Die Mitte

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Die Mitte
Logo der Partei Die Mitte
Vollständiger Name Die Mitte
Französisch Le Centre
Italienisch Il Centro
Rätoromanisch Il Center
Gründung 1. Januar 2021
Vorgängerparteien CVP, BDP
Sitz Bern
Präsident Philipp Matthias Bregy
Generalsekretär Blaise Fasel
Bundesrat Martin Pfister
Politische Ausrichtung politische Mitte, Christdemokratie, soziale Marktwirtschaft, Föderalismus
Parteifarben Orange und Dunkelblau
Nationalrat 29 von 200 Sitzen
Ständerat 15 von 46 Sitzen
Jugendorganisation Die Junge Mitte Schweiz
Internationale Verbindung Europäische Volkspartei (assoziiertes Mitglied)
Website die-mitte.ch

Die Mitte ist eine politische Partei der Schweiz. Sie entstand am 1. Januar 2021 aus dem Zusammenschluss der Christlichdemokratischen Volkspartei der Schweiz und der Bürgerlich-Demokratischen Partei. In den anderen Landessprachen trägt sie die Namen Le Centre, Il Centro und Il Center.

Die Partei ordnet sich der bürgerlichen politischen Mitte zu und verbindet christdemokratische, sozialpolitische, wirtschaftsfreundliche und föderalistische Positionen. Als grundlegende Werte nennt sie Freiheit, Solidarität und Verantwortung. Sie versteht sich als vermittelnde Kraft zwischen dem linken und dem rechten politischen Lager und betont ihre Bereitschaft zu Kompromissen und mehrheitsfähigen Lösungen.

Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichte Die Mitte einen Wähleranteil von 14,06 Prozent und gewann 29 der 200 Sitze im Nationalrat. Damit verfügte sie über einen Sitz mehr als die FDP, obwohl ihr gesamtschweizerischer Stimmenanteil geringfügig tiefer lag.[1] Im Ständerat ist sie mit 15 von 46 Mitgliedern die stärkste Partei.

Im Bundesrat wird Die Mitte seit April 2025 durch Martin Pfister vertreten. Er folgte auf Viola Amherd, die von 2019 bis 2025 Mitglied der Landesregierung gewesen war.[2]

Name

Der Name Die Mitte soll die politische Positionierung der Partei zwischen links und rechts ausdrücken. Er löste die frühere Bezeichnung Christlichdemokratische Volkspartei ab, deren Abkürzung CVP jahrzehntelang zu den bekanntesten Parteinamen der Schweiz gehört hatte.

In den vier Landessprachen lauten die statutarischen Namen:

Parteinamen in den Landessprachen
Sprache Name
Deutsch Die Mitte
Französisch Le Centre
Italienisch Il Centro
Rätoromanisch Il Center

In einzelnen Kantonen werden abweichende oder ergänzte Bezeichnungen verwendet. Im Tessin tritt die Partei auch als Alleanza del Centro auf, in Graubünden als Die Mitte – Allianza dal Center.

Die Wahl des neuen Namens war innerhalb der früheren CVP umstritten. Befürworter sahen darin eine Öffnung für Menschen ausserhalb des traditionellen katholischen Milieus. Kritiker befürchteten dagegen, dass die Partei einen wichtigen Teil ihrer christlichdemokratischen Identität aufgebe.

Geschichte

Katholisch-konservative Bewegung

Die älteste historische Wurzel der Partei liegt in der katholisch-konservativen Bewegung des 19. Jahrhunderts. Diese entstand als Gegenkraft zu den liberalen und radikalen Strömungen, welche die Gründung des schweizerischen Bundesstaates von 1848 geprägt hatten.

Die katholisch-konservativen Kantone hatten im Sonderbundskrieg von 1847 eine militärische Niederlage erlitten. Im neuen Bundesstaat bildeten ihre Vertreter zunächst die wichtigste politische Opposition gegen die freisinnige Mehrheit.

Die Bewegung war besonders in katholisch geprägten Kantonen der Zentralschweiz, im Wallis, in Freiburg, im Jura und in Teilen der Ostschweiz verankert. Sie setzte sich für den Föderalismus, die Rechte der Kantone, kirchliche Interessen und den Schutz traditioneller gesellschaftlicher Strukturen ein.

