FDP.Die Liberalen

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FDP.Die Liberalen
Logo von FDP.Die Liberalen
Abkürzung FDP
Französischer Name PLR.Les Libéraux-Radicaux
Italienischer Name PLR.I Liberali Radicali
Rätoromanischer Name PLD.Ils Liberals
Staat Schweiz
Gründung 1. Januar 2009
Vorgängerparteien Freisinnig-Demokratische Partei der Schweiz
Liberale Partei der Schweiz
Politische Ausrichtung Liberalismus, Wirtschaftsliberalismus, bürgerliche Politik
Grundwerte Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt
Co-Präsidium Susanne Vincenz-Stauffacher
Benjamin Mühlemann
Generalsekretär Jonas Projer
Fraktionspräsident Damien Cottier
Bundesräte Ignazio Cassis
Karin Keller-Sutter
Nationalrat 27 von 200 Sitzen (Juli 2026)
Ständerat 11 von 46 Sitzen (Juli 2026)
Bundesrat 2 von 7 Sitzen
Jugendorganisation Jungfreisinnige Schweiz
Frauenorganisation FDP.Die Liberalen Frauen
Europäische Organisation ALDE Party
Internationale Organisation Liberale Internationale
Parteifarbe Blau
Hauptsitz Neuengasse 20
3011 Bern
Website www.fdp.ch

FDP.Die Liberalen ist eine liberale und bürgerliche Partei der Schweiz. Sie wird im schweizerischen Parteiensystem dem politischen Spektrum rechts der Mitte zugeordnet und verbindet wirtschaftsliberale Positionen mit gesellschaftspolitischem Liberalismus, föderalistischen Grundsätzen und dem Bekenntnis zu einem handlungsfähigen, aber begrenzten Staat.

Die Partei entstand 2009 durch den Zusammenschluss der Freisinnig-Demokratischen Partei der Schweiz und der Liberalen Partei der Schweiz. Beide Vorgängerorganisationen gingen aus politischen Bewegungen hervor, die den Aufbau des modernen schweizerischen Bundesstaates im 19. Jahrhundert massgeblich geprägt hatten.[1]

In der Deutschschweiz verwendet die Partei die Bezeichnung FDP.Die Liberalen. In der französischsprachigen Schweiz heisst sie PLR.Les Libéraux-Radicaux, in der italienischsprachigen Schweiz PLR.I Liberali Radicali und in der rätoromanischen Schweiz PLD.Ils Liberals.

FDP.Die Liberalen ist eine der vier Parteien, die im Bundesrat vertreten sind. Seit 2019 gehören Ignazio Cassis und Karin Keller-Sutter als Vertreter der Partei der siebenköpfigen Landesregierung an. In der Legislaturperiode 2023–2027 stellt die Partei zudem eine der grösseren Fraktionen in der Bundesversammlung.

Name und Selbstverständnis

Die Abkürzung FDP geht auf die frühere Bezeichnung Freisinnig-Demokratische Partei zurück. Bei der Fusion mit der Liberalen Partei wurde die bekannte Abkürzung beibehalten und durch den Namensbestandteil Die Liberalen ergänzt.

In der französischen und italienischen Bezeichnung steht die Abkürzung PLR für Parti libéral-radical beziehungsweise Partito liberale radicale. Der Begriff radikal bezieht sich dabei auf die historische radikal-liberale Bewegung des 19. Jahrhunderts und nicht auf politischen Extremismus.

Die Partei bezeichnet Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt als ihre drei zentralen Werte. Diese beruhen nach ihrem Selbstverständnis auf persönlicher Verantwortung. Die Freiheit des Einzelnen soll mit der Bereitschaft verbunden sein, Verantwortung für die Gesellschaft und die Folgen des eigenen Handelns zu übernehmen.[2]

Geschichte

Liberale Bewegung im 19. Jahrhundert

Die historischen Wurzeln der FDP liegen in der liberalen und radikalen Bewegung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach der französischen Julirevolution von 1830 forderten liberale Kräfte in zahlreichen Schweizer Kantonen neue Verfassungen, politische Mitwirkungsrechte, Rechtsgleichheit, Pressefreiheit und eine stärkere Kontrolle der Regierungen durch gewählte Parlamente.

