Freilichtmuseum Ballenberg

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Freilichtmuseum Ballenberg
Offizieller Name Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz
Museumstyp Freilichtmuseum, Volkskunde- und Landwirtschaftsmuseum
Ort Hofstetten bei Brienz und Brienzwiler
Region Berner Oberland
Kanton Bern
Gründung der Stiftung 1968
Eröffnung 1978
Trägerschaft Stiftung Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg ob Brienz
Fläche 66 Hektaren
Historische Gebäude rund 110
Objektsammlung mehr als 45'000 Gegenstände
Bauernhoftiere während der Saison über 200
Website ballenberg.ch

Das Freilichtmuseum Ballenberg, offiziell Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz, ist ein Freilicht-, Volkskunde- und Landwirtschaftsmuseum im Berner Oberland. Das weitläufige Museumsgelände liegt oberhalb von Brienz zwischen den Gemeinden Hofstetten bei Brienz und Brienzwiler. Es zeigt historische Wohnhäuser, Bauernhöfe, Ställe, Speicher, Werkstätten und weitere ländliche Bauten aus fast allen Regionen der Schweiz.

Auf einer Fläche von 66 Hektaren befinden sich rund 110 translozierte historische Gebäude. Sie sind mit Möbeln, Geräten, Werkzeugen und Alltagsgegenständen aus der ländlich-gewerblichen Kultur eingerichtet. Die dazugehörige Objektsammlung umfasst mehr als 45'000 Gegenstände.[1]

Das Museum vermittelt nicht nur historische Architektur. Traditionelle Handwerke, Bauerngärten, landwirtschaftliche Kulturen und über 200 Bauernhoftiere machen das Gelände zu einer lebendigen Darstellung früherer Lebens- und Arbeitswelten. Der Ballenberg bezeichnet sich als einziges Freilichtmuseum der Schweiz und gehört flächenmässig zu den grössten Museen des Landes.[2]

Lage und Gelände

Das Museum liegt auf dem Ballenberg, einer bewaldeten und teilweise landwirtschaftlich genutzten Anhöhe im oberen Aaretal. Das Gelände erstreckt sich zwischen Hofstetten bei Brienz im Westen und Brienzwiler im Osten. In der Umgebung befinden sich der Brienzersee, der Brünigpass, das Brienzer Rothorn und das Haslital.

Die hügelige Landschaft mit Wäldern, Wiesen, Feldern, Gärten und Felsformationen bildet den landschaftlichen Rahmen für die historischen Gebäude. Das Gelände wurde nicht als dicht geschlossenes Dorf angelegt. Die Häuser stehen vielmehr in regional gegliederten Gruppen, welche typische Siedlungs- und Landschaftsformen verschiedener Teile der Schweiz darstellen sollen.

Das Museum besitzt zwei Haupteingänge:

  • Eingang West bei Hofstetten bei Brienz
  • Eingang Ost bei Brienzwiler

Zwischen den beiden Eingängen liegt ein mehrere Kilometer langes Netz aus Fusswegen. Aufgrund der Grösse des Geländes ist ein vollständiger Besuch an einem einzigen Tag nur eingeschränkt möglich. Innerhalb des Museums verkehren zeitweise Pferdekutschen und eine Besucherbahn.[3]

Geschichte

Erste Ideen für ein Schweizer Freilichtmuseum

Die Idee, historische Gebäude in einem Freilichtmuseum zu bewahren, entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert in Skandinavien. Als wegweisendes Vorbild gilt das 1891 eröffnete Museum Skansen in Stockholm.

Auch in der Schweiz wurden früh Überlegungen angestellt, charakteristische ländliche Gebäude an einem gemeinsamen Ort zu erhalten. Diskutiert wurden unter anderem ein mittelalterlich geprägtes Schweizer Städtchen beim Bernischen Historischen Museum und eine Erweiterung des Schweizerischen Landesmuseums um ländliche Bauten. Diese Pläne wurden jedoch nicht verwirklicht.

