Stein am Rhein

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Stein am Rhein
Staat Schweiz
Kanton Schaffhausen
Region Oberer Kantonsteil
BFS-Nummer 2964
Postleitzahl 8260
Höhe 413 m ü. M.
Fläche 5,75 km² ohne Seeanteil
Einwohner 3'993
Einwohnerstand 31. Dezember 2025
Stadtpräsidentin Corinne Ullmann
Partei SVP
Gewässer Rhein, Untersee
Website steinamrhein.ch

Stein am Rhein ist eine politische Gemeinde und historische Kleinstadt im oberen Kantonsteil des Kantons Schaffhausen. Sie liegt dort, wo der Rhein den Untersee verlässt und als Hochrhein westwärts in Richtung Schaffhausen und Basel fliesst. Der Ort ist besonders für seine weitgehend erhaltene mittelalterliche Altstadt, die reich bemalten Bürgerhäuser am Rathausplatz, das ehemalige Kloster St. Georgen, die Burg Hohenklingen und seine Lage am Rhein bekannt.

Die Stadt gehört zusammen mit Buch, Hemishofen und Ramsen zum räumlich vom übrigen Kantonsgebiet getrennten oberen Kantonsteil. Stein am Rhein grenzt unmittelbar an Gemeinden des Kantons Thurgau und an Deutschland. Diese Lage zwischen Untersee, Rhein, Thurgau und dem deutschen Hegau prägt die Verkehrswege, die Wirtschaft und die regionale Zusammenarbeit.

Die kompakte Altstadt am rechten Rheinufer zählt zu den bedeutendsten historischen Ortsbildern der Schweiz. Sie ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet. 1972 erhielt Stein am Rhein als erste Gemeinde den neu geschaffenen Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes für den vorbildlichen Umgang mit seinem baulichen Erbe.[1]

Name

Der Ortsname setzt sich aus dem Grundwort Stein und dem Zusatz am Rhein zusammen. Der Name «Stein» bezeichnete vermutlich zunächst die felsige beziehungsweise befestigte Stelle am Rheinübergang.

In der um 835 verfassten Lebensbeschreibung des heiligen Otmar von St. Gallen wird ein Ort namens Stein erwähnt. Der Abt und Gelehrte Walahfrid Strabo berichtet darin, dass Otmar auf die gegenüberliegende Insel Werd verbannt worden und dort gestorben sei.

Historische lateinische Bezeichnungen wie Lithopolis wurden vor allem in gelehrten Texten verwendet. Im örtlichen Dialekt wird Stein am Rhein häufig kurz Staa genannt.

Der Zusatz «am Rhein» unterscheidet die Stadt von anderen Orten mit dem Namen Stein und verweist auf ihre Lage an einem der wichtigsten Flussübergänge zwischen Bodensee und Hochrhein.

Geographie

Lage

Stein am Rhein liegt am westlichen Ende des Untersees. Im Bereich der Stadt verengt sich der See und geht in den Hochrhein über. Der Fluss durchquert das Gemeindegebiet von Osten nach Westen.

Der historische Stadtkern befindet sich am rechten, nördlichen Rheinufer. Südlich des Flusses liegen der Ortsteil Vor der Brugg, der Bahnhof, Wohn- und Gewerbequartiere sowie das Gebiet Burg.

Das Gemeindegebiet umfasst:

  • den historischen Stadtkern;
  • den linksrheinischen Ortsteil Vor der Brugg;
  • neuere Wohnquartiere;
  • Rebberge und Waldflächen am Klingen;
  • landwirtschaftlich genutzte Flächen;
  • Einzelhöfe;
  • Teile der unteren Werdinseln.

Die Hauptinsel Werd mit der St.-Othmar-Kapelle liegt unmittelbar vor Stein am Rhein, gehört politisch jedoch zur thurgauischen Gemeinde Eschenz.

Oberer Kantonsteil

Stein am Rhein bildet zusammen mit Buch, Hemishofen und Ramsen eine Exklave des Kantons Schaffhausen. Zwischen diesem Gebiet und dem Hauptteil des Kantons liegt deutsches Staatsgebiet.

