Zürcher Museums-Bahn
Die Zürcher Museums-Bahn (ZMB) ist eine historische Eisenbahn im Raum Zürich und im Sihltal. Sie wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben, der historische Fahrzeuge und Anlagen der früheren Sihltalbahn erhält, restauriert und für Publikums- und Sonderfahrten einsetzt. Das betriebliche Zentrum der Museumsbahn befindet sich beim Bahnhof Sihlwald.
Die ZMB fährt auf den Gleisen der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU). Die regulären öffentlichen Fahrten führen von Sihlwald über Langnau-Gattikon, Zürich Leimbach und die Saalsporthalle zum Bahnhof Zürich Wiedikon und von dort zurück über Sihlwald bis Sihlbrugg. Damit nutzt die Museumsbahn sowohl Streckenabschnitte mit dichtem regulärem S-Bahn-Verkehr als auch den seit 2006 nicht mehr planmässig im Personenverkehr bedienten Abschnitt Sihlwald–Sihlbrugg.[1]
Zu den bekanntesten Fahrzeugen gehören die Dampflokomotiven E 3/3 Nr. 5 «Schnaaggi-Schaaggi» von 1899 und E 3/3 Nr. 2 «Hansli» von 1893 sowie der elektrische Triebwagen FCe 2/4 Nr. 84 von 1924.[2]
Verein
Der Verein Zürcher Museums-Bahn wurde am 2. März 1996 gegründet. Anlass war insbesondere die drohende Ausserbetriebnahme beziehungsweise Verschrottung der letzten historischen Dampflokomotive der Sihltalbahn, der E 3/3 Nr. 5 «Schnaaggi-Schaaggi».[3]
Die Lokomotive war 1899 gebaut worden und hatte jahrzehntelang auf der Sihltalbahn Dienst geleistet. Nachdem 1987 erneut eine Kesselrevision erforderlich geworden war, wurde sie abgestellt. Die Kosten einer umfassenden Aufarbeitung konnten durch die Bahngesellschaft allein nicht getragen werden.[4]
Mitte der 1990er-Jahre entwickelten Mitarbeitende und Freunde der Sihltalbahn ein Konzept zur Erhaltung des historischen Rollmaterials. Die SZU unterstützte die Idee, historische Fahrzeuge und Anlagen durch einen eigenständigen Verein betreuen zu lassen.
Der Verein verfolgt das Ziel, historisch bedeutende Schienenfahrzeuge der Sihltalbahn sowie ausgewählte Bahnanlagen zu erhalten und betriebsfähig zu halten. Die Fahrzeuge sollen nicht nur museal ausgestellt, sondern weiterhin im Fahrbetrieb gezeigt werden.[5]
Ein grosser Teil der Unterhalts-, Restaurierungs- und Betriebsarbeiten wird von Vereinsmitgliedern ehrenamtlich ausgeführt.
Geschichte
Vorgeschichte
Die Geschichte der Zürcher Museums-Bahn ist eng mit der Sihltalbahn verbunden. Diese nahm 1892 den Verkehr zwischen Zürich und Sihlwald auf und wurde 1897 bis Sihlbrugg verlängert.
In den Anfangsjahrzehnten wurde der gesamte Verkehr mit Dampflokomotiven abgewickelt. Mit der Elektrifizierung der Sihltalbahn im Jahr 1924 verloren die Dampflokomotiven ihre Bedeutung im regulären Streckendienst. Einige Maschinen blieben jedoch noch jahrzehntelang für Rangier- und Sonderaufgaben im Einsatz.
Die E 3/3 Nr. 5 wurde nach ihrer regulären Einsatzzeit für historische Sonderzüge verwendet. Unter dem Namen «Schnaaggi-Schaaggi» entwickelte sie sich zu einem bekannten nostalgischen Fahrzeug der Sihltalbahn.[4]
Gründung 1996
Als Mitte der 1990er-Jahre eine endgültige Ausserbetriebnahme der historischen Fahrzeuge drohte, wurde die Zürcher Museums-Bahn gegründet.
Die SZU überliess dem Verein historische Fahrzeuge und unterstützte die Nutzung der Anlagen im Bereich des Bahnhofs Sihlwald. Dort entwickelte sich in den folgenden Jahren das betriebliche Zentrum der Museumsbahn.
