Hochrhein

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Hochrhein
Flusssystem Rhein
Flussabschnitt Vom Ausfluss aus dem Untersee bei Stein am Rhein bis Basel
Länge rund 145 km
Staaten Schweiz und Deutschland
Schweizer Kantone Schaffhausen, Thurgau, Zürich, Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt
Deutsches Bundesland Baden-Württemberg
Beginn Stein am Rhein, etwa 395 m ü. M.
Ende Basel, etwa 246 m ü. M.
Bedeutendster Wasserfall Rheinfall
Grösster Zufluss Aare
Weitere wichtige Zuflüsse Thur, Töss, Glatt, Wutach, Alb, Murg, Wehra, Sissle, Ergolz und Birs
Bedeutende Städte Stein am Rhein, Schaffhausen, Neuhausen am Rheinfall, Waldshut-Tiengen, Bad Säckingen, Laufenburg, Rheinfelden und Basel
Wasserkraftanlagen 11 Staustufen zwischen Schaffhausen und Birsfelden
Übergang zum nächsten Abschnitt Oberrhein bei Basel

Der Hochrhein ist der Abschnitt des Rheins zwischen dem Ausfluss aus dem Untersee bei Stein am Rhein und dem Übergang zum Oberrhein bei Basel. Er ist rund 145 Kilometer lang und gehört zu den landschaftlich, wirtschaftlich und kulturgeschichtlich bedeutendsten Flussräumen der Schweiz.

Der obere Teil verläuft durch die Kantone Schaffhausen, Thurgau und Zürich. Unterhalb des Rheinfalls bildet der Fluss auf weiten Strecken die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Im unteren Abschnitt berührt er den Kanton Aargau sowie die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt.

Der Hochrhein weist sehr unterschiedliche Flusslandschaften auf. Zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen fliesst er ruhig durch eine breite, teilweise naturnahe Stromlandschaft. Bei Neuhausen am Rheinfall stürzt er über den 23 Meter hohen Rheinfall. Weiter flussabwärts wechseln sich frei fliessende Strecken, tiefe Felstäler, Inseln, Auenreste und durch Wasserkraftwerke entstandene Stauräume ab.

Bei Koblenz mündet die Aare in den Hochrhein. Sie führt an der Mündung im langjährigen Mittel mehr Wasser als der Rhein oberhalb des Zusammenflusses und vergrössert dessen Abfluss deutlich. Unterhalb von Koblenz besitzt der Hochrhein deshalb den Charakter eines wesentlich grösseren Stroms.

Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde der Fluss stark durch Wasserkraftnutzung, Uferverbauungen, Industrie, Siedlungsentwicklung und Verkehrswege verändert. Elf Staustufen gliedern heute den Abschnitt zwischen Schaffhausen und Birsfelden. Nur wenige längere Strecken weisen noch eine weitgehend natürliche Strömungsdynamik auf.

Gleichzeitig ist der Hochrhein ein wichtiger Trinkwasserraum, Lebensraum, Energielieferant und Erholungsraum. Internationale und kantonsübergreifende Programme sollen Wasserqualität, Fischwanderung, Geschiebetransport und naturnahe Ufer verbessern.

Bezeichnung und Abgrenzung

Der Rhein wird geografisch in mehrere Hauptabschnitte gegliedert:

Flussabschnitt Ungefähre Abgrenzung
Alpenrhein Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bis zum Bodensee
Seerhein Obersee bei Konstanz bis Untersee
Hochrhein Untersee bei Stein am Rhein bis Basel
Oberrhein Basel bis Bingen
Mittelrhein Bingen bis Bonn
Niederrhein Bonn bis zur deutsch-niederländischen Grenze
Rhein-Maas-Delta Niederlande bis zur Nordsee

Die Bezeichnung Hochrhein bezieht sich auf die hohe geografische Lage des Abschnitts gegenüber dem Ober-, Mittel- und Niederrhein.

Sie darf nicht mit dem Oberrhein verwechselt werden. Der Oberrhein beginnt bei Basel und durchfliesst anschliessend die Oberrheinische Tiefebene.

In der schweizerischen Hydrologie wird der Hochrhein gewöhnlich vom Ausfluss des Bodensees beziehungsweise Untersees bei Stein am Rhein bis zur Landesgrenze bei Basel definiert.[1]

Die internationale Rheinkilometrierung beginnt bei der Alten Rheinbrücke in Konstanz. Stein am Rhein liegt ungefähr bei Rheinkilometer 25, Basel bei Rheinkilometer 170.

Verlauf

Stein am Rhein und oberster Hochrhein

Der Hochrhein beginnt am westlichen Ende des Untersees bei Stein am Rhein.

Der Übergang vom See zum Fluss ist landschaftlich fliessend. Der Rhein ist zunächst breit, ruhig und nur schwach geneigt.

Die historische Altstadt von Stein am Rhein liegt am rechten Ufer. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Ortsteil Burg. Eine Strassenbrücke verbindet beide Ufer.

Oberhalb und unterhalb der Stadt prägen:

  • Schilfgürtel;
  • flache Ufer;
  • Kies- und Sandablagerungen;
  • Inseln;
  • Auenwälder;
  • landwirtschaftliche Flächen

das Landschaftsbild.

Der oberste Hochrhein ist ein wichtiges Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel.

Hemishofen und Bibermühle

Unterhalb von Stein am Rhein fliesst der Hochrhein an Hemishofen vorbei.

Die 1875 eröffnete Eisenbahnbrücke bei Hemishofen ist ein markantes Bauwerk der ehemaligen Bahnstrecke Etzwilen–Singen.

Im Bereich der Bibermühle mündet die Biber in den Rhein. Der Fluss durchquert zuvor das deutsch-schweizerische Grenzgebiet.

Die Fahrrinne ist stellenweise schmal und kann durch Geschiebeablagerungen verändert werden. Dies beeinflusst die Kursschifffahrt zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen.[2]

Diessenhofen und Gailingen

Bei Diessenhofen und Gailingen am Hochrhein bildet der Fluss die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland.

Die gedeckte Holzbrücke zwischen Diessenhofen und Gailingen gehört zu den bedeutenden historischen Rheinübergängen.

Der Rhein fliesst hier in einem breiten, bewaldeten Tal. Die Ufer besitzen teilweise naturnahe Strukturen.

Das Gebiet ist durch:

  • historische Ortsbilder;
  • Klosteranlagen;
  • Rebberge;
  • Waldhänge;
  • Uferwege;
  • Ausflugsschifffahrt

geprägt.

Schaffhausen

Im Raum Schaffhausen wird der Fluss stärker durch Siedlungen, Industrie und Verkehrsanlagen beeinflusst.