In der Nachkriegszeit verschwanden infolge der Modernisierung der Landwirtschaft, des Bevölkerungswachstums und der Umgestaltung der Dörfer zahlreiche historische Bauern- und Gewerbebauten. Dadurch gewann die Idee eines nationalen Freilichtmuseums an Dringlichkeit.

Expertenkommission und Standortwahl

1963 setzte der Bundesrat eine Expertenkommission ein, welche die Errichtung eines nationalen Freilichtmuseums untersuchen sollte. Mehrere mögliche Standorte wurden geprüft.

Das Gelände auf dem Ballenberg überzeugte durch seine zentrale Lage, seine Grösse, die abwechslungsreiche Landschaft und die Möglichkeit, unterschiedliche Schweizer Haus- und Siedlungslandschaften nachzubilden. Die Nähe zum Brünigpass und zu den touristischen Zentren des Berner Oberlands spielte ebenfalls eine Rolle.[4]

1968 wurde die Stiftung Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg ob Brienz gegründet. Sie übernahm die Vorbereitung, Finanzierung und wissenschaftliche Konzeption des Museums.

Eröffnung 1978

Das Freilichtmuseum wurde 1978 eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt waren 16 Museumsobjekte zugänglich. Die Eröffnung wurde mit Delegationen, Musikgesellschaften und Gästen aus verschiedenen Landesteilen gefeiert.

Der Bestand wuchs in den folgenden Jahren rasch. 1980 waren bereits 25 und 1985 insgesamt 61 Gebäude auf dem Gelände aufgestellt. Die Auswahl der Bauten beruhte wesentlich auf den Forschungen der Aktion Bauernhausforschung in der Schweiz. Diese dokumentierte regionale Haus-, Hof- und Siedlungstypen und schuf damit eine wissenschaftliche Grundlage für die Sammlungspolitik.[4]

Das Museum sollte keine Sammlung besonders prächtiger Einzelbauten werden. Es sollte vielmehr die Vielfalt der ländlichen Architektur sowie die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der Schweiz zeigen.

Ausbau des Museums

In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Wohnhäuser, Ställe, Speicher, Werkstätten und Gewerbebauten auf den Ballenberg übertragen. Gleichzeitig erweiterte das Museum seine Vermittlungsangebote.

1992 wurde der Verein Landschaftstheater Ballenberg gegründet. Seitdem werden auf dem Museumsgelände regelmässig Theaterstücke unter freiem Himmel aufgeführt.

1996 nahm das Kurszentrum Ballenberg seinen Betrieb auf. Im selben Jahr wurden Bauernhoftiere zu einem festen Bestandteil des Museumsbetriebs. 1997 wurde das Wohnhaus aus Schwyz von 1336 eingeweiht, das als ältestes Gebäude der Museumssammlung gilt.

2003 folgte der Gutshof aus Novazzano im Kanton Tessin. Das aus mehreren Bauphasen vom 13. bis zum 19. Jahrhundert stammende Ensemble umfasst mehr als 50 Räume und gehört zu den grössten Museumsgebäuden.

2017 wurde eine historische Ziegelei aus Péry eröffnet. Im Jahr 2018 feierten das Museum sein 40-jähriges und die Stiftung ihr 50-jähriges Bestehen.[4]

2025 wurde das bisher eigenständiger wahrgenommene Kurszentrum vollständig in das Freilichtmuseum integriert und in Ballenberg-Kurse umbenannt.

Museumskonzept

Das Freilichtmuseum bewahrt materielles und immaterielles Kulturerbe der bäuerlich-gewerblichen Schweiz. Im Mittelpunkt stehen das Wohnen, Arbeiten und Wirtschaften der ländlichen Bevölkerung.