Mit der Einführung des fakultativen Referendums im Jahr 1874 gewann die katholisch-konservative Opposition an Einfluss. Gemeinsam mit anderen politischen Kräften konnte sie mehrere Vorlagen der freisinnigen Parlamentsmehrheit in Volksabstimmungen zu Fall bringen.

1891 wurde Josef Zemp als erster Vertreter der katholisch-konservativen Richtung in den Bundesrat gewählt. Damit begann die schrittweise Einbindung der politischen Minderheit in das schweizerische Konkordanzsystem.

Entstehung der nationalen Partei

Die katholisch-konservativen Organisationen waren zunächst stark kantonal geprägt. 1912 entstand eine dauerhafte gesamtschweizerische Partei unter dem Namen Schweizerische Konservative Volkspartei.

1957 wurde sie in Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei umbenannt. Damit sollte die Bedeutung der christlichsozialen Strömung und der katholischen Arbeitnehmerbewegung stärker zum Ausdruck kommen.

1970 nahm die Partei den Namen Christlichdemokratische Volkspartei der Schweiz an. Die neue Bezeichnung orientierte sich an den christdemokratischen Parteien anderer europäischer Länder und sollte die Partei über das katholische Stammwählermilieu hinaus öffnen.[3]

CVP im Konkordanzsystem

Die CVP gehörte während Jahrzehnten zu den vier grossen Regierungsparteien der Schweiz. Mit der Einführung der sogenannten Zauberformel im Jahr 1959 erhielt sie zwei der sieben Sitze im Bundesrat.

Die klassische Zauberformel sah je zwei Sitze für FDP, CVP und SP sowie einen Sitz für die damalige Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei vor.

Die CVP nahm häufig eine vermittelnde Stellung zwischen dem freisinnig-konservativen und dem sozialdemokratischen Lager ein. Ihre Stimmen waren deshalb bei zahlreichen parlamentarischen Entscheidungen ausschlaggebend.

In den katholisch geprägten Kantonen verfügte die Partei lange über besonders starke kantonale und kommunale Organisationen. Sie stellte zahlreiche Regierungsmitglieder, Gemeindepräsidenten, National- und Ständeräte.

Verlust eines Bundesratssitzes

Seit den 1980er-Jahren gingen die gesamtschweizerischen Wähleranteile der CVP zurück. Gründe waren unter anderem die schwächere Bindung an die katholische Kirche, gesellschaftliche Veränderungen, die Urbanisierung und die zunehmende Konkurrenz durch andere bürgerliche Parteien.

Bei den Bundesratswahlen vom 10. Dezember 2003 wurde die amtierende CVP-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold nicht wiedergewählt. Ihren Sitz übernahm Christoph Blocher von der SVP.

Die CVP verfügte danach nur noch über einen Bundesratssitz. Dieser wurde zunächst von Joseph Deiss, später von Doris Leuthard und ab 2019 von Viola Amherd besetzt.

Entstehung der BDP

Die zweite unmittelbare Vorgängerpartei der Mitte war die Bürgerlich-Demokratische Partei.

Bei den Bundesratswahlen 2007 wählte die Bundesversammlung anstelle des bisherigen SVP-Bundesrates Christoph Blocher die Bündner Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Die Führung der SVP verlangte daraufhin ihren Verzicht auf das Amt.

Nachdem Widmer-Schlumpf die Wahl angenommen hatte, schloss die nationale SVP ihre Bündner Kantonalpartei aus. Im Juni 2008 benannte sich diese in Bürgerlich-Demokratische Partei Graubünden um.

In Bern, Glarus und weiteren Kantonen entstanden zusätzliche BDP-Sektionen. Im November 2008 wurde die Bürgerlich-Demokratische Partei Schweiz gegründet. Auch der frühere SVP-Bundesrat Samuel Schmid trat der neuen Partei bei.

Die BDP vertrat eine gemässigt bürgerliche, wirtschaftsfreundliche und institutionell orientierte Politik. Sie grenzte sich insbesondere vom konfrontativen Kurs der SVP ab.

Bei den Nationalratswahlen 2011 erzielte die BDP 5,4 Prozent der Stimmen und gewann neun Sitze. In den folgenden Jahren verlor sie jedoch einen erheblichen Teil ihrer Wählerschaft. Nach dem Rücktritt von Eveline Widmer-Schlumpf Ende 2015 war die Partei nicht mehr im Bundesrat vertreten.