Die Stadt ist deshalb eng mit dem benachbarten Thurgau und dem deutschen Landkreis Konstanz verbunden. Direkte Nachbargemeinden sind unter anderem Hemishofen, Eschenz, Wagenhausen und die deutsche Gemeinde Öhningen.

Trotz der politischen Trennung bestehen gute Verkehrsverbindungen nach Schaffhausen. Die regionale Lage führt zugleich zu einer engen Zusammenarbeit bei Feuerwehr, Schulen, öffentlichem Verkehr, Tourismus und Versorgung.

Landschaft

Nördlich der Stadt erhebt sich der bewaldete Klingenberg. Auf einem vorspringenden Höhenzug steht die Burg Hohenklingen. Die Hänge unterhalb der Burg werden teilweise für den Weinbau genutzt.

Südlich des Rheins geht die Landschaft in die sanften Höhenzüge des Thurgaus über. Der Fluss, die Uferbereiche, die Werdinseln und die angrenzenden Feuchtgebiete bilden wertvolle Lebensräume für Wasservögel, Fische und zahlreiche Pflanzenarten.

Die Lage am Ausfluss des Untersees führt zu einem vergleichsweise gleichmässigen Wasserstand. Trotzdem können Hochwasser des Bodensees und des Rheins die Uferzonen und die Schifffahrt beeinträchtigen.

Geschichte

Urgeschichte und römische Zeit

Die Umgebung von Stein am Rhein war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. An den flachen Ufern des Untersees und im Bereich der Werdinseln wurden Reste prähistorischer Pfahlbausiedlungen nachgewiesen. Fundstellen der Bodenseeregion gehören zum UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.

Um 15 v. Chr. geriet die Bodenseeregion unter römische Herrschaft. Im benachbarten heutigen Eschenz entstand der römische Ort Tasgetium. Eine Brücke verband die Ufer über den Bereich der Werdinseln.

In der spätrömischen Zeit wurde auf dem südlich des Rheins gelegenen Hügel Burg eine Befestigungsanlage errichtet. Das Kastell sollte den Rheinübergang und die Verkehrsverbindungen sichern. Archäologische Funde umfassen Mauern, Gräber, Münzen, Keramik und eine reich verzierte Glasschale mit Jagdszenen.

Nach dem Rückzug der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen im Gebiet nieder. Innerhalb der Kastellmauern entstand spätestens im 7. Jahrhundert eine Holzkirche. Sie gehört zu den frühesten archäologisch nachgewiesenen Kirchenbauten auf dem Gebiet der heutigen Schweiz.[2]

Frühmittelalter

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortsnamens findet sich in der um 835 entstandenen Otmarslegende. Otmar, der erste Abt des Klosters St. Gallen, war 759 auf die Insel Werd verbannt worden und dort gestorben.

Der Rheinübergang blieb auch nach dem Ende der römischen Herrschaft bedeutsam. Auf beiden Seiten des Flusses bestanden Siedlungen, Kirchen und herrschaftliche Besitzungen.

Gründung des Klosters St. Georgen

Eine entscheidende Veränderung erfolgte zu Beginn des 11. Jahrhunderts. König Heinrich II. liess ein zuvor auf dem Hohentwiel bestehendes Benediktinerkloster nach Stein am Rhein verlegen.

Am 1. November 1007 übertrug Heinrich II. das Kloster dem von ihm neu gegründeten Bistum Bamberg. Die Abtei erhielt umfangreichen Besitz und verschiedene Herrschaftsrechte.

Die Verlegung des Klosters förderte die Entwicklung der Siedlung am rechten Rheinufer. Das Kloster wurde zum geistlichen, wirtschaftlichen und politischen Mittelpunkt der Umgebung.

Die Abtei besass Grundbesitz, Gerichtsrechte, Zehntansprüche und Einkünfte aus Handel und Landwirtschaft. Handwerker, Kaufleute und Dienstleute liessen sich in ihrer Nähe nieder.

