Evangelische Volkspartei

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Evangelische Volkspartei der Schweiz
Abkürzung EVP
Französisch Parti évangélique suisse (PEV)
Gründung 1919
Offizielle Gründung 10. Mai 1919 in Zürich
Sitz Bern
Parteipräsidentin Lilian Studer
Generalsekretär Alex Würzer
Politische Ausrichtung christlich, sozial, ökologisch, politische Mitte
Nationalrat 2 von 200 Sitzen
Ständerat 0 von 46 Sitzen
Fraktion Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Jugendorganisation Junge EVP (JEVP)
Mitglieder rund 4300
Wähleranteil 2023 2,0 %
Website evppev.ch

Die Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP, französisch Parti évangélique suisse, PEV) ist eine christlich geprägte politische Partei der Schweiz. Sie wurde 1919 gegründet und versteht sich als werteorientierte Kraft der politischen Mitte. Ihre Politik verbindet christlich-soziale Grundsätze mit sozialpolitischen, ökologischen und gesellschaftspolitischen Anliegen.[1]

Die EVP bezeichnet Nächstenliebe, Ehrlichkeit, Solidarität, Mitgefühl, Gemeinwohl, Gerechtigkeit, Kompromissbereitschaft und Lösungsorientierung als zentrale Grundlagen ihrer Politik. Zu ihren aktuellen Schwerpunkten gehören die Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung, eine nachhaltige und sozialverträgliche Umwelt- und Klimapolitik, die Stärkung von Familien sowie die Förderung von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt.[2]

Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichte die EVP schweizweit einen Wähleranteil von 2,0 Prozent. Sie ist seit Beginn der Legislatur 2023–2027 mit zwei Mitgliedern im Nationalrat vertreten. Ihre Nationalräte gehören gemeinsam mit den Abgeordneten der Partei Die Mitte der Mitte-Fraktion an.[3]

Geschichte

Vorgeschichte und Gründung

Die Entstehung der EVP fällt in eine Zeit erheblicher gesellschaftlicher und politischer Spannungen in der Schweiz. Industrialisierung, soziale Gegensätze und der Landesstreik von 1918 hatten die Beziehungen zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft belastet. Gleichzeitig erleichterte die Einführung des Proporzwahlrechts kleineren politischen Gruppierungen den Zugang zu Parlamenten.

Bereits vor der Gründung der schweizerischen Partei entstanden protestantisch geprägte politische Organisationen. 1917 wurde im Kanton Zürich die Protestantisch-christliche Partei gegründet, die bei kantonalen Wahlen zwei Sitze gewann. In Bern bestand die Politische Vereinigung christlicher Bürger, die ebenfalls parlamentarisch tätig wurde.[4]

Am 8. März 1919 fand in Brugg eine sogenannte Vertrauensmännerversammlung statt, die als vorbereitender Schritt zur Gründung der EVP gilt. Am 10. Mai 1919 wurde in Zürich die Evangelische Volkspartei der Schweiz offiziell gegründet. Zu den prägenden Persönlichkeiten der Anfangszeit gehörte Arnold Muggli.[4]

Die Partei wollte sich bewusst nicht eindeutig dem bürgerlichen oder dem sozialistischen Lager zuordnen. Sie verstand sich vielmehr als christlich motivierte politische Kraft, die soziale Gegensätze überwinden und Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen sollte.

Erster Nationalratssitz

Bereits bei den Nationalratswahlen 1919 gelang der jungen Partei der Einzug ins eidgenössische Parlament. Im Kanton Zürich wurde der Arzt und Schriftsteller Hans Hoppeler in den Nationalrat gewählt. Er war bis 1939 Mitglied der grossen Kammer und damit während zwei Jahrzehnten der wichtigste Vertreter der EVP auf Bundesebene.[5]

Die frühen programmatischen Vorstellungen der Partei wurden insbesondere vom Basler Historiker Hermann Bächtold geprägt. 1921 formulierte er 26 sozialpolitische Leitsätze. Darin beschäftigte sich die EVP unter anderem mit Arbeitsverhältnissen, Sozialversicherungen, Konsumentenschutz, Bildung, Familie und Steuerpolitik.