Annäherung von CVP und BDP

CVP und BDP arbeiteten im Bundesparlament eng zusammen. Bereits vor der formellen Fusion gehörten ihre Ratsmitglieder gemeinsam mit der Evangelischen Volkspartei derselben Fraktion an.

Beide Parteien standen unter ähnlichem strategischem Druck. Die CVP verfügte weiterhin über eine breite kantonale Verankerung und eine starke Stellung im Ständerat, verlor aber langfristig Wähleranteile. Die kleinere BDP war in mehreren Kantonen aus den Parlamenten ausgeschieden und musste um ihre eigenständige Zukunft fürchten.

2020 nahmen die Parteiführungen Fusionsverhandlungen auf. Die CVP verband den geplanten Zusammenschluss mit einem Namenswechsel. Die neue Partei sollte konfessionell offener auftreten und sich deutlicher als Kraft der politischen Mitte positionieren.

Die Delegierten beider Parteien stimmten dem Zusammenschluss zu. Am 1. Januar 2021 nahm die neue Bundespartei ihre Tätigkeit auf.

Erste Jahre der Mitte

Erster Präsident der neuen Partei war der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister. Er hatte die CVP bereits seit 2016 geführt und den Namenswechsel sowie die Fusion wesentlich vorangetrieben.

Die kantonalen Fusionen verliefen unterschiedlich schnell. In mehreren Kantonen schlossen sich CVP und BDP unmittelbar zusammen. In anderen Kantonen hatte nur eine der beiden Vorgängerparteien eine nennenswerte Organisation.

Einzelne Kantonalparteien der früheren CVP lehnten den neuen Namen zunächst ab oder vollzogen den Wechsel erst später. Dies spiegelte die föderalistische Struktur der Partei und die grosse Selbstständigkeit der kantonalen Sektionen wider.

Bei den Nationalratswahlen vom 22. Oktober 2023 trat Die Mitte erstmals als gemeinsame Partei zu eidgenössischen Wahlen an. Sie gewann 29 Sitze und erreichte 14,06 Prozent der Parteistimmen.[1]

Im Ständerat behauptete sie ihre starke Stellung. Mit 15 Mitgliedern stellte sie nach Abschluss der Wahlen die grösste Parteidelegation der kleinen Kammer.

Am 28. Juni 2025 wählte die Delegiertenversammlung den Walliser Nationalrat Philipp Matthias Bregy zum neuen Parteipräsidenten. Er folgte auf Gerhard Pfister.[4]

Politische Ausrichtung

Die Mitte bezeichnet sich als politische Kraft der bürgerlichen Mitte. Sie lehnt eine eindeutige Zuordnung zu einem festen linken oder rechten Lager ab.

Ihre Grundwerte sind:

  • Freiheit;
  • Solidarität;
  • Verantwortung.

Die Partei verbindet die christdemokratische Tradition der CVP mit der gemässigt bürgerlichen und liberal-konservativen Prägung der BDP.

In ihren Statuten bekennt sie sich zu einer leistungsfähigen und sozialverträglichen Wirtschaft, dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, dem Föderalismus, der Subsidiarität und der internationalen Zusammenarbeit.[5]

Die konkrete politische Position kann je nach Kanton und Sachgebiet variieren. In wirtschaftspolitischen Fragen stimmt Die Mitte häufig mit FDP und SVP, in sozial-, umwelt- oder europapolitischen Fragen teilweise mit SP, Grünen und GLP.

Grundwerte

Freiheit

Die Partei versteht Freiheit als Recht des einzelnen Menschen auf persönliche Entfaltung und eigenverantwortliche Lebensgestaltung.

Staatliche Eingriffe sollen auf das notwendige Mass beschränkt bleiben. Gleichzeitig könne Freiheit nur bestehen, wenn Menschen Zugang zu Bildung, Sicherheit, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Teilhabe hätten.

Solidarität

Solidarität bedeutet für Die Mitte die Unterstützung von Menschen, die ihre Existenz nicht vollständig aus eigener Kraft sichern können.

Dazu gehören soziale Versicherungen, der Ausgleich zwischen wirtschaftlich starken und schwächeren Regionen sowie die gegenseitige Verantwortung der Generationen.