Entwicklung zur Stadt

Im 13. Jahrhundert entwickelte sich die Siedlung zur befestigten Stadt. Eine Rheinbrücke, Stadtmauern, Tore und Türme wurden errichtet oder erneuert.

Die Stadt erhielt Markt-, Zoll- und Münzrechte. Ihre Lage am Übergang vom Bodensee in den Rhein machte sie zu einem wichtigen Umschlagplatz. Waren, die auf dem See transportiert wurden, mussten teilweise umgeladen oder für die Weiterfahrt auf dem Fluss neu verteilt werden.

Die Äbte von St. Georgen waren die Stadtherren. Die Freiherren von Hohenklingen übten als Vögte verschiedene weltliche Herrschaftsrechte aus. Ihre Burg über der Stadt sicherte den Übergang und die Handelswege.

Im 14. und 15. Jahrhundert wuchs die politische und wirtschaftliche Selbständigkeit der Bürgerschaft. Handwerker, Kaufleute und wohlhabende Familien gewannen Einfluss auf die städtische Verwaltung.

Erwerb der Herrschaftsrechte

Die Herren von Hohenklingen verkauften ihre Rechte zu Beginn des 15. Jahrhunderts an die Herren von Klingenberg. Wegen finanzieller Schwierigkeiten veräusserten diese 1457 die Herrschaft Stein an die Stadt selbst.

Mit dem Erwerb der Herrschaftsrechte erlangten die Bürger eine weitgehende Selbständigkeit. Stein am Rhein war jedoch von stärkeren Nachbarn umgeben und suchte politischen Schutz.

1459 schloss die Stadt ein Bündnis mit Zürich und Schaffhausen. Nach dessen Ablauf erneuerte Zürich 1484 das Schutzverhältnis. Stein am Rhein wurde dadurch Teil des zürcherischen Stadtstaates, behielt aber zahlreiche kommunale Rechte.

Reformation

Die Reformation wurde in Stein am Rhein 1524 und 1525 eingeführt. Der letzte Abt des Klosters St. Georgen, David von Winkelsheim, gab sein Amt auf, und das Kloster wurde aufgehoben.

Die ehemalige Klosterkirche wurde zur reformierten Stadtkirche. Die Klostergebäude und ihre Einkünfte kamen unter zürcherische Verwaltung.

Die Aufhebung des Klosters veränderte die Machtverhältnisse grundlegend. Der Stadtrat übernahm zusätzliche Aufgaben, während Zürich seinen Einfluss auf Verwaltung, Kirche und Gerichtswesen verstärkte.

Stein am Rhein blieb bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 unter zürcherischer Herrschaft.

Wirtschaft in der frühen Neuzeit

Die Stadt lebte von ihrer Lage am Rhein und an wichtigen Landwegen. Zu den bedeutenden Erwerbszweigen gehörten:

  • Transithandel;
  • Schifffahrt;
  • Zollwesen;
  • Weinbau und Weinhandel;
  • Gerberei;
  • Fischerei;
  • Mühlen und weitere Handwerke;
  • Landwirtschaft im Umland.

Getreide und Salz wurden über den Bodensee und den Rhein transportiert. In der Gegenrichtung gelangten Wein und gewerbliche Produkte in andere Regionen.

Stein am Rhein erwarb im Laufe der Zeit Nieder- und teilweise Hochgerichtsrechte in umliegenden Gebieten, darunter Hemishofen, Ramsen, Wagenhausen, Kaltenbach, Etzwilen und Rheinklingen.

Helvetik und Kantonswechsel

Mit dem französischen Einmarsch von 1798 endete die zürcherische Herrschaft. In der Helvetischen Republik wechselte Stein am Rhein mehrmals seine administrative Zugehörigkeit.

Die Stadt gehörte zeitweise zu unterschiedlichen helvetischen Verwaltungskantonen. Die häufigen Neuordnungen stiessen in der Bevölkerung auf Widerstand und erschwerten die Verwaltung.

Durch die Mediationsakte von 1803 wurden Stein am Rhein, Hemishofen und Ramsen endgültig dem Kanton Schaffhausen zugeteilt. Diese Entscheidung schuf den bis heute bestehenden oberen Kantonsteil.