Die Altstadt von Schaffhausen liegt am rechten Ufer. Mehrere Brücken verbinden die Stadt mit Feuerthalen und Flurlingen auf der Zürcher Seite.

Das Kraftwerk Schaffhausen staut den Rhein oberhalb der Stadt. Es dient der Stromerzeugung und beeinflusst Wasserstand und Strömung.

Unterhalb des Kraftwerks fliesst der Rhein an der Schaffhauser Altstadt vorbei und erreicht anschliessend Neuhausen am Rheinfall.

Rheinfall

Zwischen Neuhausen am Rheinfall und dem Zürcher Schloss Laufen überwindet der Rhein eine 23 Meter hohe und rund 150 Meter breite Felsstufe.

Der Rheinfall gilt als grösster Wasserfall Europas, wenn Wassermenge und Breite gemeinsam betrachtet werden.

Bei hoher Wasserführung können mehrere hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Felsen stürzen. Während des Hochwassers im Sommer 2024 wurden zeitweise mehr als 960 Kubikmeter pro Sekunde gemessen.[3]

Der Rheinfall entstand während der letzten Eiszeit. Der Rhein wurde damals in ein neues Flussbett gelenkt und traf auf widerstandsfähige Kalksteinschichten.

Im Rheinfallbecken liegen mehrere Felsen. Der bekannteste ist über eine Schiffsanlegestelle und eine Treppe erschlossen.

Der Rheinfall bildet ein natürliches Hindernis für:

  • durchgehende Schifffahrt;
  • Wanderung verschiedener Fischarten;
  • früheren Warentransport;
  • historische Verkehrsverbindungen.

Schiffe müssen oberhalb und unterhalb des Wasserfalls in getrennten Abschnitten verkehren.

Rheinfallbecken bis Rheinau

Unterhalb des Rheinfalls fliesst der Rhein zunächst durch ein tief eingeschnittenes, bewaldetes Tal.

Bei Nohl beginnt ein Grenzabschnitt zwischen der Schweiz und Deutschland.

Der Fluss bildet grosse Schleifen und umfliesst bei Rheinau eine markante Halbinsel.

Auf einer Rheininsel liegt das ehemalige Kloster Rheinau. Die barocke Klosterkirche und die umgebende Flusslandschaft bilden ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.

Das Kraftwerk Rheinau leitet einen Teil des Wassers durch einen Kanal. Dadurch entstand eine Restwasserstrecke rund um die Rheinauer Halbinsel.

Die geringe Wasserführung in dieser Strecke führte zu langjährigen Diskussionen über Landschaftsschutz, Fischerei und ökologische Aufwertung.

Eglisau und Glattfelden

Unterhalb von Rheinau erreicht der Hochrhein das Gebiet von Eglisau.

Das historische Städtchen liegt am linken Ufer und ist von Rebbergen umgeben. Eine Strassenbrücke und eine hohe Eisenbahnbrücke überqueren den Fluss.

Das Kraftwerk Eglisau-Glattfelden staut den Rhein auf einer längeren Strecke.

Durch den Kraftwerksbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg der Wasserspiegel. Uferbereiche, Gebäude und Verkehrswege mussten angepasst oder verlegt werden.

Die Glatt mündet bei Rheinsfelden in den Rhein.

Unterhalb der Glattmündung durchfliesst der Hochrhein eine teilweise bewaldete Landschaft zwischen dem Zürcher Unterland und dem deutschen Landkreis Waldshut.

Kaiserstuhl und Hohentengen

Bei Kaiserstuhl und Hohentengen am Hochrhein verbindet eine Strassenbrücke die Schweiz mit Deutschland.

Kaiserstuhl ist eine mittelalterliche Kleinstadt am südlichen Ufer. Das gegenüberliegende Schloss Rötteln liegt auf deutscher Seite.

Der Fluss ist in diesem Bereich durch die Stauwirkung des Kraftwerks Reckingen geprägt.

Zurzibiet und Reckingen

Der Rhein fliesst weiter durch das nördliche Gebiet des Kantons Aargau, das als Zurzibiet bezeichnet wird.

Wichtige Orte sind:

Bei Rekingen befindet sich ein deutsch-schweizerisches Grenzkraftwerk.

Bad Zurzach war bereits in römischer Zeit ein wichtiger Rheinübergang. Die römische Siedlung trug den Namen Tenedo.

Die Rheinlandschaft umfasst Stauräume, Uferwälder, Landwirtschaftsflächen und ehemalige Kiesbänke.

Aaremündung bei Koblenz

Bei Koblenz mündet die Aare von Süden in den Hochrhein.

Der Zusammenfluss gehört zu den bedeutendsten hydrologischen Punkten der Schweiz.

Die Aare besitzt an ihrer Mündung:

  • ein grösseres Einzugsgebiet;
  • im langjährigen Mittel einen höheren Abfluss;
  • eine grössere Länge von der Quelle bis zum Zusammenfluss

als der Rhein oberhalb von Koblenz.

Trotzdem behält der gemeinsame Fluss aus historischen und geografischen Gründen den Namen Rhein.

Unterhalb der Aaremündung steigt die mittlere Wasserführung stark an. Bei Basel führt der Rhein im langjährigen Mittel rund 1000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.[4]

Waldshut und Albbruck

Unterhalb von Koblenz fliesst der Rhein an Waldshut-Tiengen vorbei.

Die historische Stadt Waldshut liegt am rechten Ufer. Eine Eisenbahnbrücke verbindet Waldshut mit Koblenz.

Bei Albbruck befindet sich das Kraftwerk Albbruck-Dogern. Es nutzt einen Seitenkanal, während im alten Rheinbett eine Restwasserstrecke verbleibt.

Die deutsche Alb mündet bei Albbruck in den Hochrhein.

Laufenburg

Bei Laufenburg durchschneidet der Rhein einen schmalen Felstalabschnitt.

Die historische Stadt wurde durch die spätere Staatsgrenze in einen schweizerischen und einen deutschen Teil getrennt.

Bis zum Bau des Kraftwerks Laufenburg befanden sich im Flussbett Stromschnellen, die als Laufen bezeichnet wurden. Sie erschwerten die Schifffahrt und gaben dem Ort seinen Namen.

Die alte Rheinbrücke verbindet die beiden Altstädte.

Das 1914 in Betrieb genommene Kraftwerk Laufenburg gehörte zu den frühen grossen Laufwasserkraftwerken Europas.

Bad Säckingen und Stein

Weiter flussabwärts liegen Bad Säckingen auf deutscher und Stein im Fricktal auf schweizerischer Seite.