Die Partei betont, Solidarität müsse mit Eigenverantwortung verbunden sein und dürfe leistungsfähige Personen oder Unternehmen nicht übermässig belasten.

Verantwortung

Verantwortung umfasst nach dem Selbstverständnis der Partei sowohl die persönliche Verantwortung als auch die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, künftigen Generationen und der natürlichen Umwelt.

Politische Entscheidungen sollen langfristig finanzierbar sein und nicht einseitig auf kommende Generationen verschoben werden.

Politische Positionen

Wirtschafts- und Finanzpolitik

Die Mitte bekennt sich zur sozialen Marktwirtschaft. Sie unterstützt Privateigentum, Unternehmertum, Wettbewerb und wirtschaftliche Innovationsfähigkeit.

Kleine und mittlere Unternehmen betrachtet sie als Rückgrat der schweizerischen Wirtschaft. Sie fordert möglichst einfache administrative Verfahren, verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und einen guten Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften.

Gleichzeitig soll der Staat soziale und regionale Ungleichgewichte ausgleichen. Die Partei unterstützt deshalb einen leistungsfähigen Service public und staatliche Investitionen in Bildung, Verkehr und grundlegende Infrastruktur.

In der Finanzpolitik setzt sie sich für ausgeglichene öffentliche Haushalte und die Einhaltung der Schuldenbremse ein. Steuerentlastungen sollen aus ihrer Sicht finanzierbar sein und Familien, Mittelstand und Unternehmen nicht gegeneinander ausspielen.

Familienpolitik

Familienpolitik gehört traditionell zu den Schwerpunkten der Partei.

Die Mitte fordert bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bezahlbare familienergänzende Betreuung und eine stärkere Berücksichtigung von Erziehungs- und Betreuungsarbeit.

Sie bekämpft die steuerliche Benachteiligung verheirateter Paare gegenüber unverheirateten Paaren. Die als Heiratsstrafe bezeichnete unterschiedliche Belastung bei Steuern und Sozialversicherungen gehört seit Jahrzehnten zu ihren zentralen Themen.

Die Partei vertritt heute ein breiteres Familienverständnis als ihre christlichdemokratische Vorgängerpartei in früheren Jahrzehnten. Ihre Statuten sprechen von der Familie «in all ihren Formen».

Altersvorsorge

Die Mitte unterstützt das Drei-Säulen-System aus staatlicher AHV, beruflicher Vorsorge und privater Vorsorge.

Sie betont die finanzielle Sicherung der AHV und den Ausgleich zwischen den Generationen. Reformen sollen sowohl die demografische Entwicklung als auch die Belastung von Arbeitnehmenden und Unternehmen berücksichtigen.

Die Partei kritisiert die Begrenzung der gemeinsamen AHV-Rente verheirateter Paare auf 150 Prozent von zwei Einzelrenten. Sie fordert eine Gleichbehandlung mit unverheirateten Paaren.

Gesundheitspolitik

Die steigenden Krankenkassenprämien sind eines der wichtigsten politischen Themen der Mitte.

Die Partei fordert eine bessere Steuerung des Gesundheitswesens, mehr Transparenz, eine koordinierte Versorgung und eine Begrenzung medizinisch nicht begründeter Mengenausweitungen.

Mit ihrer Kostenbremse-Initiative wollte sie Bund und Kantone verpflichten, bei einem übermässigen Anstieg der Gesundheitskosten korrigierende Massnahmen zu ergreifen. Die Initiative wurde am 9. Juni 2024 von Volk und Ständen abgelehnt.

Die Mitte lehnt sowohl eine vollständige Verstaatlichung des Gesundheitswesens als auch eine rein marktwirtschaftliche Steuerung ab. Sie befürwortet den Wettbewerb zwischen Versicherern und Leistungserbringern innerhalb eines staatlich geregelten Rahmens.

Sozialpolitik

Die Partei unterstützt einen leistungsfähigen Sozialstaat, der Menschen bei Krankheit, Invalidität, Arbeitslosigkeit und im Alter absichert.

Sozialleistungen sollen zielgerichtet ausgestaltet sein und Anreize zur Erwerbstätigkeit erhalten. Die Mitte betont dabei das Zusammenspiel von Eigenverantwortung, familiärer Unterstützung, gesellschaftlicher Solidarität und staatlicher Hilfe.