Diese als Regeneration bezeichnete Epoche führte in mehreren Kantonen zu liberalen Verfassungsreformen. Innerhalb der Bewegung bestanden unterschiedliche Strömungen. Gemässigte Liberale befürworteten schrittweise Reformen und einen föderal aufgebauten Staat, während die Radikalen weitergehende demokratische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen forderten.

Nach dem Sonderbundskrieg von 1847 setzten sich die freisinnig-radikalen Kräfte bei der Gründung des modernen Bundesstaates durch. Die Bundesverfassung von 1848 schuf eine gemeinsame Bundesregierung, ein nationales Parlament, einen einheitlicheren Wirtschaftsraum und grundlegende Freiheitsrechte.

Die ersten sieben Mitglieder des 1848 eingesetzten Bundesrates gehörten dem freisinnig-radikalen Lager an. Während der ersten Jahrzehnte des Bundesstaates dominierten Freisinnige die Bundespolitik. Erst schrittweise erhielten Vertreter anderer politischer Richtungen Sitze in der Landesregierung.[3]

Gründung der Freisinnig-Demokratischen Partei

Trotz ihrer politischen Dominanz waren die freisinnigen Kräfte zunächst nur lose in kantonalen Parteien, parlamentarischen Gruppen und politischen Vereinigungen organisiert. Eine gesamtschweizerische Parteiorganisation entstand erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Am 25. Februar 1894 versammelten sich 343 Delegierte in Olten und gründeten die Freisinnig-Demokratische Partei der Schweiz. Den Vorsitz führte der Basler Ständerat Christian Friedrich Göttisheim, der zum ersten Zentralpräsidenten gewählt wurde.[4]

Die FDP vereinigte unterschiedliche Strömungen des Freisinns. Dazu gehörten wirtschaftsliberale, demokratische, radikale und teilweise sozialreformerische Gruppen. Die Kantonalparteien behielten innerhalb der nationalen Organisation ein hohes Mass an Selbstständigkeit.

Mit der Einführung des Verhältniswahlrechts für den Nationalrat im Jahr 1919 verlor die FDP ihre frühere beherrschende Stellung. Sozialdemokraten, Katholisch-Konservative und später weitere Parteien gewannen an Bedeutung. Die FDP blieb jedoch über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg eine der tragenden Parteien des schweizerischen Regierungssystems.

Liberale Partei der Schweiz

Neben der FDP bestanden in mehreren Kantonen eigenständige liberale Parteien. Sie waren meist stärker im städtischen, reformierten und wirtschaftlich geprägten Bürgertum verankert. Ihre wichtigsten Hochburgen lagen in der Westschweiz und in Basel-Stadt.

Die Liberale Partei der Schweiz wurde 1913 als nationale Organisation gegründet. Sie vertrat einen klassischen Liberalismus, betonte den Schutz des Privateigentums, die Marktwirtschaft, individuelle Freiheitsrechte und einen zurückhaltenden Staat.

Die Liberalen waren im Vergleich zur FDP eine kleinere Partei, verfügten jedoch insbesondere in den Kantonen Genf, Waadt, Neuenburg und Basel-Stadt zeitweise über erheblichen Einfluss.

Zusammenarbeit von FDP und Liberalen

FDP und Liberale arbeiteten im Bundesparlament und in mehreren Kantonen eng zusammen. Ihre programmatischen Unterschiede wurden im Verlauf des 20. Jahrhunderts geringer. Beide Parteien vertraten marktwirtschaftliche, föderalistische und bürgerlich-liberale Positionen.

Der zunehmende Wettbewerb mit der Schweizerischen Volkspartei, der Christlichdemokratischen Volkspartei, der Sozialdemokratischen Partei und neueren Parteien verstärkte den Druck zur organisatorischen Zusammenarbeit.