Stadtbrand von 1863

1863 zerstörte ein grosser Brand zahlreiche Gebäude. Das Feuer bedrohte auch den historischen Stadtkern.

Beim Wiederaufbau wurden Teile der mittelalterlichen Bausubstanz verändert. Die Stadt behielt dennoch ihr geschlossenes historisches Erscheinungsbild.

Der Brand verstärkte das Bewusstsein für Feuerschutz und eine besser organisierte Wasserversorgung.

Eisenbahn und Industrialisierung

Die Eisenbahn erreichte Stein am Rhein 1875. Neue Strecken verbanden die Stadt mit Winterthur, Kreuzlingen, Schaffhausen und dem deutschen Grenzraum.

Die Stadt beteiligte sich finanziell an der Schweizerischen Nationalbahn. Deren Konkurs im Jahr 1878 verursachte Stein am Rhein erhebliche Verluste.

Die Industrialisierung entwickelte sich langsamer als in Schaffhausen oder Winterthur. Zu den bedeutenden Betrieben gehörten zeitweise:

  • die Teigwarenfabrik Lieb;
  • die Schuhfabrik Henke;
  • die Uhrenschalenfabrik Oechslin;
  • die Möbelfabrik Dietiker.

Neben der Industrie blieben Landwirtschaft, Weinbau, Gewerbe und Handel wichtig.

Bombardierung von 1945

Am 22. Februar 1945 wurde Stein am Rhein von amerikanischen Flugzeugen bombardiert. Der Angriff erfolgte wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs und traf die neutrale Schweiz.

Neun Menschen kamen ums Leben. Weitere Personen wurden verletzt, und zahlreiche Gebäude erlitten schwere Schäden. Besonders betroffen waren Bereiche beim Untertor und ausserhalb des eigentlichen Altstadtkerns.

Die Bombardierung wurde später als Irrtum erklärt. Die zerstörten oder beschädigten Gebäude wurden nach dem Krieg wiederaufgebaut beziehungsweise restauriert.[3]

Entwicklung zum Tourismusort

Seit dem frühen 20. Jahrhundert gewann der Tourismus stark an Bedeutung. Die Altstadt, das Kloster St. Georgen, die Burg Hohenklingen und die Schifffahrt zogen zunehmend Gäste an.

Restaurierungen und Schutzbestimmungen trugen dazu bei, das historische Ortsbild zu bewahren. Der motorisierte Durchgangsverkehr wurde schrittweise aus der Altstadt verlagert.

Heute besuchen jährlich mehrere Hunderttausend Menschen die Stadt. Der starke Besucherverkehr bringt wirtschaftliche Vorteile, führt aber auch zu Belastungen durch Verkehr, Parkierung und hohe Besucherzahlen im kleinen historischen Zentrum.

Bevölkerung

Stein am Rhein zählte Ende 2025 gemäss kommunaler Einwohnerstatistik 3'993 Einwohnerinnen und Einwohner. Diese Zahl umfasst neben der ständigen Wohnbevölkerung auch weitere bei der Gemeinde registrierte Personengruppen und kann deshalb von den Zahlen des Bundesamts für Statistik abweichen.[4]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 1'469
1880 1'347
1910 1'988
1950 2'352
1970 2'751
1999 3'081
2010 3'308
2020 3'564
2025 3'993

Die Bevölkerung nahm im 19. Jahrhundert zunächst nur langsam zu. Gründe waren die begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten, die Krise traditioneller Gewerbe und die Auswanderung.

Mit dem Ausbau des Verkehrs, der Entstehung von Industriebetrieben und der Entwicklung zur Wohngemeinde wuchs die Einwohnerzahl im 20. Jahrhundert deutlich.

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird neben Standarddeutsch ein ostschweizerisch beziehungsweise schaffhausisch geprägter alemannischer Dialekt gesprochen.

Die Bevölkerung war seit der Reformation überwiegend reformiert. Durch Zuwanderung nahm der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung und der Menschen ohne Religionszugehörigkeit zu.