Energie- und Klimapolitik

Die Mitte anerkennt den menschengemachten Klimawandel und unterstützt das Ziel, die Treibhausgasemissionen der Schweiz zu senken.

Sie setzt auf den Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse und teilweise Windenergie. Gleichzeitig betont sie Versorgungssicherheit, Landschaftsschutz und tragbare Kosten.

Die Partei befürwortet technologische Offenheit und marktwirtschaftliche Anreize. Verbote und neue Abgaben beurteilt sie je nach konkreter Ausgestaltung unterschiedlich.

Beim Ausbau der Stromproduktion versucht sie häufig, zwischen Natur- und Landschaftsschutz, Energieversorgung und wirtschaftlichen Interessen zu vermitteln.

Landwirtschaft

Die Mitte besitzt in vielen ländlichen Kantonen eine starke Verankerung und unterstützt eine regional vielfältige Landwirtschaft.

Sie befürwortet Direktzahlungen für gemeinwirtschaftliche Leistungen, eine sichere einheimische Lebensmittelproduktion und angemessene Einkommen für Bauernfamilien.

Umwelt- und Tierschutzanforderungen sollen nach Ansicht der Partei praxistauglich sein und nicht zu einer unverhältnismässigen administrativen Belastung führen.

Europapolitik

Die Mitte unterstützt grundsätzlich den bilateralen Weg zwischen der Schweiz und der Europäischen Union.

Sie betrachtet einen verlässlichen Zugang zum europäischen Binnenmarkt als wichtig für Wirtschaft, Forschung und Bildung. Gleichzeitig sollen die demokratischen Rechte, der Föderalismus und die eigenständige schweizerische Rechtsordnung geschützt werden.

Innerhalb der Partei bestehen unterschiedliche Auffassungen über die institutionelle Ausgestaltung der Beziehungen zur EU. Die Westschweizer und städtischen Sektionen treten häufig europafreundlicher auf als manche ländlichen Deutschschweizer Kantonalparteien.

Ein Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union gehört nicht zu den gegenwärtigen Zielen der Partei.

Aussenpolitik

Die Mitte unterstützt eine aktive schweizerische Aussenpolitik, die Neutralität, humanitäre Tradition, internationale Zusammenarbeit und wirtschaftliche Interessen verbindet.

Sie befürwortet die Beteiligung der Schweiz an internationalen Organisationen und an der Friedensförderung.

Als assoziiertes Mitglied gehört die Partei der Europäischen Volkspartei an. Ihre Vorgängerpartei CVP war seit 1994 in der europäischen Parteienfamilie vertreten.[6]

Sicherheits- und Verteidigungspolitik

Die Mitte bekennt sich zur bewaffneten Neutralität und zu einer leistungsfähigen Armee.

Sie unterstützt Investitionen in die Landesverteidigung, den Bevölkerungsschutz, die Cybersicherheit und die internationale sicherheitspolitische Zusammenarbeit.

Die Partei befürwortete die Beschaffung des Kampfflugzeugs F-35A und die Erneuerung der bodengestützten Luftverteidigung.

Mit Martin Pfister stellt sie seit April 2025 den Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Migration und Asyl

Die Mitte vertritt in der Migrationspolitik eine Position zwischen den restriktiven Forderungen der SVP und den liberaleren Positionen der linken Parteien.

Sie unterstützt eine kontrollierte Zuwanderung, konsequente Verfahren und die Rückführung abgewiesener Asylsuchender.

Gleichzeitig bekennt sie sich zum Schutz tatsächlich verfolgter Menschen, zur Genfer Flüchtlingskonvention und zur Integration von Personen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht.

Integration versteht die Partei als gegenseitige Verpflichtung. Zugewanderte Personen sollen die Landessprache erlernen, die Rechtsordnung respektieren und möglichst rasch wirtschaftlich selbstständig werden.

Föderalismus und Institutionen

Die Mitte misst dem Föderalismus und der Subsidiarität grosse Bedeutung bei.

Aufgaben sollen möglichst von Gemeinden und Kantonen erfüllt werden. Der Bund soll nur dann eingreifen, wenn eine gesamtschweizerische Regelung notwendig oder effizienter ist.