Das Museum verfolgt vier grundlegende Aufgaben:

  • Sammeln
  • Bewahren
  • Erforschen
  • Vermitteln

Gezeigt werden nicht nur Gebäude und Gegenstände. Auch traditionelle Arbeitsabläufe, handwerkliche Kenntnisse, Gartenbau, Tierhaltung, Ernährung, Bräuche und soziale Lebensformen werden dokumentiert und vermittelt.[5]

Die dargestellten Häuser stammen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und sozialen Verhältnissen. Neben wohlhabenden Bauernhäusern sind einfache Wohnbauten, Taglöhnerhäuser, Alphütten, Ställe und gewerbliche Anlagen vertreten.

Translozierung der Gebäude

Die historischen Bauten standen ursprünglich in Dörfern und Landschaften in verschiedenen Teilen der Schweiz. Wenn ein für die Sammlung bedeutendes Gebäude an seinem ursprünglichen Standort nicht erhalten werden kann, prüft das Museum gemeinsam mit der zuständigen Denkmalpflege eine Übernahme.

Vor dem Abbau wird das Gebäude wissenschaftlich untersucht und dokumentiert. Dazu gehören:

  • Vermessung und fotografische Aufnahme
  • Untersuchung der Baugeschichte
  • Dokumentation der verwendeten Materialien
  • Erforschung früherer Bewohnerinnen und Bewohner
  • Untersuchung der wirtschaftlichen Nutzung
  • Kennzeichnung der einzelnen Bauteile

Anschliessend wird das Gebäude vorsichtig zerlegt und zum Ballenberg transportiert. Dort wird es möglichst unter Verwendung der erhaltenen Originalsubstanz wieder aufgebaut. Beschädigte oder fehlende Teile können mit traditionellen Materialien und Techniken ergänzt werden.

Dieser Vorgang wird als Translozierung bezeichnet. Die Versetzung ermöglicht den Erhalt eines Gebäudes, verändert jedoch seinen ursprünglichen räumlichen Zusammenhang. Das Museum dokumentiert deshalb nicht nur den heutigen Standort auf dem Ballenberg, sondern auch den Herkunftsort und die Veränderungen während des Wiederaufbaus.[6]

Regionale Gliederung

Die historischen Bauten sind in zwölf sogenannte Geländekammern gegliedert. Jede Geländekammer repräsentiert eine grössere Haus- oder Kulturlandschaft der Schweiz.

Die Bereiche sind:

  • Jura
  • Zentrales Mittelland
  • Berner Mittelland
  • Westschweiz
  • Östliches Mittelland
  • Zentralschweiz
  • Tessin
  • Ostschweiz
  • Berner Oberland
  • Wallis
  • Graubünden
  • Alpwirtschaft

Innerhalb der Geländekammern stehen regional typische Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Landschaft, Wege, Gärten und landwirtschaftliche Flächen sollen den Charakter der jeweiligen Herkunftsregion unterstützen.[7]

Die Einteilung entspricht nicht vollständig den politischen Kantonsgrenzen. Sie orientiert sich stärker an Architektur, Landschaft, Klima, Wirtschaftsweise und historischen Kulturregionen.

Architektur

Die Gebäudesammlung zeigt die grosse Vielfalt der traditionellen Schweizer Baukultur. Je nach Region, Klima, verfügbaren Baumaterialien und wirtschaftlichen Verhältnissen entwickelten sich unterschiedliche Konstruktionsformen.

Zu den vertretenen Bauweisen gehören:

  • Blockbau
  • Bohlenständerbau
  • Fachwerkbau
  • Steinbau
  • Mischformen aus Holz und Mauerwerk
  • Gebäude mit Schindel-, Stroh-, Steinplatten- oder Ziegeldächern

Im Alpenraum waren Holz und Naturstein besonders wichtig. Im Mittelland verbreiteten sich Fachwerk- und Ständerbauten. Im Tessin, im Wallis und in Graubünden spielten Steinbauten eine stärkere Rolle.