Die gedeckte Holzbrücke von Bad Säckingen ist eine der längsten gedeckten Holzbrücken Europas.

Das Kraftwerk Säckingen staut den Rhein zwischen Laufenburg und Bad Säckingen.

Die Region war während Jahrhunderten durch das Damenstift Säckingen, Fischerei, Flösserei, Handel und Landwirtschaft geprägt.

Ryburg-Schwörstadt

Zwischen Möhlin und Schwörstadt befindet sich das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt.

Sein Stauraum gehört zu den breiteren Abschnitten des unteren Hochrheins.

Auf schweizerischer Seite liegen Möhlin und Riburg, auf deutscher Seite Schwörstadt.

In der Umgebung bestehen Auenreste, Kiesflächen und bedeutende Grundwasservorkommen.

Rheinfelden

Bei Rheinfelden und Rheinfelden in Baden liegen sich zwei gleichnamige Städte gegenüber.

Die schweizerische Altstadt entstand im Mittelalter an einem strategisch wichtigen Rheinübergang.

Im Flussbett lagen früher Stromschnellen und Felsformationen, darunter der sogenannte Höllhaken.

Das alte Kraftwerk Rheinfelden von 1898 war eines der ersten grossen europäischen Flusskraftwerke. Es wurde durch eine moderne Anlage ersetzt, die 2010 den vollständigen Betrieb aufnahm.

Im Zusammenhang mit dem Neubau wurden Uferbereiche und Flusslebensräume neu gestaltet.

Augst, Kaiseraugst und Birsfelden

Unterhalb von Rheinfelden passiert der Rhein Kaiseraugst und Augst.

In römischer Zeit lag hier die bedeutende Stadt Augusta Raurica.

Die Staustufe Augst-Wyhlen besteht aus Anlagen auf schweizerischer und deutscher Seite.

Unterhalb davon fliesst der Hochrhein an Pratteln, Muttenz und Grenzach-Wyhlen vorbei.

Das Kraftwerk Birsfelden bildet die letzte grosse Staustufe vor Basel.

Basel

In Basel erreicht der Hochrhein seinen Endpunkt.

Der Fluss durchquert die Stadt und ändert am Rheinknie seine bisher überwiegend westliche Fliessrichtung nach Norden.

Traditionell gilt Basel als Übergang vom Hochrhein zum Oberrhein.

Die genaue hydrografische Grenze wird je nach fachlicher oder schifffahrtsrechtlicher Betrachtung unterschiedlich festgelegt. Häufig wird die Mittlere Brücke oder die schweizerische Landesgrenze unterhalb der Stadt als Bezugspunkt verwendet.

In Basel münden unter anderem:

  • die Birs;
  • der Birsig;
  • die Wiese

in den Rhein.

Unterhalb Basels beginnt die durchgehend für die internationale Grossschifffahrt ausgebaute Wasserstrasse in Richtung Nordsee.

Höhenunterschied und Gefälle

Der Hochrhein verlässt den Untersee auf einer Höhe von ungefähr 395 Metern über Meer.

Bei Basel liegt der Wasserspiegel ungefähr 246 Meter über Meer.

Der gesamte Höhenunterschied beträgt somit rund 149 Meter.

Ein wesentlicher Teil dieses Gefälles entfällt auf:

  • den Rheinfall;
  • natürliche Stromschnellen;
  • die Gefällestufen der Wasserkraftwerke.

Die Nutzung des Gefälles zur Stromerzeugung veränderte die natürliche Flussdynamik grundlegend.

Zuflüsse

Der Hochrhein nimmt zahlreiche Flüsse und Bäche aus der Schweiz, dem Schwarzwald und dem Jura auf.

Bedeutende Zuflüsse

Zufluss Mündungsseite Mündungsgebiet Bedeutung
Biber rechts Bei Hemishofen Zufluss aus dem Hegau und dem Grenzgebiet
Thur links Bei Flaach und Ellikon am Rhein Erster grosser Schweizer Zufluss unterhalb des Bodensees
Töss links Bei der Tössegg Entwässert Teile des Zürcher Oberlands und Tösstals
Glatt links Bei Rheinsfelden Abfluss des Greifensees und des Glatttals
Wutach rechts Bei Waldshut-Tiengen Bedeutender Schwarzwaldzufluss
Aare links Bei Koblenz Grösster Zufluss des Hochrheins
Alb rechts Bei Albbruck Schwarzwaldfluss
Murg rechts Bei Murg Schwarzwaldzufluss
Sissle links Bei Sisseln Entwässert Teile des Fricktals
Wehra rechts Bei Wehr-Brennet Zufluss aus dem Südschwarzwald
Ergolz links Bei Augst Wichtigster Fluss des Baselbiets
Birs links Bei Birsfelden und Basel Bedeutender Jurafluss
Wiese rechts In Basel Zufluss aus dem Südschwarzwald

Thur

Die Thur mündet bei Flaach in den Rhein.

Ihr Mündungsgebiet umfasst eines der bedeutendsten Auengebiete des Schweizer Mittellands.

Die Thurauen wurden durch Flusskorrektionen, Kiesabbau und Landwirtschaft verändert, besitzen aber weiterhin eine hohe ökologische Bedeutung.

Töss

Die Töss mündet an der Tössegg in den Rhein.

Der Zusammenfluss liegt in einer bewaldeten Landschaft und ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Historisch transportierte die Töss grosse Mengen Kies in den Hochrhein.

Glatt

Die Glatt mündet bei Rheinsfelden unterhalb von Glattfelden.

Sie entwässert den Greifensee sowie dicht besiedelte Gebiete des Zürcher Oberlands und Glatttals.

Ihre Wasserqualität war im 20. Jahrhundert stark durch Abwasser belastet, verbesserte sich jedoch durch den Ausbau der Abwasserreinigung.

Wutach

Die Wutach ist einer der grössten rechten Nebenflüsse des Hochrheins.

Sie entspringt im Schwarzwald und durchfliesst die bekannte Wutachschlucht.

Ihre Mündung liegt bei Waldshut-Tiengen.

Aare

Die Aare ist der bedeutendste Zufluss.

Ihr Einzugsgebiet umfasst grosse Teile der Schweizer Alpen und des Mittellands.

Sie bringt Wasser aus:

  • Berner Oberland;
  • Thuner- und Brienzersee;
  • Region Bern;
  • Drei-Seen-Land;
  • Reuss;
  • Limmat

zum Rhein.

Die Farbe und Strömung der beiden Flüsse können am Zusammenfluss zeitweise deutlich unterschieden werden.

