallis, abgerufen am 21. Juli 2026.