Im Jahr 2005 bildeten FDP und Liberale eine gemeinsame Fraktion in der Bundesversammlung. Anschliessend wurden die nationalen Parteistrukturen schrittweise zusammengeführt. In mehreren Kantonen hatten sich die jeweiligen Kantonalparteien bereits zuvor zusammengeschlossen oder enge Kooperationsformen entwickelt.

Fusion von 2009

Die Delegierten der beiden nationalen Parteien beschlossen 2008 die Fusion. Im Februar 2009 wurde der Zusammenschluss rückwirkend auf den 1. Januar 2009 vollzogen. Die neue Partei erhielt den Namen FDP.Die Liberalen.[5]

Erster Präsident der vereinigten Partei war der Tessiner Nationalrat Fulvio Pelli, der zuvor bereits die Freisinnig-Demokratische Partei geführt hatte. Mit der Fusion sollte eine geschlossene liberale Kraft auf nationaler Ebene geschaffen werden.

Nicht alle kantonalen Organisationen wurden gleichzeitig vereinigt. Im Kanton Waadt erfolgte der Zusammenschluss der freisinnigen und liberalen Kantonalparteien erst 2012. In Basel-Stadt blieb die Liberal-Demokratische Partei organisatorisch selbstständig. Sie ist jedoch Mitglied von FDP.Die Liberalen Schweiz, und ihre Vertreter gehören auf Bundesebene der FDP-Liberalen Fraktion an.[6]

Entwicklung seit der Fusion

Bei den Nationalratswahlen 2011 erreichte die neue Partei einen Wähleranteil von 15,1 Prozent und erhielt 30 Sitze. Das Ergebnis lag unter dem zusammengezählten Anteil der beiden Vorgängerparteien bei den Wahlen von 2007.

Unter Parteipräsident Philipp Müller konnte die FDP ihre Position bei den Nationalratswahlen 2015 verbessern. Sie erreichte 16,4 Prozent der Stimmen und gewann 33 Mandate. Es war der erste gesamtschweizerische Stimmenzuwachs des freisinnig-liberalen Lagers bei Nationalratswahlen seit 1979.[7]

Bei den Wahlen 2019 sank der Wähleranteil wieder auf 15,1 Prozent. Die Partei verlor vier Mandate und stellte noch 29 Mitglieder des Nationalrates. Bei den Nationalratswahlen vom 22. Oktober 2023 erreichte sie 14,3 Prozent und 28 Sitze.[8]

Im Januar 2025 verliess Nationalrat Matthias Jauslin die FDP und schloss sich der Grünliberalen Partei an. Dadurch verringerte sich die FDP-Liberale Fraktion im Nationalrat während der laufenden Legislatur auf 27 Mitglieder.[9]

Im Oktober 2025 wählten die Delegierten die Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher und den Glarner Ständerat Benjamin Mühlemann in ein gemeinsames Co-Präsidium. Sie folgten auf den Aargauer Ständerat Thierry Burkart, der die Partei von 2021 bis 2025 geführt hatte.[10]

Parteipräsidium seit der Fusion

Amtszeit Präsidentin oder Präsident Politisches Amt bei Amtsantritt
2009–2012 Fulvio Pelli Nationalrat aus dem Kanton Tessin
2012–2016 Philipp Müller Nationalrat aus dem Kanton Aargau
2016–2021 Petra Gössi Nationalrätin aus dem Kanton Schwyz
2021–2025 Thierry Burkart Ständerat aus dem Kanton Aargau
seit 2025 Susanne Vincenz-Stauffacher und Benjamin Mühlemann Nationalrätin aus St. Gallen und Ständerat aus Glarus

Organisation

FDP.Die Liberalen ist rechtlich als Verein nach Artikel 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches organisiert. Die nationale Partei bildet den Dachverband der kantonalen Parteien und der ihr nahestehenden Organisationen.

Aufgrund des schweizerischen Föderalismus besitzen die Kantonalparteien weitreichende organisatorische und politische Eigenständigkeit. Sie stellen Kandidierende für kantonale und eidgenössische Wahlen auf, fassen Parolen zu kantonalen Abstimmungen und unterhalten Orts- und Bezirkssektionen.

Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung ist das wichtigste politische Beschlussorgan der nationalen Partei. Sie wählt das Präsidium und das Vizepräsidium, verabschiedet Programme und Positionspapiere und beschliesst die Parolen zu eidgenössischen Volksabstimmungen.

Die Delegierten werden hauptsächlich von den Kantonalparteien entsandt. Weitere Vertretungen stammen aus den parteinahen Organisationen und den parlamentarischen Gruppen.

Parteipräsidentenkonferenz

In der Parteipräsidentenkonferenz sind die Präsidentinnen und Präsidenten der Kantonalparteien vertreten. Sie dient der Koordination zwischen der nationalen Ebene und den kantonalen Organisationen.

Die Konferenz nimmt unter anderem bei personellen Fragen, strategischen Entscheidungen und der Vorbereitung von Wahlen eine wichtige Funktion wahr.

Parteivorstand

Der Parteivorstand behandelt aktuelle politische Geschäfte, verabschiedet Stellungnahmen und Vernehmlassungsantworten und koordiniert die Arbeit der nationalen Partei mit den Kantonalparteien und der FDP-Liberalen Fraktion.

Dem Vorstand gehören das Co-Präsidium, die Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten sowie mehrere Mitglieder kraft ihres Amtes an. Zu diesen zählen der Fraktionspräsident, die Präsidien der Frauen- und Jugendorganisationen, die Leitung der Ständeratsgruppe und der Generalsekretär.[11]

Seit Oktober 2025 wird die Partei von Susanne Vincenz-Stauffacher und Benjamin Mühlemann gemeinsam geführt. Dem Vizepräsidium gehören Andrea Caroni, Andri Silberschmidt, Cyril Aellen, Florence Bettschart-Narbel und Alex Farinelli an.

Generalsekretariat

Das Generalsekretariat befindet sich an der Neuengasse 20 in Bern. Es organisiert die politische und administrative Arbeit der nationalen Partei, unterstützt das Präsidium, bereitet Kampagnen vor und betreut die Kommunikation.

Seit dem 1. Juli 2024 ist der frühere Journalist und Medienmanager Jonas Projer Generalsekretär von FDP.Die Liberalen.[12]

FDP-Liberale Fraktion

Die Mitglieder der Partei im Nationalrat und im Ständerat bilden gemeinsam mit der Liberal-Demokratischen Partei Basel-Stadt die FDP-Liberale Fraktion der Bundesversammlung. Ihr Fraktionskürzel lautet RL.

Die Fraktion berät die Geschäfte der eidgenössischen Räte, koordiniert die Arbeit ihrer Mitglieder und bestimmt ihre Vertretungen in den parlamentarischen Kommissionen. Fraktionspräsident ist seit 2022 der Neuenburger Nationalrat Damien Cottier.[13]

Im Juli 2026 bestand die Fraktion aus 27 Mitgliedern des Nationalrates und elf Mitgliedern des Ständerates. Die Ständeratsmitglieder bilden innerhalb der Fraktion eine eigene Gruppe unter der Leitung von Hans Wicki.

Parteinahestehende Organisationen

Zur freisinnig-liberalen Parteifamilie gehören mehrere eigenständige Organisationen:

  • Die Jungfreisinnigen Schweiz vertreten junge liberale Mitglieder und dienen als Jugendpartei.
  • Die FDP.Die Liberalen Frauen setzen sich insbesondere mit Fragen der Gleichstellung, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der politischen Vertretung von Frauen auseinander.
  • FDP International vertritt die Interessen liberaler Schweizerinnen und Schweizer im Ausland.
  • FDP Service Public vereinigt Personen, die im öffentlichen Dienst oder in staatsnahen Betrieben tätig sind.
  • FDP Urban befasst sich mit liberaler Politik in Städten und Agglomerationen.
  • Radigal ist ein Netzwerk liberaler Personen aus der italienischsprachigen Schweiz.