Staatsgrenze

Der Hochrhein bildet auf langen Strecken die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland.

Der Grenzverlauf ist jedoch kompliziert.

Mehrere Abschnitte liegen vollständig auf schweizerischem Gebiet, insbesondere:

  • im Raum Stein am Rhein;
  • im Kanton Schaffhausen;
  • bei Rheinau;
  • im Stadtgebiet von Basel.

Die deutsche Exklave Büsingen am Hochrhein liegt am rechten Rheinufer und ist vollständig von schweizerischem Gebiet umgeben.

Der Fluss bildet Grenzen zwischen:

  • Kanton Schaffhausen und Baden-Württemberg;
  • Kanton Zürich und Baden-Württemberg;
  • Kanton Aargau und Baden-Württemberg;
  • Kanton Basel-Landschaft und Baden-Württemberg;
  • Kanton Basel-Stadt und Baden-Württemberg.

Brücken, Kraftwerke und gemeinsame Gewässernutzungen erfordern eine enge internationale Zusammenarbeit.

Brücken und Grenzübergänge

Der Hochrhein wird von zahlreichen Strassen-, Eisenbahn- und Fussgängerbrücken überquert.

Zu den bedeutenden Übergängen gehören:

Ort Art des Übergangs Besonderheit
Stein am Rhein Strassenbrücke Verbindung zwischen Altstadt und Burg
Hemishofen Eisenbahnbrücke Historische Fachwerkbrücke
Diessenhofen–Gailingen Holzbrücke Gedeckte historische Brücke
Schaffhausen–Feuerthalen Strassen- und Eisenbahnbrücken Bedeutender regionaler Verkehrsknoten
Neuhausen–Flurlingen Strassenbrücke Oberhalb des Rheinfalls
Eglisau Strassen- und Eisenbahnbrücke Hohe Eisenbahnbrücke über dem Stausee
Kaiserstuhl–Hohentengen Strassenbrücke Internationaler Grenzübergang
Zurzach–Rheinheim Strassenbrücke Verbindung des Zurzibiets mit Deutschland
Koblenz–Waldshut Strassen- und Eisenbahnbrücke Grenzübergang bei der Aaremündung
Laufenburg Alte Rheinbrücke Verbindung zweier historischer Altstädte
Stein–Bad Säckingen Holzbrücke Bedeutendes Baudenkmal
Rheinfelden Alte Rheinbrücke und neue Strassenbrücken Verbindung der beiden Rheinfelden
Basel zahlreiche Brücken Städtischer und internationaler Verkehrsknoten

Historisch konzentrierten sich Handel, Märkte, Zollstellen und Befestigungen an den Rheinübergängen.

Geologie und Landschaftsentstehung

Der Hochrhein durchquert unterschiedliche geologische Räume.

Im oberen Abschnitt dominieren:

  • Molassegesteine;
  • eiszeitliche Schotter;
  • Moränen;
  • Kalkstein am Rheinfall.

Weiter westlich schneidet sich der Fluss in Gesteine des Tafeljuras und des Schwarzwaldrands ein.

Eiszeitliche Entwicklung

Während der Eiszeiten wurde das Flusssystem mehrfach durch Gletscher verändert.

Der Rhein floss zeitweise durch andere Täler als heute.

Der Rheinfall entstand, als der Fluss nach dem Rückzug der Gletscher in ein neues Bett geleitet wurde. Dort traf er auf eine Grenze zwischen widerstandsfähigem Kalkstein und leichter erodierbaren Schottern.

Terrassen

Entlang des Hochrheins liegen mehrere Schotterterrassen.

Sie entstanden durch:

  • eiszeitliche Schmelzwasserflüsse;
  • wechselnde Abflussmengen;
  • Eintiefung des Flusses;
  • Ablagerung von Kies und Sand.

Die Terrassen werden heute für Siedlungen, Landwirtschaft, Verkehrswege und Kiesabbau genutzt.

Felstäler

Bei Laufenburg und Rheinfelden durchquerte der Rhein ursprünglich enge Felsrinnen mit Stromschnellen.

Durch Kraftwerksbauten und Aufstau verschwanden viele dieser natürlichen Strukturen.

Hydrologie

Der Abfluss des Hochrheins wird stark durch den Bodensee beeinflusst.

Der See wirkt als natürlicher Speicher und gleicht kurzfristige Schwankungen aus.

Der obere Hochrhein weist deshalb ein ausgeglicheneres Abflussregime auf als viele unregulierte Alpenflüsse.

Abflusszunahme

Der Abfluss nimmt flussabwärts durch die Zuflüsse zu.

Besonders bedeutend sind:

  • Thur;
  • Töss;
  • Glatt;
  • Wutach;
  • Aare.

Unterhalb der Aaremündung kann sich die Wasserführung mehr als verdoppeln.

Bei Basel beträgt der langjährige mittlere Abfluss rund 1000 Kubikmeter pro Sekunde.[4]

Hochwasser

Hochwasser entstehen vor allem durch:

  • lang anhaltende Niederschläge;
  • Schneeschmelze;
  • gesättigte Böden;
  • gleichzeitig hohe Abflüsse von Rhein und Aare;
  • starke Zuflüsse aus Schwarzwald und Alpen.

Der Bodensee dämpft Hochwasserwellen des Alpenrheins, kann bei hohem Seestand jedoch über längere Zeit grosse Wassermengen abgeben.

Unterhalb der Aaremündung wird die Hochwasserlage stark von der Aare bestimmt.

Gefahrenkarten erfassen mögliche Überflutungen in Siedlungs- und Industriegebieten.

Niedrigwasser

Längere Trockenperioden können zu niedrigen Wasserständen führen.

Auswirkungen sind:

  • Einschränkungen der Schifffahrt;
  • höhere Wassertemperaturen;
  • geringere Verdünnung von Schadstoffen;
  • Belastung der Fischbestände;
  • Einschränkungen bei Wasserentnahmen;
  • Veränderungen der Stromproduktion.

Der Bodensee stabilisiert den Abfluss im oberen Abschnitt, kann extreme Trockenheit jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Rheinfall

Der Rheinfall ist die auffälligste natürliche Gefällestufe des Hochrheins.

Er ist etwa:

  • 150 Meter breit;
  • 23 Meter hoch.

Seine Wassermenge schwankt stark nach Jahreszeit und Witterung.

Im Sommer führt der Rhein wegen Schneeschmelze und Niederschlägen gewöhnlich mehr Wasser als im Winter.

Der Wasserfall ist:

  • Naturdenkmal;
  • touristische Sehenswürdigkeit;
  • Landschaftsschutzgebiet;
  • ökologisches Wanderhindernis;
  • Symbol des Kantons Schaffhausen.