Zu den damals für eine bürgerlich geprägte Partei teilweise weitreichenden Forderungen gehörten der Aufbau einer Alters- und Invalidenversicherung, eine stärkere Besteuerung von Erbschaften und Massnahmen gegen Steuerhinterziehung. Aus den sozialpolitischen Richtlinien entwickelte sich 1926 das erste umfassende Parteiprogramm der EVP.[6]

Entwicklung nach 1939

Nach dem Ausscheiden Hans Hoppelers aus dem Nationalrat verlor die EVP 1939 vorübergehend ihre Vertretung im Bundesparlament. 1943 gelang ihr mit Paul Zigerli im Kanton Zürich die Rückkehr in den Nationalrat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Parteiorganisation professionalisiert. 1946 richtete die EVP in Zürich ein ständiges Sekretariat ein. In den folgenden Jahrzehnten konnte sie ihre Stellung insbesondere in einigen protestantisch geprägten Kantonen der Deutschschweiz festigen.[5]

Zu ihren traditionellen Schwerpunktgebieten gehörten beziehungsweise gehören insbesondere die Kantone Zürich, Bern und Aargau. Im Laufe der Zeit entstanden weitere Kantonal-, Regional- und Ortsparteien.

Die EVP blieb auf Bundesebene stets eine kleinere Partei, konnte jedoch meistens eine kontinuierliche Vertretung im Nationalrat aufrechterhalten.

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts

In den Jahrzehnten nach 1945 verband die EVP weiterhin christlich-ethische Positionen mit sozialpolitischen Forderungen. Zunehmend kamen Umwelt- und entwicklungspolitische Themen hinzu.

Zu bekannten EVP-Politikern des 20. Jahrhunderts gehörten unter anderem Willy Sauser, Heinrich Schlachter, Otto Zwygart senior, Hans Oester, Max Dünki und Otto Zwygart.

1991 wurde der Zürcher reformierte Pfarrer und Sozialarbeiter Ernst Sieber für die EVP in den Nationalrat gewählt. Sieber war durch seine Arbeit für obdachlose, suchtkranke und sozial benachteiligte Menschen bereits weit über die Parteigrenzen hinaus bekannt.

Die EVP versuchte zugleich, ihre Rolle als Vermittlerin zwischen den politischen Lagern stärker hervorzuheben. In einzelnen Sachfragen arbeitet sie mit bürgerlichen Parteien zusammen, in anderen mit Parteien der politischen Linken oder mit ökologisch ausgerichteten Kräften.

Expansion in die Romandie und Junge EVP

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verstärkte die EVP ihre Bemühungen, ausserhalb ihrer traditionellen deutschsprachigen Gebiete Fuss zu fassen.

Am 22. Mai 2004 wurde in Morges eine französischsprachige Sektion im Kanton Waadt gegründet. Damit erhielt die EVP eine stärker institutionalisierte Präsenz in der Romandie.[4]

Am 21. August 2004 wurde in Schaffhausen die Junge Evangelische Volkspartei der Schweiz (JEVP) gegründet. Sie bildet die Jugendorganisation der EVP und soll insbesondere jüngere Menschen für politisches Engagement gewinnen und schweizweit miteinander vernetzen.[7]

Entwicklung seit 2010

2010 verfügte die EVP mit Maja Ingold aus dem Kanton Zürich und Marianne Streiff aus dem Kanton Bern über zwei Nationalrätinnen.

Bei den Nationalratswahlen 2019 gelang der Partei ein Erfolg. Neben Nik Gugger und Marianne Streiff wurde im Kanton Aargau auch Lilian Studer gewählt. Damit verfügte die EVP erstmals seit längerer Zeit wieder über drei Sitze im Nationalrat.