Die Partei unterstützt das Konkordanzsystem, die direkte Demokratie und das Kollegialitätsprinzip. Sie versteht Kompromissfähigkeit nicht als Schwäche, sondern als Voraussetzung für stabile politische Lösungen.

Organisation

Die Bundespartei ist als Verein nach Artikel 60 und folgenden des Schweizerischen Zivilgesetzbuches organisiert. Ihr statutarischer Sitz befindet sich in Bern.[5]

Die föderalistische Struktur gibt den Kantonalparteien eine grosse organisatorische und politische Selbstständigkeit.

Kantonal- und Ortsparteien

Die Mitte gliedert sich in Kantonalparteien. Diese organisieren sich je nach kantonalen Verhältnissen in Bezirks-, Kreis-, Regional- und Ortsparteien.

Die Kantonalparteien stellen Listen für Nationalrats- und Kantonsratswahlen auf und nominieren Kandidierende für den Ständerat sowie für kantonale Regierungsämter.

Sie können bei kantonalen oder eidgenössischen Abstimmungen von der Parole der Bundespartei abweichen.

Die Stärke der kantonalen Organisationen ist sehr unterschiedlich. In mehreren traditionell katholischen Kantonen gehört Die Mitte zu den stärksten politischen Kräften. In grossen reformierten Städten ist sie dagegen teilweise nur schwach vertreten.

Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung ist ein zentrales Organ der Bundespartei.

Sie beschliesst politische Grundsatzpositionen, Statutenänderungen und Parolen zu eidgenössischen Abstimmungen. Zudem wählt sie das Parteipräsidium.

Die Zahl der Delegierten der Kantonalparteien richtet sich unter anderem nach deren politischer Stärke und Mitgliederzahl.

Parteipräsidium

Seit dem 28. Juni 2025 ist Philipp Matthias Bregy Präsident der Mitte Schweiz.

Dem Parteipräsidium gehören ausserdem Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Sprachregionen und Parteiorganisationen an. Zu den Vizepräsidenten zählen Charles Juillard, Vincent Maitre und Yvonne Bürgin. Generalsekretär ist Blaise Fasel.[7]

Das Präsidium bereitet die strategischen Entscheidungen der Partei vor und vertritt sie gegenüber Öffentlichkeit und Medien.

Vereinigungen

Zur Parteifamilie gehören verschiedene Vereinigungen und Interessenorganisationen.

Die wichtigsten sind:

  • Die Junge Mitte Schweiz;
  • Die Mitte Frauen Schweiz;
  • Die Mitte 60+;
  • kantonale und regionale Fach- und Interessengruppen.

Die Vereinigungen besitzen eigene Gremien und können innerhalb der Partei besondere gesellschaftliche oder generationenspezifische Anliegen vertreten.

Die Junge Mitte

Die Junge Mitte Schweiz ist die Jugendorganisation der Partei.

Sie entstand ebenfalls aus dem Zusammenschluss der früheren Jungen CVP und der Jungen BDP. Sie richtet sich hauptsächlich an politisch interessierte Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Junge Mitte beteiligt sich an Wahl- und Abstimmungskampagnen, organisiert politische Veranstaltungen und stellt eigene Kandidierende für kommunale, kantonale und eidgenössische Ämter auf.

In einzelnen Sachfragen vertritt sie unabhängigere oder deutlichere Positionen als die Mutterpartei.

Bundeshausfraktion

Die Mitglieder der Mitte bilden in der Bundesversammlung gemeinsam mit den Abgeordneten der Evangelischen Volkspartei die Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Nach den Nationalratswahlen 2023 umfasste die Fraktion im Nationalrat 29 Mitglieder der Mitte und zwei Mitglieder der EVP.

Im Ständerat gehören ihr die 15 Mitglieder der Mitte an. Die Fraktion ist damit besonders stark in der kleinen Kammer vertreten.

Die Fraktion berät die Geschäfte der Bundesversammlung und versucht, gemeinsame Positionen zu formulieren. Ihre Mitglieder bleiben rechtlich an keine Fraktionsweisung gebunden.

Die Zusammenarbeit mit der EVP reicht bis in die Zeit der CVP zurück. Auch die BDP hatte sich vor der Parteifusion an dieser Fraktionsgemeinschaft beteiligt.