Die Bauten zeigen auch Unterschiede in der Organisation der Bauernhöfe. Bei Vielzweckhäusern befanden sich Wohnräume, Stall und Scheune unter einem gemeinsamen Dach. In anderen Regionen wurden Wohn- und Wirtschaftsgebäude getrennt errichtet.

Neben Bauernhäusern umfasst die Sammlung unter anderem Speicher, Backhäuser, Waschhäuser, Käsereien, Mühlen, Sägen, Schmieden, Kapellen, ein Wirtshaus, eine Ziegelei und weitere Gewerbebauten.

Bedeutende Gebäude

Wohnhaus aus Schwyz

Das Wohnhaus aus Schwyz wurde 1336 errichtet und 1997 auf dem Ballenberg eröffnet. Es gilt als ältestes Gebäude des Museums.

Der Holzbau vermittelt einen Eindruck von den Wohnverhältnissen einer wohlhabenden Familie im spätmittelalterlichen Raum der Zentralschweiz.

Gutshof aus Novazzano

Der Gutshof aus Novazzano im Tessin ist ein umfangreicher Gebäudekomplex mit Bauteilen aus dem 13. bis 19. Jahrhundert. Er umfasst mehr als 50 Räume und wurde 2003 eingeweiht.

Das Ensemble zeigt die langfristige Entwicklung eines südschweizerischen Gutsbetriebs. Zum Komplex gehören Wohn-, Lager- und Wirtschaftsräume sowie eine Gastwirtschaft.

Wohnhaus aus Brienz

Das Wohnhaus aus Brienz wurde 1776 für den Sustmeister Heinrich von Flüe erbaut. Es stand ursprünglich in der Nähe des Brienzer Hafens und verband eine gehobene Wohnfunktion mit der Bedeutung von Brienz als Umschlagplatz für den Warenverkehr.[8]

Bauernhaus aus Therwil

Das Bauernhaus aus Therwil im Kanton Basel-Landschaft wurde 1675 erbaut. Der als «Hüginhaus» bezeichnete Bau konnte nach einer langen Auseinandersetzung vor dem Abbruch bewahrt werden und steht seit 1989 auf dem Ballenberg.[9]

Ziegelei aus Péry

Die historische Ziegelei aus Péry wurde 1763 errichtet und 2017 als Museumsgebäude eröffnet. Sie dokumentiert die handwerkliche Herstellung von Ziegeln und die Bedeutung kleiner ländlicher Gewerbebetriebe.

Innenräume und Objektsammlung

Die Gebäude sind mit historischen Möbeln, Geschirr, Textilien, Werkzeugen, landwirtschaftlichen Geräten und persönlichen Gegenständen eingerichtet. Die Präsentationen beziehen sich jeweils auf bestimmte Zeiträume und Nutzungssituationen.

Die Objektsammlung umfasst mehr als 45'000 Gegenstände aus der Zeit vor der weitgehenden Motorisierung der Landwirtschaft, insbesondere aus der Zeit vor 1950. Gesammelt werden Zeugnisse des bäuerlichen Haushalts, des Handwerks, des Gewerbes und der landwirtschaftlichen Produktion.[1]

Die Einrichtungen stammen nicht immer vollständig aus dem jeweiligen Gebäude. Räume können mit zeitlich, regional und sozial passenden Gegenständen aus anderen Beständen ergänzt worden sein. Ziel ist eine wissenschaftlich begründete Darstellung typischer Wohn- und Arbeitsverhältnisse.

Zu den Aufgaben der wissenschaftlichen Abteilung gehören Inventarisierung, Provenienzforschung, Konservierung, Restaurierung, Dokumentation und digitale Erschliessung.

Traditionelles Handwerk

Ein wichtiges Merkmal des Ballenbergs sind die regelmässigen Handwerksvorführungen. Mehr als 30 historische Handwerke werden in Werkstätten und Gebäuden gezeigt.