Im selben Jahr feierte die Partei ihr 100-jähriges Bestehen.

2021 wurde Lilian Studer zur Präsidentin der EVP Schweiz gewählt. Sie folgte auf Marianne Streiff, welche das Parteipräsidium seit 2014 ausgeübt hatte.[8]

Nach dem Rücktritt von Marianne Streiff aus dem Nationalrat rückte im November 2022 der Berner Marc Jost nach.

Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichte die EVP landesweit 2,0 Prozent der Stimmen. Gegenüber 2019, als sie 2,1 Prozent erreicht hatte, blieb ihre Wählerstärke damit weitgehend stabil.[3]

Lilian Studer verlor jedoch ihren Aargauer Nationalratssitz. Seit Beginn der Legislaturperiode 2023–2027 besitzt die EVP deshalb zwei Sitze im Nationalrat.

Politische Ausrichtung

Die EVP wird gewöhnlich der politischen Mitte zugerechnet. Ihre Positionen lassen sich jedoch nicht vollständig auf einer einfachen Links-rechts-Skala einordnen.

In sozial-, umwelt- und entwicklungspolitischen Fragen vertritt sie teilweise Positionen, die auch bei Parteien der Mitte-links und bei ökologischen Parteien zu finden sind. Gleichzeitig vertritt sie in verschiedenen gesellschafts-, familien- und bioethischen Fragen Positionen, die stark von einem christlichen Menschenbild geprägt sind.

Die Partei selbst bezeichnet sich als politische Brückenbauerin. Sie betont, politische Entscheidungen nicht primär nach Interessen einzelner gesellschaftlicher Gruppen, sondern nach dem Gemeinwohl beurteilen zu wollen.[1]

Die EVP ist konfessionell nicht an eine einzelne Kirche gebunden. In ihr engagieren sich Mitglieder verschiedener evangelisch-reformierter Landeskirchen und Freikirchen sowie Personen, die sich mit ihrer christlich geprägten Wertebasis identifizieren.

Grundwerte

Zu den zentralen Begriffen im politischen Selbstverständnis der EVP gehören Menschenwürde, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

Die Menschenwürde versteht die Partei als grundsätzlich und unabhängig von Herkunft, gesellschaftlicher Stellung, Leistungsfähigkeit oder Lebenssituation. Daraus leitet sie unter anderem ihr Engagement gegen Menschenhandel, Ausbeutung und verschiedene Formen gesellschaftlicher Benachteiligung ab.

Unter Gerechtigkeit versteht die EVP sowohl soziale Gerechtigkeit als auch faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Verantwortung gegenüber gesellschaftlich schwächeren Menschen.

Nachhaltigkeit umfasst für die Partei ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte. Politische Entscheidungen sollen nach ihrem Verständnis nicht nur kurzfristige Interessen berücksichtigen, sondern auch ihre Auswirkungen auf kommende Generationen.

Sozialpolitik

Die Sozialpolitik gehört seit der Gründungszeit zu den charakteristischen Themen der EVP.

Bereits die frühen Parteiprogramme enthielten Forderungen nach Sozialversicherungen und besseren sozialen Rahmenbedingungen. Heute unterstützt die Partei leistungsfähige Sozialwerke, verbindet dies aber mit der Forderung nach langfristig tragfähiger Finanzierung.

Ein besonderes Gewicht legt die EVP auf Familien. Sie setzt sich unter anderem für bessere finanzielle Rahmenbedingungen für Familien, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung von Betreuungs- und Erziehungsarbeit ein.

Auch Armutsbekämpfung, soziale Integration und die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen gehören zu ihren wiederkehrenden Themen.

Umwelt- und Klimapolitik

Die EVP misst dem Umwelt- und Klimaschutz einen hohen Stellenwert bei. Sie befürwortet eine nachhaltige Energieversorgung und den Ausbau erneuerbarer Energien.