Politik und Verwaltung

Stein am Rhein ist eine Einwohnergemeinde nach dem Recht des Kantons Schaffhausen. Obwohl sie traditionell als Stadt bezeichnet wird, unterscheidet sich ihr rechtlicher Status nicht grundsätzlich von jenem anderer politischer Gemeinden.

Die Exekutive bildet der fünfköpfige Stadtrat. Seine Mitglieder werden für eine vierjährige Amtsdauer gewählt. Für die Amtsperiode 2025–2028 steht Stadtpräsidentin Corinne Ullmann dem Stadtrat vor.[5]

Die legislative Behörde ist der Einwohnerrat. Er berät Budget, Rechnung, Reglemente, Bauvorhaben und weitere Geschäfte. Bestimmte Beschlüsse unterliegen dem obligatorischen oder fakultativen Referendum.

Die Stimmberechtigten entscheiden zudem an der Urne über kommunale Wahlen, Volksinitiativen und Sachvorlagen. Damit verbindet die Gemeinde ein parlamentarisches System mit den Instrumenten der direkten Demokratie.

Wappen

Das Stadtwappen zeigt den heiligen Georg als Ritter im Kampf mit dem Drachen. Der Heilige war der Schutzpatron des ehemaligen Klosters St. Georgen.

Die Darstellung erscheint in unterschiedlichen historischen Formen auf Siegeln, Gebäuden, Fahnen und amtlichen Dokumenten. Sie erinnert an die enge Verbindung zwischen der Stadt und dem Benediktinerkloster.

Wirtschaft

Historische Wirtschaftsgrundlagen

Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Wirtschaft beruhte wesentlich auf Handel, Zoll, Schifffahrt und Handwerk.

Der Übergang zwischen Untersee und Rhein machte Stein am Rhein zu einem natürlichen Umschlagplatz. Waren mussten wegen unterschiedlicher Schiffe und Strömungsverhältnisse teilweise neu verladen werden.

Der Weinbau an den Hängen des Klingen und der Handel mit Wein besassen grosse Bedeutung. Hinzu kamen Gerbereien, Mühlen, Fischerei, Gastwirtschaften und landwirtschaftliche Betriebe.

Gegenwärtige Wirtschaft

Heute wird die Wirtschaft durch Dienstleistungen, Gewerbe, Tourismus, Gastronomie und kleinere Industriebetriebe geprägt.

Wichtige Bereiche sind:

  • Hotellerie und Gastronomie;
  • Detailhandel;
  • Bau- und Ausbaugewerbe;
  • Metall-, Möbel- und Maschinenbau;
  • Gesundheits- und Sozialwesen;
  • öffentliche Verwaltung und Bildung;
  • Landwirtschaft und Weinbau;
  • Kultur- und Freizeitangebote.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln zur Arbeit nach Schaffhausen, Frauenfeld, Winterthur, in den Thurgau oder in den deutschen Grenzraum.

Tourismus

Der Tourismus ist für Geschäfte, Restaurants, Museen, Schifffahrt und Beherbergungsbetriebe von grosser Bedeutung.

Die meisten Gäste besuchen die Stadt im Rahmen eines Tagesausflugs. Besonders stark frequentiert sind der Rathausplatz, die Rheinpromenade, das Kloster St. Georgen und die Burg Hohenklingen.

Die Herausforderung besteht darin, die touristische Nutzung mit den Bedürfnissen der Wohnbevölkerung und dem Schutz der historischen Bausubstanz zu vereinbaren.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Stein am Rhein liegt südlich des Rheins. Von dort bestehen Bahnverbindungen in Richtung Schaffhausen, Kreuzlingen, Winterthur und in weitere Teile der Ostschweiz.

Die Eisenbahnstrecken wurden 1875 eröffnet und verbesserten die Erreichbarkeit der bis dahin stark auf Schifffahrt und Strassenverkehr angewiesenen Stadt.

Der Bahnhof ist über die Rheinbrücke und Fusswege mit der Altstadt verbunden.