Bereits 1997 konnte die restaurierte Dampflokomotive «Schnaaggi-Schaaggi» wieder für öffentliche Fahrten eingesetzt werden. Die Aufarbeitung hatte rund 200'000 Franken gekostet.[6]
Ausbau der Sammlung
In den folgenden Jahren übernahm und restaurierte der Verein weitere Fahrzeuge der Sihltalbahn. Neben Dampflokomotiven wurden Elektrotriebwagen, Dieseltraktoren, Personenwagen, Gepäckwagen und Spezialfahrzeuge erhalten.
Der Fahrzeugbestand repräsentiert unterschiedliche Epochen der Sihltalbahn, von den Anfängen des Dampfbetriebs im späten 19. Jahrhundert über die Elektrifizierung der 1920er-Jahre bis zu Fahrzeugen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Parallel dazu wurden die Anlagen beim Bahnhof Sihlwald erweitert. Neben der historischen Lokremise entstanden zusätzliche Unterstell-, Werkstatt- und Versorgungsmöglichkeiten.[7]
Strecke
Die Zürcher Museums-Bahn besitzt keine eigene Eisenbahnstrecke. Sie nutzt hauptsächlich die Infrastruktur der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn.
Zürich Wiedikon–Sihlwald
Die öffentlichen Museumszüge verkehren zwischen Zürich Wiedikon und Sihlwald über die Verbindungsstrecke nach Giesshübel und anschliessend über die Sihltalbahn.
Die Strecke führt unter anderem über:
Auf diesem Abschnitt verkehren im regulären Personenverkehr Züge der S-Bahn Zürich, insbesondere der Linie S4. Die historischen Züge der ZMB müssen deshalb in den bestehenden Fahrplan integriert werden.
Sihlwald–Sihlbrugg
Südlich von Sihlwald führt die Bahnstrecke weiter durch das obere Sihltal bis Sihlbrugg.
Der reguläre Personenverkehr auf diesem Abschnitt wurde am 10. Dezember 2006 eingestellt. Die Strecke blieb jedoch betriebsfähig und wird weiterhin unter anderem für historische Fahrten der Zürcher Museums-Bahn genutzt.[8]
Für die Museumsbahn besitzt dieser Streckenabschnitt besondere Bedeutung, da hier historische Züge ausserhalb des dichten regulären S-Bahn-Verkehrs verkehren können.
Öffentliche Fahrten
Die Zürcher Museums-Bahn führt während des Sommerhalbjahrs regelmässige öffentliche Fahrten durch.
Üblicherweise verkehren die historischen Züge von April bis Oktober am letzten Sonntag des Monats.[9]
Im Fahrplan 2026 starten die beiden regulären Rundfahrten um 11:10 Uhr beziehungsweise 14:30 Uhr in Sihlwald. Die Züge erreichen Zürich Wiedikon um 11:45 beziehungsweise 15:05 Uhr und fahren anschliessend über Sihlwald bis Sihlbrugg weiter.[10]
Zwischen den Fahrten werden die Dampflokomotiven in Sihlwald mit Wasser und Kohle versorgt.
Neben den regulären öffentlichen Fahrten organisiert der Verein Sonderveranstaltungen, Osterfahrten, Samichlausfahrten und weitere thematische Fahrten. Historische Züge können ausserdem für private Gesellschaften und Veranstaltungen eingesetzt werden.[9]
Betrieb im Sommer 2026
Im Sommer 2026 dürfen die Dampflokomotiven der Zürcher Museums-Bahn aufgrund akuter Waldbrandgefahr zeitweise nicht eingesetzt werden. Die geplanten Fahrten finden dennoch statt und werden mit dem elektrischen Triebwagen FCe 2/4 Nr. 84 durchgeführt.[1]
Der Verzicht auf den Dampfbetrieb soll verhindern, dass Funkenflug oder glühende Partikel aus dem Schornstein Vegetationsbrände entlang der Bahnstrecke verursachen.
Fahrzeuge
Der Fahrzeugpark der Zürcher Museums-Bahn umfasst historische Dampf-, Elektro- und Dieselfahrzeuge sowie Personen-, Speise-, Küchen- und Gepäckwagen.