Nach Auffassung der Partei ist der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen eine Frage der Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Umweltpolitische Massnahmen sollen zugleich sozialverträglich ausgestaltet werden.[2]

Bei der eidgenössischen Abstimmung über das Bundesgesetz für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien im Juni 2024 unterstützte die EVP die Vorlage.

Neben der Energie- und Klimapolitik gehören Biodiversität, nachhaltiger Konsum und der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen zu den Themenfeldern der Partei.

Wirtschaftspolitik

In der Wirtschaftspolitik verbindet die EVP marktwirtschaftliche Grundstrukturen mit sozialer und ökologischer Verantwortung.

Sie betrachtet privatwirtschaftliche Initiative und Unternehmertum grundsätzlich als wichtige Bestandteile einer leistungsfähigen Wirtschaft, fordert jedoch Regeln, welche Menschen, Umwelt und faire Wettbewerbsbedingungen schützen.

Die Partei unterstützt unter anderem die Förderung sozialer Unternehmen und beschäftigt sich mit Fragen verantwortungsvoller Unternehmensführung. Sie engagierte sich auch im Umfeld der schweizerischen Konzernverantwortungsinitiative.

Ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Menschenhandel und wirtschaftliche Tätigkeiten, die nach Ansicht der Partei auf Kosten besonders verletzlicher Personen gehen, gehören zu ihren politischen Schwerpunkten.

Familien- und Gesellschaftspolitik

Die Familie besitzt im politischen Programm der EVP einen hohen Stellenwert. Die Partei will Familien finanziell entlasten und unterschiedliche Formen der Betreuungsarbeit stärker berücksichtigen.

Ihre gesellschaftspolitischen Positionen sind stark von ihrer christlichen Wertebasis beeinflusst. Besonders bei Fragen des Schutzes menschlichen Lebens, der Bioethik, Reproduktionsmedizin und Sterbehilfe legt sie grosses Gewicht auf den Begriff der Menschenwürde.

Gleichzeitig betont die Partei die gesellschaftliche Integration, den Respekt gegenüber Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und den Schutz vor Diskriminierung.

Die Positionierung kann deshalb je nach Sachgebiet sowohl mit linken und grünen als auch mit bürgerlichen oder christlich-konservativen Parteien Überschneidungen aufweisen.

Menschenhandel und Ausbeutung

Die Bekämpfung von Menschenhandel gehört zu den besonders hervorgehobenen Schwerpunkten der EVP.

Die Partei fordert einen stärkeren Schutz von Opfern, eine konsequente Strafverfolgung der Täter und Massnahmen gegen wirtschaftliche und sexuelle Ausbeutung. Auch im Nationalrat haben EVP-Mitglieder wiederholt parlamentarische Vorstösse zu diesen Themen eingereicht.[9]

Die EVP verbindet das Thema mit ihrem Grundsatz, dass Menschen nicht als Ware oder ausschliesslich als wirtschaftlicher Faktor betrachtet werden dürften.

Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Die EVP bezeichnet die Förderung der Demokratie und des sozialen Zusammenhalts als einen ihrer politischen Schwerpunkte.

Sie unterstützt die schweizerische direkte Demokratie, betont jedoch zugleich die Bedeutung von Kompromissen und überparteilicher Zusammenarbeit. In einem politischen System mit zahlreichen Parteien, Föderalismus und Volksabstimmungen betrachtet sie Kompromissfähigkeit als einen wesentlichen Bestandteil demokratischer Politik.

Die Partei tritt nach eigener Darstellung gegen eine zunehmende Polarisierung der politischen Auseinandersetzung auf und versucht, bei Sachgeschäften Mehrheiten über Parteigrenzen hinweg zu bilden.

Aussen- und Entwicklungspolitik

In der Aussenpolitik legt die EVP traditionell besonderes Gewicht auf Menschenrechte, internationale Zusammenarbeit und humanitäre Verantwortung.