Die Organisationen sind politisch mit der FDP verbunden, besitzen aber teilweise eigene Statuten, Leitungsorgane und Mitgliedschaften.

Politische Einordnung

FDP.Die Liberalen wird gewöhnlich als bürgerliche, liberale und wirtschaftsliberale Partei rechts der politischen Mitte eingeordnet. Sie verbindet klassische liberale Vorstellungen von individueller Freiheit, Privateigentum und Marktwirtschaft mit dem schweizerischen Föderalismus und dem Prinzip der Eigenverantwortung.

Innerhalb der Partei bestehen unterschiedliche Akzente. Der wirtschaftsliberale Flügel betont tiefe Steuern, Deregulierung und eine Begrenzung der Staatsausgaben. Gesellschaftsliberale Mitglieder legen stärkeres Gewicht auf persönliche Freiheitsrechte, Gleichstellung und eine offene Gesellschaft. Zwischen den Kantonalparteien können sich die politischen Positionen deutlich unterscheiden.

Die FDP grenzt sich sowohl von sozialdemokratischen Konzepten eines ausgebauten Wohlfahrtsstaates als auch von nationalkonservativer Abschottung ab. In wirtschafts-, finanz- und sicherheitspolitischen Fragen arbeitet sie häufig mit der SVP und der Mitte zusammen. In europa- und gesellschaftspolitischen Fragen entstehen teilweise Mehrheiten mit der Mitte, der GLP, der SP oder den Grünen.

Politische Positionen

Wirtschafts- und Steuerpolitik

Die Wirtschafts- und Steuerpolitik bildet einen Schwerpunkt der FDP. Die Partei setzt sich für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort, einen flexiblen Arbeitsmarkt, freien Handel und möglichst geringe administrative Belastungen für Unternehmen ein.

Sie fordert einfache und international konkurrenzfähige Steuern, Rechtssicherheit, leistungsfähige Infrastrukturen und den Schutz des Privateigentums. Staatliche Regulierungen sollen nach ihrer Auffassung auf das notwendige Mass beschränkt werden.

Die FDP unterstützt die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Löhne und Arbeitsbedingungen sollen grundsätzlich von den Sozialpartnern und nicht durch detaillierte staatliche Vorgaben festgelegt werden.

Kleine und mittlere Unternehmen betrachtet die Partei als einen zentralen Bestandteil der schweizerischen Wirtschaft. Sie setzt sich deshalb für einen Abbau bürokratischer Vorschriften, erleichterte Unternehmensgründungen und eine stärkere Digitalisierung der Verwaltung ein.[14]

Finanzpolitik

In der Finanzpolitik tritt die FDP für ausgeglichene öffentliche Haushalte und die Einhaltung der Schuldenbremse ein. Neue staatliche Aufgaben sollen nach Möglichkeit durch Prioritätensetzung und Einsparungen an anderer Stelle finanziert werden.

Die Partei lehnt eine generelle Erhöhung der Staatsquote und neue Steuern überwiegend ab. Sie argumentiert, dass eine dauerhaft hohe Verschuldung den Handlungsspielraum künftiger Generationen einschränke.

Subventionen und staatliche Förderprogramme sollen regelmässig auf ihre Wirksamkeit geprüft, zeitlich begrenzt und gegebenenfalls abgeschafft werden.

Sozialpolitik und Altersvorsorge

Die FDP anerkennt die Bedeutung der sozialen Sicherung, betont jedoch Eigenverantwortung, zielgerichtete Unterstützung und eine langfristig tragfähige Finanzierung.

Bei der Alters- und Hinterlassenenversicherung fordert sie Reformen, die der steigenden Lebenserwartung und der demografischen Entwicklung Rechnung tragen. Dazu gehören eine schrittweise Flexibilisierung des Rentenalters, bessere Anreize zur Weiterarbeit und eine Stabilisierung der Finanzierung.