Wahlergebnisse

Da Die Mitte erst 2021 entstand, trat sie bei den eidgenössischen Wahlen 2023 erstmals unter ihrem heutigen Namen an.

Für frühere Jahre können die Resultate der beiden Vorgängerparteien CVP und BDP getrennt dargestellt werden.

Ergebnisse bei Nationalratswahlen
Wahljahr Partei Parteistärke Sitze
2007 CVP 14,5 % 31
2011 CVP 12,3 % 28
2011 BDP 5,4 % 9
2015 CVP 11,6 % 27
2015 BDP 4,1 % 7
2019 CVP 11,4 % 25
2019 BDP 2,4 % 3
2023 Die Mitte 14,06 % 29

Der Vergleich ist nur eingeschränkt möglich. Die Wählerschaften von CVP und BDP gingen nicht vollständig in der neuen Partei auf. Ein Teil wechselte zu FDP, SVP, GLP oder anderen Parteien, während Die Mitte zugleich neue Wählerinnen und Wähler gewinnen konnte.

Regionale Verankerung

Die Mitte ist in katholisch geprägten und ländlichen Regionen traditionell besonders stark.

Zu ihren Hochburgen gehören Teile der Kantone:

  • Wallis;
  • Luzern;
  • Uri;
  • Obwalden;
  • Nidwalden;
  • Zug;
  • Freiburg;
  • Jura;
  • Tessin;
  • Graubünden;
  • St. Gallen;
  • Thurgau.

In mehreren dieser Kantone stellt die Partei Mitglieder der Kantonsregierung und zahlreiche Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten.

Die frühere BDP brachte zusätzliche Verankerungen in protestantisch geprägten Regionen ein, insbesondere in den Kantonen Bern, Glarus und Graubünden.

In den grossen Städten Zürich, Basel, Bern und Genf ist Die Mitte meist schwächer als SP, Grüne, FDP oder SVP. In Agglomerationen und mittelgrossen Gemeinden kann sie jedoch eine wichtige Rolle bei der Bildung politischer Mehrheiten spielen.

Vertretung im Bundesrat

Die christlichdemokratische Vorgängerpartei war seit 1891 fast ununterbrochen im Bundesrat vertreten.

Die BDP stellte von ihrer Gründung 2008 bis Ende 2015 mit Eveline Widmer-Schlumpf ebenfalls ein Mitglied der Landesregierung.

Seit der Gründung der Mitte wurde der Bundesratssitz zunächst von Viola Amherd gehalten. Nach ihrem Rücktritt wählte die Vereinigte Bundesversammlung am 12. März 2025 Martin Pfister zu ihrem Nachfolger. Er übernahm das Amt am 1. April 2025 und leitet seither das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.[2]

Bundesratsmitglieder der unmittelbaren Vorgängerparteien und der Mitte seit 1999
Person Amtszeit Partei während der Amtszeit
Ruth Metzler-Arnold 1999–2003 CVP
Joseph Deiss 1999–2006 CVP
Doris Leuthard 2006–2018 CVP
Eveline Widmer-Schlumpf 2008–2015 BDP
Viola Amherd 2019–2025 CVP, ab 2021 Die Mitte
Martin Pfister seit 2025 Die Mitte

Rolle im politischen System

Die Mitte nimmt wegen ihrer Position zwischen den politischen Lagern häufig eine Schlüsselrolle ein.

Im Nationalrat können Mehrheiten je nach Sachgebiet mit dem rechten oder dem linken Lager entstehen. Im Ständerat ist der Einfluss der Partei wegen ihrer grossen Delegation besonders ausgeprägt.

Bei wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen stimmt sie häufig mit FDP und SVP. In der Sozial-, Familien-, Umwelt- und Europapolitik arbeitet sie teilweise mit SP, Grünen oder GLP zusammen.

Diese wechselnden Bündnisse entsprechen dem Selbstverständnis als lösungsorientierte Mittepartei. Gegner werfen ihr jedoch gelegentlich vor, ihre Positionen zu stark nach taktischen Mehrheiten auszurichten.

Die Partei selbst betont, dass das schweizerische Konkordanzsystem ohne kompromissbereite Kräfte nicht funktionieren könne.