Die Entwicklungszusammenarbeit wird von der Partei grundsätzlich unterstützt. Sie betrachtet Armutsbekämpfung, Bildung, Rechtsstaatlichkeit und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung als wichtige Voraussetzungen für langfristige Stabilität.

Auch Menschenrechte in autoritär regierten Staaten, faire internationale Wirtschaftsbeziehungen und die Verantwortung schweizerischer Unternehmen im Ausland gehören zu ihren wiederkehrenden Themen.

Verhältnis zu Religion und Staat

Obwohl die EVP ihre politischen Wertvorstellungen ausdrücklich aus dem christlichen Glauben ableitet, fordert sie keinen religiösen Staat. Die Partei hält fest, dass die Schweiz keine Theokratie sei und sein solle.[1]

Nach ihrem Verständnis liefert die Bibel keine unmittelbaren Lösungen für einzelne politische Sachfragen. Sie sieht darin jedoch ethische Grundwerte, anhand derer politische Entscheidungen beurteilt werden können.

Die EVP unterscheidet sich damit sowohl von säkularen Parteien als auch von politischen Bewegungen, die eine unmittelbare Umsetzung religiöser Vorschriften in staatliches Recht verlangen.

Die Mitgliedschaft ist nicht auf Angehörige einer bestimmten evangelischen Kirche beschränkt. Neben Mitgliedern reformierter Landeskirchen sind auch Personen aus verschiedenen Freikirchen sowie weitere Menschen in der Partei aktiv.

Organisation

Das oberste Organ der EVP Schweiz ist die Delegiertenversammlung. Die Kantonal-, Regional- und Ortsparteien entsenden Delegierte nach den in den Parteistatuten festgelegten Regeln.[8]

Weitere wichtige Organe sind das Parteipräsidium, der Parteivorstand und die Geschäftsleitung. Das Generalsekretariat befindet sich in Bern.

Seit Juni 2021 ist Lilian Studer Präsidentin der EVP Schweiz. Sie war von 2019 bis 2023 Mitglied des Nationalrates für den Kanton Aargau und blieb nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundesparlament Parteipräsidentin.

Generalsekretär ist seit 2023 Alex Würzer.[4]

Die EVP verfügt über Kantonalparteien sowie zahlreiche Regional- und Ortsparteien. Besonders dicht ist ihre Organisation in Teilen der Deutschschweiz.

Junge Evangelische Volkspartei

Die Junge Evangelische Volkspartei (JEVP) ist die Nachwuchsorganisation der EVP Schweiz. Sie wurde 2004 in Schaffhausen gegründet.

Die JEVP möchte junge Menschen zu politischem Engagement motivieren und christliche Wertvorstellungen in aktuelle politische Debatten einbringen.

Sie besitzt innerhalb der EVP organisatorische Mitwirkungsrechte und ist in den nationalen Parteigremien vertreten.

EVP Frauen

Mit EVP Frauen Schweiz verfügt die Partei über eine Organisation zur Vernetzung und Förderung von Frauen innerhalb der EVP.

Sie beschäftigt sich sowohl mit parteiinternen Fragen der politischen Beteiligung als auch mit gesellschaftlichen und politischen Themen, die Frauen besonders betreffen.

Vertretung im Bundesparlament

In der Legislaturperiode 2023–2027 ist die EVP mit zwei Nationalräten vertreten:

Name Kanton Im Nationalrat seit
Nik Gugger Zürich 2017
Marc Jost Bern 2022

Nik Gugger und Marc Jost gehören der Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. an.[10]

Die Fraktionsgemeinschaft ist für die EVP von besonderer Bedeutung, da Fraktionen im schweizerischen Parlament Sitze in den parlamentarischen Kommissionen erhalten und eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Ratsgeschäfte spielen.