Die berufliche Vorsorge soll nach Ansicht der Partei stärker an die tatsächlichen wirtschaftlichen und demografischen Verhältnisse angepasst werden. Umverteilungen, die nicht dem Versicherungsprinzip entsprechen, sollen reduziert werden.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen setzt sich die FDP für Wettbewerb, Transparenz und eine Stärkung der Eigenverantwortung ein. Versicherte sollen Wahlmöglichkeiten behalten, während Fehlanreize und unnötige Behandlungen reduziert werden sollen.

Die Partei unterstützt die Digitalisierung des Gesundheitswesens und eine bessere Koordination zwischen Spitälern, Ärzteschaft, Versicherungen und Kantonen. Gleichzeitig lehnt sie eine vollständig staatliche Einheitskasse ab.

Bildungs- und Forschungspolitik

Die FDP betrachtet Bildung, Forschung und Innovation als wesentliche Grundlagen des schweizerischen Wohlstands. Sie unterstützt das duale Bildungssystem, die Berufsbildung, leistungsfähige Hochschulen und die internationale Zusammenarbeit in der Forschung.

Schulen sollen nach ihrer Auffassung grundlegende Kenntnisse, Selbstständigkeit und Leistungsbereitschaft vermitteln. Die Partei befürwortet nachvollziehbare Leistungsbeurteilungen und lehnt eine generelle Abschaffung von Schulnoten ab.

Hochschulen und Forschungsinstitutionen sollen über möglichst gute Rahmenbedingungen und Zugang zu internationalen Programmen verfügen. Besondere Bedeutung misst die FDP der Zusammenarbeit mit europäischen Forschungsnetzwerken bei.

Europapolitik

FDP.Die Liberalen unterstützt den bilateralen Weg zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. Sie betrachtet den geregelten Zugang zum europäischen Binnenmarkt als wichtig für Arbeitsplätze, Forschung und Exportwirtschaft.

Die Partei befürwortet die Weiterentwicklung und institutionelle Stabilisierung der bilateralen Verträge. Gleichzeitig lehnt sie sowohl einen Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union als auch eine wirtschaftliche und politische Abschottung ab.[15]

Die Zusammenarbeit mit der EU soll sich insbesondere auf Handel, Forschung, Bildung, Energieversorgung, Sicherheit und Migration erstrecken. Die Schweiz soll dabei ihre demokratischen Institutionen und politischen Mitwirkungsrechte bewahren.

Aussenhandel und internationale Zusammenarbeit

Die FDP befürwortet eine offene und exportorientierte Volkswirtschaft. Neben den Beziehungen zur Europäischen Union setzt sie sich für Freihandelsabkommen mit weiteren Staaten und Wirtschaftsregionen ein.

In der Entwicklungszusammenarbeit verlangt die Partei eine stärkere Ausrichtung auf Wirksamkeit, Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftliche Entwicklung und die Interessen der Schweiz.

Migrationspolitik

In der Migrationspolitik unterscheidet die FDP zwischen wirtschaftlich benötigter Zuwanderung, dem Asylwesen und illegaler Migration. Die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte soll sich am Bedarf der Wirtschaft orientieren.

Personen, die dauerhaft in der Schweiz leben, sollen sich nach Auffassung der Partei sprachlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich integrieren. Die Einhaltung der Rechtsordnung und die eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts werden als wichtige Voraussetzungen betrachtet.

Die FDP fordert beschleunigte Asylverfahren, einen konsequenten Vollzug rechtskräftiger Wegweisungen und eine stärkere Bekämpfung von Schlepperkriminalität und illegaler Migration.[16]

Sicherheits- und Armeepolitik

Die Partei unterstützt eine leistungsfähige Schweizer Armee, einen modern ausgerüsteten Bevölkerungsschutz und eine verstärkte internationale Sicherheitszusammenarbeit. Die Armee soll in der Lage sein, das Land und seine Bevölkerung gegen militärische, hybride und digitale Bedrohungen zu schützen.

FDP.Die Liberalen befürwortet die bewaffnete Neutralität der Schweiz. Neutralität wird dabei nicht als politische Gleichgültigkeit verstanden, sondern soll mit der Verteidigung von Demokratie, Völkerrecht und Rechtsstaatlichkeit vereinbar sein.