Schloss Laufen liegt oberhalb des südlichen Ufers. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich Aussichtsanlagen in Neuhausen am Rheinfall.

Wasserkraft

Das Gefälle des Hochrheins wird intensiv zur Stromerzeugung genutzt.

Zwischen Schaffhausen und Birsfelden bestehen elf Staustufen.[5]

Kraftwerk oder Staustufe Lage Staaten
Kraftwerk Schaffhausen Schaffhausen und Feuerthalen Schweiz
Kraftwerk Rheinau Rheinau und Jestetten Schweiz und Deutschland
Kraftwerk Eglisau-Glattfelden Glattfelden und Eglisau Schweiz
Kraftwerk Reckingen Rekingen und Küssaberg Schweiz und Deutschland
Kraftwerk Albbruck-Dogern Albbruck und Dogern Deutschland, mit schweizerischer Beteiligung
Kraftwerk Laufenburg Laufenburg Schweiz und Deutschland
Kraftwerk Säckingen Stein und Bad Säckingen Schweiz und Deutschland
Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt Möhlin und Schwörstadt Schweiz und Deutschland
Kraftwerk Rheinfelden Rheinfelden Schweiz und Deutschland
Staustufe Augst-Wyhlen Augst und Grenzach-Wyhlen Schweiz und Deutschland
Kraftwerk Birsfelden Birsfelden Schweiz

Auswirkungen

Die Wasserkraftwerke liefern erneuerbare Elektrizität, verändern aber den Fluss erheblich.

Zu den Folgen gehören:

  • Aufstau frei fliessender Abschnitte;
  • geringere Strömungsvielfalt;
  • Unterbrechung des Geschiebetransports;
  • Hindernisse für wandernde Fische;
  • Veränderungen der Wassertemperatur;
  • Sedimentablagerungen;
  • Verlust von Kiesbänken;
  • Restwasserstrecken;
  • Schwankungen durch Kraftwerksbetrieb.

Ein grosser Teil des Hochrheins besteht heute aus einer Kette von Stauräumen.

Frei fliessende Strecken

Bedeutende frei fliessende oder weniger stark gestaute Abschnitte bestehen unter anderem:

  • zwischen dem Rheinfall und dem Kraftwerk Rheinau;
  • in der Restwasserstrecke bei Rheinau;
  • zwischen dem Kraftwerk Reckingen und der Aaremündung;
  • in einzelnen Restwasserstrecken unterhalb weiterer Kraftwerke.

Diese Abschnitte sind ökologisch besonders wertvoll.[6]

Schifffahrt

Stein am Rhein bis Schaffhausen

Zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen verkehren Kursschiffe der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein.

Die Strecke gilt als eine der landschaftlich reizvollsten Flussschifffahrten Europas.

Enge Fahrrinnen, niedrige Wasserstände und Geschiebeablagerungen können den Betrieb einschränken.

Der Rheinfall verhindert eine durchgehende Schiffsverbindung.

Unterhalb des Rheinfalls

Unterhalb des Wasserfalls verkehren Ausflugsschiffe im Rheinfallbecken.

Weiter flussabwärts bestehen lokale Personen-, Sport- und Freizeitschifffahrt.

Kraftwerke, Wehre und Stromschnellen begrenzen die durchgehende Befahrbarkeit.

Rheinfelden bis Basel

Zwischen Rheinfelden und Basel ist der Rhein auch für grössere Schiffe befahrbar.

Für diesen Abschnitt gelten besondere schweizerische und deutsche schifffahrtspolizeiliche Vorschriften.

Die Grossschifffahrt nutzt Schleusen bei Augst und Birsfelden.

Der Sachplan Verkehr des Bundes sieht vor, die Schifffahrt zwischen Basel und Rheinfelden zu erhalten und zu fördern.[7]

Basel als Rheinhafen

Basel ist der wichtigste Hafenstandort der Schweiz.

Von den Schweizerischen Rheinhäfen bestehen Verbindungen zu:

  • Rotterdam;
  • Antwerpen;
  • Amsterdam;
  • deutschen und französischen Binnenhäfen;
  • dem europäischen Kanalnetz.

Ein erheblicher Teil der schweizerischen Importe von Mineralöl, Getreide, Metallen und anderen Massengütern erreicht das Land über den Rhein.

Fischfauna

Der Hochrhein besitzt eine vielfältige Fischfauna.

Historisch kamen unter anderem vor:

  • Lachs;
  • Äsche;
  • Nase;
  • Barbe;
  • Forelle;
  • Aal;
  • Hecht;
  • Flussbarsch;
  • Alet;
  • verschiedene Felchen- und Karpfenarten.

Die Artenzusammensetzung unterscheidet sich zwischen frei fliessenden, gestauten und seeartigen Abschnitten.

Äsche

Der obere Hochrhein zwischen Stein am Rhein und dem Rheinfall war traditionell eines der bedeutendsten Äschengewässer Europas.

Hohe Wassertemperaturen führten in den Sommern 2003 und 2018 zu grossen Fischsterben.

Im August 2018 wurden im Hochrhein Temperaturen von mehr als 27 Grad Celsius gemessen. Tausende Äschen starben.[1]

Schutzmassnahmen umfassen:

  • Fangbeschränkungen;
  • Schongebiete;
  • Notfallbecken mit kühlerem Wasser;
  • Beschattung von Zuflüssen;
  • Wiederherstellung geeigneter Laichplätze;
  • internationale Bestandsüberwachung.

= Lachs

Der Atlantische Lachs wanderte früher vom Meer bis in den Hochrhein und seine Zuflüsse.

Wasserkraftwerke, Verschmutzung, Flussverbauungen und Überfischung führten im 20. Jahrhundert zu seinem Verschwinden.

Seit den 1990er-Jahren laufen Programme zur Wiederansiedlung.

Junglachse werden in geeigneten Zuflüssen ausgesetzt. Sie sollen zum Meer abwandern und später zum Laichen zurückkehren.

Mehrere Kraftwerke wurden oder werden mit Fischaufstiegs- und Fischabstiegshilfen ausgerüstet.

Noch fehlende Wanderhilfen am Oberrhein verhindern jedoch eine regelmässige Rückkehr bis in die Schweiz.

Fischwanderung

Die elf Staustufen stellen erhebliche Hindernisse dar.

Zur Verbesserung der Durchgängigkeit dienen:

  • Fischpässe;
  • Umgehungsgewässer;
  • Fischlifte;
  • naturnahe Seitenarme;
  • technische Fischabstiegsanlagen;
  • angepasster Turbinenbetrieb.