= Dampflokomotiven
E 3/3 Nr. 5 «Schnaaggi-Schaaggi»
Die E 3/3 Nr. 5 «Schnaaggi-Schaaggi» ist das bekannteste Fahrzeug der Zürcher Museums-Bahn.
Die Lokomotive wurde 1899 gebaut und gehört zu einem für schweizerische Nebenbahnen und Rangierdienste typischen dreiachsigen Dampflokomotivtyp. Die Sihltalbahn besass ursprünglich mehrere ähnliche Maschinen.[4]
Nach der Elektrifizierung der Sihltalbahn im Jahr 1924 wurden einige Dampflokomotiven weiterhin im Rangierdienst eingesetzt. Die Nr. 5 blieb erhalten und wurde später für historische Sonderzüge verwendet.
1987 musste sie wegen einer fälligen Kesselrevision abgestellt werden. Ihre geplante Wiederaufarbeitung war einer der wichtigsten Gründe für die Gründung der Zürcher Museums-Bahn. Seit der Restaurierung ist sie das charakteristische Zugpferd der öffentlichen Dampffahrten.
E 3/3 Nr. 2 «Hansli»
Die E 3/3 Nr. 2 «Hansli» wurde 1893 gebaut und ist damit noch älter als «Schnaaggi-Schaaggi».[2]
Sie stammt ebenfalls aus der Frühzeit der Sihltalbahn und ergänzt seit ihrer Restaurierung den historischen Dampflokbestand der ZMB.
Beide Dampflokomotiven gehören zu den ältesten betriebsfähigen Fahrzeugen der Sammlung.
= Elektrotriebwagen
FCe 2/4 Nr. 84
Der FCe 2/4 Nr. 84 wurde 1924 im Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Sihltalbahn beschafft.
Die Sihltalbahn erhielt damals fünf Triebwagen mit den Nummern 81 bis 85. Sie wurden von der Schweizerischen Wagonsfabrik Schlieren und der Maschinenfabrik Oerlikon gebaut.[11]
Der Triebwagen besitzt einen Holzaufbau und gilt nach Angaben der ZMB als ältester betriebsfähiger normalspuriger Triebwagen der Schweiz mit Holzaufbau.[12]
Er besitzt zwei Führerstände, Fahrgastabteile und ein Gepäckabteil. Aufgrund seiner Höchstgeschwindigkeit von rund 50 km/h kann er auch ausserhalb des unmittelbaren Sihltals für historische Fahrten eingesetzt werden.
BDe 4/4 Nr. 92
Der BDe 4/4 Nr. 92 wurde 1968 gebaut und repräsentiert eine jüngere Epoche der Sihltalbahn.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 70 km/h ist er wesentlich flexibler einsetzbar als die Dampflokomotiven und kann auch längere Fahrten über das schweizerische Normalspurnetz durchführen.
Der Triebwagen wird unter anderem für mehrtägige oder längere Ausflugsfahrten eingesetzt. 2025 führte die ZMB mit ihm beispielsweise eine mehrteilige Tour de Suisse durch.[13]
= Dieselfahrzeuge
Zum Bestand gehören beziehungsweise gehörten mehrere Diesel- und Rangierfahrzeuge.
Dazu zählen unter anderem:
- Tm 10 von Robert Aebi, Baujahr 1949
- Em 2/2 Nr. 7 «Mutz», Baujahr 1961
Diese Fahrzeuge dienen vor allem Rangier-, Arbeits- und Hilfsdiensten.[14]
Personen- und Dienstwagen
Neben den Triebfahrzeugen unterhält die Zürcher Museums-Bahn mehrere historische Reisezug- und Dienstwagen.
Zum Bestand gehören unter anderem:
- Personenwagen C 22
- Personenwagen C 68, Baujahr 1927
- Personenwagen C 69, Baujahr 1929
- Speisewagen WR 251
- Küchenwagen
- Gepäckwagen D 403
Der Speisewagen wird bei öffentlichen Fahrten als «Spiiswägeli» bezeichnet. Für Plätze darin sind Reservationen möglich.[16]
Depot und Anlagen in Sihlwald
Das betriebliche Zentrum der Zürcher Museums-Bahn liegt beim Bahnhof Sihlwald.