Dazu gehören unter anderem:

  • Schmieden
  • Weben
  • Spinnen
  • Flechten
  • Schnitzen
  • Korben
  • Töpfern
  • Hutmachen
  • Schindelmachen
  • Seilern
  • Käsen
  • Backen
  • Mosten
  • Kalkbrennen
  • Ziegelherstellung

Die Vorführungen zeigen nicht nur fertige Produkte, sondern auch Materialien, Werkzeuge und einzelne Arbeitsschritte. Dadurch wird Wissen vermittelt, das durch industrielle Produktion und veränderte Berufsbilder teilweise selten geworden ist.[10]

Einige Produkte werden im Museum verwendet oder in den Ballenberg-Läden verkauft. Bei Mitmachangeboten können Besucherinnen und Besucher ausgewählte Techniken selbst ausprobieren.

Ballenberg-Kurse

Neben dem Museumseingang West befindet sich das Bildungsangebot Ballenberg-Kurse. Es ging aus dem 1996 eröffneten Kurszentrum hervor und ist seit 2025 vollständig in den Museumsbetrieb integriert.

Jährlich werden mehr als 120 Kurse und Workshops angeboten. Das Programm umfasst traditionelle Handwerke, Restaurierungstechniken, Gestaltung, Textilverarbeitung, Holzarbeit, Metallarbeit, Gartenbau und weitere Themen.[10]

Die Kurse richten sich sowohl an interessierte Laien als auch an Fachpersonen. Damit trägt der Ballenberg nicht nur zur Vorführung, sondern auch zur praktischen Weitergabe handwerklichen Wissens bei.

Landwirtschaft und Bauernhoftiere

Während der Museumssaison leben über 200 Bauernhoftiere auf dem Gelände. Dazu gehören:

  • Rinder
  • Pferde
  • Esel
  • Schweine
  • Schafe
  • Ziegen
  • Hühner
  • Gänse
  • Kaninchen
  • Bienen

Die Tiere veranschaulichen die Bedeutung von Nutz- und Arbeitstieren in der früheren Landwirtschaft. Sie liefern zugleich einen lebendigen Eindruck von den Arbeitsabläufen auf einem Bauernhof.[11]

Das Museum zeigt auch seltene und gefährdete Schweizer Nutztierrassen. Dazu zählen unter anderem die Graue Bergziege beziehungsweise Capra Grigia und das Evolèner Rind. Die Haltung solcher Rassen unterstützt die Vermittlung genetischer und kulturgeschichtlicher Vielfalt.

Viele Tiere werden dem Museum für die Sommersaison von Zucht- und Landwirtschaftsbetrieben überlassen und kehren im Herbst zu ihren Besitzerinnen und Besitzern zurück.

Kulturlandschaft und Gärten

Die Landschaft ist ein eigenständiger Teil des Museumskonzepts. Zu den historischen Gebäuden gehören regional angepasste Gärten, Felder, Wiesen, Weiden und Obstbäume.

Die Bauerngärten zeigen Gemüse, Kräuter, Blumen, Färbepflanzen und Heilpflanzen. Angebaut werden auch ältere Sorten, die im modernen Erwerbsanbau selten geworden sind.

Das Museum vermittelt, wie die ländliche Bevölkerung Pflanzen anbaute, Saatgut gewann, Lebensmittel lagerte und Vorräte haltbar machte. Dazu gehören Trocknen, Räuchern, Einmachen, Vergären und Lagern in Kellern oder Speichern.

Die Kulturlandschaft zeigt, dass Bauernhäuser nicht unabhängig von ihrer Umgebung verstanden werden können. Gebäude, Böden, Pflanzen, Tiere und Wirtschaftsweisen bildeten ein zusammenhängendes System.

2018 erhielt der Ballenberg vom Schweizer Heimatschutz den Schulthess Gartenpreis. Ausgezeichnet wurden die Leistungen des Museums für Gartenkultur, Sortenvielfalt und traditionelle Landschaftspflege.[12]

Forschung und Dokumentation

Das Freilichtmuseum betreibt Forschungen zur ländlichen Architektur, Alltagsgeschichte, Landwirtschaft, Wirtschaftsweise und materiellen Kultur der Schweiz.