Die EVP bleibt innerhalb der gemeinsamen Fraktion organisatorisch und programmatisch selbständig. Die Zusammenarbeit mit der Mitte bedeutet keine Fusion der Parteien.[10]

Im Ständerat ist die EVP gegenwärtig nicht vertreten.

Nationalratswahlen

Der landesweite Wähleranteil der EVP liegt seit mehreren Jahrzehnten ungefähr im Bereich von zwei Prozent. Ihre Stärke konzentriert sich stärker auf die Deutschschweiz.

Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichte sie gesamtschweizerisch 2,0 Prozent. In der deutschsprachigen Schweiz lag ihr Anteil bei 2,4 Prozent, in der französischsprachigen Schweiz bei 0,7 Prozent. In der italienischsprachigen Schweiz spielte sie bei diesen Wahlen praktisch keine Rolle.[3]

Wahljahr Wähleranteil Sitze im Nationalrat
2003 2,3 % 3
2007 2,4 % 2
2011 2,0 % 2
2015 1,9 % 2
2019 2,1 % 3
2023 2,0 % 2

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die EVP trotz ihrer relativ kleinen Wählerbasis über lange Zeit als dauerhafte politische Kraft im Nationalrat behaupten konnte.

Kantonale Politik

Die Bedeutung der EVP ist auf kantonaler Ebene regional sehr unterschiedlich.

Besonders starke traditionelle Verankerungen besitzt sie in Teilen der Kantone Zürich, Bern und Aargau. Auch in mehreren weiteren Deutschschweizer Kantonen ist sie in kantonalen oder kommunalen Parlamenten vertreten.

Die Partei gab 2026 an, über insgesamt 42 Mandate in kantonalen Parlamenten zu verfügen.[1]

Eine besondere Stellung besitzt die EVP im Kanton Basel-Landschaft. Dort wurde Thomi Jourdan 2023 in den Regierungsrat gewählt. Damit gelang der Partei erstmals der Einzug in eine Kantonsregierung. Jourdan übernahm die Sicherheitsdirektion des Kantons.

Die Wahl zeigte, dass die Partei lokal und kantonal auch dort politische Ämter gewinnen kann, wo ihr gesamtschweizerischer Wähleranteil vergleichsweise klein ist.

Kommunale Politik

Auf Gemeindeebene verfügt die EVP insbesondere in ihren traditionellen Schwerpunktregionen über zahlreiche Mandate in Gemeindeparlamenten, Gemeinde- und Stadträten sowie weiteren Behörden.

Die kommunale Ebene besitzt für die Partei eine wichtige organisatorische Bedeutung. Orts- und Regionalparteien stellen Kandidierende auf, führen Wahl- und Abstimmungskampagnen und bilden die Verbindung zwischen nationaler Parteiorganisation und lokaler Politik.

EVP-Mitglieder bekleiden beziehungsweise bekleideten auch Gemeindepräsidien und andere Exekutivämter.

Verhältnis zu anderen Parteien

Aufgrund ihrer programmatischen Kombination lässt sich die EVP nicht dauerhaft einem der klassischen politischen Lager zuordnen.

Bei Sozial-, Umwelt-, Menschenrechts- und Entwicklungsthemen ergeben sich häufig Gemeinsamkeiten mit der SP, den Grünen und teilweise der GLP. Bei Familien-, Gesellschafts- und bioethischen Fragen können dagegen Gemeinsamkeiten mit Die Mitte oder anderen bürgerlichen Parteien bestehen.

Diese wechselnden Kooperationen entsprechen dem Selbstbild der EVP als politische Brückenbauerin.

Im Bundesparlament bildet sie seit mehreren Legislaturperioden eine Fraktionsgemeinschaft mit der christlichdemokratisch beziehungsweise zentristisch geprägten politischen Mitte.

Abgrenzung zur EDU

Die EVP wird gelegentlich mit der ebenfalls evangelisch geprägten Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) verglichen. Beide Parteien beziehen sich auf christliche Wertvorstellungen, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer politischen Ausrichtung.