Strassenverkehr

Stein am Rhein liegt an regionalen Strassenverbindungen zwischen Schaffhausen, dem Thurgau, dem Hegau und dem westlichen Bodenseegebiet.

Die historische Rheinbrücke beziehungsweise ihre modernen Nachfolgebauten bilden eine wichtige Verbindung zwischen den beiden Stadtteilen.

Der motorisierte Verkehr wird weitgehend um die Altstadt geführt. Innerhalb des historischen Zentrums gelten Verkehrsbeschränkungen, die dem Schutz des Ortsbilds und der Aufenthaltsqualität dienen.

Schifffahrt

Die Schifffahrt auf Untersee und Rhein besitzt sowohl touristische als auch historische Bedeutung.

Während der Sommersaison verkehren Kursschiffe zwischen Kreuzlingen, Stein am Rhein und Schaffhausen. Die Strecke durch die Flusslandschaft des Hochrheins gehört zu den bekanntesten Schifffahrtsrouten der Schweiz.

Die Schiffländi befindet sich unmittelbar am Rand der Altstadt.

Fuss- und Veloverkehr

Mehrere nationale und regionale Wander- und Velorouten führen durch Stein am Rhein.

Beliebte Wege verlaufen entlang des Rheins, um den Untersee, zur Insel Werd, nach Hemishofen und zur Burg Hohenklingen.

Altstadt

Die Altstadt besitzt einen weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Grundriss. Schmale Gassen verbinden die Stadttore, den Rathausplatz, das Kloster und das Rheinufer.

Viele Gebäude stammen in ihrem Kern aus dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit. Ihre heutige Gestalt wurde durch Umbauten, Fassadenmalereien und Restaurierungen geprägt.

Charakteristisch sind:

  • Fachwerkkonstruktionen;
  • Erker;
  • steile Ziegeldächer;
  • bemalte Fassaden;
  • Zunft- und Hauszeichen;
  • historische Brunnen;
  • gepflasterte Gassen.

Die Geschlossenheit des Ortsbildes beruht nicht nur auf einzelnen bedeutenden Bauten, sondern auf dem Zusammenspiel von Bürgerhäusern, Kloster, Rathaus, Toren, Stadtmauer und Rhein.

Sehenswürdigkeiten

Rathausplatz

Der Rathausplatz bildet das Zentrum der Altstadt. Er wird von reich bemalten Bürgerhäusern und dem Rathaus umgeben.

Die Fassaden zeigen historische, allegorische, religiöse und mythologische Szenen. Einige Malereien gehen auf ältere Vorbilder zurück, andere wurden im 19. und 20. Jahrhundert erneuert oder neu geschaffen.

Zu den bekannten Häusern gehören:

  • das Haus zum Weissen Adler;
  • das Haus zur Sonne;
  • das Haus zum Roten Ochsen;
  • das Haus zur Vorderen Krone;
  • das Haus zum Steinbock.

In der Mitte des Platzes steht der Stadtbrunnen mit der Figur eines geharnischten Kriegers.

Rathaus

Das Rathaus wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Es diente als Sitz von Rat, Gericht und Verwaltung.

Die reich gegliederte Fassade, der Dachreiter mit Uhr und die Innenräume spiegeln die politische Bedeutung der städtischen Bürgerschaft wider.

Das Gebäude wird weiterhin von der Stadtverwaltung und für politische sowie repräsentative Anlässe genutzt.

Kloster St. Georgen

Das ehemalige Benediktinerkloster St. Georgen gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen der Schweiz.

Die Anlage umfasst:

  • die ehemalige Klosterkirche;
  • den Kreuzgang;
  • Konventsgebäude;
  • Kapitelsaal und Refektorium;
  • Abtsräume;
  • Wirtschaftsgebäude;
  • einen Kräutergarten.

Besonders bedeutend sind die spätgotischen Räume und die Wandmalereien im Festsaal des Abthauses.