Eine wichtige Grundlage bildet die Bauernhausforschung. Sie untersucht Bauformen, regionale Unterschiede, Umbauten, Bewohnergeschichten und die wirtschaftliche Nutzung historischer Gebäude.

Für jedes Museumsgebäude werden Baudokumentationen erstellt. Sie beschreiben:

  • den ursprünglichen Standort
  • die Baugeschichte
  • frühere Eigentümer und Bewohner
  • die Nutzung des Hauses
  • spätere Veränderungen
  • den Abbau und Transport
  • den Wiederaufbau auf dem Ballenberg

Das Museum unterhält zudem eine Fachbibliothek, Bildsammlungen, Archive und Dokumentationen. Die Ergebnisse erscheinen in Publikationen, Ausstellungen und digitalen Angeboten.

Bildung und Vermittlung

Der Ballenberg versteht sich als ausserschulischer Lernort. Schulklassen können Programme zu Architektur, Landwirtschaft, Ernährung, Handwerk, Nachhaltigkeit und historischem Alltag besuchen.

Die Vermittlung erfolgt durch:

  • Dauerausstellungen
  • Sonderausstellungen
  • Führungen
  • Handwerksvorführungen
  • Themenwege
  • digitale Angebote
  • Mitmachstationen
  • Workshops
  • Unterrichtsmaterialien

Besucherinnen und Besucher können historische Küchen, Wohnstuben, Schlafkammern, Ställe und Werkstätten betreten. Dadurch wird Geschichte nicht nur über Texte und Vitrinen, sondern räumlich und sinnlich vermittelt.

Die Darstellung soll zugleich deutlich machen, dass das frühere ländliche Leben nicht nur idyllisch war. Armut, harte körperliche Arbeit, beengte Wohnverhältnisse, Krankheiten, soziale Ungleichheit und die Abhängigkeit von Ernten und Witterung gehörten ebenfalls zum Alltag.

Veranstaltungen

Während der Saison finden zahlreiche kulturelle und handwerkliche Veranstaltungen statt. Dazu gehören Märkte, Thementage, Vorführungen, regionale Feste und Veranstaltungen zu landwirtschaftlichen Arbeiten.

Bekannt sind unter anderem:

  • Handwerksmarkt
  • Herbstmarkt
  • Ballenberg-Schwinget
  • Schur- und Wolltage
  • Waschtage
  • Brächete zur Verarbeitung von Flachs
  • Veranstaltungen zur Käse- und Lebensmittelherstellung

Die Veranstaltungen verbinden museale Vermittlung mit lebendiger Volkskultur. Dabei werden Traditionen aus verschiedenen Sprach- und Kulturregionen der Schweiz vorgestellt.

Landschaftstheater Ballenberg

Das Landschaftstheater Ballenberg führt seit den frühen 1990er-Jahren während der Sommermonate Theaterstücke auf dem Museumsgelände auf.

Die Inszenierungen greifen häufig historische, literarische oder regionale Themen auf. Die historischen Gebäude und die Landschaft dienen als natürliche Kulisse.

Das Theater wird von einem eigenständigen Verein getragen und arbeitet mit professionellen Theaterschaffenden sowie zahlreichen Mitwirkenden aus der Region zusammen.

Trägerschaft und Organisation

Trägerin des Museums ist die Stiftung Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg ob Brienz. Oberstes Organ ist der Stiftungsrat. Die operative Leitung liegt bei einer Geschäftsleitung, welche die verschiedenen Museumsbereiche koordiniert.[13]

Zum Betrieb gehören unter anderem die Bereiche:

  • Wissenschaft und Sammlungen
  • Bau und Denkmalpflege
  • Landwirtschaft und Landschaftspflege
  • Vermittlung und Veranstaltungen
  • Besucherdienste
  • Gastronomie und Verkauf
  • Verwaltung und Kommunikation

Mehr als 40 Personen sind ganzjährig fest angestellt. Während der Saison kommen zahlreiche Mitarbeitende in Handwerk, Landwirtschaft, Gastronomie, Reinigung, Betreuung und Vermittlung hinzu.