Dort befinden sich historische Remisen und Nebengleise, die für die Unterbringung und Wartung der Fahrzeuge genutzt werden. Im Laufe der Vereinsgeschichte wurden die Anlagen schrittweise erweitert.
Zu den Einrichtungen gehören:
- Lokomotiv- und Wagenremisen
- Werkstattbereiche
- Wasserkran für Dampflokomotiven
- Kohlenlager
- Abstellgleise
- Materialräume
- Anlagen für Restaurierungs- und Unterhaltsarbeiten
Während der öffentlichen Fahrtage bildet Sihlwald zugleich das Zentrum des Besucherbetriebs.
In unmittelbarer Nähe befindet sich das Besucherzentrum des Wildnisparks Zürich.
Zusammenarbeit mit der SZU
Die Zürcher Museums-Bahn ist eng mit der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn verbunden.
Die historischen Fahrzeuge verkehren auf deren Infrastruktur und müssen die gleichen grundlegenden sicherheits- und bahnbetrieblichen Anforderungen erfüllen wie andere Eisenbahnfahrzeuge.
Die technische und betriebliche Zusammenarbeit mit der SZU ist insbesondere notwendig, weil die Museumszüge auf mehreren Streckenabschnitten zwischen den regulären Zügen der S-Bahn Zürich verkehren.
Die SZU bezeichnet die Gründung der Zürcher Museums-Bahn 1996 ausdrücklich als Massnahme zur Erhaltung der historischen Sihltalbahn und ihrer Dampf- und Elektrolokomotiven.[3]
Bedeutung
Die Zürcher Museums-Bahn bewahrt einen bedeutenden Teil der Verkehrsgeschichte des Kantons Zürich.
Anders als reine Eisenbahnmuseen präsentiert sie historische Fahrzeuge im regulären Eisenbahnumfeld und ermöglicht Fahrten auf den Strecken, auf denen viele der Fahrzeuge ursprünglich eingesetzt wurden.
Besondere Bedeutung hat die Sammlung durch die Kombination unterschiedlicher technischer Epochen. Der Fahrzeugbestand reicht von Dampflokomotiven aus den 1890er-Jahren über Elektrotriebwagen der ersten Elektrifizierungsphase bis zu Fahrzeugen aus den 1960er-Jahren.
Gleichzeitig trägt die Museumsbahn dazu bei, den Abschnitt Sihlwald–Sihlbrugg weiterhin gelegentlich für den Personenverkehr zu nutzen, obwohl der planmässige Personenverkehr dort seit 2006 eingestellt ist.
Siehe auch
- Sihltalbahn
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
- Bahnhof Sihlwald
- Bahnhof Sihlbrugg
- Bahnhof Zürich Wiedikon
- S-Bahn Zürich
- S4 (Zürich)
- Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland
- Tram-Museum Zürich
- Wildnispark Zürich
Weblinks
- Offizielle Website der Zürcher Museums-Bahn
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
- Dampfbahn im Sihltal beim Zürcher Verkehrsverbund
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 ZMB Zürcher Museums-Bahn. In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 2,0 2,1 Dampflokomotiven. In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 3,0 3,1 Die Geschichte der SZU. In: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 E 3/3 Nr. 5 «Schnaaggi-Schaaggi». In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Beiträge an Zürcher Museumsbahnen. In: Amtsblatt des Kantons Zürich. 1999. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Beiträge an Zürcher Museumsbahnen. In: Amtsblatt des Kantons Zürich. 1999. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Jahresrechnung 2024. In: Zürcher Museums-Bahn. 2025. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Dampfbahn im Sihltal. In: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 9,0 9,1 Dampfbahn im Sihltal. In: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Öffentliche Fahrten – Fahrplan. In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ FCe 2/4 Nr. 84. In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Jubiläum. In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Jahresbericht 2025. In: Zürcher Museums-Bahn. 2026. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Fahrzeugübersicht. In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Jahresrechnung 2024. In: Zürcher Museums-Bahn. 2025. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Reservationen Spiiswägeli. In: Zürcher Museums-Bahn. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Jahresrechnung 2024. In: Zürcher Museums-Bahn. 2025. Abgerufen am 2026-08-25.