Die Partei setzt sich für höhere Verteidigungsfähigkeit, moderne Luftverteidigung, Cybersicherheit und ausreichende personelle Bestände von Armee und Zivilschutz ein.

Klima-, Umwelt- und Energiepolitik

Die FDP anerkennt den menschengemachten Klimawandel und befürwortet eine Reduktion der Treibhausgasemissionen. Sie setzt dabei vor allem auf technologische Innovationen, marktwirtschaftliche Instrumente und international abgestimmte Massnahmen.

Lenkungsabgaben, Emissionshandel und Zielvereinbarungen werden gegenüber detaillierten Verboten und Vorschriften bevorzugt. Unternehmen und private Haushalte sollen Anreize erhalten, emissionsarme Technologien einzusetzen.

In der Energiepolitik fordert die Partei eine sichere, bezahlbare und möglichst klimafreundliche Versorgung. Sie unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien, leistungsfähige Stromnetze, Speichertechnologien und eine technologieoffene Prüfung verschiedener Formen der Stromproduktion.[17]

Gesellschafts- und Familienpolitik

Gesellschaftspolitisch vertritt die FDP überwiegend liberale Positionen. Individuen und Familien sollen ihre Lebensform möglichst frei wählen können. Der Staat soll unterschiedliche Familienmodelle nicht durch das Steuer- oder Sozialrecht benachteiligen.

Die Partei unterstützt die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuung und die Individualbesteuerung von Ehepaaren. Sie befürwortete auf nationaler Ebene die Einführung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Vertretung im Bundesrat

FDP und ihre freisinnig-liberalen Vorgänger sind seit der Gründung des Bundesstaates im Jahr 1848 ohne Unterbruch im Bundesrat vertreten.

Von 1848 bis 1891 gehörten sämtliche Mitglieder des Bundesrates dem freisinnigen Lager an. Mit der zunehmenden politischen Einbindung anderer Parteien verringerte sich die Zahl der freisinnigen Sitze schrittweise.

Seit der Einführung der sogenannten Zauberformel im Jahr 1959 beanspruchte die FDP grundsätzlich zwei der sieben Bundesratssitze. Zwischen 2008 und 2009 war sie nach dem Rücktritt von Samuel Schmid und vor der Wahl von Didier Burkhalter zeitweise nur mit einem Mitglied vertreten.

Im Jahr 2026 gehören folgende Mitglieder des Bundesrates der FDP an:

Mitglied Kanton Im Bundesrat seit Departement
Ignazio Cassis Tessin 2017 Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten
Karin Keller-Sutter St. Gallen 2019 Eidgenössisches Finanzdepartement

Ignazio Cassis wurde 2017 als Nachfolger von Didier Burkhalter gewählt. Karin Keller-Sutter trat ihr Amt Anfang 2019 als Nachfolgerin von Johann Schneider-Ammann an.[18]

Vertretung in der Bundesversammlung

Bei den eidgenössischen Wahlen 2023 gewann FDP.Die Liberalen 28 der 200 Sitze im Nationalrat und elf der 46 Sitze im Ständerat. Ihr gesamtschweizerischer Wähleranteil bei den Nationalratswahlen betrug 14,3 Prozent.

Nach dem Partei- und Fraktionswechsel von Matthias Jauslin zur GLP im Januar 2025 verfügte die FDP-Liberale Fraktion noch über 27 Mitglieder im Nationalrat. Im Ständerat blieb sie mit elf Mitgliedern besonders stark vertreten.

Nationalratswahlen seit der Parteifusion
Wahljahr Wähleranteil Sitze Veränderung der Sitzzahl
2011 15,1 % 30 −5 gegenüber FDP und LPS 2007
2015 16,4 % 33 +3
2019 15,1 % 29 −4
2023 14,3 % 28 −1

Die Wählerbasis ist regional unterschiedlich. Überdurchschnittlich starke Ergebnisse erzielt die Partei traditionell in Teilen der Westschweiz, im Tessin, in Graubünden sowie in wirtschaftlich geprägten städtischen und suburbanen Gebieten.