Das Museum wird durch Eintrittserträge, öffentliche Beiträge, Spenden, Gönnerschaften, Patenschaften, Fördervereine und Partnerschaften finanziert.

Touristische Bedeutung

Der Ballenberg gehört zu den bedeutenden touristischen und kulturellen Ausflugszielen im Berner Oberland. Während einer durchschnittlichen Saison besuchen rund 200'000 Menschen das Museum.[2]

Die Lage zwischen Interlaken, Brienz, Meiringen und dem Brünigpass macht das Museum sowohl aus dem Berner Oberland als auch aus der Zentralschweiz gut erreichbar.

Für die Gemeinden Hofstetten bei Brienz und Brienzwiler ist das Museum ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Davon profitieren auch Gastronomie, Beherbergungsbetriebe, öffentlicher Verkehr und weitere touristische Angebote der Region.

Bedeutung

Das Freilichtmuseum Ballenberg bewahrt einen Querschnitt durch die ländliche Bau- und Alltagskultur der Schweiz. Viele der Gebäude wären an ihren ursprünglichen Standorten abgebrochen oder stark verändert worden.

Seine Bedeutung liegt in der Verbindung mehrerer Aufgaben:

  • Erhaltung historischer Bausubstanz
  • Dokumentation regionaler Architektur
  • Sammlung ländlicher Alltagsgegenstände
  • Pflege traditioneller Handwerke
  • Vermittlung landwirtschaftlicher Geschichte
  • Erhaltung von Kulturpflanzen und Nutztierrassen
  • wissenschaftliche Forschung
  • Bildung und Tourismus

Der Ballenberg zeigt die Schweiz nicht als einheitliche Kulturlandschaft. Die Gebäude machen Unterschiede zwischen Berg- und Talregionen, wohlhabenden und armen Haushalten sowie deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Gebieten sichtbar.

Museologische Einordnung

Ein Freilichtmuseum kann historische Lebenswelten nicht vollständig rekonstruieren. Durch die Versetzung verlieren Gebäude einen Teil ihres ursprünglichen räumlichen und sozialen Zusammenhangs.

Auch die Anordnung in regionalen Geländekammern entspricht keiner tatsächlich gewachsenen historischen Siedlung. Sie ist ein museales Modell, das den Vergleich von Bauformen und Lebensweisen ermöglichen soll.

Die Einrichtungen stellen jeweils ausgewählte Zeitpunkte dar. Viele Gebäude wurden über Jahrhunderte umgebaut und unterschiedlich genutzt. Das Museum muss deshalb entscheiden, welche Bauphase und welche Nutzung gezeigt werden.

Diese Grenzen werden durch wissenschaftliche Dokumentationen, Ausstellungen und Informationen zur Herkunfts- und Bewohnergeschichte der Gebäude thematisiert.

Siehe auch

Literatur

  • Max Gschwend: Ballenberg. AT Verlag, Aarau 1988, ISBN 3-85502-322-0.
  • Edwin Huwyler: Freilichtmuseum Ballenberg: Das Erlebnis. Haupt Verlag, Bern 2008, ISBN 978-3-258-07286-9.
  • Beatrice Tobler: Ballenberg. Sichtweisen auf das Freilichtmuseum der Schweiz. Haupt Verlag, Bern 2019, ISBN 978-3-258-08094-9.
  • Urs Ritschard: Ballenberg ob Brienz. Weber Verlag, Thun 2019, ISBN 978-3-03818-207-8.
  • Rolf Fehlbaum (Hrsg.): Eine Art zu leben. Ballenberg Notizen. Lars Müller Publishers, Zürich 2023, ISBN 978-3-03778-723-6.

Einzelnachweise