Die Wirksamkeit wird durch Zählungen und Markierungsprogramme überprüft.

Pflanzen- und Tierwelt

Auen

Natürliche Auen entstanden dort, wo der Rhein regelmässig über die Ufer trat und Kies, Sand und Holz umlagerte.

Heute sind nur noch Reste erhalten.

Bedeutende Auengebiete liegen:

  • an der Thurmündung;
  • bei Rüdlingen und Buchberg;
  • zwischen Rekingen und Koblenz;
  • bei der Aaremündung;
  • im Raum Möhlin;
  • bei Augst und Kaiseraugst.

Typische Lebensräume sind:

  • Weichholzauen;
  • Hartholzauen;
  • Kiesbänke;
  • Altarme;
  • Schilfflächen;
  • Flachwasserzonen;
  • temporäre Tümpel.

Vögel

Der Hochrhein ist Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Wasservögel.

Beobachtet werden unter anderem:

  • Kormoran;
  • Graureiher;
  • Eisvogel;
  • Gänsesäger;
  • Haubentaucher;
  • verschiedene Entenarten;
  • Flussregenpfeifer;
  • Schwarzmilan.

Stauräume bieten ruhige Wasserflächen, während frei fliessende Abschnitte andere Arten begünstigen.

= Biber

Der Europäische Biber hat den Hochrhein und viele Zuflüsse wiederbesiedelt.

Er gestaltet Ufer durch:

  • Höhlen;
  • Dämme in Seitengewässern;
  • gefällte Bäume;
  • neue Flachwasserbereiche.

In Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten können Konflikte durch Unterhöhlung und Vernässung entstehen.

Invasive Arten

Durch Schifffahrt, Kanäle und menschliche Aussetzungen gelangten gebietsfremde Arten in den Rhein.

Dazu gehören:

  • Quaggamuschel;
  • Körbchenmuscheln;
  • Schwarzmundgrundel;
  • weitere Grundelarten;
  • invasive Wasserpflanzen.

Einige Arten verändern Nahrungsnetze und verdrängen einheimische Organismen.

Wasserqualität

Die Wasserqualität des Hochrheins war im 20. Jahrhundert durch:

  • kommunale Abwässer;
  • Industrie;
  • Landwirtschaft;
  • Schwermetalle;
  • organische Schadstoffe;
  • Nährstoffe

belastet.

Der Ausbau von Kläranlagen und strengere Umweltvorschriften führten seit den 1970er-Jahren zu einer deutlichen Verbesserung.

Heute werden chemische und biologische Messgrössen regelmässig von schweizerischen und deutschen Behörden untersucht.

Koordinierte biologische Untersuchungen finden in mehrjährigen Abständen statt.[8]

Belastungen der Gegenwart

Zu den heutigen Problemen gehören:

  • Mikroverunreinigungen;
  • Pestizide;
  • Arzneimittelrückstände;
  • Industriechemikalien;
  • Mikroplastik;
  • hohe Wassertemperaturen;
  • veränderte Strömung;
  • fehlender Geschiebetransport;
  • invasive Arten.

Die Wasserqualität kann chemisch gut sein, während der ökologische Zustand wegen der starken baulichen Veränderungen eingeschränkt bleibt.

Trinkwasser und Grundwasser

Der Hochrhein speist bedeutende Grundwasservorkommen.

Flusswasser versickert durch Kies- und Sandschichten und wird dabei natürlich gefiltert.

Zahlreiche Gemeinden und Wasserversorgungen nutzen:

  • Grundwasserbrunnen;
  • Uferfiltrat;
  • Quellwasser;
  • künstlich angereichertes Grundwasser.

Der Schutz des Rheins ist deshalb für die Trinkwasserversorgung von grosser Bedeutung.

Schadstoffunfälle werden durch internationale Alarm- und Messsysteme überwacht.

Geschiebetransport

Ein natürlicher Fluss transportiert Kies, Sand und Feinsedimente.

Die Kraftwerke halten einen grossen Teil des Geschiebes zurück.

Dadurch entstehen:

  • Erosion unterhalb der Wehre;
  • Verfestigung der Flusssohle;
  • Verlust lockerer Kiesflächen;
  • schlechtere Laichbedingungen;
  • fehlende Erneuerung von Kiesbänken;
  • Veränderungen der Ufer.

Zwischen Reckingen und Koblenz besteht zwar eine längere frei fliessende Strecke, doch auch dort ist der Geschiebenachschub stark vermindert.

Schweizerische und deutsche Behörden erarbeiten Massnahmen zur Reaktivierung des Geschiebehaushalts.

Dazu gehören:

  • Kiesschüttungen;
  • Weitergabe von Geschiebe an Kraftwerken;
  • weniger Kiesentnahmen;
  • Aufwertung von Seitengewässern;
  • Entfernung harter Uferverbauungen.

Geschichte

= Vorgeschichte

Die fruchtbaren Terrassen und Flussübergänge waren bereits in der Stein-, Bronze- und Eisenzeit besiedelt.

Der Rhein war zugleich:

  • Verkehrsweg;
  • Fischereigewässer;
  • Rohstoffquelle;
  • natürliche Grenze;
  • Verbindung zwischen Kulturräumen.

Archäologische Fundstellen liegen unter anderem bei Stein am Rhein, Schaffhausen, Zurzach, Koblenz, Laufenburg, Säckingen, Rheinfelden und Augst.

= Römerzeit

In römischer Zeit bildete der Hochrhein zeitweise einen Teil der nördlichen Reichsgrenze.

Bedeutende römische Orte waren:

Antiker Ort Heutiger Raum Bedeutung
Tasgetium Stein am Rhein Kastell und Rheinübergang
Iuliomagus Schleitheim, im Hinterland Römische Kleinstadt
Tenedo Bad Zurzach Kastell, Siedlung und Brückenkopf
Vindonissa Windisch bei der Aaremündung Legionslager und Verkehrsknoten
Augusta Raurica Augst und Kaiseraugst Bedeutende römische Stadt
Castrum Rauracense Kaiseraugst Spätantikes Kastell

Strassen und Brücken verbanden Gallien, das Alpengebiet, Rätien und Germanien.

In der Spätantike wurden zahlreiche Kastelle zur Sicherung des Rheins errichtet.

= Frühmittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft blieb der Rhein eine politische und kulturelle Grenze.

Klöster und kirchliche Zentren entstanden unter anderem in:

  • Rheinau;
  • Säckingen;
  • Zurzach;
  • Basel.

Fähren und Furten verbanden die Siedlungen beider Ufer.