Die EDU wird im schweizerischen Parteiensystem üblicherweise rechts der EVP eingeordnet. Die EVP vertritt insbesondere in Sozial-, Umwelt-, Entwicklungs- und Migrationsfragen häufiger Positionen der politischen Mitte oder Mitte-links.

Auch hinsichtlich politischem Stil und strategischer Zusammenarbeit betont die EVP stärker ihre Rolle als Vermittlerin zwischen verschiedenen politischen Lagern.

Parteipräsidium

Seit 2021 wird die EVP Schweiz von Lilian Studer präsidiert.

Zu den Präsidentinnen und Präsidenten der jüngeren Parteigeschichte gehören:

Amtszeit Präsidentin oder Präsident
1973–1985 Paul Gysel
1985–1992 Max Dünki
1992–2000 Otto Zwygart
2000–2008 Ruedi Aeschbacher
2008–2014 Heiner Studer
2014–2021 Marianne Streiff
seit 2021 Lilian Studer

[4]

Bekannte Persönlichkeiten

Zu den Politikerinnen und Politikern, welche die EVP auf nationaler Ebene geprägt haben, gehören unter anderem:

  • Hans Hoppeler, erster EVP-Nationalrat
  • Max Dünki, Nationalrat und Parteipräsident
  • Otto Zwygart, Nationalrat und Parteipräsident
  • Ernst Sieber, Pfarrer und Nationalrat
  • Ruedi Aeschbacher, Nationalrat und Parteipräsident
  • Heiner Studer, Nationalrat und Parteipräsident
  • Maja Ingold, Nationalrätin
  • Marianne Streiff, Nationalrätin und Parteipräsidentin
  • Lilian Studer, Nationalrätin und Parteipräsidentin
  • Nik Gugger, Nationalrat
  • Marc Jost, Nationalrat

Bedeutung im schweizerischen Parteiensystem

Die EVP gehört gemessen am Wähleranteil zu den kleineren nationalen Parteien der Schweiz. Dennoch verfügt sie über eine aussergewöhnlich lange organisatorische Kontinuität. Seit ihrer Gründung im Jahr 1919 besteht sie unter demselben Namen und war während des grössten Teils ihrer Geschichte im Nationalrat vertreten.

Ihre politische Bedeutung ergibt sich weniger aus ihrer zahlenmässigen Stärke als aus ihrer möglichen Rolle bei knappen Mehrheitsentscheidungen und ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Parteien.

Charakteristisch ist die Verbindung von christlicher Werteorientierung, sozialpolitischer Tradition und ökologischen Anliegen. Diese Kombination unterscheidet die EVP sowohl von den grossen bürgerlichen Parteien als auch von klassischen linken und grünen Parteien.

Mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Gründung versteht sich die EVP weiterhin als politische Brückenbauerin zwischen gesellschaftlichen Gruppen und politischen Lagern.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 EVP Schweiz: Die EVP, abgerufen am 15. August 2026.
  2. 2,0 2,1 EVP Schweiz: Unsere Politik, abgerufen am 15. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Bundesamt für Statistik: Parteistärken bei den Nationalratswahlen, abgerufen am 15. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 EVP Schweiz: Geschichte, abgerufen am 15. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Evangelische Volkspartei im Historischen Lexikon der Schweiz, abgerufen am 15. August 2026.
  6. EVP Schweiz: 1919–2019 – 100 Jahre EVP Schweiz, abgerufen am 15. August 2026.
  7. Junge Evangelische Volkspartei der Schweiz, abgerufen am 15. August 2026.
  8. 8,0 8,1 EVP Schweiz: Organe, abgerufen am 15. August 2026.
  9. EVP Schweiz: Vorstösse im Nationalrat, abgerufen am 15. August 2026.
  10. 10,0 10,1 EVP Schweiz: Nationalrat und Fraktion, abgerufen am 15. August 2026.