Nach der Aufhebung des Klosters wurden die Gebäude unterschiedlich genutzt. Heute ist die Anlage als Museum zugänglich und vermittelt die Geschichte des Klosters, des mittelalterlichen Alltags und der Reformation.[6]

Stadtkirche St. Johann

Die reformierte Stadtkirche St. Johann war die Kirche des Benediktinerklosters.

Der Bau wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Nach der Reformation diente er der reformierten Kirchgemeinde.

Kirche und Kloster bilden am Rheinufer eine städtebauliche Einheit.

Burg Hohenklingen

Die Burg Hohenklingen liegt auf einem Höhenzug rund 200 Meter über der Stadt.

Ihre Ursprünge reichen in das Hochmittelalter zurück. Die Freiherren von Hohenklingen bauten die Anlage zu einem Herrschaftssitz aus.

1457 gelangte die Burg an die Stadt Stein am Rhein. Später wurde sie in das zürcherische Hochwachtennetz einbezogen.

Die weitgehend erhaltene Anlage umfasst Bergfried, Wohnbauten, Mauern, Toranlagen und einen Innenhof. Von der Burg bietet sich ein weiter Blick über die Altstadt, den Untersee, den Rhein und den Hegau.[7]

Museum Lindwurm

Das Museum Lindwurm befindet sich in einem historischen Bürgerhaus in der Understadt.

Die Ausstellung zeigt das Leben einer bürgerlich-landwirtschaftlichen Familie um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Wohnräume, Werkstätten, Stallungen, Vorratsräume und landwirtschaftliche Geräte bilden ein zusammenhängendes historisches Hausensemble.

Das Museum wurde 1993 eröffnet.

Kirche Burg

Die Kirche Burg steht südlich des Rheins auf dem Gelände des spätrömischen Kastells.

Archäologische Untersuchungen wiesen mehrere Vorgängerbauten nach. Zu ihnen gehört eine frühmittelalterliche Holzkirche.

Die heutige Kirche und der umgebende Friedhof bilden einen bedeutenden archäologischen und kulturgeschichtlichen Ort.

Stadttore und Türme

Von der mittelalterlichen Befestigung sind mehrere Tore, Türme und Mauerabschnitte erhalten oder nach Zerstörungen wiederaufgebaut worden.

Zu den bekannten Anlagen gehören das Obertor, das Untertor und der Chretzeturm.

Das Untertor wurde beim Bombenangriff von 1945 schwer beschädigt und später rekonstruiert.

Insel Werd

Die Insel Werd liegt unmittelbar oberhalb des Rheinausflusses und ist über einen Steg vom thurgauischen Ufer erreichbar.

Auf der Insel befindet sich eine dem heiligen Otmar geweihte Kapelle. Otmar soll dort 759 in der Verbannung gestorben sein.

Die Insel gehört politisch nicht zu Stein am Rhein, ist aber eng mit der Geschichte und dem Landschaftsbild der Stadt verbunden.

Ortsbildschutz

Die Altstadt von Stein am Rhein ist ein Ortsbild von nationaler Bedeutung. Zahlreiche Einzelbauten stehen unter kantonalem oder eidgenössischem Schutz.

Der Ortsbildschutz umfasst nicht nur Fassaden und einzelne Baudenkmäler. Er berücksichtigt auch:

  • historische Bauvolumen;
  • Dächer und Dachlandschaften;
  • Gassen und Plätze;
  • die Beziehung zwischen Stadt und Rhein;
  • die ehemaligen Befestigungsanlagen;
  • Rebberge und Waldhänge;
  • Sichtachsen zur Burg Hohenklingen.

1972 erhielt Stein am Rhein als erste Gemeinde den Wakkerpreis. Ausgezeichnet wurden die langfristige Pflege der Altstadt, die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Bevölkerung sowie die früh eingeführten Bau- und Schutzbestimmungen.

Die Erhaltung der Altstadt bleibt eine dauerhafte Aufgabe. Moderne Wohnansprüche, Brandschutz, Energieeffizienz, Verkehr und Tourismus müssen mit dem Schutz der historischen Substanz vereinbart werden.

Kultur

Das kulturelle Leben wird von Museen, Vereinen, Kirchen, Musikgruppen und wiederkehrenden Veranstaltungen getragen.