= Hoch- und Spätmittelalter

Im Mittelalter entstanden befestigte Städte an wichtigen Übergängen.

Dazu gehörten:

  • Stein am Rhein;
  • Schaffhausen;
  • Eglisau;
  • Kaiserstuhl;
  • Waldshut;
  • Laufenburg;
  • Säckingen;
  • Rheinfelden;
  • Basel.

Brückenorte kontrollierten Verkehr und erhoben Zölle.

Der Fluss war durch zahlreiche Herrschaftsgebiete geteilt. Besitzungen der Habsburger, des Hochstifts Basel, verschiedener Klöster, süddeutscher Fürsten und eidgenössischer Orte grenzten aneinander.

= Fischerei

Die Fischerei war für viele Ufergemeinden wirtschaftlich wichtig.

Gefangen wurden:

  • Lachs;
  • Äsche;
  • Nase;
  • Aal;
  • Barbe;
  • Hecht;
  • Felchen.

Fischereirechte gehörten häufig Klöstern, Städten oder Grundherren.

Streitigkeiten über Fangplätze, Reusen und Netze führten zu Verträgen zwischen den Anrainergebieten.

= Flösserei

Holz aus Schwarzwald, Alpen und Mittelland wurde auf dem Rhein transportiert.

Die Flösserei war wegen Stromschnellen und Wasserfällen gefährlich.

Am Rheinfall mussten Waren und teilweise auch Holz umgeladen oder über Land weitertransportiert werden.

Mit dem Eisenbahnbau verlor die Flösserei im 19. und frühen 20. Jahrhundert an Bedeutung.

= Industrialisierung

Die Wasserkraft förderte seit dem 19. Jahrhundert die Industrialisierung.

Entlang des Hochrheins entstanden:

  • Textilfabriken;
  • Maschinenindustrie;
  • Aluminiumproduktion;
  • Chemieunternehmen;
  • Papierfabriken;
  • Salinen;
  • Elektrizitätswerke.

Schaffhausen, Neuhausen, Waldshut, Albbruck, Laufenburg, Bad Säckingen, Rheinfelden und Basel entwickelten sich zu Industriestandorten.

= Kraftwerksbau

Das erste grosse Ausbauzeitalter begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Das alte Kraftwerk Rheinfelden nahm 1898 den Betrieb auf.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden Kraftwerke bei:

  • Augst und Wyhlen;
  • Laufenburg;
  • Eglisau;
  • Ryburg-Schwörstadt;
  • Albbruck-Dogern;
  • Reckingen;
  • Birsfelden;
  • Rheinau;
  • Schaffhausen;
  • Säckingen.

Die Kraftwerksbauten veränderten Landschaft, Fischerei und Schifffahrt dauerhaft.

= Gewässerschutz

Die zunehmende Verschmutzung führte im 20. Jahrhundert zu internationaler Zusammenarbeit.

Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins wurde 1950 gegründet.

Der Brand eines Chemielagers bei Schweizerhalle im Jahr 1986 verursachte eine schwere Verschmutzung des Rheins unterhalb von Basel und verstärkte die gemeinsamen Schutzbemühungen.

Der anschliessende Ausbau von Warnsystemen, Kläranlagen und Umweltvorschriften verbesserte die Wasserqualität des gesamten Rheinsystems.

Wirtschaft

= Energie

Die Laufwasserkraftwerke produzieren grosse Mengen erneuerbarer Elektrizität.

Die Anlagen gehören schweizerischen, deutschen oder gemeinsam getragenen Unternehmen.

Der Betrieb wird durch internationale Konzessionen und Staatsverträge geregelt.

= Industrie

Bedeutende Industriegebiete liegen in:

  • Schaffhausen und Neuhausen;
  • Waldshut-Tiengen;
  • Albbruck;
  • Laufenburg;
  • Sisseln und Stein;
  • Bad Säckingen;
  • Rheinfelden;
  • Kaiseraugst;
  • Pratteln und Muttenz;
  • Basel.

Vertreten sind unter anderem:

  • Pharmaindustrie;
  • Chemie;
  • Maschinenbau;
  • Metallverarbeitung;
  • Energieversorgung;
  • Logistik;
  • Lebensmittelindustrie;
  • Baustoffproduktion.

= Landwirtschaft

Die Flussterrassen werden für Acker-, Obst- und Weinbau genutzt.

Weinbaugebiete liegen insbesondere:

  • bei Stein am Rhein;
  • im Kanton Schaffhausen;
  • bei Eglisau;
  • im Zurzibiet;
  • im Fricktal;
  • am deutschen Hochrheinufer.

Der Rhein liefert Wasser für Bewässerung, wobei Entnahmen während Trockenperioden eingeschränkt werden können.

= Tourismus

Zu den wichtigsten touristischen Zielen gehören:

  • Stein am Rhein;
  • Schaffhausen;
  • Rheinfall;
  • Kloster Rheinau;
  • Eglisau;
  • Bad Zurzach;
  • Laufenburg;
  • Bad Säckingen;
  • Rheinfelden;
  • Augusta Raurica;
  • Basel.

Wandern, Velofahren, Schifffahrt und Wassersport besitzen grosse regionale Bedeutung.

Verkehr

= Eisenbahn

Auf beiden Seiten des Flusses verlaufen Bahnstrecken.

Die deutsche Hochrheinbahn verbindet Basel über Waldshut und Schaffhausen mit Konstanz.

Auf schweizerischer Seite bestehen unter anderem Strecken:

  • Winterthur–Stein am Rhein;
  • Schaffhausen–Zürich;
  • Eglisau–Koblenz;
  • Turgi–Koblenz;
  • Basel–Stein-Säckingen–Zürich.

Mehrere internationale Eisenbahnbrücken überqueren den Rhein.

= Strassen

Strassen begleiten den Fluss auf beiden Seiten.

Der Grenzverkehr besitzt grosse Bedeutung für:

  • Pendlerinnen und Pendler;
  • Güterverkehr;
  • Tourismus;
  • Einkauf;
  • regionale Zusammenarbeit.

Staus und Belastungen konzentrieren sich an grossen Grenzübergängen.

= Rheinroute

Die nationale Veloroute 2 folgt dem Rhein über weite Strecken.

Sie verbindet den Bodensee mit Basel und führt anschliessend weiter Richtung Nordsee.

Der Hochrheinabschnitt verläuft durch historische Städte, Auenlandschaften und Kraftwerksgebiete.