In mehreren Kantonen gehört die FDP zu den stärksten Parteien in den Kantonsparlamenten und ist in zahlreichen Kantonsregierungen vertreten. Die Stärke der Kantonalparteien unterscheidet sich jedoch erheblich.

Internationale Verbindungen

FDP.Die Liberalen ist Mitglied der ALDE Party, des europäischen Zusammenschlusses liberaler Parteien. Die schweizerischen Freisinnigen gehören dem europäischen liberalen Parteienverband beziehungsweise seinen Vorgängerorganisationen seit 1993 an.[19]

Zudem ist die Partei Vollmitglied der Liberalen Internationalen. Nach der Fusion wurde sie zunächst als Beobachterin aufgenommen und erhielt 2017 die Vollmitgliedschaft.[20]

Über FDP International beteiligt sich die Partei an der politischen Organisation der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. Sie pflegt zudem Kontakte zu liberalen Parteien, politischen Stiftungen und parlamentarischen Gruppen in Europa und weiteren Weltregionen.

Bedeutung im politischen System

Das freisinnig-liberale Lager gehörte zu den entscheidenden Kräften bei der Entstehung des schweizerischen Bundesstaates. Zu seinen historischen Leistungen zählen die Bundesverfassung von 1848, der Aufbau gemeinsamer staatlicher Institutionen, die Rechtsvereinheitlichung, die Schaffung eines schweizerischen Wirtschaftsraums und die Entwicklung grundlegender Freiheitsrechte.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor die FDP ihre frühere dominierende Stellung. Dennoch blieb sie durch ihre Vertretung im Bundesrat, ihre Stärke im Ständerat und ihre Verankerung in Kantonen und Gemeinden eine wichtige Regierungs- und Parlamentspartei.

Ihr Einfluss ist häufig grösser, als es der nationale Wähleranteil allein erkennen lässt. Dies hängt unter anderem mit ihrer starken Vertretung in Kantonsregierungen, kommunalen Exekutiven, Wirtschaftsverbänden und dem Ständerat zusammen.

Siehe auch

Literatur

  • Urs Altermatt: Das Bundesratslexikon. NZZ Libro, Zürich 2019.
  • Erich Gruner: Die Parteien in der Schweiz. Francke, Bern 1977.
  • Pierre Jeanneret: Le Parti libéral suisse. Lausanne 1991.
  • Olivier Meuwly: Les partis politiques. Acteurs de l'histoire suisse. Presses polytechniques et universitaires romandes, Lausanne 2010.
  • Werner Seitz: Die politische Landschaft der Schweiz. Hier und Jetzt, Zürich 2023.

Einzelnachweise

  1. Die FDP.Die Liberalen – Porträt, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. Die FDP.Die Liberalen, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. Fakten zur Schweizer Regierung, CH Info, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. 130 Jahre FDP, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. Methodische Hinweise zur Parteienlandschaft, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. Nationalratswahlen und Parteistärken seit 1971, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Nationalratswahlen 2015: SVP und FDP als Wahlsiegerinnen, Bundesamt für Statistik, Februar 2016, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Parteien im Bundesrat und im Parlament, CH Info, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. Die Fraktionen der Bundesversammlung, Schweizer Parlament, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. Gemeinsam für die Schweiz, FDP.Die Liberalen, 18. Oktober 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. Parteivorstand, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  12. Jonas Projer zum Generalsekretär gewählt, FDP.Die Liberalen, 4. April 2024, abgerufen am 24. Juli 2026.
  13. FDP-Liberale Fraktion, Schweizer Parlament, abgerufen am 24. Juli 2026.
  14. Wirtschaftspolitik, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  15. Europa, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  16. Migrationspolitik, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  17. Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, FDP.Die Liberalen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  18. Die sieben Mitglieder des Bundesrates, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 24. Juli 2026.
  19. Member Parties Switzerland, ALDE Party, abgerufen am 24. Juli 2026.
  20. FDP.Die Liberalen, Liberal International, abgerufen am 24. Juli 2026.