Bekannt ist das Freilichtspiel No e Wili. Es beruht auf einer örtlichen Sage und behandelt die Bedrohung der Stadt durch adlige Gegner im Mittelalter.

Weitere kulturelle Angebote umfassen Konzerte, Ausstellungen, Stadtführungen, Märkte und Veranstaltungen im Bürgerasyl, im Kloster und auf dem Rathausplatz.

Die bemalten Hausfassaden, historischen Wirtshausschilder und Brunnen prägen die öffentliche Wahrnehmung der Stadt ebenso stark wie ihre Museen.

Bildung

Stein am Rhein verfügt über Kindergärten, Primarschule und Oberstufe. Die Schulen dienen teilweise auch Schülerinnen und Schülern aus benachbarten Gemeinden.

Berufs- und Mittelschulen befinden sich unter anderem in Schaffhausen, Frauenfeld und Winterthur.

Die kleine Stadtbibliothek, Museen und kulturellen Einrichtungen ergänzen das Bildungsangebot.

Natur und Freizeit

Rhein, Untersee, Rebberge und Waldgebiete bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Erholung.

Beliebte Freizeitaktivitäten sind:

  • Wandern;
  • Velofahren;
  • Schwimmen;
  • Rudern und Kanufahren;
  • Schifffahrten;
  • Fischerei;
  • Spaziergänge entlang des Rheins;
  • Wanderungen zur Burg Hohenklingen.

Die Uferbereiche sind zugleich empfindliche Naturräume. Nutzung, Hochwasserschutz, Schifffahrt und Naturschutz müssen aufeinander abgestimmt werden.

Herausforderungen

Stein am Rhein steht vor mehreren strukturellen Herausforderungen.

Der starke Tourismus führt besonders an Wochenenden und in der Sommersaison zu hohem Verkehrs- und Parkierungsdruck. Gleichzeitig soll die Altstadt ein bewohnter und wirtschaftlich aktiver Ort bleiben.

Weitere Aufgaben sind:

  • die Erhaltung bezahlbaren Wohnraums;
  • die Pflege historischer Gebäude;
  • die Anpassung an den Klimawandel;
  • die Aufwertung der Rhein- und Bahnhofsräume;
  • die Sicherung lokaler Geschäfte und Gaststätten;
  • die Abstimmung mit Nachbargemeinden und Kantonen;
  • die Verbesserung des Fuss- und Veloverkehrs;
  • die Begrenzung störender Auswirkungen des Durchgangsverkehrs.

Die exponierte Lage im oberen Kantonsteil macht eine Zusammenarbeit über Kantons- und Staatsgrenzen hinweg besonders wichtig.

Persönlichkeiten

Mit Stein am Rhein verbunden sind unter anderem:

Siehe auch

Literatur

  • Reinhard Frauenfelder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schaffhausen. Band 2: Der Bezirk Stein am Rhein. Birk. Birkhäuser, Basel 1958.
  • Karl Schib: Geschichte der Stadt Stein am Rhein. Bern 1952.
  • Alfons Raimann, Peter Erni: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau. Der Bezirk Steckborn. Bern 2001.
  • Stadt Stein am Rhein: Steiner Heimatblätter. Stein am Rhein.
  • Museum zu Allerheiligen und Kantonale Denkmalpflege Schaffhausen: Stein am Rhein – Geschichte einer Kleinstadt. Schaffhausen.
  • Schweizerischer Kunstführer: Stein am Rhein, Kloster St. Georgen und Burg Hohenklingen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern.

Einzelnachweise

  1. Stein am Rhein – ein musterhaftes Vorbild. In: Schweizer Heimatschutz. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Geschichte von Stein am Rhein. In: Stadt Stein am Rhein. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Die Bombardierung von Stein am Rhein. In: Steiner Heimatblatt. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Zahlen und Fakten. In: Stadt Stein am Rhein. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Stadtrat. In: Stadt Stein am Rhein. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Stein am Rhein – Kloster. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Hohenklingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.