Freizeit und Erholung

Der Hochrhein wird genutzt zum:

  • Schwimmen;
  • Rudern;
  • Kanufahren;
  • Stand-up-Paddeln;
  • Motorbootfahren;
  • Segeln in Stauräumen;
  • Angeln;
  • Wandern;
  • Velofahren;
  • Naturbeobachten.

Strömung, Wehre, Schiffsverkehr und Wasserstände können gefährlich sein.

Das Baden ist in der Nähe von:

  • Kraftwerken;
  • Wehren;
  • Schleusen;
  • Brückenpfeilern;
  • Stromschnellen;
  • Schifffahrtsrinnen

besonders riskant oder verboten.

In Basel besitzt das Rheinschwimmen eine lange Tradition. Schwimmerinnen und Schwimmer lassen sich im Sommer flussabwärts treiben.

Naturschutz

Mehrere Landschaften am Hochrhein sind durch nationale, kantonale oder deutsche Schutzinstrumente geschützt.

Dazu gehören:

  • Rheinfalllandschaft;
  • Thurauen;
  • Rheinlandschaft bei Rheinau;
  • Auen bei Rüdlingen;
  • Aaremündung bei Koblenz;
  • Auenreste im Fricktal;
  • Uferbereiche bei Kaiseraugst.

Schutzziele sind:

  • Erhaltung naturnaher Ufer;
  • Schutz von Auenwäldern;
  • Wiederherstellung der Fischwanderung;
  • Sicherung von Kiesbänken;
  • Vernetzung von Lebensräumen;
  • Begrenzung von Freizeitstörungen.

Internationale Zusammenarbeit

Da der Hochrhein durch zwei Staaten und mehrere Kantone verläuft, ist seine Bewirtschaftung grenzüberschreitend organisiert.

Beteiligt sind unter anderem:

  • Schweizerische Eidgenossenschaft;
  • Bundesrepublik Deutschland;
  • Land Baden-Württemberg;
  • Kantone Schaffhausen, Thurgau, Zürich, Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt;
  • Kraftwerksunternehmen;
  • Fischereiorganisationen;
  • Gemeinden;
  • Internationale Kommission zum Schutz des Rheins.

Gemeinsame Themen sind:

  • Hochwasserschutz;
  • Wasserqualität;
  • Schifffahrt;
  • Fischerei;
  • Wasserkraft;
  • Geschiebetransport;
  • Naturschutz;
  • Alarmierung bei Schadstoffunfällen.

Klimawandel

Der Klimawandel beeinflusst den Hochrhein zunehmend.

Beobachtete und erwartete Veränderungen sind:

  • höhere Wassertemperaturen;
  • längere sommerliche Niedrigwasserperioden;
  • frühere Schneeschmelze;
  • häufigere Hitzebelastung für Fische;
  • veränderte Hochwasserrisiken;
  • stärkere Ausbreitung wärmeliebender und invasiver Arten;
  • Einschränkungen für Schifffahrt und Kraftwerke.

Besonders gefährdet sind kälteliebende Arten wie Äsche und Forelle.

Massnahmen umfassen:

  • Schaffung kühler Rückzugsräume;
  • Renaturierung von Zuflüssen;
  • Uferbeschattung;
  • Verbesserung der Gewässervernetzung;
  • Reduktion zusätzlicher Wärmeeinleitungen;
  • internationale Notfallplanung.

Zeittafel

Zeit Ereignis
Vorgeschichte Besiedlung der Flussterrassen und Nutzung früher Rheinübergänge
Römische Zeit Kastelle, Städte, Brücken und Strassen entlang des Hochrheins
4. Jahrhundert Ausbau des Rheins als spätantike Grenzlinie
Frühmittelalter Entstehung bedeutender Klöster und kirchlicher Zentren
Hochmittelalter Gründung und Ausbau zahlreicher Brücken- und Zollstädte
15.–18. Jahrhundert Bedeutende Rolle von Fischerei, Handel, Flösserei und Rheinzöllen
19. Jahrhundert Industrialisierung und Ausbau der Eisenbahnlinien
1898 Inbetriebnahme des alten Kraftwerks Rheinfelden
1914 Inbetriebnahme des Kraftwerks Laufenburg
1920 Inbetriebnahme des Kraftwerks Eglisau-Glattfelden
1930er-Jahre Bau mehrerer grosser Kraftwerke am unteren Hochrhein
1950 Gründung der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins
1950er- und 1960er-Jahre Bau der Kraftwerke Birsfelden, Rheinau, Schaffhausen und Säckingen
1970er-Jahre Verstärkter Ausbau von Kläranlagen und Gewässerschutz
1986 Chemiebrand bei Schweizerhalle verstärkt die internationale Zusammenarbeit
1990er-Jahre Beginn umfassender Programme zur Rückkehr des Lachses
2003 Hitzesommer verursacht ein grosses Äschensterben
2010 Neues Kraftwerk Rheinfelden vollständig in Betrieb
2018 Erneutes grosses Fischsterben infolge hoher Wassertemperaturen
2020er-Jahre Ausbau von Fischwanderhilfen, Revitalisierungen und Geschiebemassnahmen

Siehe auch

Literatur

  • Bundesamt für Umwelt: Gewässerökologie Hochrhein 2020. Bern.
  • Bundesamt für Umwelt: Koordinierte biologische Untersuchungen am Hochrhein. Bern.
  • Internationale Kommission zum Schutz des Rheins: Die Biologie des Rheins. Koblenz.
  • Kanton Aargau: Fischereimanagement Hochrhein – Strategieplan 2025. Aarau.
  • Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg: Der Hochrhein. Gewässerstruktur, Ökologie und Nutzung. Karlsruhe.
  • Max Baumann: Der Hochrhein. Landschaft, Geschichte und Kultur. Baden.
  • Internationale Kommission für die Hydrologie des Rheingebietes: Hydrologie des Rheins. Lelystad.
  • Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen: Die Wasserkraftwerke am Hochrhein. Aarau.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Bundesamt für Umwelt: Biologischer Zustand der grossen Fliessgewässer der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Kanton Schaffhausen: Einstellung der Schifffahrt zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Kanton Schaffhausen: Rheinfall-Sommer 2024, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Bundesamt für Umwelt: Internationales Messnetz erfasst Umweltsünden, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Bundesamt für Energie: Sicherheitstechnische Anforderungen an den Bau und den Betrieb von Stauanlagen am Hochrhein, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Kanton Aargau: Fischereimanagement Hochrhein – Strategieplan 2025, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Bundesamt für Verkehr: Sachplan Verkehr, Teil Infrastruktur Schifffahrt: Basel–Rheinfelden, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Bundesamt für Umwelt: Gewässerökologie Hochrhein 2020, abgerufen am 23. Juli 2026.