Parteipräsidenten

Präsidenten der Bundespartei
Amtszeit Name Bemerkung
2021–2025 Gerhard Pfister zuvor Präsident der CVP Schweiz
seit 2025 Philipp Matthias Bregy Nationalrat aus dem Kanton Wallis

Kritik und innerparteiliche Debatten

Identität der Partei

Der Namenswechsel von CVP zu Die Mitte löste eine Debatte über die politische Identität der Partei aus.

Konservative Mitglieder befürchteten, dass der ausdrückliche Bezug zum Christentum und zur christlichen Soziallehre verloren gehe. Andere sahen gerade im neuen Namen die Möglichkeit, die grundlegenden Werte ohne konfessionelle Abgrenzung weiterzuführen.

Die Statuten verweisen weiterhin ausdrücklich auf die christlichdemokratischen und bürgerlich-demokratischen Wurzeln.

Breite politische Spannweite

Die kantonalen Sektionen unterscheiden sich teilweise erheblich.

Ländliche und katholisch-konservative Kantonalparteien vertreten in gesellschaftspolitischen Fragen häufig traditionellere Positionen. Städtische und westschweizerische Sektionen treten teilweise sozialliberaler und europafreundlicher auf.

Diese Vielfalt erleichtert eine breite regionale Verankerung, erschwert aber gelegentlich die Formulierung einer klar erkennbaren nationalen Linie.

Anspruch auf den Bundesratssitz

Mit einem Wähleranteil von rund 14 Prozent stellt Die Mitte weiterhin ein Mitglied des siebenköpfigen Bundesrates.

Die Grünen forderten nach ihren Wahlerfolgen von 2019 zeitweise eine Veränderung der parteipolitischen Zusammensetzung der Regierung. Die Mitte verwies dagegen auf ihre starke Stellung im Ständerat, ihre kantonale Verankerung und die historische Bedeutung im Konkordanzsystem.

Die Zauberformel ist rechtlich nicht verbindlich. Über die Zusammensetzung des Bundesrates entscheidet die Vereinigte Bundesversammlung.

Kritiker betrachten die Bezeichnung «Mitte» als politisch ungenau und werfen der Partei vor, sich je nach Thema opportunistisch zu positionieren.

Die Partei weist diesen Vorwurf zurück. Sie versteht die Suche nach Kompromissen als eigenständige politische Haltung und grenzt sich sowohl von einer umfassenden staatlichen Steuerung als auch von einer ausschliesslich marktwirtschaftlichen Politik ab.

Bedeutung

Die Mitte gehört zu den wichtigsten politischen Parteien der Schweiz.

Ihre historische Bedeutung reicht über die 2021 gegründete Organisation hinaus. Die katholisch-konservative und christdemokratische Bewegung war wesentlich an der Entwicklung der Konkordanz, des Föderalismus und der sozialen Marktwirtschaft beteiligt.

Die Aufnahme des ersten katholisch-konservativen Vertreters in den Bundesrat im Jahr 1891 markierte einen wichtigen Schritt von der freisinnigen Mehrheitsregierung zur breiten politischen Machtteilung.

In der Gegenwart besitzt Die Mitte insbesondere durch ihre starke Vertretung im Ständerat und ihre Beteiligung am Bundesrat erheblichen Einfluss.

Ihre langfristige Entwicklung hängt davon ab, ob sie ihre traditionellen ländlichen und katholischen Wählerschichten halten und gleichzeitig in städtischen, konfessionell gemischten und jüngeren Bevölkerungsgruppen neue Unterstützung gewinnen kann.

Literatur

  • Urs Altermatt: Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto. Die Entstehungsgeschichte der nationalen Volksorganisationen im Schweizer Katholizismus 1848–1919. Universitätsverlag, Freiburg.
  • Urs Altermatt: CVP – Von der katholischen Milieupartei zur Partei der bürgerlichen Mitte. In: verschiedene Beiträge zur schweizerischen Parteiengeschichte.
  • Erich Gruner: Die Parteien in der Schweiz. Francke, Bern.
  • Andreas Ladner: Politische Parteien. In: Handbuch der Schweizer Politik. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich.
  • Adrian Vatter: Das politische System der Schweiz. Nomos, Baden-Baden.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Christlichdemokratische Volkspartei.
  • Die Mitte Schweiz: Statuten der Bundespartei. Bern 2024.

Siehe auch

Einzelnachweise